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Full text of "Wissenschaftlicher Jahresbericht über die morgenländischen Studien, 1859 bis [1881]"

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Zeitschrift 



der 



Deutschen morgenländischen Gesellschaft 



Heran sge u r e b e n 



von den Geschäftsführern, 

in Halle Dr. Arnold, in Leipzig Dr. Fleischer 

Dr. 60 s ( he . Dr. Kren 1, 

unter der verantwortlichen Redacfäon 
des Prof. Dr. Ludolf Krehl. 



Supplement zum zwanzigsten Bande. 

Wissenschaftlicher Jahresherichl für 1859 bis 1861. 



Leipzig 1868, 

in Commission bei F. A. Brockhans. 



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Wissenschaftlicher Jahresbericht 



über die 



morgenländischen Studien 

1859 bis 1861. 



VuiL 

Dr. Richard Gosche, 

ord. Professor an iler Universität Halle-Wittenberg. 






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Leipzig 1868, \ ** 



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in Commission bei F. A. Brockhaas, 



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V 



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70, 









Vorwort, 

Endlich erhalten die Mitglieder der Deutschen morgen- 
ländischen Gesellschaft und andere Pfleger und Freunde 
unserer Wissenschaft einen ersten Theil der rückständigen 
von mir übernommenen wissenschaftlichen Jahresberichte. Da 
ich fürchten rauss, dass man diese Arbeit mit den meister- 
haften Rapports unseres ausgezeichneten Ehrenmitgliedes in 
Paris vergleichen wird, so will ich ausdrücklich bemerken, 
dass meine Zusammenstellungen die möglichste Vollständigkeit 
erstreben, daher bisweilen zur trockensten Kürze herabsinken, 
und zweitens, dass der Berichterstatter der grossartigen und 
altberühmten Societe asiatique in Paris lebt, wo das bedeu- 
tendste und seltenste Material zusammenströmt und ausser- 
dem, in einem uns beschämenden Unterschiede von der üblen 
Gewohnheit deutscher Gelehrten, neben der Specialforschung 
Arbeiten allgemeinerer Tendenz als voll berechtigt gelten. 

Wenn nichts desto weniger die folgenden Blätter einigen 
Nutzen stiften und auch diesseits des Rheines etwas von jener 
Anerkennung erringen werden, für deren gelegentlichen Aus- 
druck ich meinen wohlwollenden Freunden Ernest Renan in 
Paris und Gustav Hügel in Dresden gerade bei ihrer innigen 
Vertrautheit sei es mit der Bewegung der Ideen oder mit 
dem weitschichtigen Material orientalischer Litteratureeschichte 



VI Vorwort. 

um so herzlicher zu danken habe: so ist das nicht der hier 
bei wenig förderlichen Gunst meines gegenwärtigen Aufenl 
haltsortes zuzuschreiben, sondern ich fühle mich dafür in 
erster Linie den von mir immer von Neuem benutzten reichen 
Sammlungen der Königlichen Bibliothek in Berlin verpflichtet; 
ausserdem aber bin ich durch meine Beziehungen zu unseren 
grossen internationalen Buchhandlungen von Asher & Co. in 
Berlin und F. A. Brockhaus in Leipzig; ganz besonders aber 
durch die reichen bibliographischen Mittheilungen des treff- 
lichen Kais. Kuss. Staatsrathes 15. Dorn in St. Petersburg und 
durch die meines Lobes kaum noch bedürftigen American 
and Oriental Literary Records von Trübner in London in 
dankenswertester Weise unterstützt worden. 

Halle a. d. S., November 10., 1867. 

Richard Gosche. 



Inhalt 

des wissenschaftlichen Jahresberichts für 1859 bis 1861 



S( ite 

Erinnerungen an heimgegangene Mit forsch er 1 

Gesellschaften und wissenschaftliche Vereine 13 

Sammlungen 17 

Allgemeines zur Anthropologie und Ethnographie 21 

Sprachwissenschaft 23 

Pasigraphie, Schriftlehre 28 

Allgemeine Mythologie 29 

Christenthum, Mission 31 

Culturgeschichte, Kunst, Litteratur 32 

Geschichte im Allgemeinen 34 

Reisewerke allgemeineren Inhalts 35 

Geographie 39 

Bibliographie (vgl. S. 260 no. 1580e) 40 

China 41 

Japan 5 1 

Australien und Polynesien 59 

Holländisch Indien und Archipel 62 

Hinterindien (IS 

Indien 71 

Siyäpösh ll'i 

Afghanen 120 

Persien 120 

Armenien |::n 

Osetlion 1 :;4 

Kaukasus !.",."> 

Nordasien, Turan 139 

Türkei 14;, 



Yill Inhalt. 

Seite 

Kleinasicn 152 

Semiten im Allgemeinen L55 

Euphrat- und Tigrisländer 156 

Palästina, die alten Hebräer ... l<il 

Neuliebräi che Litteratnr und Geschichl ■ 20"! 

Karäer 222 

Phoenizien :.'_'•> 

Samaritaner 225 

Palmyra 226 

Sinaitisches und Nabatäer 2"_'ii 

Syrien 229 

Arabien 234 

Afrika im Allgemeinen 271 

Aegypten 271 

Nilländer iiberhaupl 

Abessinien, Nubien 283 

Ostafrika 285 

Südafrika '- ,S T 

Centralafrika 290 

Westafrika 294 

Nordafrika im Allgemeinen 297 

Cartbago 298 

Neuere Geschichte von Nordafrika 301 

Kabylen und Tuäriks 302 

Tripolis 303 

Tunis ' :; "1 

Algerien :i,, l 

Marokko »08 



\Y i ss ens c h a ftl i ch er .1 a h resb v r icht 
für L859 bis 1861. 

Von 

Prof. Dr. Richard Gosche. 

Durch Verschmelzung und weitere Ausarbeitung der unseren 
Versammlungen in Frankfurt a. M. und Braunschweig von mir vor- 
gelegten kürzeren Berichte für drei Jahre ist der Vortheil erwachsen, 
in grossen und concreten Gruppen die Bewegung der morgen- 
ländischen Wissenschaft zusammenhängender zu verfolgen, aber auch 
der Nachtheil einer unbequemen Anschwellung und unpraktischen 
Verspätung. Für die folgenden Jahre, so lange überhaupt das 
Vertrauen der Gesellschaft mich zu dem gleich ehrenvollen und 
mühseligen Geschäft des Berichterstattens berufen wird, will ich 
daher versuchen, die einzelnen Jahrgänge auseinander zu halten, 
rechtzeitig zu bearbeiten und, da trotz alles Abwartens absolute 
Vollständigkeit nicht erreicht werden kann , ungesäumt zum Druck 
zu bringen. 

Der von unseren Berichterstattern befolgte Gebrauch, dem 
Ueberblick über die wissenschaftliche Thätigkeit auf unseren Ge- 
bieten eine dankbare Erinnerung an diejenigen Männer vorausgehen 
zu lassen, deren Mitarbeiterschaft der Tod während der letzten 
drei Jahre uns entzogen hat, — • dieser ehrbare Gebrauch soll auch 
jetzt als Einleitung zu dem folgenden weitschichtigen Litteratur- 
bericht von mir festgehalten werden. 

Den Kreis unserer Wissenschaft haben diesmal empfindliche 
Schläge getroffen, welche einem begrenzteren Blicke zwar nicht 
ganz unmittelbar erscheinen können. Aber die Namen, um deren 
Träger wir trauern müssen, haben auch über unserer Wissenschaft 
geleuchtet, mit einem steten Glänze neue Wege erhellend, wie 
A. v. Humboldt und Karl Ritter, deren naturwissenschaftliche und 
geographische Universalität an zahlreichen Punkten das Gebiet des 
Orients berührte; oder sie haben mit ihren Neigungen und ihrer 
Begabung in der nächsten Beziehung zu unserer morgenländischen 
Forschung gestanden, von deren eigentlicher Mitarbeitersebaft nur 
eine glänzende äussere Lebensstellung sie zurückzuhalten schien, 

Jahres bericlit 1859—1861. 1 



2 Go <■/,,, teisaenschaßl. Jahresbericht für L859 W 1861. 

wie Bimsen liml Friedrich Windischmann, zwei Männer, in de 
die Bildung ihres Jahrhunderts ihren Gipfelpunkl erreichte, jenach- 
dem jedes Einzelnen Glaubensansichl ihr hob oder hemmte; der 
eine, im eigentlichsten Sinn Protestanl ohne gegen das religiöse 
Gemüth selbsl zu protestiren, der andere tiefsinniger Katholik, dessen 
Wissenschaft in der Erkenntniss und philosophischen Würdigung 
orientalischer Ideen auf semi-pelagianische Eroberungszüge Für seine 
bewegungslos festgegründete Kirche auszugehen schien. 

Die Verdienste, welche der am 6. Mai 1859 zu dem „Geiste 
seiner Natur heimgekehrte" Alexander v. Humboldt, 1 ) der „Nestor 
unserer Ehrenmitglieder", durch seine Forschungen in Nord- and 
Central-Asien und durch seine Förderung zahlreicher wirklicher and 
cheinbarer Talente auch auf historisch - philologischem Gebiel sich 
erworben hat, werden unvergessen bleiben, wenn auch eine ubel- 
geschäftige und des ihrem Geschlechl sonsl eigenen natürlichen 
Taktes entbehrende Frauenhand versuchl hat, sein Gedächtnis* (dass 
ich mit meinem Ausdruck beim M6tier bleibe) in eine pikante 
Correspondenz - und Conversationslauge „einzumachen". Eingedenk 
dessen, dass die nationale Dankbarkeit einen solidarischen Zu- 
sammenhang zwischen der Ehre ihres Volkes und dem wahren 
1,'ulim seiner Männer anerkennen muss, überlassen wir es denen. 
welchen die Wirkung und Bedeutung des lebenden universellen 
Naturforschers unbekannt oder doeb sieber unverstanden geblieben 
war, sich an dem Skandal einer Ait von Geisterbeschwörung zu 
ergötzen und erinnern uns vielmehr, dass fasl sämmtliche grössere 

graphische und archäologische Expeditionen, welche in Deul 
laud und zumal in Preussen während der letzten vierzig Jahre 
unternommen wurden, durch ihn stets die wohlwollendste Förderung, 
nicht selten geradezu die erste bedeutende Anregung in den mass- 
enden Kreisen gefunden haben: dass ihn das Orosste und das 
Kleinste in seine]' universellen Bedeutung interessierte, mochte es 
das indische Zahlsystem oder das innerasiatische Gebirgssystem 
oder ein anderes grosses geographisches Problem betreffen. Mit 
einer seltenen Zähigkeit hielt er bedeutsame wissenschaftliche Pläue 
fest; den gleich nach seiner Rückkehr aus der neuen Welt ge- 
fassten Gedanken, dureh eine Land) eise nach Ostindien die Frauen 
muh Belurtag u. s. w. zu erledigen, suchte er noch in seinem 
späten Leben durch die Gebrüder Schlagintioeit zu verwirklichen, 
während er zu derselben Zeit seinem hohen Freunde, dem Könige 
Maximilian von Bayern, AU» / / Vosrh, ,■ zu einer afrikanischen Ent- 
deckungsreise empfahl. Wie lebhaft und eingehend er sich an 

archäologischen Arbeiten betheiligte, zeigt die Förder ; der 

preussischen Expedition in Aegypten, für welche Lepsius' Briefe 
Zeugniss ablegen. 



1) Schriften über A. v. Humboldt rergl. Zeitschr. f. allg. Erdk. N. r. 
1859, VII p. 514. VIII p 514. 



Gösch i' , ivissenschaßl. Jahresbericht für 1859 bis 1861- ;; 

Während höfische Stellung and höfisches Talenl den mt 
schaftlichen Einfluss v. Humboldts in ansserordentlicher Weise 
steigerte (so dass wir für Beine erledigte Kammerherrn stelle bald 
einen würdigen Nachfolger in der prenssischen Residenz and in der 
Nähe des Königs wünschen), zeigl ein anderer, gleichfalls dem 
Berliner Leben and der Wissenschaft entrissener Gelehrter, der ähn- 
lich wie A. v. Humboldt ein gut Stück Naturwissenschaft mit um- 
fassender philologisch-historischer Bildung vereinigte, ein durchaus 
verschiedenes Wesen. Fern dem Treiben der grossen Welt, in 
seine grossen Forschungen und sein tiefes Gemüth versunken, ver- 
lebte der am 28. Sept. 1859 verstorbene Karl Ritter, 2 ) ordent- 
liches Mitglied unserer Gesellschaft, ein stilles arbeitsreiches, geistig 
ewig junges Leben. Seine Gestalt geht mit der ganzen Hoheil 
eines unantastbaren Charakters durch das Gedächtniss der Nach- 
lebenden. Wenn William Jones und Herder dichterisch und theo- 
logisch den Orient als ein achtes Stück wahren menschheitlichen 
Lebens erwiesen hatten, so wusste Mitter mit der ganzen Gewalt 
einer umfassenden Gelehrsamkeit und mit der noch grösseren eines 
tiefen Verständnisses des Planes der Weltgeschichte, den Schauplatz 
unserer Studien in den Zusammenhang einer grossartigen Natur- 
und Weltbetrachtung zu rücken ; nicht allein beschäftigt sich sein 
unsterbliches Werk üher vergleichende Erdkunde fast ausschliesslich 
mit Asien, sondern auch in einzelnen akademischen Abhandlungen 
sind zahlreiche Specialuntersuchungen über einzelne Punkte der 
orientalischen Geschichte und Geographie niedergelegt, so dass 
unsere Wissenschaft nach dieser Seite hin sich noch lange an seinen 
Anregungen wird erheben dürfen. Die biographische Schilderung, 
welche uns Gustav Krämer in Halle versprochen hat nach seinen 
Tagebüchern und Briefen zu liefern, wird das edle Bild des gross- 
artigen Forschers bis in das Detail des individuellen Gemüthslebens 
verfolgen lassen. Die Fortsetzung des grossen geographischen 
Werkes ist dem trefflichen Kiepert als ein natürliches Vermächt- 
üiss seines grossen Lehrers zugefallen: wir wünschen, dass er weiter 
als bis aach Kleinasien in der Ausführung desselben gehe. 

Wieder in das grosse politische und höfische Leben führt uns 
der Name, den ich von den allgemeiner bedeutsamen an dritter 
Stelle genannl habe. Christian Karl Josias Bunsen, 3 ) welchen 
sein königlicher Freund in den Freiherrnstand erhob, nachdem er 



2) Vergl. Haym's Preuss. Jahrbb. 1860 Bd. 5 Heft 4 (April); ferner: 
//. Bögekamp , Karl Ritter. Eine kurze Charakteristik seines Wirkens. Ber- 
lin. Riegel 1860, 2 IUI. u. ::. r > s. 8. QJfo) Vergl. Litern-. Centaalbl. 1860 
nr. 13 i>. 197 i' i""l sonstige Schriften über A'. Ritter vergl. Zeitschr. f. allg. 
Er.ik. x. F. 1859, vii p. 514. VIIJ p. 514. 

3) //. Geizer, Bunsen als Staatsmann ü. Schriftsteller. Eine Gedächtniss- 
rede geh. am 8. Jan. 1861. Abdr. ans d. Protest. Monatsbll.) Gotha, J. Perthe 
1861, VI u. 45 S. gr. 8 (n. G Jfo); dasselbe in's Holländische übersetzt 
Chrn. K. J. Bunsen als Staatsman en als Schrijver. Amsterdam, Witkamp 1861 

1* 



4 Gosche, wiaaenachaftl. Jahresbericht für 1859 b .-• 1861. 

längst in der Wissenschaft den Rang eines Fürsten eingenommen 
hatte, starb am 29. November 1860. Die glänzende politische 
Stellung, welche ihm das volle Vertrauen, ja man kann sagen die 
persönliche Freundschaft zweier \mi einander wesentlich verschie- 
dener preussischer Könige verliehen hat, und der fast i eformalorische 
Eingriff in das kirchliche Leben der Gegenwart, sind die Liebli' 
gegenstände für die biographischen und charakterisierenden Darstel- 
lungen des ausserordentlichen Mannes in den meisten öffentlichen 
Blättern gewesen. Uns können diese beiden Seiten nur in so weit 
interessieren, als die eine der rückhaltlosesten Förderung der Wissen- 
schaft diesseits und jenseits des Kanales galt, wie eine ähnliche 
nur noch dem grossen Alex. v. Humboldt nachgerühmt werden 
kann, ohne dass aber bei Bimsen schlechtsinnige Tagebücher ans 
diese Dankbarkeit verkümmern werden; die andere, die kirchliche 
Seite seiner Thätigkeit, verdient unsre Aufmerksamkeit, weil in ihr 
sich der schöne Muth eines ganzen, einheitlichen Mannes zeigt, die 
letzten Resultate der freiesten Wissenschaft, insonderheit ihn- 
biblischen Kritik auf das religiöse Gebiet befruchtend hinüberzu- 
führen. Wenn er die harmonische Ausbildung dieses religiösen, 
die wissenschaftliche Forschung nicht fürchtenden, sondern natur- 
gemäss in sich aufnehmenden Sinnes den frühzeitigen Berührungen 
mit dem grössten unter den jetzt lebenden Ethikern, Richard Botin . 
zu verdanken hat: so ist seine philosophisch-historische Universalität 
auf SchelUng und Niehuhr zurückzuführen. Für ihn gab es nichts 
Einzelnes, nichts Zusammenhangsloses: das scheinbar Isolierte 
musste er in einer grossen Verbindung betrachten. Daher kam 
in seine Methode allerdings bisweilen etwas Phantasievolles, was 
die Philologen zu rügen liebten ; er selber aber war mit rastloser 
Strebsamkeit darauf bedacht, solche Lücken concreter wissenschaft- 
licher Erkenntniss sich und andern zu ergänzen. Darum zogen 
ihn ganz besonders die Gebiete unserer orientalischen Wissen- 
schaft an, Gebiete, auf denen er die später auseinandergerissenen 
Richtungen der menschlichen Entwicklung noch vertraulich dicht 
bei einander, in ihren Uranfängen zu beobachten suchte; darum 
gerieth, in ganz richtigem Instinkt, seine Forschung auf das be- 
sondere Gebiet des altägyptischen Lehens, und es war geradezu ein 
Triumph seiner Arbeit, dem scheinbar wunderlichen Volksthum, 
welches bis dahin mehr als eine Curiosität gegolten hatte, eine 
Stellung in der Weltgeschichte anweisen zu können. 

Um alle die grossen orientalischen Aufgaben, welche vor seiner 
dilatorischen Seide in allgemeinen Umrissen schwebten, ihrer 
Lösung entgegenzufuhren, hat er grosse wissenschaftliche Kräfte 
auf ihre Bahn geführt. Nachdem er von Champollion's Besuch in 
Rom im J. 1826 mächtige Anregungen empfangen und selbständig 

XII ,u. 76 S. 8. - Dazu die Artikel in der Allg. kirchl Zeitschrift von Schen- 
kel 1861, Heft 2; und in den Preuss. Jahrbb. von Hayin 1861, VII Heft 1. 



Gosche, ufissensdhaftl. Jahresbericht für 1859 bie 1861. .") 

weiter gebildet hatte, trat er seit dem Frühling des J. 1836 in 
den innigsten Verkehr mit Lepsius. Ich habe kaum nöthig anzu- 
deuten, wie seit jener Zeit die wissenschaftliche Erb6chaf( Cham- 
pollion's in diese deutschen Hände fallen mosste. Bimsen ver- 
mittelte die resultatreiche Expedition des preussischen Gelehrten 
nach Aegypten, als deren Folge zum ersten .Mal dieser Zweig der 
Alterthumskunde in den Kreis der (Jniversit&tsirissenschaften in 
Deutschland als ein menschlich berechtigtes Stück eingeführt wurde; 
er selber legte seit 1845 seine allgemeinen geschichtlichen An- 
schauungen aber Aegypten und die ersten Epochen der Geschichte 
der Menschheit in einem Werke nieder, welches an eigentümlicher 
Detailforschung und an grossartiger Combination bis dahin nichl 
seines Gleichen hatte. 

Seine tiefe Einsicht in die Bedeutung der indischen Studien 
veranlasste ihn Max Müller in England eine Stellung begründen 
zu helfen, weil er von der feinen Verbindung poetischen Sinnes 
und tüchtiger philologischer Bildung in diesem Gelehrten mit 
Recht grosse Hoffnungen hegte. Fortan sehen wir ihn und den 
Jüngern Freund vielfach in gemeinsamer Arbeit begriffen, und ihre 
Resultate liegen glänzend in den sprach- und geschicht-philosophischen 
Theilen des englischen Hippolytos zu Tage. Neben Indien, dessen 
mächtige gleichmässig entwickelte Cultur seinen Sinn fesseln konnte, 
beschäftigte er sich damals auch mit afrikanischen Studien, und er 
war es, der im J. 1849 die gemeinschaftliche Expedition Barth's 
und Richardson's nach Centralafrica vermittelte. Bei den Arbeiten 
für die letzte Abtheilung seines Aegyptens zog er Martin Haug's 
grosses Talent hervor und half ihm zu jener günstigen Stellung in 
Pirna, durch w r elche Haug der deutsche Anquetil du Perron des 
19. Jahrh. zu werden verspricht. 

Endlich in seinem Bibelwerke begann Bimsen die ganze Fülle 
seiner religiösen Begeisterung, seiner individuellsten Forschungen 
und der Mitarbeiten seiner Freunde in epochemachender Weise 
niederzulegen , bis der Tod seine arbeitsame Hand zur Ruhe zwang. 

Was ich aber an ihm hervorgehoben habe, das sind nur ein- 
zelne Momente auf der langen Bahn vom Kapitol nach Carlton 
Terrace und von da über Berlin und Heidelberg nach seiner Ruhe- 
stätte in Bonn. Für unsre Gesellschaft hatte er Grosses im Sinne 
und in seinen letzten Jahren dachte er lebhaft daran, wie er seinen 
Einfiuss höchsten Ortes zur Vermehrung unserer Geldmittel für 
wissenschaftliche Unternehmungen benutzen könnte. Niemand hat 
ein Recht zu fragen, in wie weit hierbei und bei allen seineu weit- 
greifenden wissenschaftlichen Handlungen der natürliche Ehrgeiz 
eines hochbegabten Mannes mitbestimmte; denn es ist genug ge- 
than, wenn solcher Ehrgeiz mit einem rückhaltlosen Streben nach 
Lösung der höchsten Aufgaben in philologisch - historischer und 
kirchlicher Wissenschaft zusammen fällt, — 

Ein eigentümliches Gegenbild stellt sich in dem grossen 



q Cor,/,, . ,'■;,;.-, „.--,■/,, i/'il. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

katholischen Theologen und Orientalisten Fnedr, Windischmcmn**) 
dar, welcher am 21. Aug. 1861 in München starb, [hm erlaubte 
die strenge systematische Gliederung seiner kirchlichen Anschauungen 
nicht, theologischen Neigungen unbefangen and frei nachzugehen; 
kritischen Arbeiten, wie sie noch töovers innerhalb derselben Kirche 
vornehmen zn können glaubte, widerstrebte der eigentümliche ro- 
mantische Charakter seiner Bildung. Er war aus einem Kreise 
hervorgegangen, dessen Geist der Name seines Vaters Karl Joseph 
Hieronymus Windischmann, des Verfassers der „Philosophie im 
Portgange der Weltgeschichte" hinlänglich kennzeichnet ; aber ihm 
dem Sohne war dennoch eine etwas klarere Speculation und vor 
allen Dingen eine viel strengere philologische Bildung zu Theil 
worden. Die orientalische Philosophie war ein Lieblingsstück für 
die katholischen und die romantischen Denker, und W. sucht« 
da auf, wo sie eigentlich einzig und allein im Orient zn linden 
ist, in Indien. Das Wenige, was in Deutschland für indische Phi- 
losophie geschehen ist, knüpft sich daher fast ausnahmlos an Minen 
Namen, seit er im J. 1833 das Vedänta- System in seiner 1 
lingsschrift einer ersten sorgfältigeren Betrachtung unterwarf. Da- 
neben beschäftigten ihn Sprache und Ideen des Avesta, dessen kos- 
mischer Charakter ihn lebhaft anziehen musste; seine Untersuchungen 
über iranische Sprachen (wie die Recension von Burnouf's Ven- 
didad Sade, die über den arischen Ursprung des Armenischen) und 
über iranische -Mythologie (wie über den Soma-Kultus, die Anähita, 
den Mithra) gehören zu dem am Tiefsten Durchdachten, was die 
deutsche Wissenschaft in dieser Beziehung besitzt. Die iranische 
Philologie wird noch lange Zeit zu seinen tiefsinnigen Combinationen 
zurückkehren müssen. — 

Windischmann's Name erinnert uns an einen andern Orientali 
von allgemeineren Interessen, der sein Glaubensgenosse aber durch 
einen phantastischen Zug ihm unähnlich war. an den Baron v. Eck- 
stein^) einen für morgenländische Cultur begeisterten Grenzläufer 
des Glaubens und des Wissens, des lebhaften Studiums und der 
verwirrenden kritiklosen Combination. Seine eigentümliche Ge- 
schichte, welche ihn aus dem dänischen Protestantismus durch 
Kriegsdienste und innere Kämpfe zuletzt in das katholische Haus der 
„Fröres Saint-Jean de Dieu" geführt hat, spiegelt sich in allen seinen 
Arbeiten zur orientalischen Religions- und Urgeschichte (obgleich 
er überall das religiöse und das politische Gebiet gerecht zu son- 
dern meint) für den aufmerksamen Leser wieder, der an den helleren 
Partien seiner Darstellungen etwas von einem katholischen Bunsen 
finden wird. Es ist nicht zufällig, dass er mit Vorliebe solche 



3a l>r. Fr. Windischmann. Ein Lebensbild. Augsburg, Kranzfelder 1861* 
, gf. 8. (6 J0k). 

3b) Vgl. Mobl im Journ. As. 1862, XX p. 11 f. und den Letzten Artikel 
in E. Egger's ,,Meuioires de litterature aiicienue". (Paris lb62, 8.). 



Gosche, wisaenschaßl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 7 

Punkte des Alterthums behandelte, \<>n welchen man nichts mit 
Sicherheit wissen kann. 

Von den besonderen Gebieten der orientalischen Wissenschaft 
wird natürlich immer das semitische den grössten Abzug an Arbeits- 
kraft durch den Tod erfahren müssen, weil es wegen seines engern 
Zusammenhanges mit der religiösen Geschieht der Menschheit das 
am meisten angebaute ist. Hier isl eine Reihe altbewährter Namen 
unter den jüngsl Verstorbenen aufzuführen. Friedrich Bleek*), ge- 
storben am 27. Februar L859, ist in .seinen alttestamentlichen 
Forschungen, für deren inneren Zusammenhang die jetzt ersl ver- 
öffentlichten Vorlesungen über das A. T. ein fruchtbares Zeugniss 
ablegen, und in seiner ganzen wissenschaftlichen Art von -einem 
früheren Amtsgenossen J. Nitzseh mit Recht als der „Zuverlässige" 
bezeichnet Worden. Den so häufig missverstandenen oder falsch 
aufgefassten Standpunkt, wissenschaftliche Forschungen wie sittliche 
Thaten zu behandeln, hat er in allen seinen Schriften zu aner- 
kennenswerther Geltung zu bringen versucht, war es, dass er sich mit 
der Berührung alter orientalischer Weltanschauung und neuer Be- 
wegungen beschäftigte wie in seinen Untersuchungen über die sibvl- 
linischen Bücher und über den Hebräerbrief, oder dass er allen 
Forderungen wahrer Kritik gerecht werdend in der Peutateuchfrage 
nicht Geringes rettete. Es wäre zu wünschen, dass aus den hinter- 
lassenen Collegienheften , welche mit der ganzen Gewissenhaftigkeit 
dieses treuen Exegeten ausgearbeitet zu sein scheinen und aus 
denen wir bereits die werthvollen Einleitungen in das A. und X. T. 
erhalten haben, noch weitere Veröffentlichungen aus den rein exe- 
getischen Abtheilungen, wenn auch nur auszugsweise und mit Rück- 
sicht auf den gegenwärtigen Litteraturstand geschehen möchten. 

Mehr durch erbauliche Neigungen bestimmt, obgleich ursprüng- 
lich Orientalist, war der nächst Bleek am 26. April 1860 ver- 
storbene Fr. 117///. Karl Umbreit 5 ), ein Vertreter der herder'schen 
und eichhorn'schen Anschauungen auf dem Gebiete alttestamentlicher 
Wissenschaft Poetische Interessen vermittelten ihm Theologie und 
orientalische Philologie, von einem seiner frühesten Werke, der eine 
innere Einheit suchenden Behandlung des hohen Liedes an, bis zu den 
alttestamentlichen Nachdichtungen seiner späteren Lebensjahre. Fast 
einen Contrast zu ihm bildet Heinr. Middeldorf 6 ), gest. 21. Jan. 
1861, dessen Bemühungen um die Hexapla eine strengere philo- 
logische Richtung bekunden. 

4) Vergl. Deutsche Zeitschrift für christl. Wiss. von Hollenberg 1859, nr. 
18, Dorner in den .lahrbb. für Deutsvho Theologie I lSliOi p. 45 und die von 
den Herausgebern der Bleek'schen Einleitung in das A. T. Berlin 18i><^ j>. IX 
Anm. angeführten Schriften. 

5) Friedr. Willi. Carl Umbreit. Ein theol. Lebensbild, Allg. kirchl. Zeit- 
schrift von Sehenkel 1860, Heft 6; vergl. Allg. Kirchen -Zeitung von Strack 
1860 nr. 54. 

6) Zur Erinnerung an Heinrich Middeldorpf, von W. Böhmer, Hilgen- 
feld's Zeitschrift L861, IV p. 332-334. 



$ Gosche, umseruchaftl. Jahresbericht für 1859 bis L861. 

Auch die neuhebräische Wissenschaft hat bekannte Namen ver- 
loren: Tsadk Marcus Jost, gest. 20. Nov. 1860 in Frankfurt a. ML, 
Bernhard Beer, gest. 1. Juli 1861 zu Dresden 7 ) und Marcus 
Beer Friedenthal, gest. 8. Dec. 1859 zu Breslau. Während der 
letztere in engeren Kreisen um israelitische Dogmatik sich verdient 
gemacht, haben die beiden ersteren der christlichen Wissenschaft 
in mehr oder weniger gründlichen Werken nicht unerhebliche An- 
regungen gegeben: Jost's Geschichte des Judenthums i>t ungeachtet 
aller Mängel doch noch oichl iibertroffen. Eines Mannes muss 

hier gedacht weiden, obgleich er nur mit einem Werke das se- 
mitische Alterthum berührt hat: Marcus v. Niebuhr, gest. in der 
Nacht zum 1. Aug. 1860 in Oberweiler bei Badenweiler. In dem 
Wesen dieses selten begabten .Manne.-- hatte die Erziehung seines 
berühmten Vaters gegen dessen bessere Einsicht (man vergleiche 
den Brief vom 15. Aug. 1818) alle Harmonie zerstört und was 
noch geblieben war. hatte das politische Lehen vernichtet. So ist 
die Wissenschaft um einen tüchtigen Mitarbeiter gekommen; was 
er etwa vermochte, zeigt sein Versuch über die assyrische und 
babylonische Geschichte, und ich kann aus meinen Berührungen 
mit ihm während der letzten Lebensjahre versichern, dass seine 
Seele die würdigsten wissenschaftlichen Pläne hegte. 

Das Syrische verlor seinen altberühmten Träger in Georg 
Heinr. Bernstein, gest. 5. April 1860 zu Lauban in Schlesien. Er 
hat der Materialiensammlung für sein grosses syrisches Wörterbuch 
sein ganzes Leben gewidmet. Diesem Zwecke galten die wieder- 
holten grossen wissenschaftlichen Reisen in England während der 
Jahre 1815 und 1836 und in Italien 1842 — 43; die verschiedenen 
kleineren Arbeiten, welche sich auf Sanskrit und Arabisches be- 
zogen, kamen dagegen kaum in Betracht; was aber von kleineren 
Abhandlungen zur syrischen Litteratur erschien, insbesondere das 
treffliche Glossar zu Kirsch's Chrestomathie, Hess so bedeutende 
Hoffnungen fassen, wie sie auch das 1857 erschienene erste Heft 
seines syrischen Thesaurus bestätigt: leider aber scheint die Art 
der Materialiensammlung die Fortsetzung des vorzüglichen Wörter- 
buchs, welches fast einer syrisch-theologischen Encyclopädic gleicht. 
für einen Nachfolger so ausserordentlich zu erschweren, dass kaum 
eine geeignete Kraft sich uneigennützig genug der Arbeit der Fort- 
setzung darbieten wird ; vielmehr steht eine englische Concurrenz 
zu erwarten, durch welche es verhindert werden kann, dass Bern- 
steins Arbeiten auch nach seinem Tode noch zu dem Recht voller 
Anerkennung gelangen. Neben Bernstein steht ein anderer, für das 
Arabische bedeutsame Veteran der orientalischen Wissenschaft in 
Deutschland: Joh. Oottfr. Ludwig Kosegarten starb am 18. Aug. 
1860 zu Greifswald. Seine vielseitigen Arbeiten tragen das Gepräge 
grösserer Tiefe und Selbständigkeit als die nichtsyrischen Schriften 

7) Vergl. Monatsschrift für Judenthum von Frankel X (1861) p. 318 f. 
und Steinschneiders Hebr. Bibliogr. IV (186i) p. 96 f. 



Gusche, ir/sse nsch n/tl. Jahresbericht für 1859 hi 1861. 9 

des vorhergehenden. Einem tiefliegenden poetischen Sinne, welchen 
er von seinem Vater, dem Dichter der Jukunda, überkommen hatte, 
gesellte sich ein stets frischer philologischer Drang nach Stoffen. 
Die kleine Schrift Carminum orientalium triga, welche er nach der 
Rückkehr von seiner französischen Studienreise veröffentlichte, zeigte 
eine wahre Fülle der in Angriff genommenen Arbeiten. Leider ist 
in dem gegenwartigen schlechten Zeitalter des Kali keinem Sterb- 
lichen mehr die Lebenszeit eines Erzvaters verliehen und darum 
sind Kosegarten's Ausgaben des Pantschatantra, des Tabari und des 
Kitäb-al-aghäni unvollendet geblieben: vielleicht, dass das letztere 
Ahlwardt, der kundige Bearbeiter des Khalef al-achmar, in die Hand 
nehmen möchte. "Was er aber geleistet hat, ist untadelig und es 
ist kein geringes Zeugniss für seine philologische Begabung, dass 
er auch in seinen ägyptischen Arbeiten besonnen und methodisch 
verfuhr. 

Unter den Gelehrten, welche ebenfalls dem Arabischen ihre 
Thätigkeit zugewendet hatten, vermissen wir jetzt einen Mann, der 
vielleicht nicht den strengsten Anforderungen einer exaeten gramma- 
tischen Schule genügte, aber alle Pflichten, welche die Humanität 
einem an einflussreicher Stelle stehenden Manne auferlegt, mit rück- 
sichtsloser Freudigkeit erfüllte, den Professor der orientalischen 
Sprachen zu Leyden, Th. W. J. Juynboll, geb. in Rotterdam den 
6. April 1802, gest. 18. Sept. 1861 8 ). Seine zahlreichen , mit 
ebenso emsigem als beharrlichem Fleisse ausgeführten Arbeiten auf 
dem Gebiete der arabischen Historiographie und Geographie, wie 
auf dem der samaritauischen Geschichte und Litteratur sind in den 
Händen aller semitischen Philologen; jeder von ihnen, der jemals 
von der ^arabischen Handschriftensammlung in Leyden Gebrauch ge- 
macht hat (und wer hätte nicht aus dieser reichen Quelle geschöpft ?) 
wird dieses, ihres Conservators Güte und Zuvorkommenheit erfahren 
haben. In wissenschaftlicher Art ihm nicht unähnlich war ein 
anderer Mann, den wir aus unmittelbarer Nähe verloren haben, 
Georg Wilhelm Friedrich Freytag , gest. am 16. Nov. 1861 auf 
seinem Gute Dettendorf in Rheinpreussen. Obgleich Schüler 
de Sacys hat er sich doch nicht dessen Methode angeeignet, die 
vielmehr ganz auf einen andern deutschen Gelehrten übergegangen 
war ; aber seine beste Kraft fiel in eine Epoche unsers Orientalis- 
mus, wo es noch erlaubt war, durch Material und Stoffsammlungen 
zu wirken, und in dieser Beziehung ist seine Hamäsa seine Haupt- 
arbeit, für welche ihm sein ungleich berühmteres arabisches Lexikon 
und sein MeidänT, mit denen er verwandte Arbeiten bedeutenderer Orien- 
talisten hemmte, dankbar verziehn sein mögen. Von Männern, welche 
sich sonst Verdienste um das Arabische erworben haben, nennen 
wir mit anerkennender Erinnerung noch Grangeret de Lagrange 8 *), 

8) Vergl. den Brief von Land in Z. d. DmG. XVI (1862) p. 277. 
8a) Vergl. die kurze Notiz Journ. As. 1859 , 13 p. 562 , und in Mohl's 
Rapport ebend. 14 p. 12 f. 



In Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht f&r 1859 bis 1861. 

gest. II. Mai L859, dessen Chrestomathie man immer noch gern 
zur Band nimmt ; den \ ielseitigen Polen Joachim heU wel, gest 2 I , Mai 
i«(ii zu Paris, der für arabische Geographie and Numismatik nichl 
Verächtliches geleistel hat , und vor Allem den in Ewald's Schule 
gebildeten jungen Baseler Orientalisten, WilheH/m Roth 9 ), den «'in zu 
früher Tod am 8. Febr. 1860 in dem Alter von 22 Jahren dahin 
nahm: seine Eabilitationsschrifl über ,'Oqbah ibn Näfi* hatte für 
die Betrachtung der arabischen Geschichtschreibung so wesentlich 
neue Gesichtspunkte gewonnen, dass an seine schöne, früh ent- 
wickelte Krafl angewöhnliche Boffhungen geknüpft werden durften. 
Abei' auch die arischen Gebiete der orientalischen Wissen- 
schaft sind hart betroffen worden. Jenseits des Canals starb am 
■s. Mai 1860 derjenige Mann, an dessen Namen seit fast einem 
halben Jahrhundert die Schicksale der eigentlichen indischen Studien 
geknüpft waren: Horace Hayman Wilson 10 ). Er hat, alle (,. 
und alle Schwächen eines Eroberers in sieh vereinigend, grosse und 
neue Gebiete der wissenschaftlichen Forschung aufgethan und mäch- 
tige Stoffmassen als Beute heimgeführt, dabei vielleicht hier und 
da das Detail etwas rücksichtslos behandelt, Mit seiner vielseitigen 
in der That grossartig angelegten Natur suchte er das indische 
Leben auch real, nicht allein linguistisch oder philologisch in 
seiner Sprache und seinen Literaturdenkmälern zu ergreifen, und 
mit sicherer Anempfindung die bewegenden Ideen des indischen 
Volksthums zu entdecken. Vielleicht geschah es, dass er bei seinen 
wissenschaftlichen Operationen, wie im praktischen Unterrichtswesen, 
dem Einheimischen zu bedeutende Concessionen machte. Die be- 
deutendsten Naturanlagen hatten sich bei ihm mit einem massen- 
haften Wissen fruchtbar verbunden. Von einer ungewöhnlichen 
poetischen Kraft zeugte schon sein erstes Werk, mit welchem er 
von Kalkutta aus auftrat, seine Bearbeitung des „Wolkenboten" 
Kalidasa's vom Jahre 1813 \ eine riesenmässige Arbeitskraft offen- 
baren das Sanskritwörterbuch, welches zuerst 1819 erschien und in 
seiner ursprünglichen knappen Gestalt gern wieder gesehen würde, 
und seine Bearbeitung des Vishnupuräna von 1840; durch den 
glänzenden Scharfsinn des entziffernden Philologen und des Histo- 
rikers zeichnet sich seine Ariana anthpia von 1842 aus, durch 
philosophische Scharfe seine Bearbeitung der Sankhya - kärika von 
1838. Es sind in seiner bedeutenden Persönlichkeit, deren liebens- 



9) Vergl. Zur Erinnerung an Dr. Wilhelm Koth. — Rede bei der Beerdi- 
gung des frühvollendeten Jünglings Dr. W. Roth, Docenten an der Universität 
Basel, gehalten durch Herrn Antistes S. Preiswerk Hasel, Schwcighauser'sclie. 
Buchdr. (1860) 14 S. 8. 

10) Vergl. Annual Report of the Royal As. Soc. 1860 p. II — X . wo auch 
ein Verzeichniss seiner Schriften, wie er es noch selbst kurz vor seinem Tode zu- 
sammengestellt hatte; ausserdem Mohl im Journ. As. 1860, XV] p. 12— 25, eine 
treffliche Würdigung der Verdienste des grossen Indologen , und Journ. of the 
As. Soc. of Benga.1 XXIX (1860) p. 311 f. 



Cfogche, wüsenacha/Ü. Jahresbericht für 1869 bis 1861 11 

würdige Seiten jeder Besucher der Bibliothek des ESasI India 
Boase Beil Wilkin'8 Tode gern auf sich wirken Hess, und* welche 
an dieser Steile zu ersetzen künftig die ehrenvolle Aufgabe 
durch seine Arbeiten über indische Philosophie berühmten J. 1«'. 
Ballantyne sein wird, Stücke von William Jones, Colebroöke und 
Prinsep ziemlich harmonisch vereinigi gewesen; die Wissenschaft, 
welche seine Erbschaft antreten will, wird eine bedeutende Arbeits- 
theilung eingehen müssen. Mi1 wärmstem Danke nehmen wir den 
Anfang einer auf fünf Abtheilungen berechneten Ausgabe der 
sammelten Werke des Verstorbenen entgegen u ), denn wir trauen 
den Herausgebern gern zu, dass sie das einmal beliebte Princip 
der Auswahl nicht auf Kosten der dem grossen [ndologen bisweilen 
auch in unscheinbaren Einzelheiten verpflichteten Wissenschaft aus- 
dehnen werden. 

Einen bahnbrechenden Erforscher der indisch-persischen Grenz- 
gebiete verlor die Wissenschaft in dem tüchtigen Reisenden Mount- 
stuart Wphinstone im Nov. 1859, dem wir die ethno- und geo- 
graphische Eroberung des Afghanenlandes verdanken 18 ); einen tüch- 
tigen Kenner des Persischen in Morley im J. 1860, welcher die von 
ihm seit lange versprochene und mit Spannung erwartete Ausgabe 
von Firdösi's Jüsuf und Zailkhä mit in's Grab genommen hat. 

Für Kleinasien sind in William Martin Leake r gest. Anfang 
Januar 1860 zu Brighton) und in Charles Fellows (gest. 8. Nov. 
1860) der Chorführer und der glückliche Nachfolger in diesen so 
ergiebigen Entdeckungsreisen dahin gestorben.- beiden wird die 
Wissenschaft immer die Entdeckung Lyciens zu danken haben. 
Die hinterasiatische Forschung endlich hat bedeutende Namen in 
Sir George Stcmnton 13 ) und Huc 1 *) verloren, denen sich der am 
•24. Aug. 1861 verstorbene TJi. W. Atkinson mit seinen rasch be- 
rühmt gewordenen, vielleicht aber nicht immer treuen Schilderungen 
nord- und centralasiatischer Volks- und Naturverhältnisse beigesellt. 

Africa stellt immer ein gefährliches Contingent zu diesen 
Todtenlisten. Alten, unter uns ziemlich verklungenen Andenkens 
starb am 28. Jan. 1861 der Franzose J. D. Delaporte, Mitglied 
der ersten napoleonischen Expedition nach Aegypten, Mitarbeiten- 
des grossen Werkes darüber und Verfasser einiger praktischer 
Bücher für das Arabische 15 ). Unmittelbarer berühren uns die 



11) Select works of //. II. Wilson. Vol. I. (Auch m. d. T.: Essays and 
teetafes on the religions of the Hindus. By H. R. Wilson. Collected and 
edited by Reinhold Ji'ost. In fcwo vols. Vol. I. und mit dem Nebentitel: Sketch 
<ui the religions sects of the Hindus. A new edition, superintended bv Rcinh. 
E08t). London, Trübner & Co. 1861, XII u. 399 8. gf. 6. (10 sh.) ' 

iL' Vergl. Anmuil Report of the Koy. As. Soc. 1860 p. XIII — XVI und 
Sir Edward Colebroöke, Ueber Lehen u. Werke des Mountstuart Elphinstone 
Journal of the Roys] As. Soc. of Great Britain XV1U. 2 1861 . 

13) Vergl. Annual Report of the Royal As. Soc. 1860 p. X— XIII. 

14) Vergl. den Nekrolog im Ausland 1861 nr. 3. 

15) Vergl. Journ. As. 1861 T. 17 p. 472. 



12 Gosche, wiaseiiechaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

Namen Ed. Voyel und Albert Röscher. Der erstere hat durch den 
König von Bargu seinen Tod gefunden, wie der Sultan \on Darfur 
dem Vicekönig von Ägypten auf dessen Anfrage gemeldet hat; der 
gegenwärtig regierende Sohn jenes Königs von Bargu >oll indess 
menschlicher gesinnl sein, so dass man weitere Nachrichten er- 
warten darf. Durch Mittheilungen englischer Blätter steht die Er- 
mordung des strebsamen Alb. Röscher fest, der in seinem Zelte 
den vergifteten Pfeilen zweier Eingeborenen unterlag. So scheint 
allem wissenschaftlichen Ernste zum Trotz dennoch jenes wunder- 
bare Gedicht Freiligrath's ferner gelten zu wollen, welches von der 
kaum ungestraft nahbaren wilden Schönheit Afrika's singt. 

Das Gedächtniss einiger älterer Mitarbeiter unserer morgen- 
ländischen Wissenschaft ist in Monographien oder Sammlungen 
ihrer Schriften erneut worden; Oarey und Andere bespricht mit 
Rücksicht auf die Serampore Mission Marshman v, )\ aus Quatremere's 
Nachlass haben wir eine Reihe, ursprünglich zur Erläuterung Ibn 
Khaldün's bestimmte Abhandlungen durch Mohl 17 ), eine Sammlung 
zerstreuter Abhandlungen mit einer beachtenswert hen Lebensskizze 
von Barth'lemy Saint - Hüaire l8 ) erhalten; mit einer ähnlichen 
biographischen Schilderung hat der Duc de Broglie eine Reihe von 
Abhandlungen Silvestre de Sacifs ausgestattet iö ), von welchem wir 
gern mehr Arbeiten vereinigt gesehen hätten. Die originellste Per- 
sönlichkeit eines auch unsern Orient berührenden Kritikers tritt 
uns in den gesammelten Werken Fallmerayers entgegen, von dem 
der Herausgeber Thomas in der Einleitung eine ebenso fesselnde 
als gründliche Biographie geliefert hat 20 ). Der bis jetzt vorliegende 
erste Band beschäftigt sich durchaus mit Vorderasien. Der ältere 
Joh, Buxtorf wird uns in seinem Briefwechsel vorgeführt 2V <. 
Endlich will ich mit der Erwähnung der gesammelten Schriften 
eines noch Lebenden , Ad. Franck 22 ) , in welchen Leichtes und 



16) Vergl. unten nr. 552. 

17) Notes de M. Et. Quatremere sur divers sujets orientaax ^publ. par 
J. Mohl). Journ. As. 1861 T. 17 p. 105—175. 

18) Melanges d'histoire et de philologie Orientale Par.E. Quatremere. Pre- 
eedes d'une notice sur l'auteur par M. Barthelemy Saint- Hilaire. Paris 1861, 
XXXII u. 419 S. gr. 8. (5 fr.) Vergl. Journ. des Sav. 1861 Oct. p. 653 f. 

19) Silvestre de Sacy, Melanges de litterature Orientale, precedes de l'eloge 
de l'auteur par M. le duc de Broglie. Paris 1861, 339 S. 8 (5 fr.) Vergl. 
Journal des Sav. 1861 oct. p. 654 f. 

20) Gesammelte Werke von Joe. Phil. Fallmerayer herausg. von G. M. 
Thomas. Bd. 1. auch m. d. T. : Neue Fragmente aus dem Orient. Konstanti- 
nopel u. seine Umgebungen. Aegypteu und Syrien. Palästina. Anatolische Reise- 
bilder Byzantinische Corrcspondenz. Leipzig, W. Eugelmann 1861, XLVIII u. 
408 S. gr. 8. Und 3. Band. Auch m. d. bes. T.: Kritische Versuche, ebend. 
1861 , VI u. 559 S. gr. 8. (k 2Va •*& )• 

21) Johannes Buxtorf Vater, Prof. ling. hebr. 1564 — 1629, erkannt aus 
seinem Briefwechsel von Buxtorf '- Falkeisen. Basel, Bahnmaier 1860, IV u. 
46 S. (n. 8 Jfr\ 

22) Etudes orientales par Ad. Franck. Paris 1861, 256 S. 8. Vergl. 



Gosche, w\88en8chafll. Jahresbericht filr 1859 bis 1861. 13 

Beachtenswertes sich verträglich zusammen finden, zu den Sammel- 
werken der bestehenden orientalischen Gesellschaften den Uebcr- 
gang suchen. 

Unsere eigene morgenländische Gesellschaft ist ihren gewohnten, 
sichern Weg weiter gegangen. Sie hat nicht allein drei Jahrgänge 
ihrer Zeitschrift veröffentlicht 23 ), wie gewöhnlich reich an Abhand- 
lungen, die schon durch ihren äusseren Umfang bedeutend tief zum 
Theil in die brennenden Tagesfragen der Wissenschaft eingreifen, 
unter natürlicher Bevorzugung des Semitischen, wie von II. Hupfeld 
zur Topographie von Jerusalem, von A. v. Gntschmid über das 
apokryphische Werk von der nabatäischen Landwirtschaft (durch 
welche Abhandlung die Orientalisten insofern beschämt werden, 
als ihnen in Deutschland die Ehre gründlich gezweifelt zu haben 
durch einen Historiker vorweg genommen worden ist), von Levy 
über die nabatäischen Inschriften mit paläographischer Stärke aber 
sprachlicher Schwäche, von Flügel über die lauteren Brüder von 
Basra und über den Filmst el-olüm. welchen semitischen Abhand- 
lungen nur zwei bedeutende aus dem arischen Gebiet gegenüber 
stehen, die Pott's über die altpersischen Eigennamen und die von 
Trumpp über das Sindhi ; sondern es sind auch vier Hefte der Ab- 
handlungen für die Kunde des Morgenlandes erschienen, so dass 
der erste stattliche Band dieser Sammlung abgeschlossen und bereits 
ein zweiter mit zwei Nummern begonnen werden konnte 23;l ). Wie 
tief diese Veröffentlichungen in die gleichmässig berücksichtigten 
Gebiete des Indischen, Altpersischen, Syrischen und Aethiopischen 
eingreifen, wird deren specielle Erwähnung an den betreffenden 
Stellen zeigen. Ausserdem ist aber auch die schöne Reihenfolge 
der Chroniken von Mekka fortgeschritten und mit einem vierten, 
die deutsche Bearbeitung des Wesentlichen enthaltenden Bande zum 
Abschluss gekommen und so durch die Mittel unserer Gesellschaft, 



Ewald in Gott. gel. Anz. 1862 nr. 28 p. 1091 f., Journal desSav. 1861 Oct. p. 
655 f. und Steinschneiders Hebr. Bibliogr. IV ilSiü p. 117. 

23) Zeitschrift der Deutschen morgenländischen Gesellschaft. Herausgegeben 
.... unter der verantw. Redaction des l J i>>!'. Dr. Brockhaus. Bd. XIII, XIV. 
XV. Mit 4, 12, 4 Kupfertafeln. Leipzig 1859—61, VI u. 742. VI u. 781, VI 
u. 833 S. gr. 8. 

23a"' Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, herausgegeben von 
der D. m. G. unter der verantwortl. Redaction des Prof. Dr. //. Brockhaus. 
Leipzig, in Commission l»i F. A. Brockliaus 1858 — 60. 8. 
Bd. I. nr. 4. Ueber das Catrunjaya Mahätmyam .... von A. Weber. 1858 
Vergl. unten nr. 540. 
nr. 5. Ueber das Verh. des Textes der drei syrischen Briefe des Ignatios 
von li. A. Lipsius. 1859. Vergl. unten nr. 1444. Da- 
mit ist der erste Band abgeschlossen, der 6% fy kost« t- 
Bd. II. nr. 1. Herrnae Pastor. Aethiopice primuni edidit et Aethiopica latine 
vertit A. dAbbadie. 1860. Vergl. unten nr. 1719. 
nr. 2. Die Gätha's des Zarathustra .... von Dr. Martin Saug. 
2. Abth. 18G0. Vergl. unten nr 731. 



14 Gosche, wissemschaftl. Jahresbericht fiLr 1859 bis 1861. 

wie durch den tüchtigen Fleiss ihres Mitgliedes Wilstenfdd ein 
wichtiger Tunkt der mohammedanischen Bpecialgeschichte erledigt 24 ). 
So konnte Ph. 11'"///' LM ■■) mit einer gewissen Genugthuung einen 
Blick auf das fünfzehnjährige Bestellen nnsers morgenländischen 
Verein- zurückwerfen, eines Vereins, den oichl die Geschlossenheit 
einer über die See hin reichenden Grossmacht, sondern nur die 
Strebsamkeit seiner Mitglieder \vi\<s\. Je mehr im Ganzen die se- 
mitische Wissenschaft in diesen Bestrebungen unserer Gesellschaft 
hervortritt, mit um so grösserer Auszeichnung müssen wir, abge- 
sehen von den weiterhin zu erwähnenden, uns gewissennassen er- 
gänzenden „Indischen Studien" von A. Weber der von einem ein- 
zelnen Gelehrten herausgegebenen Zeitschrift „Orient und Occident" 
gedenken, mit welcher 'Uno, Im- Benfey ib ') nicht allein das Indische 
näher berücksichtigt, sondern eine sehr wesentliche Lücke der Ost 
und West verknüpfenden Wissenschaft ausfüllt, wenngleich häufige 
Berührungen mit Kuhn's sprachvergleichender Zeitschrift stattfinden 
müssen. Es ist nicht inhaltlose Uhbescheidenheit , wenn wir dieser 
deutschen Thätigkeit neben dem alten Ruhm der von einer ihrer 
selbst bewussten Grossmachl gehobenen Pariser Societe Asiatique 
gern gedenken. Der langen Folge ihres schon in einer fünften 
Serie begriffenen Journals fügten die letzten drei .Jahre die regel- 
mässigen sechs Bände hinzu 26 ). Ihren Arbeiten stehen die Mit- 
glieder der ersten Akademie der Welt fördernd zur Seite; auch in 
ihnen ist das Semitische vorzugsweise berücksichtigt. Das Alter- 
thum berühren Oppert mit seinen Grundzügen der assyrischen Gram- 
matik und Baron v. Eckstein mit seiner Untersuchung der Kosmo- 
gonie des Sanchuniathon ; bis in die Gegenwart führt Behrnauer's 
Abhandlung über das islamische Polizeiwesen ; Sanguinetti theilt die 
für vorderasiatische Religionsmischungen interessanten Ahkäm al- 
atiqat mit; Defremery behandelt mit geschichtlichem Interesse die 
Assassinen, Guckin de Slane giebt eine Uebersetzung der Geographie 
al-Bekri's u. A. Anderes, was an seiner Stelle besondere Erwäh- 
nung finden soll. Weniger rasch und glücklich sind nach dem 
schönen Anfange mit der Textausgabe und Uebersetzung des Ibn 
Batütah die besonderen Publicationen neben der Zeitschrift vor 
sich gegangen: wir haben nur den höchst dankenswerthen Index 

24 V< r-l. unten nr. 1605. 

24a Die deutsche morgenländ. Gesellschaft. Eine Deberschau ihres löjähr. 
Wirkens (1844 — 1859), Deutsche Vierteljahrsschrift 1860 p. 228—255 (von 
Ph. Wolfl . 

25) Orient und Occideni insbesondere in ihren gegenseitigen Beziehungen. 
I . chungen und fifittheilungen. Eine Vierteljahrsschrift I on Theod. 
Benfey. Göttingen, Dieterich 1860 61, Heft 1—3, 571 S. gr. 8. Der ganze 
Jahrg. von 1 Heften ."> ,-/./. . Vergl, Lit Centralis L863 m 50 p 819 f 

26) Journal asiatique .... Cinquieme serie T. 13, 14. Paris 1859, 564 u. 
540 s. in. 2 TD', in T. 13; r. 15, 16 ebend. 186 , 556 S. m. Annexe von 
CV1II S, u. 552Si in. 1 Tf. in T. 15; T. 17. 18 ebend. 1861, 564 »• 536S. 
gr. 8. 



Gosche, wissen seh n/tl. Jahresbericht für l v ."i!i bis 1861. tfl 

zu dem genannten Geographen und den ersten Band des Mas'üdl 
erhalten 268 ). Nachdem dieses zweite Werk somit in Gang gekom- 
men, hat die hochverdiente Gesellschaft ihre Aufmerksamkeil bereits 
andern wichtigen arabischen Schriftstellern zuwenden können. Nach- 
dem man sich eine Zeitlang für den wichtigen Fihrist al-olüm be- 
sonders auf Üenan's wohlbegründete Anregungen hin interessiert, 

cheinl mau gegenwärtig den für arabische wie indische l'hilologie 
gleich bedeutenden al-Birüni vorgezogen zu haben. Neben dem 
bisher bekannten und benutzten Ms. der Kaiser! Bibliothek zu 
Paris, welches Kaum eine genügende Grundlage für eine durch- 
gehende Textconstilntion hätte abgeben können, hat sich neuerdings 
glücklicherweise ein zweites, im Besitz des Pariser Prof. Schefer, 
zur Vergleichung dargeboten. Ausser dem Journal asiatique er- 

chienen aoeh zwei mein- praktischen Interessen zugewendete Jour- 
nale: die Fortsetzung der Revue de l'Orient -'). welche reich an 
Originalmittheilungen ist 28 ), und der Anfang einer Revue Orientale 
von dem unermüdlichen LSon de Rosny 29 ); dem Vernehmen nach 
war für die erstere Zeitschrift leider das Weitererscheinen nicht 
vollkommen gesichert. IMe inhaltreiche Zeitschrift der Londoner 
asiatischen Gesellschaft 30 ) erscheint nicht so regelmässig, wie wir um 
ihrer Abhandlungen willen dringend wünschen, abgesehen davon. 
sehr leicht unerquickliche Prioritätsstreitigkeiten veranlasst 
werden können, was besonders von den darin gebrachten Keilschrift- 
forschungen gilt. Kussland mit seinen mannigfaltigen und ununter- 
brochenen Beziehungen zu Asien besitzt keine besondere orientalische 
illschaft; ganz natürlich aber sind die bedeutenderen wissen- 
schaftlichen Vereine auch nach dieser Seite hin sehr thätig. Die 
kaiserli Akademie der "Wissensch. von St. Petersburg erweist uusern 
Studien den grossen Dienst , ihre zahlreichen und bedeutungsvollen 
Arbeiten nicht allein in dem Bulletin, sondern auch in den fast 



26a Vergl. unten nr. 1602 and 1617. 

27) Revue de l'Orient et de l'Algerie ef des colonies. Bnlliiin de hi Societe 
Orientale de France. Nouvelle seri . i' 9. in. Paris, Rouvierl859, 77G S.; T. 1 ! . 
12 ebend. 1860, 509 u. 166 S gr. 8. 

28 Rapport presente . ; i S, Exe. |. ministre de l'instruction publique sur 
de La Soci&e Orientale, par de Laroche foucauld . Duc de Dou- 
deauville et Abel Bureau de Vüleneuve, Revue de l'Orient 1860, XII p. 
311—324. 

29) Revue orie tale el americaine publiee avec le concours de membres de 
l'Institut, de diplomates, de savants, d< voyageurs, d'orientalistes et d'industriels. 
Nachher publ. sous les auspices de la Soc d'ethnogr. par Li'on de Rosny. 
Annee I- IN". Pai-is, Challamel L859 (Jl > s Vergl. Societe d'ethnographie 
americaine i I Orientale. L'orient par Lion de Rosny ... Lu ä la Seance publ. 
de la Section Orientale le 26 Dec. 1859. Paris 1860, 8. 

;iO The Journal of the Royal Asiatic Society ofGreat Britain and Ireland. 
Vol. WH (1858—59 London, Parker and Son [860, V, 390, XVI u. 16 S. 
gr. 8. m. 20 Tfif.j Vol. XVIII. Pari 1. ebend. 1860, 219 u. XXX s. Pari _'. 
1861, 187 S. VoL \l.\ Pari 1. % London, Quarätch 1861, gr. s. Vergl. über 
XVII, 2. Th. Benfey in Gott. gel. Alz. 1-01. nr. 28 p. 1114 ff. 



16 Gosrhe, wissenseh aftl Jahresbericht für 1859 bis 1861 

unentbehrlich werdenden Melanges asiatiques, von welchen fünf 
ncui' Lieferangen erschienen sind, bequem zugänglich zu machen 31 ). 
Auch dir archäologische Gesellschaft daselbst beschäftigt sich so 
eingehend mit dem Orient, dass sich eine eigene morgenländische 
Abtheilung constituiert hat 31 "). 

In Asien selbst theilen sich verschiedene orientalische Vereine 
mit besonderen litterarischen Organen in die von besonderen Cul- 
turkreisen ihnen dargebotene Arbeit. Zunächst in Bengalen, dem 
Ilcimathlande der morgenländischen Zeitschriften, setzt die alte 
asiatische Gesellschaft ihre rühmliche Thätigkeit mit nicht er- 
mattendem Eifer fort. Nicht allein ist ihr Journal in regelmässige] 
Weise vom 27. bis zum 30. Baude weitergeführt 32 ), sondern 
auch, was von besonderer Wichtigkeit für uns ist, die vor wenigen 
Jahren in's Stocken gerathene Bibliotheca Indica mit gutem Erfolge 
wieder in Angriff genommen worden : die ältere Reihenfolge liegt 
bis Nr. 166, eine neue Serie bis Nr. 4 vor. Gegen die immerhin 
begründete Absicht sich auf Sanskritisches einzuschränken, hat man 
die persische Geschichtschreibung Indiens als ein Yermächtniss des 
trefflichen Elliot eintreten lassen; auch in Beziehung auf das 
Arabische machen sich wieder liberalere Ansichten geltend, so dass 
wir an verschiedenen Stellen auf diese schöne Sammlung zurück- 
kommen werden. Ausserdem kommen aus Indien oder durch den 
weitverbreiteten Einfluss der bengalischen Gesellschaft meistens her- 
vorgerufen Zeitschriften der geographischen Gesellschaft in Bom- 
bay 32 ' 1 ), der litterarischen in Madras 33 ), der ceylanesischen S3a ), 
der nord-chinesischen 3i ), welche ich leider mii einigen Ausnähmen 



31) Melanges asiatiques tires du Bulletin historico-philologique de lAcademie 
Imper. des Sc.de St - Pätersbourg. T. III Livr. 4—6 (p. .141» 756 Schluss). 
St. P<5tersbourg et Leipzig 1859. gr. 8. m. 6 Tff u. T. IV Livr. 1 et 2 (p. 1 
- 291) ebend. 1860—61. gr. 8. 

31a) Arbeiten der morgenländischen Abtheilung der kais. archäologischen 
Gesellschaft, Erman's Archiv für wiss. Kunde von Russland XIX 1S60) p. 
109—121. 

32) Journal of the Asiatic Society of Bengal, edited by the Secretaries. 
Vol. XXVII. Nrs. I to V. 1858. Vol. XXVIII. Nrs. I to V. L859. Vol. XXIX. 
Nrs. I to V. 1860. Calcutta: Printed bv G. B. Lewis 1859 60; V. 456, 14, 
XCVI S. m. 7 Tff.; VI, 516, XL S. m. 4 Tff.; VII. 453. LXXXVIII S. m. 8 Tff. 
Vol. XXX (1861) nr. I-IV. (424 u. LXXXVIII S.) Calcutta, Baptist mission 
Press 1861. gr. 8. 

32a) The Transactions of the Bombay Geographical Society, iVom May 1857 
to May 1858, vol. XIV; firom May 1858 to May 1860, vol. XV. Bombay 
1859 60. 8. 

33) Madras Journal of Literatare and Science (published by the Madras 
Literary Society). New Series. Vol. IV. V. Madras 1859—60. 8. 

33a) Journal of Ceylon Brauch of the Royal Asiatic Society. Edited by 
J. Capper. Part I. II. 1856—58- 8. 

34) Journal of the Shanghai Literary and Scientific Society, nr. I. 1858 
(m. 1 Karte). Shanghai 1858, VIII u. 144 S. 8. Nr. II trägt den Titel: 
Journal of the North- China Brauch of the Royal Asiatic Society. Nr. II. May 
1859. Shanghai: printed at the Office of the North-China Herald 1859, 3 Bll. 



Gosche, wisse nsclw/tl. Jahresbericht för 1859 bis 1801. 17 

gar nicht gesehen habe. Die alte batavia'sche Gesellschaft B6 J ba1 

in den beiden letzten Bänden ihres Journals einen grösseren ja- 
vanischen dichterischen Text veröffentlicht. Bndlich ist noch zn 
erwähnen, dass auch die orientalische Gesellschaft in Nordamerika 86 ) 
den 6. Band ihrer Schriften abgeschlossen und eine]] 7. begonnen hat. 
Von den Beschreibungen und Erweiterungen orientalischer 
Sammlungen, deren Erwähnung einen integrierenden Bestandtheil 
unserer Jahresberichte mit Recht bildet , ist als die nächstliegende, 
wenngleich nicht sein- bedeutende die unserer eigenen Gesellschaft 
zu erwähnen 37 ), der diesmal durch Blau's Bemühungen eine An- 
zahl persischer Hss. und lithographischer Drucke zugegangen sind. 
Hoffen wir, dass je mehr und mein- daraus ein orientalisches Archiv 
erwachse. Der grössten Bereicherungen hat sich diesmal München 
zu rühmen, welches den gesammten Nachlas Quatremüre's an 
Ilss. 38 ) und Druckwerken, Dank den Bemühungen llalm's, in seine 
Hof- und Centralbibliothek aufgenommen hat. Die massenhaften 
Studien des früheren Besitzers zu Wörterbüchern verschiedener 
orientalischer Sprachen befinden sich ebenfalls dabei und werden 
mit einer , eines Königs wie Maximilian IL von Bayern würdigen 
Liberalität allen Forschern zur Verfügung stehn. Den glänzenden 
Keichthum der Münchener Bibliothek an Druckwerken für unser 
Fach bezeugen die von Halm nach den Quatremere'schen Er- 
werbungen ausgegebenen Doublettenverzeichnisse. In B e r 1 i n ist 
eine kleine Parthie koptischer und arabischer Hss. erworben wor- 
den; unter letzteren, welche aus Beirut kamen, befindet sich ein 
Bruchstück von Ibn Wahshiyyah's nabatäischer Landwirtschaft in 
kräftiger Hand des 14. Jahrb.. Auch eine freilich defecte, aber 
durch ihren altertümlichen Charakter ausgezeichnete Pergament- 
handschrift des hebräisch-samaritanischen Pentateuchs ist von Palä- 
stina her erworben worden , wozu man die schöne neuerdings von 
Tischendorf nach St, Petersburg gebrachte Handschrift gleicher Art 
wird vergleichen können. Die alte stattliche Sammlung von Gotha 
wird jetzt von Pertsch näher untersucht ; bereits haben wir durch 
ihn ein sauberes Verzeichniss der nicht sehr zahlreichen persischen 



u. S. 145—256 S. gr. 8. m. :« lith. Bll. Seitdem noch Yol. II. P. 1. ebend. 
1860. gr. 8. 

35) Verhandelingen van het Bataviaasch Genootschap van Künsten en 
Wctenschappen. Deel 27 en 28. (A. m. d. T. : Brata Joeda, Indisch-Javaansch 
heldendicht , voor de uitgave bewerkt door A. B. Cohen Stuart. Deel 1. 2.) 
Batavia 1860, 12, 4L LXXXI. 274; 14, 200, 392 S. 4. (11 fy 6 tyg) 

36) Journal of the American Oriental Society. Yol. VI. Vol. VII. Nnm- 
ber 1. New-Haven 1859 — 61. gr. 8 

37) Vergl. Schreiben des Dr. O. Blau Z. d. DmG. XIII (1859) p. 256— 
261, u. Rödiger's Verzeichniss ebend. p. 339 f 555 f. 

38) E. Rodiger, Mittheilungen zur Handschriftenkunde: 1. Ueber die 
Oriental. Hss. aus E. Quatremere's Nachlass in München, Z. d. DmG. XIII 
(1859) p. 219— 23S. 

Jahresbericht 1859-1361. 2 



18 Gosche, vnstemschafü Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

Bandschr. erhalten '•'■'). Aus Deutschland ist zuletzt noch zu er- 
wähnen die Bibliothek der Breslauer israelitischen Gemeinde, deren 
Verzeichniss gedrucki worden ist 40 ). Demselben Cultnrkreise ger 
hört die Bibliothek Da Costa in Amsterdam an* 1 ). 

\\ie immer, imponiert das British .Muse um mit seinen durch 
englische grossartige Mittel möglichen Erwerbungen. Die bedeu- 
tendste ist die Erwerbung der arabischen Bandschriftensammlung 
des verstorbenen englischen Colone! Taylor, welche schon gelegent- 
lieh in unserer Zeitschrift durch den verstorbenen J-'rähn kurz 
besprochen worden ist. Diese Sammlung, für welche man den statt- 
lichen Preis von 2000 i bezahlt hat, enthält unter anderen Kost- 
barkeiten einen dritten Theil des arabischen Tabari und zwar de— 
selben Prachtexemplars, von welchem auch die Bände der Kgl. 
Bibliothek in Berlin herrühren; eine neue Abschritt des bisher 
nur in einer Leydener 11s. bekannten Futüh des Beladhuri : ein sehr 
gutes Ms. dos Mujam al-buldan von Yäqüt und ein treffliches 
Meräcid. Eine noch viel grossartigere Vermehrung würde dem 
British Museum zu Theil geworden sein, wenn ihm, wie man nach 
der Umwandlung der ostindischen Verwaltungsverhältnisse beabsich- 
tigte, die herrliche Sammlung des East Bidia House einverleibt worden 
wäre. Da aber das British Museum als Nationalinstitut dem Ver- 
trauen des seine Geschenke oder sonstige Darbringungen dort de- 
ponierenden englischen Publikums durch einsehr strenges Benutzungs- 
reglement zu entsprechen hat, so sah die orientalische Philologie 
an Ort und Stelle sich durch die damit nothwendig werdende Um- 
wandlung der sonst so liberalen Verwaltung des East India House 
in ihren Arbeiten beschränkt, ja last gefährdet, und einem gemein- 
schaftlichen Protest soll es daher gelungen sein, die zahlreichen 
indischen, persischen, arabischen und andern Hss., welche man 
ehedem so gern und unbeschränkt in der Leadenhall - Streat hatte 
benutzen können, der Royal Asiatic Society und ihrem, schon deren 
ganzen Ueberlicierungen nach freieren System Dberwiesen zu sehen. 
Einen Blick in die ausserordentlichen Vermehrungen der hebräischen 
Abtheilung des British Museums gestattet eine kurze Notiz von 
Zedner 4 " 2 ), dem für die wissenschaftliche Verzeichnung derselben 
thätigen, wie nach Ullis' Tode in der Abtheilung der orientalischen 
Hss. Wm. Wright und zwar zunächst für das Syrische ; von den 



39) Die persischen Handschriften der Herzog]. Bibliothek in Gotha, Ver- 
zeichniss von Dr. Willi. Pertsch. Wien, aus d. Hof- u. Staatsdruckerei 1859, 
X. u. 143 S. gr. 8. Vergl. Sprenger in d, Z. d. lm.<;. XVI L862 p. 31 - 

40) Catalog der Bibliothek der Synagogen - Gemeinde in Breslau. Breslau, 
Sulzbach 1861, 150 S. 8. Vergl. Steinschneiders Hebr. Bibliogr. IV k 18G1 > 
p. 71 f. 

41) Bibliothek Da Costa, mitgetheilt itod M. lux*!, Steinschneiders Hebr. 
BibKogr. in 1860) p. 111 f. IV (1861) p. 119 t, 152 f. 

42) Vergl. Steinschneiders Hebr. Bibliogr. II (1859) p. 88 f. 



Gosche, wissem&ehaftl. Jahresbericht ßlr 1859 bis 1861. I'.i 

anderweitigen so mannigfaltigen Erwerbungen beansprucht nnsre 
besondere Aufmerksamkeit die baktrische Münzsammlung des Capi- 
tän Hay. In Oxford hat man eine besondere Fürsorge der Be- 
schreibung der vorhandenen s hfttze zugewendet. In erster Linie 
steht hier die Vollendung des Steinschneider' scheu Verzeichnisses der 
hebräischen Druckwerke der Bodleiana nebst einer kurzen Deber- 
sicht der Hss. 43 ); wir haben damit ein Fundamentalwerk für diesen 
Zweig der Literaturgeschichte erhalten, wie es J. Ohph. Wolf zwar 
in besserem Latt in. alter auf weniger ausreichender Grundlage (ihm 
stand weder die den Kern der Oxforder Sammlungen bildende 
oppenheimer'sche Bibliothek zu Gebote, noch waren die Grund- 
legungen der rabbinischen Wissenschaft durch Zunz erfolgt) für den 
Anfang des 18. Jahrh. geliefert hatte. Der Druck dieses Katalog - 
hat über acht Jahre gewährt und dem Verfasser konnte keine 
grössere, wenn auch oft nicht wohlthuende Anerkennung u\r Mine 
Arbeit zu Theil werden, als dass die in Oxford bereits zur öffent- 
lichen Benutzung verstatteten Aushängebogen unvermerkt und un- 
genannt anfingen in die Schriften vieler Literarhistoriker über- 
zugehen. Für die äthiopischen Hss. derselben Bibliothek trage ich 
Dillvtann's vortreffliches Verzeichniss aus dem J. 1S58 nach 44 ); 
eine allen Anforderungen genügende Arbeit über die Sanskrithss. 
hat Aufrecht 45 ) begonnen. 

Dem British Museum steht in Beziehung auf die Erwerbung 
orientalischer Hss. St. Petersburg durch seinen steten Zusammen- 
hang mit Asien gleich bedeutend gegenüber. Neben der allgemei- 
neren Zwecken dienenden kaiserl. Bibliothek, in deren Besitz einige 
durch Tischendorf erworbene und von Steinschneider* 5 *) weiter 
beschriebene vorwiegend hebräische Hss. und ausserdem die 99 meist 
in persischer (eines auch in Zend und Pehlewi) Sprache verfassten, 
in der Regel sehr sauber und kostbar geschriebenen und vorwiegend 
auf Geschichte bezüglichen Stücke umfassende Sammlung des frühem 
mehrjährigen Gesandten in Teheran, Fürsten Dolgoruky* 6 ) (darunter 



43) Catalogus librorum hebraeorum in bibliotheca Bodleiana, jussu Cura- 
torum digessit et notis instruxil M. Steinschneider. Berolini (Asher 1852 
60, LXXXII u. 3104 Sp. u. (' S. I. (5 l . Vergl. Lit. Centralbl. 1861 nr. 31 
P . 504 f. 

44) Catalogus codicum mstorum Bibliothecac Bodleianae Oxoniensis. Pars 
VII: Codices aethiopici. Digessit A. Dill/mann. Oxoniae, Parker 1858, 2 Bl 
u. 87 S. gr. 4. 

45) Catalogus codicum mstorum Sanscriticorum postvedicorum, quotquot in 
Bibliotheca Bodleiana adservantur. Auetore Th. Aufrecht. Pars I. Oxon. 
1858, 203 S. gr. 4. Vergl. A. W. im Lit. Centralbl. 1859 nr. 51 p. 813 f. 

45a) Die Tischendorfschen Nss. Von M. Steinschneider, Hebr. Bibliogr. 
II (1859) p. 92 f., IV (1861) p. 457. Vergl. meinen Bericht für 1S57— 58 
nr. 33. 

46) J3. Dom, Ueber die vordem Dolgoruky'sche , jetzt der kaiserl. öffentl. 
Bibliothek zugehörige Sammlung von morgenländischen Hss. (Aus dem Bulletin 

2* 



20 GoBche, wisaenachafü. Jahresbericht fikr 1859 bis lstjl 

der seltene 7. Theil des Mirkhond) gekommen waren, erweitert sich 
das Asiatische Museum immer mehr zu einer wahren Rüstkammer 
unserer Wissenschaft. Diesem grossartigen Institut kommt insonder- 
heit Eiter und Sachkenntniss des trefflichen Dorn zu Gute; nicht 
allein, dass er schon vor Jahren die Geschichte desselben ge- 
schrieben und neuerdings die Brüder Gurland veranlasst die hebräischen 
llss. desselben zu verzeichnen, bringt er auch mit einer die "Wissen- 
schaft ungemein fördernden Schnelligkeit jede Vermehrung der 
Schätze zu öffentlicher Kenntniss. Grade durch seine Mittheilungen 
wird das Bulletin der St. Petersburger Akademie und danach die 
Melanges asiatiques besonders wichtig für muhammedani&che Litte- 
raturgeschichte. So erfahren wir, dass von den persischen Reisen 
des verdienten Khauy/coff eine Reihe von Geschenken an das Mu- 
seum gelangt ist 17 ), darunter treffliche llss., besonders ein Abna- 
gest von Ishäq ben l.lonein, ein gutes Stück Yäqüt leider am Anfang 
defect und nur bis Baihaq reichend und verhältnismäßig viel 
Afghanisches. Der bei dieser Gelegenheit besprochenen Münz- 
sendung des Generals Bartholomäi folgte eine gleiche von Grussef**), 
und die numismatischen Sammlungen des asiatischen Museum können 
füglich für Persien und den Islam als die ersten der Welt gelten. 
So hat sich das eigenthümliehe Verhältniss gestaltet, dass die- 
jenigen Länder, welche ursprünglich dem Orientalismus ziemlich 
fern standen, jetzt denselben am massenhaftesten mit ihren wissen- 
schaftlichen Sammlungen vertreten , während die zumal im Mittel- 
alter von ihm berührten Gebiete dagegen arm erscheinen, wenn 
nicht etwa ein neues wissenschaftliches Leben noch verborgene 
Schätze aufdecken soll. Aus Italien habe ich nur Besprechungen 
der Bibliothek der Gemeinde zu Mantua 49 ), der S.D. Luzzatto's 50 ) 



de l'Ac. de St. Petersburg T. T. p. 357 f.), Melanges asiat. III (1859) p. 725 
— 734. — Vergl. lieber eine neue, der öffentl. Bibliothek von St. Petersburg 
zu Theil gewordene Sammlung von morgenländischen Hss. i \ i.n Dorn), Er- 
man's Archiv für wiss. Kunde von Russland XIX (1860) p. 389 -392. 

41) -B. Dorn , Bericht über einige vom wirkl. Staatsrath Chanykow von 
Astrabad aus dem asiat. Museum übersandte Geschenke; desgl. über eine von 
demselben dem asiat. Museum aus Meschhed zugekommene Sammlung; desgl. 
über die von dems. aus Herat eingegangene Sendung von morgenländ. Hss.; 
ferner über neun vom General Bartholomaei dein asiat. Mus. geschenkte Münzen 
(Aus dem Bulletin hist. - philol. de l'Ac. de St. Petersbourg T. XVI nr. 5 — 7), 
Melanges asiat. III (1859) p. 490 — 505; Bericht über drei vom wirkl. Staatsr. 
Chanykow eingesandte afghanische llss. (aus d. Ball. bist. -philol. de l'Ac. de 
St. Petersbourg T. XVI nr. 6—7), ebend. III L859) p. 532. Derselbe, Deber 
die vom wirkl. Staatsrat! Chanykow dem Asiat. Museum zugekommenen Sen- 
dungen von morgenländ. Münzen u. Hss. Aus dein Bulletin de l'Ac. de St. 
Petersbourg T. I p. 513 f.). Melanges asiat. IV 1860 p. 29 62. 

48) B. Dorn, Die von Herrn Gussef dem asiat. Museum geschenkten 
muhammedanischen Münzen. (Aus dem Bulletin de l'Ac. de St. Petersbourg 
T. I p. 33S f.), Melanges asiat. III (1859) p. 712— 714. 

49) Die Gemeindebibliothek zu Mantua, Vou Mortara, Steinschneider^ 



Gosche, wisaenachaftl. Jahresbericht ßi/r 1859 bi» 1861. 21 

und der Almanzi's 81 ) anzufahren; aus Spanien kommt Nachricht 
von fünfzehn unbedeutenden arabischen Hss. im Besitz der Univer- 
sität von Sevilla 61 *). In Asien seilet gehen die Sammlungen dem 
Untergange entgegen, wenn nicht eine räuberische Civilisation ihr 
Retter wird. In Indien scheint sehr viel durch Trägheit und in 
den blutigen Kämpfen der neuesten /<it zerstört zu sein; zu den 
bemerkenswerthen Stücken, welche in die Calcuttaer Sammlungen, 
denen wir weit mehr und ihnen auch naturgemäss gehörenden Zu- 
gang wünschen, gelangten, gehören Inschriften und Münzen des 
Colonel Ounningham 68 ), ihrer naturwissenschaftlichen Abtheilungen 
hier nicht zu gedenken. In Madras beschreiben Taylor 52 *) und 
Condaswami Iyer 6iV ) die meistens ehemals dem College Fori 
Saint George gehörigen, besonders Indien betreffenden Handschriften. 
Bei der Betrachtung der in unser orientalisches Gebiet ein- 
schlagenden Litteratur dürfen wir eine Anzahl von Werken nicht 
übersehen, welche zwar allgemeinere Aufgaben zu lösen übernehmen, 
aber auf asiatischem Boden ihren natürlichen Ausgangspunkt nehmen. 
Dahin gehören die G e s c h i c h t e n der Schöpfung von Poole 5S ) 
und Reinke 54 ) ? mit denen auf das engste die Untersuchungen über 
Einheit und Gliederung des Menschengeschlechts von Cabell bh ), 



Hebr. Bibliogr. II (1859) p. 19, 93; III (1860) p. 57; IV (1861) p. 48 f., 
74 f. Vergl. schon Bericht für 1857 — 58 nr. 1128. 

50) Bibliotheque de S. D. Luzsatto , Steinschneiders Hebr. Bibliogr. I 
(1858) p. 87 f., II (1859) p. 18 f. Vergl. schon Bericht f. 1857—58 nr. 1129. 

51) Bibliotheque de feu Joseph Almanzi. Par S. D. Luzzatto, Stein- 
schneider's Hebr. Bibliogr. IV (1861) p. 52 f., 97 f., 121 f., 145 f. 

51a) Literatura mogrebina. Memoria sobre los Codices arabes cedidos h la 
universidad literaria de Sevilla par Don Francisco üf. Tubino. Sevilla: Estabi. 
tipogr. de La Andalucia 1861, 25 S. 8. 

52) Vergl. Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX (1860) p. 393 f. 

52a) A catalogue of oriental manuscripts in the library of the (late) Col- 
lege Fort Saint George, now in charge of the Board of Examiners. By William 
Taylor. Vol. I— III. Madras 1860—62, 678, 793, LVIII u. 802 S. 8. (Lon- 
don, Trübner: 12, 21 u 18 sh.i 

52b) An alphabetical catalogue in the vernacular and English characters of 
the Oriental manuscripts in the Library of the Board of Examiners, prepared by 
order of Government, by F. S. Condaswami Iijcr. Vol. I. Madras l p 61, 
231 S. 8. (London, Trübner 10 sh. 6 d.) 

53) Reginaltl Stuart Poole, The genesis of the earth and of man: or, 
the history of the creation and the antiquity and races of mankind. considered 
on biblical and other grounds. 2. edition , revised and enlarged. London and 
Edinburgh 1860. 8. Vergl. Ewald Gott. gel. Anz. 1861 nr. 19 p. 721 f. 

54) Laar. Reinke, Die Schöpfung der Welt. Münster, Coppenrath 1859, 
VIII u. 308 S. 8. (1 ^. 24 Jfo) Vergl. J. Bachmann in Theol. Zeitschrift 
von Dieckhoff etc. 1860, Heft 5 p. 768 f. u. Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) 
P . 284. 

55) J. L. Cabell, The Testimony of modern science to the unity of 
mankind : being a summary of the conclusions announced by the highest autho- 
rities in the several departments of physiology , zoology , and comparative 



22 Gosche, loiaaenschafil. Jahresbericht för 1859 bis 1861. 

Schieiden 56 ), und in eingehendster Weise von Th. Wints 61 ) zu- 
sammenhängen. AJlmälig beginn! man das Geistige mein- in den 
Vordergrund zu stellen: eine psychologische Betrachtungsweise ver- 
suchl in zwar dilettantischer alier frischer Weise Bastian 5 *)} indei 
auf der andern Seid' eine eigene, für die morgenländische Wissen- 
schaft wichtige Zeitschrift von Lazarus und Steintkql 59 ) im un- 
mittelbarsten Zusammenhange mit der Linguistik den praktisch sehr 
schwer zu begrenzenden Begriff der Völkerpsychologie einzufuhren 
versucht. Im Gegensatz zu Schädelmes6ung, Haannikroscopie, 
Wadenbetrachtung und andern sehr materiellen Momenten schreitet 
die Wissenschaft sichtlich zu geistigerer Behandlungsweise der 
Menschheil uu-\ Acv einzelnen Völker weiter: daher mannigfache 
ethnographische Versuche, die mehr und mein' auf kulturgeschicht- 
liche Grundlagen, besonders auf die Sprache zurückgehen, von 
Latham 60 ), /'n-/// ,n ), Dechamps 62 ), Glavel 65 ), Mbreau de Jon- 



pldlology in favour of tlie specific unity and common origin of ;il) the varities 
of man. With an introduetory notice by Jani. W. Alexander. 2. cd. revised. 
Boston 1859. 370 S._ 8. 

56' .1/. G. Schieiden, Ueber die Einheit des Menschengeschlechts. Wester- 
mann's Illustr. Monatsh. L Q 60 Apr. — Man vergl. weiter: Ueber die Pluralität 
der Menschenarten, Ausland 1860 nr. 10. — Ursprung u. Verschiedenheit der 
Menschenracen, ebend. nr. 17. 

57) Th. WaÜZ, Anthropologie der Naturvölker. Th. 1 : Ueber die Ein- 
heit des Menschengeschlechts u den Naturzustand des Menschen. Th. 2. Auch 
u. d. T. : Die Negervölker und ihre Verwandten. Ethnographisch und cultur- 
historisch dargestellt. Leipzig, Fleischer 1859— 1860, gr. 8. (2 J / 2 «• 2V 3 $P- ) 
.Alan vergl. hierüber die eingehenden Besprechungen von G. Gerland, Psycho- 
logische Anthropologie, Zeitschr. f. Völkerspychol. u Sprach w. I (1860) p. 387 

-412 u. II (1861) p. 63 — 83 u. R. Wagner, Gott. gel. Anz. 1860 St. 112 

p. 1113 f. 

58) Der Mensch in der Geschichte. Zur Begründung einer psycholog. Welt- 
anschauung von Ad. Bastian. Bd. I auch m. d. T. : Die Psychologie als 
Naturwissenschaft. .Bd. II auch m. d. T.: Psychologie u. Mythologie. Bd. III 
auch in. d. T. : Politische Psychologie. Leipzig, O. Wigand XX p. 448 S., 
VIII u. 623. VI u, 429 S. 8. (9 jfc ) 

59) Zeitschrift für Völkerpsychologie u. Sprachwissenschaft. Herausg. von 
,1/. Lazarus U. //. Steinthal. Bd. I, II. Berlin, Dümmler 1860-62, X u. 
518, X u. 510 S. gr. 8. (k3^.) Vergl. über den ersten Band Tobler in 
Seue Jabrbb. für Philol. u. Päd. Bd. 84 (1861) Heft 6. 

60) Descriptive ethnology. By R. G. Latham. Vol. I (Eastern and 
northern Asia; Europe), II (Europe, Africa, India). London, Van Voorst 1859, 
516 u. 506 S. gr. 8. (32 sh.) Vergl. Westm. - Review 1860 T. 18 p. 565 
u. Th. Benfey, Gott. gel. Anz. 1860 St. 164 p. 1634 f. 

61) Grundzüge der Ethnographie. Von Max Pevty. Leipzig u. Heidel- 
berg, Winter 1859, X u. 437 S. & (1 $fc 24 Mgr.) Vergl. Lazarus in Zeit- 
schrift für Völkerpsychol. u. Sprachwissenschaft I (1860) p. 43Ö f. 

62) Dechamps, Ütudes des races humaines. Methode naturelle d'ethno- 
logie. Classification de l'homme moral et physique. Paris, librairie centrale 
des sciences 1860, 8. (8 fr.) 

Q'd Clavel, Les races humaines et leur part dans la civilisation. Paris 
1860, 435 S. 8. 



Gosche, unasenschaftl. Jahresbericht für L859 '< L861. 23 

y/r.v' ;4 ), Pictet'''") und Diefenbach 6e ) \ besonders greift das zaletzl 
genannte Werk ungeachtel seiner scheinbaren Einschränkung auf 
Enrqpa, mit seinem eminenten sprachlichen and historischen, ganz 
an den trefflichen Zeuss erinnernden Detail vielfach in die Sprach- 
iniil Völkerverhältnisse des westlichen Asiens ein. Pictet bietel 
zahlreiche, wenn auch nicht immer hinlänglich begründete kultur- 
geschichtliche Daten. .Mit der Betrachtung der Kaukasier, denen 
die beiden zuletzt genannten Werke, wie das etwas willkürliche 
von Moreau de Jonnes und die Sammlung des verstorbenen James 
Kennedey 6$a ) fast ausschliesslich gelten, beschäftigen sich auch 
zwei Abhandlungen von Modlmger 67 ) und J.Krtbger 6s )\ die sehr 
verfängliche Pelasger-Frage haben Vblkmuth 69 ) und Flor 70 ) wieder 
aufgenommen, beide in dem Semitismus dieses merkwürdigen grenz- 
läuferischen Volksstammes zwischen Südeuropa und Asien überein- 
stimmend, der erste aus der so vermittelten hebräischen Verwand! 
-ehalt das Religiöse im Griechenthum erklärend, der zweite 
Philister, Hyksos und Etrusker identificierend. Um so dringlicher 
wünschen wir die Veröffentlichung der von dem Geographen Kie- 
pert in der Berliner Akademie der Wissenschaften im Juni 1861 
gelesenen Abhandlung über denselben Gegenstand. 

Auch die allgemeine Sprachwissenschaft nimmt wegen 
ihrer durchgehenden Bezugnahme auf die alten schön organisierten 
asiatischen Sprachen und deren alterthümliche Litteraturen unsre 



• '•1 Ethnogenie caucasienne. Eeeherches snr la formation et le lieu d'ori- 
gine des peuples ethiopiens, chaldeens, Syriens, hindous, perses , hebreux, grees, 
celtes etc. Par A. ('. Moreau de Jonnes. Paris, Cherbuliez 1861, XXIII u. 
168 S. 8. Vergl. Ewald in Gott. gel. Anz. 1862 nr. 27 p. 107* f. 

65) Les origines indo-europeennes, ou les Aryas primitifs; Essai de paleon- 
tologie linguistique , par Ad. Pictet. Partie I. Paris , Cherbuliez 1859 . VIII 
u. 5-47 S. 8. Vergl. Th. Benfey Gott. gel. Anz. 1860 St. 92 p. 917 f. u. A. 
Weber in Beiträgen zur vergl. Sprachforschung von Kuhn u. Schleicher II 

(1859) p. 250 f. 

6fi) Origines Euxopaeae. Die alten Völker Europas mit ihren Sippen und 
Nachbarn. Studien von Lor. Diefenbach. Frankfurt a/M., Baer 1861, III u. 
4f->l S. gr. 8. (3Vs^-) Vergl. Lit. Centralbl. 1861 nr. 34 p. 544 f. u. Th. 
Benfey Gott. gel. Anz. 1861 nr. 32 p. 1271 f. 

66a Essays ethnological and linguistic by the lato James Kennedey. 
Edited by C. M.Kennedy. London. Williams and Norgate 1861, VII u. 230 S. 
gr. 8. Vergl. Ewald in Gott. gel. Anz. 1862 nr. 29 p. 1150 f. 

67) tTSlX Fttto (Lemberg 1860). 

68) Fr. J. Kruger, über die ursprüngliche Einheit der Germanen u. ihre 
Herkunft aus Asien, Monatschrift. Teut 1860 Heft 5 (Mai). 

69) Die Pelasger als Semiten. Geschichtsphilosophische Untersuchungen 
von Dr. P. Volfanuth, Prof. d. Pbilos. zu Posen. Schaffhausen, Harter 1860, 
VIII u. 340 S. gr. 8. (1 tf>. \§Jfy.\ Vergl. Literar. Centralbl. 1861 nr. 20 
P . 318 f. 

7()i Carlm. Flur. Ethnographische I'ntersuclnmgen über die Pelasger. 
(Aus d. Progr. des Gymu. Klagenfurt, Leon 1860, 133 S. gr. 8. (24 
Vergl. Literar Centralbl. 1861 nr. 20 p. 318 f. 



24 Gosche, toieaenechqßl Jahresbericht ßbr 1859 bis 1*61 

Aufmerksamkeit ganz natürlich in Anspruch, liier haben wir zu- 
oächst t'incr trefflichen Schrift von Steint dl" 1 ) zu gedenken, die 
bei geschmackvoller Verarbeitung and philosophischer Durchdringung 
der speciellsten Forschungen nicht verfehlen wird auch in spröden n 
begrenzt -philologischen Kreisen umfassende Anschauungen über das 
Wesen der Sprache und deren Haupttypen zu verbreiten: Orien- 
talisten werden mit Vergnügen die ziemlich ausführlichen Abschnitte 
über das Chinesische. Jakutische und das Arabische lesen. Heber 
die Merkmale der Sprachclassificationen , von denen endlich einmal 
wieder in grösserem Zusammenhange zu reden wäre, hat Oppert 
ganz kurz gehandelt "-). Von Schleicher haben wir zwei Abhand- 
lungen zur allgemeinen Sprachwissenschaft erhalten; eine läng 
über die Morphologie der Sprache 73 ), deren mathematische, dem 
organischen Charakter einer Morphologie gradezu widersprechende 
Formeln keinen Leser abhalten mögen sich zahlreicher einzelner 
geistvoller Beobachtungen zu erfreuen, und einige aphoristische Be- 
merkungen über Indogermanisch und Semitisch 74 j. Ein geschmack- 
volles und feinsinniges Buch ist aus M. Möller' s 75 ) Vorlesungen ent- 
standen, in welchem universelle Fragen an dem besonderen indo- 
germanischen Volksstamm erörtert werden : wie sehr hier die all- 
gemeinste Betrachtung durch selbständige Forschung getragen werde, 
ist nicht nöthig hervorzuheben. In den von Wedewer 7C ) der Phi- 
lologenversammlung von 1861 dargebrachten vier Abhandlungen 



71) H. Steinthal, Charakteristik der hauptsächlichsten Typen des Sprach- 
baues. 2. Bearbeitung seiner Classification der Sprachen. Berlin, Dümmler 1860, 
XI u. 336 S. 8. {2$fc). Vergl. Magazin für Lit. des Ausl. 1861 nr. 10. — 
Ueber Charakteristik der Sprachen, von //. Stetnthal . Zeitschr, für Yölker- 
psychol. II (1861) p. 224—243- 

72) Remarques sur les caracteres distinetifs des differentes familles lin- 
guistiques, par Jules Oppert, Revue de l'Orient 1860, XI p. 174 — 186. — 
J. Oppert, über die unterscheidenden Charactere der verschiedenen Sprachen- 
famUien, Ausland 1860 nr. 19. 

73) Schleicher, zur Morphologie der Sprache , Memoires de l'Acad. Imper. 
des Sc. de St. Petersbourg, VII. Serie, T. I (1859), auch besonders abgedruckt 
Sf. Petersburg 1859, 38 S. gr. 4. Vergl. auch desselben Artikel in Beitragen 
zur vergl. Sprachforschung II (1861) p. 460 — 463. Zu der ersteren Abhand- 
lung vergl. Steinthal, Mathematische Sprachwissenschaft, Zeitschr. für Völker- 
psychol u. Sprachw. I (I860)p. 432—435. 

74) Schleicher, Semitisch und indogermanisch, Beiträge zur vergl. Sprach- 
forschung 11 1859) p. 236—214. 

75) Lectures on the science of language delivered at the Royal Institution 
of Great Britain in April, May, and June, 1861. By Max Müller. London, 
Longman & Co. 1861. XII u. 399 S. gr. 8 (12 sh.) Vergl. Benfey in Gott, 
gel. Anz. 1862 nr. 5 p. 170 f.; Deutsches Museum von Prutz 1862 nr. 13; 
Journal des Savants 1861 p. 520; National Review 1861, 13 p. 372 — 396; 
Edinburgh Review 1862, 115 p. 67 - 103. 

76) Zur Sprachwissenschaft. Von Prof. Wedewer. Freiburg im Br., Herder 
1861, XX u. 135 S. 8. (Va#)- Ver gl- Heidelb. Jahrbücher 1862, April p. 

314 f. 



Gosche , wissenschaßl Jahresbericht fü/r 1859 bis 1861. 25 

„ Zur Sprachwissenschaft u verdient besonders die erste über den 
Zusammenhang der Sprache mit dem Volkscharakter Beachtung-, 
die besondere Seite der Etymologie behandelt Tohh-r 11 von einem 
ähnlichen Standpunkte. Die dunkle Frage muh dem Ursprung 
der Sprache, welche am angemessensten bei Seite gelassen würde, 
ist ungeachtet ihrer Unlösbarkeit wieder aufgenommen worden theils 
von Hbrnay in der Fortsetzung seines bereits früher erwähnten 
Werkes 7S ) , theils in besonderen Betrachtungen von (kim'ere 79 ) 
und in enger Anlehnung an Renan von Warrar 80 ). 

Sichere Methode und inneren Zusammenhang hat die ver- 
gleichende Sprachwissenschaft im Verlauf eines halben 
Jahrhunderts auf dem Gebiete des Indogermanischen gewonnen; die 
mit der hieraus hervorgegangenen Sicherheit verbundene Neigung 
für das Einzelne hat bereits eine ernste, wohlzuerwägende Polemik 
Benfey's 81 ) gegen Isolierung hervorgerufen. So lange indess das 
nun in neuer Ausgabe vollendete Werk des Altmeisters Bopp 82 ) 
wirkt , wird das rechte Bewusstsein sprachlicher Zusammenhänge 
lebendig bleiben. Von einer andern Seite kommt diesen Interessen 
die mit einer dritten morphologischen sogleich zu erwähnenden 83 ) 
Abtheilung abgeschlossene vergleichende Grammatik M. Rapp's ent- 
gegen; das unwiderleglichste Zeugniss für das Gedeihen dieser 
Studien giebt auch die zweite vollständig umgearbeitete Ausgabe 
von Potfs bahnbrechenden etymologischen Untersuchungen, deren 
erster Theil eine ganz selbständige und umfassende Lehre von den 
Präpositionen 84 ), und deren zweiter 85 ) eine allgemeine Wurzel- 
lehre im grossartigsten Stil enthält. Wer Pott's ausserordent- 



77) Versuch eines Systems der Etymologie. Mit bes. Rücksicht auf Völkerpsy- 
chologie, von L. ToMer, Zeitsehr. für Völkerpsychol. u. SpraoKw. I p. 349 -387. 

78) Hornay. Ursprung und Entwicklung der Sprache. Th. 2. Berlin 1860, 
8. Vergl. meinen Bericht in Z. d. DmG. XIV nr. 84. 

79) M. Carriere , Wesen , Ursprung und Entwicklung der Sprache, Zeit- 
schrift für Philosophie von Fichte u. A. 1860 Bd. 37 Heft 1. 

80) An Essay on the origin of language based on modern researehes, and 
especiaüy on the vorks of Renan by Fr. W. Farrar. London 1860, XV u. 
231 S. 12. 

81) Th. Benfey , Einiges gegen die isolirenden Richtungen in der indo- 
germanischen Sprachforschung, Orient und Occident 1861, p. 230 — 306. 

82) Vergleichende Grammatik des Sanskrit, Send, Armenischen, Griechi- 
schen, Lateinischen, Altslavischen, Gothischen u. Deutschen. Von Franz Bopp. 
2. gähzl. umgearb. Ausg. Bd. 2. 2. Hälfte. Bd. 3. Berlin, Dümmler 1859—61, 
2<19 - 563 u. 534 S. gr. 8. (3. Band n. 4 # ). Zu Band 2 vergl. H. Ebel in 
Neue Jahrbb. für Philol. 1861, Bd. 83 Heft 1. 2. 

83) Vergl. nr. 102. 

84) Etymologische Forschungen auf dem Gebiete der Indogermanischen 
Sprachen, unter Berücksichtigung ihrer Hauptforiren , Sanskrit; Zend- Persisch; 
Griechisch-Lateinisch; Littauisch-Slawisch ; Germanisch u. Keltisch. Von A. Lr. 
Pott. 2. Aufl. in völlig neuer Umarbeitung. (In 3 Th.). Th. I: Praepositionen. 
Lemgo, Meyer 1859, XXVI. u. 859 S. gr. 8. mit 1 lithogr. Tf. (n. bfy). Vergl. 
Liter. Centralbl. 1860. nr. 2. p. 28 f., und besonders Steinthal, über den Idea- 



26 Gosche, wüsenschaßH. Jahresbericht für L859 bis L861. 

liehe Arbeitskraft auch nur von ferne kennt, wird sieh nicht wun- 
dern, in dieser /weiten Ausgabe ganz neuen Werken zu begegnen. 
Ein Cömpendium der vergleichende]] indogermanischen Grammatik 
bat Schleicher 96 ) geliefert, in welchem eine bisweilen mit ebenso 
\iei Scharfsinn als Willkür construierte hypothetische Grammatik der 
indogermanischen Ursprache gesehen wird und das Altitalische 
wie das Altirische eingehendere llehandlung findet. Die Zeitschrift, 
welche unter Kuhris tüchtiger Redaction diese Studien nicht allein 
begleitet, sondern auch selbständig fördert, ist vom 8. bis zum 
10. Bande weitergeführt 87 ), wie auch ein zweiter Band der zu- 
gehörigen Beiträge 88 ) abgeschlossen worden. Das in den weitesten 
Kreisen sich verbreitende Interesse für Sanskrit übt bereits Einfluss 
auf die Behandlung <\cr modernen Sprachen, wie auf das Englische 
bei Chase 89 ) und auf die in Frankreich überhaupt gesprochenen 
Sprachen bei Baecher 90 ). Indess ergiebt eine solche Behandlung 
sehr wenig vermittelter Glieder ebenso geringe Resultate für die 
Wissenschaft als Polyglottengrammatiken, wie die von VanDrival 91 ) 
und Lefeilier 92 ). Auch einzelne Punkte der allgemeinen Sprach- 



lismus in der Sprachwissenschaft. Zeitschr. für Völkerpsychologie u. Sprachw. I. 
(1860) p. 294-328. 

85) Aug. Friedr. Pott, Etymologische Forschungen. 2. Aufl. in völlig 
neuer Umarbeitung. 2. Theiles 1. Abtheilung: Wurzeln; Einleitung. Lemgo 
u.Detmold. Jlfeyer 1861, XVII. u. 1023 S. gr. S. Vergl. Benfey in Gott. 
gel. Anz. 1862 nr. 11 p. 408 f. und Steinthal, über die Wurzeln der Sprache, 
Zeitschr. für Völkerpsych. u. Sprachw. II (1862) p. 453 -486. 

86) Aug. Schleicher, Cömpendium der vergleichenden Grammatik der indo- 
germanischen Sprachen. I. Auch m. d. T. : Kurzer Abriss einer Lautlehre der 
indogerm. Ursprache, des Altindischen (Sanskrit), Alteranischen (Altbaktrisehen\ 
Altgriechischen. Altitalischen (Lateinischen, Umbrischen, Oskischen), Altkelti- 
schen (Altiriseheu), Altslawischen (Altbulgarischen), Litauischen u. Altdeutschen 
(Gothischen). Weimar, Boehlau 1861, IV u. 283 S. gr. 8. (2 fflp. ). VergL 
Lit. Centralbl. 1862 nr. 6 p. 100 f. und Leo Meyer in Gott. gel. Anz. 1862 
nr. 13 p. 501 f. 

87) Zeitschrift für vergl. Sprachforschung auf dem Gebiete des Deutschen, 
Griechischen u. Lateinischen herausgegeben von Addlb. Kuhn. Bd. VIII, IX, 
X, Heft 3. Berlin, Dümmler 1859—61, VI u. 474, IV u. 476 S. gr. 8. 
(ä 3 ^.). 

88) Beiträge zur vergleichenden Sprachforschung auf dem Gebiete der iri- 
schen, celt. u. slawischen Sprachen. Herausg. von ^1. Kulm und A. Schleicher. 
Bd. II. (Heft 1—4.) Berlin, Dümmler 1859—61, 496 S. 8. (n. 4.^.). 

89) Pliny Earle Chase, Sanskrit and English Analogues. Extracted from 
the Proceedings of the American philosophical Society. Philadelphia 1860, 
117 S. 8. 

90) L. de Barcher, Grammaire comparee des langues de France (fla- 
mand, allemand, celto-breton, basque, prövencal, espagnol, italien, fxancais com- 
pares au Sanscrit). Paris 1860, 272 S. 8. 

!U i Grammaire comparee des langues bibliques. Application des dioenver- 
tes de Champollion et des philologue? modernes h l'etude des langues dans 
lesquelles ont ete eerits les livres saints. Par E. van Drival. 3. pnrtie. 
Glossologie comparee. 1. fasc. Paris 1861, 48 S. 8. Ueber den 2. Theil vergl. 
Bericht für 1857—58 nr. 780. 

92) Cours complet de la langue universelle fonde sur la theorie du lan- 



Croaehe, wiseenscha/Ü. Jahresbericht für 1859 bis L861. 27 

Wissenschaft sind behandelt worden: die innere Bedeutung und die 
äussere Erscheinung des Lautes von Stemihal"), Pott 9 *) und 
Arendt 95 )] die Wurzel ausser Pott von Benfey '■"') und Schleicher '); 
das Genus von Fr. Müller 98 ); der Instrumental von Schleicher ") ; 
der Dual von /'V. Müller 10 °) ; das Zahlwort von Benloew 1 ); das 
Verbuin von Jf. Rajip*), v. d. Gabelenfz' 6 ) und .Fr. Müller*), 
und die Composition der Nomina yowJaati^). In tiefe Vergleichungen 



gage, offrant l'analyse theorique des langues allemande, anglaise , espagnole, 
francaise, grecque, höbraique, italienne, latine, russe, turque, persona, arabe, 
sanscrite ei chinoise. Par C. L. A.. uetelMer. Partie 1. Grarnmaire on analyse. 
grammaticale de toutes les langues. 2. edition. Paris 1861, LH u. 362 S. 8. 
(8 fr.j 

93) Ueber den Wandel der Laute und des Begriffs, von H. Steinthal, 
Zeitsehr. für Yülkerpsyehol. u. Sprachw. I (1860) p. 416 — 432. mit Bezug auf 
Curtius gr. Etym. 

94) Ueber Mannigfaltigkeit dos sprachlichen Ausdrucks nach Laut und 
Begriff von Pott, Zeitsehr. für Völkerpsychologie u. Sprachw. I (1860) p. 254 
—260, 345-348. 510-518; II (1861) p. 120—126. 

95) C Arendt , Phonetische Bemerkungen , Beiträge zur vergl. Sprach- 
forschung II (1861) p. 424—453. 

96) Th. Benfey, Ein Abschnitt aus meiner Vorlesung über vergleichende 
Grammatik der indogermanischen Sprachen , Kuhn's Zeitsehr. IX (1860) p. 
81-132. 

97) Schleicher, Wurzeln auf — a im Indogermanischen, Beiträge zur vergl. 
Sprachforschung II (1859) p. 92—99. 

98) F. Müller, Das grammatische Geschlecht (genus), Sitzungsberichte der 
k. Ak. der Wiss. Philos.-hist. Cl. XXXIII (Wien 1850, 8.) p. 374—397. 

99) Schleicher, Die beiden Instrumentale des Indogermanischen, Beiträge 
zur vergl. Sprachforschung II (1861), p. 454 - 459. 

100) F. Müller, Der Dual im indogermanischen u. semitischen Sprachge- 
biete, Sitzungsberichte der k. Ak. d. Wiss. Philos.-hist. Cl. XXXV (Wien 1860. 
8.) p. 52-69. 

1) Recherches sur l'origine des noms de nombre japhetiques et semitiques 
par Louis Benloew. Lu ä lAcad. des Inscr. de Paris. Giessen , Ricker 1861 , 
X u. 107 S. gr. 8. Vergl. Leo Meyer in Gott. gel. Anz. 1862 nr. 26 p. 1012 f. 
und Liter. Centralbl. 1862 nr. 38 p. 821 f. 

2) Mor. Rapp, Der Verbalorganismus der indisch - europäischen Sprache. 
3 Bde. Bd. 1 : Das indische , das persische u. das slawische Verbum. Bd. II : 
Das griech. n. das roman. Verbum. Bd. 3 : Das goth., das skand. u. das sächs. 
Verbum. (Auch mit d. T.: Vergleichende Grammatik. 3, morpholog. Abtheil.) 
Stuttgart. Gotta 1859, VII u. 223, VII u. 296, VII u. 216 S. gr. 8. (3 Jfe) 
Vergl. Literar. Centralbl. 1859 nr. 52 p. 829. 

3) H. L. von der Gabelentz, über das Passivum. Eine sprachvergl. 
Abh. (Aus d. Abb. der kgl. sächs. Ges. d. Wiss. Bd. VIII). Leipzig, Hirzel 
1860, gr. 8. Vergl. dazu Steinthal in Zeitsehr. für Völkerpsychol. u. Sprachw. 
II (1861) p. 244—254. 

4) F. Müller , zur Suffixlehre des indogermanischen Verbums, Sitzungs- 
berichte der k. Akad. d. Wiss. Philos.-hist. Cl. XXXIII (Wien 1860, 8.) p. 
9—17. 

5) F. Justi, über die Zusammensetzung der Nomina in den indogermani- 
schen Sprachen. Göttingen, Dieterich 1861. gr. 8. (24*A^:) Vergl. Lit. Centralbl. 
1862 nr. 25 p. 512 f. 



m 



28 Gosche, wwsenschaftl. Jahresbericht für l s ."i!' bis 1H61. 

des Sprachschatzes geht Wackernagel 106 ) mit seiner mythologischen 
Abhandlung „geflügelte Worte" ein; sogar auf uralten metrischen 
Gemeinbesitz der Arier kommt Westphal 1 }. 

Mit den Fortschritten der Sprachwissenschaft sind neue Ver- 
suche zu wissenschaftlichen Umschreibungen der fremden Alphabete 
oder, was jetzt fast dasselbe sagen will, zu einem Universalalphabet 
Hand in Hand gegangen. Lepsius , der zu einer solchen Arbeit 
mit gleich grossem Scharfsinn und umfassender Kenntniss ausgerüstet 
ist und dessen hier einschlagenden Specialforschungen wir an meh- 
reren Stellen begegnen werden, hat hier den bedeutendsten An 
gegeben, und bereits in Mangalore können wir seine Wirkung 
beobachten 8 ). Die Arbeiten von Haldemann B ) und Paic 10 ), neben 
denen der Versuch von Lichtenstein ] x ) erwähnt werden möge, sind 
für uns von keiner Bedeutung. Wichtiger ist die geschichtliche 
Betrachtung der Schriftentwicklung durch LSon de Rosny 12 ), 
Bensen 1S ), Böttcher 14 ) und mit besonderer Beschränkung auf den Ur- 
sprung des phönikischen Alphabets E. Desjardins 15 ), unter denen 
Leon de Rosny viel historisches Material, Böttcher viel scharf- 
sinnige, wenn auch sicher nicht immer zulässige Yermuthungen, und 
Bensen ausserordentliche Wunderlichkeiten darbietet. Als eine 
hierhergehörige Speeialuntersuchung sei hier auch Pihan's Arbeit 
über die Zahlzeichen genannt 15a ), welche indess mancher historischer 
Ergänzung bedarf. 



106) W. Wacl'crnagel, "Erna ttteoÖevto. Ein Beitrag zur vergleichenden 
Mythologie. Basel, Sehweighauser 1860,50 S. 4. (18^) Vergl. L. Tohler im 
Neuen Schweizerischen Museum von Rihbeck u. A. 1861 Heft 1. und Liter. 
Centralbl. 1860 nr. 47 p. 745 f. 

7) R. Westphal, zur vergleichenden Metrik der indogermanischen Völker. 
Kuhn's Ze.itschr. IX (1860) p. 437- 458. 

8) An unpointed Phonetic Alphabet based upon Lepsius' Staudard Alpha- 
bet by J. G. Thompson. Mangalore 1859. 8. 

9) S. S. Haldemann, Analytic orthography; an investigation of the 
sounds of the voiee and their alphabetic notation; ineluding the inechanism of 
speech and its bearing upon etymology. Philadelphia 1860, VIII u. 148 S. 4. 

10) Moses Paic, Pasigraphie mittels arabischer Zahlzeichen. Ein Versuch. 
Semlin, Soppron 1859, 36 S. 8. Vergl. Ewald Gott. gel. Anz. 1860 nr. 16 p. 
159 f. 

11) Dr. Lichtenstein, Pasilogie oder die Weltsprache. 2. Ausg. Breslau, 
Aland 1859, 76 S. 8. (12 J/fc) Nur neuer Titel der Ausg. 1853. 

12) Leon de Rosny, Les eeritures figuratives et hieroglyphiques des diffe- 
rents peuples anciens et modernes. Paris 1860-, VIII u. 75 S. 4. m. 10 Tff. 

13) H W. Bensen, Hieroglyphen u. Buchstaben. Eine historische Studie. 
Schaff hausen. Harter 1860, VI u. 176 S. gr. 8. {24t Jfy) Vergl. Literar. Cen- 
tralbl. 1860 nr. 11 p. 171 f. 

14"| F. Böttcher, Unseres Alphabets Ursprünge gemeinfasslich darge- 
legt. Dresden. Kuntze (1860) 85 S. 8. Vergl. den Vf in Z. d. DmG. XV 
(1861) p 420 426. und Literar. Centralbl. 1860 nr. 48 p. 770 f. 

15) Bulletino dell' Instit. archeol. 1860 nr. 5 Mai). 

15a) Expose des signes de numeration usites chez les peuples orientaux 



Gosche . vnesenachafll. Jahresbericht für 1859 W« 1861. gg 

Auf der andern Seite hat der allgemeinen, insbesondere aber 
der vergleichenden Sprachwissenschaft parallel -ich die allgemeine 
und vergleic h e ade M y t h <> 1 o g i e entwickelt , welche noch mehr 
ihre ältesten Daten ans der altasiatischen Culturgeschichte zu 
schöpfen hat. Obgleich Schwarte 16 ) sich in seinen methodisch ge- 
führten Untersuchungen über den Ursprung der Mythologie auf das 
Griechische und Deutsche beschränken will . so kehrt er doch an 
allen Stellen auf den Keimpunkt der indogermanischen Mythologie, 
auf das Altindische, wenn auch nicht immer ausdrücklich zurück, 
und in dieser systematischen Benutzung eines wohlgeordneten sprach- 
lichen und mythologischen Materials liegt der principielle Unter- 
schied oder vielmehr Gegensatz zu Forchhammers Arbeiten, der 
mit Unrecht Eigenthum reclamiert 17 ). Eine mustergültige Special- 
untersuchung hat auf diesem Gebiete Kuhn 18 ) mit seiner Behand- 
lung der Prometheusmythe und verwandter Vorstellungen geliefert, 
bei welcher die nationalen Philologen genau dieselbe Einsprache 
wegen Verletzung von Sonderrechten erheben mögen, wie bei der 
Sprachvergleichung: dass die individuelle Entwicklung und Auf- 
fassung des einzelnen Volksthums nicht hinlänglich respectiert sei. 
Einen andern speziellen Punkt der vergleichenden indogermanischen 
Mythologie hat Genthe 18:i ) untersucht. Vielleicht wird eine fort- 
schreitende Erkenntnis auch noch auseinanderhalten, was jetzt aus 
der Ferne oder von dem einmal eingenommenen höheren Stand- 
punkte noch ähnlich und darum vergleichbar oder gar zusammen- 
zufliessen scheint, wie schon jetzt Ii. Roth 19 j in einer sehr scharfsin- 
nigen Untersuchung über den Mythus von den Menschengeschlechtern 
und Weltaltern, deren indische Auffassung der hesiodeischen so ver- 
wandt erschien, zwei von einander unabhängige Entwicklungen in 
Indien und Griechenland nachgewiesen hat. Anziehend ist v. Gut- 



auciens et modernes, par A. l\ Pihan. Paris, Imprimerie Imperiale 1S60, XXIV 
u. 271 S. 8. Vergl. Heidelb. Jahrbb. 1SG1 nr. 32 f. p. 511 f. und Journal 
des Sav. 1860 Juin p. 3-3 f. 

16) F. L. W. Schwarte, Der Ursprung der Mythologie dargelegt an grie- 
chischer u. deutscher Sage. Berlin. Hertz 1860, XXIV u. 299 S. 8. (1 ty. 21 J§k) 
Vergl. Gott gel. An/.. 1861 nr. 15 p. 586 f. 

17 /'. W. Forchhammer, der Ursprung der mythen, Philologus von E. 
v. Leutsch 1860, XVI Heft 3. 

18) Ad. Kulm, Die Herabkunft des Feuers u. des Göttertranks. Ein Bei- 
trag zur vergl. Mythologie der [ndogermanen. Berlin, Dümmler 1859, VII u. 
266 S. gr. 8. l-o .'y. . Vergl. A. \V. im Literar. Centralbl. nr. 46 p. 736 f. 
und eingehender H. Steinthal, über die ursprüngliche Form der Sage vom 
Prometheus, Zeitschr. für Völkerpsyehol. u. Sprachwiss. II (186D p. 1 — 29; 
ferner Benfey Gott. gel. An/.. 1860 nr. 29—23 p. 211 f. 

18a) Die Wiudgottheiten bei den indogerman. Völkern. Eine mytholog. Ab- 
handlung von //. Gcutlu. Memel Berlin. Calvary) 1S61, 16 S. 4. (n. 1 3 J/j,'. . 

19) Rutl. Roth , Abhandlung über den Mythus von den fünf Menschen- 
geschlechtern bei Hesiod u. die indische Lehre von den Weltaltern. Tübingen, 
Fues 1860, 33 S. 4. (lO-A^r). Vergl. Liter. Centralbl. 1860 nr. 52 p. 315 f. 



30 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 18G1. 

aokmtd'a lx9a ) Verknüpfung der schon durch ihre kappadokische 
Beimat dem Orient näher gerückten St. Georgs-Sage mit iranischen 
Mythen. Mehr ethischen als wissenschaftlich untersuchenden Cha- 
rakter tragen die schönen Worte, welche E. Ckerfms 19 *) über den 
rjnsterblichkeitsglauben in dein indogermanischen Völkerkreise ge- 
sprochen hat. Kurzum: die Zeit ist \orüber, welche sich bei 
immerhin geistreich oder gar human erscheinenden Auslassungen 
über das Heidenthum, wie denen FabrTs 20 ), beruhigen mochte, 
neben welchem letzteren noch Drival genannt werde -°'j. Zahl- 
reiche Kinzelnheiten werden insonderheit mit Hülfe der Sprache in 
ein richtiges oder wenigstens neues Licht gestellt, wie durch Pott* 1 
und Benfey --) ; natürlich bleiben kühnere , bisweilen immerhin 
frappierende Abenteuerlichkeiten nicht aus, wie die Verwendung 
baktrischer - 3 ) und ägyptischer 34 ) Motive durch GMadisch\ etwas 
besonnener erscheint Diesters Arbeit zur altorientalischen Lehre 
vom Bösen- 5 ), zu welcher man Fielleicht ein mir nicht näher be- 
kanntes Werk von Dunlap 2G ) mit wunderlichem Titel vergleichen 
darf. Als ein nützliches Hülfsmittel für das wirkliche Studium der 
orientalischen Religionsgesehichte ist Pautluers Sammlung- 7 ) in 



119a) Die Sage vom h. Georg, Beitrag zur iranischen Mythengeschichte 
von A. V. Gutschmid. Aus den Berichten der phil.-hist. Cl. der kgL sächs. 
Gesellschaft der Wiss. 1861 p. 175—202. 

19b) Die Bedeutung des Unsterblichkeitsglaubcns bei den Griechen und 
dem ganzen indogerinan. Völkerkreise von E. C'urthis , Gelzer's protest. Mo- 
natsbl. 1861 Bd. 18 Heft 2. 

20) Die Entstehung des Heidenthuins und die Aufgabe der Heidenmission. 
N. l >st zwei Beilagen: Ueber den Ursprung der Sprache und über den christL 
Staat. Von Dr. Friedr. Fabrl, Bfissions-Inspector, Baimcn, Langewiesche 1859, 
X u. 189 S. gr. 8. 

20a) De l'origino et des sources de I'idolätrie par l'abbe E. van Drival. 
Paris, Duprat 1860, 8. (2 1 ,, fr.) 

21) Feit, Mytho - elthnologica , Zeitschrift für vergl. Sprachforschung \* III 
(1859 p. 425—436, IX (1860 p. 171-216, 339-360, 401—422. 

22 Th. Benfey , Xäos, vi-häyas , Zeitschrift für vergl. Sprachforschung. 
L859) p. 187 f. 

23) Herakleitos und Zoroaster. Eine historische Untersuchung von Aug. 
Gladisch. Leipzig, Hinrichs L859, IV a. 92 S. gr. 8. f& J0O Vergl. Liter. 
Centralbl. 1859 nr. 40 p. 632 f.; Heidelb. Jahrbb. 1859 nr. 15 p. 228 f. und 
Dhlemann Gott. gel. Ana. 1859 nr. 76 p. 749 f. 

24) Aug. Gladisch, Das mystische vierspeichige Bad bei den alten Acgyp- 
tern u. Hellenen, Z. d. DmG. XV (1861) p. 406—409. 

25) Set-Typhon, Asasel und Satan. Ein Beitrag zur Religionsgesehichte des 
Orients. Von Prof. Dltstel in Bonn, Niedner's Zeitschr. für bist. Theol. 1860, 
30 p. 159 217. Vergl. Ewald Bibl. Jahrb. X L860 p. 285f. 

26) Sud: in two parts. Part I: The mysteries of Adoni. Part II : The sow 
of the man. By S. F. Dunlap. I. imdun 1861, 8. 

27) Les livres sacres de toutes les religions, sauf la Bilde, traduifis ou 
revus et corriges par Pauthier et G. Brand. Bublies par l'abbe Miaue. V.U. 
comprenant les livres sacres des Indiens, les livres religieux des Bouddhistes, 
les livres relig. des Parsis , les Ihres relig. des chinois et les livres relig. des 
divers peuples. Paris 1858, 820 S. 8. 



Gosche, wiasenschaftl. Jahresbericht f&r 1859 bis 1861. 31 

erweiterter Gestalt neu aufgelegt worden; die für die Fusion morgen- 
and abendländischer Begriffe so Wichtigen sibyllinischen Bücher hat 
Ewald - s i ik'u untersucht. 

Einen anziehenden Gegenstand für die geschichtliche, polemische 
öder apologetische Betrachtung bildet das Verhältnis.-; der orien- 
talischen Religionsformen zu der hebräischen und christlichen Offen- 
barung : wozu Renan 29 ) in seinen wiederholt aufgelegten religions- 
historischen Studien in seiner mild-künstlerischen Weise manchen 
Fingerzeig giebt. Steyn -Parre wendet seinen Blick auf die Be- 
kenner der Bibel, des Korans und der Veda's 30 ), G. Rawlinson 
auf Heiden- und Judenthuin 31 ), Hardwich jetzt auf Aegypten und 
Altpersien 3 -). Zur richtigen Würdigung aller solchen Verhältnisse 
ist die Geschichte des Christenthums in Asien selbst sehr instruetiv, 
für welche Stanley 33 ) jetzt seine Vorlesungen veröffentlicht hat. 
Arabische Beiträge dazu bringt Zingerle 34 ) ; de Marees behandelt 
den hier hervorragenden Jesuiten Franz Xaver 35 ) , die etwas 
traurige Gegenwart Neale 36 ) , für welche wohl auch das mit Aus- 
zeichnung genannte Werk Murmvjews ze *) Quelle sein kann; die 



28) H Ewald, Abhandlung über Entstehung, Inhalt u. Werth der Sybil- 
linischen Bücher, Abhh. der k. Ges. der YYiss. zu Gott. Bd. VIII (Göttingen 
1860, 4.) Bistor.-philol. Cl. p. 43—152. 

L".i /.'. Renan, Eludes d'histoire religieuse. 3. edition. Paris, Levy 1859, 
XXXII u. -433 S. 8. Vergl. Preeotst-Paradol in seinen Essais de politique et 
de litte.. it luv Paris 1859, 8.) p. 259—276. 

30) D. C Steyn-Parrc, de Bybel , de Koran en de Veda's. Tafereel van 
Britsch-lndie en van den opstand des inländischen legers aldaar. Met eene voor- 
rede van P. J. Vcth. Deel 1. II. Met eene schetskaart. Haarlein , Weeveringh 
1859, VIII u. 458 S. 8. (fl. 8, 40.) 

31) Tlie contrasts of ebristianity with heathen and Jewisli Systems ; or, 
Nine sermons preaehed ... by George Rawlinson. London, Longman 1861; 8-. 
Vergl. Wcstin. -Review 1861 T. 20 p. 232 f. 

32) G Hardwich^ Christ and other masters: an historical inquiry intö some 
of the chief parallelisms and contrasts betrween Christianity and the religions 
Systems <•!' the ancient world, with special reference to prevailuing difficulties 
and objeetions. Part 4: Keligions of Egypt and Medu - Persia. London 1S,"><\ 

230 s.'s. 

,'i;ii Lectures on the history of the Eastern Cluirch , with an introduetion 
(in the study of ecclcsiastical history. By Arthur Penrhyn Stanley. London, 
.1. Murray 1861, 570 S. 8. (10 sh.) Vergl Westm.- Review. le-61 T. 20 p. 
227 f. und National Review 1861 T. 13 p. 27— Gl. 

34' N i P. Pius Zingerle, Zur Geschichte der cbrisftl. Kirche. Aus einem 
arab. Chronisten. (Progr. des k.k. Gymnasiums zu Meran für d. Schulj. 1859). 
Innsbruck 1859, 4. Berichtigungen desselben dazu Progr. des k. k. Gymn. in 
Meran für d. Schulj. 1860 . Bozen 1860, -1. 

35) Ludio. de MarSes , die Missionsthäligkeit des -Jesuiten Franz Xaver 
in Asien, Zcitsehr. f. Iuth. Theologie' van Rudelbach etc. 1860 p. 222—258. 

36) Voices froni the East; documents on the present State and working 
of the oriental church. Translated from the original russ. - slavonk and french, 
with notes by B. V. Neale. London L859, 220 S. 8. 

36a,) Murawjew, Snusjenia Rossii u. s. w. (Geschichte der Beziehungen 



32 Groache, wiasenschafü. Jahresbericht ftor 1K')9 bis 1861 

Mittheilungen des Fürsten Auy. Galitziu 137 j und 6-'. Bardy's**) 
gehören in ihrer stark praktischen Tendenz kaum noch in unser 
Gehiet. An dieser Stelle liegt die Berechtigung und Wirksamkeit 
der Bibelgesellschaften, welche der Kunde des Orients so förderlich 
gewesen sind ; fünfzig Jahre des Bestehens der englischen hat 
Browne beschrieben 39 j. 

Hieran reihen sich passend einige Schriften und Ahhandlungen 
über Gegenstände der orientalischen Kulturgeschichte. Wie 
im Orient die geschichtlich noch ziemlich sicher nachweisbaren An- 
fänge aller Kultur vorliegen, so konnte Martin*®) eine zusammen- 
hängende Darstellung derselben versuchen, welche historisch zuver- 
lässiger ist, als Baron v. Eckstein' $ phantasievolle Betrachtungen 41 )} 
das volle Gegenbild dazu bietet eine Skizze von Alix i2 ). Ueber 
die eigentümliche Stellung des geschriebenen Wortes in seiner 
kulturgeschichtlichen Bedeutung spricht in Vergleich besonders zu 
den Griechen anregend E. Curtms i3 ); die charakteristische Lage 
des weiblichen Geschlechts hat mit dem Lichte der neueren Ent- 
wicklung die geistvolle Gräfin Dora tV lstria u ) beleuchtet. Die 
lange, aber schwer zu fassende Kette des Aberglaubens, die (wenn 
wir es nur ehrlich gestehen wollen) das fernste orientalische Alter- 
thum und die unmittelbarste Gegenwart verknüpft, zeigt Maury* 6 ) 
in einem anziehenden allgemeinen Werke über Astrologie. Von 
realerer Bedeutung sind von den kulturgeschichtlichen Werken die 



Russlands zu dein Morgenlande in kirchlichen Angelegenheiten). St. Petersburg 
18f>7 -60, 2 Bde. 8. 

137) De l'organisatiou nouvelle de l'eglise Orientale , par le prince Aug. 
Galitziu, Revue de l'Orient 1860, XI p. 225—231. 

38) L'oeuvre des ecoles d'orient , par Gustave Bardy , Revue de l'Orient 
1859, IX p. 140-141). 

39; Rev. George Browne, The history of the British and Foreign Bilde 
Soeiety . froni its Institution in 1801, to the close of its jubilee in 1851. 
Compiled at the request of the Jubilee Committee. Vol. I. II. London 1859, 8. 

40) Les civilisations primitives eu Orient. Chinois, Indiens, Perses, Baby- 
louens, Syriens, Egyptiens. Par L. A. Martin. Paris 1861, IV u. 556 S. 8. 
(6 fr.) 

41) Der Sitz der Cultur in der Urwelt, von Baron von Eckstein, Zeitsehr. 
für Völkerpsychol. u. Sprachwissenschaft I (1860) p. 261 — 294. 

42) Alix , Comparaison entre les civilisations des nations de l'Asie au 
19. siecle, l'Investigateur 1S60 nr. 304. 

43) A'. Cnrtius, lebendiges Wort und Schriftwort bei den Griechen, den 
Morgenländern u. den christl. Volkern der Neuzeit, Protestant. Monatsbll. 1859, 
XIV Il.i'i 1. 

11) C'tesse Dora iVIstria, Les femmes en Orient Vol. 1: la peninsule 
orientall' Vol 2: la Russie. Zürich, Meyer u. Zeller L859, VIII, 48U u. VII, 
528 S. 8. (3^.). Vergl. Liter. Centralbl. 1860 nr. 10 p. 149 f. 

45) l' F. .1. Maitrij, La Magie et l'astrologie dans 1'antiquite et au 
moyen äge. , ou Etüde sur les superstitions paiennos qui ^e sont perpetuees jus- 
qu'ä nos jours. Paris 1860, 454 S. 8. Vergl. Westminster Review 1861 Jan. 
p. 18 -88. 



Gosche, wisaenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. ;;;; 

auf Münzen und Maasse bezüglichen Schriften von Queipo 
Herrn. Mütter*" 1 )-, femer v. Fenneberg 48 ) und CWe# 49 ), anter 
denen besonders Queipo für das Arabische, und die beiden Deut- 
schen für das Hebräische I>c;i<h1mio verdienen. In das unmittel- 
bare Leben der Inder and Afrikaner führen die wieder aufgenom- 
menen archäologischen Fragen aber den Elephanfr für dessen 
griechischen Namen /•'/•. Müßer 61 ) die besondere Warze! aXq. auf- 
stellen möchte. 

Die orientalische Kunst- und Litteratnrgeschichte bietel 
sieh ebenfalls bereits zu einer mit dem Abendlande zusammen- 
hängenden, vergleichbaren Grundlage dar. /war beruht v. Langlöis 
Aufsatz 5 -) nur auf dem allgemeineren Werke von F. B. de Mercey, 
und IT. Lavovx 53 ) berührt kaum die Stilarten der muhammedani- 
schen Malerei, welche eigentlich nur aus persischen Leistungen zu 
erkennen sind: um so bedeutender sind demgegenüber die Leistungen 
auf dem Gebiete der Literaturgeschichte. liier wird nicht allein 
durch geschmackvolle Anthologien, wie die von Jolowicz 5i ) für 
das ästhetische Interesse weiterer Kreise gesorgl ; hier haben viel- 
mehr die bedeutenden Untersuchungen Benfey's, deren ich weiterhin 
bei dem von ihm so ausgezeichnet bearbeiteten Pancatantra ge- 
denken werde, auf die Behandlung der westöstlichen Erzählungs- 
stofte und deren geschichtliche Combination einen überaus beleben- 



46) V. Vasquez Queipo , Essai sur les systemes metriques et monetaires 
des anciens peuples, depuis les premiers temps jusqu'ä la fin du kbalifat d'Orient. 
T. I et 1. partie des table- Morinaies grecques. Paris 1859, XXIII u. 1036 S. 
8. (2 vols.) — T. II et 2. partie des tables. Monnaies romaines et arabes. — 
T. III. ib. eod. XX u. 456, LV u. 421— 663 S. 8. Dazu: Des systemes metri- 
ques dans l'antiquite, par A. Castaing , Revue de l'Orient 1859, X p. o74 
— 580. Vergl. J. Brandis Gott. gel. Anz. 1861 nr. 17 p. 657 f. und Littre 
Journal des Sav. 1861 p. 228—237. 

47) Ueber die heiligen Maasse des Altertimms , insbes. der Hebräer und 
Hell, neu Von Prof. Dr Herrn. Müller. Freiburg- im Br., Herder 1859, IV 
u. 204 S. gr. 8. (n. 24 J§n) 

48) Untersuchungen über die Längen- und Wegeroaasse der Völker des 
Altertlmms. insbes. der Griechen und Juden. Von Laidw Femner v. Fenneberg. 
Berlin, Dümmler 1859, VIII a.!36S. 8. 20 J&) Vergl. Lit. Centralbl. 1859 
nr. 23 p. •".»'•'.» 

49) E. I'> Cowell, Attempts of Asiatic Sovereigns to establish a Paper 
Currency, .bann, of the As. Soc of Bengal XXIX 1860) p. 183—196. 

fiO) Ueber die geogr. Verbreitung des Eleplianten u. seinen Gehrauch zum 
Kriegsdienste bei den Völkern des Altertlmms, Ausland lSöil nr. 11. 12. 

51) Fr. Muller, Ist ileyxts = elef hindi? Zeitschrift für vergl. Sprach- 
forschung von Kulm X (1861 p. j!*>7 f. 

52) L'art en Orient. Etudes sur les beaux-arts depuis Kur origine jusqu'ä 
nos jours, par Victor Lcmglois, Revue de l'Orien! 1859, XI p, 176—191. 

53) Les peintres musulmans, par //. Lavoix, Revue de l'Orienl 1859, l\ 
P . 353—369. 

54) H. Jolowicz, Blüthenkranz morgenländischer Dichtung. Breslau, Tre- 
weudt 1860, XXlll u. 4oi» 8. 16. (2 #). 

Jahresbericht 1859—1861. •"> 



34 Gosche, wisse nsrhuftl. Jahresbericht für L859 bis 1861. 

den Einfluss ausgeübt; ein ähnlich interessantes Thema hat mit der 
ganzen, bisweilen notwendiger Weise kleinlich werdenden Geduld 
Steinschneider in seinen Studien über pseudepigraphische Litteratur 
berührt 155 ;. Eine Gestalt aus diesem Gebiet ist Aesop, dessen 
Vaterland Ztindel wieder untersuchl hat 56 ); aus den .Musare 
liatilesüt'im giebt 8tem ein im arabischen Original nicht nachweis- 
bares Stück zur Alexandersage 57 ); mittelalterliche Berührungen mit 
orientalischer Ueberlieferung heben Liebrecht 58 ) und Goedeke b9 ) 
hervor; nicht zu vergessen der Einwirkung des Orients auf die 
Goethesche Poesie, welche Wolff 60 ) in ihren Hauptmomenten dar- 
gestellt hat. 

Für die eigentliche Geschichte des Orients meint sich der 
Zutiuss der Quellen, theils durch Entdeckungen von Inschriften, 
theils durch Veröffentlichung von historischen Schriftstellern : jenes 
besonders für das assyrisch-babylonische Alterthum, dieses für das 
arabisch-persische und armenische Mittelalter. Die geistreichen 
Apercus, welche man vor der Hand immer noch in allgemeinen 
Werken, wie dem von Laurent 61 ), bewundern mag, werden bald 
der nüchternen Ehrlichkeit wirklicher geschichtlicher Erkenntniss 
weichen müssen. Der klassische Hauptschriftsteller für das orien- 
talische Alterthum, Herodotos, liegt nun in zwei neuen, hauptsäch- 
lich auf Erklärung der Realien , weniger auf Kritik bedachten 
Bearbeitungen vollendet vor: mit dem dritten und vierten Bande 
der Baehr'schen Ausgabe 62 ) und dem vierten der Rawlinson'schen 
Uebersetzung 63 ). Ein italienisches Schulcompendium von Schiapa- 



155) Zur Pseudepigraphiseheu Literatur. Kandahar b. Asfendiav. Von M 

Steinschneider, Hebr. Biblk.gr. in 1860) p. 117 f., IV (1861) p. 20 f., 74. 

56) Zündel , Esope etait-il Juif ou Egyptien ? Revue areheol. Xouv. ser. 
T. 3, 1 (Paris 1861, gr. 8.) p. 354—369. 

57) Zur Alexandersage. Von M. E. Stern. Leipzig, Leiner (gedr. [n Wien 
bei Beiidiner 1861 , VIII u. 35 S. 8. Vergl. Steinschneider Hebr. Bibliogr. 
IV (1861) p. 92. 

58) Felix Idebrecht, Merlin, Orient und Occident von Th. Beu/ey 1861, 
p. 311 — 314, und des Herausgebers Nachtrag p. 344 — 354. 

59 K. Gödeke, Asinus vulgi, Orient und Occident 1861, p. 350 — 360. 

60) Phil. Wolff, Studien über Goethe's weMöstl. Divan. Orient u. Occident 
von Th. Benfey 1851 p. 307—3-25. 

61) F. Laureat, Etudes sur l'histoire de l'lnunanitc. Auch m. d. T. : 
Histoire du droit des gens). 2. ed. corrigee. T. I. L'Orlent. Bruxelles , Meline 
1861, XII u. 556 S. gr. 8. (7V 2 fr.) 

62) Ilerodoti Halicarnassensis Musae .... recognovit , perpetua tum F. 
Creuzeri , tum sua annotatione instiuxit . . . J. C / . l'xuhr. Ed II. emen- 
datior et auetior. Vol. III et IV. Lipsiae , Hahn 1859 61, IV u. 825, IV u. 
764 S. gr. 8. mit i Karten (4 u. 3 2 / 3 fy. ) Vergl. Jahresbericht für 1857 
— 58 in Z. d. DmG. XIV (1860) nr. 66. 

63) The liistory of Werodotüs: a new englisl> Version, edited, with copious 
nutes and appeudices .... By G. "Rawlinson and J. G. Wilkiuson. Vol. IV '. 
London, Murray 1860, 570 9. gr. 8. Vergl. den \> i- - . Jahresbericht für 1857 

58 in Z. d. DmG. xiv (1860 nr. 65. 



Gosche, loissenschaftl. Jahresbericht fm \~ $61. 

reift' 63 ') verbreitet in sich wiederholenden Auflagen eine allgemeine 
Kenntniss der altorientalischen Geschichte. Die Kreuzzugsgeschichten 

berühren das Leben des Islam sehr nahe: für den ersten Zug rindet 
sich ein ausführliches Werk von Peyre" 64 ) angeführt; über einen 
Fortsetzer des Wilhelm von Tyrus bis zum .). 1229, den Franzosen 
Arnold, hat Streit 66 ) gehandelt; was sich aus armenischen Hi- 
storikern für diese Zeit gewinnen lasse, zeigen die weiterhin 05 ') 
zu erwähnenden Arbeiten Petermann's und N&ve's. In die spätere 
Epoche der europäisch -orientalischen Berührungen seit dem Ende 
des Mittelalters führt uns Oharriere's Ausgabe französischer Acten- 
stücke 6Ü ), von welchen der vierte Band erschienen ist. 

Die allgemeineren Reise werke betreffen fast ohne Aus- 
nahme zugleich den Orient. Einen Ueberblick der Erweiterung 
unserer geographischen Kenntnisse in dieser Richtung hat wenigstens 
für 1859 Buelle 61 ) geliefert. Weltumsegelungen, selbst wenn sie 
sich hauptsächlich die Lösung tellurischer oder kosmischer Probleme 
vorgesetzt hätten, liefern unserer besonderen Wissenschaft reich- 
liches linguistisches oder ethnographisches Material; daher ist die er- 
neute Publication älterer Werke der Art noch von Wertb, wie sie die 
verdienstvolle Hakluyt Society sich angelegen sein lässt. Neben 
ihren an den betreffenden Stellen namhaft gemachten Veröffentlichungen 
ist die Anson'sche Weltreise 68 ) aus der Mitte des vorigen Jahr- 
hunderts in der bekannten Redaction von B. Walter oder vielmehr 
von Ben}. Bobins neu herausgegeben worden, während die Bear- 
beitung von Pascoe Thomas, welche merkwürdig vernachlässigt ist, 
daneben immer noch Beachtung verdient. Aus der neuesten Zeit 
haben zwei prächtige deutsche Reisewerke mit Recht Aufmerksam- 
keit erregt : das des Commodore B. v. Wüllersdorf- Urbair über 



63a) Compendio di storia Orientale, antica. Di L. Schidjparelli. Torino, 
Paravia 1859, 191 S. 8. 

64) J. F. A. Peyri, Histoire de la premiere croisade. Vol. 1. 2. Lyon 
1859, XXXVIII u. 1027 S. 8. m. Taft. 

65) De rerum transmarinarum qui Guilelmum Tyrium excepisse fertur 
Gallico auetore, scripsit Lud. Streit. Greifswald 1861, IV u. 76 S. 8. Vergl. 
Lit. Centralbl. 1861 nr. 43 p. 685. 

65a) Vergl. unten nr. 798 u. 799- 

66) Negociations de la France dans le Levant, ou Correspondances , me- 
moires et actes diplomatique:- des ambassadeurs de France a Constantinople et 
des anibassadeiirs , envoyes residente ä divers titres k Venise, Raguse, Eome. 
Malte et Jerusalem, en Turquie. Perse, Georgie, Crimee. Spie. Egypte, cet. et 
dans les etats de Tunis, d' Alger et de Maroc; publ. pour la premiere i'ois par 
J'l. Charriere. T. IV. (Auch m. d. T.: Collections de doenments inedits sur 
l'bist. de France.) Paris 1860, 4. 

67) Progres des sciences geographiques dans les contrees orientales pen- 
dant l'annee 1859, par Ch. Em. Ruelle, Revue de l'Orient 1860, XU p. 272 
-284, 424-436. 

68) G. Anson, A voyage round the world in the years 1740 — 44. New 
ed. London, Griffin 1859, 130 S. 8. 1 ' ., sh.) 

3 



36 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

die Expedition der Novara a69 ), welche auch in Scher zer's englischer 
Bearbeitung ihr Publicum interessieren wird, and das von Sckvnar- 
da 70 ). Die überaus charakteristischen Schilderungen von Land und 
Leuten der oceanischen Inselwelt in beiden Werken haben in den 
weitesten Kreisen Anerkennung gefunden. In derselben Beziehung 
ist der nun auch in französischer Bearbeitung erscheinende japa- 
nische Bericht Heines"' 1 ) und das Werk des Schweden Egerström 72 ) 
zu nennen. Den grössten Beitrag za dieser Reiselitteratur liefern 
natürlich England und Nordamerika, das bezeugt schon die natür- 
lich unvollständige Namenreihe Warren 73 ), 8core8by 14 )j Williams' 16 ), 
Tronson 7(i ), Irelamd 17 ); daher ist in England bereits eine neue 



169) Reise dir österreichischen Fregatte Novara um die Erde, in den Jah- 
ren L8Ö7, 1858, 185!). unter d.'ii Befehlen des Commodore B. \. Wülhrsdorf- 
( rhair. Bd. I. Wien, Gerold XII n. 41 >7 S. gr. 8. mit vielen eingedr. ll"l/. 
schnitten u. 22 Tafeln u. Karten, in engl. Einbd i.'i./j ) VervJ Lit. Centralbl. 
L861 nr. t(> p. 737 f. — Englisch u. d. T. : Narrative of the circumnaviga- 
tion of the Globe by the Austrian frigate „Novara" etc. By Ä*. Scherzer 
Vol. 1. London 18G1 , 510 S. 8. - Schriften über die Erdumsegelung der 
Fregatte „Novara" vergl. Zeitschr. f. allgem Erdkunde. N. F. 1860, VIII 
p. 518. — Früher gab Scherzer schon eine Zahl einzelner Mittheilungen; so 
Bericht an die k. Ak. d. Wiss. in Wien über einige während des Aufenthalts 
Sr M. Fregatte „Novara" im Hafen von Hongkong erzielte Resultate, Sitzungs- 
berichte d k. Ak. d. Wiss. Philos-hist. Cl. XXIX Wien 1858, 8.) p. 17— 
25; Desselben Schreiben, am Bord Sr. IM. Fregatte „Novara" auf der Fahrt 
von Singapore nach Batavia 27. April 1858, Mitth. der k. k. Wiener (xeogr. 
Ges. 185.S, II p. -245 f.; Ocsgleiehen Mittheilungen aus Shanghai, Mitth. der 
k. k. Wiener Geogr. Ges. 1858, II p. '295, und den Artikel: Die Österreich. 
Novara -Expedition von Ceylon bis Shanghai, 8. Jan. bis 9. Aug., Petermann's 
Geogr. Mitth. 1858 p. 479. 

70) Reise um die Erde in den Jahren 1853 57. Von L. K. Schmarda. 
Bd. 1 — 3. Braunschweig, Westermann 1861, NIM a. 592, X u. 518, X. u 
501 S. gr. 8. (8^..) Vergl. Lit Centralbl. 1861 nr. 1.'! p. 217. 

71) Vergl. unten nr. 314. 

72) C. A. Egerström, Borta är bra, tnen hemma är bäst. Berättelse om 
en färd tili Ostindien. Nord-Amerika. Kalifornien, Sandwich-Oama och Austra 
lien aren 1852—57. Söderköping, Tengzelius 1859, VI u. 326 S. 8. 1 Bdr, 
50 öre.) 

73) Dust and Foam , or , twö Continents and Three < »ceans. Bcing Wan- 
derings in Mexiko, South America, the Sandwich Islands. Philippines, China. 

East and West [ndies etc. By T. Robinson Warren. New Vnrk , Scriber 
1858, 389 S. 8. <7'., sh.) 

74i W. Score.*////, Journal of a voyage to Australia and round the world 
for magnetical research. Edited by Archibald Smith. London, Longman 1859, 
370 s. S. (12 sh.) 

75 The Cruise of the Pearl round the world. lSf>7 59. With an Ar 
count of the Services of the Naval Brigade in [ndia. By the Rev. /.'. .!. II il 
liams, Chaplain of the Pearl. London. Bentley 1859, 320 S. 8. 107a sh 

76) ■'■ M. Tronson, Personal narrative of a voyage to Japan, üaml 
schatka, Siberia, Tartary, and various parts of the cöasi of China, in 11. M. S. 
Baraconta. London, Smith & Eider 1859, 415 S. 8. (18 sh.) 

77» ./. B. Ireland, Wall Streel to Cashmere: a Journal of five years in 
Asia, Africa and Europe ; comprising visiis during L851 Tili, to the Danemora 



Gosche, mssenacha/U. Jahresbericht für 1859 bis L861. ,'17 

Ausgabe des Touristenbuches von Bradskaw 1S ) für bo weite Ziele 
uöthig geworden. Ein ähnliches Gebiet umfassen die Aufzeichnungen 
in dem schönen Bilderbuche des ungarischen Grafen Andrew/" 19 ). 

Die Mehrzahl der allgemeineren orientalischen Reisewerke be- 
schränkt sich auf das uns näher liegende muhammedanische Gebiet, 
wie denn der Name Levante in diesem Sinne Theile Europa's, 
Asien's und Afrika's zusammen fasst. In erster Linie sind hier 
die Aufzeichnungen von •/. Woffi* ), dem Grafen de Gobineau 81 ), 
lloiumatre de Hell 82 ) und Pefen/t<nin 83 ) zu nennen; vor Allem 
zeichnen sich (]obi>n><m\s scharfe Beobachtungen der gesellschaft- 
lichen Verhältnisse und Petermann's überaus werthvolle Mittbeilungen 
aus, deren bescheidener und einfacher Ton in einem umgekehrten 
Verhältnisse zu dem innern Werthe steht: durch letzteren erhält 
unsre Kenntniss von Drusen, Mandäern u. s. w. und das arabische 
wie persische Wörterbuch aus dem Gebrauch des täglichen Lebens 
sehr beachtenswerthe Vermehrungen. Der universellen socialen An- 
schauungsweise des Grafen de Gobineau stehen die deutschen 
Reiseerinnerungen Onomanders 84 ) würdig zur Seite, hinter dessen 
Pseudonymität ein fürstlicher Name verborgen ist. Von den zahl- 



Iron mines. the ,,Seveu Cburches" etc. etc. With nearly 100 Illustr. New York, 
Rollo & Co. 1859, 531 S. 8. (4 D.) 

78) Bradshains Railway etc., Through Route and Overland Guide to India, 
Egypt and China • or , the traveller's rnanual of how to reach and live in the 
three presidencies of India. New ed. London, Adam 1859, 300 S. 16. (5 sh.) 

79) Reise in Ostindien , Ceylon , Java , China u. Bengalen. Vom Grafen 
Emanuel Andrasy. Aus d. Ungar, übersetzt. Pesth, Geibel 1859, V u. 107 S. 
fol. mit 16 Bildern in Farbendruck u. Holzsehn. (30 $fy.) Vergl. Petermann's 
Geogr. Mitth. 1859 p. 355. 

80) Rev. Jos. Wolf, Travels and adventures. Vol. 1. 2. London, Saun- 
ders 1860 — 61, 530 u. 486 S. 8. (16 sh.) Vergl. Ausland 1861 nr. 16 — 17, 
u. den Artikel : Reisen und Abenteuer des Dr. Joseph Wolf im Orient , Aus- 
land 1860 ur. 46—47; dazu Dublin Review 1861 T. 49 p. 156 f. 

81) Cte. A. de Gobineau, Trois ans en Asie (de 1855 ä 1858). Paris, 
Hachette 1859, 526 S. gr. 8. 

82) X. Hommaire de Hell, Voyage en Turquie et en Perse execute par 
ordre du gouveraement francais pendant les annees 1846 — 48. Accompagne de 
cartes etc. et d'un album de lOO planches dessinees d'apres nature de Jid. 
Laurens. T. IV. Paris 1860, 414 S. 8. 

83) H. Petermann, Reisen im Orient. Bd. I. Mit einem Titelbild. II. Nebst 
einer Karte, entworfen von II. Kiepert. Leipzig, Veit u. Co. 1860 — 61. VIII 
409 u. XIV, 471 S. gr. 8. (n. 7 $fc) Vergl. Ewald Gott. gel. Anz. 1861 
nr. 22 p. 846 f., 1862 nr. 19 p. 739 f. Steinthal in Zeitsehr. für Völkcr- 
psychol. u. Sprachw. II (1862) p. 487 f.; Wissenschaftl. Beilage der Leipz. 
Zeitung 1861 nr. 66 67 , und Vivien de St. Martin in Revue des deux mou- 
des 1861, XIII p. 452 f.. 1862, XXII p. 305 f. 

84) Altes und Neues aus den Ländern des Ostens. Von Onomandt r 
(pseud. für Prinz Friedrich von Schleswig -Holstein - Augustenburg). Bd. I.- 
Indien. II: Aegvpten u. Kleinasien. III: Kleinasien. Hamburg, Perthes-lv — er 
u. Mauke 1859 — 60, VII u. 241. 3 Bll. u. 313, 2 Bll. u. 405 S. gr. 8. 
(4V S 3fy.) Vergl. Lit. Centralbl. 1859 nr. 29 p. 456 f. U. 1861 nr. 20 p. 321 f. 
Petermann's Geogr. Mitth. 1859 p. 274 f. 



3£ Goach , wissenschaßl Jahresbericht für L859 bis 1861. 

reichen englischen älteren und neueren Werken, welche hier zu 
nennen wären, aber wegen ihrer näheren Beziehung eh Palästina 
zum grösseren und besseren Theile bei diesem aufgeführt werden 
Milien, seien jetzt nur erwähnt das von Hvmhy * 85 ) übersetzte,, Hdr- 
i < >/ "'•/, Ca, olinePaine h ~'). ein Anonymus, der nur Photogramme liefern 
will 88 ), und Tzveedie b;i ) ; unter den Franzosen Auvergne 90 ), Bottu 
Limas 91 ), Joanne mit Tsambert 92 ), Massol"), Piem '■">. und 
Holländer Conrad 96 ). In Deutschland, wo aus natürlichen 
Gründen diese im glücklichsten Falle halb erbauliche, halb wissen- 
schaftlich beobachtende Litteratur nicht so massenhaft auftritt als 
in England oder Frankreich, hal man gute ältere Reiseberichte 
erneut. Zunächst verdanken wir K. Fr. Neumann eine authentische 
Ausgabe Schiltberger's 96 ) , bei welchem immer noch die naiven ta- 



185) Das Boot und die Karawane, eine Familien-Reise durch Aegypten, Pa- 

laestina und Syrien. Nach der 5. Aufl Aus d. ESngL übers, u mit An- 

merkk. versehen von E. A. W. Himty. Leipzig, Schlicke 1S60, XII u. 419 S. 
8. m. 5 Abbildd. Ycrgl. Gott. gel. Anz. 1860 nr. 36 p. 356 f. 

86) Our Cruise in the Claymore : with a visit to Damaseus and the Le- 
bauon. By Mrs. Harvey. London. Chapman and Hall 1861, 300 S. 8. (10*/» sh. 
Vergl. Westm.-Beview 1861 T. 20 p. 569. 

87) Caroline Paine, Tent and Harem: Notes ai an oriental tri]). New 
York 1859, 300 S. 12. (6 1 , sh.) 

88) Pliotograms of an Eastern Tour: beilig Journal letters of last year 
written home from Germany. Dalmatia, Corfa, Grece, Palestiue, Desert of Sliur, 
Egypt. the Mediterranean. By 2. London, Shaw 1859, 359 S. 12- '7 sb.) 

89 Ttoeedie, Ruined Cities of the. East, Ephesus, Sardis. Petra etc. with 
18 views. London, Nelson 1859, 180 8, 8. (3*/ 2 sh.) 

90) Monseigneur Auvergne, Archeveque d'Icone, vicaire et dclegat aposto- 
lique en Syrie et cii Egypte. Ses voyages k Borne, a Naples, au uiont Liban. 
au Sinai; sa mort, la translation de son corps de Diarbekir au mont Liban; 
d'apres ses lettres , ses relations et les documents adressds par les consuls de 
Syrie. Lille' 1859, 296 S. 8. 

91) Six mois en Orient, en 1851 et 1852. Par J. Bottu de Lima*. 
[Grece et Turquie. — La Syrie et les lieux-saints. — Egypte.] Lyon, Perrin 
1861, VII u. 506 S. 8. m. 18 KK. 16 fr.) 

92 -I. Joa/nne et E. Isanibert, Itineraire descriptif, historique et archeo- 
logique de l'Orient. Ouvrage entiereinent revue. contenaut: Malte, la Grece, la 
Turquie d'Europe, la Turquie d'Asie , la Syrie, la Palestiue, l'Arabie Petree , le 
Sinai et l'Egypte et aecompagnee de 11 cartes et de 19 plans. Paris. Hachette 
1-61. XLlv'u. 1108 S. 8. (20 fr.) 

93) de Massol, France, Algerie, Orient. Souvenirs, etudes, voyages. Ver- 
sailles 1860, vin n. 414 S. 8. 

94 f'urre, Constantinople , Jerusalem et Korne. Vol. 1. 2. Paris 1860- 
XXI u. 940 S. 8. 

95) /'. W. Conrad, Reiseu naar de landengte van Suez. Egypte. liot hei- 
lige land. Met platen, kaart en portretten. Afl. 1 — 8. 's Gravenhage, Nijhol 

L858- 59, s. l- 480. 8- (k fl. 1. 80. 

96) Des Johannes Schütberger aus München Reisen in Europa, Asia u. 
Afrika von 1394 bis 1427. Zum ersten Mal nach der gleichzeitigen Heidelb. 
Haniischril't hrsg. u. erläut. v. K. F. Aeitmaiui. Mit Zusätzen von Falhiu 
rayer u. Hammer- Purgstall. München, Kaiser (Berlin, Asher) 1859. XVI u. 
166 S. gr. 8. n. iy 8 #. 



Geiseln . wiasensehafil Jahresbericht fihr 1859 bis 1861 39 

tarischen Mittheilungen Bchätzbar sind; dann hat Ennen 97 ) die 
Veröffentlichung eines Schiltberger ziemlich gleichzeitigen nieder- 
rheinischen Berichtes begonnen, und endlich E. v, Orote 9S ) eine 
grade ein Jahrhundert später fallende Pilgerfahrt eines Kölner 
Ritters mit kulturgeschichtlich interessanten Bildern herausgegeben. 
Am Eingange unsere Jahrhunderts steht der treffliche Seetzen, 
dessen hinterlassene Papiere nun veröffentlicht und durch einen 
Commentar abgeschlossen vorliegen "). Letzterer ist durch die ver- 
einigten Bemühungen verschiedener Gelehrter entstanden, unter 
denen Fleischer mit seinen arabischen Beiträgen unsern besondern 
Dank in Anspruch nehmen darf. Die neuesten Reisen von Flied- 
ner - 00 ), der seinen holländischen Uebersetzer gefunden hat x ), und 
von Wutzer 2 ) haben im Allgemeinen unsern wissenschaftlichen 
Zwecken ferner liegende Absichten. Zum Schluss dieser Gruppe 
mögen noch die anatolischen Briefe des Griechen T//paldos 3 ) er- 
wähnt werden. 

Unter den Werken , welche die Resultate aller dieser Reisen 
für unsern Erdtheil verarbeiten, ist immer Ritters vergleichende 
Erdkunde *) voran zu nennen : der neunzehnte Theil des Ganzen 



97) L. Ennen, Der Orient. Ein Bericht vom Niederrhein aus dem Ende 
des 14. Jahrh., Orient und Occident von Th. Benfey 1861 p. 449—480. 

98) Die Pilgerfahrt des Ritters Arnold von Heirff von Cöln durch Italien, 
Syrien, Aegypten etc. wie er sie in den Jahren 1496 — 1499 vollendet, beschrie- 
ben und durch Zeichnungen erläutert hat. Nach den ältesten Hss. u. mit deren 

4 7 Bildern in Holzschu. herausg. v. E. v. Grote. Cöln. Heberle 1860, LVI u. 
280 S. gr. 8. (l 3 / 4 ^) Vergl. Literat. Centralbl. 1860 ur. 21 p. 331. 

99) Ulrich Jasper Seetzen 's Reisen durch Syrien , Palästina , Phönicien, 
die Transjordanländer, Arabia Petraea u. Unter - Aegypten. Hrsg. u. commen- 
tiit von Fr. Kruse in Verbindung mit Hinrichs, G. Fr. H. Müller, H. L. 
Fleischer u. mehreren andern Gelehrten. Bd. 4. Auch m. d. T. Commentare 
zu U. J. Seetzen's Reisen etc. Berlin , G. Reimer 1859 , XXXI u. 524 S. 
gr. 8. m. 3 Karten. (3 2 /3 ^.) Vergl. Literar. Centralbl. 1860 nr. 15 p. 227 u- 
Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 157 f. 

200) Th. Fliedner, Reisen in das h. Land, nach Smyrna, Beirut, Constan- 
tinopel, Alexandrien u. Cairo, in den Jahren 1851, 1856 u. 57. Th. 1 : Reise 
mit vier Diakonissen in das h. Land, nach Smyrna, Beirut u. Constantiuopel 
im J. 1851. Mit 71 Abbildd. , 1 Plane von Jerus. u. 1 Karte von Palästina 
u. einem Theile Aegyptens. Kaiserswerth (Berlin, Evang. Buchh.) 1859. VIII 
u. 408 S. 8. (17a #) 

1) T. Fliedner, Reizen in het heilige Land, naar Smyrna, Beiroet ete: 
Uit het Hoogd. door T. M. Loman. An. 1 — 4. Amsterd.. Hoeveker 1859 - 
gr. 8. (ä 54 c.) 

2) C. W. Wutzer, Reise in den Orient Europas und einen Theil West- 
asiens, zur Untersuchung des Bodens u. seiner Producte, des Klimas, der Salu- 
britäts -Verhältnisse u. vorherrschenden Krankheiten. Mit Beiträgen zur Ge- 
schichte, Charakteristik u. Politik seiner Bewohner. Bd. 1. 2. Elberfeld , Bä- 
deker 1860-61, XIV u. 319, VII u. 376 S. 8. (4 ^ ) Vergl. Lit. Centralbl. 
1861 nr. 32 p. 516 f. 

3) Georg. Typaldos, 'AvaxoXixal entarolai. JSftvQvr,, A'iyvnxoi,, IIa- 
Xaia-tivrj. Athen 1859, VIII u. 151 S. 8. 

4) C. Ritter, Die Erdkunde im Verb, zur Natur u. zur Geschichte des 



.|o Gosche, »rissen . >■/ n/'i/. Jahresbericht für 1859 bis 186 

setzt die Geographie Kleinasiens fori und behandelt Cilicien, Pam- 
phylien, Pisidien und Lycien; Kiepert, welcher an den beiden von 
Kleinasien erschienenen Theilen bereits fruchtbaren AntheiJ gehabl 
liat , wird das Weitere übernehmen und vielleicht eine kürzende 
I marbeitung der altern Abschnitte des Riesenwerkes zn liefern 
sich bestimmen lassen. Die russische Uebersetzung dieses Werkes 
durch Semenow 206 ) gewinnt durch die reiche in— i-che Kciselitteratur 
grade für Nord- und Centralasien wichtige Zusätze. Wer nach be- 
quemen und dabei von dem neuesten Standpunkt genommenen Ueber- 
sichten verlangt, wird solche in der vollständig veränderten neuesten 
Ausgabe des Stein - Hörschelmann'schen Bandbuches finden 6 ). Für 
die Geschichte auch der asiatischen Geographie ist die vorzügliche, 
durch die angestrengtesten Bemühungen Pinder's und Partkey's 
herbeigeführte Ausgabe des räthselhaften Geographen von Ravenna 
hervorzuheben 7 ), durch welche endlich eine sichere Grundlage zu 
weiteren Unternehmungen über Ursprung und Zuverlässigkeil dieser 
Aufzeichnungen gewonnen ist. 

Ehe wir zur Betrachtung dessen Übergehen, was im Einzelnen 
für Erforschung der orientalischen Oultur geleistet worden ist, sei 
noch der verdienstlichen bibliographischen Arbeit Zenher's ,s ) ge- 
dacht, welcher die Fortsetzung seiner „orientalischen Bibliothek" 
und Nachträge zu dem früher erschienenen ersten Bande geliefert 
hat. Nachträge werden natürlich leicht aus grossen öffentlichen 
und sorgfältig angelegten Privatbibliotheken gemacht werden können. 



Menschen, oder allgemeine vergleichende Geographie, I9i Theil 3. Buch: West- 
Asien. 2. stark vorm. u. umgearb. Aufl. Auch m. cl. T.: Die Erdkunde von 
Asien. Bd. IX. Vergleichende Erdkunde d. Halbinsellandes Klein-Asien. Th. 2. 
Berlin, G. Rehner 1859, XVIII u. 1200 S. 8. (5 Sfy I Vergl. E. Curtius Gott, 
gel. Anz. 1860. St. 178—179 p. 17G ( .» f. 

205) Carl Ritters Erdkunde Asiens in das Russ. übersetzt von P. Seme- 
now. Bd. 2 : Das Kussische Nordasien. Tatarei etc. Bd. 3: Altaisch-sajanisches 
B( rgsystem an der russisch-chinesischen Grenze. St. Petersburg 1850 — 60, 434, 

252, u. 6, iv. 592 S. gr. 8. (ä 4 Sfy. ) 

6) Handbuch der Geographie u. Statistik für die gebildeten Stände. Von 
Ch. G. J). Stern u. /•'. Hörschelmann. Neu bearbeite! unter Mitwirkung 
mehrerer Gelehrten von J. K. Wa/ppäus. 7. Aufl. Bd II. Lief. 3. Asien. 
(Lief. 1 Asien. Allgemeine üebersicht u. chinesisches Reich, Korea u. Japan. 
Von ./. //. Plath u. J. H. Brauer. Leipzig, Hinrichs 1860, S 1 — 272. 
(1 3fy. 4 Jfy) Lief. 4. Asien. (Lief. 2) Der indische Archipel u. s. \\. Von 
./. // Brauer, S. 273- 432. (20^) Lief. 5. Asien. (Lief. 3) Hinter- und 
Vorderindien. Von demselben, S. 433—592. (20 Myn) ebend. 1861. gr. 8. 

7) Ravennatis Anonymi Üosmographia et (uiidonis Geographica Ex libris 
ediderunt .1/. Binder et G. Parthey. Accedit tabula. Berlin, Nicolai 

L860, XV]U ii. 674 s. 8. m. 1 Karte. 3'.,./,; VergL Liter. Centralbl. L861 
nr. is p . 295. 

8 •/. Th. Zenker, Bildiotheca orientalis. Manuel de bibliographie Orien- 
tale. U. Contenant. L. Supplemenl du premier volume. 2. Litterature del'Orient 
i liic'ticn. 3. L. de rinde 1. L, des Parsis. 6. L. de l'Indo-Chine et de la 
Malaisie. l>. L. d< la Chine. 7. L. du Japon. S. L. mantehoue, mongole et 



/•'• cht ■ ■ enachaftl. Jahresbericht fibr l- $6] -11 

Zur Kunde China's giebt einer der ll. DuprcU' sehen Kata- 
loge 9 ), aufweiche ansre deutschen Fachgenossen aueb aeben den 
beächtenswerthen von Asher u. Co. in Berlin, F. A. Brockhaus in 
Leipzig und Trübner in London ihre Aufmerksamkeil richten -mögen, 
ein reiches bibliographisches Material. Seil das Reich der Mitte 
ein Mittelpunkt der politischen und diplomatischen Erwägungen der- 
jenigen Völker geworden war. denen bisher vorzugsweise die 
Regelung internationaler Verhältnisse grossartigen Stil- oblag, der 
Engländer, Franzosen und Russen: hat die schon bisher immer be- 
deutende Reiselitteratur über China nicht sowohl an Umfang 
als an Vertiefung gewonnen. Die Gegenwart and Zukunft einer 
originalen Cultur. welche in einem Reiche von mehr als 300 Mil- 
lionen ihren Ausdruck gefunden, hat ein Recht , als eine allgemein 
menschheitliche Frage zu gelten. Ein Reisebericht aus dem Ende 
des vorigen Jahrhunderts wird uns nahegerückt 10 ); unter den 
neueren behaupten die Engländer durch Zahl und cöncrete Mit- 
theilungen immer noch den ersten Rang: nach den Erfahrungen 
eines längeren Aufenthaltes berichten Scartk 11 ) und Taylor 1 *); 
bei Gelegenheit einer halben Weltreise Smith 13 ); Osbom 1 *-) giebt 
die Resultate einer Küstenfahrt ; am umfassendsten ist Uliphant's 15 ) 



tibetaine. 9. Table des auteurs etc. Leipzig, Engelmann 1861, XV u. 616 S. 
8. (n. 5#.) Vergl. Petzholdt's Anz. f. Bibliogr. 1861 p. 228 f.; H. C. v. 
.1. Gabelentz u. L. Krehl in Z. d. DinG. XVI (1861 p. 300—308. 

'.1 Catalogue des livres relatifs h la Chine qui se trouvent ä la Librairie 
de Benj. Dnprat. Paris 1861. 22 S. gr. 8. 

10) Blankennagel, Bemerkungen über eine in den J. 1793 u. 1794 aus- 
gef. Reise nach China, Archiv für wiss. Kunde v. Russland XVIII, 3. 

11) Twelve years in China. The people, the rebels, and the mandarins. 
By a British Resident Scarth). With illustrations. Edinburgh, Constable; 
London, Hamilton 1860, 8. Vergl. Westm.-Review 1860 S. 17 p. 594 f., und 
Journ. As. 1861 T. 17 p. 471 f. 

12) Ch. Taylor, Five years in China. With some aecount of tlie great 
rebellion and a description of St. Helena. New York, Derby 1860, XVI u. 
413 S. 8. Vergl, Gott gel. Anz. 1861 nr. 21 p. 1104 f. 

13) A. Sunt//, Tu China and back: being a di.iry kept out and home. 
London, Chapman and H. 1859, 70 S. 8. (1 sh.) 

14) Sherard Osbom, Notes, geographieal and eommercial, made during 
the passage of H. M. S. Furious , in 1858. from Shanghai to the Golf of Pe- 
cheli and back. With sailing directions by S. Court. Proceedings of the R. 
Geogr. Soc. III nr. 2 I 359 . 

15) Narrative of the Eari of ElgirCs Mission to China and Japan in the 
years 1S,">7, 58, 59. By Laurence Oliphant, Private secretary to Lord Elgin 
etc. With illustrations ete. 2. edition. Vol. 1. 2. Edinburgh and London. 
Blackwood 1860, XIH, 192 u. 496 S. gr. S. (42 sh. Vergl. Hddelb. Jahrbb. 
1861 nr. 4 p. 51 f. Biernatzki Gott. gel. Anz. 1861 nr. 30 p. 1180 f.; dazu 
den allgemeinen, mit besonderer Rücksicht auf das Christenthum geschriebenen 
Artikel im National - Review 1860, 10 p. 446- 476; Westm.-Review U 

T. 17 p. 508 f.: Dublin Review 1860 T. 48 p. 4<»1 f.; Quarterly-Review 1860, 
T. 107 i'. 84- 118. wo auch dir neue Ausgabe von John F. Davis' China be- 
sprochen wird, und noch ebendaselbst 1864 Oct. p. 419 f. 



\-j <;,,.-,!,, .////, Jahresbericht f&ir 1859 bi 1861. 

Darstellung der Gesandtschaftsreise des Lord Elgin, welche man 
gern mit dir zu ihrer Zeit epochemachenden des Lord Macartnej 
vergleichen wird: in der wichtigen Stellung des britischen Bevoll- 
mächtigten bei den Ohina'a augenblicklicheß Schicksal entscheidenden 
Ereignissen wählend der Jahre 1859 und 1860 bot sich mannig- 
faltige Gelegenheil zu den interessantesten Beobachtungen, wie denn 
erst jetzt das mit klarem und in sich selber wohlberechtigtem Be- 
wusstsein widerstrebende Reich sich der europäischen Cultur bat 
erschliessen müssen. Auch verdanken wir den Engländern den 
Beginn der Untersuchungen der grossen Flüsse 216 ), welche hier in 
einem andern Sinne als in Europa die Pulsadern des allgemeinen 
Lebens sind. Das wenige, aber sehr beachtenswerthe , was Frank- 
reich zur chinesischen Reiselitteratur geliefert hat. knüpft an die 
jüngsten kriegerischen Verbindungen an: Marquis de Moges 11 ) 
und de KiroulSe 17 ')> von denen das Werk des ersteren zugleich 
Japan betrifft. Das ältere Werk von Jlanssmann darf jedoch in 
der französischen Litteratur noch den Ruhm behalten, ein mehr 
abgerundetes Bild geliefert zu haben. 

Zu einer gleichmässigen Beschreibung des Reiches und 
seiner Cultur reichen jedoch die Reiseergebnisse noch nicht hin. 
Auf ein ziemlich altes, um etwa 900 der Hidschra fallendes tür- 
kisches Werk der Art, auf das Khatäl-näme, welches Fleischer be- 
reits 1851 besprochen hat, kommt mit Recht Zenker lb ) zurück; 
unsere unmittelbarsten Interessen berührt die treffliche, aus un- 
mittelbarer Anschauung hervorgegangene Darstellung des Missionars 
Huc 19 )\ Lavollee 20 ) fasst die Gegenwart in's Auge, de Haerne 21 ) 
die Beziehungen zu Europa, Cobbold 22 ) verschiedene culturhisto- 



216) Englische Aufnahmen im Innern von China : 1. Aut'u. des Jangtse- 
kiang, 2. Aufn. des Sikiang, Petennainfs Geogr. Mitth. 1861. p. 107 f. 

17) Souvenirs d'une ambassade en Chine et au Japon en 1857 et 1858 
par le Marquis des Moges. Paris, Hachette 1860, 350 S. 8. Vergl. Biernatzki 
Gott. gel. Auz. 1861 nr. 42 p. 1672 f. und Journal des Sav. 1860 Mai 
p. 327. Englisch : Kecollections of Baron Gros's embassy to China and Japan, 
in 1857 — 58. By the Marquis de ISIoges. Authorized translation, with eolour- 
ed illustrations. London and Glasgow , Griffin 1860, 8. Vergl. Westm. -Review 
1861 S. 19 p. 254. 

17a) Un voyage ä Pe-kin. Souvenirs de l'expedition de Chine ("1860 — 61V 
Par G. de Kiroulee. Paris 1861, VII u. 319 n. 8. (2 1 /« fr.) 

18) Das chinesische Reich, nach dem türkischen Khatai-name. Von J. 
Th. Zenker, Z. d. DmG. XV (1861) p. 785—805. 

19) M. Hut; The Chinese empire : a sequel to .Recollections of or journey 
through Tartary and Thibet'. New. ed. London, Longmau 1859, 580 S. 8. 
(5 sh.) Vergl. Quarterly Review 1861 T. 110 p. 179 f. 

20) C'h. Lavollee, La Chine contemporaine. Paris 1860, X u. 362 S. 8. 

21) de Hacrne, De la Chine consideree en elle-meme et dans ses rapports 
avec l'Europe. Bruxelles, Goemaere 1861, 78 S. 8. (1 fr.) 

22) R. H. Cobbold, Pictures of the Chinese, drawu by themselves. Lon- 
don 1860, 220 S. 8. 



Gosche, wiesenschafil. Jahresbericht für 1859 bis lSßl. 43 

risene Momente. Lechler**) den allgemeinen Charakter dieser 
Bildung vom Standpunkte des Christenthums. Sogar in Deutsch- 
lands weitem Kreisen verbreitet sich Interesse für dies Cultur- 
gebiet 23 '"). Scherzer a4 ) behandelt einiges Ethnographische; charak- 
teristisch ist auch, was Pfiemater 26 ) über des eben genannten 
chinesische (und einige japanische) Münzen beibringt 5 letzteren Gegen- 
stand behandelt zugleich mit Verwandtem Rondot i6a ). Ausserdem 
haben die Franzosen ein eingehendes und sehr erklärliches Inter- 
esse dem chinesischen Militairwesen zugewendet: wir erwähnen hier 
Daöry 26 ) und den nach Wade u. A. berichtenden Pt'card 21 ). 

Von einzelnen Gebieten und Punkten des ganzen chinesischen 
Lündcrcomplexes hat der Amur mit den anliegenden Landschaften 
die eingehendsten Besprechungen gefunden. Zwar gehören der 
wichtige Unterlauf desselben und die linken Nebenflüsse nicht mehr 
zu China 5 die Bussen haben in einer folgenreichen Weise hier Be- 
sitz genommen 28 ), die Grenze ist bereits reguliert 29 ) und im An- 



23) Acht Vortrüge über China , gehalten an verschiedenen Orten Deutsch- 
lands und der Schweiz von i?. Lechler, Missionar. Basel, Bahnmaier 1861, 
210 S. 8. (15 Aß:) Vergl. Zeitschr. f. luth. Thcol. von Delitzsch u. Guericke 
1863', III P . 603. 

23a) China . oder Uebersicht der vorzüglichsten geograph. Punkte u. Be- 
standteile des ehines. Reiches. 2. Ausg. Wien , Prandel u. Meyer 1859, 8. 
(16 Jfy). 

21 Scherzer, Einige Beiträge zur Ethnographie Chinas, gesammelt wäh- 
rend des Aufenthalts der ersten österr. Erdurnsegelungs-Expedition ... in ehines. 
Hüten, Sitzungsberichte der k. Ak. d. Wiss. Phil. -bist. Cl. XXX (Wien 1859, 8.) 
p. 274—287. 

25) Berichte über einige von Hrn. Dr. Karl Ritter v. Scherzer eingesandte 
ehines. u. Japan. Müezeu. Von Aug. Pfizmaier (mit 23 Abb. auf 1 Tf.) Aus 
d. Sitzungsberichten der k. Akad. d. Wiss. Wien , Gerold 1861 . 13 S. 8. 
(n. 6 Jfa). 

25a) Natalis Ronclot. Peking et la Chine , rnesures, monnaies et bangues 
chinoises. Paris 1861, 8. 

26) P. Dabry , Organisation inilitaire des Chinois , ou La Chine et ses 
armees , suivi d'un aperen sur l'administration civile de la Chine. Paris 1859, 
XIX u. 428 S. 8. 

27) Etat general des forces militaires et maritimes de la Chine; solde, 
armes, equipements. etc.; precede d'une etude sur les rapports commereiaux k 
etablir avec cet empire. Ouvrage compose d'apres les textes officiels chinois, 
recueillis par T. F. Wade, et sur d'autres doeuments recents, par Jul. Plcard. 
Paris 1860, VII u. 534 S. 8. 

28) Die Russen am Amur , vergl. den resümierenden Artikel im Quarterly 
Review 1861 T. 110 p. 179 — 208. Die russ. Niederlassung am Amur, Aus- 
land 1859 nr. 46; der Amur als Verkehrsmittel, ebend. nr. 28; Weitere Ans 
breitung der Russen in der Mandschurei, ebend. 1859 nr. 51; The Amoor River, 
Church Missionary Intelligenter 1S59 p. 70; Le fleuve Amour, le Tour du 
Monde 1860, nr. 7 ; die Bedeutung des Amur-Landes in kommerzieller Hinsicht, 
Preuss. Handelsai-chiv 1860, nr. 10 — 11; eine Notiz über die Erwerbung des 
Amur-Landes durch die Russen, Zeitschr. f. allg. Erdk. N. F. 1860, IX p. 152; 
die Wahrheit über den Amur, Erman's Archiv für Wiss. Kunde von Rußland 
XVIII (1859) p. 486—500. 

29) Die Grenzregulirung zwischen Russland und China nach dem Tractat 



44 haftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

schluss daran sind bis tief in das Innere Positionsbestimmungen 
gesichert worden 9298 ). Es isi natürlich, dass rar Allem die Eifer- 
sucht des Volkes hier wachgerufen worden ist, welches bisher mit 
den Russen, offen oder heimlich, am die Eerrschafl in Asien ge- 
rungen hat. Die Engländer gehen den russischen Mittheilungen 
nach 30 . sie berühren sie anmittelbar S1 ) 5 auch die Franzosen, 
Makebrun 32 ) and Sabir Si *), obwohl sie aur geographische Zu- 
sammenstellungen beabsichtigen, fassen die Bedeutung dieser rus- 
sischen Machterweiterung als ein Moment der Politik der Zukunfl 
in's Auge. Am eingehendsten hat Ravenstein 8S ) den Gegenstand 
behandelt, in einer auch für die Erdkunde fruchtbaren Weise; für 
diese wird Bich nach und naeli der reichlichste Gewinn ans den 
kürzeren oder ausführlicheren Mittheilungen der Russen ergeben, 
von denen wir besonders nennen Boschnaka si ), Perntikm 36 ) und 
in \nse]i]iiss an diesen (zugleich die Mongolei berührend) /v /*/•// 35;i ), 
den in Ostsibirien bahnbrechenden Radde' ie ), den sehr eingehenden 



vom 14. NOv. 1860, Zeitschf. f. allg. Erdk. N. F. 1861, X p. 144 f. Vergl. 
sonst noch Journal de St. Petesb. 1861, 7 9. Jan. und Preuss. Handelsarcliiv 
1861 dt. 7. 

229a : Cfulebew's Positions-Bestimmungen in den rassisch-chinesischen Grenz- 
ländern am Jli und [ssykul 1859, Petennann's geogr. Mittle 1861 p. 198. 

30 Notes 011 ilic liiver Amur and the adjacenl districts, by Peschurof, 
Vasiliflf, Kadde , rsoltzofl', Parirn-clietski ete. , Proeeedinus of the R. Geogr. 
Soc. III I'. 2 (1859). 

31) Letter from the Secretary of State, in answer to a resolution of the 
Im'm-c. cjilling for information relative to the exploration of Amoor River. W 
ington 1859, 67 S. 8. m. 1 Karte. 

32) V. .1. Mulh - Brun, Les nouvelles acquisitions des Rnsses dans TAsie 
Orientale. Le fleuve Amour, d'apres les documents originaux et les notes pu- 
blikes par la Koeiete Imper. GjJogr. de ßussie. Nouv. Ann. des Voy. 1860, II 
]». 266 f, auch besonders abgedruckt. Paris 1860, 8. Vergl. Quarterly Keview 
istll T. HO p. 179 f. 

32a) < '. de Sabir , Le fleuve Amour. lnstoire, geographie , ethnographie. 
Paris 1861, 4. 

33) The Russians on the .Amur; it- discovery, conquest and colonisation 
with a description of the country. its inhabitants, produetions and commercial 
capaiilities ; and personal aecounts of Russian travellers. By Tl. Gr. Ravenstein. 
[Uustrated by 3 maps, 1 plates and 58 wnod engravings. London, Trübner 
and Co. 1861, XX u. 467 S. gr.8. Vergl. Heidelb. Jahrbb. 1862 Mai p.374f.; 
Nouv. Ann. des Voy. 1862 Avr. p. 16 f. ; ferner: Biernatzki in Gott. gel. Ana 
ISUl 1 nr. 18 p. 693 f. und Quarterly Review L861 T. 110 p. 17!» f. 

34) N. BoschnaJca, Expedition in den Amurschen Grenzlanden, Morskoi 
Tbonnk 1859, Febr. 

35) Le fleuve Amur, par Permikine, Nouv. Annales des Voy. 18tj0 . 111 
p. 145f Vergl. dazu desselben: Description of the Amoor River, with par- 
ticular considerations geological, zoological and botanical, im Nautical Waga 
/.ine 1 !S. r >; » .lim. 

35a) Der See Kosovo] und das dazu gehörige Gebirgstbal. Nach d. Russ. 
von Permikvn und Selsbji m. 1 Karte', Erman's Archiv für wiss. Kunde von 
Russland Will L859 p. 260 306. 

36) Gfustav Hadde's Vorlesungen über Sibirien u. das Amur - Land , geh. 



Gosche, wisst ■„.schuf il. Jahresbericht für L859 bis 1861. 

Maack 3 " 1 ), Maximowitsch 37 a ) , Usolzow 38 ) und ganz besonders 
L. i'. Schrenck 38 *), dessen durch einige vorläufige Müttheilungen 
angekündigtes Werk in den bis jetzl erschienenen vier Lieferungen 
sich jedoch nur mit Zoologie beschäftigt. Eine Schilderung der 
anliegenden Gebiete giebl Romanow 39 ) ; die Ajrwohner des Amur 
lernen wir durch andere russische Mittheilungen "') kennen. Audi 
zwei englische Reisewerke beziehen sich auf dieses Gebiet, beide 
weitere Theile Nordasiens umfassend, das von Collins* 1 ), sich ost- 
lich bis Japan verbreitend, und das von Atktnson* 2 ), die inner- 
asiatischen unstäten Völker in ihren Wohnsitzen charakterisierend. 



im Saal der k. Univ. zu St. Petersburg, März 1860. 1 Geographisch - natur- 
historische Skizze des südl. Sibiriens. Physiognomie seiner Länder. Der Je- 
oissei als natiirl. Grenze zwischen West- u. Ost-Sibirien, [rkutsk. Der Baikal 
Gebirgssystem um ihn. Kentei u. Sajan. Volksleben. Das Quellland des Amur. 
I>a^ Nordost-Ende des Hohen Gobi; seine Beziehungen zum Amin- u. dessen 
Handel, Petermann's Geogr. Mitth. 1860 p. 257 f. 386 1'- 2) Entwurf eines 
physikalisch-geograph. Gesammtbildes des südl. Grenzgebietes von Ost - Sibirien. 
Auf Grund eigener sowie anderer neuester Beobachtungen u. Forschungen von 
Gustav Radde, ebend. 1861 p. 449 f. 3) Der Amur seihst, seine Bedeutung 
für Ost-Asien, die Natur der angränzenden Lander; seine Besiedelung u. seine 
Zukunft , ebend. 1861 p. 261 f. 

37) R. Maack, Reise auf dem Flusse Anmr. auf Befehl der k. Geogr. 
Ges. zu St. Petersburg im J. 1855 ausgeführt. St. Petersburg 1859, X u. 
320, 212, VIII, XX S. 4. Mit Atlas in fol. (40 9$. russ.) Vergl. C. D. Sahir 
in Nouv. Ann. des Voy. 1861, I p. 46. 

37a) Aus einem Briefe des Botanikers Maximowitsch über seine Reise am 
Amur, Erman's Archiv für wissenschaftl. Kunde von Russland XX (1860 
p. 201—210 

38) Reise zu den Quellen des Flusses Giljui und dem Flusse Seja. Nach 
dem Russ. von Usolzow, Erman's Archiv für wiss. Kunde von Russland XVIII 
a859) p. 135—157. 

38a) Reisen und Forschungen im Amur -Lande in den J. 1854 — 56 im 
Aufträge der kais. Ak. d. Wiss. zu St. Petersburg ausgeführt u. in Verbindung 
mit mehreren Gelehrten herausgeg. von Leop. V. Schrenck. Bd. I. Lief. I. '1. 
II. Lief. 1. 2. St. Petersburg (Leipzig, Voss) 1858 — 61, XXXI, 567 u. 
1—258 S. gr. 4. m. 29 KK. u. Karten (n. 11 ifc 23J^). Vergl. sehen oben 

xiv p. 169. 

39) Romanow, Ski/.zc des Lande-, /.wischen Castries-Bai u. dem Amur 
im. 2 Karten), Wjästnik der k. Russ Geogr. Ges. 1859 Heft 3 

Archiv f. wiss. Kunde von Russland 1860, XXX p. 13. 

40) Die Uferbewohner des Amur, Erman's Archiv für wiss. Kunde von 
Russland XVII L858) i>. 581 f.), XVIII (1859) p. 29 f. 

41) A voyage down the Amoor: with a land journey through Siberia, and 
incidental Notices of Manchooria, Kamschatka, and Japan. By Perry McDo 
nough Collins, United States Commercial Agent at the Amoor River. New 
York: Applet, ni and Comp. L860, 390 S. 8. mit 4 lith. Ta£F. ,7',., sh Vgl. 
Biernatzki Gott. gel. An/.. L861 nr. 38 p L501 f. Dazu: Perry McD. Collins, 
Bericht über seine Reise durch das asiat. Russland L856 u. 57, und über die 
Handelsverhältnisse am Amur. Petermann: Geogr. Mitth. 1859 p. 1!'. — Verg] 
Ausland 1859 nr. 22. 

42) Travels in the regions of the Upper and Lower Amoor, and the Rus- 
sian acquisitions on the confines of India and China. With adventures ai 



46 Grösohe, wissenscJiaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

Atktnson, welcher ang 13. Aug. 1861 in einem Alter von 62 Jahren 
in Power Walmer in Kcnt starb, lmi indess mit diesem seinem 
zweiten grossen Reisewerk den Ruhm seines zuverlässigeren „Oriental 

and Western Siberia" von 1858 nicht erreicht: seine Letzten Mit- 
theilungen sind nicht überall authentisch. Das Detail dieser Gegend 
betreffen die Notizen über den Hafen Khabaruka - 13 ) und die geo- 
unnstischen Bemerkungen F. 8chmtdt 4,v )\ von der zukünftigen Ent- 
wicklung handelt Gerstfdd* 6 ). 

Von Einzelbeschreibungen aus dem Umfange des chine- 
sischen Reichs sind hervorzuheben die Untersuchungen des Yan- 
tse-kiang durch Blakistone i{ '> , Lord Elgvn M und Sarel* 8 ; die 
Darstellungen der Insel Formosa durch Brooker 4,9 ), Sioinhoe* 9 ^ 
Le Gras 00 ) und Jomard 50 *)\ ferner wurden behandelt die Pro- 
vinz Kui-tseheu 51 ), der Kreis Sinon 52 ), die Provinz Korea, diese 



the Mountain Kirghis; and the Hanjours, Manyargs, Toungouz, Touzemtz, 
Goldi, and Gelyaks, the liunting and pastoral Tribes. By Thomas William 
AtMliSOn. London, Hurst and Blackett 1860, XIII u. 570 S. gr. 8. 42 sh. 
Vergl. Biernatzki in Gott. gel. Anz. 1862 nr. 2 p. 60 f.; Heidelb. Ja'nrbb. 
1861 nr. 52 p. 828 f.; Edinburg Review 1860, 112 p. -95 i. : nuarterly Re- 
view 1861 T. 110 p. 179 t'.; und den Artikel: Atkinsons Wanderung am obern 
und untern Amur, Ausland 1860 nr. 42 — 43. 

243) Le Port de Khabarooka au eonfluent de l'Oussouri et de l'Amour, 
Nouv. Ann. des Voj. 1860, III p 354 f. 

44) F. Schmidt, über geognost. Untersuchungen am Amur. Archiv f. wiss 
Kunde von Russland 1861. XX p. 247 f. 

45 (.r . Gerat fehlt, über die Zukunft des Amur-Landes, Petermann's Geogr. 
Mitth. 18(50 p. 63 f. 

46 1 Exploration du Yang-tse-kiang. Nouv. Ann. des Voy. 1859, II p. 236. 
Vergl. W. Loekhardt im Journal of the Roy. Geogr. So,. ll-CiS. XXVIII p.2>8 

47) Lord Elgins Expedition up the Yang- tsze-kiang to Hankow. Bier- 
cantile Mai im- Mag. 1859, Avr. May. Lord Elgin's Expedition to Hankow, 
Xautieal Mag. 1859, Avr.; Lord Elgin.S Fahrt auf dem Yantsekiang, Zeitschr. 
f. allg. Erdk. N. F. 1859, VI p. 152. 

48) Notes on the river Yan-tse-kiaug from Hankow to Ping-shan. By 
Lieut.-Colonel Sarcl, Journ. of the As. Soc. of Bengal 1861 p 222—250 mit 
Karte). Dazu: Der Jang- tse -kian von Hankau bis Ping-schan. Von Oberst- 
Lieut. Sarel, Petermann's Geogr. Mitth. 1861 p. 411 f. 

49) Journal of H. M. S. „Inflexible 1 ' on a visit to Formosa , in search of 
Shipwrecked Seamen. By G. A. C. Btooker, Xautieal Mag. 1859, Jan. 

49a) Narrative of a visit to the island of Formosa, by Robert Swinho'e, 
Journal of the North -China Brauch of the Roy. As. Soc. 1859, II p. 145 
— 164. 

50) A. Le Gras , Renseignemonts hydrographiques sur les iles Formose 
et Lou-Tschou, la Corde, la mer du Japon, les iles du Japon (ports d'Hokodati, 
Nangasaki, Simoda et Vedo), et la mer d'Okhotsk. Paris. Ledoyen 1859, VID 
il. 182 S. 8. 

50a) Coup d'oeil sur l'ile de Formose , par Jomard. Paris 1859. 8. 
53 Chine. Province de Kouy-tcheou; aspect physique, climat, population, 
Industrie, richesses, curiosites naturelles, par 1'eru;/. Revue de l'Orient 1859, 

ix p. 330—337 

52"! Eine Reise nach dem Tschung-Districte im Sinon - Kreise, Zeitschr. f. 

allg. Erdkunde. N. F. 1859, VII p 235 



Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis L861 47 

durch Pourthii 6a ) und </' Ohassiron w ), and die Provinz Nan-lu 
Mit dem ausgedehnteren Gebiete der Mantschurei beschäftigen sich 
Beresin 56 *) und Mu,riinvwitsch bbh ); mit dem der Tatarei Atkin- 

son 56 ), der auch in seinem obengenannten Werke dieselbe darstellt; 
den Russen verdanken wir werthvolle Notizen über Sitten 56a ) und 
historische Litteratur 5,;1 '); das immer noch nicht genügend erforschte 
llimmelsgebirge untersucht Semenow 57 ), der tüchtige Uebersetzer 
Carl Ritter's; sonstige Einzelnheiten Abramoto 67 *), Pfi&maier 69 ) 
und Andere 59 ). 

Die Geschichte des chinesischen Volkes wird um so lockender 
für den Forscher und Darsteller, in je grösserem Gegensatz oder 
in je näherer Verwandtschaft dasselbe zu unseren modernen euro- 
päischen Culturen erscheint. Die lange Dauer und die scheinbare 
Stabilität des Reichs ist ein so merkwürdiges Phänomen, dass 
Plath™) mit Recht eine tiefere Betrachtung daran geknüpft hat. 
Das Verhältuiss der Unterthanen zu ihrem Oberherrn war durchaus 
incht so ruhig und behaglich, wie es von ferne erscheinen könnte-, 
schon aus den Liedern des Schi-king konnte man im Allgemeinen 
auf eine kritische Opposition schliessen; jetzt lassen Pfizriiaiers"'' 1 ) 
kundige Zusammenstellungen die Remonstrationen gegen den pa- 



53) Pourtkie , sur im voyage eu Coree. Deport de Chang-Hai; jonque 
chhioise, debarquement, arrivee aux portes de la capitale des Coreens , Annales 
de la propagation de la foi 1859 nr. 185. 

54) de Chassiron, La Coree, son etat actuel, les missionnaires catholiques, 
Nouv. Annales des Voy. 1859, I p. 357. Vergl. Ausland 1859 nr. 18. 

55) Ost-Turkestan oder die chinesische Provinz Nan-lu. Aus dem Reise- 
berichte des Stabscapitains Walichanoio , Erman's Archiv f. wiss. Kunde von 
Kussland XXI (1861) p. 605—636. 

55a) Nachrichten über das südliche Mandjurieu (nach Peresin) Erman's 
Archiv für wiss. Kunde von Russland XXI (1861) p. 97 — 105. 

55b) Reise des Botanikers MaJc&imowitSch nach dem südlichen Mand- 
schurien, Erman's Arch. f. wiss. Kunde von Russland XXI (1861) p. 553 — 561. 

56) Th. W. Athinson , A Journey through some of the highest passes 
in the Atla-tu and Ac-tu mountains in Chinese Tartary, Proceedings of the R. 
Geogr. Soc. III (1859) nr. 3. 

56a) Ueber alte und neue Gebräuche der Mongolen. Mit Beziehung auf 
Piano Carpini's Besehreibungen von dem Lama Galsan - Gombojet<\ Erman's 
Archiv für wiss. Kunde von Russland XlX (1860) p. 93 — 108. 

56b) l T eber historische Werke der Mongolen, insonderheit die Chronik Altan 
Tobtsehi, Erman's Arch. f. wiss. Kunde von Russland XlX (1860) p. 567 • — 576. 

57) Expedition nach dem Thian-Schan oder Himmelsgebirge. Von P. Semenow 
(in. 1 K.), Erman's Arch. f. wiss. Kunde von Russland XVIII (1859) p. 1 — 28. 

58) P/izmaier, über den Berg Iloei-ki, Sitzungsberichte der k. Akad. d. 

wiss. Phüos.-hist. ci. xxix Wien L858, 8. p. 10-16. 

59) Von Pehtang nach Peking, Zeitschrift f. allg. Erdk. N. P. 1859, VII 
p. 3,']7 f. ; das T'een T'ung- Kloster unweit Ningpo, 1859, VI p. 2^9 f.; die 
rus8. Niederlassung Ayan an der Ostküste der Tartarei , Ausland 1860. nr.23. 

60) Ueber die lange Dauer und Entwicklung des chinesischen Reiches. 
Rede von Dr. Joh. H. Piatli. München, Franz 1861, 50 S. 4. (16 J@r. ). Vgl. 
Lit. Centralbl. 1862 nr. 21 p. 407. 

61) Worte des Tadels indemReiche der Hau. Von A. Pfismaier, Sitzungs- 
berichte der Wiener Akad. d. Wiss. l'hil.-hi-l. Cl. lid. 35 (1860) Heft 3 4. 



Gosche, linsaensehaftl. Jahresbericht für 1859 bis L861. 

triarchalischen Absolutismus bis in das zweite Jahrhundert v. ehr. 
zurückverfolgen. China ist für uns keine Curiosität mehr. Dies 
Vorurtheil zu überwinden hat das jetzt mit einem zweiten und 
dritten Bande vollendete Werk Kaeuffer's 262 ) über die Geschichte 
Ostasiens sein- wesentlich beigetragen. Schon in dem ersten Bande 
tral der warme, humane Zug in der Geschichtauffassung des Ver- 
fassers uns sehr wohlthuend entgegen; man empfand, dass man 
es in dem chinesischen Volksthum wie in dem hier gemeinschaft- 
lich betrachteten indischen mit einem Stück Menschheil zu thun 
habe, und diese Eigenschaft fesselt den Leser auch an die jetzt 
vorgelegten Bände, welche gewissenhaft ausgearbeitet die Geschichte 
mich den verschiedenen Richtungen der Cultur bis in die Gegen- 
warl hinab verfolgen. Daneben will ein wieder aufgelegtes anonymes 
französisches Werk 63 ) nur den allerpopularsten Zwecken dienen. 
Die Detailforschung wird mich manchem Abschnitt der Vergangen- 
heit, der uns jetzt leer oder bewegungslos erscheint, Farbe und 
Leben verleihen. Einzelnes gewinnen wir schon durch Pauthier 64 ), 
welcher China's Beziehungen zum Occident untersucht: und beson- 
ders durch Pfizmaier 's detaillierende Studien 65 ). Fast alle hier 
zu nennenden geschichtlichen Arbeiten beziehen sich indess auf 
die Gegenwart und jüngste Vergangenheit An der Spitze steht 
Neumamis { ' c ') mit gleichmässiger Kenntniss englischer und chinesischer 



262) Geschichte von Ost-Asien. Für Freunde der Geschichte der Mensch- 
heit dargestellt von J. E. /,'. Käuffer. Th. 2. Leipzig, Brockhaus 1859, VIII, 
-11s. gr.8. (4Va ■"'• ■ VergL V YV. in Lit. Centralbl. 1859 nr. 42 p.664f. 
Th. :;. ebend. 1860, VIII u. 727 S. gr. 8. (4^.). VergL Literar. Centralbl. 
1861 nr. 20 p. 317 f. 

63) Histoire complete de l'Empire de la Chine, dejmis son origine jüsqu'a 
uns jours. Son dtendue, sa Chronologie, l'histoire de ses diverses dynasties etc. 
par MM. A. s. et D.. et continuee jusqu'ä nos jours parM.P.D. Nbuvelli 
revue avec soin etc. Vol. 1. 2. Paris, Parent - Desbarrcs 1861, 646 s 
(3V 2 fr.) 

1)1 Histoire des relations politiques de la Chine avec Ies puissances occi- 
dentales , depuis li j s temps les plus anciens jusqu'ä aos jours, sni\ is du i 
monial observe' h la cour de Pekin pour la premiere fois, dans nne langue 
europäenne, par G. Pavthier. Paris 1859*, XIX u. 239 S. S. VergL J. M. 
im Journ. As. 1859, 14 ]>. 270 f. 

65) l'i'r.iinu'ir, Geschichte des Hauses Tschao, Denkschrr. der k. Ak. der 
Wiss. Philos -histor. Cl. IX Wien 1859, 4.) p. 4T> --■!•«; der Landesherr von 
Schäng, Sitzungsberichte der k. Ak. d. Wiss. Philos, -bist. Cl. XX IX Wien 
L858, 8. p. 98—114; Wei-jen, Fürs! von Jäng, ebend. XXX Wien 1859, 
8i) p. 155 — 1()4; zur Geschichte des Entsatzes von Han-tan, ebend. [Wien 
1859, 8.) p. 65—132; Li-sse, der Minister des ersten Kaisers, ebend. ]>. -"'11 
351 ; die Gewaltherrschaft Hiang-yü's, ebend. XXXII (Wien 1859, x.' p. 7 (17: 
das Ende Mung-tiens, ebend. p. i;J3 — 144: die Anfänge des Aufstandes g 
das Herrscherhaus Shin, ebend. p. 27.'i 299; die Genossen des Königs Tschin- 
sching, ebend. p. 332 358; die Nachkommen der Könige von Wei, Thi und 
I Im n . ebend. p. 529 — 570; die Feldherrn Han-sin, Peng-yue und King-pa, 
ebend. XXXIV Wien 1860, 8.) p. ."-72 136; der Abfall des Könip Pi von 
ü, ebend. Bd. 36 (Wien L861 I p. 18 -47. 

tili Ostasiatische Geschichte vom ersten chinesischen Krieg Ins zu den 



Gosche, wissenschaßt. Jahresbericht für 1859 bis 1861. .J!i 

Dinge geschriebenes Werk, welches in einer Geschichte von /wanzig 
Jahren den für das isolierte Reich so schicksalsvollen Durchgangs- 
process zur Darstellung bringt; zur Charakteristik der Taiping- 
Etebellion giebl Pfizmiaier aus Placaten 67 ) und Poesien 68 ) Beiträge; 
für die französische Anschauungsweise, wie sie auch schon zum 
Theil in den bereits oben genannten Schriften von Lavoüie und 
de Haerne hervortritt, liegt schon eine „chinesische Frage" vor: 
man vergleiche die Auseinandersetzungen von Pauthi'er* 9 ), De 
Mas 10 ), Laffitte 11 ), Saint-Denys 72 ) und Dupin 13 ). Der erste 
von diesen führt auch durch authentische Mittheilungen von dem Kaiser 
Hien-fung 74 ) und dein Mandarinen Seh 75 ) in den ausserordentlich 
scharfen Culturgegensatz eines entsetzlich verriüchterten Orients 
und des Occidents ein. Die letzte englisch-französische Expedition, 
über welche auch weitere Kreise nach Belehrung verlangten 76 ), hat 
diesen den vollen Untergang einer Partei fordernden Gegensatz 
noch nicht gehoben. Franzosen und Engländer haben über die- 
selbe berichtet, aber in einer charakteristisch verschiedenen Weise. 
In Frankreich hat der offizielle Erzähler des Krimkrieges und des 
italienischen Krieges, Baron de Bazancourt 11 ), in geschmackvoller 



Verträgen in Peking (1840 — 18G0). Von Carl Friedr. Neumann. Leipzig, 
Engelmann 1861, XX u. 532 S. gr. 8. (3V 2 fy- )• Vergl. Biernatzki in Gott, 
gel. Anz. 1862 nr. 20 p. 772 f. und Westm.-Review 1861 T. 20 p. 588. 

67) Pfizmaier, Bemerkungen zu einem Maueranschlage der Aufständischen 
in China, Sitzungsberichte der k. Ak. der Wiss. Philos.-hist. CI. XXXIII (Wien 
1860. 8.) p. 233-246. 

68) Pßzmaier, Ein Gedicht des chinesischen Gegenkaisers, Sitzungsberichte 
der k. Akad. d. Wiss. Phil.-hist. Cl. XXIX (Wien 1858, 8.) p. 26—36. 

69) La Question Chinoise, par G. Pauihier, Revue de l'Orient 1859, X 
p. 419—431. 

70) La Chine et les puissances chretiennes. Par Sinibaldo de Mas. Vol. 
1. 2. Paris 1861, XXXII u. 338 S. 8. (8 fr.) 

71) Considerations geiierales sur l'ensemble de la civilisation , et sur les 
relations de l'Occident avec la Chine. Par Pierre Laf/itte. Paris 1861 , XI u. 
158 S. 8. (3 fr.) 

72) La Chine devant l'Europe, nur le Marquis cHIerve"- Saint- Denys. Pa- 
ri-. 1859, 8. 

73) Coup-d'oeil sur la Situation aetuelle de l'empire chinois, par le baron 
Ch. Dupin, Revue de l'Orient 1860, XII p. 1—16. 

74) Memoire secret adressd a l'empereur Hien-Foung, actuellement re- 
ghant, par an lettre' chinois, sur la conduite ü süivre avec les puissances euro- 
peennes, traduit du Chinois. par Gr. Pauthier, Revue de l'Orient 18(><>, XI p. 
365- 396; auch besonders abgedruckt Paris 1860, 32 S. 8. 

75) Proclamations du Mandarin Jfe et duVice-Roi Ho, ordonnant la liberte 
du eulte catholique en Chine, et la libre circulation des missionnaires chretiens 
dans tout l'empire; traduites du chinois par Gr. Pauthier, Revue de l'Orient 
1860. XI p. 77 — 92; auch besonders abgedruckt Paris 1860, 12 S. 8. Der 
Mandarin Yeh ; Ausland 1859 nr. 9—10. 

76) Expedition des Franeais et des Anglais en Chine, 1860. Coupd'oeil sur 
la Chine. Causes de la guerre. Traversee des troupes. Operations militaires. 
Conclusion de la paix. Paris, Renault 1861, 128 S. 16. m. 1 Karte. 

77) Les expeditions de Chine et de Cochinchine d'apres les les documents 

Jahresbericht 1859—1861. 4 



50 Gosche, tvissenscha/tl. Jahresbericht för 1851» bis 18C1. 

iimi auf offizielle Actenstücke gegründeter Weise den Conflicl dar- 
gestellt; auch hier wird bei aller geschichtlichen Bedeutung, welche 
ein näheres Verhältnis zu Kaiser Napoleon III. seinen Aufzeich- 
nungen verlieh, ein aufmerksames Auge den früheren Verfasser 
aristokratischer Romane an manchen Punkten wiedererkennen. 
Neben ihm sind zn nennen de Mutrecy a78 ) mit einem umfassenderen 
Berichl und de Montglave 19 ) mit einem übersichtlichen Artikel. 
Ans England erhalten wir ausser Wolseley's 80 durch einige Mit- 
theilungen aus dem Rebellenlager von Taiping werthvoller Dar- 
stellung auch Parlamentspapiere 81 ): denn die chinesische Präge 
ist hier zugleich eine Angelegenheit der ganzen Nation, und schon 
während des Kampfes konnte von Ösborft s; ) nach ihrem künftigen 
Verlauf gefragl werden. Auch in Nordamerika sind offizielle Acten- 
stücke 89 ) veröffentlicht Worden, und für Deutschland wurde 
dringend Zeit, wenigstens nach den Handelsinteressen 84 ) zu fragen, 
welche man seitdem in einer Reihe von Handelsverträgen energisch 
zu wahren begönrien hat. 

Bei so unmittelbaren und cöncreten Berührungen gewinnt chi- 
nesische Sprache und Litteralur eine immer weitere Bedeutung. 
liier, wo eine ausserordentliche Mannigfaltigkeil der Schriftzeichen 
die begrifflichen Nuancierungen der auf ein dürftiges Maass abge- 
nutzten Sprachmittel sicher darzustellen berufen ist. treten ele- 
mentare Frauen in den Vordergrund. Ob zur Herstellung chi- 
nesischer Texte Hol/schnitt oder Typendruck anzuwenden sei. hat 



offieiels ... par le Baron de Bazancourt. Partie I. 11. 1857 58. Paris 1861 
r.-_\ III. 126 H. VIII, 41.". S. gr. 8. 12 (r.) Vergl. Biernatzki in <;;;tt. gel 
Anz. Im;:; St. 42 p. 1668 so. 

278 Journal de la campagne de Chine, 1859 <il : par C. tlr Mutrecy. 
Precede" d'une preTacc par Jnl. Noriac. Vol. 1. 2. Paris 1861, III. .'5Ü1 u. 
1 Li; s. 8. 12 iv.) 

<!i L'expedition de Chine, \>&rEug. <l< Mbnglave, Revue del'Orieul L860, 
XII p. 363- 375, 111 446. 

80) Narrative of the war with China in t860, tu which is added the 
aeeount pf a short residence with the Tai-ping rebels al Nankin, and a voyage 
IV thence to Hankow. ISy (,'. ./. Wolscley. London L861, -IUI S. S 

sl Correspondance respecting affairs in China. Presented to lmtli Houses 
of Parliament 1859 — 60 etc. Fol. Vergl. Quiirterly Review 1861. T. 110 
p. IT'.» f. 

> 2 The past and future ofBiitish relations in China. By Sherard Osborn 

I Ion u. Edinburgh, Blackw 1 ISO. S. Vergl. Westm.- Review 1861 T. 

19 ].. 253 

83 Message of the Presideni of the United States communicating, in com- 
plianee with a Resolution of the Senate, the Correspondence of Mssrs. Mm- Lane 
and Parker, lato commissioners to China. 35. Congress, !_'. Session. Ex. Poe. 
NU. 22, ll-ls. Vergl. den längern Artikel im North American Review 1859, 
89 p 478 521. 

84) K, /V. Neumann, Die Ereignisse in Ost- Asien und die Notliwendig- 
keit Deutscher Handelsverträge mit Siam, China und Japan ^bdr. aus d. A. A. 
Ztg. 1859. Vergl. Petermann's Geogr. Mitth. 1859 p- 167. 



Gosche, visspiMt hiij'il. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 51 

China selbst seit lange praktisch nach der ersieren, Europa mehr 
nach der andern Seite entschieden. Die in solchen Dingen fast 
immer bahnbrechende kaiserl. Druckerei in Paris hatte 1860 eine 
Bewilligung von 10,000 Fr. erhalten und Marcellin-IjfigraßiU* 5 ) 
spricht von der Herstellung von etwa 32,000 Gruppen. Für den 
praktischen Verkehr bleibt immer noch die grosse Schwierigkeil 
der bis nach Japan verbreiteten Vulgärschriften stehen, für welche 
de St. Avlaire und Groenevek 66 ) ein sehr instruetivea Werk ge- 
liefert haben. Die Bedeutung der Schriftfrage ist in China selbßt 
auch empfunden worden, wie wir an der Quadratschrift 87 ) und an 
der künstlichen Schrift drv Kiu -Dynastie seit Uli) n. Chr. 87 ") 
sehen, mit welchen Bemühungen man auch die Versuche musika- 
lischer Notation 87b ) vergleichen möge. Trotz alledem haben wir 
mit Davis Slc ) gewisse Vorzüge der chinesischen Schritt anzuer- 
kennen. Die ausserordentlich delicaten Lautverhältnisse, hat Lep- 
stau 88 ) in der Reihenfolge seiner umfassenden phonetischen 
Forschungen einer scharfsinnigen Untersuchung unterworfen, deren 
Ergebnisse, mit einiger Berücksichtigung der in der chinesischen 
Schrift noch erhaltenen COmplemeptären logischen Elemente eine 
nachhaltige praktische Bedeutung gewinnen können. Interessant 
sind einige Analogien des zugleich betrachteten tibetischen Sehrift- 
thums. Auch Plath &8 *) giebt aus einer reichen Kenntniss der 
Sprache und Litteratur, lediglich vom Standpunkte des Chinesischen 
seihst, eine sehr lehrreiche Studie zur Laut- und Schriftlehre. 
Als eine höchst scharfsinnige Charakteristik des Chinesischen ist 



85 S| t'( imen de caracteres chinois graves sur acier et fondus en types 
mobiles, par Marcellin-Legrand. Paris. Duprat (1859) 56 S. 8. 

86) A manual of Chinese running-handwriting, especially as it is used in 
Japan, eompiled from original sources by R. J. de St. Aulaire and W. P. 
Grroeneveldt. Sold by G. M. van Gelder. Amsterdam 1861, IV gedr. u. 113 
u. 60 litli. S. 4. 

87) Lettre adressee ä la Soeiete asiatique de Paris sur l'origine et les mo- 
numents de l'ecriture carree, dont l'invention est attribuee au Pagba-Läma, par 
M. I'. Grigorief, Jouru. As lsiil, XVII p. 522- 558. 

87a) .1. Wylie, On an ancient Inscription in the Neü-Chili language, Journ. 
of the Rpyal As. Soc. of Great Britain Will. 2 l860) p. 331 345 m. 4Tff. 

87b On the musical notation of the Chinese. 15y the Rev. E. W. Spie, 
Journal of the Nbrth-China Branch of the Roy. As. Soc. 1859, 11 p. 176 

— 179. 

87c John F. Dan'*, On certain peculiar and advantageous properties ol 
the written language of China, Transactions of the Philological Society 1q60 
—61. Part 1 Berlin 1861, 8. p. 1 7. 

88) Rick. Lepsius, üeher chinesische und tibetische Lautverhältnisse und 
über die Umschrift jener Sprachen. Aus den Abhh. der kgl. Ak. der Wiss. zu 
Berlin 1860. Berlin, Dümmier 1861, S. 447 49(5. 4. Vergl. Benfey in GStt. 
gel. Anz. 1862 nr. 7 p. 2-17 f. 

88a) Die Tonsprache der alten Chinesen, von Plath, Sitzungsberichte der 
kgl. bayr. Ak. der Wiss. 1861, II p. 212—260. 

4* 



52 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht ßlr 1S59 Lis 1861. 

der betreffende Abschnitt in SleinikaPs 889 ) „Typen des Sprachbaues" 
hervorzuheben, in welcher das Verhältnis der Wurzel zu dem 
jedes Bildungselementes entbehrenden und darum ihr ähnlichen 
Wolle überaus anregend entwickelt wird. Ans Honkong erhalten 
«vir ein Elementarbuch von Wade 89 . das in Mino- strikten An- 
lehnung an chinesisches Material wissenschaftlich bedeutsam wird, 
besonders für den Dialekt von Peking; eine neue Ausgabe der 
Medhurst' sehen 90 ) Dialoge und Phrasen fahrt mitten in die Ver- 
kehrssprache. Unser Bild der chinesischen Litteratur, wenn auch 
nur in bibliographischer Beziehung, wird der Katalog der chine- 
sischen Abtheilung der Sammlungen der asiatischen Gesellschaft 
von Bengalen vervollständigen, welcher bereits redigiert ist und 
demnächst zum Druck kommen soll 91 ). Ein Artikel von Macgo- 
toan 9lA ) vergegenwärtigt uns das chinesische Bücherwesen in leben- 
digster Weise; (itl'ent liehe liildiot heken sind seilen, aher Privat- 

bibliotheken in einer Europa beschämenden Zahl und Grösse vor- 
handen. So wird von einer solchen in Ningpo, die aus 53,799 Kineo, 
d. i. Heften besteht, berichtet. In das eigentliche Studium der Litte- 
ratur wird die herrliche, von Legge BS ) begonnene Sammlung chi- 
nesischer Classiker einführen; leider ist der Preis derselben, zu- 
mal für Deutschland, sehr hoch. Die beiden bis jetzt erschienenen 
Bände enthalten in trefflicher Ausstattung die Analekten des Kong- 
fu-tse und seiner Schule, und das ihm nur theilweise beizulegende 
,Ta-bio' (die grosse Lehre); das Tschong-yung (die unveränderliche 
Mittei und die Schriften des Meng-tse. in sorgfältig hergestelltem 
Text mit Uebersetzung und Commentar. Wir wünschen den King 



289) Vergl. oben No. 71. 

89a TU. Fr. Wade, The Hsin Ching Lu, orj Book of Experiments, being 
the first of a series of contributions t<> the study of Chinese. Hongkong 1859, 
XII, 87 S. u. 1-' Uli. ehines. Text. Fol. — Desselben: The Peking Syllabary, 
being a collection of the characters respreseuting the dialect of Peking; arraii 
ged after a new orthography in syllabic elasses, aecording tu the fonr i<>ue>: 
des'igned to aeeompany the Hsin Ching Lu . or Book of Experiments. Ebend. 
in dems. .1. IV u. 84 S. Fol. 

00) Chinese dialogues, questions and familiär sentences, literally rendered 
into • English, with a view to promote commercial intereourse, and to assist be- 
ginnen in the language. By the late li'. //. Medhurst. A new and enlftrged 
.-<litit.ii. Part I. Shanghai 1861, (54 S. 8. 5 sh. 

91 Vergl. Jonrn. of As. Soc. of Bengal X.WII1 (1859 p. 66. 

lila) Chinese bibliography : by D. ./. Macgowan, Journal of the rTorth- 
Cbina Branch of the Boy. As. Soc. 1859 J II p 170 175; daraas der Artikel 
in Neumann's Zeitschr. f. allg. Erdkunde, Neue Folge VIII .1860) p. 409 
—411. danach in Petzholdt's Anzeiger für Bibliogr. isi',0 ].. U 79— 281. 

92 The Chinese Classics: with a translation, critical and exegetical notes, 
prolegomeua, and copious indexes. By James Legge, D. D., of the London 
Missionary Society. In seven volumes. Vol. L. containing Confucian Analects, 
the Great Learning, and the Doctrine of the Mean. Vol. II.. eont. The Works 
of Mencius. Hongkong: at the author's. London; Trübner & Co. 1861, XIV, 
136, 376 u. VIII, 12G, 497 S Lex 8. (Der Band £ ± 2 sh. 



Gosche s, toiasensckaftl. Jahresbericht für 1869 6ifl 1^61. 53 

eine ähnliche Bearbeitung, wie sie hier den Sse-schu zn Theil geworden 
ist, durch welche eine gründliche Kenntniss der Lehre des Confii- 
tius möglich wird. Minen Gregner dieses Philosophen, Meh-tsi, hal 
Edkins 93 ) behandelt. Um die charakteristische Novellenlitteratur 
fährt der Meister dieser Studien, Stanislaus Julien, fori sich ver- 
diciit zu machen: wir erhalten von ihm eine Sammlung 94 und 
ganz besonders die Geschichte toh den „beiden gelehrten Mädchen :,: ' r. 
Beachtenswert^ ist es, dase diese Litteraturerzeugnisse in franzö- 
sischem Gewände schon als Theile einer Eisenbahnbibliothek gelten 
dürfen; so viel .Menschliches, auch im Abendlande Gültiges ge- 
wählt man an ihnen. Wie für die politische Geschichte, so sind 
auch für die der Litteratur die detaillierenden Arbeiten Pfi&mmer's 
zu nennen, der über ein ganzes Rednergeschlecht 96 ) und im Be- 
sonderen über Fan-hoei ; ' 7 ) und Tschang I '■'" handelt. Von den 
europäischen Wissenschaften, welche dem chinesischen Geiste vor- 
zugsweise zusagen, wird, besonders durch Walte's Bemühungen, 
Algebra 99 ), wie Geometrie und Differentialrechnung 300 ) vermittelt. 
Die Kenntniss der Astronomie wird selbst durch Biot's x ) bedeu- 
tende Untersuchungen noch nicht nach allen Seiten gesichert. Eine 
kurze Notiz über den Wertfa des Längenmasses Li 8 ) sei angemerkt. 



93) Notices of tlie ehnraeter and writings of Meh tsi; by the Hev. Joseph 
Edkinß, Journal of the North-China Brauch of the Roy. As. Soc. 1859 , II p. 
165 169. 

94") Nouvelles chinoises. La inort de Tong-Tcho. — Le portrait de fa- 
mille ou la peinture mystcrieuse. — Les deux freres de sexe different. Tra- 
duktion de Sfanislas Julien. (Bibliotheque des chemins de fer). Paris 1859, 
XXXVI u. 272 S. 18. 2 fr. 

951 P'ing-ehan-ling-yen, ou les deux jeunes lilles lettrees. Roman chinois 
traduit par Stanislas Julien. Paris, Didier 1860, 2 voll. XVIII, 360 u. 
330 S. 12. Vergl. Journal des Sav. 1860 Nov. p. 718 f. und Bartheleiny 
Saint -Hilaire Journ. des Sav. 1861 p. 129 — 148; wie auch Tli. Benfey Gott, 
gel. Anz. 1861 nr. 36 p. 1436 f. 

9(5) Prizmaier, Das Rednergeschlecht Su , Sitzungsberichte der k. Ak. der 
Wiss. PhiloL-histor. Cl. XXXU (Wien 1859, S.) p. 641—683. 

;i7 Pfltzmcäer, Das Leben des Redner Fan-hoei, Sitzungsberichte der k. 
Ak. d. Wiss. Philos.-hist. Cl. XXX Wien, 1859, 8. p. 227—273. 

98> Pfizmaier. der Redner Tschang- 1 , und einige seiner Zeitgenossen, 
Sitzungsberichte der k. Ak. der Wiss. Philos.-hist. Cl. XXXJI1 (Wien 1860, 
8.) P . 526—585. 

99") Ta'i'-su-hio (Chinesische Uebersetzung der Algebra dos Aug. de Morgan, 
von Wylie). Shanghai 1859 , 8., vergl. J. Mohl im Journ. As. 1860 T. 16 
p. 548 f. 

300) Tai-wei-tsi-schi-ki [Algebra und Geometrie, Differential- und Integral- 
rechnung von Wylie). Shanghai 1859, 3 Hefte in 8., vergl. J. Mohl im 
Journ. As. 1860 T. 15 ]». 454 f. 

1) ßiot, Precis de l'histoire de L'astronomie chinoise, Journal des Sav. 
1861, P . 284—295, 325—342. 120-437, 468—480, 573—584. 604 622. 

2) Recherche sur la valeur du li d'apres la Charte chinoise de lile de 
Formose, Bulletin de la Soc. de Geogr. IV. ser. 1859, XVIII p. 5. 



54 Gosche , wistensehaftk Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

lieber Medicin berichtet Bfcarsichttieh PmUhier sos ), sogleich öffent- 
liche Anstalten, welche mit ihr zusammenhängen and fnr die Vblks- 
moral charakteristisch Bind, berücksichtigend. Auf die eigenthttmr 
liehe Sittlichkeil der Chinesen geht im ersten Theile eines allge- 
meiner angelegten Werkes Martin ') ein : man rausa Bich hüten, 
hier primitive Dinge finden zu wellen. Der Kindermord, den man 
doch nicht wegleugnen Kann ' ' , und die ganze Erziehung niederen 
und höheren Grades ) sind zum Theil erschreckliche Merkmale 
einer abgelebten, grausam - ideenarmen Cultur. Die Abwesenheit 
eine- Lebendig Religiösen kann schon stutzig machen; man moss 
es dankbar anerkennen, wenn Elemente davon entdeckt werden 83 ). 
Die christliche Mission, pon welcher Decm 6 ein Gesammtbild ent- 
wirft. Marshaü 1 ) Beobachtungen mittheilt und über welche wir 
sonst Einzelheiten 8 ) erhallen, hat darum eine so gefährliche Stel- 
lung; ja wir haben sie schon in Assimilation an das Chinesische 
begriffen gesehn; trotz <W\- bearbeiteten Lehrmittel 9 ) und trotz 
biblischer Anklänge, welche etwa I'uracey 10 ), obgleich Andern un- 
hörbar, aus chinesischen Denkmalen vernahm, ist die Gegenwart 
des Christenthums in China eine unverhältnissmässig trostlose und 
wird demnach weltliche Mittel, wie französische und englische Ka- 
nonen, gern in Anspruch nehmen dürfen. 

Geographische Nachbarschaft, culturgeschichtliche Zusammen- 



303) La medeeine. la chinirgie et los Etablissements d'assistance publique 
en Chine, par G. Pauthicr, Revue de l'Orient J.860, XI p. 1— 1 % 

4) L. A. Martin. Flistoire de la morale. 1. partie. La morale chez Les 
Chinois. Paris 1859, 299 8. 8. 

4a) Ueber den Kindermord in China: 1 Die Fabel vom Kindermord in 
China von Dr. M. Ifct/nc ; '2 1 Ergänzungen u. Berichtigungen ^ < >n II'. Schott, 
Erman's Archiv für wiss. Kunde von Kussland XVIII (1859) p. 518 523. 

5) ('■ Alabaster, Memorandum on education in China drawn up from 
Information afforded by the Ex-Imperial Commissiooer Feh, Joum. of As. Soc. 
of Bengal XXVIII (1859) p. 48- 53. 

5a) Die Bevorzugten «Irr, Anhalters Hiao-wu, von Pfözfnaier , Sitzungs- 
berichte der kais. Ak. der Wiss. Pliilos.-liist. Cl. XXXVIII (Wien 1861) Nov. 
p. 213—250. 

6) Tlie China Mission. Embracing a history of the various missions of 
all denominations among the Chinese. \\\\\\ biographical Sketches of dec 
missionaries. By William Dean. New York, Slielton ; London, Trübner 1859, 
VI u. 396 S. 8. (6 sh.) Vergl. Gott. gel. Anz. 1861 nr. 15 p. 590 f. 

7) Christianity in China: a fragment bj T. II' M. Marshall. London, 
Longman 1859, 190 S. 8. (5 a / s sh.) 

8) Narrative of a missionary trip to Chin-kiahg, Church Mission Intel- 
ligencer 1859 -März p. (131.; Die Mission in China, Phillips u. Görreg bist,-ppli< 
RH. 1H.") ( .I, X Pill lieft!» und: Neueste Nachrichten aus China in Bezug auf die 
Missionen. Berichte der Rhein. Miss.-Ges. 1859 p. 52, L20, 17.'!, 325. 

9) Doctrine de la sainte religiqn, ä l'usage des missionnaires en Chine, 
ouvrage trad, du chinois. par Dobry. Paris [859, 8. 

10) Quelques faits bibliques retrouv^s dans les hieroglyphes chinois, par 
ile Parävey. Versailles 1859 , 8. 



Gosche, wissenscha/U. Jahresbericht für 1859 bis L86L 55 

bange und allgemeine Analogien der Entwicklung führen unsre Be- 
trachtung von China nach Japan. Die Litteratur über dasselbe, 
von welcher II. Heine in seiner sogleich zu erwähnenden ethno- 
graphischen Schilderung des Reichs die Hauptwerke angiebt, zeigl 
sich in Pages 11 ) bereits zu einem stattlichen Umfange angewach 
Hier verlohnt es sich sehr, auf die älteren, besondere holländischen 
Reisewerke zurückzugehen. In diese Klasse gehörl /•,'. Kämpfer, 
obgleich ein geborner Deutscher, an dessen historische Beschreibung 
Japans ein englischer übersichtlicher Artikel '-) anknüpft und dessen 
im britischen Museum befindlicher Nachlass wohl eine gründliche 
Durcharbeitung verdiente. Die Reise des Meierten Gerrits Vries 
im J. 1643 erläutert v. Siebold 13 )] einige russische Reisen be- 
sprichl Erman's Archiv 13 *); W. Weine's erstes aus der nord- 
amerikanischen Expedition hervorgegangenes Werk hat man be- 
gonnen in das Französische zu übersetzen 14 )- Auch verdanken 
wir ihm unter den vorläufigen Mittheilungen 15 ) über die preussische 
Expedition nach Ostindien das am meisten Charakteristische, das 
um so gespannter die späteren in Aussicht stehenden offiziellen 
Veröffentlichungen erwarten lässt. Vor der Hand liefert auch hier 
England die grösste Zahl von Reisewerken, wie die von Coni- 



11; Bibliographie Japonaise ou Catalogue des ouvrages relatifs au Japon, 
qui ont ete publies depuis le XV. sieele jusqu'a uos jours : redige par Leon 
Purjes , aneien attache de legation. Paris, Duprat 1859. II 1311. u. 68 S t. 
Yergl. Petzholdt's Anzeiger 1860 p. 20 nr 18 und Petermann's Geogr. Mitth. 
1861 p. 46 f. 

12) Japan (mit Rücksicht auf Kämpfer, de Charlevoix , Kundall, Hawks, 
Tronson und Oliphant , Westminster Review 1860 T. 17 p. 508- 540. 

1,'! /'. /''. r. Sitliold, Geographica] and ethnographieal elueidations to the 
discoveries o£ Maerten Gerrits Vries, A. D. 1643, in the east und north of 
Japan: to serv r e as a mariner's guide in the navigation of the Easi Coasl of 
Japan, and to Jczo, Krafto, and the Kurils. Transl. from the Dtatch by F. M. 
Cowan. With a reduced chart of Vries' observations. Amsterdam , Fr. Muller 
L859, L86 S. 8. fl. 3, 50.) 

13a) Russische Reisen nach Japan I Gesandtschaftsreise des Grafen 
Putjatin oach Jcddo; II. Sechs Wochen in Hakodade, von P. N. Nasimoio; 
III. Ein japanischer Winter von Kornilow) , Erman's Archiv für wiss. Kunde 
von Kusshmd MX (1860) p. 243—264, 375 :>S8 und 577—591. 

14) W. Heivr, Voyage autour du Monde. Le Japan. Expedition du Com- 
modore Perry pendant los annees 1853., ">1 el 55 faite d'apres les ordres 
du gouvernement des Etats -Unis. Traduit de l'AUemand par . I. Rolland. 
Illustre de »uze vues etc. 1 — 4. livr. Bfux&ües, Dumont 1859, L28 8. 8. 
(ä 1 fr ; in 10 Lieff. vollst.) — Ueber Bd. 3 des Originals vergl. Petermann's 
Geogr. Mittheüungen 1859 p. 355 f. 

15) Die preuss. See- Expedition von Japan, Ausland lSfti) ur 20 und die 
Leipziger Illustr. Zeitung 1859 — 61 an verschiedenen Stellen nach Mittheüungen 
und Zeichnungen von W. Heine. 



56 Gosche, wissenscha/tl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

waüü* 16 ), Osbom 17 ), Tronson 18 j, Smith 10 ), 77% *° , ffodgson 20 *), 
dem Bischof von Victoria 21 ) und dem schon bei China genannten 
Oliphant i2 )\ aus Frankreich kommt Lindau's — \ Beschreibung 
von Jedo, der ein vollständigerer Reisebericht folgen soll. Das 
allgemeine Interesse an diesem wunderbaren Reiche ist so gross, 
dass Dation 29 ) bereits ein Kinderbuch yerfasst hat, ans welchem 
auch grosse Kinder mögen lernen können; wissenschaftlich zuver- 
lässig sind Furet's 24 ) Mittheilungen über diesen ostasiatischen 
Archipel und die auf chinesische und japanische Quellen gegrün- 
deten Lron de Jiosnys 26 ). Ausser dem eben genannten Werke 
Hodgson's erhalten wir über Nangasaki noch besondere Mit- 

316) Two journeys to Japan L856- 57. By Kinaham CornwalUa. Illu- 
strated by the author. Vol. 1. 2. London, ffewby 1859, VIII-, 340 n. 300 B. 
8. 21 sh.) Vergl. Beidelb. Jahrbb. 1861 dt. 3 f. p. -ist. 

17 A cruise in Japanese waters. By Capitain Sherard Osborn Edin- 
burgh and London, Blackwood 1859, VI u. 210 8. 8. (5 sh.) Vergi. Heidelb. 
Jahrbb. 1861, nr. 3 f. p. 48 f. In demselben Jahre eine gleichförmige 
2. Ausg. 

18) Voyage to Japan, Kamtschatka, Siberia , Tartan- . and tli" Coast of 
China, in H. M. Sh. Barracouta. By ./. M. Tronson. With aumerons illnstra- 
tions. London, Smith and Eider 1859, 8. Vergl. Westm.-Review 1860 T. 17 
p. 508 f. und Biernatzki in Gott. gel. Anz. 1862 nr. 52 p. 2058 76. 

19) Ten weeks in Japan. By George Smith. 1). i> Bishop of Victoria 
(Hongkong). London, Longman 1861. XV u. 459 S. gr. 8. mit Karte u Illu- 
strationen. Vergl. Biernatzki in Gott. gel. Anz. 1862 nr. 22 p. . s ">2 f, und 
Quarterly Review 1864 Oct. p. 449 f. 

20) Japan, the Amoor, and the Pacific, with notices of other places com- 
prised in a voyage of circumnavigation in the Imperial Russian Corvette Etynda, 
in 1858—60. By Arthur IL Tilley. London, Smith and Eider 1861, WO 8. 
8. (18 sh.) Vergl. Westm.-Review 1861 T. 20 p. 565. Quarterly Review 
1861 T. HO p. 179 f. und Biernatzki in Gott. gel. Anz. 186-' nr. 41 p. 1611 
— 25. 

20a) A residence at Nagasaki and Ilakodate in 1859-60, with an accounl 
of Japan generally. By C. Pemberton Hodgson. London 1861 pr. S. Vgl. 
Quarterly Review 1864 Oct. p. 449 f. und Mohl im Journ. As. 1862. XIX p, 
532 f. 

21) Journal of a visit to Ningpo and Hang-chow , and the adjacent parte 
ot Keang , by the Bishop of Victoria , Church Missionary Intelligencer 1859, 
May p. 97 f. June 122 f. 

22' Oliphant über Yeddo , Ausland 1859 nr. 41 und so verschiedene in- 
struetive Artikel in dieser Zeitschrift. Vergl. übrigens oben nr. 215. Yeddo, 
capitale du Japon, Nouv. Annales des Voy. 1859, I p. 223. 

22a) Description de Yedo, lettre d'un voyageur | Rudolphe Lindau publ. 
par Barthilemy Saint Hilaire, Revue Orientale et Americaine V (1861' 
P . 1 f., VI (1861) P . 19 f., VII (1862) P . 208 f. 

23) W. Dalton, The English boy in Japan; or, the perils and adventuies 
of Mark Ruffles among Princes, Priests , and People of that singular Empire. 
London, Nelson 1859, 310 S. 12. (3'/ 2 sh.) 

24) Lettres ä M. de Rosny sur 1' Archipel japonais et la Tartarie Orientale, 
par le P. Füret. Paris 1860. 120 8. 12. Vgl. Mohl im Journ. As. 1860 T. 
16 p. 55C Darin ein kleiner Abriss der jap. Philos. übers, v. Rosny. 

25) Leon de Rosny, Notices sur les iles de l'Asie Orientale, extraites 
d'ouvrages cbinois et japonais, et traduits pour la premiere fois , Journ. 
As. 1861 T. 17 p. 357—376. 



Gosche, u-issensrhaßl. Ja/irrslicrirlit für 1 S. r >f » his lstil. 57 

theilungen M ). Die durch rasche Operationen und diplomatische 
Aktionen der Europäer und Nordamerikaner uns mit einem Male 
nahe gerückten japanischen Culturzustände h;it II'. Heine iT ) in 
einem besonderen Werke sehr anschaulich darzustellen^unternommen; 
der Leser möge seihst nachsehen, wie viel unseren Bildungsstufen 
Verwandtes oder Erreichbares sich dort seit lange festgestelll hat. 
Mine Vergleichung kann bittere Resultate ergeben. Aul Kämpffbr 
ruht die Darstellung von Steinmetz**); Williams***) versuch! in 
einem Vortrage ein Bild zu zeichnen. In dem Vordergrunde der 
europäischen Interessen stehen die Handelsverhältnisse , deren Wür- 
digung DiedencKs Uebersetzung des Meylan^schen Werke- -"•') 
dienen will. Den raschen und zum Theil glücklichen Portgang 
der Unterhandlungen seit 1856 erzählt van Dorm 30 ), über die 
Verträge berichtel Pag&s* 1 ); dev Würdigung dieser internationalen 
Beziehungen dient besonders auch die Publikation englischer Par- 
lamentspapiere 32 ). Unsere Kenntniss des Landes nimmt zu, so 
dass der Philosoph 33 ) nach allgemeinen Gesichtspunkten suchen 
kann, indess die theologische Betrachtung 3 *) nach Anknüpfungs- 
punkten für sich sucht. 

Unter solchen Umständen ist ein regeres Studium der ja- 
panischen Sprache und Litte ratur natürlich. Mit der Schrift 
beschäftigte sich das oben angeführte Werk Saint - Aulaire' s und 
Groeneveldt's über die chinesische Cursive. Die Sprache selbst 



26) Nangasaki, Zeitschr. f. allg. Erdk. N. F. 1859, VII p. 68 f. 

27) W. Heine, Japan und seine Bewohner. Geschichtliche Rückblicke a. 
ethnographische Schilderungen von Land und Leuten. Leipzig, Costenoble 1860, 
XXII u. 38:3 S. 8. (1 # 26 Jfr) Vergl. Lit, Centrbl. 1860 nr. 45 p. 709 f. 
und Petermann's Geogr. Mitth. 1861 p. 46 f. 

28) Japan and her people. By Andrew Steinmetz. Witb numerous, 
illustrations. London, Routledge 1859, 447 S. 8. (5 sh.). Vgl. Petermanns 
Geogr. Mitth. 1859 p. 275. 

28a) Lecture on Japan. By S. W. Williams, Journal of the North- 
China Branche of the Roy. As. Soc. 1859, II. p. 180—210. 

29) G. F. Meylan, Geschichte des Handels der Europäer in Japan. In's 
Deutsche übertraget! von F. W. Diedrricli. Leipzig, Voigt u. Günther 1861, 
XI u. 233 S. 8. (n. D/s fy) 

30) L« 1 openstelling van Japan voor de vreemde naiäen in 1856- Volgens 
zoowel uitgegevene, als niet uitgegevenc bronnen. Opgedragen an Zijne Exe. den 
Heer minister van Staat J. J. Rochussen, oud Gouverneur-Generaal van Nederl. 
Indi'e, enz. Door J. B J. ran Doren, Amsterdam, Sybrandi 1861, 8 u. 370 
S. gr. 8. n. 1. Tf. rfl. 3, TlU 

31) lc Japon et ses derniers traites avec les puissances europeennes, par 
Leon Pages. Paris, 185», 35 S. 8. 

32) Correspondance with Her Majesty's Envoy extraordinary and Minister 
plenipotentiary in Japan. Presented to both Houses ofParliament by Command 
of Her Majesty. 1860, kl. fol. Vergl. Dublin Review 1860 T. 48 p. 401 f. u. 
Edinburgh Review 1861, 113 p. 37 f. 

33) K. Rosenkranz, Japan u. die Japaner, Prutz Deutsches Museum 

1860 nr. 11-15 

34) Die religiösen Zustände Japans, Neue Evangel. KZeitung von Messner 

1861 nr. 33. 



58 d'nsilir, wu8ensckaftl. Jahresbericht für 1859 bis lb61. 

charakterisier! im Allgemeinen Ldon de ßowty 386 ), von dessen 
ausgebreiteter Tliätigkeil auf diesem Gebiete wir sicher reiche Re- 
sultate zu erwarten haben. Als Hilfsmittel zur Erlernung der 
Sprache wird uns die Grammatik von Donker-Gurtius in einer 
Bearbeitung von L&m Pageß? 6 ) dargereicht, von welcher bei 
mancherlei Zusätzen zu bedauern ist, dass nicht durch eine gänz- 
liche Umgestaltung des ursprünglich ganz praktischen Zwecken 
dienenden Werkes der Empirismus seines Verfassers und die 
rationelle Methode Hoffmanns haben ausgeglichen werden können. 
Empfehlenswert!) erscheint das kurze, aber den Gesammtcharakter 
der Sprache in den Vordergrund stellende Compendium von Ruther- 
ford Ali ■lock • il ). Iji'un de Ronny 38 ) giebt ein einleitendes Kl< - 
mentarbuch, Hojfmann 39 ) eine ganz und gar dem Handelsverkehr 
dienende Gesprächsammlung. Pfizmßier'a 40 ) Bemerkungen zu dem 
St. Petersburger japanischen Wörterbuche erweitern unsere lexi- 
kalische Kenntniss; ob Osborn* 1 ) einiges für Litteratur und all- 
gemeine Bildungsverhältnisse 42 ) gebe, weiss ich nicht. Charakte- 
ristisch dafür sind bei den auf das Praktische gerichteten Japa- 
nesen die alles Wissen umsetzenden Eneyclopädien , deren eine 
Leon de Rotm;/ i2 ' v ) nach ihrer ethnographischen Bedeutung kennen 



335) I.tüti de Ttosrty, Note sur la nature de la langue japonaise, Jouro. 
as. 1860 T. 15 p. 272—278. 

36) Essai de grammaire japonaise, compose par JA ./. H. Dorther Curtius, 
enrichi d'eclaircissements et d'additions npmbreus.es par Gr. Hoffmann^ publie 
eii 1S57 h Leyde, truduit du Hollandais, aveo de nouvelles ootes extraites des 
grammaires des PP. Rodriguez et Collado. Par Leon Pages Paris Duprat 
IK61, XV u. 271 S. 8. Vergl. <:. Pauthier im Journ. As. 1861, XVIII. p. 
272 286 ii. Journ. des Sav. IUI p, 125- Vergl. Z. d. DmG K1V p, L79. 

37) Eh 'iin-iit of Japanese Grammar for the use of Beginners. By Rutil er ford 
Ueock. Shanghai 1861., IV - »• 67 S. 4. (18 sh. bei Asher in Berlin.) Vergl 

Edinburgh Review 1861, 113 p. 37 f. 

38) Lion dq Rpsny, Manuel de lalecturejappnaise, a l'usage des voyageurs 
et des personnes qui veulent s'oocuper de l'etude du japonais. Amsterdam el 
Paris 1859, 80 s. 12. 

.'i'.ii Wjnkelgesprekken in Int Hojlandsch, Engelsch eu Japansch. Bewerkl 
en met voorkennis van den Minister van Kolonien 15. P. Cornets de G-root van 
Kraaijenburg uitgegeven door ./. Hnff'iioiiiu 'sGravenhage 1'61. XII u. 41 
S. 12. (Leipzig, Brockhaus 1 i ,-, ■/<) '. \ 

40) l'/i .ti/nii r Bemerkungen und Berichtigungen /,u einem in St. Peti rs- 
b.urg erschienenen russisch-japap. ^Vörterbuche , Sitzungsberichte der K. Ak. d. 
Wiss. Philos.-hist. Cl. XXX (Wien 1859, S i p. 2.SK 300. Vergl. cd.en A. d. 
DmG. XIV. p. L79 nr. 248- 

11 Japanese Fragments with facsimiles of illustrations by artists of Yedo. 
By Sherard Osborn. Londnn, Bradbury and Evans 1861- Vergl Westm. 
Review 1861, T. 19 p. 555 

4*2) Litteratur und Erziehung der Japanesen. Nach d. Engl., von F. R., 
Krank f, Museum 1859 nr 11. 

42a) Notice ethnographique de l'encyclopedie japonaise Wa-kan-san-saij-dsou- 
ye, par Leon de Rosiiy. Paris 1861, 8. 



Goschr, toüaenschafU. Jahresbericht /ür ls,">!i bis 1861. 59 

lehrt: von dem Stande <l<-r Naturwissenschaften erfahren wir durch 
/'- in jic ran JA erde) voart ' 

Wie gewöhnlich, nehmen wir bei unserer Musterung den 
weiteren Weg über Australien nnd die Inselwelt, ein Gebiet, 
das an Coucentration und concreter philologischer Bedeutung tief 
unter China and Japan steht, aber in ethnographischer and lin- 
guistischer Beziehung eingehender Aufmerksamkeit werth ist. Auch 
bei Australien ,L r <'ht man mit geographischem Gewinn auf ältere 
Reisen zurück, wie der mannigfach verdiente Major* 2 < auf die 
portugiesischen von 1601. Neuere, mit wunderbarer Energie and 
Aufopferung ausgeführte Entdeckungsreisen 42d lassen diesen Con- 
tinenl fast als Rivalen des squsI in Gefahr and wissenschaftlicher 
Eroberungslust bevorzugten Afrika erscheinen. Die Namen 6rre- 
goi u'.-.- '■■'). mit dem ein Aufsatz von Newmann* 3 *) sich beschäftigt, 
Mac Donall Stuarts, der uns in einer Charakteristik vou dem- 
selben l:; ) nnd aus Mittheilungen seines eigenen Tagebuches l3 
lebendig entgegen tritt, des von Memich '• ^würdigten Burke 
und des von Neuem gesuchten Leichhardt** lassen bedauern, dass 



12b) On the study of tlie natural sciences in Japan. By Thr. J. L. C. 
Pumpe van, Meerderooort, Journal of the North-China Branch of the Roy. 
As. Soc. 1859-, U. p. 211-231. 

12c) On the Discovery of Australia by tlie. Portugiese in 1601, FiveYears 
before the earlist hitherto known Discovery: with Arguments in favour of a 
previous Discovery by the same Nation early in tlie Sixteenth Century. By 
Richard II. Major, Arehaeologia published by the Soc. of Antiquaries o) 
London, Vol. XXXVIII. London 1860, t-> 1'- 439— 459. 

42d Die neuesten Entdeckungen im Innern von Australien. Nach offieieüen 
nnd authent. Berichten (1. St. Hack 1857: 2. Warburton 1858; o. B. H. 
Babbage; 4. Stuart-, Babbage's u. Warbürton's Expeditionen nördlich vom Lake 
Campbell; '). Rückblich auf die gewonnenen Resultate, Petermann's Geogr. 

Mitth. 1859 p. 129-146. 

43) F, S. Gregory, Exploration of the Murchison, Lyons, and Gascoyne 

Rivers in Western Australia, Pro( lings of the Roy. Oeogr. Soc. 1^5'J, HI 

p. :'.l f. 

1.;. .1. C Gregorys Reise durch den australischen Continent im Jahre 
L85& Nach <-v tlichem Berichl von K. Neumann, Zeitschrift f. allg. 

Erdk. N. F. 1858, V. p. 123. -I C. Gregory, Expedition from Moreton Bay 
in search for Leichhardt and Party. I - of the Roy. Geogr. Soc. 1859, 

111 p. IST f. 

1:1' i K. Neumann, John McDonaU Stuart's Entdeckungsreise in das Innere 
Sfid-Australien8j im .1. 1858, Zeitschrift f. all-. Erdk. X. F. 1859, VI p. 41. 

13c) J. Mac DanaU Stuarts Reise durch das Innere von Australien im J. 
1860, Petermann's Geogr Mitth. 1861 !'• 38 f.; desselben Tagebuch über seine 
Reise durch das Innere von Australien, '2. März bis 1. Sept. 1860, ebend. 
p. 174 f. 

t3( Burke's Reise in das Innere Australiens. Von Meinicke, Zeitschrift 
f. allg. Erdk Nene Folge IÖ61 M Hefi I. 

44) W- B. Clarle, On the search for Leichhardt, and the Au^tralian 
Desert, Proceedings of the Roy. Geogr. Soc. Ib59. III p. 87. 



60 Gosche, toissenschaßl. Jahresbericht filr 1859 bis 1861. 

durch ihre Bemühungen kein anlockenderes Gebiet anfgethan wird. 
Mac Dönall Stuart erforschte von Neuem das Gebiet der Salzseen 
oberhalb des Spencer's Golf in Südaustralien und pflanzte im Frühling 
des Jahres 1860 auf den Binnenhöhen die britische Fahne auf; die 
Gebeine des verhungerten Burke und Beiner Gefährten kamen Ende 
L86J aach Adelaide, die von Melbourne aus das Innere hatten 
durchkreuzen wollen; dem Westen hatte Gregory seine besondere 
Aufmerksamkeit zugewendet. Allgemeineren [nteressen dienen die 
Reiseaufzeichnungen von Fowler*^*) und Anne Bowman liX ). 
[Jeher die Papuas verbreitet sich eine ethnographische Untersuchung 
von Baer tö ), an welche sich noch eingehende sprachliche Forschungen 
werden schliessen müssen, da die Naturwissenschaft auch hier kaum 
die völkerschaftlichen Fragen entscheiden kann. Die Culturverhält- 
nisse schildert ein Ungenannter 46 ) nach mehrjähriger Erfahrung, 
im Zusammenhange mit der Erdkunde in populärer Uebersicht 
Odernheimer* 6 *). Besondere Mittheilungen beschäftigen sich mit 
der Nordostküste 46 ' 1 ), mit Victoria 460 ) und Queensland 47 ): doch 
fällt dieses ausserhalb unserer orientalischen Betrachtung in ein 
mehr politisches Gebiet. 

Polynesien wird uns nach den Erfahrungen von neunzehn- 



344a) Soutera lights and shadows : boing brief notes of three years' experience 
of social, literary, and political I5fe in Australia. By Frnul- Fötaler. New cd. 
London, Low 1859', 132 S. 12. d' a sh.) 

44b) The Kangaros Hunters; or, Adventures in the Bush. By Anne 
Böwman. London Routledge 1859, 450 S 12. 3Va sn - 

15) /■■ E. Baer, lieber Papuas u. Alfaren. Ein Commentar zu den beiden 
ersten Abschnitten der Abli. ,Crania selecta ex thesauris anthropologicis acäd. 
Itnp. PetropöKtanae". St. Petersburg u. Leipzig, Voss. 1859, 78 S. gr. 4. 
( 2 / 3 3/ip. ) Vergl R. Wagner in Gott. gel. Anz. 1860 St. 70 p. 758 f. 

46) Social life and manners in Australia ; being notes of eight years' 
experience. By a resident. London, Longman 1861, 'S. Vergl. Westm.-Keview 
1861 T. 20 p. 572. 

46a) Das Festland Australien. Geographische, naturwissenschaftliche u. 
kulturgeschichtliche Skizzen von Oberbergr. Fr. Oderriheimer. Wiesbaden, 
Niedner 1861, 155 S. 8. Vergl. Petermann's Geogr. Mitth. 1861 p. 403. 

46b) Notes on the routes from Singapore to New Calcdonia and the Nbrth- 
East Coast of Australia. from Nov. to March witli a chart, Nautical Mag. 
1*59. March. 

46c) Life in Victoria: or, Victoria in 1853 and Victoria in 1858, showing 
the march of improvement made by the Colony with those periods in town and 
country, cities and diggings. By William Kelly. London 185!> 8. Vergl. 
über dies Werk und verwandte Litteratur Quarterly Review 1860 T. 107 p. 1 — 
45, wo besonders The Bandbook to Austral Asia, edited by William Fairfax 
Melbourne 1H59 und Australian Facts and Prospects, by R. H. Hörne (London 
1859) besprochen werden. 

47) Queensland, Australia: a highly eligible field for emigration and the 
future cotton tiehl of Great Britain; with a disquisition on the origin, manners 
and customs of the Aborigines. By J. Dunmore Lang. London 1861, 460 S. 
8. (14 sh.) Queensland, die neue britische Colouie in Australien. Peter^ 
mann'* Geogr. Mitth. 1861 P- 32 f. 



Gosche, loieaerachaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. Gl 

jährigen Missionsreisen von Turner**) dargestellt ; Ni-m - >--<-1;»ik1 
diesen Mittelpunkt des englischen Interesses in dieser [nselv 
betreffen die Aufzeichnungen \t>n FuUer iia ) i Swainson* 9 und 
Hor&thoutte* 93 ) in zweiter Ausgabe ; geschichtliche Rückblicke giebl 
Thomson'"". Für die kleineren [nselcomplexe erhalten wir das 
als kanonisch anzusehende Werk von EUi8 bl ) in oeuer Auflage, 
der für ethnographische Forschungen in Loga/n* 1 *) den würdigsten 
Nachfolger gefunden hat Ebenfalls durch englische [nteressen 
wurden die \'iti oder Fidschi-Inseln Gegenstand allgemeinerer Auf- 
merksamkeit; sie werden uns von Williams und Ccdvert 52 ) und 
auch sonst dargestellt 53 ); wir erfahren von ihren Zustanden 54 ), 
ihrem Nationalepos ^ und ihren volksthümlichen Sagen 56 ); auch 
die Mission, welche in diesem Gebiete von rasch wechselnden 
Siegen und Niederlagen zu berichten hat, bemächtigt sich ihrer 57 ). 
Vmi dem amerikanischen Polynesien erhalten wir Nachrichten' 58 ) 



48) Nineteen years in Polynesia: missionary Life, travels and re earchea in 
the islamls dt* tht: Pacific. By the Rey. George Turner. London, Snow L861, 
XII. u. 548 S. gr. 8. Vergl. Biernatzki in Gott. gel. Anz. 1803 nr. 18 p. 
681—703. 

48a) I'"iv«> years' resideneein New Zealand; or, Observations ou colonisation. 
By F. Füller. London, Williams and Norgate 1859, 8. (1<I sh. Vergl. Bier- 
natzki in Gott. gel. Anz. 1860 St. 157 p. 15(31 f. 

49) New Zealand and its colonisation. By W. Swainson. London, Smith 
Ehler and Co. 1859, 420 S. 8. (14 sh.) Vergl. Heidelberger Jahrbb. 1861 nr. 
3 h. 44 f. und Biernatzki Gott. gel. Anz. 1860 S. 175 p. 1561 f. darüber u. 
über die verwandte Litteratur vergl. Quarterly Review 1659 T. 106 p. 330 — 368. 

49a j New Zealand, the „Britain of the South", with a chapter on the 
Dative war and mir fntore native politie. By (' Hursthuse. 2nd edition. 
London 1861, 530 S. 8. (14 sh.) 

50) Story of New Zealand. By J. Thurnbull Thomson. London 1859, 
8. vergl. Westin. -Review 1860 T. 17 p. 291 f. Derselbe theilte Reiseergebnisse 
aus der Provinz Otago auf New Zealand in den Proceedings of the Roy. Geogr. 
Soe. II, 1858 p. 354 f. mit. 

51 i Polynesian Researches : a complete aecount of the Society and Frieiidly 
Islamls, written during a residence there. By W. Ellis. New ed., with a complete 
index. Vol. 1—4. (Mit Karten). London, Bolin 1859, 8. (14 sh.) 

51a) Ethnology of the Indo-Pacific Islands. By ./. H. Logan, (Contin.) 
Journ. of the Indian Arcliipelago New S. III (1859 p. 158 f. 

52) Fiji and the Fijians. By Thomas Williams and James Calverb, late 
Missionaries in Fiji. Bdited by George Strmger Bowe. New-York, Appleton 
1859, 551 S. 8. Vergl. Heidelb. Jahrbb. 1861 nr. 7 p. 104 f. Biernatzki 
Götl gel. Anz. 1861 nr. 12 p. 459 f. 

53) Die \ iti- oder Fiji-Inseln im Grossen Ocean, Petermann's Geogr. Mi tth. 
1861 p. 67 f. 

54) Aeltere u. neuere Zustände auf den Fidschi-Inseln, Ausland 1859 nr. 1 6. 

55) Ein Meke (Epos) der Fidschi's, Ausland 1859 nr. 0. 

56) Schöpfungs- und Fluthsagen dei Fidschi-Insulaner, Ausland 1859 nr. 1. 

57) Geschichte der christL Missionen auf den Fidschi-Inseln. Bremen, 
Valett u. Co. 1860, VII u. 296 S. 8. m. 1 Karte. (1 ty.) 

58) Das Amerikanische Polynesien und die politischen Verhältnisse in den 
übrigen Theilen des grossen Oceans im J. 1859. Von E. Belim. Petermann's 
Geogr. Mitth. 1859 p. 173—194 mit 2 Karten). 



02 Gosche, uriaaenachaftl. Jahresbericht für 1859 SA 1861. 

and von den ans in das Malaiische Sprachgebiet hinftherleife öden 
Philippinen, besonders durch Bowrtng 359 ) and durch A'//,'. v ,:i ,. Für 
die Sprachen dieser [nseln bal anter Anderen der treffliche Sir 
<!. Grey, früher Gouverneur der Capstadt, jetzt Neu - Seelands, 
vollständige Sammlungen zusammengebracht and dach Bleek's 61 ) 
sorgfältige und kundige Beschreibungen zur allgemeinen Kenntniss 
gelangen lassen, unter den Forschern auf diesem Gebiet kehren 
uns Namen guten Klanges wieder. Thdavrier 68 ) giebt die Grund- 
züge dieser Sprachvergleichung; v d. Gabelente handell von den 
melanesischen Sprachen im Allgemeinen 63 ), unter welchen besonders 
das Fidschi hervortritt, und vom Formosani sehen im Besonderen **) ; 
Fr. Müller**) führt durch einen sorgfältig analysierten Maori-Texl 
in das Wesen dieser Sprachbildungen ein. 

Wir befinden uns in der unmittelbarsten Nachbarschaft de 
Holländisch - Ostindien und des indischen Archipel, am 
dessen allseitige Durchforschung holländische Wissenschaft and 
holländische Praxis fortfahren sieh verdient zu machen. Das königl. 
Institut für Sprach-, Länder- und Völkerkunde hat einen zweiten 
Band der neuen Reihenfolge seiner wichtigen „Ueitrii.'je" veröffent- 
licht 6 *); eine Reihe von Reisewerken, wie von van Dona''" . 



359) A visit to the Philippine Islands. By Sir John Bmoring. London, 
Smith and Eider 1859, VIII u. 434 S. 8. Vergl. Westm.rEeview 1860 T 17 
p. 596 u. Biematzki in Gott. gel. An/. 1863 nr. 25 p. Ö72 985 

60 // '/'. Ellis, llong Kong to Manilla and the Lakes of Luzon in the 
Philippine Isles, in the year 1856. London, Smith u. Eldei 1859, 290 S. 8. 
(12 sh.) 

(11 W. II. •/■ Bleek, The library of His Exeellency Sir George Grey. 
Plrüology. Vol I. S. I. South Äfrica. Cape Town 1858, 186 S. 8. P. 2. 
Africa, north of the tropicof Capricorn, oh p 191—261. Vol. II I'. 1 Au-aralia, 
eb. 44 S. 8. P. 2. Papuan languages of the Loyalty Islands and New Hebrides, 
comprising those ofthe Islands of Nengone etc. eb. 12 S.S. P. 4 NewZealand, 
the Chätham Islands and Aucfcland Islands eb. 7<> S. 8 Hierüber vergl. Koner 
Z.f. allg. Kmk. N. V. 1859 T. 6. p. 24:"> f. Ferner erschien hiervon: Philologj 
Vol. 1. P. III. Madagascar. 1859, 24 S. S. Vol. II. P. 111. Figi Islands and 
Rotuma (with Supplements to P. II. Papuan languages; and P. 1. Anstralia). 
1859, 13 33 S. 8. — P. IV. (Continuation) Polynesia and Bomey. 1859, 
IV u. 77 l.'.l S. 8. 

62 De l'etudc. comparee des langues oceaniennes, par cSd, Ehdaurier, 
Revue de l'Orienl 1860 XII p. 325 346. 

63) //. C v. (I- Gabelentz, Die melanesischen Sprachen nach ihrem 
grammatischen Bau n. ihrer Verwandtschaft unter sich u. mit den unalaiisch- 
polynesischen Sprachen untersucht. (Aus d. Abhh. der K. Sachs. Ges. der 
Wies.) Leipzig, Hirzel 1860. VI u. 266 S. gr> S. U- .. ./.;. Vergl. Ewald 
Gott. gel. An/. 1860 St. 168 p. 1670 f. 

lil //. ('. r. il. (itihclnitz Heber die formosanische Sprache und ihre 
Stellung in dem malaiischen Sprachstamm, Z d. Dm<J. XIII isr>;) p. ,j;i !(»:?. 

65) Maori-Text mit deutscher Uebersetznng und Erklärung, von J'r. Müller, 
Zeitechr. für Völkerpsychol u. Spraehw. II 1 - * i 1 p. 102 In'.". 

6<i) Bijdragen tot de Taal-, Land- es Volkenkunde van Nederlandscb Indie. 
Uitgegeven door hei Kgl, lnsiituut voorde Taal-, Land- en Volkeuk. van Xedcrl. 



Gosche, teissenschafll. Jahresbericht för 1859 bis lsiil. r,;; 

Buddingk**), Brendoncle* 9 ) uml mm UoeveW 19 ) giebl zum Theil 
abgerundete Schilderaugen; an eine mutbige Reisende auf diesem 
Gebiete, Ida Pfeiffer, erinnert LnvoUSe 11 ). Die Ethnographie 
behandelt de Holländer 11 *), die allgemeinen Verhältnisse Balbino 
( \n/<s 7 ' ! i und Wriedma/nn li ; die Geographie Oudemm ■' 
für welche in der neuen Ausgabe das Wörterbuch von Cräwfurd 79 ) 
und in einem holländischen 74 ) praktische Bilfsmittel vorliegen. Auch 
ist liier die Fortsetzung des Atlas von Mellviü v. <'<>, ,>/>,'<' < zu 
erwähnen. Eine allgemeine Uebersichl der Geschichte giebl von 
militärischem Standpunkte Gerlach 76 ); eine Zusammenstellung der 
Aiterthümer nach holländischen Quellen Jbh. MüUer" 11 )] auch wird 

Indie. Nieuwe Vcilgreeks 2de Deel. Amsterdam, Fr Muller 1859, XXIII u. 
383 S. gr. 8. i" HTff. 

(17 ./ B. J. ritit Duoren, Herinneringen en selietsen van Nedcrlands 
( )..-i-Iii(li.' : . Vervolg op de Fragmenten uit de reizen in die gewesten. :!■• deel, 
•Je all. Amsterdam. Sybrandi 1859, 113—216 S. 8. m. 2 Tff. II. 1. 55. 

68 Neerlands-Oost-lndie. Reizen gedaan gedurende het tijdvak van 1852 — 
1857. Door S. I. Buddlngh. 1.- l'7.' an". Bd. 1—3. Rotteidam L858 61, 
415, VIII, 415 ii. VIII, 445 S. 8. damit abgeschlossen; die Lief. 16 

G9 -I. -'• Brendonck, Mijne reizen naar Nederlandsch Indie; militärre 
loopbaan op Java en Bali en niijn tereugtogt naar litt vaderländ. Doi'trecht, 
Lagerwey 1859, 6 u. 76 BI. gr. 8. fl. 0. 750 

70) W. R. van Hoevell, Uit bei indische leven. Zätt-Bpmmel 1860, 6 
nr. 270 S. 8. m. 4 lith. Ttl. 

71) Gh. LavoU.ee, Voyageurs modernes Mine. Ida Pfeiffer dans la Malaise, 
Revue des deux mondes 1859, XIX p. KOS 

71a Handleiding l)ij de bepefening der land- en volkenkunde van Neder- 
landsch Oost-Indie, voor de Kadetten van alle wapenen bestemd voor de dienst 
in die gewesten. Door J.'J. de Hollander. Deel 1. Breda 1861, XVIII u. 
703 S. 8. Leipzig, Brockhaus 2 ty. 24 Jßr.) 

Tili Estudios del archipielago asiätico bajo el punto de vista geografico 
histörico, agricola . colonial . politico y cömercial. Por D. Balbino Cort&s 
(Consul de Esp. en Singapore . Madrid. Cuesta 1861, 1 14 S. 4. 18 r.) 

72 Niederländisch Ost- und Westindien. Seine neueste Gestaltung in geogr., 
Statist, u. eulturhistor. Hinsicht, mit bes. Darstellung der klimat. u sanität. 
Verhältnisse von *S. FYiedtnann. München 1860. Franz in Comm. 18 
VIII u -274 S. gr. 8. 1 #■ -6 Jfy) 

7l';i J. A ('. Odemanns, Verslag van de geographische dienst in 
Nederlandsch Indie overJanuaiij 1858 toi en mel April 1859, in Acta societatis 
scientiarum Indo-Neerlandicac Vol. VII, Batavia 1860, 4. 

7.'! Dictionary of the Indian Islands. By John Crawfurd. London 1-."''.' 
gr. 8. Vergl. Quarterly Review 1862, 111 p. 483—516, zugleich über andre 
Werke über den östlichen Archipel. 

71 Aärdrijkskundig en statistisch woordenboek van Nederlandsch Indie, 
bewerkt naar de jüngste en beste berigten. AH. 1 — 9 (a — ja.) Amsterdam 
1858— Gl. S. 1—730 gr. 8. Damit Bd. 1 vollständig, von Bd. 2 ist die erste 
Lief. (80 S ) erschienen. 

75) Algemeene Atlas van Nederlandsch Indie. L'it off. Bronnen zamen- 
gesteld door P. Baron Melvill van Carnbie. Blad 44 — 54. Batavia 1861 gr. fol. 

76) A. J. A, Gerlach, Fastes militaires des Indes orientales Neerlandaises. 
Avec cartes, portraits et planches. (12 Ttl. Zalt-Bommel 1859, XXV. 790 
u. X S. 8. 

77) Ueber Alterthümrr des ostind. Archipels, insbesondere die Hindu-Alter- 
thümer u. Tempelruinen auf Java, Madlira u. Bali, nach Mittheilungen Brumund'S 



64 Chsche, wiaaemcliafÜ Jahresbericht fwr 1859 bis L861. 

über das Aufkommen der holländischen Machl 78 ), deren Schick- 
sale im 17. Jahrhundert 79 ), deren Gegenwart 80 ) und Sicherung 81 ), 
wie auch über die damit verbundenen Rechtsverhältnisse gehandelt 88 ). 
Von Specialitäten heben wir hervor: Die Verbreitung <Ui- Chinesen 
;mi diesem Gebiet 83 )? die Sangir-Inseln 84 ) , Bora und .Mimik. 
St. Paul und Amsterdam 86 ), Amboina mit seiner Geschichte* 7 ) 
und seinen Missionen 88 ! in der eisten Hälfte des L 7. Jahrhunderts, 
und Moko - Moko 89 ). Von grösseren Inseln ist Borneo im Nor- 
den 90 ), Westen 91a ) und Südosten. 91 ") bereist worden; über Java 



ii. v. HoiveWs aus <1. Holland, bearbeitet von Joh. Müller, Medic.-Rath etc. 
Mit 2 Kunstbeilagen. Berlin, Asher in Comm. L859, VIII u. 102 8. gi 8 
1 ./>'. Vergl. A. W. in I. in. -,-ar. Centralbl. 1860 nr 40 p. 636 f. u. IL. 
Benfey Gott. gel. Anz. 1860 St. 172 p. 171!» f. 

78) G. Lauts, Geschiedenis van de vestiging, aitbreiding, bloei en verval 
van de magt der Nederlanders in [ndie. DeeJ 1 en ."> Amsterdam L860, VIII, 
392 u. XVI, 435 s 8. 

79 1 (Lampe), Jan Pietersz. Coln l«ij:j — 27. Bijdr. tot de Taal-, Land- 
es Volkenkunde van Nederl. Indie, Nieuwe Volgreeks, Deel 2 (1859) p. 1 22; 
ein anderer die frühem Verhältnisse behandelnder Artikel von Lauts ebend 
p. 282—304. 

80) Der Indische Archipel. Zustand von Niederländisch Indien beim An- 
fang des J. 1858. Aus offiz. Angaben zusammengestellt von ./. Kuijper, 
Petermann's Geogr. Mitth. 1800 p. 89 f. 

81) R. G. B. de Väynes v. Brdkett, De verdediging van Nederlandsch 
Indie, gevolgd door eene proevc van een stelsel van verdedeging voor onze 
bezittingen in den Indischen Archipel. 1. stuk. Voorloopige beschouwingen. 
De buiten begittingen. Amsterdam 1859, VI u. ISO S. 8. 

82) S. Keijzer, De hulpmiddelen tot beoefening van hei regt der inlanders 
in den Archipel, Bijdragen tot de Taal-, Land- »•n Volkenkunde van Nederl. 
Indie, Nieuwe Volgreeks. Deel ll (1859 p. 137- 264. 

83) Die Chinesen in den uiederländisch-ostindischen Besitzungen, Zeitschr. 
f. allg. Erdk. N. F. 1859, VI p. 70. 

84; Kutter. Die Sangirischen Inseln u. ihre Vulkane, Zeitselir. f. allg. 
Erdk. N. F 1859, VI p. 71. 

85) J. B. van /h/reu, Boeroe en Manika. Aanteekeningen en geschied- 
kundige feiten. Met platen. Amsterdam, Sybrandi 1859, 4 u, 190 8. gr. 8. 
itl. 2, 50.) 

80) C. Scherzer : Ein Besuch der beiden Inseln St. Paul und Amsterdam 
im Ind. Ocean Mitth. der Kais. Kgl. Geogr. Ges. Jahrg. II Heft 1. 

87) Het gebeurde in Amboine 1623, Bijdragen tot de Taal-. Land en 
Volkenkunde van Nederl. Indie, nieuwe Volgreeks Deel II (1859 p. 23 f. 

88) Seb. Da/ickaei'ts, Historisch ende grondlich Verhael, van den standt 
des Christendoms int Quartier van Amboina, nach dem Drucke 's Gravenbage 
1621 wieder Abgedruckt in Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde van 
Nederl Indie, Nieuwe Volgreeks Deel II (1859 p. 105- L36. 

89) '/'. ('. Bogaardt, Moko-Moko in 1840, Bijdragen toi de Taal-. Land- 
en Volkenkunde van Nederl. Indie. Nieuwe Volgreeks 1 ><1 II (1859 p. 26 12 

90 Nachtrag zu Lieut. Crespigny's Forschungen im nördlichen Borneo, 
Zeitschrift f. allg. Erdk. N. F. 1859, VI p. 158. Vergl. Proceeduigs of the 
Royal Soe. 1858. II p. 342. — Uebersichi unserer gegenwärtigen Kenntnisse 
von Nordwest-Borneo. Petermann's Geogr. Mitth. 1801 p. 144 f. 

90a Beschouwingen omtrent de exploitatie der wester-afdeeling von Borneo, 
door J. «/. Hasselmann en F. II. van VHssingen. Amsterdam, 1859, 42 Bll. 
gr. 8. (fl. 0, 80.) 



(Josche, uriesenschqftl, Jahresbericht für 1859 bis 1861: 65 

berichtet eine Reise von Steck 01 ) mit besonderer Rücksicht auf 
Colonisationsverhältnisse , welche der Engländer Money 92 ) zum 
Gegenstande eines besonderen Werkes gemacht hat; verschiedene 
Artikel vorzugsweise holländischer Zeitschriften betreffen Ge- 
schichte 92 *) und Zustände 93 ; der neuesten Zeit; meist denselben 
Quellen verdanken wir Specialnotizen über Jakatra 94 ), Samarang 95 ), 
Surabaja 9 ") und Kupfermünzen 97 ) von da, und Surakarta 98 ). Aus 
Sumatra wird über einheimische Tradition 99 ) und neuere hollän- 
dische Geschichte 400 ) berichtet. 

In dieser insularen Mannigfaltigkeit sind viele Anregungen 
zum wissenschaftlichen Leben und Forschen gegeben 1 ). Zum 
Studium der malaiischen Sprachen erhalten wir von de Hollander 2 ) 



90b) J. M. C /•-'. Kutte, De expeditie naar Montallat, Zuid- en Ooster- 
afdeeling van Borneo. Met een schetskaartje. Batavia, Kolff & Co. iZalt- 
Bommel, Noman & Zoon) 1861, N' L 1 1 u. 64 S. gr. 8. m. 1 Karte. (75 cts.) 

91) Keise nach Java. Erlebnisse auf derselben und Winke über den 
Militärdienst in der holländisch-ostind. Armee Von Hauptmann F. Gr. Steck. 
Darmstadt, Jonghans 1861 XII u. 11-1 S.S. 24 Jfo.) Vergl. Lit. Centralbl. 
1862 nr. 27 p. 554 f. 

92) Java, or, How to manage a colony. Showing a practical solntion of 
tlic questions now aifecting British [ndia. By ./. W. B. Money. Vol 1. 2. 
Lond Hurst and Blackett 1861, XVI, 831 u. VIII, ):!11 S. 8. (21 sh.) 

92a) Der Untergang des Keiehes B and j er masin 1S57 — 00, Ausland 1861 
nr. 36. 

93) Hoe ik naar Java kwam, en hoe ik het te Batavia bij mijn aankomst 
vond, Tijdschrift voor Nederl. Indie 1859, I p. 187 f.; De zoutkwestie op 
Java nader toegelicht, ebend. p. 168 f.; Die holländische Kirche auf der [nsel 
Java, 411g. Kirchl. Zeitschrift von Schenkel 1860 Heft 6; Brieven over de 
Vorstenlanden op Java, Tijdschrift voor Nederl. Indie 1859, I p. 1 f.; Bijdrage 
tut de kennis der kultuurvan eenige handels-produkten van Java, ebend. p. 35 f. 

9-4) De Nederlanders te Jakatra. l'it de bronnen, zoo uitgegevene als 
niet uitgegevene, bewerkt door Mr. J. A. van. der Chijs. (Auch m. d. T. 
V\ erken van het Kgl. Iustituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde van Ncder- 
landsch Indie. 2de Afd.) Amsterdam 1860, 8. 

95) Ken spoorwegplan van Samarang naar Kadoe en de Vorstenlanden, 
Tijdschrift voor Nederl. Indie 1858. I p. 215. 

96) Bijdrage tot de kennis van de residentie Soerabaja, Tijdschrifl voor 
Nederl [ndie 1859, I p. 17. 105. 

97) ('. Pauthier, Rapport sur deux wedailles en cuivre jaune trouvees ä 
Sourabaya, ile de Java, dont les faesimile lithogr. mit ete envoye"s a la Soc. 
par M. Netscher, de Batavia, Journ. As. 1860 T. 15 p. 321 — 388 

98) T. C. T. Dcvh iiKin, De aieuwjaarsdag te Soerakarta, Bijdragen tot 
de Taal-, Land- en Volkenkunde van Nederl. Indie. Nieuwe Volgreeks Deel 11 
(1859) p. 34.8 — 360. De landverhuur in de rijken van Soerakarta en Djokje- 
karta, Tijdschrift voor Nederl. Indie 1859, I p 0."). 

99) Legende van de afkomst der Sumatranen en van hunne instellingen, Tijd- 
schrift voor Nederl. Indie 1859. I p. 379. 

400) •/• Kögel, Die Erwerbungen auf Sumatra in den letzverflossenen 40 
Jahren, Ausland 1859 nr. 4. 

1) Die Wissenschaft! Leistungen im indischen Archipel im J. 1857, Aus- 
land 1860 nr. 45. 

2) J. J. de Hollander, Handleiding bij de beoefening van hat Maleische 

Jahresbericht 1859— 1861. 5 



66 Gösch . via , ,, chaßl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

ein Lesebuch, von van Dissel und Lucardt'e 408 ) ein Wörterbuch. 
Dulaurier*} behandeil ein kulturgeschichtlich sehr wichtiges Mo- 
ment, das Schreibmaterial. Für die Litteratur selbst sind seil 
einigen Jahren die lithographischen Missionspressen zu Singapore 
wichtig geworden, and von Stücken, welche vor dem in diesem Be- 
richt überschauten Zeiträume veröffentlich! worden, aber ersl jetzt 
zu meiner besonderen Kenntniss gelangt sind, will ich des Fach- 
interesses wegen hier noch einige auffuhren. Vor allen zeichnet 
sich durch ihr vortreffliches Malaiisch eine vor etwa 500 Jahren 
geschriebene Geschichte des Rqfa HaUi b ) aus; dann eine Geschichte 
der Malaien 6 )'; durch den Missionär Keasbury sind verfasst worden 
eine Schulencyclopädie 7 ), ein Schullesebuch 8 ) und eine üebersetzung 
von Bunyan's Pilgerfahrt 8 ). Von malaiischen Poesieformen (welche 
vor langen Jahren Ad. v. Chamisso in Deutschland nachzubilden 
begann) bespricht Dulaurier 10 ) das Pänton; ein tüchtiges Stück. 



letterschrift ; ter dienste van het die zieh tot <lr tessen aan de Koninklijke 
militaire Akademie wenschen voor te bereiden. 2e verb. druk. Utrecht 1859, 
4 u. 32 S. 8. 

403) N'ieuw Hollandsch-Haag-Maleisch Woordenboekje bevattende eenige 
duizende woorden, benevens de verklaring van onderscheidende spxeekwijzen ; 
door J. A. van Dissel en //. G. Lucardie. Leijden 1860,XVI u. 4ÜÖ s. VI. 

4) Materianx et Instruments dont les Malays, les Japonais et quelques 
autres peuples de l'Oceanie se servent ponr Scrire, par Ed. Dulaurier, Revue 
de l'Orient 1860, XI p. 319—322. 

5) (•.•\jCw*/0 ^ .^oUCsa. ("der wie der Titel in der Unterschrift an- 
gegeben ist t „ t LL1~ "<>L5C^^- > ) Geschichte des Räja Haiti. Singapore, 
Missionsdruckerei o. J. um 1856) 64 Bll. kl. 4. litliogr. 

6) ^ia,* ; J.LäJS Juc ^j vJJi J^ae o^jUCs> (Geschichte der Malaien 
seit der portugiesischen Epoche bis auf die Zeit des Singapore'schen Gouver- 
neurs W. J. Butterworth, von Abdallah Ben 'Abdalqddir MunsM). Singa- 
pore, Engl. Missionsdruckerei o. J. (um 1854 56 111 S. gr. 4. Lithogr. 

(Eacyclopädisches Schulbuch über verschiedene Wii^niM-haften und Künste, 
vom Rev. Keasbury). Singapore, Engl, Missionsdruckerei 1855, 62 Bll. kl. 4. 
— Löi_> In ^a,jLjCs> "• s - "'• (Abriss der allgemeinen Geschichte, von demselben . 

Eben.l. 1855, 120 Bll. kl. 4. mit 4 Karten. - jL-S^f. Q i Iä^JÖ ^UCs> 
's /äLaJO u - s - w - (Allgemeine Geographie im Grundriss, von demselben . 
Ebend. 1856, 238 S. kl. 4. mit 7 Karten und 8 lithograph. Bildern. — • ^Jtf£ 
^-pl-jAS' V «a A -- ,JL<t. ö f=^ly ; ,^vi» (Elementarbuch der Naturwissen- 
schaften von demselben). Ebend. 1857, 148 S. kl. 4. Sämmtlich lithographiert. 

8) ^.i j p Xj \t \y$ . jt n- s. w. Malaiisches Schulbuch von dem 

Missionair Rev. Keasbury). Heft 1. 2. Singapore, Engl. Missionsdruckerei 
l s .~>ii, 1—58 u. 59-168 's. 8. Lithogr. 

9) <"*)OU ^l^JU £ ;J I ^i^Ä- J ( The rägrim'a Progress von 
Bunyan , malaiisch von Rev. Keasbury). Singapore, Engl. Missionsdruckerei 
1854, 134 Bll. kl. 4. Lithogr. 

10) Le pantoun, considere comme ane des formes de La p'odsie lyrique des 
Malays, par Jlil. Dulaurier, Revue de l'Orient 1859, X p. 589—609. 



Goeche, wiaaenachaßl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. i',7 

freilich von indischen Bildungselementen durchdrungener epischer 
Dichtnng der Javaner liegl ans in Cohen Stuart's 11 ) mit An- 
merkungen ausgestatteter Ausgabe des Brata [uda vor. Dulaurier 
bringt malaiische Erzählungen lL 'j und Nachrichten über das Ka- 
lenderwesen der Malaien und Javaner 13 ); auch ober die Musik 
der Letzteren werden wir unterrichtet. Das Makassar'sche wird 
durch die erfolgreiche Thätigkeil seines gründlichen Kenners 
Mati/ies 15 ) gefördert, dem wir jetzt eine Chrestomathie und ein 
Wörterbuch verdanken. Es ist dies ein beachtenswerter Dialekl von 
Gelebes, wenngleich weniger in alten Denkmälern vertreten. Zu 
diesen gehören die historischen Aufzeichnungen ober verschied 
kleine Reiche der Insel und ganz besonders die traditionell ge- 
wordenen Aussprüche alter Weisen und Fürsten, sogenannter 
Räpafig; ob unter den gangbaren Poesien (von deren Formen das 
an die eben genannte malaiische erinnernde Kelong von Interesse 
ist) Altertümliches erhalten sei, ist noch nicht auszumachen. 
Schon von Seiten der allgemeinen vergleichenden Literaturgeschichte 
muss man Matthes für die Darstellung einer solchen, bei dem 
rapiden Fortschritt des Europäerthums sehr leicht aufgehobenen, 
sprachlichen und litterarischen Culturstufe dankbar sein-, für den 
Linguisten aber ist das Makassarische neben dem ihm zwar be- 
nachbarten und doch von ihm verschiedenen Buginesisch ein ebenso 
wichtiges als interessantes Glied des malaiisch-polynesischen Sprach- 
stammes. Wie an Matthes das Makassar'sche, so hängt an van 
der Tuuk das Studium des Battak auf Sumatra, in welches er das 
Evangelium Johannis 16 ) übersetzt und für welches er Lesebuch 1Gu ) 



11 Brata-Joeda, Indisch- Javaansch heldendicht, voorde uitgave bewerkt door 
A.B. Cohen Stuart. Deel 1.2. mit bes. Titel in: Verhandelingen van het Bata- 
riaasch Genootsehap van Künsten en Wetenschappen Deel 27—28. '- Gravenhage, 
Nijhoff; Batayia, Lange 18G0, 12, 44, LXXXI u. 274; 1 !. 200n.392S.gr. '4 I6fl.) 

12 Cojites^et romans, tradaits dn Malay. Histoire de la priueesse Djeuhar 
Mänikam. par Ed. Dulaurier, Revue de l'Orient 1860, XI p. 50 •"»' , . l'.*4 — 
205, 246 -259. 

13) \>\\ calendrier chez los Javanais et les Malays, par Ed. Dulaurier, 
Revue de L'Orienl 1860, XI p. 403—41 I. 

11 Musique javanaise Notice sur un,gamelan on collection de musique 
javanaise, rapport^e de l'ile de Java, par Ed. Dulaurier, Revue de l'Orient 
1859, ix p. 81- 94. 

l.'i; Makassaarsche Chrestomathie, oorspronkelijke makassaarsche geschriften, 
in proza en poezij uitgegeven, van aanteekeningen voorzien, en ten deele vertaald 
door 11. F. Matthes. Amsterdam L86Ö, IX u. 683 S. 8. Desselben: 
Makassarsch-Hollandsch woordenboek, met hollandsch-makassaarsche woordenlijst, 
opgave van makassaarsche platennamen, en verklaring van een tot opheldering 
bijgevoegden ethnographischen Atlas. Amsterdam L859, VIII, u. 943 S. u. Atl. 
von 1 S u. 17 lith. Tff. in Fol. 

16) H< t evangelie van Johannes in het Tobaseb vertaald door //. N. van 
ihr Tuuk. Bewerkt en uitgegeven op kosten van het Nederl. Bijbelgenootscbap. 
Amsterdam, Fr. Muller 18ö!>, 183 S. 8. 

16a) Bataksch leesboek, bevattende stakken in het Tobaseb. Bfandailingsch 

5* 



68 Gosche, utissenschafü. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

inul Wörterbuch * icb ) geliefert hat, and zwar nach verschiedenen 
Dialekten, so dass für diese Seitenlinie des Malaiisch-Polynesischen 
trefflichsl gesorgtist. Burdas Dajak, den eigentümlichsten Dialekt 
von Borneo, von welchem //. G. von der Oabelentz bereits in 
dem dritten seiner Beiträge zur Sprachenkunde eine Grammatik 
entworfen hatte, liefert jetzt dessen Sohn 17 ), dun berühmten Vater 
in Erforschung abgelegener Sprachen nacheifernd, eine höchst 
beachtenswerthe Studie über das Conjugationssystem, ans welcher 
sich die merkwürdige Thatsache einer Verarmung oder Zerstörung, 
somit die Voraussetzung einflussreicher geschichtlicher Momente 
ergiebt.. Harddand 19 ) hat auf seine reichhaltige Sprachlehre sein 
ebenso reichhaltiges Wörterbuch folgen lassen. 

Hinter in dien, mit welchem wir wieder das Festland und 
geschlossenere Culturgebiete betreten, ist wie China durch fran- 
zösisch-englische Interessen (legenstand allgemeiner Aufmerksamkeit 
geworden. Bouülevaux VJ ) theilt uns die Ergebnisse achtjähriger 
Reiseerfahrungen mit; ein britischer Seemann 19 ") die eines sehr 
unfreiwilligen Aufenthalts unter chinesischen Piraten. Anam, welchem 
eine spanisch -französische Expedition galt 20 ), wird von dem Mis- 
sionär J'oi/ 20 ' 1 ) und von Venalot 21 ) geschildert-, der untere Thcil 
desselben Cochin-China oder richtiger Tschen-tsching von Lavollee 21 '- 1 ), 



on Dairisch. Door H. N. rem der Tuuk, le stuk. Stukken in Int Tobasch. 
2e stuk. Stakken in het Mandailingsch. 3e stuk. Stakken in liet Dairisch. 
4e stuk. Taalkundige aanteekeningen en bladwijzer, vertaalde stukken en 
inhoudsopgave tot de drie stukken van het Bataksche leesboek door H. N. Win 
ihr Tuuk. Amsterdam, Fr. Muller 1860—1862, 326, 295, 287, 220. S. u. je 
4 S. vorauf in jedem Stück gr. 8. (fl. 22. 60.) 

416b) Bataksch-Nederduitsch woordenboek. In dienst en op kosten van Int 
Nederlandsch Bijbelgenootschap vervaardigt door H. oV. van der Tuuk. 
Amsterdam, Fr. Muller 1861, VIII, 551 u. 5 S. gr. 8. m. 30 Steintafl. 
(fl. 20.) 

17) H. C. G. v. d. Gabelentz (stud. jur.), Spuren eines ausgebildeteren 
Conjugationssystems im Dajak, Z. d. DmGr. XIV (1860) p. 547 — 549. 

18) Dajaeksch- deutsches Wörterbuch. Bearbeitet u. herausgeg. im Auf- 
trage und auf Kosten der Niederländ. Bibelgesellschaft (von Aug. Tlardßland). 
Amsterdam, Fr. Muller 185!), VIII u. 638 S. 4. 

19) C. E. Bouülevaux, Vbyage dans L'Indo-Chine, 1848—56, avec une 
carte du Camboge et d'une partie des royaumes limitrophes. Paris. Palme 
1859, 380 S. 18/ (3 1 2 fr.) 

l'.l.i A seaman's narrative of bis adventures during a captivity among 
Chinese pirates on the eoast of Cochin China and aftenvards during a journey 
on foot aeross that country in tbe years 1857 — 58. London 1861, 300 S. 8. 
(10 sh.) 

20) Die spanisch-französische Expedition gegen Anam, Ausland 1859 nr. 4. 
20a Souvenirs et recits d'un ancien missionnaire ä la Cochinchine et Tong- 

King. Par Roy. Paris 1860, 1<)2 S. 8. 

21 La Cochinchine et le Tonquin. Le pays, l'histoire et les missions. 
Par Eugene Veuülot. Paris, Amyot 1859, XV n. 438 S. 8. (6 Vs fr Ver 6 L 
Heidelb. Jahrbb. 1861 nr. 58 p. 5)23 f. 

21a) La Cochinchine. Tourane, les montagnes de marbre, par Cli. Lavollee, 
Revue de l'Orient 1859, IX i>. Dil- 175. 



Gosche, wufterwehaftl, Jahresbericht für 1859 bis 1861. (',!) 

Chaigneau 21h ) und Ä&tt?wer* lc ); das obere Gebiet nach Tibet 
and dem chinesischen Yün-nan zu von D'Mazure 22 ). Das alte 
ehrwürdige Reich von Schan oder Thai (Siam) hat Zerstückelung 
und europäische Forschung ober sich müssen ergeh« o lassen. 
Alagry 22 '■') hat seine ältere Geschichte bis vor 1G81 besprochen; 
französische Artikel nach Aug. ffeurtier und CWefoiaw 22b ), von 
^/c Labarthe 22e ) and LAra dei?osni/ 2S ) charakterisieren das Land, 
seine Völker- und Lebensverhältnisse; über den Handel berichtet 
< liiurd -•"'; nach dem genannten Heurder, und Schomburgk 2Sb \ 
von welchem wir auch eine zuerst vom Athenäum gebrachte Notiz 
über das wichtige Bang-kok erhalten 28 */. Kambodja, welches 
zum Theil mit dem wichtigen, allgemeinem Verkehr geöffneten 
Handelsorte Saigun in französischen liesitz gekommen und nach 
dieser Seite in dem erwähnten Aufsätze von Rieumer be- 
handelt ist, hat King 24 ) bereist; Notizen besonders über seine 
Alterthümer gibt nach Fönest und House Gampbett 24a ). Von 
Mranma (Birma) giebt Mason 25 ) eine allgemeine, zuerst 1850 gc- 



21b Royaume <;e Cochinchine par M. 1). Chaigneau, Nonv. Ann. de la 
Marine 1859, Jan. 

21c) Apercu sur la basse Cochinchine. Par Rieunier, Revue marit et 
coloniale 1861 p. 177 f. 

22) Memorandum on the countries between Thibet, Yunan and Burmah. 
By the very Rev. Thomine D'Mazure, Vicar Apostolic of Thibet. Jonrn. o£ 
the As. Soc. of Bengal 18G1 p. 367—383 mit Anmerkungen von //. Ynb u. 
einer Karte). 

22a) Les relations de la France avec le royaume de Siam avant les 
ambassades de 1684 et 16^5. Par P. Alagry, Revue marit. et coloniale 1861, 
III p. 364 f. 

221' Note sur le royaume de Siam. d'apr&s le« Communications de MM. 
A. Heurtier et F. de Castelnau, Nouv. Ann. de voy. 1859. III p. 225 f. 

22c) Observation.-? sur le royaume de Siam. Par Ca. de Labor ■t/t". Revue 
orient. et americ. 1861, Janv. 

23) Etüde sur le royaume de Siam. Par Leon de Rosny, Nouv. Ann. 
des voy. 1860, IV p. 208 f. 

23a) Le commerce de Siam. par D. Girard, Revue de l'Orient 1859, X 
p. 732-748. 

23b Boat excursion from Bangkok to Pecha-puri, and general report on 
the trade of Siam. By R H. Schomburgk, Proceedings of the Roy. Geogr. 

Soc 1860, iv ].. 211 f. 

23c) Ueber Bangkok von I'. Schomburglc Ausland 1859 dt. 34. 

24) Travels in Siam and Camhodja. By D. O. King, Proceedings of the 
Roy. fceogr. Soc 1859, 111 p. 365 f. 

24ai Notes on the antiquitics, etc. ofCambodia, compiled from manuscripts 
of the late E. F. J. Forrest, and from Information derived from the Rev. 
Dr. House. Bv J. Campbell, Journ. of the Roy. Geogr. Soc. XXX flSo't) 
p. 1S2 f. 

25) Burmah, its people and natural produetions, or Notes on the nations, 
fauna. flora, and minerals <>!' the Tenasserim, Pegu and Burmah, with systematic 
catalogues of the known mammals, birds, fish etc. by Rev. F. M rtson. Rangoon. 
Stowe Raney; London, Trübner & Co.; New-York, Pbinney, Blakemap $ 
Mason 1860, XVII u. 1113 S. irr. 8. 30 sh. 



70 Gosche, wissenschafU. Jahresbericht für 1859 bis 1^61. 

druckte, durch manches birmanische Sprachmaterial (wie Ausdrücke 
für allerlei Naturerzeugnisse, Thiere u. s. w. ausgezeichnete Schil- 
derung; eigene Erfahrungen theilen auch mil Gouger* 26 ) aus zwei- 
jähriger Gefangenschafl and Marshaü 2 ^) nach vierjährigen Reisen; 
einzelnes bieten englische Artikel 26b ) und nach englischen Quellen 
überhaupt eine Skizze LSonde Rosny 26 ); sonsl erhalten wir noch 
Notizen über die Birmanen 87 ) und die wichtigen Karenen - 
Von der handelsgeschichtlichen Bedeutung Akyab's erfahren wir 
durch officielle Mittheilungen 27 . Auch für Litteratur und Sprache 
liinii;i'.- ist einiges Wenige anzuführen. Aus dem Birmanischen 
übersetzl Fowle 28 ) ein ursprünglich in Pali verfasstes ethisches 
Werkchen; das englisch -birmanische Wortverzeichnis6 HougK 
hat eine zweite, die birmanisch geschriebene allgemeine Geographie 
Mason's 20 *), was für die dortigen Bildungsfortschritte von Bedeu- 
tung ist. eine vierte Auflage erfahren. Das reiche, in gefährliche 
abendländische Macht- und Culturberührungen hineingezogene Pegn 
schildert Malte -Brun 29b ) ; mit der Geschichte Tongu's beschäftigt 
sich Mosun ■'■"). mit seinen Karenen O'ßiley 30 ) und Pkayre 51 ). 
In die reichen buddhistischen Kloster des Landes sind die Er- 



426' A personal narrative of two years imprisonement in Burmah, L824— 
24. By Henri/ Gouger. London, Murray 1860, 8. Vergl. Wcstm.-Bevi< w 
1861 T. 19 p. 258. 

20a) Four years in Burmah. Uv \V . II. Marshall. Vol. I. II. London, 
Skeet lsiiii. i;jö s S. 21 f-li.i \ergl. Ansland 1860 or. 16. 

260 L'empire Burman, d'apres les sources anglaises. Par h. de Jiositij. 
Revue Orientale et americaine 1859 Dccember. 

26b) Burmah and the Burmese, Blafckwood's mag. 1859. Jan. 

27) Quelques uotes sur les Birmans, Nouv. Ann. des Voy. 1859, HI p. 
L07 f. 

■_!t-.i\ Die Yoon-tha-lin-Karcns, deren Geschichte, Sitten und Gewohnheiten, 
Ausland 1861 nr. 25. 

27b) Jahresbericht des preuss. Consulats in Akyah für 1858, Preuss. 
Handelsarcbiv 1859 nr. 17. 

28 /-.'. Fowle , Translation of a Burmese Version of the Niti Kyan a 
Code of Ethics in Pali, Journ. of the Royal A>. Soc. of Great Britain XVIII, 
2 181)0 ii. 252 266. Lieber die zu Grunde liegenden Sanskritischen Titel 

i Th. Benfey in Gott. gel. An/. 1861 nr. 28 p. 1114. 

29 An anglo-burmese dictionary of the monosyllabie words in the english 
language. By G. II- Hough. 2nd ed. Rangoon 1861, 180 S. 12. (London, 
Trübner: 5 sh. 

L",i:i (;. o-]'a|iliy: aneient and modern. In Burmese. )'>y .Mrs. //. M. 
Mn<on. 3tb Sgau edition. With coloured maps. Maulmain 1861, l' 1 ' S 1. 
i London, Trübner 9 sh.) 

29h V. A. M'i/te-l!r/i,/, La providence anglaise du Pegon, Nouv. Ann. 
des Voy. L859, I p. 12'.» f. 

30) /■'. Mason, A sketch of Toungoo History, Journ. of tlic As. v 
i wviii 1859 p. 9—16. 

30a) Notices of Karen Nee, the countny of the Kayaor Red Harens. Par 
i. (i'liihij. Journ. of the Indian Archipelago, New S 111. L859 p. 1 f. 

31) Les Karens du Tongou, dans la province anglaise du Pegou. Par . I. 
P Pkayre, Nouv. Ann. des Nov. 1859, IV p. 239 f. 



Gosche, wissenacha/tl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. VI 

obcrungcn europäischer Wissenschaft oder Waffen eingedrungen; 
Phayre 32 ) berichtel von der Pagode in Rangon und sonst 33 ) von 
Klöstern, iiber Reliquien 8yJces u ). Das an Pegus südöstlicher 
Grenze sich hinstreckende Tenasserim betreffen nur Aufzeichnungen 

von Tfcl.-rl! '■'•'■>), der dies Land zum Theil bereisl bat, und von 
-Helfer ■•''). 

Wir überschreiten den Brahmaputra and betreten das colossale 
Gebiet Indiens, dainit zugleich ein herrliches Gebiel indogerma- 
aischer Culturbewegung. Die Einsilbigkeit lächerlicher Greisen- 
haftigkeit oder verknöcherter Kindlichkeil hört auf; wir hören mit 
Zungen reden. Die Bedeutung dieses asiatischen Gebietes liegt 
anerkannt in der langen Reihe von Reisen, welche dahin 
richtet waren: selten ging eine aus dem in sich selbst befriedigten, 
eulturreichen Kreise nach dem Auslande, wie die neuerdings be- 
sprochene Gesandtschaft nach Ilom 37 ), welche man trotz einiger 
verdachtiger Momente in dem Bericht des Nikolaos von Damaskus 
für vollkommen geschichtlich mit Lassen ansehen kann. Cultur- 
geschichtlich bedeutsamer wäre die Reise des wunderbaren Apol- 
lonios von Tyana 38 ), weil sie eine tiefere Berührung der Ideen 
de> Morgen- und des Abendlandes bezeugt, wenn wir von ihr aus 
authentischen Quellen wüssten. Die ersten ganz klaren und zu- 
sammenhängenden Berichte verdanken wir den nüchternen Chinesen, 
unter denen Htuen-Tksang fortfährt, die wissenschaftliche Auf- 
merksamkeit zu erregen. II7/«m 39 ) giebt eine allgemeine Ueber- 
sicht des Reiseberichtes desselben und Bartkelemy St. Hilaire i0 ) 



32) A. P. Phayre, On theHistory of theShwe Dagon Pagoda at Rangoon, 
Journ. of the As. Soc. of Bengal XXVIII (1859) p. 473—480. 

33) A. PJiayre, Remarks upon an ancient Buddhist Monastery at Pu-gän, 
on the Irrawaddy, Jöurn. of the As. Soe. of Bengal XXIX (1860) p. 346 
351 im, 3 Tfif.)" 

34) Colonel SyJees, Account of some golden Relics discovered at ßangoon, 
Journ. of the Royal As. Soc. of Great - Britain XVIII, 2 1860) p. 298 -308. 
Vergl. dazu die Bemerkungen Th. Benfey's Gott. gel. Anz. 1861 nr. 28 
p. 1117 i. 

35) S. li. Tichell, Itinerary, with memoranda, chiefly Topographical and 
Zoological, through the southerly portioos of the District of Amherst, Province 
of Tenasserim. With a map: And eopious Botanical Notes, by the liev. C. - s '. 
/'. Parish, Joum. of the As. So,', of Bengal XXVIII (1858 p. 121 172. 

3(ji ./. W. Selfer's gedruckte und ungedruckte Notizen über die Tenasserim- 
Provinzen, den Mergui-Archipel und die Andamanen-Inseln, "Mi t tl i . der Wien, 
geogr. Gesellsch. 1859, III p. 167 f. 

;>7 Osmoi/d i/c liciuiniir Priaulx, On the Indian Embassy to Augustus, 
Journ. of the Royal As. Soe. of Great Britain XVIII, 2 [1860 p. 309— 321. 

38) Osmond de Beauvoir Priaulx, The Indian Travels of Apollonius of 
Tyanä, Journal of the Royal A^. Soc. of Great - Britain XVII 1860) p. 70 f. 

39) //. II. Wilson, Summary review of the travels of Hiouen Thsang, 
t'roni the translation of tl i c Si-gu-ki by M. Julien and the Memoire anal] 

of M. Vivien de St. Martin. Journ. of the Roy. As. Soe. of Great Britain and 
Inland 1859, XVII P 1 p, L06. 

40) Vergl. Journ. des Sav. 1859 p. 40—52, 94—107. 



72 Goache, Wissenschaft,. Jahresbericht för 1859 bis 1861. 

setzt Beine lehrreichen Artikel aber ihn fort. Es ist zu bedauern, 
dass auf der Grenze der chinesischen und indischen Wissenschaft 
ein hier vorübergehend zu erwähnender Streil zwischen zwei hoch- 
verdienten französischen Orientalisten sich erhoben hat 441 ), der für 
unsre universellere Achtung indess die Verdienste weder des Einen 
noch des Andern verdunkelt. In die indischen Reiseunternebmungen 
tritt das Abendland ersl wieder gegen das Ende des 13. Jahr- 
hunderts, wenn auch nicht mit entschiedenem praktischen Er- 
folge, so doch mit so grossartigem Sinne, dass die afrikanischen 
Schifffahrtspläne Necho's wieder aufgenommen zu sein schienen. 
Im Allgemeinen wusste man, dass von einigen Bürgern des blühenden 
Genua am die bezeichnete Zeil eine so kühne Seefahrt sei gewagl 
worden. Aber es ist das grosse Verdienst von /V/.v. in den mit 
dem L8. Bande seiner Monumenta veröffentlichten genuesischen 
Annalen des Caffaro die näheren Daten entdeckl zu haben 48 ). 
Leider ist die betreffende Abhandlung nur bei Gelegenheil der 
Jubelfeier der Münchener Akademie der Wissenschaften in engerem 
Kreise vertheilt und nicht zur allgemeinsten Kenntniss gebracht 
worden. Der Kern der Thatsache ist. dass im J. 1291 die Gc- 
nueser Theodosius Doria und zwei Brüder Viraldi nebst einigen 
Anderen zwei Galeeren reichlichst ausrüsteten und auf ihnen der 
eine Vivaldo und zwei Brüder Mironta über Ceuta nach dem 
Ocean schifften, um nach Indien zu gelangen und Waaren von dort 
zu holen. D'Avczac^) hat die Bedeutung dieses Berichtes her- 
vorgehoben. Kuristmann 44 ) hat von den nicht eben nachhaltigen 
älteren Verbindungen Deutschlands mit Indien gehandelt. Was dem 
ausgehenden Mittelalter noch als kühnes Abenteuer erschien, ist 
jetzt nahe daran als gewöhnliches Touristenstück zu gelten, wie die 
Engländer zeigen können. Die Photographie liefert treu und willig 



441) Question scientifique et personnelle soulevde au sein de ['Institut au 
sujet des dernieres decouvertes sm- Ia g£ographie et l'histoire de l'Inde, avec 
les oxplications de M. Reinaud. Sfouvelle edition, revue et augmentee d'une 
deuxieme partie. Paris, Cosse et Dumaine 1859, 36 S. gr. 8. Dagegen: 
R6ponse mesuree de M. Stanislas Julien, ä un libelle injurieux de ML 
Reinaud. 2e ed., revue et corrigee. (Mit 1 lithogr. Taf. — Paris 1859 . 
20 S. 8. Yergl. über erstere Schrift Petermann's Geogr. Mittli. 1859 p. 275, 
und ausserdem unten nr. 565. 

42) Der älteste Versuch zur Entdeckung des Seeweges nach Ostindien im 

Jahre 1291 Von G. II. Pertz. Berlin, Druckerei der Kgl. Ak. der 

Wiss. 1859, 12 S. 4. Französisch u. d. T. La plus ancienne tentative 
pour arriver ä la decouverte de la route aux Indes orientales, en l'annee 1291. 
Memoire präsente a l'Acad. Roy. des Soe. a Munich. Nouv. Ann. des Vby. 
1859, Hl l». 257 f. Vergl. C. Ritter in Zeitschr. für allg. Erdk. Neue F. VI 

(1859) p. 218 f. 

43) d'Avezac, Expedition genoise des freres Vivaldi h Ia decouverte de 
la route maritime des Indes Orientales au Xllle sied.. Nouv. Ann. des Voy. 
1859, in p. 273. 

44) Fr. Kunstmann über die frühesten directen Handelsverbindungen der 
Deutschen mit Indien, Ausland 1861 nr. 34. 



Gosche, wissenschaßl. Jahresbericht für 1859 bis 1*01 73 

Skizzen, wie wir durch äfurray* 6 ) aus dem nordwestlichen Indien 
erhalten; Shaw* e berühr! Indien anfeiner Weltfahrt; Bilder des ein- 
heimischen oder englischen Lehens geben Lang 4,1 ) und Bell 
Langley* 9 ) knüpft charakteristisch an Böfisches an; sogar der 
geistreich -kecke Berichterstatter der ,Times' fehlt hier nicht 00 ). 
In Frankreich haben Deville 50 *), Saintine 60h ) und TroUope* 0e ) 
diese Litteratur bereichert. Doch wird der aufmerksame Leser 
hier bereits auf mancherlei Doubletten in den Aufzeichnungen 
Stossen, und es verlohn! sich nicht allein, sondern es wird last 
Pflicht, bestimmte Punkte selbständig in's Auge zu fassen, wie der 
durch seine Kenntniss des Landes und der neuindischen Sprachen 
ausgezeichnete Missionär Long 51 ) solche bestimmte Fragen für 
Orissa aufstellt. Von bildlichen Darstellungen sind die grossen 
Skizzen des Fürsten Soltykof 52 ) zu erwähnen; derer des ungarischen 
Grafen Andrdsy, welche sich besonders mit Jagdabenteuern be- 
schäftigen, ist schon gedacht worden 53 ); nach dem Süden führt 
das friedlichere Lasier Album 53a ). Durch ihre künstlerische Aus- 
stattung sind auch die Schilderungen des Schweden Lind r. Hageby 6 *) 



45) J- Murroy, Picturesque Photographie views in the north-western pro- 
vinces of India, London, Hogarth 1859 fol. (5 Guin.) 

46) A gallop to tbe Antipodes : returning overland through India. By J. 
Shaw. London, Hopc 1859, 396 S. 8. (10\ 2 sh.) • 

47) Wanderings in India, and other Sketches of life in [Hindostan. By 
./. Lang. London, Routledge 1859, 410 S. 8. (5 sh.) Dasselbe: New edition. 
Elend. 1861, 412 S. 12. (2 sh.) 

48) The English in India : Letters from Nagpore, written in 1857—58 by 
Evans Bell. London. Chapman 1859, 200 S. 8. (5 sh.) Vergl. Westm.- 
Rcvie« L859 T. 16 p. 112 f. 

49) Ed. Archer Langley, Narrative of a residenee at the eourt of Meer 
Ali Moorad : tvith wild sports in the Valley of the Indus. Vol. 1. 2. London 

1860, 606 s. 8. 

50) My diary in India, in the year 1858—59. By Win. Howard Russell . 
Special corresp. of the ..Times.'' With illustrations. Vol. 1. 2. London. 
Routledge L860, 8. Vergl. Westm.-Review 1860 T. 17 p. 590. 

50a Excursions dans l'Inde. Par L. Deville. Paris 1860, 331 S. 8. 
50b) Trois ans en lüde. Par P. (•'. Saintine. Paris 1860, 382 S. 8. 
50c) Voyages aux hides orientales 1858—59. Par A. TroUope, Le Tour 
du Monde 1860 or. 30. 

51) Rev. J. Long, Notes and Queries snggested by a visit to Orissa in 
January 1859, Journ. of the As. Soc. of Bengal XXV3I1 (1859 p. 185—198. 

52) Prince Alexis SoUykoff, Indian Scenes and characters: sketched from 
life. Edited by E. B. Eastwich London. Smith and Eider 1869, fol. (Proofs 
l \. A sh., and £ 3, 3 sh.) 

53) Vergl. oben nr. 180. 

53a) Album der Basler Mission. Bilder aus Indien. Heft 1: Die Nilagiri 
und Maisur. Basel. Bahnmaier Comm. (1860) quer fol. (l 2 / 3 &/>■•> auf chin - 
Papier 2 J '. ^.) . 

54) Reisebilder und Skizzen aus Indien und dem letzten indischen Kim-,' 
L857— 1859. Von Axel Lind von Uageby. Aus d. Schwedischen. Mit d. 
Portr. des Vfs., 10 colorirten Tafeln in Stahlstich nach Originalen von Hindu- 



74 Gosche, loissenschaßl. Jahresbericht für 1859 bis 1861 

ausgezeichnet; aber alle bisheriges Leistungen der Art, sogar die 
grossartigen Bilder Th. DanieWs, werden libertroffen durch den 
schönen Atlas des y. SchLagintu ersehen Reisewerkes, der besonders 
in Auffassung des Landschaftlichen last unvergleichlich dasteht. 
Nachdem bereits zahlreiche, in die Oeffentlichkeit gelangte Corre- 
spondenzen der Reisenden die Erwartungen auf dies Werk höch- 
lichst gesteigert hatten und zuletzt einige werthvolle astronomische 
Positionsbestimmungen 486 ) und Berichte tlber llöhenverhaltnisse 66 ') 
bekannt wurden waren, ist der erste Theil des Hauptwerkes in 
englischer Sprache 56 ) erschienen, aber, was sich der deutsche 
Buchhandel zum Ruhm anrechnen möge, in Deutschland, obgleich 
es zum grossen Theil mit englischen Mitteln gefördert und die 
darin niedergelegten Reiseresultate auf dem Boden des anglo-indischen 
Reiches gewonnen waren. Der Inhalt des vorliegenden ersten Bandes 
betrifft noch nichts von unseren philologisch -historischen Studien. 
Eine schmerzliche Lücke wird dem Werke leider durch den Tod 
Adolf Schlagintweii s '■•'') und den Yerlu-t seiner Papiere bleiben, 
eine Lücke, welche II. Lange' s.* 1 *) Erinnerungsblätter nur tiefer 
empfinden lassen. Die Construction des colossalen ostindischen 
Continents wird durch diese magnetischen, meteorologischen, hypso- 
metrischen und andere naturwissenschaftliche Beobachtungen und 
Aufnahmen gesichert, zumal die englischen geologischen Unter- 
suchungen 58 ) hinzukommen. Was der Colonel Waugh bereits in 
Kaschmir geleistet hat, haben wir schon früher aus den staunens- 



Malern, 16 Tafeln in Tondruck, 3 Plänen und 1 Karte von Vorder-Indien. 
Leipzig, II. Mendelssohn 1861, X u. 421 S. gr. 8. (4 $fc) 

455) Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Mission der Gebrüder // . .1. 
und II. v. Schlag intweit, nach Indien u. Hochasien, in den J. 1854 — 58. L 
Astronomische Positions-Bestimmungen und magnetische Beobachtungen, Peter- 
mann's Geogr. Mitth. 1861 p. 268 f. 

55a) Ueber die Höhenverhältnisse Indiens und Bochasiens. Von R. v. 
Schlag intweit, Sitzungsberichte der Kgl. Bay. Ak der Wiss. 1861, II Heft 
.'). Vergl. desselben Abhandlung in der Zeitschr. f. allg. Erdk. 1862, XII 
p. 20—46. 

56) Results of a scientific mission to India and High Asia, undertaki u 
between the yars 1854 and 1858, by order of the courl of directors of the 
Bonourable East India Company by Herrn., Ad. and Hob. de Schlagiiitiveit. 
With an Atlas of panoramas, views, and maps. Vol. I and Atlas Pari I. 
Leipzig, Brockhaus 1861, KV u. 494 S. 4. nebst Atlas von 15 chromolith. 
Bll. in 'f.d. (26% 4>) 

57") Adolph Schlagintiveifs letzte Reise in Central-Asien, Petcrmann's 
Geogr. Mitth. 1859 p. 351 f. Vergl. Journ. of the As. Soc. of Bengal XXVIII 
(1859) p. ITC f., besonders aber XXIX (1860 p. 411 f. 

57a Adolphe Schlagintweit. Ses voyages dans les Alpes, dans l'Inde, 
dans l'Himalaya et Ia Haute-Asie, sa mort. Par 11. hange, Nouv. Ann. des 
Voy. LS5!». IV p. 283 f. 

58 Memoirs of the Geological survey of India. Published by order of 
tlie Right Honourable the Govcrnor General of India in Council. Vol. 1. P. 
Calcutta London, Williams & Norgate) 1859, 8. With 8 plates and maps. (5sh. 



Gusche, wissenschafbl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 75 

werthen Nachrichten aber die von ihm gemessenes Gebirgserhebnngen 
gesehen; Nenes erfahren wir durch Thuülier* 9 ) und Montgomery 60 ); 
von liier hatte man über den zweithöchsten Berg der Erde zn 
berichten ,1 ). 

Die Geschichte dieses Völkergebietes wird bei der glück- 
lichen Befestigung eines Begriffs der indischen Philologie und bei 
gesteigerten allgemeinen cnltnrgeschichtlichen und politischen Inter- 
essen mannigfach gepflegt: sowohl mit prüfender Durchforschung 
des Details des Alterthums, als auch mit lebendiger Berück* 
sichtigung der Gegenwart. In Indien selbst kommt den allgemein 
orientierenden Handbüchern eine natürlich wachsende Aufmerksam- 
keit entgegen. In Madras wurde Morris' 61 *) Handbuch zum vierten, 
das zugleich die Geographie enthaltende von &ymonds* tv ) zum 
dritten Male aufgelegt. Zur allgemeinen Unterweisung dient das 
von Karl Böttger zu Ende geführte, manche Culturelemente frisch 
nach Autopsie darstellende Werk L. v. Orlzch's 62 ), der sieh dafür 
durch seine auch von ( 'arl Bitter anerkannten Reisen vorbereitet 
hatte. Für die vormuhammedanische Zeil ist mancherlei und Treff- 
liches geschehen. Webers mit erfolgreicher Arbeitskraft weiter 
geführte „Indische Studien", von welchen der Anfang des fünften 
Bandes und der ganze sechste vorliegt 63 ), berücksichtigen bei der 



59 B. L. Thuillier, Memorandum on the Survey of Kashmir in progress 
under Captain F. G. Montgomerie, etc. Journ. of the As. Soc. of Bengal 
XXIX (1860) p. 20-35. 

60) Memorandum drawn up by the order of Colonel A. Scott Waugh, 
on the progress of the Kashmir Series of the Great Trigonoinetrical Survey of 
[ndia, with map and observations on the late conquest of Gilgit and other 
incidental matters, by Captain F. Gr. Jlfontgomerie, Journ. of the As. Soc. of 
Bengal 18(51 p. 99—110. 

61) Die Englische Vermessung von Kaschmir und der zweithöchste Berg 
der Erde, Petermanns Geogr. Mitth. 1861 p. 1 f. 

61a) The history of India. By Henry Morris. 4th edition. with a map. 
Madras 1860, XX U. 310 S. 8. (3 sh.) 

61h) Introduction to the geography and history of India. and of the 
countries adjacent. Edited by A. II. Symonds. 3rd cd. Madras 1859, IV u. 
360 8. 8. (London, Trübner 6 sh.) 

62) Indien und seine Regierung. Nach den vorzüglichsten Quellen u. nach 
Bandschriften von Leop. v. Orlkh. Bd. I. auch m. d. T. : Allg. Gesch. von 
den frühesten Zeiten bis zum J. 1857. Leipzig, G. Mayer 1859, XII u. .»"«7 
S. gr. 8- (3 ty. ) Bd. II, Abth. 1: auch in. d. T. Geschichte u. Colonisation 
der Länder Sind u. Peng'äb, Gesch. des Königreichs Oude u. Schilderung der 
britisch-ind. Armee. Ebend. 1859, \ H u. 416 S. 8. (2 fy) 2. Bd. Abth. 
2: Castenwesen, religiöses Leben, Volkscharakter, Erziehung, Kunst u. Wissen- 
schaft, Regierung u. Verwaltung, Produkte, Handel u. Finanzen. Landbau u. 
Reiots. Leipzig, (J. Mayer 1861, VII u. 394 S. gr. 8. (2 ?fy. ) Auch m. d. 
T. : Culturgeschichte Indiens, enthaltend Schilderungen des Castenwescns, 
religiösen Lebens u. s w. Mit Benutzung des Nachlasses von Leup. V. Orlich 
u. nach den vorzüglichsten Quellen von Karl Böttger, Prof, am Gymn. in 
Dessau. — Ueher I u. II, 1. vergl, Lit. Centralbl. 1859 nr. 42 p. 667 f. 

63) Indische Studien. Beiträge für die Kunde des indischen Alterthums. • • 



76 Gosche, vrissenschafil. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

freien Benutzung der Berliner Sanskrithandschriften vorzugsweise 
die Litteratur, während die Zeitschrift der bengalisches Gesell- 
schaft sehr glücklich die anderen monumentalen Seiten des alt- 
indischen Lebens ergänzt. Alle derartige Detailarbeiten vereinigt 
mit : einen eigenen Forschungen Lassen* 64 ) in seiner „Indischen 
Alterthumskunde" zn einem Gesammtbilde, in deren zuletzt er- 
schienenem vierten von ."-lü n. Chr. bis auf die muhammedanische 
Zeit hinabgehenden Bande die Culturverhältnisse eine immer ein- 
gehendere Berücksichtigung erfahren haben. Erfreulich ist es zu 
sehen und zugleich günstig vorbedeutend für die Zuverlässigkeit der 
Methode der indischen Forschung, wie wenig in der stattlichen 
Sammlung der ein/einen Untersuchungen des unvergesslichen J. 
Prinsep, welche wir Thomas 66 ) verdanken, trotz aller grossartigen 
Fortschritte ;n\\' diesem Gebiete bis heute veraltet ist. Die alten 
Arier, an welche sich die Urgeschichte der Indogermanen knüpft, 
bespricht Spiegel 66 ) in seiner das grössere Publicum sich ver- 
pflichtenden und zugleich den Fachmann belehrenden Weise; Vivien 
de Sf. Martin ,:7 ) hat mit seinem gewohnten geographischen Takte 
in einer Preisschrift die altindische Geographie und Ethnographie 
nach den ältesten Zeugnissen dargestellt. Einzelne Sonderbarkeiten 
bleiben nicht aus. So stellt Latham 68 ) Priyadarsi mit Phraates, 
Äcoka mit Arsakes zusammen. Dagegen hat sich TPvtz-TLdward Hall 
mit einem an James Prinsep erinnernden Eifer und Erfolge der 
[nschriften und der sich daran lehnenden Fragen angenommen-, 
er giebt Beiträge zur Geschichte der Gupta-Könige überhaupt 69 ) 
und des Buddhagupta im Besonderen 70 ), wie der nächsten Folge- 



herausgegeben von .Uhr. Weber. Bd. 5 Hefl 1 (S. ] — IT»', u . Bd. 6 (463 S.) 
Berlin, Dümmler 1861 gr. 8. >"crLrl unten nr. 592 u 635 

464) [ndische Alterthumskunde von Chrn. Lassen. IM. IN'. Geschichte 
des Dekhans, Hinterindiens u des ind. Archipels von 31!) n. Chr. G. bis auf 
die Muhammedaner u. die Portugiesen. Nebst Cmriss der Kultargeschichte u. 
der Handelsgeschichte dieses Zeitraums. Leipzig, Kittler 1861, X u. '.ISS 8. gr. 
8. (7 Sfy ) Ueber alle vier Bände vergl. Barthdlemy Saint-Hilaire im Journ. 
des sav. lsiil p. 453— 468, 559—573, 692—705, 1S62 p. 7H 92. 

65) Bereits oben Bd. XIV p. 199 nr. 41 li erwähnt; vergl. jetzt darüber 
A. Weber im Bit. Centralbl. 1860 nr. 4U p. 787. 

(jlii Die Arier und die arische Einwanderung in Indien von Fr. Sjwt</<!. 
Ausland 1860 nr. 4(1—47. 

67) Vivien de Saint-Martin, Etüde sur la geographie et les populations 
primitives du Nord-Ouest de l'Inde d'apres les hymnes v^diques, prec&We d'un 
apercu de l'etat actuel des etudes sur l'Inde ancienne. Memoire couronne 1 en 
1855 par L'Ac. des Inscr. Paris 1859, LXVUI u. 205 S. irr- 8. Vergl. Lit. 
Centralbl. 1860 nr. 37 p. 578 f. u. Petermann's Geogr. Mitth. 1861 p. 46 f. 

68 B. </. Latham, On tbe Date and Personality of Priyadarsi, Journ. 
of tbe Royal As. Soc. of Great Britain Will. -J 1<S6<I) p. '273— '2*1). 

69) Letter to tlie Secretary of the As. Soc. of Bengal, on some reeent 
statements touching certain of the Gnpta Kings and other. By Fitff - JSdward 
llnU. Journ. of the A^. Soe. of Bengal 1861 p. 383 3S8. 

70) Note on Budhagupta, by Fitz-Edward Hall, Journ. of tbe As. Soc. 
of Bengal 1 SC, 1 p. 139—150. 



Gosche, Wissenschaft!. Jahresbericht für 1859 Ins 18G1- 77 

zeit 71 ), behandelt Inschriften verschiedener Jahrhunderte, eine 
sonders auf Mälava bezügliche des zehnten 72 ), eine des eilften 7;i ) 
und des vierzehnten 74 ); ferner dergleichen aus Chedi 75 ), Eran 76 ), 
welche letztere Prinsep bereits 1838 untersucht hatte, ein Paar 
merkwürdige Kupfertafeln 77 ) und Denkmäler zur Geschichte der 
Mandala-Könige 7s ). Die nationale Gelehrsamkeit der Hindu's folgt 
nach: Rcgendralsla Mttra 19 ) handell über die Toramäna's. 
Beachtenswerth sind die Mittheilungen über einzelne Alterthümer 
in Vallabhipura 80 ), Dschabalpur 81 ) und Mandu 82 ). Die muham- 
medanische Epoche ist nur in ihren Anfängen von Lassen, sonst 
nicht weiter berücksichtigt worden. Die neue Zeit beginnt mit dem 
Eintritt der Portugiesen, für deren Geschichte die Akademie von 
Lissabon Documente veröffentlicht hat 83 ); sonst wird aus deren 



71) Filz-Edward Hall, Of Two Land-grants, issued by King Hastin, 
bearing date in tbe years 156 and l'i.'i after the Subversion of the (iujitas. 
Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX (1861) i>. 1-13. 

72) A donative inscription of the tenth Century ; the Sanskrit Original and 
its substance in English: with remarks on tlie later Kings of Dhün! in Mälava. 
By FÜZ-Edward Hall, Journ. of tlie As. Soc. of Bengal 1861 p. 195-210 
Vergl. zu Mälawa auch die unten nr. 478 erwähnte Inschrift. 

73) Fitz-E. Hall, Letter on Indian Inscription, Journ. of the As. Soc of 
Bengal XXIX (1861) p. 18 f. 

74) Fitz-E. Hall, Decipherment of a Sanskrit Inscription dated in tlie 
14. Century, Journ. of the As. Soc. of Bengal XXVIII (1859) p. 1 — 8. 

75) Decipherment of an inscription froin Chedi, with a brief Statement 
of the historical and other indications therefrom derived. By FitZ-Ed. Hall, 
Journ. of the As. Soc. of Bengal 1861 p. 317 — 336. 

76) Fitz-Edward Hall, The Inscription of Erikaina, now Eran, re- 
deeiphered and re-translated, Journ. of tlie As. Soc. of Bengal XXIX (1861 
p. 14— -22. 

77 Fitz-Edward Hall, On two Edicts bestowing Land, recorded on 
plates of copper, Journ. of the As. Soc. of Bengal XXY1I lS'iS) p. "217 — 250; 
vergl. XXIX (1860) p. 19. 

TS Hall. On the Kings of Mandala. as commemorated in a Sanskrit 
inscription, Journal of the Am. Or. Soc. VII New Haven 1861 gr. 8.) p. 1 — 
23; derselbe: Two inscriptions, pertaining to the Paramära rulers of Vialava, 
ebend. p. 24 — 47. 

79) On the identity of the Toramänas of Eran, Gwalior and Kashmir. 
By Babu Rdjendraldla Mitra, Journ. of the As. Soc. of Bengal L861 i>. 
267—278. 

80^ A. II Forbes, Notes on the Ruins of Vallabhipura, Journ. of the 
Royal As. Soc. of Great Britain Will, 2 1860 i>. 267—272. 

81) A few notes on antiquities neav Jubbelpoor. By Lieut.-Col. //. I ule, 
Journ. of the As. Soc. of Bengal 1861 p. 211~2lf). 

82) Series of six views of Mandoo, the ancient Mahomedan capital of 
Malwah in Central-India. Prom the original Sketches of Lieut. Clai 
Harris. With descriptive and historical notices and an appendix by J. Ghliaud. 
London 1860 toi. 

83) Colleccäo de monumentos ineditos para a historia das conquistas dos 
Portuguezes, em Africa, Asia e America. Publicada de ordern da classe de 
sciencias moraes e politicas, e helles lettras da Acad. real das sc. de Lisboa e 
sob a direceao de Rodrigo Jose de Lima Feiner. T. I. Serie la. Historia 



78 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht fär 1859 bis 1861. 

Zeitalter nur noch der Conflicl mil den Holländern bertihrl 1S3n ). 
Dagegen wird reichlich die anglo - indische Geschichte angebaut. 
Eine allgemeine Uebersichl giebl Beveridge Bi ); die Schildeningen 
der englischen Zustände von Bett 86 ) sind schon erwähnt* \'ene- 
dey's 86 ) Werk wird in's Schwedische übersetzt. Durch die jüngste 
Revolution ist die Aufmerksamkeit auf verschiedene Punkte der 
indischen Herrschaft und Colonisation gerichtet; in englischen Ar- 
tikeln 87 ), in Hare's 88 ) Betrachtung der englischen Machtentwick- 
lung, in einer anonymen Schrift aber Ansiedinngen 88a ) \\\u\ in 
Martin's 89 ) französischem Werke über die englischen Militärver- 
hältnisse und insonderheit über die Spälil's kommen Grundlagen 
(»der Ansichten des Reichs mehr oder weniger deutlich zur Sprache. 
Die Revolution selbst lernen wir immer mehr bis in das Detail 
kennen. Ihren Verlauf schildert in Ceiitnilindien Lowe 90 ), in 
Rajputana Prichard 91 ) und Duberly 92 ), in Aude Hutchinson 98 ), 



da Asia. Auch m. d. T. Lendas da [ndia par Gaspar Corrca. Livro prrmeiro. 
Contendo as aecoens de Vasco de Gama etc. ate o anno de 1510. Tomo [. II. 
Lisboa, 1858 59, XXX, 492 u. 4=93—1013 S. 4. Desgl. Livro segundo. T. 
11. P. 1. 1860, p. t— 482 s. 

483a) Leupe, Mathys Hendricksz. Quast voor Goa Kill. Bijdragen tut de 
Taal-, Land-en Volkenkunde van Nederl. Indie. Nieuwe Volgreeks Deel !l 1859 
p. .11.°)— 347. 

84) A eomprehensive history of [ndia. civil, müitary, and social, from the 
firsl landing of the English to the suppression of the Sepoy revolt : indüding 
an outline of tlic early history of Hindoostan. By //. Beveridge. Vol. I. 
London 1860, 720 s. 8. (24 sh.) Vergl. Westm.-Review 1860 T. 18 p. 571. 

85) Vergl. oben 448. 

86) J. ViiKiUij. Engelska Ostindien. Hindostans Natur, Folk. Historia 
och Seder. Fri öfwersättning fran Tyskan af Kjellman-Göranson, Haft 1. 
2. :i. 4. Stockholm. Brudin 1859, 1—129 n. 1-32 S. 8. Mit 6 Tff. (75öre, 

87) The Government of [ndia : its liabilities and resources, Westminstcr 
Review 1859 '1' 16 p. 112—164 mit Rücksicht auf Malcolm, Evans Bell, 
Neil 1». E. Baillie). Die Lage des brit. Reiches in Indien, Ausland 1859 nr. ."51. 

SSi The development of the wealth of India, with notes by Hare. Cam- 
bridge and London, Maemillan 1861, 8- Vergl. Westm.-Review 1861 S. 20 
p. 567. 

88ai British SetÜers in [ndia. London, Ridgway 1861, 8. Vergl. Westm.- 
Rcvieiv 1861 T. 2D i». 566. 

89) C. Martin, La puissance militaire dos Anglais dans rinde et l'in- 
surrection des cipayeS. Resume historique et critique des campagnes de l'armee 
anglaise dans l'Inde en 1857 et 1858, avec une carte generale de rinde, un 
tableau du theätre de la guerre, les itineraircs des generaux Sir Colin Campbell 
e< Sil- II. Bavelock, les plans des sieges de Delhi et Lucknow etc. Paris. 
1859, XXXU u. 192 S. 8. 

90 7'//. Lowe, Central [ndia during the rebellion of 1857 and 1858: a 
narrative of Operations of tlie British forces from the suppression of mutinj in 
Aurungabad to the capture of Gwalior. ander Major-General Sir Hugh Rose, 
and Brigadier Sir ('. Stuart. London 1860, 370 s. s. 

91)./. Th. Prichard, The mutinees in Rajpootana: being a personal 
narrative of the mutiny at STusseerabad, with subsequenl residence al Jodhpore, 
»nd Journey aeross the Desert into Sind ; with an aecount of the outbreak at 



Gosche, wissmschaftL Jahresbericht för 1859 bis 1861. T'.i 

in Gwalior CbopZanrf 93 "), in Delhi und im Pendschab Cave- 
Broione 94 '). Der sie niederwerfende Feldzug und besonders die 
Belagerung Delhi's wird uns in den Aufzeichnungen eines activen 
Theilnehmers 98 ), in At/cinson's 9e ) Bericht, in Hbdgson's 91 ) Bildern 
aus dem Soldatenleben and Marshman's '■") Werk über Havelock 
dargestellt. Die Reihenfolge grauenhafter Ereignisse interessiert 
nicht allein den England's Weltstellung beobachtenden Politiker 
und Diplomaten, sondern den Erforscher der Geschichte überhaupt; 
daher ausser des Engländers Lecket/ '■''■' Betrachtungen aus ver- 
schiedenen Nationalitäten recapitulierende , nach Gründen suchende, 
anklagende oder erklärende Schriften, von Hindu's 500 ), Franzosen 1 ), 
Italienern-), Russen 3 ) und Holländern 4 ). In die bedenklichen 



Neemuch, and mutiny of the Jodhpore Legion at Erinpoora, and Attack on 
Mount Aboo. London 1860, 31© S. 8. 

!e_'i Campaigning Experiences in ßajpootana and Central India dnring 
the Mutiny inl857 — 58. ByMrs. Henry Duberly. London, Smith and Eider 1859. 

93 G. Hutchinson, Narrative of the mutinies in Oude, compiled from 
anthentic records. London 1860, 256 S. 8 

93a) 7t*. Jl/. Conpin ml. A Lady's Eiscape from Gwalior, and life in the 
Fort of Agra during the mutinees of 1857. London 1859, 320 S. 8. 

94) J. Carc-Broirne, The Punjab and Delhi in 1S57 : being a narrative 
in tlie measures by which the Punjab was saved and Delhi recovered during 
the Indian mutiny. Vol. 1. 2. London. Blackwood 1861, 780 S. 8. (21 sh. 
Vergl. Westminster Review 1861 T. 2ü p. 247. 

95 History of the siege of Delhi. By an officer who served there. With 
a sketch of the leading events in the Punjaub connected with the great Indian 
rebellion of 1857. Edinburgh, Black 1861, 340 S. 8. (6V 2 sh.) Vergl. 
Westm.-Review 1861 T. 20 p. 268. 

96) The Campaign in India. 1857 — 58. From Drawings by G. 
Franklin Atkinson, illustrating the military Operations before Delhi. London 
1859, fol. 

97) Twelve years of a soldiers life in India, being extracts from the letters 
of the late Major ](". S. R. Hodgson. Edited by Ins brother, the Rev. G. 
II. Hodson. London. Parker 1859, < s - Vergl. Westm.-Review 1859 T. 15 p. 
621 u. Edinburgh Review 1859, 109 p. 545 f. 

98) Memoirs of major-general Sir Henry Havelock. By John Clark 
Marshman. London 1860, gr. 8. 

99) Fictions connected with the Indian outbreak of 18.J7. Exposed by E. 
Leckey, author of Principles of Goojuratee Grammar. Bombay, Chesson and 
Woodhall IS,")!). Vergl. Westm.-Review 1861 T. 20 p. 249. 

500) The mutinies and the people ; or, Statements of native ridclity exhibited 
during- the outbreak of 1857—58. By a Hindu. Calcntta 1859, 196 S. 8. 

1) K. 1). Forgues, La revolte des cipayi es et recits de la vie 
anglo-indienne. Paris 1860, VIII u 458 S. 8. 

2) Arist. ColanL Scenc dell' insurrezione Indiana. Milano, Civellil859, 
950 S. 8. 

3) H. H. TapaceiiKO-OTpinTKOBb, Hii^ia n eü oTHOtuenie 
Kb |Docciii. [N. J. Tarasenko-Ostrjeschkoio , Indien u. seine Beziehungen 
zu Russland). St.-Petersburg 1858, VIII u. 123 S. (Leipzig, Brockhaus P/s Sty.) 

4) Vreemde Landen en volken, hun toestand en ontwikkeling, godsdienst 
on staatswezen, behoeften en hulpbronnen, gewoonten en zeden, beschreven naar 



80 Gosche ) utissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861- 

inneren Verhältnisse zwischen der aeueo europäischen Regierung 
und den Deberliefernngen der einheimischen führt der Mahärädsch- 
Process 604 )ein; mancherlei dazu mag auch ein Werk von Briggs ') 
enthalten, das zwar in 750 Exemplaren gedruckt, aber nur in etwa 
50 in den Handel gekommen und darum sehr selten ist. 

Allgemeine Beschreibungen und Schilderungen des ganzen 
Indien sind ausser der kurzen Geographie in dem bereits erwähnten 
ge chichtlichen Werke von Symonds nicht erschienen. Einige 
Grundzüge gibt Enault 505 ) ; Ethnographisches Latham 6 ), mi1 be- 
sonderer Rücksicht auf die jüngste Geschichte behandelt Sylces 7 ) 
den Charakter des Volkes. Von einzelnen Stämmen werden die 
Vayu's im Centralhimalaya 8 ) und die wilden Völkerschaften Orissa' 
betrachtet. Der Himalaya steht in den v. SchlagintweifBchen Dar- 
stellungen im Vordergrunde; von seinen einzelnen Zügen wird der 
um das Sikkim-Thal näher geschildert 10 ); die Vorberge von 
Peschäwer aus verfolgt Trurqpp 10a ); besondere Rücksicht auf die 
Jagd in diesen Hüben nimmt Dwnlop* * und ein Anonymus mit 
seinen Sommerbildern 10c ). Von Bengalen hat Mac CleHand 10 *) 



de nieuwste bronnen. Met staalplaten. Deel I. Britisch-Indie. Afl. 1 — 12. 
Amsterdam, Eraay 1848-59, S. 1 384, gr. 8. h (!. 0, 50.) 

504a) Report of tlie Mähäraj Libel Case. Bombay 1862. The Mähärajas. 
By Karsandass Moolgee. Bombay 1861. Vergl. Westminster-Review l864 
Jan. p. 144 f. 

4I1) The Nizam, liis history and relation with the British Government, 
"By H.G.Briggs, Secreiary Bombay Muuicipality. Vol. 1. 2. 1861, 8. {d 2.2sh.) 

5) L. Enault, L'Inde pittoresque. Ulustrations par Rouargue et 
Outhwaitbe. Paris 1860, VIII u. 502 S. 8. Nebst 21 Tff. 

6) R. G. Latkam, Ethnology of India. London, Van Voorst 1859, 380 
S. 8. (K5 sh.) 

7) Colone! SyJces, Traits on Indian Character, Journ. of the Royal As. 
Soc. of Greal Brit. XVIH, 2 (1860) p 223—251. Vergl. Petermahn's Geogr. 
Mitth. 1861 p. 46 t". 

8) B. H. ETodgson, On the Vayu tribe of the Central Himalaya, Journ. 
of the As. Soc. of Bengal XXVII (1858) p. 443—446; desgl. On the Kiranti 
Tribe of the Central Himalaya p. 446-451). 

9) J. P. Frye, On the üriya and Kondh Population of Orissa, Journ. 
of the Royal As. Soc. of Great Britain XVII (1860 p. 1 f. 

10) Der Kintschindjunga und der Sikkim-Himalaya überhaupt, Petermann's 
Geogr. Mittli 1861 p. 3 f. 

10a) Reise von Peschäwer in die Hügelstation von Murree in den Vor- 
gebirgen des Himalaya. Von L. Irumpp, Ausland 1861 nr. 49. 

10b) Hunting in the Himalaya; with notices of eustoms and countries from 
the elephant haunts of the Dehra Doon to the Bunchour Tracks in eternal 
snow. By R. //. W. Dwrdop. London, Bentley L860, 320 S. 8. (10 1 /, sh. 

10c) A summer ramble in the Himalayas, with sporting adventures in the 
vale of Cashmere. Edited by Mountaineer. London, Hurst and Blaekett 1860, 
360 S. 8. (5 sh.) 

lOd) Sketch of the medical topography, or climate and soils of Bengal 
and the N. W. Provinces. By ./. Mac CleUand. London, Churchill 1859, 
154 S. 8. (4 sh. 6 d 



Grosche, urissenecha/tl. Jahresbericht für 1859 bis L861. | 

eine klimatologische Schilderung entworfen; Stöhr 11 ) führt uns in 
den Nord -Westen dieser Landschaft. Einzelne Städte und Ort- 
schaften, welche mein- oder weniger vollständig beschrieben worden 
sind, mögen liier in alphabetischer Ordnung aufgeführt werden: 

Caunpur von Thomson 1 -); Cap Comorin [eigentlich KumarT] l - [ ); 
Delhi nach Ahmed Khan von Garem de Ta88y 19 )\ Ellora von 
Bastian l4, )\ Madras in Missionsberichten 16 ) , ganz besonders aber 
von Whceler nach authentischen Documenten 16 *), der sich auch 
um die Archive der Stadt und Provinz verdient gemacht hat l5b ); 
Pergunnah u. A. von Freeling 16 ). Das Pendschab vorzugsv. 
betreffen die Schilderungen df\- Indusländer von Andrew 11 ); aus 
Labore j das seit der Beilegung der Sikh-Kämpfe angefangen hat 
ein wichtiger Druckort besonders für hindustanische und persische 
Litteratur zu werden, bringt Cope ls ) einige Inschriften, darunter 
sechs persische. Für Ceylon liegt das anerkannte Hauptwerk von 
Tennent 19 ) in neuen, mannigfach auch von der halbwissenscbaft- 



11) Die Singbhum-Abtheilung der Provinz der Südwestgrenze von Bengalen. 
Von Emil Stöhr, Petermann's Geogr. Mitth. L861 p. 219 f. 

12) Mowbray Thomson, The story of Cawnpore. London 1859, -_'72 s. s. 
12a) Kap Comorin u. die Malabar-Küste, Petermann's Geogr. Mitth. 1859 

p. 121. 

13) Deseription des monuments de Dehli en 1852, d'apres le texte bindoustani 
de Sa'iyid Ahmad Khan, par (Jarcin de Tassy , Journ. As. 18G0 T. 15 p. 
508- 536; T. 16 p. 190—254, 392—451, 521—543; 1861 T. 17 p. 77—97. 

14) A. Bastian, Die Felsentempel von Ellora, Bremer Soutagsbl. 1859, 
nr. 5. 

15) Notices of Madras and Caddalore in the last Century; from tbe 
Journals and letters of the earlier missionaries of the Society for Proinoting 
Christian Knowledge. London, Longman 1859, 12. (5Y 2 sb.) 

15a) Madras in tbe olden time; being a history of the presidency from 
the first foundation to tbe governorship of Thomas Pitt, grandfather of tlie Karl 
of Chatam, 1639 1702. Compiled from official records by J. Talboijs Wheeler. 
Madras 1861, 406 S. 8. (London, Trübner: 15 sh.) 

15b) Handbook of the Madras Kecords ; being a report on the public 
records preserved in the Madras Government Office previous to 1834. With 

ehr logical annals of the Madras Presidency; By J. Talboys Wheeler*. 

Madras 1861, XL u. 94 S. 8. (London, Trübner: 7 1 /. sh.) 

L6 <•'■ II- Freeling, Account of Pergunnah Mahoba, Zillah Humeerpore, 
Bundelcund, Journ. of the As. Soc. of Bcngal XXVIII (1859) p. 369—388. 

17) The Indus and its provinces. By W. B. Andrew. London, Allen 

L859, 8. (10 sh. 6 d.) 

18) Henry Cope ,. Public inscription at Lahore, Journ. of the As. Soc. of 
Bengal XXVII (1858) p. 308—313. 

19) Ceylon: An aecount oftheisland, physical, historical, andtopographical; 
with notices of its natural history. antiquities and produetions. By J. Emerson 
Tennent. Illustrated by maps etc. 2nd edition. Vol. 1. II. London, Long- 
man 1859, 1260 S. gr. 8. Davon erschien: öth edition. thoroughly revised 
1860, 1300 S. gr. 8. (50 sb.) Vergl. Edinburgh Review 1859, 110 p. 343— 
375; National Review 1860, 11 p. 374-399; Geschichte der Insel Ceylon nach 
Sir Emerson Tennent, Ausland 1860 nr. 9 ff. Westm.-Review 1860 T. 17 
p. 66-90. 

Jahresbericht 1859-1861. 6 



82 Gosche, u-issenscha/tl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

liehen Tageslitteratur ausgenutzten Ausgaben vor- derselbe hat das 
Natnrgeschichtliche in einer besonderen Schrift weitergeführt •' ,: 
La-, ,//,', 1;l ■) gibl einige allgemeine Betrachtungen; 8chmarda i0 ) 
erzählt nach eigener Anschauung vom Adamspik, Die Andaman- 
lnseln, deren Durchforschung bis in neuere Zeit ziemlich ver- 
nachlässigt worden war. sind jetzt Dach ihren geographischen und 
ethnographischen Verhältnissen von G.v. Lridrig iQ *\ von Jlantjhton 
and FytcMe 31 ), MaUüte* 1 *), von ostindischen 21d ) und franzö- 
sischen 210 ) Zeitschriften und besonders von Phibrtck 21d ) besprochen 
worden. Auch haben wir dem ersten der Genannten die neuesten 
Nachrichten über die Barren-Insel 22 ) zu verdanken. 

Die indischen Religionen sind von den nach Aussen 
tretenden Lebensformen dieser Völker bei weitem die mächtigsten 
und eigentümlichsten, in ihren letzten Gründen und allmälichen 
Entwicklungen aber auch am schwersten erkennbaren. Einheimische 
Darstellungen werden im besten Falle philosophisch stark inficiert 
sein; noch bedenklicher sind die von Convertiten wie von Gan- 
yuli ri ). Glücklicherweise erlauben die Veden bei den mythischen Ge- 
stalten ziemlich bis auf den letzten elementaren Grund zu gehen, 



519a) Sketches of the natural history of Ceylon with narratives and aneedotes 
illustrative of tlie habits and distinets of tlie mammalia, birds, etc. including 
Et monography of tlie elephant, and a description of the modes of capturing 
and training it. with engravings froni original drawing. By Sir James Emerson 
Tennent. London 1861, 516 S. gr. 8. Vergl. North American Review 1802 
July p. 129 — 138; über das frühere, mehrfach aufgelegte Werk vergl. meinen 
Bericht für 1859—61 nr. 519. 

19b) Legendes et paysages de l'Inde. L'ile de Ceylon, son histoire et ses 
moeurs, par St. R. Lavollie, Revue des deux mondes XXIX (1860) p. 140 f. 

20) L. K. Schmarda, Samanalu, der Adamspik auf Ceylon, Westermann's 
Illustr. Monatsh. 1859 nr. 32. 

20a) Reisebriefe aus Indien. Von G. V. Liebig. 17. Von Calcutta nach 
den Andaman-Inselu, Ausland 1860 nr. 9, 13, 16. 

21) Papers relating to the Aborigines of the Andaman Islands, from 
Captain J. C. Haitghton, and Lieut. Col. Alb. Fgtchie, Journ. of the As. Soc. 
of Bengal 1861 p. 251—267. 

21a) Les iles Andamans. Rar Mallitte, Le Tour du Monde 1860 nr. 6. 

21b) Les iles Andamans, Nouv. Ann. des Voy. 1859, II p. 239 f. — Vergl. 
auch Die Andaman-Inseln im Ausland 1859 nr. 41. 

21c The Andaman Isländers, Journ. of the Indian Archipel. New Ser. 
1859, III p. 105 f. — Vgl. auch Die Andamanen und ihre Bewohner, Zeitschr. 
f. allg. Erdk. Neue F. IX (1860) p. 236 f. und: De Andamanen, Algemeene 
Konst- en Letterbode 1861 p. 317 f. 

21d) Notes on the Andamans. By T. M. Phibrick, Transactions of the 
Bombay Geogr. Soc. XV (1860) p. HO f. 

22) G. v. Liebig, Account of a Visit to Barren Island in March 1858, 
Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX (1860) p. 1 — 10. Vergl. auch Zeitschr. 
für allg. Erdk. N\uc F. IX (1860) p. 154 f. 

23) Life and religiös of the Hindoos; with a sketch of my life and 
experience. By Joga th Clumder Gangooly. Boston, (Lond., Whitfield) 1860, 8. 
67s sll Ver &'- Westm.-Kevicw 1861 T. 19 p. 244 






Gosche, wisaenachafä. Jahresbericht ßlr 1859 bis 1861. 

und die Forschungen begegnen sich Bchon von verschiedenen Seiten, 
um selbst für weitere Kreise in vielen Zügen sichere Gesammt- 
bilder darzustellen 24 ). Ans [neuen Belbsl kommen ans jetzt häufiger 
sanskritische Litteraturerzeugnisse ganz populär ascetischer Rich- 
tung, wie ziini Vishnu-Cultus ein Dialog aber diu -' 5 ) und seine 
Namen nach dem Mahäbhärata 85a ) ; zu drin des i na eine Schrift 
über seine A.vataren 26b ), wie eine kürzere 260 ) und längere 25d ) über 
seine Namen; über die Namen des Gopäla 26 ). über die Sonnen- 
verehrung 25f ) u.s.w. Was man daraus lernen kann, ist zunächst 
das von allen späteren Religionsstufen Gelehrte: Aufopferung eines 
Ursprünglichen gegen die anmerklich sieh umgestaltenden Gesammt- 
anschauungen einer gläubigen Masse. Die europäische vergleichende 
Forschung weiss hier viel mehr von der Urbedeutung des Ge- 
glaubten als die einheimische reberlieferung. So verknüpft Büfder iG ) 
treffend Parjanya und den litauischen Donnergott; die für die sitt- 
lichen Anschauungen des indischen Alterthums so charakteristische 
und darum bereits von Roth, M. Müller und Weber behandelte 
Sage von Cunahcepa hat Streiter 21 ) nach den Handschriften mit- 
getheilt; Gotoell 28 ) giebt vergleichende Bemerkungen über das 
Svayanrvara. Für die sicher ursprünglich mit religiösen Vorstel- 
lungen verknüpfte, nicht aber aus dem Begriffe contraktlicher Zu- 
sammengehörigkeit hervorgegangene Wittwenverbrennung hat man 
in Indien selbst endlich begonnen, Untersuchungen in den alten 



24) Vedic religion (mit Rücksicht auf Wilson's Uebersetzung des Rig, M. 
Miiller's Histoiy of Ancient Sanskrit Lit. , Prmsep's Essays und J. Muir's 
Original Sanskrit Tests), Westminster-Review 1860 T. 17 p. 333— 363. 

25) Pandavagita (Dialog zu Ehren Yishnu's). Bombay 1861, 11 Bll. quer- 
8. Lithogr. (London, Trübner : 1 sh.) 

25a) Vishnusahasranama. (Die tausend Namen Vishnü's aus dem Ma- 
habharata). Bombay 1860, 16 Bll. lang- 4. Lithogr. (London, Trübner: 1 sh.) 

25b) Dasavatarakhandaprasati (die Avataren Yishnu's) von Hanumat. 
Bombay 1860, 19 Bll. lang 4. lithogr. (London, Triibner: l 1 , sh. 

25c) Sivanamavali (Siva's Namen). Bombay 1860, 57 S. lang- 8. (London, 
Trübner: 1 sh.) 

25d) Sivasahasranaraavali (die tausend Namen Siva's). Bombay 1861, 31 
Bll. quer- 8. Lithogr. (London, Triibner: 1 sh.) 

25e) Gopalasahasranama (die tausend Namen Gopala's). Bombay 1861, 
11 Bll. quer- 8. Lithogr. (London, Triibner: 6 d.) 

25f Adityahridaya. (Verehrung der Sonne). Bombay 1859, 23 Bll. lang- 
8. Lithogr. (London, Triibner: 1 sh.) 

26) G. Bühlcr, Zur Mythologie des Rig-Veda. I. Parjanya, Orient und 
Occident von Th. Benfey 1861 p. 214—229. Vorher lieferte derselbe diese 
Untersuchungen in engl. Sprache: On the Hindu God Parjanya. o. 0. u. J. 
14 S. S. 

27) Fr. Streiter. De Sunahsepo, fabula indica ex codieibus mstis edita. 
Dissertatio inaug. Berolini 1861, 45 S. 8. 

28) E. B. Cowell, On the Swayaaivara of the Ancient Hindus, and ita 
traces in the ancient world geuerally, Journ. of As. Soc. of Beugal XXV1I1 
(1859) p. 31—40. 



84 Gosclu, wissenschafÜ, Jahresbericht ^för 1859 bis 1861. 

Büchern anzustellen: so geht der tüchtige Rädkäkänta Deva i2 °) 
auf die Veden zurück. Mehr aber als der Brahmanismns mit allen 
seinen Zügen der Ursprünglichkeit, seinem Reichthum der Formen 
und seiner zuletzt durch Glaubensgefügigkeit der Massen wie durch 
philosophische Bildung einzelner Priester gestützten Berrschaft hat 
der wunderbare Buddhismus die Forschung angeregt : eine Religions- 
form, durch und durch auch für unsre abendländischen Anschauungs- 
weisen lehrreich, klar in ihren Ursprüngen, scharf in ihrem ersten 
Gegensatze zu reicher gegliederten Glaubensformen und darin dem 
Islam nicht unähnlich. Das Leben seines Stifters behandelt nach 
tibetanischer Quelle Foucaux 30 ), nach birmanischer Bigandet* *). 
Die neuen billigen Ausgaben der Handbücher von Spence I[«r<}y' il ) 
werden das Yerständniss des Buddhismus, besonders rücksichtlich 
der Punkte, wo er sich von seiner ursprünglichen individuellen 
Freiheit und Einfachheit am meisten zu entfernen scheint, fordern; 
den ebenso auffälligen als lehrreichen Umschlag in den Lamaismus 
stellt Koppen 32 ) in dem zweiten (und letzten) Bande seines ker- 
nigen Werkes über den Buddhismus dar. Das bedeutsame Werk 
von Wassilfew 33 ), welches schon in seinem russischen Gewände 
das grösste Aufsehn erregt hatte, liegt jetzt, Dank den Bemühungen 
der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften, in einer deutschen 
Uehersetzung des ersten Theiles vor. Barthelemy 8t. Hilaire u ) 



529) Remarks of Raja Raclhahanta Dera, on Art. XI. Journ. Roy. As. 
Soc. Vol. XVI p. 201, with Obsrrvations by Prof. //. //. Wilson, Journal oi" 
the Royal As. Soc. of Great Britain XVII (18G0) p. 2d9 f. 

30) Histoire du Bouddlia Sakyamouni, traduite du Tibetain par Foucavx. 
Paris 1860, 4. (12 fr.) 

30:«) The life of Gaudama, the Budha of the Burmese, with annotations, 
notice of the Phongies on budhist n-ligions and the Ways to Niban by the right 
Rev. 1>. Bigandet. Rangoon 180'.», VIII, 324 u. III S. 8. 

31) R. Spence Hardy, Eastern monaehism, an aecount of the origin, 
laws, diseipline etc. of the order of mendicants founded by Gotama Budha etc. 
London, Williams and NÖrgate 1860, XII u. 444 S. gr. 8. (27 2 %■ ) - Des- 
selben : A mannal of Budhism, in its modern development etc. Ebend. 1860, 
XVI u. 534 S. gr. 8. (27 2 fy. ) Vergl. A. W. in Literar. Centralbl. 18b0 
nr. 40 p. 635 f. 

32) Die Religion des Buddha. Von Carl Fr. Koppen. Bd. 2. (auch 
m. d. T. Die lamaisehe Hierarchie u. Kirche). Berlin, Schneider 1S59, XII 
u. 408 S. gr. 8. (2 2 / 3 Sfy.) Vergl. A. W. im Lit. Centralbl. 1859 nr. 41 p. 
649 f. und Th. Benfey Gott. gel. Anz. 1860 nr. 50—52 p. 496 f. 

33) W. Wassiljew , Der Buddhismus, seine Dogmen, Geschichte und 
Litteratur. Th. 1 : Allgemeine Uebersicht. Aus d. Russ. übersetzt. St. Peters- 
burg u. Leipzig, Voss 1860, XV u. 381 8. gr. 8. (l 2 / 3 fy- ) Vergl. Literar. 
Centralbl. 1860 nr. 37 p. 576; Barthelemy Saint-IIilaire Journal des Sav. 1861 
p. 65 — 77; Journal des Sav. 1860 Aoiit p. 519 und Ausland 1860 nr. 42 — 43. 
Heber den bereits 1857 erschienenen ersten Band des russischen Originals 
yergl. Erman's Archiv für wiss. Kunde von Russland XX (1860) p. 366 — 
387, XXI (1861) p. 1—17 u. 272—287. Vergl. r A. d. DmG. XIV p. 207. 

34) J. Barthelemy St.-Hilaire, Le Bouddha et sa religion. (Les origines 
du Bouddhisme [543 av. J. Ch.]. Le Bouddhisrae dans l'Inde au VUe siecle 



Gosche, wisscnschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 85 

hat seine bei Gelegenheit des Erscheinens dieser Werke angestellten 
Betrachtungen abgeschlossen und als ein anregendes Ganzes zu- 
sammengestellt. Die wirklich tüchtigen Seiten dieser Lehre mehr 
als die Massenhaftigkeit ihrer Bekenner müssen die Aufmerksamkeit 
der christlichen Apologetik erregen, wie dies bei JJr.schnuips 30 ) 
der Fall ist. Zwar sind die mannigfachen Umbildungen des 
Buddhismus noch weit schlimmer als z. B. die Erniedrigung des 
Christenthums in Aethiopien. So tritt er uns in einem Lehrbuche 
aus der Mongolei 36 ) entgegen, in Mittheilungen aus Hinterindien 
und Ceylon 37 ), in Schilderungen aus Sibirien 3y > ; wenngleich seine 
Gliederung in mannigfache Sekten, deren Stanislas Julien 39 ) 
achtzehn aufzählt, eine lebendigere religiöse Bewegung voraus- 
zusetzen scheint. Am weitesten haben sich von den Grund- 
anschauungen desselben fast bis zu eigentümlicher Selbständigkeit 
die Jainas entfernt ; die ersten bestimmteren , besonders in ge- 
schichtlicher Beziehung wichtigen Nachrichten über dieselben ver- 
danken wir A. Weber V 10 ) auch sonst anziehenden Mittheilungen 
aus dem ^atrunjaya mähätmyam nach der einzigen Oxforder Hand- 
schrift. Aus dem reichen Schatze des indischen Aberglaubens 
bringt uns Weber* 1 ) einiges über ein YVürfelorakel und Schief ner 42 ) 
über ein Krähenorakel : hauptsächlich nach tibetisch - buddhistischen 
Quellen. Dass auch an dieser Stelle der alte Ueberall und Nirgends 
nicht fehle, hat man bei den Buddhisten nach den verlornen zehn 



de notre ere. Le Bouddhisme achtel de Ceylan 1858). Paris, Didier 1860, 
XXIV u. 441 S. 8. Vergl. Th. Benfey Gott. gel. Anz. 1860 St. h8 p. 867 f. 
Verg. selion des Yfs einzelne Artikel oben Z. d. DmG. XIV p. "206- 

35) Le Bouddhisme et l'apologetique chretienne par l'abbe A. Deschamps. 
Paris 1860, 8. 

36) Cursus der buddhist. Lehre aus dem Mongolischen übersetzt , in 
Sammlung ethnogr. Schilderungen aus verschiedenen Gegenden Russland's 

1858, IV. 

37) Notes on Buddhism in Ceylon and Siam. Journal ofthe Indian Archipel. 

1859, III p. 140 f. 

38) Nil, By44ii3M"b, pa3MaTpuBaeMWH bL oTHomeHi'ii kT> 

IlOCA*40BaTeAHMl) ero, 06llTaK)IJJlIMb Bb Cll6npil. (Der Buddhis- 
mus im Verhältnis« zu seinen Bekennen in Sibirien). St. Petersburg 1^58, 
VI u. 38fi S. 8. (Leipzig, Brockhaus 3 üfy. ) Vergl.: Der Lamaismus im öst- 
lichen Sibirien, Archiv f. iviss. Kunde v. Russland 1860 p. 51 f. 

39) Listes diverses des noms des dix-huit ecoles schismatiques qui sont 
sorties du Bouddhisme, par Stanislas Julien, Journ. As. 1859, 14 p. 
327-361. 

40) Ueber das Catrunjaya Mähätmyam. Ein Beitrag zur Geschichte der 
Jaina. Von Albrecht Weber (Abhandlungen der Deutschen morgenländ. Ge- 
sellschaft, Bd. I. Nr. 4.) Leipzig, in Comm. bei F. A. Brockhaus 1858, 118 

S. gr. 8. (IV, fy) 

41) A. Weber, Ueber ein indisches Würfel-Orakel, Monatsbericht der Berl. 

Ak. d. Wiss. 1859 p. 158—180. 

42) A. Schiefner, Ueber ein indisches Krähenorakel. (Aus dem Bulletin 
de l'Ac. de St. Petersbourg T. I p. 438 f.), Melanges asiat, IV (1860) p. 1—14. 



36 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für l s .">'.t bis 1861. 

Stämmen gesucht 5 * 8 ). — Das mit dem Glauben zusammenhängende 
Kastenwesen (diesen heftigen Gegner aller fremden Bildung und 
besonders auch der christlichen, welcher der Gewalt des Eisen- 
bahnverkehrs eher erliegen wird als geistigen Mächten) haben 
Patterson* 4 ) und Ochs* 6 ) dargestellt; eine buddhistische Schrift 
darüber von Acvaghosha soll weiterhin bei der indischen Rechts- 
litteratur angeführt werden 45a )5 die Rechtsverhältnisse, sowohl die 
eigentlich indischen als auch die hier stark nuancierten muham- 
medanischen behandeln Macnaghten und Wilson* 6 ), die moham- 
medanischen allein Sadagopah Charlow* 63 ). Von dem hier wie 
in China wenigstens als ein sittliches Adiaphoron auftretenden Kinder- 
morde* 61 ') ist neuerdings wieder die Rede gewesen; 

Allen diesen Dingen treten die verschiedenen Missionen 
mit wahrem und falschem Eifer, mit warmem Glauben und viel- 
getäuschten Hoffnungen, fast immer (was das Schlimmste ist) mit 
einer zur Feindseligkeil gesteigerten Eifersucht entgegen. Das 
grössere Werk von Hough* 1 ), das hierüber vom Standpunkte Eng- 
lands aus berichtet (wie die eben genannte Schrift von Ochs den 
altlutherischen Standpunkt in ihrem Räsonnement über das Kasten- 
wesen gegenüber den Missionen einnimmt), ist bis zu einem fünften 
Bande vorgerückt; in engerem Kreise halten sich die Betrachtangen 
ßtorrow's iS ) und Treoor's * 8 a ), während Kaye* 9 ) das indische 



543) The lost tribes and the Saxons of tlie East and of the West, with 
new views of Buddhism, and translations of rock-records in India. By George 
Moore. London, Longman & Co. 1861, IX u. 423 S. gr. 8. (12 sh.) Vergl. 
Westm.-Review 1861, T. 19 p. 531. 

44) Caste considered under its moral, social and rcligious aspects. By 
A. J. Patterson. London, Smith and Kider 1861. 8. Vergl. Westm.-Rcvie? 
1861 T. 20 p. 567. 

45) Die Kaste in Ostindien und die Geschichte derselben in der alten 
lutherischen Mission. Von C. Ochs. Rostock, Leopold 1860, IV u. 84 S. gr. 
8. (8 Jfy) 

45a) Vergl. nuten nr. 653k. 

46) William Hay Macnaghten, Principles of Hindu and Mohammadan law, 
republished from the principles and precedents of the same, edited by //. //. 
Wilson. London, Williams and Norgate 1860, XXXII u. 240 S. 8." (2 ^ ) 
Vergl. Literar. Centralld. 1860 nr. 37 \>. öS-1 u. Ewald in Oött. gel. Anz. 1860 
nr. 168 p. 1678 f. 

46a) A manual of Mohamadan Civil Law. By I". Sadagopah Charlow, 
Pleader in the Sadar Court. 2nd edition. Madras 1861. 68 S. 12. (London, 
Trübner: 3'/ 2 sh.) 

46b) De l'infanticide dans l'Inde. Par 11. de Froidefond des Farges, 
Nouv. Ann. des Voy. 1859, II p. 366 f. 

47) James Hough, The history of christianity in India. from the oom- 
mencemenl of the Christian era. Edited by liis son, the 1C<% . l\ Cr. V. Hough, 
Vol. V. London 1860, 690 S. 8. 

48) /'•■ Störrow, India. and Christian Missions. London, Snow 1859, 126 
S. 8. (2% sh.) 

48a) India. its natives and missions. By G. Trcvor. London, Religious 
Tract Soc. 1860, 12. (3 sh.) 



Gosche, wuaenscha/tl. Jahresbericht für 1859 bis L861. 87 

Christenthum in seiner geschichtlichen Entwicklung überschaut ; 
durch eine seltene klare Aufrichtigkeit zeichnet sich Qraul 60 ) aus, 
von welchem wir einige kurze Mittheilungen erhalten. Wie sich 
nun einmal die britische Herrschaft in Ostindien vorwiegend auf 
praktischen Gewinn gerichtet hatte, ganz im Gegensatz zu dem 
romantischen Katholicismus , der im Geleit der spanischen Coloni- 
sation Amerika's war, musste sich hier bald ein Widerspruch mit 
den idealen Forderungen einer christlichen Mission herausstellen, 
welchen die jüngste Revolutionsgeschichte noch steigerte-, daher 
erörtert KtngsmiU 61 ) das Ycrhältniss der englischen Macht zum 
Christenthum , und ein unter muhammedanischem Namen versteckter 
frischer Europäer 52 j wirft ebenfalls dahin gehende Fragen auf. 
Unter den Missionsstationen steht, auch durch ihre früheren wissen- 
schaftlichen Leistungen, die von Serampore in erster Linie; ihre 
Blütezeit tritt uns in den von Marshman 53 ) erzählten Biographien 
einiger ihrer Hauptträger entgegen. Calcutta charakterisiert sich 
nach dieser Seite einigermassen in Bischof Wilsons 54 ) Leben ; 
auch über die durch ihre militärische Bedeutung gesicherte Station 
Fattehgarh 55 ) wird berichtet. Die Missionsschulen schildert 117/- 
Jer 56 ), das Erziehuugswesen Arnold 61 ). Den für die Schicksale 
der Mission so bedenklichen Gegensatz der indischen Philosophie 
fasst in einem sanskrit und englisch geschriebenen Werke Bal- 
lantyne 58 ) auf, der sich auch in diesem Sinne an die Bearbeitung 



49) J. W. Kaye, Christianity in India: an historical narrative. London 
1859, 536 S. 3. Vergl. Westm.-Review 1859 T. 15 p. 576 f. 

50) Dr. Graul, Ueber das Missionswesen in Indien, Peterraann's Geogr. 
Mitth. 1859 p. 30-4—305. 

51) Jos. Kingsmül, British Rule and British Christianity in India. Lon- 
don 1859, 350 S. 8. 

52) Cm the Christian duty of the British governmeut in India. Addressed 
to the Right Hon. **** by Abd ol-Wahid (W. Nassau Lees ?) London, 
Williams and Norgatc 1859, 22 S. 8. Vergl. Westm. -Review 1859 T. 15 

p. 579. 

53) J. Clark Marshman, The life and times of Carey, Marshman, and 
Ward: embracing the history of the Serampore Mission. Vol. 1. 2. London 
1859, 1030 S. 8. Vergl. Biernatzki in Gott. gel. Anz. 1859 nr. 137—139 
p. 1361 f. 

54) Life of the Right Rev. D. Wilson , D. D., Late Lord Bishop of 
Calcutta and Metropolitan of India ; with Extracts from bis Journals and 
correspondenee. By Jos. Batcman. Vol. 1. 2. (m. Kk.) London 1860, 8. 

55) J. Johnston Walsh . A memorial of the Fattehgarh Mission and 
her martyred missionaries, with some remarks on the mutiny in 'India. Phila- 
delphia 1859, 338 S. 8. 

56 Missions schools in India of the American Board of Commissionars 
for foreign Missions. By R. G. Wilder. New-York 1861. 432 S. 8. 

57) Education in India. A letter from the Ex-Principal of au Indian 
Government College to bis appointed Successor. By Edward Arnold Lon- 
don, Bell and Daldy 1860, 8. Vergl. YVestm.-Review 1S61 T. 20 p. 249. 

58) James R. Ballantyne, Christianity contrasted with Hindu philosophy : 
an essay, in five books, Sanskrit and Euglish ; with practical suggestions teudered 



gg Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht för 1859 bis 1801 . 

der heiligen Schrift gemacht hat 550 -, es ist bekannt, wie sich in 
ihm philologische Tüchtigkeil und philosophische Energie verbinden. 
Sprache und Litteratur des Sanskrit finden dauernd 
wissenschaftliche Pflege, in mein- geschlossener grossartig metho- 
discher Weise als irgend ein anderes Gebiet der orientalischen 
Wissenschaften. Hclnreizcr {U) ) und Christ 61 ) handeln von der 
Bedeutung dieser Studien für die sich exdush so nennende Phi- 
lologie und von dem Zusammenhange zwischen beiden; schlimm 
genug, dass dieses Thema überhaupt noch als ein zu erörterndes 
angesehen werden kann, nachdem bereits die tiefgehendsten Ein- 
wirkungen von der Sanskritphilologie ausgeübt worden sind und 
der offizielle, daher gewiss nicht leichtsinnige Stil unserer jährlichen 
Wanderversammlungen die Orientalisten rundweg als Philoli 
anerkannt hat. Charakteristisch würdigt dagegen «1er Engländer 
Monier Williams 62 ) das Sanskrit nach seiner Bedeutung für die 
Mission. Eine nicht unwichtige Frage ist, bei der Massenhaftigkeil 
des noch herauszuschaffenden Materials und bei dem Widerstreben 
\ieler Lernenden gegen fremde Schriftformen, die Alphabetfrage: 
wie wohl das an und für sich systematisch schöne, aber nicht ge- 
ringen Raum beanspruchende Devanägari am praktischsten und 
sicheisten umschrieben werden könne V Man kann sagen, dass 
hier die strenge Consequenz eines systematischen Scharfsinns bei 
Lepsius und die liebenswürdige, dabei den Lauten doch gerechte 
Bequemlichkeit dev Umschreibung bei Biockhaits einander gegen- 
über stehen. Nach mancherlei lebhaft in England und Indien 
selbst debattierten Versuchen fasst sie Monier Williams 63 ) wieder in 
ihrer Bedeutung für die indischen Sprachen überhaupt auf, während 
der französische Baron Guerrier <le Dumast 6i ) sich sehr sorgsam 



to the Missionary among the Hindus. London 1859, 270 S. 8. Vergl. Journ. 
dos S.iv. 1861 Dpc. p. 783.n.Th. HonfVy Gott, gel Anz. 1860 nr. 2'» p. 196 f. 
559) The Bible for the Pandits. (Specimen fasciculus). The first tfiree 
chapters of Genesis diffusely and unreservedly commented in Sanskrit and 
English , by James R. Ballantyne. London. Madden ; Benares, Lazarus 
186«), 8. Vergl. Westm.-Review 1861 T. 19 p. 243. 

60) Die Bedeutung der indischen Studien, Ein academ. Vortrag von Prof. 
Heinr. Schweizer, Neues Schweizerisches Museum I 1861, 8.) p. 269— l 1 -!'. 

lil 11'////. Christ, Von der Bedeutung der Sanskritstudien für die griechi- 
sche Philologie. Festrede, gehalten in der ölT. Sitzung der k. Ak der Wiss. 
in München zur Feier ihres 101. Stiftungstages am 28 März 1860- München, 
Franz L860, 20 S. 4. (8 J@r). Vergl. Litterar. Centralbl. 1861 nr. 4 p. 60. 

62 Monier Williams, The study of Sanskrit in relation to missionary 
work in India ; an inaugural lecture delivered before the university of Oxford, 
on April 19, LS61. Witt) notes and additions. London, Williams and Norgate, 
Oxford: Parker 1^61, 61 S. 8. 

63) Original Papers illustrating the history of the application of the 
Koman alphabel to the languages o( India. Edited by Monier Williams. 
London 1859, XIX u. l'76 8. 8. Vergl. die treffliche Anzeige von Brockhaus 
in Z. d. HmC. XIV (1860 p 758 f. 

6-1 Dt? Alphabets europeens appliques au Sanserit, ou recherche du 



Gosche . wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 30 

auf das Sanskrit beschränkt hat. Eine der frühesten, trotz aller 
Schwierigkeiten ziemlich consequenten und daher ziemlich zuvor- 
lässigen Umschreihungsmethoden war die chinesische, um deren 
durchgeführte Erkenntniss Stamalas Julien Bfl ) Bich grosse Verdienste 
erworben und welche Reinaud bei seinen indischen Forschungen 
mit grossem Erfolge verwendet hat. Die Behandlung der Sprache 
selbst, welche in der weiterhin zu besprechenden nationalen 
Grammatik bereits früh mit grosser Sorgfalt gefördert war, hat 
in einem sehr geschickt gearbeiteten Werke Oppert 96 ) weiter- 
geführt; Bopp's 66 *) Lehrbuch, als dessen Schüler wir Festländer 
uns ziemlich alle gern bekennen werden, ist in eine zweite (genau 
genommen bei Mitzählung der ausführlicheren Fassungen von 1827 
und 1832 vierte) Bearbeitung eingetreten: gern hätte man diesmal 
ein Capitel zur Orientierung über Gebiet und Geschichte der alt- 
indischen Sprache vorausgeschickt gesehen. Ein ganz praktisches 
Lehrbuch haben Burnouf und Leiqwl 61 ) zusammengestellt ; Rodet 68 ) 
ein kurzes Compendium geliefert; Monier Williams bereitet ein 
Handbuch mit Textstücken vor. Der nun beendigten Bearbeitung 
des Rikpräticäkbya durch Regnter 69 ) ist ihrer hohen Bedeutung 
wegen schon das letzte Mal gedacht worden; in Indien hat Anu- 



meilleur mode de vulgarisation de la langue et de la litterature classique de 
l'Inde ancienne ; par im des membres fondateurs de la Soc. As. (le Baron 
Guerrier de Damast.) Annexe au Journ. As. Nancy et Paris 1&60. CVI1I S. 
8. Vergl. Lancereau im Journ. Asiat. 1861 T. 17 p. 97 f. u. p. 469 f. 

65) Methode pour dechiffrer et transcrire les noms sanscrits qui se 
rencontrent dans les livres chinois, inventee et demontree par Stauislas Julien. 
Paris, lmpr. imper. 1861, VI u. 235 S. 8. Vergl. Journ. As. 1861, T. 17 p. 
101 f. und Barthelemy Saint-Hilaire 1861 p. 307—320, 364—376. Vergl. 
oben nr. 441. 

66) Jul. Oppert, Grammaire sanscrite. Berlin, Springer 1859, X u. 234 
S. 8. (2V 4 fy-)- Vergl. A. W. im Literar. Centralbl. 1859 nr. 34 p. 544 f. 

66a) Kürzere Grammatik der Sanskritspraehe von Franz Bopp. 2. Ausg. 
1. Hälfte. Berlin. Dümmler 1861, 192 S gr. 8. (n. 17s -^ )• 

67) Prospectus d'un ouvrage intitule Methode pour etudier la langue 
sanscrite, par E. Burnouf et L. Leupol. Nancy 1859, 8. Methode pour 
etudier la langue sanscrite, ouvrage compose sur le plan de la methode grecque 
et de la methode latine de .1. L Burnouf ... par Em. Burnouf, et L. Leupol. 
Nancy, Vagner; Paris, Duprat 1859, XI u. 182 S. 8. m. 8 lithogr. Tff. 

68) Leon Rodet. Grammaire abregee de la langue sanscrite. Paris 1859 — 
60, 171 S. 8. 

69) Etüde sur la grammaire Vedique. Präticäihya du Rigveda. (2ieme 
lect. ou chap. VII ä XII et 3ieme lect. ou chap. XIH ä XVIII) Par M. Ad. 
Regmer. Paris, Imprimerie Imperiale 1858—59, 8 (Extr. du Journ. As.) 
Vergl. Schweizer-Sidler in Beiträgen zur vergl. Sprachforschung von Kuhn und 
Schleicher II (1859) p. 247 f. A. W. im Lit. Centralbl. 185S nr. 34 p. 543 
f. Desgleichen setzt Barthelemy Saint-Hilaire mit Anknüpfung an die Werke 
von M. Müller, Regmer und A. "Weber seine Betrachtungen über vedische 
Sprachwissenschaft fort, Journ. des Sav. 1859 p. 232—244, 348—360. Vergl. 
oben Z. d. DmG. XIV p. 211 f. 

70) SärasvatI prakriyä von Anubhutisvarnpacarya. Bombay 1783 (1861). 



90 Gosche, wieaenschaftl. Jahresbericht fä/r 1859 bis 1861< 

bhütisvarüpäcärya 57C \) ein vollständiges System der Sanskritgrammatik, 
natürlich nach Pänini, bengalisch verfasst; auch ein kleines Ele- 
mentarbuch ist in dieser Sprache erschienen VOa ). Sprachliche 
Einzelheiten hüben BoUensen' 11 ) und Aufrecht''*) erörtert. 

Der Lexikographie kommt der in seinen Erfolgen ungleiche 
Wettkampf der Arbeiten von Goldstücker und von Bcehtlingk-Roth 
zu Gute. Des ersteren Wörterbuch ist bis zum vierten Hefte vor- 
gerückt 73 ) und giebt, je weiter von der Einfachheit des ursprüng- 
lichen Planes sich entfernend , um so wichtigere selbständige 
Beitrage zur Kenntniss des indischen Sprachgebrauchs aus des 
Herausgebers besonderen Studien, so dass endlich doch noch eine 
kürzere Fassung der Arbeit nöthig sein wird, um dem Verlangen 
nach einer compendiöseren Darstellung des Sanskritwortschatzes 
in Wilsons Weise zu genügen. Diejenigen, welche nur aus der 
Ferne den Gang unserer Studien beobachten, mögen sich weder 
durch die zu Goldstücker' 's Wörterbuch gegebenen Zusätze und 
Berichtigungen von Fitz-Edward Hau" 14 ) und A. Weber' is ) i noch 
am allerwenigsten durch die Aeusserungen eines sehr gesteigerten, 
wissenschaftliche Klarheit und Gerechtigkeit scheinbar gefährdenden 
Selbstbewusstseins bei dein Verfasser verleiten lassen dessen Ar- 
beiten zu unterschätzen. Von dem durch zahlreiche Beiträge ver- 
schiedener in den besondersten Richtungen der Sanskritlitteratur 
arbeitender Gelehrten geförderten und durch BoehÜingk und Roth 
mit imponierender Gleichmässigkeit ausgeführten Sanskritwörterbuch 
der St. Petersburger Akademie 7G ) liegen der zweite und dritte Band 
vollständig vor. Auch dieses Wörterbuch, welches alle anderen 
Arbeiten auf dem Gebiete orientalischer Lexikographie (auch die 
immer noch zum Schaden der Wissenschaft auf die Bücher des 



L39 »• 2 1311. quer- 8. Lithogr. (London, Trübner 7 sh 6 d.) Vergl. A. 
Weber in Z. d. DmG. XIX, 322. 

570a) Sanskrit Primer. Translated from the Departinental English Primer 
l>v Yadneshvara Chimnaji Shaslri of Surat. Bombay 1861, 42 S. 12. 
(London, Trübner 1 sh.) 

71) Ueber die Aufhebung der Sperrung (Position) vor Doppelconsonanten 
im Indischen. Von Fr. BoUensen, Z. d. DmG. XIV p. 201 -293. 

72) Th. Aufrecht, Ueber Bedeutung und Form von Svavän, Z. d. DmG. 
Xlll (1859) P . 499—501. 

73) Theod. Goldstücker, A dictionary, Sanskrit and English, extended 
and improved from the 2nd edition of the dictionary of H. H. Wilson, with 
his sanetion and coneurrence; together with a Supplement, grammatical 
appendices and an index, serving as an English-Sanskrit vocabulary. Part •_'. 
3, 4. Berlin, Asher 1859-60, S. 81-320. 4. (ä. 2 fy) 

74) Fitz- Edward Hall, A few remarks on the first fasciculus of Professor 
Wilson's Sanskrit Dictionary, as „extended and improved" by Dr. Goldstücker, 
Journ. of the As. Soc. of Bengal XXVII (1858) p. 301—308. 

75) Vergl. A. Weber in Z. d. DmG. XIV (1860) p. 754 f. 

76) Sanskrit Wörterbuch, von Otto BoehÜingk und Rudolph Roth. Bd. 
11 u. III. St, Petersburg 1859—61, 1100 u. 1016 Spalten. 4. 



Gosche, wissenscha/tl. Jahresbericht filr 1859 bis 1861. 91 

Alten Testaments beschränkten hebräischen "Wörterbücher) hinter sich 
lässt, gestattet nach der Natur des Gegenstandes Xu-ätze und Ver- 
besserungen; so bringt GotoeR 11 ) eine Notiz ober das Vorkommen 
des Wortes dambara bei Bhavabüti und insonderheit JJcnfcy 1 *) 
eine Reihe der werthvöllsten Bemerkungen. Monier Williams 
beabsichtigt ein praktisches Lexikon mit lateinischer Umschreibung 
der Sanskritwörter. In Indien ist ein Supplementband des grossen 
Qabdakalpadruma 78a ), geziert mit dem interessantes photographischen 
Bildnisse seines Verfassers, erschienen; auch liegt in einem ersten 
Hefte der Anfang einer neuen vermehrten und verbesserten Aus- 
gabe des (tanzen vor. In Indien hat ausserdem Girigcandra 
Vidyäratna^V) ein Sanskrit -bengalisches Wörterbuch geliefert-, 
in denselben beiden Sprachen ist ein Wurzelverzeichniss gedruckt 780 ) 
worden-, Schiefner"' ) endlich hat uns aus dein buddhistischen Cultur- 
kreise eine merkwürdige Triglotte zugeführt. 

Für die Sammlung altindischer Litter aturdenkmäl er hat 
die bengalisch -asiatische Gesellschaft durch Gründung einer neuen 
Serie der Bibliotheca indica 79 *) uns Europäern gleichsam eine neue 
Quelle geöffnet; überhaupt ist in Indien selbst ein regerer Eifer 
erwacht so ) ; die Pressen von Madras und Labore liefern zahlreiche, 
zum Theil beachtenswerthe Drucke, die uns leider meistens kaum 
von ferne bekannt werden; in Puna wirkt M. Haue/ 81 ) für indische 
und indisch-parsische Litteratur mit glücklicher Energie. Das Be- 
dtirfniss , die mannigfaltigen Litteraturdenkmäler ihrem geschicht- 
lichen Zusammenhange nach zu übersehen wird immer lebendiger 
und um so dringender, je weniger chronologische Anhaltepunkte 



77: Cf. Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX (1800) p. 201. 

78 Vergl im Gott. gel. Anz. 1860 nr. 73—76 j>. 7lT) f. 

78a) Cabdakalpadrumaparicishtah arthat svaprakäcita Qabdakalpadrumiya 
sapta kändäsankalita cabda tadartha etc. Supplement zum Qabdakalpadrnma 
von Cri-jiäjarädhäkänta Balladur). Calcutta, Qaka 1774 (1857J XVIII u. 
1396 S. gr. 4. m. photogr. Portr. des Verf. 

78b Sabda-sara (Sanskrit- Bengalisches Wörterbuch) von Giriccdndra 
Vidyäratna. Calcutta 1860, 228 S. 8. (London, JTrüber ,8 sh.). Ein um- 
fassenderes Werk gleicher Art giebt es von Shama Ourn Catterjea. 
, 78c) Kavikalpadruma (Sanskrit-Wurzeln mit bengalischer Erklärung) von 
Candramohan Siddhantabagish. Calcutta 1860, 166 S. 8. (7 sh. 6 d.) 

79 Buddhistische Triglotte, d. h. Sanskrit- tibetisch- mongolisches Wörter- 
verzeichniss, gedruckt mit dem aus dem Nachlass des Barons Schilling von 
Canstadt stammenden llolztafeln, und mit einem kurzen Vorwort versehen 
von Ant. Schiefner. St. Petersburg (Leipzig, Voss) 1859. Vergl. Stanislas 
Julien im Journ. As. 1860 T. 15 p. 265— 269. 

79a) Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX 1861) p. 54 f. 

80) Xeucs aus Calcutta Nachtrag zu Gildemeistcrs Biblioth. Sanscrita u. 
zu Long's Catalogue of Bengali works). Von A. Weber. Z. d. DmG. XIV 

(1860) p. 564-568. 

81) Vergl. dessen Briefe an Prof. Brockhaus in Z. d. DmG. XIV (1860/ 
p. 557. 



92 Gosche, wisseruchaßl Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

sich dem ersten Blick darbieten. A. Webers 68 *) indische Literatur- 
geschichte hat daher bereits einen französischen Uebersetzer ge- 
funden, obgleich sie bei ihrer Richtung weniger auf ein Gesammt- 
bild als vielmehr auf das Erforschenswerthe den französischen 
Esprit im Allgemeinen eben nicht befriedigen maj,'. In der Be- 
schränkung auf die älteren Perioden und unter gleichmassiger An- 
wendung fein durchgebildeter philologischer wie ästhetischer Grund- 
sätze hat M. Müller 88 ) in seiner rasch neu aufgelegten indischen 
Literaturgeschichte eine fesselnde, alle Fragen der vergleichenden 
Litteraturwissenschaft feinsinnig aber die Grenzen der Sanskrit- 
Philologie für ein aufmerksames Auge verfolgende Darstellung ge- 
geben; zugleich mit mannigfachen neuen Ergebnissen für dievedische 
Epoche. Ganz allgemeiner Art, ohne concrete Bedeutung, sind 
Enault's 8 *) Betrachtungen. Ein sehr wichtiger Punkt für die 
Würdigung der altindischen Litteraturverhältnisse i^t die Schrift- 
frage, aber in der empfindlichsten Weise von dem nationalen 
Mangel eines Sinnes für geschichtliche Data berührt. Da Angaben 
nicht allein, wie mehr oder weniger überall, für den Ursprung, 
Mindern auch sogar für den Fortgang und die Verbreitung der 
Schrift fehlen , wie sich aus den sorgfältigen Untersuchungen von 
Max Müller 86 ) und BoehÜingh 88 ) ergiebt: so wird irgend eine 
annähernde Entscheidung nur nach Analogien getroffen werden 
können. Mau wird, nicht in Bezug auf das Schriftprincip , wohl 
aber in Bezug auf das Verhältniss der Schrift zur Cultur überhaupt, 
am bequemsten ein litterarisch hewegtes und interessiertes Priester- 
volk, wie die Aegypter, vergleichen. Bei ihnen finden wir trotz 
aller lüiNtengegensätze von dem Augenblicke an, da wir überhaupt 
Schrift angewendet sehen, die allgemeinste Anwendung derselben 
für Lebendige und Todte. Daher versteht sich nicht leicht, welches 



582) Histoire de la litterature indienne par A. Weber, trad. de 

l'AUemand, par Al/'r. Sadous. Pnris, Durand 1855% IX u. 495 S. 8. Vergl. 
Journ. des Sav. 1859 p. 321 und Westm.-Review 1859 T. 16 p. 310 f. 

83) A history of ancient Sanskrit Literature, so far as it illustrates tlie 
primitive religion of the Brahmans. By Max Mittler. London Williams and 
Norgate 1859, XIX u. C>07 S gr. 8. (£ 1. 1 sh. . Vergl. A. W. in Literar. 
Centralbl. 1859 dt. 46 p. 7:!.") f. Westm.-Review 1860 T. 17 p, 275 f. besonders p. 
333 f. Edinburgh Review 1860, 112 p. 361—385. Benfey Gott. gel. Anz. 1860 nr. 
26 — 28 p. 260 f. und Bartbilemy Saint-Hilaire im Journ. des Sav. 1860 Aoül 
p. 157—470, Sept. p. 541—551, Oct.p. 611—625, Dec. p. 74;»- 762 u. 1861 
l'.'vr. p. 47 — 60. — üeber die bereits 1860 erschienene zweite Ausgabe vergl. 
Westm.-Review 18(51 T. 20 p. 234. 

84) L. Enault, De la litterature des Hindons. Paris 1860, 137 S. 8. 
Vergl. Journ. des Sav. 1860 Oct. p. 652. 

85) Max Mütter, On tlie [ntrodnction of Writing into India, Journal of 
tlie As. Soc. of Bengal XXVIII (1859) p. 136—15."). 

86) O. Boehtlingk, Hin Paar Worte zur Frage über das Alter der Schrift 
in Indien. (Aus dem Bulletin de. l'Ac. de St. Petersbourg T. I p. 347 f.) 
Melanges asiat. III (1859 p 715 721 



Gosche, tßissenscha/tl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 93 

Anskunftsmittel scharfsinnig BoehÜingk vorschlägt, wie etwa in 
[ndien die Schritt wohl zur Abfassung von Litteraturwerken, nicht 
aber zur Verbreitung hätte, dienen sollen. Solcher Unterschied oder 
vielmehr solches Masshalten könnte schwer durchgeführt werden, 
dazu ist die Schrift, wie Max Müller schön bemerkt hat, zu re- 
volutionär. Wenn wir bemerken, dass wir die ersten sichern 
Nachrichten über Schriftgebrauch Nicht-Indern verdanken, so werden 
wir auch liier das Sanskrit-Volk, wie bei andern epochemachenden 
Thatsachen eines schwachen historischen Sinnes anklagen müssen, 
der die Schrift in ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung nicht ver- 
stand. Wie merkwürdige geschichtliche Zustände sich sonst trotz- 
dem ermitteln lassen, seilen wir aus den trefflichen Textsammlungen 
und Textbearbeitungen von Muir 87 ), von welchem wir einen zweiten 
und dritten Band erhalten. 

In die heilige Litter atur, auch Puränas und Philosophie 
eingeschlossen, sucht Wr/'<j/iteo)i ss ) einzuführen; auch das Aus- 
land 85 ') bringt gelegentlich kundige über die Veden orientierende 
Artikel. Einheimische, diese Litteraturgruppe einleitende oder er- 
läuternde Schriften, welche reich an sprachlichen, mythologischen 
und kulturgeschichtlichen Daten sind, führt mit anerkennenswerther 
Entsagung auf durchweg nur interessantes Material A. Weber fort 
zu bearbeiten ; in seinen Zusammenstellungen zu den Omina und 
Portenta 80 ) wird die vergleichende Mythologie und Sittenlehre an- 
ziehende Punkte finden 91 ). Eine sehr praktische und sorgfältige 



87) Original Sanskrit Texts on the origin and history of the people of 
India, their religioi: and institutions. Collected, translated into English , and 
illustrated by remarks. Chiefly for the use of students and others in India. 
By J. Muir. Part 2nd. The Trans - Himalayan origin of the Hindus, and 
their afl'mity with the Western branches of the Aiian race. Part 3rd. The 
Vedas, opiuions of their authors and of later indian writers, in regard to their 
origin, Inspiration and authority. London 1860 61, XXVI, 49.") und XXVII, 
240 S. 8. Index to Vol. 1 u." 2. Compiled by G. B. ebend. 1861, 8. Vergl. 
über Th. II A. W. in Literar. Centralbl. 1860 nr. 51 p. 81!» f. und Benfey 
Gütr. gel. Anz. 18G1 nr. 4 p. 129 f. 

88) An introduetory essay on Sanscrit Hagiographa : or, the sacred literature 
of the Hindus. In two parts. Part I. The philosophy of the Hindus. Part 
II. The Veda and Puranas. With apprndix and notes. By the Rev. R. 

Wrightson. Dublin 1859, 265 S. 12. Vergi. Westm.-ßeview 1860 T. 18 
p. 240. 

89) Die Veden. Ausland 18G0 nr. 50 52 und 1881 nr. 2- 

90) Zwei vedisehe Texte über Omina und Portenta. 1. Das Adbhuta- 
bräliinana des Sämaveda. 2. Der Adbhutädyaya des Kaucikasütra. Von Älbr. 
Weber. [Aus den Abhh. der Kgl. Ak. der Wiss. zu Berlin 1858]. Berlin. 
Diimmler 1859, 100 8. 4. (1 ^. ) Vergl. A. K. im Liter. Centralbl. 
1859 nr. 39 p. 622 f. und Journ. of the As. Soe. of Bengal XXVIII (1859) 
p. 503 f. 

91) Das möge hier ausdrücklich erwähnt sein, da die vergleichende Mytho- 
logie sich leicht sicheres Material schaffen kann durch Zusammenstellung des 
theils litterarisch theils traditioneil bezeugten Aberglaubens und der damit zu- 



94 Gosche, Wissenschaft/. Jahresbericht für 1859 bis 18G1. 

Ausgabe des R ig veda hat Aufrecht 592 ) begonnen, umso wichtiger 
für den Handgebrauch, als die kleinere Ausgabe M. Math, -'s leider 
nicht zu Ende geführt worden ist. Die übrigen Theile der Wil- 
«m'schen Uebersetzung (Th. -1 bis 6) wird Bcdlantyne heraus- 
geben; eine deutsche, von der Tradition emanzipierte, durch ihre 
Anmerkungen und Ausläute ausgezeichnete hat Jje/ifa/ '■'■■ he-i.mien; 
Aufrecht di ) das charakteristische Lied X, 108 sanskrit und deutsch 
hen; in einem Programm Samuel Csecsekta 96 ) einige Hymnen 
mitgetheilt. Cowell und Röer 96 ) haben eine Ausgabe der Sanhitä 
des schwarzen Yajur Veda mit dem Commentar von Mädhava 
Acärya begonnen, dieselben ebenso eine der Taittirlya Sanhitä 97 : 
in dem Vorhaben einer Veröffentlichung des Aitareya Brahmanam 
begegnen sich Regnier in Paris und II<nt<j in Puna 98 ), welches 
der erstere mit Sayana's Commentar, der andere nach drei Hand- 
schriften geben will. Aus der wichtigen Gruppe der Qpanishad 
bereitet Cowell") die Kaüshltaki - Upanishad mit Qankarananda's 
Commentar zur Ausgabe vor; Ballantyne 600 ) Lässl die Sütra's des 
Cändilya mit Commentar drucken; Fitz -Edward Hau 1 ) gibt ein 
vedisches Khila, das Qrlsukta. Zur Puräna-Litteratur ist in Indien 
selbst manches veröffentlicht worden. Das wichtige, bisher auch 
bekannteste Bhägavata-Puräna ist vollständig mit, Qridharasvämin's 
Commentar erschienen 13 ), ebenso ein Auszug des Ganzen 10 ) und 



Sammenhängenden Gebräuche ; dann wird man atteh auf die Grundzüge einer 
vergleichenden Sittenlehre gelangen. 

592) Die Hymnen des Rigvedä. Herausgegeben von Theod. Aufrecht. 
Th. 1. (Indische Studien .... herausgegeben von .1. Weber. Md. 6.) Merlin, 
Dümmler 1861, 463 8. gr. 8. (n. 4 #) 

93) Th. Benfey, [Jehersetzung des Rigveda Hymnus 1 — 35, 36 -57) 
Orient und Occident 1861 p. 9—54, 385— 420. 

94) Th. Aufrecht, Saramä's Botschaft, Z. d. DmG. XIII '1859) p. 
493—499. 

95) In dem Posener ev. Schulprogramm vom J. 1860. 8. 

96) ISibliothcca Indica; a collection of oriental works puhlished under the 
superintendence of the Asiatic Society of Bengal. — The Sanhitä of the Black 
Yajur Veda, with the commentary of Mddhava Acli&rya. Bdited by /'. Roer 
anil E. B. Cowell. Vol I. Kanda I. Prapäthakas I.— VII. Calcutta: Printed 
by C. B. Lewis 1860, IV u. 1076 S. gr. 8. 

97) Vergl. Z. d. DmG. XV (1861) p. 140. Fertig nr. 9, 10 u. 11. 

98) Vergl. Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX (1860) p. 393. 

99) Vergl. Journ. of the As. Soc. of Bengal 1861 p. 161. 

600) Vergl. Z. d. DmG. XV (1861) p. 140 und Journ. of the As. Soc. of 
Bengal XXIX (1860) p. 209. 

1) The Srf-sukta, or Litany to Fortune; tezt and commentary, with 
translation by Fitz-Etäward Hall, Journ. of the As. Soc. of Bengal XXVIII 
(1859) p. 121-135. 

la) Bhägavata-Puräna mit dem Commentar des CrTdharasvämin heraus- 
gegeben von Mahadeva und Xetramkara. Cäliväh 1 17sl' L860)j 13 u. 836 Bll. 
quer- 8. (London, Trübner 42 sh.) Vergl. A. Weber in der Z. d. DmG. 
XVII, 778 f. 



Gosche , wissfiusclittftl. Jahresbericht fibr 1859 bü 1861. 95 

des sechsten Bnches lc ) und einzelne Verse 1 ' 1 ): feiner ein Theil 
des Brahmända-Puräna mit dem Setu-Commentar le ); ein Stück des 
lirihannärävana- Puräna 1! ); das Linga - Puräna mit dem Commentar 
von Ganeca l ) ; Banerjea*) hat das Markandeya-Puräna fortgesetzt, 
aus welchem Riickert*) eine Sage bearbeitet; endlich Bind noch 
Stücke des Padma-Puräna 8a ) zu erwähnen. 

Die unter den \ediselien Studien stark vernachlässigte epische 
Litteratur hat Wichhoff 4 ') nach ihrer ästhetisch -litterarhistorischen 
Seite darzustellen versucht, während kritische und realistische Unter- 
suchungen dringlicher wären. Hippolyte Fauche wird eine voll- 
ständige üebersetzung dv> Mahäbhärata in zwölf Bänden geben 
und damit einen alten Plan Goldstücker's kreuzen. Die in das 
grosse Epos irrthümlich gerathene Bhagavadgitä wird, wahrschein- 
lich weil es bald nach dem Beginn der europäischen Sanskritstudien 
eine gute lateinische Üebersetzung davon gab, mit einer fast er- 
müdenden Aufmerksamkeit behandelt ; wir meinen nicht die indische 
Ausgabe mit Qridharasvämin's 4a ) oder auch mit einem mahrattischeu 



lb) Bhagavata Curnika. (Auszug des Bhägavata Puräua). Bombay 1861 
quer 4. Lithogr. (London, Trübner 14 sh.) 

lc) Narayanävarman. Auszug aus dem 6ten Buche des Bhägavata 
Puräna). Bombay 1860, 6 BU. quer- 8. Lithogr. (London, Trübner 6 d.) 

ld) (Jatuhslokäbhagavata. (Sieben Slokas aus dem Bhagavata Purana). 
Bombay 1860, 4 Bit. quer 8. Lithogr. (London, Trübner 2 d.) 

le) Adhyatmarämayanam mit dem Commentar des Ramavarman in 
sieben Kända's. Puna 1782 (1860), 28, 30, 24, 25, 15, 46 u. 33 Bll. quer 
8. Lithogr. (London, Trübner 18 sh.) Vergl. A. Weber in Z. d. DmG. 
XIX, 316. 

]f) Purushottamamahatmya (Preis Vishnu's aus dem Brihannaradiya 
Puräna). Bombay 15-60, 44 Bll. quer- 4. Lithogr. (London, Trübner 3 sh. 6 d.) 

lg") Lingapuräna mit dem Civatoshani-Commentare von Ganeca, in zwei 
Theilen. Qäliväh. 1780 (1858; 359 Bll. quer-8. Lithogr. (London, Trübner 
4-J sh.) Vergl. A. Weber in Z. d. DmG. XVII, 779 f. 

2) The Marcandeya Purana, edited by Rev. Ä*. M. Banerjea, fasc. 4, 
Biblioth. Ind. nr. 163. Calcutta 1860. 

3) Fr. RücJcert, Die Sage vom König Hariscandra. Märkandeya-Puräna 
7 u. 8, Z. d. DmG XIII, 1 1859) p. 103 133. 

3a) Mäghamähätmyam (Theil des Padmapuräna). Bombay 1783 (1861), 
4'.' Bll. quer 8. Litbogr. (London, Trübner 2 sh. 6 d.) Vergl. A. Weber 
in Z. d. DmG. XVII, 781. 

3b) Sravanamasamahatmya über die Gebräuehe im Monat Sravana ; 
Stück des Skanda Puräna). Bombay 1860, 47 Bll. quer-fol. Lithogr. (London. 
Trübner 2 sh. 6 d.) Vaicäkhamähätmyam (Theil der Skandapuräna . Bombay 
1783 (1861) 67 Bll. quer-8. Lithogr. London, Trübner 4 sh.) ' Sivakavacha 
(aus dem Skanda Purana). Bombay 1860, 7 Bll. quer 8. (London, Trübner 
1 sh.) Vergl. A. Weber in Z. d DmG. XVII, 781. 

4) F. Gr. Eichhoff, Poesie beroique des Indiens, comparee :\ l'epopee 
grecque et romaine, avec analyse des poemös nationaux de l'Inde, citations en 
irancais et imitations en vers latins. Paris 1860, 393 S. 8. Vergl. Journal 
des Sav. 1860 Juin p. 384 f. 

4a) Bhagavadgitä mit Commentar von Crfdharasvämin. Bombay 1859, 
91 Bll. quer 4. Lithogr. (London, Trübner o sh.) 



96 Gosche, voiasen&chaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

Commcntare C04 ''), sondern die italienische Uebersetznng Gaf/i's 5 ) 
und die französische Burnouf's 6 ), von denen die erstere vielleicht 

noch charakteristisch für den Fortgang der in Italien noch ziem- 
lich sparsamen Sanskritstudien ist. Beachtenswerther ist es, wenn 
l'niirmi.r" 1 /.Hin ersten Mal ein Stück des MBhärata (Calc. \w^s. 
I p. 159 f.) giebt oder in Russland 8 ) und nun endlich auch in 
Spanien 8a ) kleine Episoden erscheinen. Das Rämäyana, dessen 
Gorresio'sche Textausgabe und Fauche? sehe Uebersetzungen in das 
Französische vorliegen 9 ), wird von Indien aus in einer kritisch 
beachtenswerthen Ausgabe mit dem Commentar des Räma darge- 
boten 9a ); an den drei ersten Theilen des Raghuvanca hat sich 
(1 riffit1i i)h ) mit einer versificierten englischen Uebersetzung ver- 
sucht und Indien eine Ausgabe des Harivan§a 9c ) gebracht. Die 
sämmtlichen Werke Kalidäsa's übersetzt Fauche 10 ), welche Arbeit 



604b) Bhagavadgita mit Raghuriätha's mahratbischem Commentare. Bombay 
18G0 quer- 4. (London, Trübner £ 1. 1 sli.) 

5) II Bhagavad-Gita poenia metafisico indiano tradotto dal sanscrito con 
note e una introduzione per St. Galti. Kapoli 1859, LXYll u. 206 8. 8. 

6) Le Bhagavad-Gita, ou le ebant du bien-heureux, poeme indien, public 
par l'Aeademie de Stanislas, traduit par Kmile Burnouf. Nancy et Paris 
1861, XXII u. 235 S. 8. Vergl. Journal des Sav. 1861 Dec. p. 1^2. 

7) Legende d'Ilvala et Yätäpi, extraite du Mahäbhärata, par Ed. Foucaux, 
Kevue de 1'Orient 1860, XII p. 408 — 423; auch besonders: Legende d'Ilvala 
et Vätäpi, episode du Mahäbhärata, traduit pour la premiere fois du Sanskrit 
en francais, par Ph. Ed. Foucaux, Paris, Duprat 1861» 16 S. 8. Vergl. Journ 
des Sav. 1861 p. 126. 

8; Legende vom Jäger und dem Taubenpaar aus dem Mahäbhärata von 
Kossowitsch (russ.). St. Petersburg 1859, 8. 

8a) Ensayo de una tradueeion literal de los episodios indios : la muertc 
de Yaebnadatta, y: la eleccion de esposo de Draujiadi, acompanada del testo 
sanscrito y notas, par D. Leopolde de Eguilaz Yanguas. Granada, Zamora 
1861. 86 S. gr. 8. Vergl. A. Weber im Liter. Centralbl. 1^04 nr. 12 p. 276. 

9) Ueber die neueste Ausg. u. Ueberss. des Bamayana von Gorresio u. 
Fauche.) Vergl. Barthelemy Saint-Hilaire, im Journ. des Sav. 1859 p. 389—400, 
461-475, 603—617, 739 - 755. 

9a) Bamayana mit dem Tilaka-Commentare des Bama, herausgegeben von 
Mahadeva und Tätyäcästrin Kbedakara, in 7 Theilen. Bombay 1781 Cakä 
(1859—61), 120, 222, 116, 113, 135, 247, 155 Bll. quer-8. (London, Trübner, 
84 sh.) Vergl. A. Weber in der Z. d. DmG. XVII, 771-778. 

9b) Indian Idylls, by R. T. H. Grriffith, No. 1. Journ. of the As. Soe. 
of Bengal 1861 p. 111—128. 

9c) Harivansa mit Commentar. Th. I. II. Bombay 1861, 131 u. 113 
Bll. quer 4. Lithogr. (London, Trübner 21 sh.) 

10) Oeuvres eompletes de KaUdasa traduites du Sanskrit en francais, pour 
la premiere fois, par Ilippol. Fauche. 1. Vikrama et Ourvaci, drame en cinq 
actes. 2. Le Tilaka de l'amour, pieecs fugitives. 3. Le Baghou-Vanca, poeme 
historique en dix-neuf chants. 4. Le Megha-Douta, poeme t'legiaque. Paris 
1859, VIII u. 483 S. 8. T. II: 1. Le Ritou-Sanhara, poeme deseriptif; 2. la 
ßeconnaissance de Cakountala, drame en sept actes; 3. le Koumara-Sambhava, 
poeme my thologique ; 4. le Crouta-Baudha, traite de prosodie; 5. le Nalaudaya, 
poeme attribue ä Kalidasa. Ebend. 1860, XXXV u. 439 S. 8. Vergl. Journal 
des Sav. 1860 Fevr. p. 132 f. 



Gosche, toieeenschaftL Jahresbericht ftt/r 1859 bis 1861. (i? 

hoffentlich auch bei den nicht sankritisch gelehrten aber ästhetisch 
interessierten Litterarhistorikern /weite! aber die eigentliche Per- 
sönlichkeit dieses Dichters auregen wird. Unter den lyrischen 
Werken ist von drin „Wolkenboten" eine indische Ausgabe mit 
metrischer bengalischer Oebersetzung erschienen 10 *); der deutschen 
Bearbeitung von Schatz 11 ) ist schon im vorigen Bericht gedacht 
worden. Religiöser Art ist die Lyrik Mugdaläcärya's 11 ") und 
Pushpadanta's llb ). Die Spruchdichtung ist ausser durch 
Bhartrihäri, von welchem die ein/einen Bpruchhunderte in be- 
sonderen l.ombayer Ausgaben vorliegen 11 '), noch durch Mudgala 
ßhatta lld ), Canakya 11 *) und einen Ungenannten llf ) vertreten. 

Das Gltägovinda, welches so reichlich mit scenischen Elementen 
durchzogen und mit bengalischem Commentar in Indien neu heraus- 
gegeben worden ist 12 ), führt uns zu dem diesmal reichlich gepflegten 
Drama. Fitz-Edward Hall wird das dramaturgische Daearüpa 
veröffentlichen ia ), wodurch wir unsere Kenntniss der Praxis und 
der Geschichte des indischen Theaters erweitern werden; zu letz- 
terer hat derselbe u ) schon einige Beiträge geliefert. Eines der frü- 
heren und schönsten Dramen, das „Kinderwägelchen" hat Fauche 15 ) 
als Theil einer die Totalität der indischen Poesie charakterisieren- 
den Sammlung übersetzt; von der Cakuntalä erschien eine indische 



10a) Meghaduta mit metrischer bengalischer Uebersetzung von Bhavana- 
candra Batal: Calcntta 1861, 128 S. 8. (London, Trübner 3 sh.) 

11) Vergl. schon oben Z. d. DmG. XIV p. 214 nr. 528 und jetzt noch 
Ewald Gott. gel. Anz. 1860 nr. 76 p. 757 f. 

IIa) Mud<jaläeUrya's Aryäcatakam mit dem Commentar des Käkamhhütta. 
Bombay 1782 (1860) 39 Bll. quer- 8. (London, Triibner 2 sh.) Vergl. "a. 
Weber in Z. d. DmG. XlX, 316. 

llb) Mahimastotra (Hymnus auf Siva) von Pushpadanta. Bombay 1861. 
18 Bll. quer- 8. Lithogr. (London, Trübner 1 sh.) 

11c) Bhartr/'harPs Xitisataka mit Mahratti-C'ommentar. Bombay 1858, 
58 S. 8. (London, Trübner: l*/ a sh ) Das Sringarasataka, ebenso. Lithog. 
Ebendaselbst 1858, 139 Bll. 8. (I 1 2 sh.) und das Vairagyasataka, 64 S. 8. 
(ebenfalls D/2 sh). 

lld) Aryasataka von MadyaJa Bitatta (108 Verse). Mit Commentar von 
Kniumlhatta. Bombay 1860, 39 IUI. Lithogr. lang- 8. (London, Trübner 2 sh.) 

He) Vriddhacanakya (Sprüche in Versen) von Canahya mit Mahratti- 
Commentar. Bombay 1860, 86 Bll. quer 8. Lithogr. (London, Triibner 3 sh.) 

llf) Prasamgäbharanam. Bombay 1782 (1860) 13 Bll. quer 8. Lithogr. 
(London, Trübner 1 sh.) Vergl. A. Weber in Z. d. DmG. XIX, 322. 

12) Gitagovinda , Sanskrit mit Bengali-Commentar von Yadunath Nyaya- 
pancanan. Caleuita 1861, 136 S. 8. (London, Trübner 6 sh.) 

13) Vergl. Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX (1860) p. 427 f. 

14) Fitz-Kdtrard Hall, Fragments of three early Hindu dramatists, Bhäsa, 
Ramila, and Somila, Journ. of the As. Soc. of Bengal XXVIII (1859) p. 28—30. 

15) Une tetrade, ou Drame, hymne , roman et poeme, traduits pour la 
premierc fois du Sanscrit cn Francais par Fauche. Vol. 1. (Lc Chariot d'argile 
etc.). Paris 1861, LXXVI u. 372 S. 8. 

Jahresbericht 1859-18C1. 7 



98 Gosche, utiaaenachqfll. Jahresbericht für 1859 bis 1801. 

Ausgabe 151 ' 5 ) und einetüchtige holländische Uebersetzung von Kern 17 j; 
von der Urvasi eine französische von Foucaux 1 *) und eine sehr 
feine deutsche Bearbeitung von Lobedanz 1: '). Zur Erklärung und 
kritischen Textfeststellung der durch A. Weber'a Uebersetzung be- 
kannter gewordenen, für die indische Sittlichkeit ihrer Zeit nicht 
ganz schmeichelhaften Malävikä geben Bollensen 19 *) und der Ueber- 
setzer 19b ) Beiträge. In neuer Ausgabe liegt Bhavabhütfs Mahä- 
viracaritam 19c ) vor; bengalische Uebersetzungen von Qriharshade- 
vefs Ratnavali 19d ), dem Prabodhacandrodaya 11 " ) und Bhattanär 
räyana's Venisamhära ,IJf ) rücken das Sanskritdrama den indischen 
Leserkreisen der Gegenwart näher, so dass Versuche seiner Er- 
neuerung gemacht werden können ; wie von Aryakshemlcvara 19 ß) 
und Rämanäräyana Ii,d ): insonderheit ist des letzteren Kullnaku- 
lasarvasva wegen seiner ganz modernen Tendenzen beachtenswerth. 

Die erzählende Poesie des Sanskrit hat für die verglei- 
chende westöstliche Literaturgeschichte ein erhöhtes Interesse ge- 
wonnen. Indess Kosegarten 20 ) endlich seine Ausgabe des Pan- 



010) KcUidäsa'8 Cakuntalä liebst Sanskrit -Uebersetzung der Pakritstellen. 
Bombay 1861, 50 Bll. quer 8. Typendruck. (London, Trübner 3 sh.) 

17) Cakuntall of het herkenningsteeken. Indisch t leelspel in 7 bedrijven 

door Kälidäsa. Uit liet Sanskriet vertaald door //. Kern. Haarlem, Kruseman 
1861, u. 218 S. 8. (fl. 1. 75.) 

18) Vicramorvaci. Ourvaci donnee pour prix de l'hdroisme, drame er. einq 
actes, par Kalidasa, traduit du Sanskrit par Pli. Ed. Foucaux. Paris 1861, 
96 S. 8. (3 fr.) 

19) Drvasi. Indisches Schauspiel von Kalidasa. Deutsch metrisch be- 
arbeitet von Etiui, Lobedanz. Leipzig, Brockhaus 1801, XIV u. 115 S. 16. 
(20 Jfy) 

19a) Fr. Bollcnsen, Beiträge zur Erklärung der Malävikä, Z. d. DmO. 
XIII (1859) p. 480—490. 

19b) Zur Erklärung der Malävikä. Von A. Weber, Z. d. DmG. XIV p. 
201— 20! t. 

19c) Mahavira Charita, by Bhavabhüti. Edited hy Pundit Taranath 
TarJcavachaspati. Calcutta, Banerjee & Com]). 1857 (auch m. «1. Sanskrit- 
titel: Mahäviracaritam mahäkavic^ribhavabhütipranitam etc. Samvat 1914) 4 u. 
120 S. 8. (1 Rupie 8 Annas oder 4 sb.l 

19d) Ratnavali von Criharsha Deva. In das Bengalische übersetzt von 
Hamnasayan 'Tarka ratna. Calcutta 1801, 92 S. 8. (London, Trübner 
3 sh. d.) 

19e) Prabodhacandrodaya mit bengalischer Uebersetzung. Calcutta 1S01, 
158 S. 8. (London, Trübner 5 sh.) 

19f) Venisamhära nätaka crirumanäräyanatna kortrik gandiyacalita bhashay 
etc. (Das Venisamhära des Maliäkavi Bhattanäräyauu in's Bengali übersetzt.) 
Calcutta, Samvat 1913 (1857), 24 u. 9S S. "kl. 8. (3 sh.) 

19g) Chandakausikanataka. Ein Drama von Aryahshemiswara, Poona 
1800, 23 Bll. quer- 4. Lithogr. (London, Trübner l»/ a sh.) 

19h) Kulinakulasarvasva nätaka eriräiiiaiulräjiaiuttarlcaratna pranita 
(licrausgegeben von CriharigcandrcKjarma Sampädako. 2- Aufl.). Calcutta, 
Samvat 1913 (1857) 8 u. 110 S. kl. 8. (2 sh. 6 d.) 

20) Pantsehatantrum sive Quinquepartitum de moribus exponens. Ex 
codieibus mstis edidit, commentariis criticis auxit ./. G. L. Kosegarten. P. 



Gosche, wusetuchaßl. Jahresbericht für 1859 big 1861. '.»!» 

catantram wieder aufnahm, lieferte Benfey 31 ) mit seiner Ueber- 
setzung und Erläuterung desselben ein Werk, das sofort durch seine 
eben so rasche als nachhaltige Einwirkung auf die benachbarten Ge- 
biete literarhistorischer Forschung (und solche Wirkungen sind der 
allein sichere Maassstab für die Beurtheilnng des wirklich Bedeu- 
tenden) seinen eigentümlichen Wertb bekundete. Wir vermögen 
jetzt, Dank den scharfsinnigen und umfassenden Untersuchungen 
Benfey's, diese Erzählungsstoffe von ihren buddhistischen Ursprün- 
gen an bis tief in das europäische Mittelalter zu verfolgen. Daher 
knüpfte sich sofort an dieses Werk, abgesehen von BöJtiltngk's 22 ) 
philologischen Beiträgen, eine Reihe von weiteren litteraturgeschicht- 
liehen Arbeiten. Neubauer 23 ) gab Proben einer hebräischen Ucber- 
setzung von Kaiila und Dinma ; Benfey 21 ) selbst ging auf die in 
der vortrefflichen Madrider Ausgabe der „Autorcs espafioles" ver- 
öffentlichte spanische Uebersetzung vom J. 1251 zurück; Holland 2b ) 
gibt eine deutsche Uebersetzung heraus, Benfe>/ 26 ) bespricht die 
ältere auf Veranlassung Eberhard's im Bart gemachte. Besonders 
für einen in diesen westöstlichen Grenzgebieten so heimischen For- 
scher wie Liedrecht lagen hier einladende Themata vor; er unter- 
suchte nicht allein den Zusammenhang deutscher und indischer 
Märchen 21 ), sondern machte auch die höchst merkwürdige, für die 



IL, Text um Sanscr. ornatiorem cont. Partieula I. Greifswald, Koch 1859, 64 
S. 4. (17 3 9fa). Vergl. A. Weber in Lit. Centralbl. 1859 nr. 83 p. 529 f. 
und A. Holtzmann in Heidelb. Jahrbb. 1860 p. 265 ff. 

21) Pantschatantra : Fünf Bücher indischer Fabeln, Märchen und Er- 
zählungen. Aus d. Sanskrit übers, mit Einl. u. Anmerkk. von Tltcod. Benfey. 
Th. 1. Einleitung: Ueber das indische Grundwerk u. dessen Ausflüsse, sowie 
über die Quellen u. Verbreitung des Inhalts derselben. Th. 2 : Uebersetzung 
u. Anmerkk. Leipzig, Brockhaus 1859, XLIII und 611, VIII u. 556 S. 8. 
(8 fy ). Vergl. A. W. in Lit. Centralbl. 1859 nr. 41 p. 656 f. u. Barthelemy 
Saint-IIilaire im Journal des Sav. 1860 Juin p. 329 — 342 und Juill. p. 406 — 
421; besonders aber Benfey in Gott. gel. Anz. 1862 St. 35 p. 1361—84. 

22) O. BoektUngk, Bemerkungen zu Benfey's L T ebersetzung des Paü- 
'atantra, Art. I u. II. (Aus dem Bulletin de l'Ac. de St. Petcrsbourg T. III p. 
216 f. u. 251 f.), Melanges asiat. IV (1861) p. 204—279. 

23) Adolf Neubauer, Das X. Capitel der hebräischen Uebersetzung des 
Kaliiah und Dimnah, Text und deutsche Uebersetzung, Orient und Occident von 
Th. Benfey 1861 p. 481-496. 

24) Th. Benfey, Die alte spanische Uebersetzung des Kaliiah und Dimnah, 
Orient und Occident 1861 p. 497—507. 

25) Das Buch der Beispiele der alten Weisen. Nach Hss. u. Drucken 
herausgegeben von W. L. Holland. (Bibl. des literar. Vereins in Stuttgart 
nr. 56). Stuttgart, Lit. Verein 1860, VI u. 261 S. 8. Vergl. Ph. Wolff in Z. 
d. DmG. XV (1861) p. 419 f.; Lit. Centralbl. 1861 nr. 26 p. 424 f. und Th. 
Benfey im Orient und Occident 1861 p. 383 f. 

26) Th. Benfey, Ueber die alte deutsche, auf Befehl des Grafen Eberhardt 
von Würtemberg abgefasste, Uebersetzung des Kalilah und Dimnah, insbesondere 
deren ältesten Druck und dessen Verhältniss zu der spanischen Uebersetzung, 
Orient und Occident 1861 p. 183-187. 

27) Felix Liebrecht, Beiträge zum Zusammenhang indischer und curo- 

7* 



100 Gosche, urissenschafU. Jahresbericht für 1859 bis 1861- 

ßhichtliche Bedeutung des Buddhismus charakteristische Ent- 
deckung? 28 ), dass in der Geschichte von Barlaam und Josaphat 
Buddhalegenden bearbeitet vorliegen. Audi das Ausland 29 ) brachte 
hierher gehörige Mittheilungen. Ob Jäde's 90 ) Schrift wirklieb zum 
Bidpai gehört, weiss ich nicht Im fernen Osten wies Stanislas 
Julien S1 ) die Bearbeitung indischer Erzählungsstoffe in einer chi- 
nesischen Sammlung aus dem Ende des IG. Jahrhunderts muh. Zu 
der eigentlich kunstmässigen Erzählungslitteratur geben Aufrecht s *), 
Brockhavs* 9 ) und A. Weber* 3 *) Beiträge. Der erstere theilte ein 
paar neue Erzählungen mit; Brockhaus analysierte das sechste Buch 
des Somadeva und Weber handelte über das Dacakumaracaritam. 
1 >;is uns durch Weber's Analyse im 7. Bande unserer Zeitschrift 
seinen Grundzügen nach bekannt gemachte Kadambari ist in «las 
Bengalische übersetzt worden S3h ), wohin auch sonst Sanskriterzählun- 
gen 330 ) und das Vetälapancavincati 33d ) ihren Weg gefunden haben, 
welches letztere auch englisch 33e ) bearbeitet wurden ist. 



päischer Märchen und Sagen: 1. Der verstellte Narr, 2. Die slawische Wal- 
thariussage, 3. Zu den Avadänas, Orient und Occident von Th. Benfey 1861 
p. 116—135. 

G28) F. Liebrecht, DieQuellen des Barlaam und Josaphat, Ebert's Jahrb. 
für roman. u. engl. Lit. Bd. II (1860) p. 314 334. Vergl. Th. Benfey Qött. 
gel. An/.. 1860 St. 88 p. 871 f. 

2d) Die kluge Dirne. Die indischen Märchen von den klugen Bäthsel- 
lösern und ihre Verbreitung über Asien u. Europa, Ausland ISiV.t nr. Ü(J. 21« 
22. 24. 25. 

30) H. Jade, Aus dem Morgenlande. Thier-Novellen nach Bidpai. Leipzig, 
Voigt u. Günther 1859, IV u. lill S. 8. (24 Jfo). 

31) Les Avadänas, contes et apologues indiens, inconnus jusq'ua ce 
jöur, suivis de fahles, de poesies et de nouvelles chinoises, traduits par 
Stanislas Julien. 3 voll. Paris B. Duprat 1859, XX u. 220, 251 u. 272 S. 
12. Vergl. Journ. des Sav. 1859 ji. 321 f.; Cowell in Journ. of the As. So'c 
of Bengal 18G1 p. 157 f. und Bartheiemy Saint IliLaire im Journ. des Sav. 
18G0 Juin p. 329—342 und Juill. p. 406—421. 

32j Zwei Erzählungen aus der Bharatakadvätrincatikä und dem Kathärnava. 
Mitgeteilt von Th. Aufrecht, Z. d. DmG. XIV (1860) p. 5G9— 581. 

33) Somadeva's JMärchensammlung. Analyse des VI. Buches Von //. 
Brockhaus, Berichte ül>. die Verhh. der Kgl. Sachs. Ges. derWiss. zu Leipzig. 
Philologisch-hist Cl. 1860 Heft III. IV. S. 101— 1G2. Vergl. Th. Benfey im 
Orient und Occident von Th. Benfey 1861 p. 371 f. 

33a) Ueber das Dacakumara-Caritam, die Fahrten der zehn Prinzen. Von 
A. Weber, Monatsberichte der Beil. Ak. der Wiss. 1859 (17. Jan.) p. 18—56. 

33b) Kadambari, translated from the original Sanskrit. By Tarashankar 
Tarkaratna. (Auch mit Bengali-Titel : Kadambari suprasiddha samskritagranthar 
anuväda etc.) 5th edition. Caleutta, Sanskrit Press 1858, 4 u. 142 S. 8. (4sh.) 
Vergl. Z. d. DmG. VII p. 582 f. 

33e) Vasavadatta, eine Erzählung aus dem Sanskrit in das Bengalische 
übersetzt von Jayagopal Goswami. Caleutta 1860, 86 S. 8. (London, 
Trübner 3 sh.) 

33d) Betal Panehavinshati. By Esliwar Chandra Vidyasagar. (Audi mit 
Bengali-Titel: Vetälapancavimcati «,'ri ievaracandra vidyasagarapranita etc.) 5th 

edition. Caleutta, Sanskrit Press L858, 4 u. 170 S. 8. (4 sh. | 

33e) The Bytal Pucheesee: translated into English. By Captain W 
Hollings. Caleutta 1859, 118 S. 8. (London, Trübner 12 sh. 



Grbsche, wisaensdhafti Jahresbericht für 1859 bis 1861. 1<»1 

Die Sprachwissenschaft der fader, welche an Drsprüng- 
lichkeit, Alter und eigenthfimlicher Ausbildung oichl ihres Gleichen 
hat, ibt neuerdings Gegenstand umfassenderer Arbeiten geworden; 

aber die Art, wie man hier zu Resultaten zu gelangen glaubt, ist 
ebenso charakteristisch für die auffällige Unzulänglichkeit des lit- 
terarhistorisehen Materials dieser Philologie, als für die geringe 

humanisierende Kraft, welche diesen Studien innewohnen muss. In 
dem Vollbesitz der überlieferten einheimischen Wissenschaft hat 
Goldstücker 3 *) in der Einleitung zu dem weiterhin zu erwähnen- 
den Mänavakalpasütra die Päninifrage, welche den Mittelpunkt aller 
hier einschlagenden Untersuchungen bilden muss, einer durchaus 
selbständigen und unerschrockenen Erörterung unterworfen Sich in 
die schärfste, man darf sagen mein - als muthige Opposition beson- 
ders zu M. Müller und A. Weber stellend, hat er den Pänini älter 
als die Präticäkhyas und Buddha, jedoch nach Yäska angesetzt, wo- 
durch selbstverständlich die bisherige Anschauung von dem ganzen 
Entwicklungsgange der indischen Nationalgrammatik verändert wird. 
Von unzweifelhaftem Verdienst ist der Nachweis eines älteren Sehrift- 
gebrauchs hei den Indern als bisher angenommen worden war: schon 
vom Standpunkt der vergleichenden Litteraturgeschichte aus muss 
man ein so frühes und massenhaftes Schriftenthum ohne Schrift fast 
anbegreiflich finden. Wo indess so scharfer Gegensatz zu den Er- 
gehnissen anderer Forschungen überhaupt möglich ist, müssen, wie 
ehen angedeutet wurde, die wissenschaftlichen Beweismittel sehr 
unsicherer Art sein : in der That gehören sie vorwiegend zu der 
trügerischen Gattung der Argumenta a silentio. Aber ich hob zu- 
gleich hervor, dass den indischen Studien eine geringe humanisie- 
rende Kraft inne wohnen müsse. Wenngleich wir nicht so glücklich 
sind, an den eigentlichen Humanioribus immer eine günstigere Er- 
fahrung zu machen, so erfordert es doch die Ehre der orientali- 
schen Wissenschaft in Deutschland, deren Begebenheiten ich in diesen 
Blättern vorzugsweise zu verzeichnen die Ehre habe, zu meinem Be- 
dauern an Goldstücker 's stoffreicher Untersuchung ein eminentes 
Talent der rücksichtslosesten Nichtachtung der continentalen Sanskrit- 
forschung hervorzuheben. Wer gleich Goldstücker sich ungeschickt 
genug anstellen wollte fremdes Verdienst aufrichtig zu schätzen, 
würde in seiner glänzenden Arbeit nichts weiter zu sehen vermö- 
gen, als den stürmisch ehrgeizigen Versuch, eine Herostratfackel in 
den Tempel der deutschen Sanskritphilologie zu schleudern. Aber 
glücklicher Weise brennt er nicht, und vielleicht hätte es noch nicht 
des pflichtgetreu raschen Löschungsversuches von A. Weber 35 ) be- 
durft, der fast allen Ergebnissen der Untersuchungen Goldstücker's 



34) VergL weiterhin nr li.").'!. 

35) A. Weber, Zur Frage über das Zeitalter Pänini's. Mit specieller 
Beziehung aul Th. Goldstücker's „preface" zum „Mänavakalpasütra", Indische 
Studien V (1861) p. 1— 170. 



102 Goschr , wieteiuchaftt. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

entgegentritt WenD Goldstücker, was er in einer Nachschrift zu 
seinem Werke unter dem 1. September 1861 schon für die näch- 
sten Monate in Aussichl stellt, den Beweis fuhren wird, dass auch 
nicht, in einem einzigen Punkte seine Resultate in Zweifel gestellt 
würden: so kann durch so einschneidende principielle Discnssionen 
die Sanskritphilologie nur gewinnen. Diese neue Streitschrift zu 
besitzen wird den Mitarbeitern angenehmer sein als die zugleich in 
Aussicht gestellte eingehende Beurtheilnng des St. Petersburger San- 
skritwörterbuchs, dessen beste Kritik immer ein rascher Fortschritt 
des neuen Wilson' sehen sein würde. Ohjectiver sind Aufrechfs 686 ) 
kritische Beiträge zu Panini. Von Varadaräjcüs Grammatik ist eine 
neue lithographierte Ausgabe in Indien erschienen 30;1 ) •, andere na- 
tionale sprachwissenschaftliche Werke hat Aufrecht bekannt gemacht, 
dem wir üjjvaladattas L'nädisiitras 37 ) und llaläyudhas Vocabular 38 ) 
verdanken. Im Anschluss an das letztere erwähnen wir den neuen 
indischen Druck des Amarakosha 89 ). 

Auch für die Rhetorik ist einiges geschehen uud wird 
weiteres beabsichtigt. Das älteste Werk darüber von Qndandi 
soll in der Bibliotheca indica erscheinen 40 ).. Coivell* 1 ) gibt einige 
Beiträge zum Sähitya darpana; in Indien kamen zum Druck das 
Sähityasära mit Commentar des Verfassers 4111 ) und eine Schrift 
zur Poetik 411 '). Von der auch alle dergleichen Dinge berührenden 
Encyclopädie des Rädhäkänthadeva ist schon oben 42 ) das in einem 
siebenten Bande gegebene Supplement erwähnt worden-, von einer 
neuen Ausgabe des Ganzen liegt das erste Heft vor. 



036) Zwei Panini zugetheilte Strophen. Mitgcthcilt von TIi . Aufrecht, Z. 

d. Dm«;, xiv 1860) p. 581 f. 

36a LaghusiddhäntakaumudI von Varadaräja. o. O. 1781 (1859) 56 Bll. 
8. Lithogr. (London, Trübner 5 sh.) Vergl. A. Weber in Z. d. I)m<i. 
XIX. 323. 

37) Ujjvaladatta's Commentary nn the Unädisutras. Edited from a ms. 
in the Library of the East India Housc by Theodor Aufrecht. Bonn, Markus 
1859, XXll u. 27!» S. 8. (3V 2 $k) Ver gl A - w - i,u Lit - Central«. 1859 
nr. 33 p. 528 f.; Tb. Benfey Gott. gel. Anz. 1859 nr. 172 p. 17U8 f. und 
Journ. of the As. Soc. of Bengal XXVIII (1859) p. 501 f. 

38) HaläyiulluCs Abhidhänaratnamälä. A Sanskrit vocabulary, edited, 
with a Sanskrit-Englisb Glossary by Dr. Theod. Aufrecht. London and Edin- 
burg, Williams and Norgate 1861, gr. 8. (12V 2 sh.) 

39) Amarakoca (sie!). Bombay 1782 (1860) 13, 30 u. 20 Bll. quer 8. 
Lithogr. (London, Trübner 2 sh. 6 d.) Vergl. A. Weber in Z. d. DmG. 
XIX, 323. 

40) Vergl Jonrn. of the As. Soc of Bengal 1S61 p. 161. 

41) E. li. Caivell, On a passage in the tenth Book of the Sahitya 
Darpana, Journ. of the As. Soc of Bengal XXIX (1860) p. 217 — 225. 

41aj Sähityasära von Acyutasarman mit eignem Commentar Sarasämoda. 
Bombay 1782 (1860) 224 u. 136 Bll. quer- 8. Lithogr. (London, Trübner 18 sh.) 
Vergl. A. Weber in Z. d. DmG. XIX, 321 f. 

41b) Chandomanjari von Gangadasa Caleutta 1859, 72 S. 8. (London, 
Trübner 2 sh.) 

42j Vergl. oben nr. 578a. 



Gosche, wütensehafü. Jahresbericht für 1859 bü 1861. 103 

Bei der unmittelbaren Berührung des Christenthums und der 
zum Theil jetzt schon von europäische]] Bildungselementen getra- 
genen einheimischen Anschauungen musste natürlich die Philo- 
sophie mit ihrer mannigfachen Gliederung die Aufmerksamkeit der 
abendländischen Wissenschaft in gesteigertem Maasse erregen. Von 
Mädkava Acärya's Uebersicht der Systeme ist in unserer Zeit- 
schrift 43 ) eine Bearbeitung unternommen worden; ihre religiöse 
Seite hat Mullens Al ) in's Auge gefasst ; dieselbe behandeln Banar- 
Jea's* 6 ) Dialoge; sehr zweifelhaft steht es mit der Unbefangenheit 
in Goretis i<s ) sanskritischer Darstellung. Eine grossartige, wirklich 
kaum erwartete Grundlage für diese Studien giebt Hall' 11 ) mit sei- 
nen weit über die lediglich bibliographische Bedeutung hinausgehen- 
den Beiträgen. Er erwähnt 748 Werke, unter denen als besonders 
reich vertreten die Gruppen der Nyäya-Pbilosophie mit 202 und 
die der Vcdänta-Philosophie mit 310 Werken erscheinen. Der Ent- 
wicklungsgang des Brahmanismus bringt es mit sich, dass die letz- 
tere philosophische Richtung besondere Pflege findet. Eine Reihe 
von Vedänta-Abhandlungen ist in Indien gedruckt worden 47 *); aus 
tamulischen Quellen bat Foulkes 48 ) eine Darstellung dieses Systems 
gegeben, mit welcher vielleicht seine ebenfalls auf dem Tamuli- 
schen beruhende „Synopse" 4j y identisch ist. Einer der grössten 
Kenner dieses Gebietes, Ballantyne 50 ), lässt seine Aphorismen der 



•43) Sarva darcana snngraha d. i. Inbegriff der verschiedenen Systeme der 
Indischen Philosophie, von Mädhara Acdrya. 1er Artikel: System des 
Cärvaka, Z. d. DmG. XIV (1860) p. 517—526. Ich weiss nicht, ob hieau: 
Sarvadareana sangraha. Von Joyanarayana Tarlcapancanana. Calcutta 
1861, 158 S. 8. (London, Trübner 9 sh.), in Bengali geschrieben, gehört. 

44) The religious aspects of Hindu philosophy, by the Rev. Jos. Mullens. 
London 1860, XV u. 440 S. 8. Vergl. Joum. des Sav. 1861 Dec. p. 783. 

45) Dialoglies on the Hindu philosophy comprising the Nyaya, the Sankhya, 
the Vedant ; to whiefa is added a discussion of the authority of the Vedas. By Rev. 
K. M. Bauer jea. Calcutta and London, Williams and Norgate 1861, XXIII 
u. 538 S. 8. Vergl. eine kurze Notiz in Gott, gel. Anz. 1862 nr. 22 p. 880, 
und Westm.-Review 1859 T. 16 p. 575 f. 

46) Hindu Philosophy examined by a Benares Pandit (Nchcmiah Gorch). 
Vol. (1.) 2. Calcutta 1860, 8. 

47) A contribution towards au index to the bibliograpby of the Indian 
philosophical Systems. By Fitz-Edward Hall. Published by order of the 
Government N. W. P. Calcutta 1859, IV u. 234 S. 8. (London, Trübner 7 
sh. 6 d.) Vergl. Westm.-Review 1864 Jan. p. 144 f. 

47a) Särasamgraba von Mädhavänamda. Daran: Atmabodha von 
Caiiikaräcärya mit Commentar ; Tattvabodha von Sudevendra-sräniin; Vijnä- 
nanaukä von Cainkarücärya; Hastämalaka von Hastämalakäcärya; Mani- 
ratnamälä von Tulasldäsa, und: Dakshinämürti von Gimkaräcärya. Bombay 
1781 (1859) 36 Bll. quer 8. Litbogr. (London, Trübner 1 sh. 6 d.). Vergl. 
A. Weber in Z. d. DmG. XIX, 323. 

48) Vergl. unten nr. 688. 

49) A Synopsis of Hindu Systems and sects. Translated from the Tamil 
by T. Foulkes. Madras 1860, 40 S. 8. (2 sh.) 

50) Vergl. Z. d. DmG. XV (1861) p. 140- 



104 Gosche, wissenachafil. Jahresbericht fw 1859 Ins 1861. 

Sänkbya-Philosophie drucken; Vaigeshika-Sutraa wird die „Biblio- 
theca [ndica" bringen 651 ), in derselben auch des eben genannten 
Mädhava Äcärya b% ) ,$ankara Kgrajaya" erscheinen. Zu den 
Mimänsa-Philosophen gehört der treffliche Kumärilar8vämin, wel- 
cher das vedische Riten betreffende Biänava-kalpa-sütra commentieii 
bat und um derentwillen dieses Werkes an dieser Stelle erwähnt 
sei. Wir verdanken Qoldstücker 53 ) die Veröffentlichung eines Theili 



l)f)li Vaiseshika Sntrns witb Upaskära and Vivriti commentaries edited by 
Pundits Jayamaraywn Tarapanchanan and Nanda Kimme Tarlcaratna, 
Pasc. 1. Bibliotheca Indien. New Serie« nr. 4 (Calcutta 1860) 8. vgl. schon 
Journ. of the As. See. of Bengal XXIX (18(30) p. 408 f. 

52) vgl. Journ. of the As. Soc. of Bengal XXX (1861) p. 160 f. 

53) Mänava-kalpa-sütra : being a portion of this ancient werk on Yaidik 
rites, together with the commentary of Kumarilasvämin. A faesimfle of fhe 
ms. no:17 in the library of Her Majesty's Home Government for [ndia. Witt 
a preface by Th. Goldstücker. London: Trübner, Berlin: Asber 1861, XII 
U. 268 gedr. u. 242 litt. SS quer gr. 8. (4V 2 Guineas). Daraus die Ein- 
leitung besonders abgedruckt u. d. T. lVmini: bis place in Sanskrit literature. 
An investigation of some litterary and chronological questions whieb may be 
settled by a study of bis work. A separate Impression of the preface etc. By 
Th. Goldstücher. London: N. Trübner & Co. Berlin: A. Ashcr & ('•<. 
MÜDCCCLXI, XVI u. 268 S. lex. 8. Eine Stelle der Vorrede zwingt mich, hier 
eine Bemerkung einzuschalten, welche der Objcctivität meines wissenschaftlichen 
Berichts vielleicht zu widersprechen scheint. Ich hatte in derD.m. Zeitschrift XI 
S. 286 eines anonymen Artikels des Westminster Review zu erwähnen, in 
welchem das St. Petersburger Sanskrit-Wörterbuch auf eine für Deutschland 
auffällige Weise angegriffen wurde. Nach dem anständigen Bilde, welches ich 
von Hrn. Goldstücker aus einer leider nur flüchtigen Bekanntschaft in meiner 
Erinnerung trug, war es mir unmöglich ihn als Vf. jenes Artikels anzusehen : 
vielmehr vermuthete ich hinter dem Anonymus einen etwas heissspomigen An- 
fanger, der in stürmischer Hast für seinen Lehrer, von ihm wissenschaftlich ein 
wenig verproviantiert, eine Lanze brechen wollte. Die Einleitung des obigen 
Werkes klärt aber vollständig auf. Nach den dort gegebenen Auseinander- 
setzungen besteht auf dem Continent eine Art von Conspiration gegen Hrn. G., 
an welcher besonders Boehtlingk, K. Roth, A. Weber Theil haben ; als eine Art 
Klimax derselben werde ich bezeichnet, denn ich habe jenen Artikel des Review 
angegriffen und dieser rührt von Hrn. G. her. Die betreffende Stelle der Ein- 
leitung S. 265, in welcher die Sprache des englischen Mob zum ersten Male in 
der wissenschaftlichen Litteratur erscheint und welche daher der einfachste 
Anstand verbietet deutsch mitzutheilen, lautet so: „In the samc ., Zeitschrift 
der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft" tbere followed another act, which 
is so characteristic of the system pursued in these attacks, that it deserves 
a special word, merely for the sake of curiesity. An individual wliosc sole 
eoiinection with Sanskrit studies consists in handing Sanskrit books to those who 
can read thein, a literary nanglit, wliolly unknown, bat assuming 
the air s of a q ua ntity , because it bas Ggoxes before it that prompt it on, — 
the personage who, as his own friends informed me(?), is perfeetly Ignorant 
of San s k r it, he, (iOO, was allewed to give his opinion on the Wörterbuch. I need 
not say that, in the absenec of all knewledge of the subjeet itself, it merely 
vented itself in the most grandiloquent praise; bot, t<> complete its mission, ttaere 
was added to this fustian, languagc, in reference to me, such as certainly was 
never heard, or admitted, betöre in a respectable Journal of any society. He need 
not tremble lest I should drag him into notoriety. N'ature has not fitted him 
for estimating the ridieule to which he exposed bimsclf in becomiiig the 



(Sosehr, wüsenschafll. Jahresbericht für 1859 •bis 1861. 105 

desselben, im Wesentlichen den Commentar der ersten vier Bücher, den 
fragmentarischen Text derselben und den nicht erläuterten des fünften 
enthaltend. Eine Ausgabe in unserem ehrbaren philologischen Sinne 
ist jedoch diese Arbeil nicht; das eigentliche Verdienst lullt, der ge- 
schickt faesimilierenden Hand einer Dame zu, wahrend der Herans- 
geber sieh leicht in Calcutta über zwei sofort nach dein Erscheinen 
des Buchs von Cowell Dachgewiesene Handschriften in der Bibliothek 
der Asiatic Society unterrichten und bei seiner bewundernswürdigen 
Vertrautheit mit dieser Litteraturrichtung leichter als die continen- 
talen Sanskritphilologen eine kritische und exegetische Bearbeitung 
herstellen konnte. Dieses Commentarwerk hat weit über das dein 
Ideenkreise der Taittirlya-Sanhitä angehörende Rituale hinaus eine 
philosophische Bedeutung, weil auch au ihm der Fortschritt von 
dem realistischen Mythus und Ritus zur Abstraction wird gelernt 
werden können. 

Die dem Brahmanismns zugänglich gemachten Veröffentlichungs- 
mittel des europäischen Stein- und Typendruckes sind einigen das 
Ceremonienwesen und die Pflichtenlehre betreffenden 
Schriften zu Gut gekommen: von Körlnütha 53a ), Nägojlbhat(a bZh ) y 
von dem die Puränas stark citierenden Vt$ixmätka 53 % den Manches 

mouthpiece and tlie puppet of bis instigators. If he deserve anytbing, it is 
not ctiastisement, but pity, and the merey of a charitable coneealment of 
his name." Nicht um Hrn. Goldutücler zur Bewunderung meines Mutlies zu ver- 
anlassen, auf welche ich ebensowenig Werth legen würde als auf sonstige Aeus- 
serungen seiner Seelenstimmung, sondern um ein correctes Urtheil herbeizuführen, 
bin ich so frei mich als das Object dieser Paroxysmen zu nennen, und erkläre 
mich nach diesen Stilproben zur Vermeidung weiterer Collisionen jetzt gern 
bereit, jeden anonymen englischen Artikel, durch welchen die Ehre der deut- 
schen Sanskritphilologie verunglimpft wird, Herrn Goldstücher auf Verlangen 
zuzutrauen, was ich bei dem berufenen Aufsatz des Westminster- Review noch 
nicht über mich gewinnen konnte. In Anerkennung seines freilich nicht ganz 
aufrichtigen Mitleids mit mir stelle ich zugleich ihm das meinige mit seiner 
Vorstellung von der continentalen Verschwörung und vor Allem mit seiner Vor- 
stellung von sieh selbst ganz ehrlich zur Verfügung. Im Uebrigen habe ich 
nicht nöthig, auf die seltsame Verwendung von Personalien (z. B. dass ich die 
Ehre hatte Custos der morgenländischen Handschriften der Kgl. Bibliothek zu 
Berlin zu sein, bei deren Vermehrung meinem Urtheil eine sehr hervorragende 
Geltung beigelegt zu werden pflegte) irgend etwas zu erwidern, da Hr. Ooldstücher 
meine Antwort im 57sten der antiquarischen Briefe Lessings rinden wird, dessen 
Leetüre überhaupt zur Bildung einer wahrhaftigen Polemik und eines wirklich 
mannhaften Betragens nicht genug empfohlen werden kann. — Von mehr oder 
weniger ausführlichen Besprechungen des Werks vgl. die eingehende von A. Weber 
oben nr. (535, Benfcy in Gott. gel. An/.. 1861 Stück 43 p. 1 «>Si> f. und Cowell 
im Journ. of the As. Soc. of Bengal XXJX (1861) p- 42 — 46. 

53a) Dharmasindhusara von Käcinätha. Th. 1 — 3. Bombay 1860, 22, 53 
u. 204 Uli., dazu Inhalt 6 Bll. Lithogr. (London, Trübner 15 sh.). Der 3. Theil 
zerfällt in zwei Capitel von 123 u. 81 Bll. Vgl. A. Weber in Z. d. DMG. XVII. 
783 f. 

53b) Prayaccittenducekhara von Nägqfibhatta, vervollständigt von Käglnä- 
thopädhyäya. Bombay 1783 (1861) 4 u. 53 Bll. quer-8. Lithogr. (London, 
4 sh. 6 d.j. Vgl. A. Weber in ZdDMG. XVII, 783. 

53c) Vrataraja von Virvanälha, herausgegeben von Mogha Bäpuvastrin. 



106 Gosche , Wissenschaft l. Jahresbericht für 1859 bis 1801. 

aus dem Grihya-Ritual beibringenden Anantadeva 653 ' 1 ) und Bhatta 
Näräycena 6 **). Aus dem Bavishyottara-Puräna ist der die Fest- 
gebräuche des vierten Tages des Monats Bhadra betreffende Ab- 
schnitt lithographiert worden 681 ). 

Aus der Rechtslitteratur haben wir eine neue Ausgabe 
des Manu mit dem Commentarc Kuttukiis '->*") aus dem J. 1858 
nachzutragen, welchen Commentar der dringend zu wünschende neue 
kritische Herausgeber in Europa nicht in ganzer Ausführlichkeit 
wird zu wiederholen brauchen. Yajnavalkya hat durch Eöer und 
Montriou eine englische Bearbeitung erfahren 53h ), ein einzelnes 
Capitel des Rechts Kamaläkarabhatta 58 ') behandelt; von grösserer 
Wichtigkeit ist die, die Kastenverhältnisse betreffende und von 
A. Weber 69k ) sorgfältig herausgegebene, übersetzte und erläuterte 
„Demantnadel" des Buddhisten Acvaghosha, welcher bisher trotz der 
Bemühungen von Jlodgson, WHkinson und Burnouf als nicht 
eingehend genug untersucht und bekannt gelten musste. 

Ich füge an, was für Mathematik und Astronomie ge- 
schehen ist, welche Wissenschaften zum Thcil mit Ceremonialwesen 
und Ethik sich nahe berühren. Für die Geschichte der altindischen 
Mathematik bleiben noch einige wichtige Fragen stehen. Aus der 
Berechnung des Tatkälikabhogyakanda hat Bapu Deva Shastri 64 ) 
dem Bhäskara die Kenntniss der Differentialrechnung vindicieren 
wollen, eine Entdeckung, welche als die auffälligste Prioritätsfrage 
neben den Ansprüchen Leibnizens und Newton' 8 stehen würde und 
mit Recht von Hpottisxooode 55 ) bestritten worden ist. Das demselben 



Bombay 1782 (1860) 318 Bll. quer - 8. (London, Trübner 24 8h.). Vergl. 
A. Weber in Z. d. DMG. XVII, 782. 

653d) Samskärakaustubha von Anantadeva. Bombay 1783 (1861) 4 u. 
237 Bll. quer-8. Lithogr. (London, Trübner 12 sh.). Vergl. A. Weber in Z. d. DMG. 
XVII, 783. 

53e) Prayogaratnam von Bhatta Näräyana. Bombay 1783 (1861) 08 Bll. 
quer-8. Litbogr. (London, Trübner 6 sh.). Vgl. A. Weberin Z.d. DMG. XVII, 782. 

53f) Haritalikavratakatha. Bombay 1860, 10 Bll. quer-8. Litbogr. (London, 
Trübner, 1 sh.) 

53g) Manu mit Kidluha's Commentar. Bombay 1858, 221 Bll. quer-8. 
Litbogr. (London, Trübner 26 sh.) 

53h) Hindu law and judicature from tbe Dbarma-Sastra of Yajnai'alkija. 
In English , with explanatory notes and introduetion. By Edward Jiöer and 
W. A. Montriou. Calcutta 185 ( J, XII u. 90 8. 8. (London, Trübner 26 sh.) 

53i) yfldradharma von Kamaläkara. Bombay 1783 (1861) 94 Bll. quer-8. 
Lithogr. (London, Trübner 6 sh.). Vgl. A. Weber in Z. d. DMG XIX. 323 f. 

53k) Lieber die VajrasüeS (Demantnadel) des Aovaghosha. Von A. Weber. 
Abhh. der Kgl. Ak. d.'wiss. zu Berlin. Aus d. J. 1859. (Berlin 1860, 4.). 
Philol. u. bistor. Abhh. p. 206 — 265 , auch besonders gedruckt (F. Dümmler 
Co mm.). 

54) Bhdskard's knowledge of the Differential Calculus. By Bapu Deva 
Shastri, Journ. of the As. Soe. of Bengal XXYll (1858) p. 213— 216. 

55) W. Spottisiroode , Note on tbe supposed Discovery of the Principle 
of the Differential Calculus by an Indian Astronomer, Journal of the Royal As. 
Soc. of Great Britain XVII (1860) p. 221 f. 



Gosche, wisscnschoftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 107 

grossen Mathematiker beigelegte Compendinm Lllävati ist nun auch 
in das Hindi Übersetzt worden 55 "); eine dem spätesten Mittelalter 
angehörige algebraische Abhandlung hat nach einem meines Wissens 
dem Ende der 20er Jahre angehörenden Drucke de Morgan 66 ) neu 
herausgegehen. Die Astronomie ist Gegenstand der lebhaftesten Dis- 
cussionen geworden und die widersprechenden Ansichten , welche 
sich von Neuem über den Ursprung einiger Anschauungen derselben 
als indischer oder nichtindischer wissenschaftlich zu begründen ver- 
suche!] durften, gehen wieder einen charakteristischen Deweis für die 
Geschichtlosigkcit der einheimischen Ueberliefernngen. Wissenschaft- 
liche Thatsachen, welche unter allen Umständen und Annahmen in 
das volle Licht der indischen Geschichte fallen müssen, haben keine 
sicheren Spuren klarer oder dankbarer Erinnerung hinterlassen. Mit 
lebendigerem Sinn für geschichtliche Entwicklung ausgerüstet als er 
sonst wold Physikern und Mathematikern eigen zu sein pflegt, in 
Fortsetzung alter Studien über orientalische Astronomie (wie über 
die ägyptische 1829 und über die chinesische 1840) und im An- 
schluss besonders an den aus dem Tamulischen übersetzten und in 
Jafna 1848 in einem Octavbändchen von 145 Seiten gedruckten 
„Oriental Astronomer" eröffnete zunächst Biot im Journal des Sa- 
vants 57 ) eine Reihe von nachher auch besonders 57,1 ) zusammen- 
gestellten Untersuchungen. Ihm steht fest, dass die Grundlage der 
indischen Astronomie griechische Anschauungen der vorptolemäi- 
schen Epoche und die chinesische Theorie der Sieu bilden. Fast 
dieselhe Ansicht hatte Whitney 6 *), Es kam aber darauf an, ein- 
mal einen speciellen und besonders charakteristischen Punkt mit allen 
Mitteln der besonderen Philologie und der vergleichenden Cultur- 
geschichte zu untersuchen, und das ist das Verdienst von Webers 59 ) 
Abhandlung über die Nakshatra. Die Bedeutung der letzteren be- 
stimmte er als Mondstationen ; ihren Ursprung setzte er nicht nach 
China, sondern nach dem semitischen Westen, wogegen Biot natür- 
lich in seiner Besprechung der sogleich zu erwähnenden nordameri- 



55a) Lilavati aus dem Sanskrit ins Hindi übersetzt. Benares 1858, 62 S. 
8. Lithogr. (London, Trübner 1 sh. 6 d.) 

56) Ramchuiidra. A treatise on problems of maxima and minima, solved 
by Algebra: reprinted by Order of the Honourable Court of Directors of the 
Last India Company, under the superintendence of Augnsutiis de Morgan. 
London 1859, 200 S. 8. 

57) Im Journ. des Sav. 1859 p. 197—211, 271—289, 369—387.401—418, 
475 — 498. — Dazu chinesische Nachträge aus Stanislas Julien's Mittheilungen 
p. 580—584. 

57a) Etudes sur l'astronomie indienne par Biot. (Extr. du Journ. des Sav. 
pour 1859). Paris 1859, 96 S. 4. m. 1 Tf. 

58) Vergl. Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX (1860) p. 200. 

59) A. Weber, Die vedischen Nachrichten von den Naxatra (Mondstatio- 
nen). Aus den Abhh. der Ak. der Wiss. zu Berlin 1860. Th. 1. Historische 
Einl. Berlin, Dümmler 1860, 52 S. 4. (*/, ty- )• Vergl. Lit. Central«. 1861 
nr. 21 p. 345 f. und Steinschneiders Hebr. Bibliogr. IV (1861) p. 93 f. 



108 Gosche, Wissenschaft!- Jahresbericht flir 1859 bis 1861- 

kanischen Uehersetzung des Süryasiddhänta Widersprach erhob. Das 
bei Gelegenheil dieser Discussioncn veröffentlichte oder neu unter- 
suchte Material aus der indischen Litteratnr war nicht geeignet, eine 
Entscheidung zu beschleunigen oder zu sichern, wie Webers 660 ) 
Mittheilungen über vedische Zeitbezeichnungen und die jüngsten Ar- 
beiten über das Süryasiddhänta zeigen : doch konnten an das letztere 
neue Betrachtungen sich anlehnen. Den Text dieses zwar bereits vollen 
griechischen Einfluss bezeugenden aber doch verhältnissmassig alten 
Compendiums der Astronomie erhalten wie endlich durch die l>c- 
mtthungen des verdienten Haß 60 *), der sich dazu mit dem Pandit 
Bapu Deva Shastri verbunden hatte, und indess dieser letztere 
eine englische Uebersetzung in der „Bibliotheca indica" begann 61 ), 
wurde eine andere von dem Missionar Burgess ebenfalls in Indien 
ausgeführte mit beachtenswerthen Beigaben von Whitney und Newton 
auf Kosten der Oriental Society von Nordamerika veröffentlicht 68 ): 
hier finden wir Whitney, wenigstens in Bezug auf die chinesischen 
Sien, auf Btofs Seite. Aus allgemeinen Gründen wird man Weber 
in der Annahme eines semitischen Ursprungs der indischen Nakshatra 
durchaus beistimmen müssen: die nähere Beweisführung wird wohl 
nur durch weitere Fortschritte in der Entzifferung der babyloni- 
schen und assyrischen Keilinschriften geliefert werden ; was die ara- 
bische Litteratnr darbietet , würde man nur sehr voreilig benutzen. 
da die bedingenden Momente der altarabischen Cultur, soweit sie 
durch syrische Vermittlung eintreten , noch lange nicht genug er- 
kannt sind, und, soweit sie der mittelpersischen (also auch der 
durch diese nach dem semitischen Westen gelangenden und durch 
sie wieder sich zurückwendenden indischen) zufallen, wegen voll- 
ständigen Mangels von litterarischen Denkmälern in dieser Richtung 
überhaupt nicht mehr werden erkannt werden können. — ■ Der Ausgabe 
des Süryasiddhänta wird eine des Siddhäntaciromani von Pratt fol- 



660) A. Weher, Vedische Angaben über Zeittheilung und liolie Zahlen, 
Z. «l. DmG. XV (1861) i». 132—140. 

60a) The Surya Siddhanta. An ancient System <>f Hindu astronomy, with 
Raganatha's exposition . edited liy Fitz Edward Hall and Pandit Bapu 
Deva Sastri. Calcutta 1859, VIII, 368 u. 13 S. 8. 

61) Hindu Astronomy. the Surya Siddhanta , translated frona the Sanscrit, 
by l'imdit Bapu Deva S'astri, ander the superintendence of the Ven'ble Arch- 
deacon Pratt. Fase. 1, Bibliotheca Indica New Series nr. 1. Calcutta 1860. 
Vergl. Z. d. DmG. XV (1861) p. 140. 

62) Translation of the Sürya-Siddhknta, a text-book of Hindu Astronomy; 
with notes, and an appendix , containing additional nptes and tables, calcula- 
tions of eclipses, a stellar map, and Indexes. By Rev. Ebenezer Burgess; 
assisted by the Committec of publication of the American Oriental Society. 
(Kioin the Journal of the Am. <)r. Soc, Vol. VI, 1860-] New Ilaven : For the 
American Or. Society 1860, IV u. 355 8. gr. 8. (Berlin, Asher 5 8 / 4 ■'>, .). 
Vergl. A. W. in l>it. Centralbl. 1860 nr. 52 p. 844. and J. 15. I>iot im Journal 
des Sav. 1860 Aoüf i> I7H IST. Oct. p. 596 611, Nov. i>. 665—677 und 
Dec. i». 763 7S. r ). 



Gosche, wütenachafll. Jahresbericht für 1859 bis lsGl. 109 

gen ,!2il ); in Indien ist ein astronomischer Tractat von Nilakantha 6ab ), 

noch den ersten Jahrhunderten des Mittelalters angehörend, gedruckt 
worden; die kleinen Texte über Verehrung 68 *) und Preis 62,i j der 
Planeten berühren bereits das reich angebaute Gebiet der Astro- 
logie. In Bombay ist eine ganze Reihe von derartigen Werken 
lithographiert worden : von Dlmmdhiräja ,i3 ) über Nativitäten, von 
Ganapatt 63 *) über Astrologie überhaupt, desgleichen von Dawa- 
jnafäma 69 *), mit besonderer Beziehung auf die Portenta von Dina* 
karabhaita 6 *), und zur Zeugung und Geburt von iVSray«w»a 64a ); 
daneben einzelnes anonyme 64 ' 1 ), auch durch mahratische Uebcr- 
setzung dem gemeinen Verständniss vermittelt 640 ). Nicht uninteres- 
sant ist zur Geschichte der astronomischen Technik eine aus indi- 
scher Quelle geschöpfte Mittheilung des bereits genannten Bandit 
Bapu Deüa 6iA ) über eine eherne Sonnenuhr. Im Uebrigen ist die 
Geschichte der Wissenschaften nur mit einer neuen Auflage 
der immer noch sehr nützlichen, zuerst in Calcutta 1845 ge- 
druckten Darstellung der indischen Medicin von Wise 6S ) bedacht 
worden. 

Reicher als es bisher in den Uebersichten der morgenländi- 
schen Litteraturbestrebungen der Fall war, stellt sich jetzt das Ge- 
biet der indischen Volks dialekte unsern Blicken dar. Nicht 
allein wird uns durch den gesteigerten internationalen Buchhandel, 



62%; Vergl. Journ. of the As. Soc. of Bengal XXVIII (1859) p. 512 und 
XXIX (1860) p. 51 und 200. 

02b^ Sanjnatantra von Nilakantha. Bombay 18G0 quer-8. (London, Trübner 
4 sh.) 

62c) Adityahridaya. Bombay 1859, 23 BU. Litbogr. lang-8. (London. Trüb- 
ner 1 sh.) 

G2d) Navagrahastotra. Bombay 1861, 4 Bll. (London, Trübner 6 d.). Schon 
1857 war in Bombay ein Buch desselben Titels und Inhalts erschienen : 46 Bll. 
lang-4. Lithogr. (London, Trübner 4 sh.) 

63) Jätakäbharanam Von Dlmmdhiräja. Bombay 1783 (1861) lu. 119 Bll. 
quer-8. Lithogr. (London, Trübner 5 sh.). Vergl. A. Weber in Z. d. DmG. 

xix. 318. 

63a) Muhürtagauapati. Bombay 1859, 77 Bll. lang-4. Litbogr. (London, 
Trübner 5 sh.) 

63h) Muh'ürtacintamani mit Commentar, von Daivajnaräna. Bombay 1859, 
172 Bll. quer-4. Lithogr. (London, Trübner 5 sh.) 

64j Qäntisära von Dinakarabhatta. Bombay L783 (1861) 152 Bll. quer-8. 
Lithogr. (London, Trübner 7 1 ' 2 sh.). Vergl. A. Weber in Z. d. DmG. XIX, 
317 f. 

64a) Muhürtamartanda. Bombay 1861, 101 Bll. lang-4. (London, Trübner 
1 sh.) 

64b) Sputajyotishasangraha. Bombay 1859, 54 S. quer-8. Lithogr. (Lon- 
don, Trübner 1 sh. 6 d.) 

64c) Jyotishasara mit Mahratti-Commentar. Th. 1. 2. Bombay 1858, 2 Thle, 
142 u. 82 S. 8. Lithogr. (London, Trübner 7 sh. 6 d.) 

64d) Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX (1860) p. 424 f. 

65) Commentary on the Hindu System of mediane. By T A, Wisc. New 
issue. London 1860, 8. 



HO Gosche, loiasenschqfü. Jahresbericht fifr 1859 bis 1801. 

als dessen uns besonders nahestehende Träger Asher & Co. in Berlin, 
F. A. Brockhaus in Leipzig, wie Trübner & Co. und Williams c£ 
Norgate in London mit besonderer Auszeichnung in orientalischer 
Beziehung genannt werden müssen, reichlicheres Material aus dem 
Osten zugeführt, sondern es ist, gefördert durch Interesse an euro- 
päischen Dingen, den materiellen wie idealen, durch die Thätigkeit 
der Mission und besonders durch die seit A. Sprenger's Bemühungen 
trotz verdächtigender Kevolutionsangst oder priesterlicher Bildungs- 
besorgnisse immer weiter geschrittene Einführung des Buch- und 
Steindrucks in das Leben der indischen Volkssprachen und Volks- 
dialekte eine lebhafte Bewegung in diesen selbst eingetreten. Es 
ist ein weites Gebiet , wie es uns neuerdings die Missionäre C66 ) 
gezeichnet haben und an einigen Litteraturerzeugnissen das „Aus- 
land" 607 ). Wir betrachten zuerst das Bengalische, nicht als ob 
ihm der Ruhm grosser sprachlicher Alterthümlichkeit zustände (worin 
das Mahrattische unzweifelhaft höhere Ansprüche erheben darf), son- 
dern weil es einen sehr bedeutenden Antheil an der freilich gerade 
hier bedenklich getrübten handschriftlichen Ueberlieferung des eben 
betrachteten Sanskrit und unter den ungemischteren Volkssprachen 
Indiens das grösste Gebiet beherrscht. Den Bengalen werden in 
ihrer Sprache allerlei europäische Bildungselemente zugeführt-, so 
Geschichte der Menschheit G7a ), des Alterthums G7 b ) , Englands in 
dialogischer G7c ) und erzählender 07 ' 1 ) Form, wie einer glänzenden 
Epoche Russlands G8 ) ; ja sogar die modernste und nach der Chemie 
entdeckungsreichste der Wissenschaften, die Physiologie, wird mit 
culturgeschichtlich interessanter Theilnahme studiert, wie die wieder- 
holten Auflagen eines Lehrbuchs zeigen G8:i ). Der elementaren Bil- 
dung wird grössere Sorgfalt zugewandt: die Sprachlehren von Qripati 
Bhattäcärya 68b ) und Qyämäcaran Sarman 68c ), die erstere in 



006) The languages of India, with a map, Missionary Herald l£-59 März ; 
The languages of British-India. With two maps, Chureh Missionary Intelligencer 
1859, Jan. p. 11 f. 

67) Die neuesten Erzeugnisse der modernen indischen Sprachen , Ausland 
1801 nr. 34. 

07a) Itihasa-sa-sar von Nilmani Basal: Calcutta 1859, 238 S. 8. (Lon- 
don, Trübner sh.) 

07b) Handbuch der alten Geschichte von Bhildeb Mukerjea. Tli. I. 
2. Ausg. Calcutta 1800, 200 S. 8. (London, Trübner 3 sh.) 

07c) Inglandiya itihaser prasnottar von Narinalrishna Baiidyopadhyaya. 
Calcutta 1800, 124 S. 8. (London, Trübner 3 sh.) 

07d) Inglander itihas von Bhuder Mukopadhyaya. Hoogly 1801, 220 S. 
8. (London, Trübner 4 sh.) 

08) Oeschichte der Kaiserin Katharina von ltusslaud Von Dwaralanath 
Bhattacarjea. Calcutta 1800, 40 S. 8. (London, Trübner 2 sh.) 

08a) Bahya Bastur Saint.... von Akshayhnnar Datt. Th. 1.2. 5. Ausg. 
Calcutta 1800, 220 u. 214 S. 8. (London, Trübner 6 sh.) 

68b) Sulabhabodha-vyakaran von Vrlpati Bhattäcärya. 4. Ausg. Calcutta 
1801, 58 S. 8. (London, Trübner 1 sh. 6 d) 



Gosche, vrissenschnfü. Jahresbericht für 1859 bis 1801. 111 

kürzerer Fassung, die andere ausführlicher, liegen in innen Auf 
lagen vor, zu denen in Europa die Grammatik von Forbes 6 *' [ ) mit 
praktischen Dialogen kam; ebenso erschienen in Indien neu ein Ele- 
mentarlesebuch 69 ) und ein moralisches Unterhaltungsbuch 69; '), zu 
welchem letzteren aus dem englischen Lehrplan jetzt noch eine 
bengalische Bearbeitung der „Essays" von Bacon C3h ) gefügt wurde. 
Gedichtsammlungen von Ambikacaran Vidyaratna 6i> c ) , Bharata 
Candra Hay 6iJ,] ), Nabincandra Das"' ) und einem Ungenann- 
ten 70a ) lassen, wenn auch nicht neu aufgelebte Talente, so doch 
wieder allgemeinere poetische Interessen voraussetzen; ebenso die 
zum Theil wiederholt aufgelegten Dramen von Yadunäth Mitra 701 '), 
Uämnärayan Tarkaratna 10c ) , (Jyümäcaran Qrlmani~'°' ] ) und 
Haranacandra 71 ), zu denen wir noch die bereits vorhin erwähnten 
Uebersetzungen altindischer Dramen zu vergleichen haben, und 
neben welchen charakteristisch Possen von Michael Madlmsudan 
Datt 11 *) in neuen Auflagen und von Hariccandra Mitra llb ) 
stehen. In naher Beziehung zum indischen Drama finden wir einen 
Theil der Erzählungslitteratur ; vielleicht gehört hierher Tercand 
Thalcur 7 1 c ) mit seinen Erzählungen ; sicher sind von Andern 



08c) Bangala-vyakaran von Cyamäcaran Sarman. 3. Ausg. Calcutta 
1859, 300 S. 8. (London, Trübner 8 sh.) 

08d) A grammar of the Bengali language, to which is added a seleetion 
of easy phrases and useful dialogues. By Duncan Forbes. London , Allen 
1801, gr.8. (12 V, sh.) 

09) Niti-sara von Dvaralcanath Vidyabhushana. Th. 1.2. 8. Ausg. Cal- 
cutta 1801—02, 54 u. 72 S. 8. (London, Trübner 3 sh. d.) 

(39a) Nitibodha von Raj Krishna Bancrjea. 12. Ausg. Calcutta 1801, 
110 S. 8. (London, Trübner 2 sh. d.) 

09b) Bacon's Essays bearbeitet von Ramkamal Bhattadarya. Calcutta 
1801, 70 S. 8. (London, Trübner 3 sh. d.) 

09c) Manohara-vtvaran von Ambikacaran Vidyaratna. Calcutta 1800, 
50 S. 8. (London, Trübner 2 sh. d.) 

G9d) Annada-mangal von Bharata Candra Ray. 3. Ausg. Calcutta 
1800, 424 S. 8. (London, Trübner 8 sh.) 

70) Pisacoddhara von Nabincandra Das. Calcutta 1801 , 130 S. 8. 
(London, Trübner 7 sh.) 

70a) Cinta Tarangini. Calcutta 1801, 30 S. 8. (London, Trübner 2 sh. Od.) 

70b) Visvavinoda von Yadunüth Mitra. Calcutta 1800, 110 S. 8. (Lon- 
don, Trübner 4 sh. d.) 

70c) Kulina-Kula-sarbaswa von Rämnärayan 'Tarlcaratna. 3. Ausg. Cal- 
cutta 1800, 120 S. 8. (London, Trübner 2 sh. d.) 

70d) Balyodvaha von Cyamäcaran (Jrlmani. Calcutta 1800, 72 S. 12. 
(London, Trübner 2 sh.) 

71) Dalabhanjana von Haranacandra. Calcutta 1800, 80 S. 8. (London, 
Trübner 2 sh. d.) 

71a) Bude Saliker Ghadc Ren von Michael Madlmsudan Datt. 2. Ausg. 
Calcutta 1801, 32 S. 8. (London, Trübner 2 sh. d.) und: Prahasava von 
demselben. 2. Ausg. Calcutta 1801, 34 S. 8. (London, Trübner 2 sh. d.) 

71b) Myao dharke ke von Harigcandra Mitra. Calcutta 1801, 02 S. 8. 
(London, Trübner 2 sh. d.) 

71c) Madhava u. s. w. von Tercand Thalcur. 2. Ausg. Calcutta 1801. 
70 S. 8. (London, Trübner 3 sh.) 



112 GttiMche, toüsenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

Bhavabhüti*'' 13 ), Kälidäsa' 1 *) und Qriharsha 7 - \ bearbeite! wor- 
den; in anderer Weise erzählen >Ju<j<uUsa TarJealankar 78b ) und 
Nabiukrislma Banyopadhyäya lie ); nach englischen Quellen J\V/- 
«ia«*' Basale 72,i ) und anekdotisch Hariqccmdra Müra 7:i ). Auch 
die Vetälapancavincati sind in dieser Sprache erneut worden 73a ). 
Aus der wissenschaftlichen Litteratnr sind dieser Gruppe der frei- 
lich sehr bedingt schönen Litterator nur drei Werke hinzuzufügen: 
ein encyclopädisch-zusammenfassendes 731 ') , ein populär-philosophi- 
sches über Theologie 73 ') und ein astronomisches 7311 ). 

Durch wenige Denkmäler ist das der grössten wissenschaft- 
lichen Aufmerksamkeit würdige Mahratti vertreten. Mine Bearbei- 
tung des Bhägavatapuräna 71 ) und Civalegenden 71 ■') bezeichnen die 
heilige Richtung; zwei Dramen, von welchen das eine 741 ') wahr- 
scheinlich auf das Udatta Räghava, das andere 71r ) ausdrücklich 
auf das Uttararämacaritra zurückgeht, und eine reichliche Spruch- 
sammlung 74 'i) die weltliche. 



671d) Malatimadhava. Erzählung nach Bhavabhüti von Lokaram Shtro- 
ratna. Caleutta 1860, 148 S. 8. (London, Trübner ."> so. 6 d.). Bereits 

1858 war unter demselben Titel eine Bearbeitung von Kali Pr08a/nna Ghosal 
(70 S. 8.) ebenfalls in Caleutta erschienen. 

72) Bikramorbashi von Ramsadaya Bhattäcärya. Caleutta 1859, 118 S. 
8. (London, Trübner 7 sh. d.) 

72a) Ratnavali vou Yadunäth Tarhvratna. Caleutta 1800, 150 S. 8. 
(London, Trübner 7 sh. 6 d.) 

72b) Vasantika von Jagadisa Tarhalanhar. Caleutta 1860, 142 S. 8. 
(London, Trübner 6 sh.) 

72c) Inanankura von Nabinhrishna Banyopadliyäya. Th. I Caleutta 
1861, 114 S. 8. (London, Trübner 3 sh.) 

72d) Parasya - Upanyas von Nilmaai Basale. Caleutta 1859, 428 S. 8. 
(London, Trübner 6 sh.) 

73) Kantuka-satak von Hariqeandra Mitra. Th. I. Dacea 1861, 36 S. 8. 
(London, Trübner 1 sh. 6 d.) 

73a) Betal pancabinshati von Eshvar Candra Vidyasagar. 8. Ausg. Cal- 
eutta 1861, 240 S. 8. (London, Trübner 5 sh.) 

73b) Tattvavali von Mathtirauafh Varma. Th. I. Caleutta 1859, 64 S. 8. 
(London, Trübner 2 sh.) 

73e) Natürliche Theologie von Nabin Krishna Banerjca. Th. I. Caleutta 
1860, 250 S. 8. (London, Trübner 3 sh.) 

73d) Jyotirbibarana von Gopimohun Glios. Caleutta 1859, 98 S. 8. 
(London, Trübner 6 sh.) 

74) Rukminiswayamvara in 18 Abschnitten. Bombay 1860, 90 Uli. quer-8. 
Lithogr. (London, Trübner 5 sh.) 

74a) Sivalilamrita in 14 Abschnitten. Bombay 1861, 181 Bll. quer-8. 
Lithogr. (London, Trübner 7 sh. 6 d.) 

74b) Prasannraghava. A drama in seven acts, translated fron» Sanserit, 
by Shivaram Shastri Palande and aeeepted by the Daxina Prize Committee. 
Bombay 1859, 8. (London, Trübner 3 sh. 6 d.) 

74c) Utarramcharitra. A drama in seven acts, translated from Sanserit, 
by Parshiii-iivipnnt. Godböle. Aeeepted by the Daxinä Prize Committee. Bombay 
1859, 8. (London. Trübnor 3 sh. 6 d.) 

74d) Seleet proverbs of all nations: four thousand and upwards, alphabeti- 



Gosche , wiseenschqftl. Jahresbericht für 1859 biß 1861. 113 

Dem Mahrattischen in vielen Beziehungen verwandt, aber doch 
als selbständige Sprache erscheinl das Konkani, äberwelches wir 

in neuerer Zeit durch die Bemühungen portugiesischer und italieni- 
scher 740 ) Missionare genügende grammatische, dagegen mir unbe- 
deutende, weil auf christliche Uchersetzungen beschränkte litterari- 
Bche Mittheilungen erhalten haben. Für das GuzarätT, für wel- 
ches wir bequemere und leichter zugängliche Hilfsmittel wünschten, 
weil es von den Parsen soviel gebraucht wird , ist nur das nach 
Oüendorfscher "Weise eingerichtete Uebungsbuch von Joe//'/ 741 ) 
anzuführen. Etwas mein- isl das wenn auch nicht in seiner ge- 
schichtlichen Bedeutung dem Hindustäni gleichkommende, so doch in 
arischer Reinheit ihm vorangehende Hindi berücksichtigt worden. 
Wir erhalten in dieser Sprache durch die Pressen von Agra, Benares, 
Calcutta und Mirzapore Mythologisches 74 ), Erzählungen 7411 ), und 
Rämäyana-Stücke nach Tulasldäsa's Bearbeitung 74 '), der seit 18-42 
schon als Theilnehmer an einer Uebertragung der Bhagavadgitä in 
indische Volksdialekte bekannt war. Durch die christliche Mission 
ist aber die litterarische Thätigkeit auch auf fremde Stoffe ge- 
wendet worden. Nach bengalischem Vorgange ist der Robinson 
Crusoe im Hindi erschienen 74 '); ferner ein christliches Lieder- 
buch 741 ); ein Abriss der Geographie nach englischen Quellen 74 "'); 
und einige Versuche über Philosophie 74 ") und Wissenschaft über- 
haupt 75 ). 



cally arranged and translated, by Sadashew Wishwanath. Bombay 1858, XII 

u. 476 S. 8. (London, Trübner 10 sh. G d.) 

74e) Granvmatiea da lingua Concani, escripta em portuguez por um mis- 
sionario italiano (Franc. Xavier). Nova-Goa, Imprensa nacional 1859, 148 S. 
kl. -4. Vergl. Bertrand im Journ. As. 1861, XYIII p. 287 f., der auch die 
Grammatik des Pater Thomaz Esteväo vom J. 1857 und den litterarhistorisch 
wichtigen Ensaio historico da lingua Concani von Joaquim Heliod. da Cunlia- 
Rivara bespricht. 

74f) Gujarati exercises: or, a new method of learning to read .... tlie 
Gujarati language. By Roh. Young. Surate (London) 1860, 500 S. 8. (bei 
Trübner & Co. und F. A. Brockhaas in Leipzig 4 9fy. , bei A. Pranck in Paris 
17 fr.) 

74g) Krishna-phag. Agra 1861, 16 S. S. Lithogr. (London. Trübner 2 sh.) 

74h) Lanakonki kahani. Benares 1861, 50 S. 12. (London, Trübner 1 sh.) 

74i) Tulasidäsa's Rämäyana. Bäla und Ayodhyä Kända. Berausgegeben 
vom Pandit Ramjasan. Benares 1861, 220 S. 8. (London, Trübner 6 sh.) 

7 1k: Robinson Crusoe nach Rev. ./. Robinsoris Bengali-Uebersetzung vom 
Pandit Badri Lall. Benares 1860, 456 S. 8. (London, Trübner 6 sh.) 

741) Satyasataka, or a selection of One hundred original Christian liymns. 
By J. Christian. Calcutta 1P61, 54 S. 8. (London, Trübner 2 sh.) 

74m) Bhugoladipika von Pandit Ghasiram. Benares 1860, 48 S. 4. (Lon- 
don, Trübner 5 sh.) 

74n) Shaddarsaua darpaua (Prüfung der Hinduphilosphie von einem Pandit 
in Beuares). Zwei Bände. Calcutta 1860, II, 152 u. 174 S. 8. (London, 
Trübner 12 sh.) 

75) Manoranjakavrfttanta. Edited by Atmore Sherring. Mirzapore 1860, 
105 S. 8. (London, Trübner 2 sh. 6 d.) — Vidvansangraha. Edited by the samc. 

Jahresbericht 1859^1801. 8 



114 Gosche, wissenschaßl. Jahresbericht /<» 1859 bis 1861. 

Massenhaft, dem Bengali ebenbürtig, wenn auch in Minen 
Schicksalen stärker von fremden Elementen berührt, tritt uns wieder 
«las Hindustäni entgegen. Seine praktische Bedentang hat neuer- 
dings Erleichterungen des Unterrichts und der Anwendung der Sprache 
immer notwendiger erscheinen lassen; das Humanisieren, d.h. das 
Umsetzen der einheimischen Schrift in die lateinische, ist geradezu 
eine Tagesfrage geworden, und die Wissenschaft wird so gut wie die 
Praxis davon Gewinn haben, weil wir nur so die Lautverhältnisse 
und insonderheit das Vocalsystem deutlicher und sicherer vor uns 
haben werden als in der hier ungeachtet aller Auskunftsmitte] ganz 
unangemessenen arabischen Schrift. Ueber die Wichtigkeit der 
Sprache und ihrer fortschreitenden Litteratur fährt fort der Meister 
derselben, Qarcvn de Taßsy ei6z ), in seinen Einleitungsvorträgen 
uns zu unterrichten. An Hilfsmitteln bietet zunächst für Einheimische 
Lahore ein A-B-C-Buch 75b ) und Babu Tcvara Das 1 -") eine neue 
Ausgabe seines kleinen Lesebuchs; die abendländische Wissenschaft 
erhält durch Forbes 760 ) nach den ersten Drucken von 1845 und 
1848 wieder eine Grammatik dieser Sprache und in Anschluss an 
sein 1848 zuerst gedrucktes Dictionary nun das Wörterbuch und 
ein Glossar 75 dd ) , letzteres sehr zweckmässig das Hindustäni mit 
lateinischen Buchstaben wiedergebend; W. Wrigkt bereitet ein eng- 
Lisch-hindustanisches Wörterbuch vor, das in einem Octavbande von 
etwa 800 Seiten erscheinen soll; ein kleines Glossar zum Neuen 
Testament und zu den Psalmen bringt Mather 75c ); bedeutsamer 
für die Kenntniss und Förderung des Sprachgebrauchs ist Raverty's 76 ) 
Wörterbuch der technischen und wissenschaftliehen Ausdrücke. Im 

Eben.l. 1860, 67 S. 8. (2 sh. 6d.). - Vidyasara, desgl. Ebend. 1860, 112 S. 
s. ^ sh. 6 d.) 

675a) Discours de M. Garcvn de Tassy a Pouverture du cours d'Hindou- 
stani. Paris L859, 8. Cours d'Hindoustani ;i l'Ecole imperiale ei speciale des 
langues orientales Vivantes, presla Bibliotheque imperiale. Discours deM. Garcin 
de r I r assy, a l'ouverture du Cours, le 7 fevr. L861. Paris 1861, 8. 

75b) Acebar abbyas. Lahore 1860, 10 S. 8. Lithogr. (London, Trübner 1 sb.) 

75c) Soldier's Hindustäni Qpmpaniou, or a guide to the most widely spoken 
language of tbe country. Uy Baboo Ishuree Dass of Futtehgurh. 2ml ed. 
Benares 1861, 96 S. 8. (London, Trübner 2 sh. (> it. 

75d" Grammar of the Hindustäni language in tbe Oriental and Roman 
characters; with numerous eoppevplate illustrations of tbe Persian and Devana- 
gari Systems of alphabetic writing; to which is added a selection of easy ex- 
tracts for reading, and a vocabulary. By Duncan Forbes. London, Allen 
L859, 148, 56 u. 56 S. 8. (10V 2 sb.) 

75dd Duncan Forbes, A dictionary, Hindustäni and English, and English 
and Hindustäni. London 1859, 8. ( L 2. 2sb.) und: A smaller Hindustäni and 
English dictionary, printed entirely in the Roman character, conformable to the 
systeni laid down by Sir W. Jones, and improved since bis time. By tlnucan 
Forbes. London, Allen 1861, 490 S. 4. (12 sb.) 

75e Glossary, Hindustäni and English, to tbe New Testament and Psalms. 
By Cotton Mather. London, 1861, 8. 

7C> Thesaurus of English and Hindustäni Technical Terms osed in build- 
ing and olber USeful aits; and Scientific Manual of WOrds and pbras.es in 



Gosche, tmssenschafü. Jahresbericht för 1859 bis 1861. 115 

Einzelnen ist die Sprache Dicht näher untersucht worden: nur 
Brücke 76 *) liat seinen physiologischen Scharfsinn erfolgreich dem 
System der Aspiraten zugewendet. Praktischem Bedürfniss sollen 
die Dialoge von Ghuläm Muhammed 76b ) entgegenkommen. Sehr 
nützlich ist die Umschreibung des hübschen Mesnewi- Gedichtes 
„Kämrüp und Kala" von Tahsin-addin nach Garem de Tassy's 
1835 erschienener Ausgabe von Bertrand 16 ' ; dasselbe Verfahren 
hat Monier Williams'' 60 ) bei seiner Ausgabe des auf die „Ge- 
schichte der vier Derwische" von Emir Khosrü von Delhi zurück- 
gehenden, am Ende des 18. Jahrhunderts entstandenen „Bag o bahär" 
von des Persers Landsmann Mir Amman eingeschlagen, von wel- 
chem einige Textausgaben, eine gute wörtliche Uebersetzung und 
besonders auch eine, wenn auch unvollkommene Umschrift in latei- 
nischen Buchstaben (in Vol. 24 der New Scries des Asiatic Journal) 
vorlagen. Garem de Tassy 16e ) hat seine dankenswerthe Bearbei- 
tung des theosophischen Gedichtes Nihäl Cand's von der göttlichen 
lache fortgesetzt, nachdem eres bereits 1836 in dem Journal Asia- 
tique auf Grund der selten gewordenen indischen Originalausgaben 
in seiner allgemeinen Bedeutung gewürdigt und kürzlich eine Ueber- 
setzung begonnen hatte. "Wie beim Bengali, so haben wir auch 
hier gegenüber den einheimischen Richtungen eine Vermehrung der 
popularisierenden Litteratur und zwar im europäischen Sinne zu be- 
merken; auch hier erscheinen Geschichtswerke, allgemeine 77 ), und 
besondere über Alexander den Grossen 77:1 ) (wenngleich dieser durch 
Dichtung und Sage dem Orientalen nahe steht) und über Eng- 



the higher branches of knowledge etc. by Captain H. G. Ravefty. Hertford: 
St. Austin 1859, VIII u. 107 S. 8. cloth. 6 sh. 

76a) Brüche. Ueber die Aussprache der Aspiraten im Hindustani, Sitzungs- 
berichte der k. Ak. d. Wiss. Philos.-hist. Cl. XXXI (Wien 1859, 8. p..219 224. 

76b) Colloquial dialogues in Hindustani; to wliicli is annexed a sinnt 
grammar of the language etc. 15y Ghulam Mohammad, Munshi. Calcutta 
1859, IV u. 74 S. 12. 'London, Trübner 2 sie 6 d. 

76c) Les Aventures de Kamrup, texte hindoustani romanise d'apres l*edi- 
tion de M, Garcin de Tassy, par M. l'abbe Bertrand. Paris 1859, 68 S. 8. 
Vergl. Brockhaus in Z. d. DmG. XIV (1860) p. 758 f. 

76d) Bägh-o-Bahär. The Hindustani text of Mir Amman, edited in Roman 
type, with notes, and an introduetory chapter of the nse of the Roman cba- 
racter in oriental Languages. By Monier Williams. London 1859, XXXYII 
u. 240 S. 8. Vergl. Brockhaus in Z. d. DmG. XIV (1860 p. 758 f. 

676e) La doctrine d'amour ou Taj-ulmuluk et Bakawali, roman de Philo- 
sophie religieusc, trad. de 1 'Hindoustani , par Garcin de Tassy, Revue de 
l'Orient 1859, IX p. 111—121, 192—204, 252—266. Vergl. Z. d. DmG. XIV 
p. 217, nr. 553. 

77) Tazkirat al-Mushahir in vier Theilen (I die alten Monarchien, II Grie- 
chenland, III Rom, IV Neue Zeit). Labore 1860- 61, 34, 102, 136, 152 S. 8. 
(London, Trübner 8 sh.) 

77a) Leben Alexander's des Grossen. Labore 1860, 20 S. 8. (London, 
Trübner 2 sh. 6 d.) 



1|ß /-«', wissenschqftl. Jahresbericht för lsV.t bis 1861 

land 677h ); Daher liegl Asien' 7 ); unmittelbar berührt wird das Pen- 
dschäb 77d ); in wieweit die erzählenden Schriften ober Sorajpur 78 ), 
Baba Nanak 788 ) und Kam Candr 78b ) zur historischen Litteratur 
gehören, ist zweifelhaft. Auch die Geographie ist angebaut wor- 
den; zwei Lehrbücher derselben liegen vor 780 ), und Reisen von 
Amir Cand 18d ). Christliches ist in einer Choralsammlung gebo- 
ten 7!l ); traditionell Einheimisches und modern Europäisches mag 
sich in den Lehrbüchern über Algebra 7 * 8 ) und andern, zum Theil 
wie es scheint das encyclopädische Wissen betreffenden Werken 791 ') 
berühren. 

Das für den internationalen Verkehr wichtige SindhT fährt 
Trumpp fort, in ausgezeichneter Weise zu bearbeiten. Eine Abhand- 
lung desselben in unserer Zeitschrift 790 ) untersucht zunächsl das 
Lautsystem der Sprache in Vergleichung mit den übrigen enger- 
sanskritanischen Sprachen (wie man vielleicht, wenn auch etwas 
niissbräuchlich . nach Analogie des Romanischen von der indisch- 
arischen Gruppe sagen darf), für welche Betrachtung das SindhT als 
eine vorzugsweise reine Sprache besonders geeignet und lehrreich 
ist. Ein Lesebuch von demselben tüchtigen Missionär 80 ) wird das 
praktische Studium fördern. 



(577li) Englische Geschichte im Auszuge. Lahore 1860, 72 S. 12.£(London, 
Trübner 4 Sh.) 

77c) Jam-i-Jahän-numä. Vier Thle. Lahore 1861, 100, 174, 178, 98 S. 
8. (London, Trübner 10 sh. d.) 

77(1) Geschichte des Pendschab. Lahore 1861, HS S. 8. (London, Trübner 
4 sh.) 

78) Qissa-i Surajpur. Labore 1860, 14 S. 8. Lithogr. (London, Trübner 1 sh.) 
78a) Leben des Baba Nanak. Labore 1860, 24S. 8. London, Trübner 2 sh.) 
78b) Leben des Räm Cander. Lahore 1860, 33 S. 8. (London, Trübner 

2 sh. 6 d.) 

78c) Handbuch der Geographie. Lahore 1861, 179 S. 8. (London, Trübner 

6 sh.); und: im^R" Läly«^, Benares 1860, 52 S. 4. mit 4 Karten. (Lon- 
don, Trübner 3 sh. 6 d.) 

78d) Safar-namah des Amir Cand. 2 Thle. Lahore 1859, 434 S. 8. 
(London, Trübner 8 sh.) 

79) Choral Book, or Swar Sangrah, containing the tunes to those hymns 
in the Git Bangrah, which are in Dative metres. Compiled by John Parsons. 
In Roman characters. Benares 1861, VI u. 98 S. 8. (London, Trübner 5 sh.) 

79a) Jabr Mukabalah in 2 Thln. Labore 1859—61, 172 u. 122 S. 8. 
(London, Tiiibner (i sh.) 

79b) Shari'ut-ta'lim. Lahore 1860, 28 8. 8. Lithogr. (London, Trübner 
1 sli. (id.). — Dasselbe: ebend. 1861, 70 S. 8. Lithogr. (London, Trübner 2 sh.) 
Tashhiri-Zuhnri. Lahore 18G1, 110 S. 8. Lithogr. (London, Trübner 3 sh.) 
Puari-ki-kitab. Lahore 1860, 50 S. 8. Lithogr. (London, Trübner 1 sh. (i d.) 
Kbiyalat-us-Sana'i. Lahore 1859, 80 S. 8. Lithogr. (London, Trübner 2 sh. 6 4.) 
Sahasra ratri sanchepa (in Nagari-Schrift). Benares 1861, 84 S. 8. (London, 
Trübner 2 sh. 6 d.) 

79c) Das SindhT im Vergleich zum Präkrit und allen andern neuern Dia- 
lecten Sanskritischen Ursprungs. Von E. Trumpp, Z. d. DmG. XV (1861) 
p. 690—752. 

8U) A Sindhi reading book in the Sanscrit and Arabie character. Compiled 



Gosche, Wissenschaft!. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 117 

Ehe wir das arische Sprachen- und Völkergebiet Indiens ver- 
lassen, haben wir noch das aus seinen engeren <i ranzen verdrängte 
Pali zu erwähnen. Für dasselbe scheint eine der bahnbrechenden 
Arbeiten George Turnour*s würdige immer zahlreichere Nachfolge 

einzutreten; nicht allein beabsichtigt R. Rost in Canterbury 81 ) eine 
Sammlung der Essays des grossen Forschers, welche hier genau 
noch dieselbe Bedeutung haben, wie die von Prinsep auf dem Ge- 
biete der indischen Epigraphik ; sondern mitten im buddhistischen 

Leben sehen wir von dem Gouverneur Sir 11. Ward den Franzosen 
Grimblot* 2 ) mit derselben Aufgabe betraut, und vielleicht dürfen 
wir wünschen, dass der Franzose lieber seine rührige Kraft der gerade 
in Colombo möglichen Ausführung seiner übrigen schönen Entwürfe 
zuwende, dem Deutschen in England dagegen das Geschäft der Samm- 
lung und Redaction von Tumour's Studien überlasse. Das Dham- 
mapadam, welches seit 1855 durch FausbölVs verdienstliche Be- 
mühungen als ein bequemes Grundwerk für Palistudien vorlag, ist 
von A. Weber 83 ) mit gewohnter Selbständigkeit übersetzt worden; 
derselbe giebt auch einiges aus Buddhaghosa 83 a ). Ein ebenso wich- 
tiges als interessantes buddhistisches Litteratur-Denkmal bietet Faus- 
l)öll Hi ) in den Jätaka's dar, mit welchen wieder ein wichtiges Glied 
in der Geschichte der indischen Legenden- und Erzählungsstoffe ge- 
wonnen ist. 

Die dravi (tischen Sprachen haben trotz der die Missions- 
thätigkeit anlockenden Massenhaftigkeit der sie redenden Völker, 
um des seeundären Charakters ihrer Litteraturen willen keine sehr 
eingehende Pflege gefunden. Das Beste schien mit GaidweWs zu- 
sammenfassendem "Werke von 18f>6 gethan zu sein. Für das Ta- 
rn u lisch e gibt Räjägöpäla Mudaligar %b ) eine Reihe von Rede- 
wendungen in bequemer Umschreibung und Pope 86 ) eine poetische, 
für Unterrichtszwecke zurechtgelegte und seine früheren Sammel- 
werke ergänzende Anthologie. Von nicht geringer literarhistorischer 

by the Rev. E. Trirmpp. Printed for the Church Missionary Society 1858, 
VII, Ua, 17, 71 u. \tt S. 8. VergK Ewald Gott. gel. Anz. 1861 nr. 24 p. 954 f. 

81) Vergl. Z. d. DmG. XV (1861) p. 175. 

82) Vergl. Z. d. DmG. XV (1861) p. 141 f. 

83) Das Dhainmapadam. Die älteste buddhistische Sittenlehre. Uebersetzt 
von Albr. Weber, Z. d. DmG. XIV p. 29-8& 

83a) A. Weber, Ueber die Päli-Legende von der Entstellung des S:\kya- 
und Koliya-Geschlechts, Monatsbericht der Berl. Ak. d. Wiss. 1858 p. 328 — 340. 

84) FheJatakas. contaioing a fairy tale, a comical story, and three fahles. 
In the original Pali text, aecompanied with a translation and notes. By V. Faus- 
böll. Copenhagen 1861, VIII u. 72 S. 8. (1 fy 18 Jfa.) 

85) On thousand conversational sentences in Roman -Tamil, specially ad- 
apted for the use of persons employed on public works, to which are added 
tliirty selected from the Kada Manjarl, in the same character. Arranged by 
P. S. Räjagdpäla Mudaliyar. (Madras Engineering College Papers nr. 1). 
Madras 1860, IV u. 86 S. 8. (London, Triibner A l [ 2 sh.) 

86) Pope's Tamil poetical anthology, with grammaticsl notes and a voea- 
bulary. Madras 1859, XVIII u. 220 S. 8. Vergl. Z. d. DmG. XIV p. 218. nr. 561. 



1],^ GoscJu , wissenschaftl. Jahresbericht jwr 1859 bis l^'U. 

Wichtigkeil isi Casie Ckätrfs* 81 ) Biographieusammlungj und ans 
tamnlischer Quelle schöpfl Foullees 88 ) die Grundzüge der Vedänta- 
Philosophie. Das Telugu ist, wie es merkwürdig von den Missio- 
naren vernachlässig! scheint, nur durch eine einheimische, sehr prak- 
tisch auch lateinisch umschriebene Sprachlehre vertreten 89 ). Mehr ist 
über das Kanaresische anzuführen. Ein nach tamnlischer Grund- 
lage gearbeitetes Lesebuch liegl zum Theil in neuer Ausgabe vor 89 ), 
ebenso ein grammatisches Wortverzeichniss 89b ). Reevds ausführ- 
liche 896 ) und kürzer gefasste 89d ) lexikalische Werke haben eine 
Revision durch Sanderson erfahren. In das Leben der volksthüm- 
thümlichen Poesie dieser Sprache führen Möglitig's 89 *) in unserer 
Zeitschrift veröffentlichte Uebersetzungen aus dem L850 anter dieses 
kenntnissreichen Missionars Fürsorge zu Mangalore lithographierten 
Däsaradagalu ein, mit welchen Stücken er sein 1848 ebenfalls in 
unserer Zeitschrift gegebenes Litteraturbild glücklich vervollständigt. 
Die häutigen Drucke eines Erzählungsbuches 89 •) können für die 
Interessen dw kanaresischen Schulen zeugen; die Missionare thun 
das Ihrige durch Uebersetzung von Unterhaltungsbüchern 89 g ), Kate- 



687) The Tamil Plutarch, containing a summary accounl o£ the lives of the 
poets lind poctesses of soutbern [ndia and Ceylan, from the earliesl to the pre- 
sent time, witli selecl speeimens of their compositions, by Simon CasU Üliitty. 
Jajfna L859, V u. 121 S. 8. Vergl. Mbhl im Joura. As. L860. T. 16. p. 460. 

88) The elements of the Vedantic philosophy, translated from the Tamil. 
By Thomas Foulhes. Madras, Vepery; London, Williams & Nbrgate ls<>0, 
33 S. 8. (Leipzig, Brockhaus 24 Jfy). Vergl. Westm-Review 1860. T. ls. 
p. 539. 

89) A shori grammar of the Telugu language, in which the Roman-Telugu 
character is used. Prepared by M. Lakshminaräsayya. Madras (Engineering 
College Papers nr. 11) 1860, 88 8. 8. (London, Trül r I sh. 6 d. 

89a Canarese Second book, from the Tamil, by Rev. />'. Rice. 2nd edition. 
Bangalore 1861, \*1 1 1 u. 142 8. 18. (London, Trübner 1 sh. (> d.) Canarese 
third book etc. Ebend. 1860, Vlll u. JOS S. 18. 2 sie 6 d.) 

89b A grammatical vocabulary in English and Canarese, classified uwler 
he various parts of speech. By .1/. Ramasamy. 3rd edition. Bangalore l s .>s, 
196 S. 12. (London, Trübner 3 sh.) 

89c A dictionary, Canarese and Rnglish. By the luv. II'. Reeve. Re- 
vised, corrected and enlarged by Daniel Sanderson. Bangalore l v ">s, 1040 S. 
S. ('London, Trübner geb. i. 2, 2 sh.) 

S'.M; A dictionary, Canarese and English. By tlic Rev. II'. Reeve. Re- 
vised, eprrected and abridged by Daniel Sanderson. Bangalore 1858, 276 S. 8. 
London, Trübner geb. 14 sh.) 

89e) Lieder Kanaresischer Sänger. Uebersetzt von II. Fr. MogUng, Z. d. 
DmG. XIV (1860) p. 502 51G. 

89f. The seventy stories in Canarese, forming a series of progressive les- 
sohs, especially adapted to the ose cd' Canarese students in their earlier stadics, 
and for schools. 5th edition. Bangalore 1860, IV u. 100S. 8. London, Trübner 
2 sh. 6 d. 

89g Paranjoti and Kxupe. A translation of Phulmoni and Karuna. Bj 
Mrs Mitllens, Calcutta. Translation revised and edited by the Rev; B. Rice. 
Bangalon L859, IV a. L52 S. 8. London, Trübner 2 sh. 6 d.) 



Gosche, wissenscha/Ü. Jahresbericht för L859 bis 1861. ll'.l 

chismen 89h ) und Erbauungsschriften, anter Lünen HunywCs 89i ) 
„]?ilgerschaft"j welche in der Uebersetzungslitteratur bereits den Io»- 
binson aberholt zu haben scheint. 

Für die isolierten nordindischen Sprachen isl die Fort- 
setzung der Untersuchungen von Hodgson 90 ) iiber die Dialekte 
von Nepal und Schotts 91 ) Abhandlung iiber die mit ihrem Bil- 
dungsprincip nach Qinterindien weisende Kassia-Sprache zu erwäh- 
nen, welche Abhandlung mil der nur wenig früher erschienenen Schrift 
von von der Gabelentz zu vergleichen ist. 

Hiermit verlassen wir das eigentlich indische Gebiet. Eine üeber- 
gangsstufe zu den ßräniern bilden die Käfirs oder Sj,yäp.ösh, 
über welche wir endlich wieder genauere Nachrichten durch /'<>- 
uerty 92 ) und Trumpp 93 ) erhalten, durch ersteren in geographi- 
scher, durch den andern in sprachlicher Beziehung. Diese letzteren 
Mittheilungen sind von besonderem Interesse, weil sie aus dem 
Volksleben geschöpft sind und die Notizen von Alex. Ha nies, auf 
welche wir bisher allein angewiesen waren und auf welche gestützt 
unter Benutzung von Bemerkungen Bopp's pari Ritter 1839 in 
dem ersten Bande der Monatsberichte der Berliner Gesellschaft für 
Erdkunde im allgemeinen den sanskritischen Charakter der Sprache 
und des Volkes der Siyäpösh hatte behaupten können, in erwünschter 
Weise ergänzen und berichtigen. Ungeachtet aller Entlehnungen aus 
dem Afghanischen und Persischen sichern die Lautverhältnisse den 
sanskritischen Charakter der Sprache; so hat sich der ursprüng- 
liche Zischlaut beim Verbum subst., auch da wo er isoliert zwischen 
oder vor Vokalen ohne Stütze steht, gegenüber dem Eränischen 
überall erhalten, und so erseheint das s auch in näsuri (Nase), 
mäs (Monat), sü (Sonne) wie in den entsprechenden sanskritani- 
schen Wortformen. Eine uneränische lexikalische Eigenthümlichkeit 
ist unter Anderem äna (Feuer), das nur einem agni entsprechen 
kann. Wirklich eränisch ist dagegen trotz aller sonderbaren Laut- 



89h) The Cateehisms of tlie Wesleyan Methodists. Compiled and published 
by order of the Conference for the use of tlie families and schools connected 
with thatbody. Nr.I.II. Bangalorel861, 16u.162S.18. (London, Trübner 3sb. 

89i The Pilgrims progress. By John Bunyan. In Canarese. Pari 1. 
edited by the Rev. B. Hiev from a translation by Rev. Gr. Weigle and Rev. 
Dr. Moegling. Mangalore 1861, 208 S. S. (London, Trübner 1 sh.) 

',10 l>. II. Hodgson, Comparative Vocabulary of the Lauguages of the 
broken Trittes of Nepal, Journ. of tln' As. Soc. of Bengal XXYll (185S 
p. 393 442. Vergl. Z. d. DmG. XIV p. 2 IS. nr. öf)^. 

91) Die Cassia-Sprache im aordöstl. Indien, nebst ergänzenden Bemerkungen 
über das Tai oder Siamsche. Von W. Schott . (Aus den Abhh. der Ak. d. Wiss. 
zu Berlin 1858) Berlin, Düminler 1859, IS S. gr. 4. in. 8 ngr.) Vergl. Z. d. DniG. 
XIV p. 218 nr. 565. 

92) Captain H. Gr. Raverty, Notes on Käfiristän, Journ. of the As. Soc. 
of Bengal XXVlü (1859) p. 317—368. 

93) Trumpp, <)n tlie [anguagc <■( tlie so-called Kafirs of tlie Indian Cau- 
casus, Journal of tlie Roy. A-. So,-, of Great Brit. Vol. XIX (London 1861, 
gr.8.) p. 1- 29. 



120 Gosche, wissenschafü. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

Verwilderungen and Lehnworte das Afghanische, um dessen Er- 
forschung durch Herbeischaffung von grammatischem, lexikalischem 
und litterarischem Material Raverty 69 *) sich die anerkennenswer- 
thesten Verdienste erworben natt er darf in dieser Beziehung als 
der würdige Nachfolger von Dom gelten, der hier Bahn gebrochen 
hatte Wenn man so sicheres Detail vor sich hat, dann erscheint 
eine Frage, wie die von Loevoenstern '■'■') aufgeworfene, nicht allein 
überflüssig, sondern bei dem gegenwärtigen Stande der vergleichen- 
den Sprachwissenschaft geradezu als Anachronismus. 

Das Bild iles eigentlichen iranischen Lehens spiegell sich 
in den Schicksalen der Sprachen wieder, welche zwischen Indus und 
Tigris geredet werden und deren Geschichte uns ßpiegd 99 ) mit ge- 
wohnter Gründlichkeil den Hauptmomenten nach gezeichnet hat: von 
einer einheitlichen Fülle bis zur zerbröckelten Aggregation fremder 
Bestandteile. Auch hat Spiegel es mit Rechl der Würde eines Ge- 
lehrten angemessen erachtet, in weiteren Kreisen über Grund und 
Hoden dieser Entwicklungen, ühcr Medien 97 ) und Persien 98 ) auf- 
zuklären. Für die geographische Durchforschung des letzteren ist 
in neuerer Zeit mancherlei geschehen. Im Nordwesten ist der Dema- 
wend (dieser lautliche und reale Pendant zum indischen llimavat) 
von Czamotta"), Thomson und Lord Karr 100 ), Nicolas 1 ) und 



694) H. G. Jiarcrtij, A grammar of the Puk'hto, Pus'hto, or Länguagi of 
theAfghans, in which the rules are illustrated by examples from tlie host wri- 
ters, both poetical and prose; together with translations from the articles of 
war and remarks on the language, Literatare and descent of the Afghän tribes. 
2nd edition. London 1860, XVI u. 204 S. 4. (Leipzig, Brockhaus 6 2 /„ ■ •'■/. I 
- Desselben: A dietionary of the Puk'hto .... vrith remarks un the originality 
of the language, and its affinity to the semitie, and other oriental tongues. 
Ebend. in dem-. J., XXIV u. 1116 Sp. 4. (Loipzig, Brockhaus 26 2 /a ■'']■) — 
Desselben: The Gulshan-i-röh ; being selections, prose and poetical, in the 
Pus'hto, or Afghan language. Ebend. 1860, VIII u. 212 S. 1. (Leipzig, Brock- 
haus 14 $fc). Vergl. Ewald Gott. gel. An/.. 1861, nr. 24 p. 954 f. und 
Sprenger in Z. d. DmG. (1862 p. 743 790. 

95) Rev. Isidor Loewenthal, Is the Pushto a Semitie Language V Journ. 
of the As. So,-, of Bengal XXIX (186o) p. 323—345. 

96) Fr. Spiegel, Kurzer Abriss der Geschichte der eränischen Sprachen, 
Beiträge zur vergleichenden Sprachforschung von Kuhn and Schleicher 11 (1859) 
p. 1 — 37, 217—235. 

1)7 1 Medien von Fr. Spiegel), Ausland 1861, nr. 10—18. 

98) Persis (von Fr. Spiegel), Ausland 1861, nr. 30. 

99) Die Besteigung des Vulkans Demavend durch d. Oesterr. Berg- Inge- 
nieur Ceamotta, imJ.1852 Mitgetbeilt von Ckamikqf (russ. in den Memoiren 
d<r Kaukasischen Abth. der Kaiserl. Russ. Geogr. Gesellsch., Bd. II, Tiflis 1852, 
übersetzt von Baumgarten in) Petermann's Geogr. Mitth. L859 p. 74 76. Vergl. 
Besteigung des Demavend, Wjästnik der K. Russ. Geogr. Ges. 1859, IV. 

700) Journey through the mountainous districts north of the Elbürz, and 
ascent of Demavend, in Persia. By K. F. Thompson and Lord Schomberg 
II. Kerr, Proceedings of the R. Geogr. Soc. 1859 III p. 1 ff. - Vergl. dazu : 
Ascension du pic de Demavend par M. M. de Saint - Quentin , Thompson et 
Kerr, Nouv. Ann. des Voy. VIe S.'r. 1858, [V p. 355 t. 

1) Excursion au Demawend, par Gapitain Nicolas, Bulletin de la Soc. 
de Geogr. L861, Aoüt-Sept. p. 1)7 — 112. 



Gosche, wi8sen8chafil. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 121 

Kölsch/ 2 ) näher untersucht worden, sodass ein französisches Blatt 
eine neue Skizze des ganzen Alburz versuchen konnte :; ). Von der 
Besteigung dieses ausgestorbenen ziemlich colossalen Vulkans durch 
die preussische Gesandtschaft haben wir noch authentische Nach- 
richten zu erwarten. Noch immer schwanken die Angaben über 
seine Höhe um fast 2000 Fuss. Im Süden des Lande- i-t durch 
eine russische Expedition besonders Choräsän untersucht worden 4 ); 
nähere, sehr lebendige und den Stoff beherrschende Mittheilungen 
verdanken wir besonders Khanyhof, welcher Choräsän im Allge- 
meinen''), und im Besondern das alterthümliche Herat 5 *) und das 
für den Handel wichtige Meshhed 5b ) schildert. Für den Westen 
des Landes versprechen die Arbeiten der persisch-türkischen Grenz- 
commission mancherlei Ausbeute : " ). Die Geographie des Reichs 
hat Sarbier dt Meynard 6 ) durch seine geschickte Bearbeitung der 
betreffenden Artikel aus Yäqüt's grossem geographischen Wörter- 
buche um ein Erhebliches gefördert; dies Werk macht den wissen- 
schaftlich gewiss gerechtfertigten Wunsch rege, dass statt der in 
England seit Jahren dem Anschein nach ohne Erfolg in's Auge ge- 
fassten Gesammtübersetzung des „Mujam" lieber ähnliche Zusammen- 
stellungen für einzelne Länder versucht werden möchten. Die ältere 
Chronologie und Geschichte liegt noch im Dunkeln. Bosanquet"') 



2) Tlieod. Kotschy's Erforschung und Besteigung des Vulkans Demavend, 
Petermann's Geograph. Mitth. 1859 p.49 — 68. 'mit Grundriss und Ansichtein. 

3) L'Elbrouz, chaiue de niontagues du Caucase, Revue de l'Orieiit 1859, 
IX p. 400. 

4) Dil- Russische Expedition nach Persien [nach einem Briefe N. Chanykojfs, 
Herat 23. Sept. 1858), Petermann's Geogr. Mitth. 1859 p. 206 f. — Die russi- 
sche Expedition nach Chorasan, Erman's Archiv für wiss. Kunde von Russland 
.Will 1859) p. 104 — 109; Berichte über die Resultate der Expedition nach 
Chorasan (Zool. von Keyserling, Botan. von Bunge, Geogr. von Göbcl, Physik 
von Lenz . ebend. p. 605 — 631 nach dem Wjästnik der K. Russ. Geogr. Ge- 
sellschaft i859, IV.) — C. Schirren, Die russ. Expedition nach Khorassan, Zeit- 
schr. f. allg. Erdk. N. F. 1859, VD p. 89 f. 

5) Memoire sur la partie meridionale de l'Asie centrale par IV. de Khani- 
koff. Paris 1861, 234 S. 4. m. 3 Karten. 

5a) N. Kluinihuff, Lettre a M. Reinaud, Journ. As. 1860 T. 15 p. 537 
— 513 nebst lithogr. Plan. 

5b) Meched, la ville sainte et son territoire, par X. de KJianikof, Le 
Tour du Monde 1861 nr. 95—96. 

5c) Ceber die Arbeiten der persisch-türkischen Gränz-Commission. Von 
E. J. Tschirikow, Erman's Archiv für wiss. Kunde von Bussland XIX (1860) 
p. 218-224. 

6) Dictionnaire geographique, historique et litteraire de la Perse et des 
contrees adjacentes; extrait da Mo'djem el-bouldan de Yaqout, et complete . : i 
l'aide de documents arahes et persans, pour la plupart inedits. Par C. Barbier 
de Meynard. Paris 1861, XXI u. 64(5 S. gr. 8. vergl. Th. Benfey in Gott 
gel. Anz. 1863 nr. 28 p. 1114— 1120. 

7) J. W. Bosanquet, Chronology of the Bffedes, (Vom the Reign of Da- 
rius, the son of Hystaspes, or Darius the Mede, Journal of the Royal As. Soc. 
ot Great Britain XVII (1860) p. 39 f. vergl. Ewald im Bibl. jahr'b. X (1860 
p. 171 f. 



122 Gosche, wiasenschq/U. Jahresbericht för 1859 bis 1861 

hat zwar mit Alisdauer seine Untersuchungen jetzt über Zeitrech- 
rechnung der Meder fortgesetzt; einige Sicherheil wird man >u\\ 
aber doch nur von der Auffindung zahlreicherer Synchronismen durch 
die fortschreitende Keilschriftentzifferung versprechen dürfen. Glück- 
licher Weise hat Persien zahlreiche weltgeschichtliche Berührungen. 
Seine allgemeine Culturstellung bezeichnel Spiegel 708 ); ein interes- 
santes .Mummt aus den Kämpfen mit Griechenland behandelt de 
Koutorga 9 ) - die persische Parteibildung in Athen, eine durch 
die weltgeschichtlich bedeutsamen Erfolge der Thatsachen als nichtig 
erwiesene Combination, wie sie analog herzlose deutsche Politiker 
gern zu Zeiten französischer Oebermacht für ihr Vaterland ver- 
suchten. Die verworrene Epoche zwischen Achämeniden and Sfisä- 
niden betrifft eine baktrische Inschrift aus Afghanistan 10 ), die Skizze 
Parthiens von Spiegel ' '). und besonders die an Mirkhönd anknüpfende 
scharfsinnige Arbeit von Gutschmids I2 ), dem ein von Muh/an sorg- 
fältig übersetztes Textstück des für ältere Epochen überschätzten 
Historikers vorlag. In die Säsänidenzeit ist, abgesehen von gleich- 
zeitigen abendländischen Berichten und den noch zu vervollständi- 
genden und dann erst mit Erfolg zu untersuchenden Inschriften, 
durch die Münzreihen einige Ordnung zu Illingen; um diese Seile 
der persischen Denkmäler haben Dorn und Bartäohmaei 19 ) sich 
neue Verdienste erworben, Die Stellung der Säsäniden zum Chri- 
stenthum, das ihren romantischen Restaurationsneigungen doppell 

708) Die Kulturgeschichtliche Stellung des alten Persiens. Von/V. Sjih<j</, 
Ausland 1860, nr. 16—18, 20 21. 

9) de Koutorga, Memoire sur le parti persan dans ia Grece ancienne et 
le. proces de Themistoele. (Extr. des Meuioires presentes par divers savants 
a L'Ac. des Lhscr. Serie 1. T. VI P. 1). Paris L860, 34 S. gr. 1. VergL Li- 
tcrar. Centralbl. 1860 nr. :)!) p. 619 f. 

10) Translation of a Bactrian [nscription from Wardak in Afghanistan. By 
Bäbu Rdjendraldla Mitra, Journ. of the As. Soc. of Bengal ltflil p. 3i37 — 
347d on. 1 Tfl.) 

1 1 Parthien. Von Fr. Spiegel, Ausland 1861 nr. 46—47. 

12) Zur Geschichte der Arsakiden. I. Geschichte der Arsakiden, aus Mir- 
khönd übersetzt von F. Mühlau. II. Ueber Quellen und Glaubwürdigkeil von 
Mirchond's Geschichte der Ashkänischen Könige von Alfr. v. Ghctschmid 
A. d. DmG. XV (1861 p. 664—689. 

I.'i B. Dorn. Neue Ansichten in der Pehlewy-Münzkunde Au> d. Bul- 
letin liist. philol. de l'Ac. de St. Petersbourg, XV] nr. 1. 2 . Melanges asiat. 
III 1859) p. 426—459; Nachträge dazu Aus d. Bulletin XVI nr. 3 ebend. 
p. 160 17."): desselben Forschungen in der Pehlewy-Münzkunde I Aus dem 
Bulletin hist.-philol. de l'Ac. de St. Petersbourg T. XVI. nr. 17). Melanges 
asiat. III L859 p. •>!'! ii.')i): Foi"tsetzung (Aus dem Bulletin de l'Ac. de 
st. Pet. f. I p. 17s r. ebend. IV 1860 p. 22 21; verglichen dazu: i;.\- 
traits de lettres de M. Bartholomaei ä Bf. Dorn, datees de Tiflis 5 — 26. Bfai 
I 58, contenanl des observations sur la numismatique sassanide, avec des 
remarques de Bf. Dorn Tire' du Bull, hist.-philol. de l'Ac. de s;. Petersbourg 
T. XV. nr. 22 Melanges asiat. III (1859 p. 349 — 'M'l; und Bartholomaei, 
Kxtrait d'une lettre ä Bf. Dorn, datee <\<- Teheran, le l'.i dec. 1858, concernant 
une monnaie du roi arsaeide Tiridate II Tire' du Bulletin liist. -philol. T. XV] 
nr. 12 . Melange asiat. in (1859 p. 584-588 



Gosche, wisaenschafül. Jahresbericht für 1859 bis 1861. [23 

gefährlich erscheinen musste, hal Ufilemann **) an «Ich grausamen 
Verfolgungen nach Assemani's „Ada martyrum" geschildert. Mil 
seiner auf gute orientalische Quellen gestützten Darstellung der Is- 
maelitenherrschafl in Persien fuhrl ans Defremery 18 ) mitten in 
die religiösen und politischen Wirren des Islam hinein: es ist be- 
kannt, wie viel wir diesem Erforscher muhammedanischer Geschichten 
bereits \ erdanken. Tamerlans kriegerisches Auftreten und die Schrecken 
der Folgezeil beliebtet nach armenischer Quelle Neve 1G ), den wir 
auch hier in gewohnter Weise aus unbenutzten Schriftstellern Ein- 
zelheiten der orientalischen Staats- und Culturgeschichte mit Glück 
und Eifer aufhellen sehen. An die äusserste östliche Grenze des per- 
sischen Lebens gegen Indien führt uns Thomas 11 ) mit seinen Unter- 
suchungen über die Könige von Ghazna. 

Der I'a isi sm u s, durch eine wenngleich zertrümmerte heilige 
Litteratur und durch das Fortbestehen achtungswerther Gemeinden 
beglaubigt, wird immer eingehender untersucht, zumal durch Haug's 
grossartige Bemühungen die indischen Bekenner der Leine in die 
lebendigste Berührung mit der europäischen Wissenschaft gesetzt 
sind. Unter ihnen selbsl steigert sich die litterarische Tbätigkeit. 
So gibt Dosabhoy TPramji 1S ) ein Vertrauen erweckendes Bild ihrer 
allgemeinen Geschichte und gegenwärtigen Zustände; Spiegel 19 ) findet 
Gelegenheit, über ihre Beziehungen zur europäischen Wissenschaft 
zu reden, wie wir ihm auch eine belehrende Skizze des Parsismus 20 ) 
überhaupt \ erdanken; unter ihnen empfängt Hang 21 ) Anregungen 
zu einer höchst selbständigen Darstellung des Ursprungs der Zoroaster- 
lehre. Auch sprachliche Untersuchungen finden hier Boden. Auf 



141 Die Christenverfolgungen in Persieu unter der Herrschaft der Sassa- 
iiiilni im 4. u. 5. Jalirli. Aus gleichzeitigen syr. Originalquellen dargestellt 
von Friedr. Uhlemann, Nicdner's Zeitschr. für hist. Theol. 1861, 31 p.3 — 1<>2- 

15) Doc*ments sur l'histoire des Ismaeliens ou Batinions de la Perse, plus 
eonnus smis le noni d'Assassins, par C. Defremery. Journ. As. 18(30. T. 15 
p. 130—210. 

llj) Expose des guerres de Tamerlan er de Schah-Rokh, dans L'Asie occi- 
dentalc, cPaprfes la chronique armenienne de Thomas <1< Medzoph, par l 
Neve, Memoircs couronnes etc. publ. par l'Acad. Roy. de Bclgique, T. M 
(Bruxelles 1861, 8. : daraus auch besonders abgedruckt, Bruielles 1860, 8. 

;;■ , fr.) 

1 i i Supplementary contributions to tbe Series of tlie coins of the Kings 
Df Ghazni, by Edio. '/'/minus. London 1859, 62 S. 8. mit 1 Tf. Separat- 
abdruck aus d. Journal of the K. As. Soc. KV11 (1860) p.' 138 f. 

18) TheParsees: their history, manners, customs and religion. By Dosabhoy 
Framjee. London, Smith and lüder; Bombay, Smith and Taylor 1858, XV 
ii. 286 s. s. Vergl. 'lt.. Benfey Gott. gel. Air/.. 1860 ur. 16 p. 148 l 

l'.l) Fr. Spiegel, Die Parsen in Indien u. die oiirop. Bildung, Ausland 
1859 ur. 39. 

20i Spiegel, Parsismus, Herzog's Real-Encyclopaedie XI (1859 p- 115 
L28. 

21) Lecture on the Origiu of the Parsee religion, delivered on the first 
of march 1861 at the United Service Institution by Haug, Poona 1861, 18 S 8 



124 Gosche, wisscnschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

Kosten eines reichen Parsen veröffentlicht in London Dhanjibhai 
Framn™ 1 *) Betrachtungen über die Acchtheit der alteränischen Spra- 
chen, und seltsam sticht gegen diese besonnene Weise der Mangel 
an Disciplin ab bei einem Werkchen, das mitten in der europäi- 
schen Wissenschaft entstanden ist, für das uns aber etwaige Leser in 
Guzerat nicht verantwortlich machen mögen: bei dem Abriss der 
Zendgrammatik von Piefraszewski 22 ). Hoffentlich erscheint Hauffs 
uns zugesagte Sprachlehre bald. Mittlerweile gibt Spiegel Einzelnes 
zur Grammatik 221 ) und zum Wörterbach 23 ). Leider hat der nah- 
verwandte altwestpersische Dialekt keine günstige Aussicht, über die 
bis jetzt bekannt gewordenen Denkmäler hinaus Zuwachs zu erhal- 
ten; es müssten denn zu jenem Bruchstück, das in Mordfmann's 2i ) 
1 binde kam und sicher von einem ähnlichen Edict wie die Darms- 
inschriften herrührt, weitere Funde kommen. Das bisher bekannt 
gewordene wird für Ebel 2b ), Pott* 6 ) und Barb 21 ) Veranlassung 
zu mehr oder weniger eingehenden Untersuchungen : besonders muss 
Pott's Arbeit über die Eigennamen wegen ihres reichen Materials 
und der Fülle von Combinationen hervorgehoben werden. 

Auch die heiligen Bücher werden von den Parsen selbst sorg- 
fältiger und in manchen Stücken unbefangener betrachtet ; so hat 
Sohräbji Shäpurji 28 ) in Guzeräti zwei Einleitungsschriften ver- 
fasst, von denen die eine bereits in zweiter Auflage erschienen ist. 
Der Name „Avesta" selbst, dessen Bedeutung wir im Ganzen durch 
Spiegel gesichert glaubten, wird gelegentlich der Besprechung der 
Pehlewilegende des Petschaftes eines Oberpriesters Varahräm von 
Dorn 29 ) sinnig als Lobpreisung, Hymne erklärt, Natürlich wird 



721a) Oii the origin and authenticity dl' theArian familyof languages, the 
Zeml Avesta and tli<' Huzvarash. By Dhanjibhai Framji. Published a4 the 
expense of Framji Nassarvanji. Bombay 1861, XXII u. 160 S. 8. (London, 
Trübner 10 sh. 6 d.) 

22) Abrege de la grammaire Zend par ./. Pietraszeioski. ' Berlin . Eo 
veute chez l'autear. Dans l'impr. de Trowitzscb 1861, IN' u. 58S. 8. 2'-7 :i ¥fa ) 

22a, ['eher den Gebrauch des Dualis im Altbaktrischen von Fr. Spiegel, 
Sitzungsberichte der Kgl. bay. Ak. der ^'iss. 1861, II p. 195-212. 

23) Spiegel, Cku, ku, Beiträge zur vergl. Sprachforschung von Kuhn and 
Schleicher II (1859) p. 260 f. 

21 Z. d. DmG. XIV (1860) p. 555 f. 

25) H. Kbcl, Altpersisches, Beitrüge zur vergl. Sprachforschung II (1861) 

p. 495 f. 

26 -1. F. Pott, Ueber altpersische Eigennamen, Z. d. DmG. XIII (1859) 
P 359—444. 

27) If. .1. Barb, Geber die Praeterital-Bildung des altpers. Verbums, Z. d. 
DmG. xiil 1859) p. 468 152. 

28 Zartoshti lokonärp dharm pushtako (Einleitung in das Studium des 
Zendavesta. Guzeräti. Von Sohräbß Shäpurjl. 2. Aufl. Bombay 1858, 8. 
und: Ueber die li. Bücher Zoroasters, ihre Sprache und ihr Alter, von dem- 
selben (Gazerati . Bombaj L859, 198 S; 8. 

29 B. Dom, üeber eine Pehlewi-Inschrift und die Bedeutung des Wortes 
Avesta. (Aus dem BuUetin hist.-philol. de l'Ac. de si Petersbourg T. XV] 
nr. 8—9), Melanges Asiat. III (1859) p. 500-531. 



Gosche, wissenseh aftl. Jahresbericht für 1859 bis 18C1. 12") 

hierbei methodisch der Kreis der persischen Sprachen eingehalten. 
Diesen verlässt ganz bei Beinen turanisch-ungezügelten Streifereien 
in das Gebiet slavischer, besonders polnischer Etymologien Pietra~ 

szewskCs 29 *) Zendavesta, dessen zweiter Band den Schluss des 
\ Ciididad in Text und Uebersetzung bringt. Den zweiten, Vispered 
und Yasna enthaltenden Theil der von dem Panslavisten verworfenen 
Spü //'/'sehen Uebersetzung, die sich mit grösster Gewissenhaftigkeit 
der Tradition unterwirft, habe ich, obgleich 1859 erschienen, be- 
reits in einem früheren Bericht erwähnt 30 ). Mit mehr Freiheit als 
der letztgenannte Forscher, aber unter dem Gesetz der sprachver- 
gleichcnden Methode, hat Haug 31 ) seine inhaltreiche und anregende 
Arbeit über die Lieder und Sprüche Zarathustra's und seiner Schule 
abgeschlossen: sein scharfer Gegensatz zur Tradition, der sich in 
der Tübinger Sanskritschule entwickeln musste, wird sich sehr wahr- 
scheinlich unter den Parsen selbst bedeutend abschwächen. Auch 
Russland hat endlich seinen Mitarbeiter zum Baktrischen gestellt: 
Kossowitsch 32 ) liefert Stücke des Avesta mit den nöthigen erläu- 
ternden Beigaben. 

Das Pchlewi oder Huzüresch erwartet noch eingehendere 
Arbeiten. Der sicheren Erkenntniss des Einzelnen würde es wenig 
nützen, wenn wir die überaus sorgfältig faksimilierende Ausgabe des 
Vemlidad-Sade in der Pehlewi- Uebersetzung von T/icmnelier 32 *), 
welche bereits bis zur sechsten Lieferung vorgeschritten ist, allein 
neben dem Text vor uns hätten: glücklicher Weise fördert uns 
Neriosenglis Sanskritübersetzung des Yasna, deren Ausgabe wir Spie- 
gel* 9 ) verdanken und welche die Pehlewitradition einer verhältniss- 
mässig noch guten Zeit repräsentiert. So lange wir nicht die dem 



29a") Zend-Avesta ou plutot Zen-dawasta explique d'apres un principe 
tout-ä-fait nouveau par Ign. PietraszewsM .... Vol. II. Chap. IX — XXII du 
Wendidad. Berlin, Trowitzsch 1861. 441—560 S. 4. (n. 10 Ofy. ) 

30) Vergl. Z. d. DmG. XIV p. 233 nr. 676. 

31) Die fünf Gäthä's, oder Sammlungen von Liedern und Sprüchen Zara- 
thustra's , seinen Jüngern und Nachfolgern. Herausgeg. , übers, u. erklärt von 
Mart. Hang. 2. Abth. Die vier übrigen Sammlungen enthaltend. Nebst einer 
Schlussabh. (Abhandl. für die Kunde des Morgenlandes herausgeg. von der 
Deutschen morgenländischen Oes. etc. Bd. II ur. 2). Leipzig, Brockhaus 1860, 
XVI u. 259 S. gr.8. (2 $fa) vergl. A. VV. in Literar. Centralbl. 1861 nr. 28 
p. 456 ff. 

32) Hemwpe cmanini mh 3eii4anecrrrw; commeHte npo<p. 

K0CC0BH x ia. (Vier Auszüge aus dem Zendavesta mit Uebersetzung in russ. 
u. lat. Sprache, Erläuterungen und Glossar von K. Kossoioitsch). St. Peters- 
burg 1861, XLIV u. 159 S. 8. Vergl. Zenker in Z. d. DmG. XVI (1862) 
P . 313 f. 

32a) Vendidad Sade, traduit en langue Hnzwaresch .... publie pour la 
premiere fois par les soius de M. Jul. Ti.onnelier. Livr. 3 — 6 (Bogen 21 — 60). 
Paris 1859—61, gr.fol. (a 20 fr.). Vergl. meinen Bericht für 1857-58 nr. 677. 

33) Neriosengh's Sauskrit-Uebersetzung des Yacna. Herausgegeben und 
erläutert von Fr. Spiegel. Leipzig, Engelmaun 1861, 249 S. 8. (2 2 / s fffy. ) 
Vgl. Tb. Benfey in Gott. gel. Anz. 1861, ur. 46. u. A. W. in Literar. Centralbl. 
1860 no. 50. p. 804 f. 



120 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

VviMiiiKlniss sehr schwor zugänglichen Pehlewi -Texte in genauen 
Ausgaben mit diakritischen Punkten vor uns haben, werden wir der 
stark gemischten und gleichsam in ihrem Selbstbewußtsein gestörten 
Sprache sehr schwer Herr werden: in dieser Beziehung erwarten 
wir viel von Ilaiujs Verkehr mit den Parsen. Einstweilen sind 
wir Spiegel 7:il ) für seine Behandlung der mittelpersischen Sprach- 
iiiid Litteraturcpoche im höchsten Grade dankbar: wir dürfen be- 
haupten, dass kein Europäer mit europäischen Mitteln ihn Gegen- 
s-tand gründlicher und vollständiger hätte behandeln können. 

Das Neu persische bietet sich der wissenschaftlichen For- 
schung massenhafter und dabei deutlicher dar. Zur Bequemlichkeit 
der Handhabung hat Barb 35 ) die Umschreibung des durch den 
speeifiseben arabischen Beisatz schwerfälligen Schriftsystems beson- 
ders untersucht. Nöldelce hat scharfsinnig die Bedeutung des pro- 
sodischen Hilfsvokals 34 ) und die Bildung des Superlativsuffixes 37 ) 
vom Standpunkte der Sprachgeschichte aus betrachtet. Das eigen- 
tümlich zersetzte, an vielen Stellen aber noch die Merkmale der 
ursprünglichen Conjugationsclassen rettende persische Verbum be- 
trachtet Barb von Seiten seines Organismus 38 ) und seiner Flexion 39 ), 
wodurch t>piegeVs M ) aus der Gesammtgeschichte der iranischen 
Sprachen begründete Bemerkungen veranlasst wurden. Vullers 1 im 
Fortgang immer mehr sich erweiterndes persisches Lexikon ist bis 
zum dritten Hefte des zweiten Bandes gelangt. Auch für die zur 
Geschichte der Schriftsprache sehr bedeutsamen Dialekte ist Bemer- 
kenswertlies geschehen. Den verdienstvollen Bemühungen Dorn , s 41 ) 
verdanken wir werthvollc Mazanderänl -Texte, bei welchen wir nur 
die Anwendung des arabischen Alphabets beklagen, während eine 
lateinische Umschrift nicht allein sorgfältigere Vokalbezcichnung, 



7:54) Einleitung in die traditionellen Schriften der Parsen von Fr. Spiegel. 
Th. 2. Auch in. d. T. : Die traditionelle Literatur der Parsen in ihrem Znsam- 
menhange mit den angrenzenden Literaturen zusammengestellt. Leipzig, Engel- 
mann, 1860, XII u. 472 S. 8. (4 ^. 20 ng.) Vergl. Mohl im Journ. As. 
1860, T. 16 p. 549 f. und A. W. im Lit. Centralhl. 1861 nr. 44 l>. 716 ff. 

85) H. A. Barb, Die Transcription des persischen Alphabets. Wien 1861, 
7(1 S. 8. 

36) Nölcleke, Ueber den vokalischen Nachhall im Persischen, Beiträge 
zur vergl. Sprachforschung II (1861) p. 494 f. 

37) Nöldeke, Ueber das neupers. Superlativsuffix, Beiträge zur vergl 
Sprachforschung von Kulm und Schleicher II (1859) p. 135 f. 

38) II. -1. Barb, Ueber den Organismus des persischen Verbums. Wien, 
C. Helf 1860, 90 S. 8. (1 ty. ). Vergl. Ewald Gott. gel. Anz. 1850 St, 81—83 
p. 801 f. 

.'lÜ. Ueber die Conjugation des persischen Verbums. Von //. .1. Barb. 
Wien. Gerold 1861, 118 S. gr. 8. (n. l 1 /, ty.) 

40) Spiegel, Der Organismus des neupersischen Verbums, Beiträge zur 
vergl. Sprachforschung II (1861) p. 464 — 17ü. 

41) Beiträge zur Kenntniss der iranischen Sprachen. Th. 1: Mazanderani- 
i he Sprache; von Jl. Dorn u. Mirza Muhammcd Sc/m/'//. St. Petersburg 

1860, VII u. 174 S. 8. (23 Jfy..). Vergl. J. Mohl im Journ. As. 1861 T. 17 
p. 103 f. 



Gosche, iinssenschafä. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 127 

sondern auch die, wie mir uns Mittheilungen von persischen Rei- 
senden erinnerlich ist, von der Schriftsprache sehr abweichende 
Accentuation beizufügen gestattet hätte. Unsere Kenntniss der Texte 
und Yolksthümlichen Ueberlieferungen der Kurden isl durch Jaba* 2 ) 
erheblich vermeint worden; einer Ballade indess, welche nach ihm 
TschthaCschejf* 3 ) behandelt hat, ist, wie schon Moll bemerkte, mit 
Lerch* 4 ) ihre poetische Form abzusprechen. Zur eigentlich persi 
sehen Poesiegeseliiehtc ist in Persien selbst eine Reihe von Biogra- 
phien, von Tähir von Isfahan im J. 1273 d. II. (1857 n. Chr.) 
verfasst, gedruckt worden 45 ); Erdmann' 10 ) behandelt drei Dichter: 
Dülfiqär t 689, Selmän t 76i> und AhlT t !)ü;j. Hommer-Purg- 
staffis* 1 ) wesentlich aus persischen Dichtern entnommene duftende 
Lese gibt Bodenstedt neu heraus. Zu dem Schähnäme, dessen Ver- 
fasser Fremd 48 ) romanhaft behandelt, weist L?'ebrecht iS3 ) Paral- 
lelen aus der altskandinavischen Dichtung nach. Der merkwürdige Astro- 
nom und Epigrammatist c Omar al-Khayyäm erscheint in englischem 
Gewände 48 b ) ; Ferld-eddln 'Attär's Vogelgespräeh hat in Garcin de 
Tassy's französischer Bearbeitung solchen Beifall gefunden, dass davon 
bereits die dritte Auflage erschienen ist 49 ) ; auch aus dessen „Muclbat- 



42) Kccueil de notices et rcScits kourdes servant a la coimaissance de la 
langue, de la litterature et des tribus du Kourdistan , reunis et traduits en 
francais par Alex. Jahn. St. Petersburg (Leipzig, Voss) 1860, X p. 111 u. 
156 8. 8. (1 ^. 3 7i£.) Vgl. Th. Benfey im Orient und Occident 1801 
)>. ~>72 f. 

43) Ballade kurde, reeueillie et traduite par M. A. Jabd, et eommuniquee 
par M. de Tchihatcheff, Journ. As. 1859, 14 p. 153 — 166. 

44) P. Lerch , Sur une bailade knurde, publiee dans le Journal asiat. 
(Tire du Bulletin de l'Ac. de St.-Petersbourg, T. I p. 480 f.), Melanges asiat. IV 
(1860) p. 25—28. 

45) ..jLXJ.Lä **v».} (Geschiclite der neuesten pers. Dichter) von Mirzä 
i'ähir Icfahäni al-Shirt. Teheran (lithogr. von Mirzä Mohammed llusain Mun- 
schi) 4. Vergl. Dorn in Melanges asiat. IV (1860) p. 57 f. 

46) Das persische Dichterkleeblatt Du'lfekär, Selmän und Ehli. Von Franz 
,-. Erdmann, Z. d. DmG. XV (1861) p. 753—785. 

47) Duftkörner, aus persischen Dichtern gesammelt von Hammer-Purg- 
statt. 2. verb. Aufl. Mit einer Einl. von Fr. Bodenstedt. Stuttgart. Bieger 
L860, 208 S. 16. m. 1 Stahlst. (1 Sfy. 6 J$n). 

48) A'. Frcnzel . Firdusi, ein persischer Dichter, Bremer Sonntags- Blatt 

1859, in-. 12. 

48a) Felix Liebreeht, Die Bagnar Lodbrokssagc in Persieu, Orient und 
Occident von Th. Benfey 1861, p. 561 5(57. 

4Sb) Kubaiyat of Omar Ehayyam, the Astronomer-poet, translated into 
English Verse. London. Quaritch 1859, 8 (1 sh.) Vergl. Literary Gazette 

1859, 1 Oct. 

49) Garcin de Tassy, La poesie philosophique et religieuse chez les Per- 
sans d'apres le Mantic üttair ou le langage des oiseaux de Farid-Uddin Attar. 
3e ed. Paris. Duprat 1860, 72 S. 4. Vergl. Benfey Gott. gel. Ana. 1861, 
nr. 17 p. 677 f. 



128 Gosche, urissenscTiafU. Jahresbericht föt 1859 bis 1861. 

nämeh" erhalten wir eine Probe 750 ). Graf" 01 ) setzt Beine Mittheilun- 
gen aus Sa'di's Divan fort; dessen Gulistän erscheint in Calcutta 
ganz trivial für das Studium zurecht gemacht 52 ). [Jeher das Beinen 

ganzen historischen Stoff in Allegorie auflösende Gedicht von EmTr- 
Ehosni „Qirän as-sa c dain" handelt Coicell 53 ). Das Bemerkenswer- 
theste aber, was wir auf dem Gebiete der persischen Poesie her- 
vorzuheben haben, ist die Vollendung der Hafis-Ausgabe von Broch- 
haus bi ), deren guter gereinigter Text, selbst wenn er nicht bereits 
die älteste für uns gegenwärtig aus der Vergleichung der Hand- 
schriften darstellbare Gestalt bieten sollte, die erwünschteste Grund- 
lage für kritische und biographische Untersuchungen bieten kann. 
Der Herausgeber macht ausserdem in einer interessanten Miscelle 55 ) 
auf Verwandtschaft Jäml's (vergl. Hughes „Spectator" No. 236) mit 
Gellcrts „Schicksal" aufmerksam, wozu auch eine Bemerkung Co- 
weWs 66 ) zu vergleichen ist. Her letztere erinnert auch 57 ) an die 
nahe Beziehung einer Erzählung in dem zweiten Theile von XizämT's 
„Alexanderbuch" zu dem Gyges-Ring bei Plato. Von neueren Ge- 
dichten haben wir das Mesnewi „Khuld-i-BarTn" von dem 992 d. II. 
verstorbenen WahshI durch Lees 58 ) zu erwarten; die noch jüngeren 
sufischen Poesien Yäralläh's sind in Kasan gedruckt worden 5:J ). Von 
Werken, welche der schönen Littcratur angehören, ist ein kleiner 
Auszug der „Anvär-i-Suhaill" zu erwähnen 59 "); ausserdem Briefe 591 ') 
und Ethisches 590 ). Sonst ist in persischer Prosa, deren glänzende 
Seite die historische Litteratur bildet, besonders Werthvolles dieser 
Art veröffentlicht worden. JämT's Sufibiographien, welche sehr häufig 
in das Gebiet der Poesiegeschichte hineinstreifen, liegen in ge- 

750) Eine persische Erzählung. Text und üebersetzung von Fr. Rackert, 
Z. d. DmG. XIV p. 280—287. 

51) K. H. Graf, Aus Sa'di's Diwan : II. Auswahl aus S.'s oLaaI? 
Z. d. DmG. XIII (1859), p. 445— 467; III. Aus dem «JJu V^ xv (1861) 
P. 541—576. 

52) The Gulistän of Shaik Saady: a complete analysis of the entire per- 
sian text prepared to faeilitate the study of the Persian language. Calcutta 
and London, Williams and Norgate 1861. gr. 8. (40 sh.) 

53) E. B. Cowell, The Kirän-us-Sa' dain of Mir Khusrau, Journ. of the 
As. Soc. of Bengal XXIX (1861), p. 225-239. 

54) Die Lieder der Hafiz. Mit dem türkischen Commentar des Sudi hcr- 
ausgeg. von Herrn. Brockhaus. Bd. II Lief. 4 (S. 241— 320), III. Lief. 1 — 3 
(272 S. . Leipzig, Brockhaus 1860—61. lex.8. Damit compl. f30 fy.) 

55) Geliert und Jami. Von Herrn. Brockhaus, Z.d. DmG. XIV( L860) p. 706. 

56) E. B. Cowell, On certain MediaevaJ Apologues, Journ. of the As. 
Soc. of Bengal XXIX (1860) p. 11—17. 

57) Gyges' ring in Plato and Nizämi, hy E. B. Cowell, Journ. of the 
As. Soc. of Bengal 1861 p. 151—157. 

58) Vergl. Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX (1860) p. 403. 

59) \2>j-^> *JL r I <L> &*+A oläjJLi :i ^3^1*11 ö\j* (Persische cufische 
Gedichte von Schcikh Yaralläh). Kasan 1858. 8. 

59a) Auswahl aus Anvari-Soheili. Labore 1861, 106 S. 8. Lithogr. (London, 
Trübner 1 sh. 6 d.) 



Gosche, imssenschqfÜ. Jahresbericht für 1859 lis 1861. J29 

schmackvoller und reinlicher Ausgabe von Lees '") vor. Die Reihen- 
folge persischer Geschichtsqhreiber 1 1 1 . 1 i * 1 1 - . welche Elliot so gross- 
artig entworfen hatte, soll in der r Bibliotheca Indica weiter er- 
scheinen 61 ). Ladess Rashld-eddXn's Geschichte der Mongolen von 
Beresvn 61 *) in das Kussische abersetzl wird, erscneinl in Indien 
das besonders für die Toghluk-Dynastie wichtige 'Tärikb-i-FTrüz- 
sliäln' von Dhiyä-eddTn BarnT durch Lees 62 ); ihm sollen die 'Ta- 
baqät-i-Nä$in von Minhäj-eddln Jurjäni folgen und hierauf das 
'TarTkh-i-Masu üd' von Abülfadhl Baihaqi, dessen Text schon Morley 
constituiert hatte 03 ), üeber den 969 d. II. geborenen, zwischen 
1025 — 29 schreibenden [skender Munshi handelt Erdmann ° 4 ); 
über eine Chronik Herat's 'Raudhatu-ljannäti fi aueäfi madlnati-l- 
Herät von Muln-eddTn al-Zamji aus dem J. 897 d. H. Barbier de 
Meynard 65 ). Bukhära und das indisch-mogholische Reich betreffen 
die beiden von Sacdief 66 ) kurz beschriebenen Handschriften, die 
persische 'Tadhkire-i-Muqim-khänl 5 und das dschagataische 'Baber- 
nänie. Von Abülfadhl liegt eine Auswahl vor, zugleich mit Hindu- 

59b Auswahl aus den Inshäi khalifah (Persisch und Urdu). Lahore 1860. 
120 S.S. Lithogr. (London, Trübner 3 sh.) 

59c) Galdasta akhlaq persisch.) Lahore 1860, 58 S. 8. Lithogr. (London, 
Trübner 2sh.) Vielleicht gehört hierher: Dastur al-mu'ash ('persisch'). Lahore 
1859, 66. S. 8. Lithogr. (London, Trübner 1 sh. 6 d.) 

60) Lees Persian Series. The Nafahtaal-ons (1. Nafahatal-ons)min hadharät al- 
qpds, or the lives of the Soofis. By Mawlana Noor al-din 'Abd al-rahman Jdrrd. 
Edited by Mawlawis Gholam 'Jisa 'Abd al Hamid and Kabir al-din Ahmad. 
with a biographical sketch of the author, by W. Nassau Lees, L. L. D., the 
Publisher. Calcutta: printed and published by W. Nassau Lees. 1859, 20, v f 

u. ( S. gr. 8 auch mit pers. Titel : ^ ^"Jjf ol^ftj uLÜX.*^ ^Irf ^\ 

c(aoa nä-w _^w.^J «.a.li/8 nä'XIS' £\JI j^vAöJ! oL-oa>- 

61) Vergl. Cowell's Brief an A. Weber in Z.d.DmG, XV (1861) p. 141, 
woselbst statt „ Jüz (r ?) jani" nach Pariser und Oxforder Hss. zweifellos ,,Jur- 
jani" zu lesen ist. 

61a) Arbeiten der morgenl. Abtheilung der kais. Euss. archaeol. Gesell- 
schaft. Th. 5. Geschichte der Mongolen von Raschid-ed-din. Einleitung: von 
den türk. u. mongol. Stämmen. Aus dem Pers. übers., mit Einleitung u. An- 
merkungen von B&resin. St Petersburg 1858, 8. Vergl, Erman's Archiv zur 
wiss. Kunde von Ilussland XIX (1860 p. 451 — 160. 

621 The Tarikh-i-Feroz-shahi of Ziaa al Dia Barni eommonly called 
Ziaai Barni, edited by Saiyid Ahmad Khan, ander the sapervision of Captain 
II '. A T . Lees, Fase. 1—2, Bibliotheca Indica. New Series no. 2 — 3. Calcutta 1860. 
192 S. 8. vergl. Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX. (1860) p. 81 und 
p. 409. 

63) Vergl. Journ. of As. Soc. of Bengal XXIX (1860) p. 209. 

64) Iskender Munschi und sein Werk. Von Frau: v. Erdmann, Z. d. 
DmG. XV (1861) p. 457—501. 

65) Bxtraits de la chronique persane d'Herat, traduits et annotes par Bar- 
bier de Meynard, Journ. As. 1860 T. 16 p. 461—520 ; 1861 T. 17 p. 438— 457, 
473- :>:>■_'. 

66) Savelief, Xotices sur deux manuscrits orientaüx appartenant ä feu M. 
Professeur Seukofski (Tire du Bulletin hist.-philol. de l'Ac. de St.-Petersbourg 
XVI nr. 5), Melanges asiat. III (IS.-)!)) p. 483—486. 

Jahresbericht 1859—1861. 9 



130 Gosche, icisaenschaftl. Jahresbericht ftlr 1859 hin 1861. 

atanl-Uebersetzung. Für die kurdische Geschichte hat Vdiaminof- 

ZeriivJ" !,, ~) begonnen das Hauptwerk herauszugeben ; nach derselben 
Quelle handelti; llarh ''■*) über einige Dynastien. Von der wissen- 
schaftlichen Litteratur sind zwei Werke, eineB über Arzneimittellehre M ) 
und Pferdekunde li;i •'. erschienen; das erstere von Abu Manctlr Mu- 
waffaq Ben Ali aus llerat durch Seltgmcunn herausgegeben ist wegen 
der alterthümlichen Weise, in welcher uns der Text überliefert ist, 
von grosser sprachgeschichtlicher Wichtigkeit, wie denn hier anter 
Anderem das doppelte.' haktrisehc w noch durch die persisch-ara- 
bische Schrift unterschieden wird. 

Von den iranischen Völkern sind noch zwei unserer Betrach- 
tung übrig, mit einer fast sonderbaren Entwicklung ihrer Eigen- 
thümlichkeit, aber doch einzelne alte Züge sehr treu bewahrend: 
die Armenier und die Osethen. 

Für armenische Wissenschaft geschieht gegenwärtig Bedeu- 
tendes von Moskau aus, wo das Lazareffsche [nstitüt eine gute 
Pflanzstätte bildet. Gern wird man an ein Mitglied dieser edlen Fa- 
milie erinnert, welche dasselbe gründete 70 ). Auch Zeitschriften in 
armenischer Sprache erscheinen hier 71 ). Von armenischen Reisen 
ist nichts besonderes zu erwähnen: Brosset 12 ) bespricht die des 
P. Sargis, welche zu Tiflis 1842 — 48 in zwei Octavbänden ge- 
druckt wurde. Ein Russe 72 a ) gibt eine Beschreibung des Landes. 



766a) Auswahl aus Abvlfazl, Persisch und Urdu. Labore 1861, 284 S 8. 
Lithogr. (London. Trübner 5 sh.) 

67) Scheref-Nameh ou Histoire des Eourdes par Scheref, Prince de Bidlis, 
publies pour la premiere fois, trad. ei annotes par I*. Veltaminof-Zernof. T. 1: 
Texte persan, liere partie. St. Petersbourg (Leipzig Voss") 1860, 24 u. 456 S. 
8. (2 fy. 2 Jfy). Vgl. O.Defremery im Joura. As. 1860 T. 16 p. 455—459. 

68 l'itirli, öesebichte der kurd. Fürstenberrsehafl in Bidlis aus dem 4. Buche 
des Scherefnamc), Sitzungsberichte der k. Ak. der Wiss. Phil.-hist. Cl. XXXII, 
, Wien 18f)it, 8.) p. 145 — 247. und: Geschichte von weiteren fünf Kurden- 
Dynastien, ebend. XXX Wien 1859. 8.) p. 91— 154. 

69) Codex Vindobonensis sive medici Abu Mansur Muwaffak Bin Ali 
Heratciisis über fundamentorum pharmacologiae. Linguae ac scripturae persicae 
speeimen antiquissimum. Textum ad fidem codicis qui exstat unici edidit, in la- 
tinum vertit, commentariis instruxit Dr. Franc. Romeo Seligmann. Pars i. 
Prolegomena et textum continens. Accedunt tabulae III lithographicae. Vindob. 
1859, LV u. 272 S. gr. 8. Vgl Lit. Centralbl. 18G0 nr. 18 p. 280 f. (angez. 
von Brockhans). 

69a Kars naniali über Pferde). (Labore?) '1860. 8. Lithogr. (London, 
Trübner 2 sh. 6 d.) 

70) Biographie Johannes' von Lazareff (Armen.) Moskau 1859, 8. 

71) Der Winzer. Armenische Monatsschrift von .1/. Serian und ZarmaH? 

M. Serian. Moskau 1859, 8. 

72) Brosset, Rapport sur la 2de partie du voyage du P. Sargis Dchalali- 
ants dans la Orandc-Armenie (Tire du Bulletin hist.-philol. T. XVI nr. 13, p. 
373 f.), Melanges asiat III (1859) p. 589-594 

72a; Chudabaschew, Obosrenije Armenii (Uebersicht von Armenien). St. 
Petersburg 1859, 8. 



Gosr/ir, irisscHsilnißl. ./,il, ns/,i ri< lit für 1859 bis 1861. 131 

Für ernste archäologische Untersuchungen scheint der rechte Sinn 
zu fehlen. Am Van-See hatten Armenier, durch einen Ferinan 
autorisiert; Ausgrabungen vorgenommen, die gefundenen Metallsachen 

aber, wie Tafeln mit Inschriften (unter denen sehr wohl Keil- 
inschriften sein konnten), Götzenbilder u. s. w. eingeschmolzen, um 
sich Gerätschaften zu schmieden. Ueber die Nationalitat des Volkes 
gehn noch wunderliche Ansichten um: EZ/w 73 wollte die Etrusker 
mit ihm zusammenbringen Dulaurier u ) untersucht die Anfänge 
der armenischen Geschichte ; sicherer wird man sehen, v/eim Mon/f 
manu ~ iU ) seine dem Vernehmen nach mit Erfolg angegriffenen Ent- 
zifferungen der armenischen Keilinschriften beendet haben wird. In 
umfassender Weise hat Dulimrter 7i; ) über die mit den andern 
Eräniern sich mannigfach berührende Chronologie gehandelt. Mit 
der Numismatik beschäftigen sich IJart/iolomaei 11 ), Brosset^) und 
Sibilian 78:1 ); der zweitgenannte 71 ') bringt armenische Inschriften 
aus dem zweifelhaften Jahre 638, und aus den Jahren 1012, 1032 
und 1215. Wahrend des eigentlichen Mittelalters ist die Geschichte 
des Landes reichlich bezeugt: Langlois schildert dessen Verhältnisse 
unter den Rupeniern 80 J und behandelt deren Folge 80a ), Dulaurier 81 ) 



73) Robert Ellis, The Armenian origin of the Etruscans. London, Parker 
1861, 206 S. 8. (,7\ 2 sh.) Vgl. Westm.-Beview 1861 T. 20 p. 280. 

74) Considerations sur les plus anciennes origines de l'histoire armenienne, 
par hd. Dulauriesr, Revue de l'Orient 1860, XI p. 93—109. 

7;>; Vergl. dessen Brief an Prof. Brockhaus Z.d.DmG. XIII (1859) p. 704 f. 

76 Becherches sur la Chronologie armenienne, technique et historique. 
( Hivrage forinant les Prplegorneues de la collection iutitulee: Bibliotheque histori- 
que armenienne. Par Ed. Dulaurier. Paris 1859, XXIV u. 457 S. 4. 

77) «/. Bartholomaei, Lettres numismatiques et archeologiques, relatives a 
la Transcaucasie. Avec 4 pl. lithogr. St. Petersbourg et Leipz., Voss 1859, XII 
u. 116 S. 4. (17a '<&)• 

78 Brasset, Rapport sur les lettres numismatiques et archeologiques de 
M. Bartholomaei, relatives ä la Transcaucasie (Tire du Bulletin hist.-philol. de 
l'Ac. de St. Petersbourg T. XVI nr. 5), Melanges as. III (1859) p. 487 489 

78a) Numismatique armenienne, par le R. P. Clement Sibilian, Revue 
de l'Orient 1860, XII p. 193—205. 

79) ßrosset, De quelques Lnscriptions armeniennes, remarquables au point 
de vue chronologique fTire du Bulletin de l'Ac. de St. Petersbourg T. I p. 39it f. , 
Mtelanges asiat. III (,1859) p. 735 756 mit einer Tf. 

80) I7<7. Langlois, Essai historique et critique sur la Constitution sociale 
et politique de l'Armenie, sous les rois de la dynastie Roupenienne, d'apres les 
documents orientaux et oeeidentaux conservea dans les depöts d'archivesde l'Eu- 
rope, Memoires de TAc. Imper. des sc. de St. Petersbourg. Vlle Serie. T. III, 
nr. 3 (St. Petersbourg et Leipzig, Voss 1860) 83 S. i. (23 Jfo\ 

80a) Lettre ä M. 1'acadernicien Brosset sur la succession des rois d'Ar- 
menie de la dynastie de Roupen et de la maison de Lusignan, d'apres les 
sources orientales et occidentales par Victor Langlois, Bulletin de l'Acad. Imp.'-r. 
des sciences de St. Petei-sbourg IV (l!s61) p. 285 299 und Melanges Asiat. 
IV p. 413—428 m. Tabellen. 

81) Ed. Dulaurier, Etüde sur l'orgauisation politique, religieuse et admi- 
nistrative du royaume de la Petite-Armenie, Journ. As. 1861 T. 17 p. 377—437, 
T. 18 p. 289 357. 

9* 



132 Gosche, mssenachaßl. Jahresbericht für 1859 Ha 1861. 

Verfassung und Zustände in Kleinarnienicn ; LangloM die Beziehungen 
zu Frankreich ~ s -) und zu Genua 82a ); Langlois gibt wieder Einiges 
zur Geschichte während der Kreuzzüge 85 ), zu der der Lnsignana 
in Kleinarmenien 8S a ) und der Leo's VI. aus derselben Dynastie 84 ). 
In das 1 5te Jahrhundert führen Neve's 85 j das Christenthum be- 
treffende Studien hinab. Von einzelnen Punkten des Landes ist 
Ani bevorzugt worden: Khanykof 88 ) bat die alte Capitale besucht; 
Brosset* 1 ) gibt Topograpbie und Localgeschichte und behandelt 
Alischans Beschreibung der Stadt 87 '). Dazu kommt noch Brüs- 
sels 88 ) Darstellung des für die armenische Culturgeschichte hoch- 
bedeutsamen Edschmiadzin, das zu den schönen kaukasischen Hand- 
schriftensammlungen der russischen Bibliotheken die werth vollsten 
Stücke geliefert hat. 

Für armenische Sprache und Litteratur ist mancherlei 
geschehen, für die erstere jedoch noch nicht das Erwünschte, /war 
hat Friedrich Minier 89 ) seinen glücklichen Scharfsinn einigen l'le- 
xionssuffixen des Verbums und dem Zahlwort zugewendet (bei wel- 

782) Considerations sur les rapports de l'Armenie avec la France au moyen 
äge, par Victor Langlois. Revue de l'Orient 1860, XII p. 235—219. 

82a) Memoire sur les relations de la republique de Genes avec le royaume 
Chretien de la Petite-Armenie pendant les XIII et XIV siecles. Par Victor 
Langloü, Memorie della reale acad. delle sc. di Törin... T. XIX (Torino 1861, 
4.) p. 291—309. 

83) V. Langlois, Lettre ä M. Brosset. sur quelques points d'histoire poli- 
tique,religieuse et civile des Armeniens et des Franks, ä l'dpoque des croisades 
(Tire du Bulletin de l'Ac. de St. Petersbourg T. III p. 241 f.), Melanges asiat. 
IV (1861) p. 280-291. 

83a) Docuinents pour servir ä l'histoire des Lusignans de la petite Arm 4- 
nie (1342 — 1394), recueillis par Victor Langlois. Paris. Duprat 1859, 8. (2 fr. 

84) Lettre de M. Victor Langlois h M. Reinaud, sur le sabre de Leon 
VI de Lusignan, dernier roi armenien de la Cilicie, Journ. As. 1860 T. 16 p. 
259—264. 

85) Quelques episodes de la perseeutinn du christianisme eo Armenie au 
XVe siecle, trad. de l'Armei'ien, par Felix Neve. Lonvain 1861, 8. (2 fr.) 

86) N. Khanihof, Voyage k Ani. capitale de l'Armenie, sous les Bagra- 
tides, Revue archeol. XV, 1 (1858) p. 401 f. 

87) Les ruines d'Ani, capitale de TArmenie sous les rois Bagratides. aux 
X et XI siecles ; histoire et description. Par M. Brosset. Partie I : Desorip- 
tion. II Histoire. Avec un Atlas de 21 plauches lith. St. Petersbourg (Leipzig, 
Voss) 1861, XVI u. 176 S. 8. (3 ,yfe 5 J§r.). Vergl. über P. I Journ. Asiat 
1861 T. 17 p. 465 f und Langlois im Journ. As. 1862, XIX p. 529 f. 

87a) Examen critique de quelques passages de la Description de la Grande- 
Armenie du P. L. Alichan, relatif ä la topograpbie d'Ani. Par M. Brosset, 
Bulletin de l'Acad. Imper. des sciences de St. Petersbourg IV (4861) p. 255—269 
und Melanges asiat. IV p. 392 — 412. 

88) Brosset, Description d'Edchmiadzin, residence du patriarche des Ar- 
meniens, Revue arohebl. XV, 1 p. 4^7 f. 

89) Fr. Alüller, Zwei sprachwissenschaftliche Abhandlungen zur armeni- 
schen Grammatik, Sitzungsber. des kais. Ak. der Wiss. zu Wien. Phil. -bist. Cl. 
Bd. 35 (Wien 1860) p. 191 -200; derselbe: lieber das armenische q", Beiträge 
zur vergl. Sprachforschung II (1861) p. 483—487; und: Ueber das j einiger 
Formen im Armenischen, ebend. p. 487. 



Gosche, Wissenschaft l. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 133 

ehern letzteren das dunkle 'hariur doch wohl seine sehliessliehe Ver- 
mittlung mit Vata finden wird); aber der Wortschatz der Sprache, 
welcher so viel Fremdartiges, weder dem iranischen noch dem semi- 
tischen Kreise zuzuweisendes enthält, harrl immer noch der ein- 
gehenden etymologischen und geschichtlichen Untersuchung. Einst- 
weilen wird in dieser Beziehung wieder nur ein praktisches Be- 
dürfniss durch Galfa 90 ) befriedigt. Dagegen ist unsere Kenntniss 
der Litteratur glücklicher erweitert worden. Abgesehen von der 
mancherlei Notizen bringenden armenischen 'Europa' hat Patkantan 91 ) 
in chronologischer Reihenfolge kurz aber sehr sorgfaltig die in Hand- 
schriften vorliegenden oder auch schon zum Druck gelangten arme- 
nischen Schriftsteller verzeichnet, welche Liste die ähnliche in den 
Abhandlungen der American oriental Society überholt. Neuere Er- 
scheinungen bespricht Petermann 92 ), unsere liebenswürdige Autorität 
in solchen Dingen. Je weniger wir über armenische Diplomatik 
und Handschriftenkunde unterrichtet sind, um so dankbarer empfangen 
wir Mittheilungen, wie die P rosset's 9S ) über ein Pergamentmanuscript 
der paulinischen Briefe vom J. 957 der armen. Aera (1508 n.Chr.), 
welches auf einer Vorlage vom J. 729 (1280 n. Chr.) beruht. Arme- 
nier in Frankreich und Russland sind bemüht durch die Mittel 
europäischer Wissenschaft ihre Litteraturschätze zugänglicher zu 
machen. In Paris liefert Schahnazarian 9i ) eine Sammlung arme- 
nischer Geschichtschreiber-, ihr Chorführer, Moses von Khorene, er- 
scheint in russischer Uebersetzuug 9S ) und seine nicht ganz einfach 
zu Tage springenden, durch den Untergang syrischer Werke ver- 
schütteten Quellen untersucht Langlois 95 :i ). Die für Kenntniss 
mittelpersischer Zustände nicht unerhebliche Beschreibung des Wartaii- 
Krieges von Elisaeus erhalten wir in neuen Ausgaben aus Theodosia 95 b ) 



90) Dictionnaire annenien-francais , par Ambroise Calfa. Paris, Hachette 
1861, 1033 S. gr. 12. Vergl. V. Langlois in Journ. As. 1862, XIX. p. 98 f. 

91) M. Patca/tit'ii. Catalogue de la litterature armeuienue, depuis le com- 
mencement du IVe siecle jusque vers le milieu du XVIIe (Tire du Bulletin de 
l'Ac. de St. Petersbourg T. II p. 49 f.), Melanges asiat IV (1860) p. 75 — 131. 

92) Petermann, über einige neuere Erscheinungen der armenischen Litte- 
ratur, Z. d. DmG. XV (1861) p. 397—406. 

93) Brosset, Notice sur un ms. armenien des Epitres de St. Paul (Tire du 
Bulletin hist.-philol.de l'Ac. de St. Petersbourg T. XVI. nr. 22), Melanges asiat. 
III (1859) p. 663 f. 

94) Sammlung armenischer Geschichtschreiber herausgegeben von 6r. V. 
Schahnazarian. Sembat und Vahram, Paris 1859 ; Stephanos Orbelean T. 1. 2 
ebend. ; Ghevond (Leontes) Einbruch der Araber in Armenien ebend. 1857 ; 
Stephanos Asoghik ebend. 1859; Moses Calacaitucensis I. II. ebend. 1860, 8. 

95) Moses von Chorene, Geschichte Armeniens, übersetzt in das Kussische 
von M. Zmin. Moskau 1858, 8. 

95a Etüde sur les sources de l'Histoire de l'Armenie de Moi'se de Khoren. 
Par Victor Langlois, Bulletin de l'Acad. Imper. des sciences de St. Petersbourg 
III (1861) p. 351-583 und Melanges asiat. IV p. 293—368. 

95b) Krieg der Vartanier von Elisaeus, herausgegeben vom Vartabied 
Khoren Galpha. Theodosia, Khalibof 1861, 12. 



134 Gosche, a'iuscnschfi/'lt. Jultn shrrirlit, für 1S59 bis 1H61. 

und Moskau 795 '); einen Auszug von Emin 05 *). Endlich ist die 
für kaukasische Ethnographie wichtige Geschichte der Albanier 
von Moses Kalkantuni 96 ) herausgegeben worden, aber welchen 
A". Fr. Neumann uns schon 1849 einladende Mittheilungen 
macht hatte. Spccielleres Interesse hat die Geschichte der Sisaka- 
niden des Stephanos von Smni 96 *), und als ein alle diese einhei- 
mischen Geschichtswerke illustrierendes Handbuch isl die Geographie 
des Mekhvtar von Airiwanlt 97 ) zu betrachten. Welchen bedeutenden 
Gewinn man aber für die üniversalhistorie aus diesen Quellen 
schöpfen möge, zeigen die Arbeiten des unermüdlichen Neve 9ft ) 
und die Petermann's") zur Geschichte der Kreuzzüge, wie die 
Dulauri'er's 800 ) über die Mongolen 5 des erstgenannten l ) Beleuchtung 
der Geschichte Tamcrlans and Schah-Rokhs aus des Thomas von 
Medsoph Chronik ist schon erwähnt worden. Dieser einseitige Reich- 
thum der armenischen Litteratur an historischen Werken ist cha- 
rakteristisch: er zeigt ein nüchternes Besinnen des Volkes auf si< !i 
selbst, dem so allmählich seine Poesie abhanden kommt. Hierfür 
ist nur Unbedeutendes zu erwähnen. Von Meharanof* ' ) sind Ge- 
dichte nach dem Alphabet geordnet erschienen, das Vulgärarmenische 
für Trauerspiele nach europäischem Muster von Jakob Karentanz 1 b ) 
und Khoren Gatyha 1 ") angewendet, auch Legenden (auch hier ein 
Schatz schöner Volkspocsie) vulgärarmenisch bearbeitet worden. 

Von den buntgemischten Kaukasusvölkern steht mit den Arme- 
niern in näherem eränischen Zusammenhange das setbische, 
dessen Sprache von Seiten des Lautwechsels gegenüber den ver- 



795c) Krieg der Vartanier von Elisaeus. Moskau, Kathanianz 8861, 8. 
95d) Abgekürzte Geschichte Vartans des Grossen. Hcrausgeg. von Emin. 
Moskau 1861, 8. 

96) Geschichte des armenischen Albaniens, von Moses Kaghantötatsi. 

Annen.). II. I. Moskau 1861, 8. 

96a) Geschichte der Sisakaniden von Stephanos von Siuni, herausgej 
von Emin. Moskau 1861, 8. 

97) Chronographie von MeJchüar von Avrivanik. Moskau 1860,8. 

98) Les chefs beiges de la premiere croisade, d'apres les historiens armä- 
niens, par Felix Nhve. Biuxelles 1859, 8. 

99) Petermann, Beiträge zur Geschichte der Kreuzzüge aus armen. Quellen, 
Abhh. der Berl. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl. 1860 (Berlin 1861, 4.) p. 81—186. 
vergl. Lit. Centralbl. 1861 nr. 12 p. 670 f. 

800) Les Mongols, d'apres les historiens Armeniens: fragments tradnits stil- 
les textes originaux, par Ed. Dulawrier, Extr. de l'hist. universelle de Vartan, 
Journ. As. 1860 T. 16 p. 272—322. 

1) Vergl. oben no. 716. 

la) Gedicht (in 39 Vierzeilern) vom Priester Mekäranof. Tiflis 1860, 8. 

lb) Schuschanik, Tochter Vartan's des Grossen. Trauerspiel in drei Acten 
von Jakob Karenianz. Tiflis 1860, 8. 

lc) Arshak II. Trauerspiel vom Vartabied Klion n GaVpho. Theodosia 
1861, 8. 

ld) Legende von 8os und Vardither von Perdach Stephannmoitseh Prho- 
8chianz. Tiflis, Melkunianz u. Enliadschianz 1860, 8. 



Gosche, wiaaensehqßl. Jahresbericht für 1859 bis L861. J35 

wandten durch Fr. Müller 2 ) geschickt untersucht worden ist. Grössere 
Aufmerksamkeil ha1 das ethnographisch weiter abliegende Georgien 
gefunden, dessen geschlossene königliche und kirchliche Geschichte 
mehr Monumentales darbot als das Stammleben der Osethen. Lang- 
lots 3 ) hat mehrere Punkte der Geschichte und Geographie beleuchtet, 
Brosset*) über den /.war langweiligen aber wichtigen Wakhuchl 
gehandelt, und die aeben diesem historischen Hauptwerke sich auf- 
thuenden numismatischen Quellen haben Langlots 6 ), Brosset 9 und 
Bartholomaei' 1 ) gewürdigt. Die Kenntniss der wundersamen Sprache 
fördert der verdiente Tsckubinof 1 a ) mit einem russisch-georgischen 
Wörterbuche, dem wir seit 1856 eine auf das unmittelbare Leben 
gegründete Grammatik verdanken. Als Brosset, der vor langen Jahren 
uns die ersten Blicke in das Wesen der georgischen Dichtung er- 
öffnet hatte, neuerdings von einem Palimpsesten in dieser Sprache 
redete 8 ), wagten wir auf etwas alterthümlich Nationales zu hoffen: 
aber es ergab sich sehr charakteristich nur Theologisches auf Theo- 
logischem. 

Das ganze Kaukasusgebiet hat in vielversprechender Weise 
eine besondere gelehrte russische Gesellschaft sich zum Gegenstand 
ihrer wissenschaftlichen Arbeiten genommen 9 ). Abich 10 ) han- 



2) Fr. Müller, lieber die Stellung des Ossetischen im iranischen Sprach- 
kreise, Sitzungsberichte der kais. Ak. der Wiss. in Wien Phil. -bist. Cl. Bd. 36 
(Wien 1861 gr. 8.) Heft 1 und besonders abgedruckt, Wien, Gerold 1861, 
16 S. 8.; derselbe: zur Charakteristik des Ossetischen, Beiträge zur vergl. 
Sprachforschung II (lb6i) P- 488—490. 

3) La Georgie. Histoire, geographie, populations diverses, archeologie, riumis- 
maiäque, ete. par Victor Langlois , Revue de l'Orient 1860 XI p. 32 — 49. 

4) Brosset, Nouvelles recherches sur l'historien Wakhoucbt, sur le roi Art- 
chil et sa famille, et sur divers personnages georgiens enterres ä Moscou (Tire 
du Bulletin hist.-philol. de l'Ac. de St. Petersbourg T. XVI nr. 10 — 12), Me- 
lange* asiat. III (1859) p. 533—575. 

5) Vict. Langlois, Numisinatique georgienne. Essai de Classification des 
suites monetaires de la Georgie, depuis l'antiqüite jusqu' ä nos jours. Paris 1860, 
VIII u. 143 S. 4.^ nebst 10 Tf. (20 fr.) 

6) Brosset, A propos du livre intitule: Essai de Classification des suites 
monetaires de la Georgie, depuis l'antiqüite jusqu' h nos jours. par Bf. Victor 
Langlois (Tire du Bulletin de l'Ac. de St. Petersbourg T. III p. 180 t'.J, Mclanges 
asiat. IV (1861) p. lf>3-203. 

7) Les monnaies de Georgi VII et de Constantin II. r«üs de Georgie, par 
./. de Bartholomaei) Revue de l'Orient 1860, XI p. 315- 318. 

7m) Tschubinow, Russko-grusinskij slowar (Russiscb-grusisehes Wörterbuch). 
St. Petersburg 1858, 4. Das georgisch -russisch- französische Wörterbuch war 
1840 erschienen. 

8) Brosset, Notice sur un manuscrit georgien palimpseste, appartenant a 
M. Sreznevski Tire du Bulletin hist.-philöl. de l'Ac. de St. Petersbourg T. XVI 
nr. 23), Melanges asiat. III (1859 p. 665 675. 

( ,i Bericht über die Thätigkeil der kaukasischen Abth. der k. Russ. Oeogr 
Ges.. Wjästnik 1859 Heft 5. 

10) //. Abich, Vergleichende Grundzüge der Geologie des Kaukasus, wie 
der armenischen und nordpersiseben Gebirge (m. 8 Tfl.). Mem. de l'Ac. imper. 
des Sc. de St. Petersbourg VI Serie, T. 9 (1859). 



136 Gosche, tmsscnscliafll. Jahresbericht für 1*5!) bis 1861. 

delt über die Geologie and berichtet über eine neue Reise 811 ); Ko- 
lenati Vi ) gibt Aufzeichnungen besonders aus Cirkassien, Gilles 13 ) 
aus dem Kaukasus und der Krim mit wohlgelungenen Zeichnungen; 
ebenso verbreitet sich weiter Fahre 14 ). Von Bergersteigungen, zum 
Theil aus dem J. 1850, macht Ohodzko 15 j Mitteilungen. Praktische 
Zwecke haben zu näherer Erforschung geographischer Einzelheiten 
in den anliegenden Land- und Wassergebieten geführt ; so bandelt 
v. Bär 16 ) über den Araxes-, ein beabsichtigter Kanal veranlasst 
Aufnahmen zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Mine n ) 
und erinnert an frühere Wasserverbindungen 18 ), das aralkaspische 
Flachland bespricht Borszczow 19 ), die pontokaspische Niederung 
Bergsirässer 20 ); Moynet 21 ) reiste am Kaspischen Meer ; Baron 
v. Bode 22 ) besonders in Daghestan. Ein für nord- und innerasia- 



811) Ahich, Bericht an die kaiscrl. Ak. d. Wiss. über seipen Aufenthalt 
im Caucasus 1859, Bulletin de l'Ac. Imp6r.de St. Petersbourg 1858, I p. 211f. 
364 f. — Vergl. Zeitschr. f. allg. Erdk. X. P. 1860, VUl p. 498. 

12) Reiseerinnerungen von F. A. Kolenati. Th. 2. Die Bereisung Cir- 
cassiens. Mit 16 Holzschn. Dresden, Kuntze 1859, VIII u. 119S. 8. m. 16 
Holzsehn. (25 Jfa) Vergl. Petennaan's Geogr. Mitth. 1859 p. 272. ' 

13) Lettres sur le Caucase et la Crimee (par Grilles). Ouvrage enrichi de 
30 vignettes dessinees d'apres nature, et d'unc carte graväe au depöt topogra- 
phique de la guerre. Paris, Gide 1859, 550 S. 8. vergl, V. Lauglois in Revue 
de l'Orient 1860, XI p. 70f. u. Barbie du Bocage's Rapport im Bulletin de la 
Soc. de Geogr. 4e ser. 1860, XIX p. 484. 

14) Du Dnieper au Caucase, par J. R. Fahre. Revue de l'Orient 1860, 
XII p. 347—362. 

15) Die neuesten Höhenniessungen im Kaukasus. Vom General Chodzko, 
Petermann's Geogr. Mitth. 1859 p, 303-304 (mit 1 Profilkarte). Die Erstei- 
gung des Gr. Ararat unter Chodzko u. Chanykow (kurze Notiz mit einer 
sauberen Ansieht in Holzsehn.), ebend. p. 350. 

16) K. v. Baer, Der alte Laut* des armen. Araxes mil *J Karten), Me- 
langes Russes T. III. 

17) Bergsträsser, lwanow's u. Xasaroff's Aufnahmen in der Ponto-Caspi- 
scheu Niederung, 1858. Behufs einer Kanal- Verbindung des Gaspischeq mil dem 
Schwarzen Meere, Petermann's Geogr. Mitth. 1859 p. 339 f. — Von demselben: 
Die Verbindung des Casp. mit d. Schwarzen Meere. Rückblick auf die bish. 
Forschungen über die Ponto-Casp. Xiederung u. Bericht über daselbst in den 
J. 1858 u. 59 ausgef. Aufnahmen, ebend. p. 411 f. 

18) Die frühere Wasserstrasse zwischen dem Kasp. u. Schwarzen Meere, 
Petermann's Geogr. Mitth. 1861 p. 117. 

19) E. Borszczon-, Mittheilungen über die Natur des aralo-casp. Flach- 
landes, Würzburger naturw. Zeitschr. 1860 Heft 4. 

20) Bergsträsser , Die Wasserfahrt durch die ponto-kasp. Niederung, 
Archiv f. wiss. Kunde v. Russl. 1860, XIX p. 237—242. 

21) Äfo;/i>et, Voyage au littoral de la mer Caspieune. 1. D'Astrakhan ä 
Bakou, Le Tour du Monde 1890 nr. 1. — Vergl. Landreise von Astrakban 
nach Baku in Fr. Rossmässler's 'Aus der Heimath' 1860 nr. 31 — 32. Moynet, 
Voyage ä la mer Caspienne et ;t la mer noire 1858, Le Tour du Monde 1860 
nr. 20 21. 

22) Baron de Bodc, Sketch of Hilly Daghestan, witb the Lesghi Tril.es of the 
Fastern ebain of the Caucasus, Proceediugs of the R. Geogr. Soc. 1860. IV. 
P . 245. 



(lösche, wisaenschaßl. Jahresbericht für 185!' bis 1861. 137 

tische Culturgeschichte merkwürdiges naturgeschichtliches Factum 
ist constatiert: das Sinken des Aralsees 883 ). Das ganze Natur- and 
Völkergebiet tritt immer mehr in den Kreis geordneter europäischer 
Beobachtung und Erkenntniss: ein besonderer Kaukasischer Y\"eg- 
weiser 2 *) weisl ans zurechl und J'. v. Koppen 25 ) gibt ans offiziell 
gesicherte Zusammenstellungen. Bodenstedi?8 2S ) zugleich anmuthigc 
und lebensvolle Schilderungen sind ins Französische übersetzt wor- 
den; Moser 2 " 1 ) schildert ebenfalls zugleich die Kämpfe bis zur Un- 
terwerfung Schamyls; die Stammverhältnisse werden übersichtlich 
von Berger 28 ) und Wlastoff 29 ) in ihren allgemeinsten Zusammen- 
hängen geschildert, wozu aoch Notizen über einen Abadzekhischen 
Stamm kommen 30 ). Schone Ergebnisse hat Dorns 31 ) Reise nach 
wissenschaftlichen Sammlungen ausserhalb Kussland geliefert, auf 
welcher neben dem Kaukasischen auch Pehlewimünzen Berücksich- 
tigung fanden. 

In eine frühere Epoche der Geschichte dieser Gebiete füh- 
ren Murales 31 *) Mittheilungen über die genuesischen Niederlas- 
sungen hierselbst, welche seit den letzten Jahrhunderten des Mit- 
telalters einen so glänzenden Punkt westöstlicher Handelspolitik 
bezeichnen. Das gegenwärtige europäische Interesse hat an den 
Freiheitskriegen der Bergvölker gehangen, so romantisch in ihrer 
Kraftverschwendung und so thöricht gegenüber einer schicksalvollen 
politischen Macht. Sechzig Kriegsjahre sind es, über welche so 



23) Das allmähliche Sinken des Aral-See's, Peterrnann's Geogr. Mittheil. 
1861 p. 197. 

24) Kaukasischer Wegweiser, mit Allerhöchster Bewilligung im J. 1847 zu- 
sammengestellt und nach den neuesten , bis zum 1. Jan. 1858 gesammelten 
Nachr. verb. von der kriegs-topogr. Abth. des Geueralstabs der kaukasischen 
Armee. (Russisch). Titiis 1858, 8. 

25) F. V. Kuppen. Die russisch-kaukasische Statthalterschaft: offizielle Zu- 
sammensetzung u. Areal-Berechnung der dem Russ. Scepter am Ende des J. 1859 
unterworfenen Kaukasischen Länder, Peterrnann's Geogr. Mitth. 1860 p. 9. 

26) Les peuples du Caucase et leur guerre d'iudependance contre la Russie, 
pour servir h l'histoire la plus reeente de l'Orient. Par Er. Boclenstedt. Tra- 
duit par le Prince E. de Salm- Kip-burrj. Paris, Dentu 1859, VIII u. 695 S. 
8. (8 fr.) 

27) L. Moser, The Caucasus and its people; with a brief history of their 
wars, and a sketch of the achievements of the renowned chief Schamvl. Lon- 
don, Nutt 1859, 8. (5 sh.) 

28) -4. Berger, Die Bergvölker des Kaukasus. Eine historisch - ethnogr. 
Uebersicht. Peterrnann's Geogr. Mitth. 1860 p. 165. 

29) Gr. Wlastoff, Essai historique sur la parentc des tribus caucasiennes, 
Nouv. Ann. des voy. 1859, 11 p. .> s f. 

30) Les Natoukhais, Nouv. Annal. des Voy. 1860, I p. 234 f. 

31) B.Dorn, Bericht über eine wissenschaftliehe Reise ins Ausland. (Aus 
dem Bulletin hist.-philolog. de l'Ac. de St.-Petersbourg T. XVI nr. 29 \ Melanges 
Asiat, IU (1859) p. 676- 681. 

31a) Die genuesischen Colonien am schwarzen Meere. Nach unedirten Hss. 
der Genueser Bibliotheken. Von Eduard Mnralt, Erman's Archiv für wiss. 
Kunde von Russland XVIII (1859) p. 158—166. 



138 Gosche, irisHCiixcIinftl. Jahresbericht für 1859 bis IKfil. 

Bcmmgarten 6 **) zu berichten hat •, Edwards 33 ) aus dem Russischen 
übertragene Gefangenschaftsbilder charakterisiren Schamyl's Privat- 
leben; eben dahin gehören Merlteuafs M ) Erinnerungen. Ein solcher 
Kampf war nicht allein aus einem frischen Nationalitätssinne, noch 
viel weniger aus einem klaren Gefühl für Freiheit zu erklären: die 
dämmerhafte Gewalt religiöser Anschauungen wirkte ungeheuer mit. 
Tili so dankbarer sind wir für Daragan's ' 6b ) und Khauikofs' i(i ) 
Mittheilungen über den Muridismus. An den früher wackern Mit- 
kämpfer Schamyl's, Hadschi Murad, erinnert dessen von Dorn 87 ) 
kundig beschriebener Säbel; den Haupt l'ührcr des letzten Kampfes 
selbst führen Gilles**) und Langlois 39 ) vor. — Leider erhalten 
wir aus dem liier wogenden Sprachengedränge nicht die erwünschten 
Mittheilungen. Unsere Hoffnung wagen wir auf Schiefnei • '",) zu 
setzen; den anblutigen Eroberer der Nationalitäten durch Sprach- 
forschung; er liefert uns, nachdem er bereits 1855 im Bulletin der 
St. Petersburger Akademie Einiges hatte mittheilen können, über das 
Thusch eine sehr eingehende, einen sonderbaren Sprachorganismus 
ermittelnde Untersuchung. Verbreitung des Georgischen bezeu- 
gen einige Aufschriften vom Berge Athos, welche mit eint 
griechischen Sewastianof photographiert und danach Bi-osset i0i ) be- 
schrieben hat. 



832) G. Baumgarten, Sechzig Jahre des kaukasischen Krieges, mit bes. 
Berücks. des Feldzugs im nördl. Daghestan im J. 1839. IM 1 1 2 litli. öebersichts- 
karten u. 5 lith. Plänen. Nach russ. Orig. deutsch bearbeitet. Leipzig, Schlicke 
1861, IX u. 207 S. gr. 8. (3 Thlr.) 

33) Captivity of Russian Princesses in the Caucasus; imluding a seven 
inonths residenee in Shamil's Seraglio, in the yoars 1N54 — 55. Transtated 
Crom the Russian, hy H. S. Edwards. London. Smith, Eider & Co. 1857, 8. 
m. 3 Tff. : 10V 2 sh.) 

34) Ed. Merlieux , Les princesses russes prisonnieres au Caucase. — 
Souvenirs d'une Francaise captjve de Chamyl. 2e ed., revue et augmentee. II- 
lustratioiis de J. Bassin. Paris 1860, IV u. 224 S. 18. 

35) Guerre de la Russie dans le Caucase. Le muridisme et ses apotres. 
Molla- Mohammed , Kazy-Mahoma, Hamzat-Bek, et Schamyl, traduit du Russe 
(nach einem Artikel von M. J. Daraqaii in der Kusskaja Gazeta vom 4 lti. N"\ 
1859) par Ed. Dulaurier, Revue de l'Orient 1860, XII p. 17—29, 89—104. 

36) Document sur les doctrines du Muridisme, lettre adressee a DI. Bd. 
Dulaurier, par de Khanikof, Revue de l'Orient 1860, XII p. 104 — 107. 

37) B. Dorn, Le sabre de Hadji Mourad, Bulletin de l'Acad. Imper. des 
Sc. de St. Petersbourg T. I (St.-Pet. 1860, 4. p. 236—239 m. 1 TU. und daraus 
in den Mel. asiat. („der Säbel Hadschi Murad's") III p. 707 f. 

38) Lettres sur le Caucase. Schamyl, par de Gilles, Revue de l'Orient 
1859, X p. 444—458. Vergl. oben nr. 8! 3. 

39) Schamyl ä Saint-Petersbourg. Correspondance communiqaee par Victor 
Langlois, Revue de l'Orient 1859, X p. 669 — 677. 

40) A. Schief her, Versuch über die Thusch - Sprache oder die Khistische 
Mundart in Thuschetien , Memoires de l'Ac. Imper. des Sc. de St. Petersbourg 
Vlieme Serie Se. polit. T. 9 (St.-Pet. 1859, 4.) p. 1 161. 

40a) Explication de quelques inscriptions , photographie"es par M. Seva- 
stianof, au mont Athos Par M. Brasset, Bulletin de l'Acad. Imper. dos 
sciences de St. Petersbourg IV (1861) p. 1 — 16 und Mclanges asiat. IV p.369 — 391 



Gosche, toissenschaJU. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 139 

Wir steigen von den Höhen des Kaukasus in das noch weniger 
geschichtreiche, aber den Linguisten sicherer fesselnde nordasia- 
tische Tiefland hinab. Von der umfassenden sibirischen Reise 
v. Mi'ddendorpf's 841 ) bring! die Portsetzung eine auch für den 
Philologen wichtige allgemein -geographische Uebersicht ; reichen 
Ertrag vcrheisst uns die Expedition des J. 1858 * - ) . Von Kultur- 
verhaltnissen der Exilierten erzählt Pietrovoshi**), Das mehr unter- 
haltende als wissenschaftlich gründende Reisewerk von Aikirtson**) 
ist in Nordamerika neu aufgelegl worden. In den fernsten Nord- 
osten führen CoUvns ,i6 ) Notizen, wo das Interesse für den Amur 
den Engländer und Angloamerikaner fesselt. Bilder aus dem Leben 
der Tschuktschen liefert Brake* 6 ), aus der Natur Kamtschatka^ 
v.Dü&mar 47 ),von den ostsibirischen Tungusen Hbt'gnew* 1 *). Die Be- 
handlung besonderer geographischer Punkte auf dem fast unermess- 
lichen Gebiete versuchten theils ausführlicher, theils nur andeutend, 
grössere Expeditionen und einzelne Gelehrte; das Meer von Ochotsk 
befahren die Amerikaner 18 ); Wenjuköw 49 ) bespricht den russisch- 
chinesischen Grenzfluss des Amurgebietes, den Ussuri, mit den an- 
liegenden Landschaften; fiadde's 60 ) Schilderungen aus Transbai- 



41) A. TL v. Midckndorpf , Sibirische Reise. Bd. 4 Th. 1. Uebersicht 
der Natur Nord- 11. Ost-Sibiriens. Lief. 1. Einleitung, Geographie u. Hydro- 
graphie. Nebst Tf. 2 — 18 des Karten - Atlasses. St. Petersburg 1859, 4. 

4- Bericht über die Thätigkeit der Sibirischen Expedition im J. 1858, 
Wj-istnik der k. Russ. geogr. Ges. 1859. Heft 2, danach : Ueber die Arbeiten der 
Sibirischen Expedition im Sommer 1858, Erman's Archiv für wiss. Kunde von 
Kussland XVIII '1859) p. 593 — 604. 

43) R. Pietroicsl.i , Paniietniki z pobyta na Syberyi (Denkwürdigkeiten 
über seinen Aufenthalt in Sibirien) T. 1—3. Poznan 1860, VI u. 326, 356, 
IV u. 276 S. 8. 5 Tbk.) 

44) Oriental and Western Sibiria: a narrative of seven years' exploration ... 
by Thomas W. Atkinson. New- York, Bradley 1859, 483 S. 12. D. 1. 25.) 
Zu den Anführungen in meinem Bericht für 1857 — 58 No. 595 ist noch nach- 
zutragen: J. M. im Journal Asiat. 1859, 14 p. 269f. 

5 Perry Mac D. CoUins' Bericht über seine Reise durch das Asiatische 
Russland, 1856 u. 1857, und über die Handels- Verhältnisse am Amur, Peter- 
mann's geogr. Mitth. 1859 p. 19 — 29. Vergl. oben nr. 2-14. 

l()i //. Brahe, Ein Winter bei den Tschuktschen, Westerm. lllustr. Mo- 
natsh. 1859 nr. 32. 33. 

47) K V. Dittmar, Die Vulkane und heissen Quellen Kamtschatka^, Pe- 
termanns Geogr. Mitth. 1860 p. 66 f. 

47a) Ueber die Tungusen der Küstenprovinz von Ostsibirien , (nach einem 
Artikel von Alex. Sbignew im Morskoi Sbornik , Erman's Archiv für wiss. 
Kunde von Russ'and XXI (,1861) p. 18—27. 

48) Die amerikanische Expedition in der See von Ochotsk, Ausland 1859 nr. 21. 

49) Wenjukow, Beschreibung des Fusses Ussuri und des Landes östl. von 
demselben bis zum Meere (mit 2 Karten), Wjästnik der K. Russ. geogr. Ges. 
1859 Heft 4; — desselben: La vallee de l'Oussouri, sa flore, sa faune, ses ha- 
bitants, Nouv. Ann. de Voy. 1859 cah. 3 p 157. 

&0) Radde, Die dauro-mongolische Grenze in Transbaikalien etc. Aus d. 
Russ. von K. Neumann, Zeitschr. f. allg. Erdk. N. F. 1859, VI p. 191 f. 



140 Gosche, urieaenschaftl, Jahresbericht für 1859 6m 1861. 

kalicn macht Neumann zugänglicher; SchtschuJcin H51 ) reist von Ir- 
kutsk nach Turansk, Uwarowski ia ) in das durch Boehtlingk's klas- 
sische Forschungen für turanische Philologie gleichsam canonisierte 
G-ebiel der Jakuten; WerssHow 5S ) handelt vom Jenissei. Für das 

Gebiet des Altai stellt lladlof^) seine nachhaltige Kraft der Wis- 
senschalt zur Verfügung, dessen Briefe wichtige Forschungen hoffen 
lassen. Unter dem namenlosen 'nomadischen Altajer' ■'■'') steckt 
möglicherweise eine europäische Persönlichkeit. Die Dsnngarei ist 
von einem Küssen bereist worden 541 '); mit grossem Interesse wird 
der lssikul besucht, wie Gobelje\os hh ) und Wenfukow'a 68 a ) Ver- 
öffentlichungen zeigen. Zu den westlichen Turaniern fuhren uns 
schon die Kirgisen, deren Steppen von Russen 56 ) besucht und auch 
von Atklnson^) etwas abenteuerlich geschildert werden. Die wis- 
senschaftliche Erforschung des Zusammenhangs dieses nördlichen 
Orients und asiatischen Occidents war Sjögrens herrliche Lebens- 
aufgabe gewesen, dessen Arbeiten Schott 51 a ) überschaut; nach grossen 
ethnographisch-sprachlichen Zusammenhängen auf einem Theil dieses 
Gebiets ist auch der Ungar R&dry 51b ) ausgewesen. Die wichtige 
Stelle, an welcher der östliche und westliche Taranismus einander 
begegnen, ist leider immer noch nicht entscheidend untersucht; es 
sind das die merkwürdig unbekannt gebliebenen Gebiete von Kasch- 
gar und Yarkandund überhaupt die östlichen Abhänge des Belur- 



851) Schtschukin's Reise von Irkutsk nach den heissen Quellen von Tu- 
ransk, Zeitschr. f. allg. Erdk. N. F. 1859, VI p. 476f. 

52) OuvarowsJci , Voyage au pays des Yakoutes 1830 — 39, Le Tour du 
Monde 1860 nr. 37-38. 

53) Werssilow , Ueber den Zusammenfluss der Angara und des Jenissei, 
aus d. Russ., Zeitschr. f. allg. Erdk., N. F. 1860, VII p. 171 f. 

54) Briefe aus dem Altai. Von Willi, lutdloff '. Erman's Archiv für wiss. 
Kunde von Kussland XX (1860) p. 550— 597," XXI (1861 ) p. 179—223, 

641—662. 

54 a) Bemerkungen eines nomadischen Altajers , Erman's Archiv für wiss 
Kunde von Kussland X VIII (1859) p. 527 555. 

54b) Eine Keise nach Kuldja (aus der Sjewernaja Ptschela), Erman's 
Archiv für wiss. Kunde von Russland XX (1860) p. 269 — 291. 

55) Bericht über die Resultate einer Expedition nach dem Issyk-Kul. Nach 
d. Russ. von A. Golubjew, Erman's Archiv für wiss. Kunde von Bussland 
XX (1860) p. 20— 37. — Der Alpensee Issyk-Kul und Geschichte seiner Besitz- 
nahme durch Russland, Petermann's Geogr. Mittb. 1859 p. 119 — 121. 

56) Bemerkungen über den See Issyk-Kul und den Fluss Koschkar. Von 
M. Wenjukow, (im Wjestnik der K. Russ. geogr. Gesellschaft ISliO. lieft 10;, 
Erman's Archiv für wiss. Kunde von Russland XX (1860) p. 388 — 389. 

56a) Nachrichten über die Expedition der Herren Sjäwerzow u. Borschtschow 
nach der Kirgisensteppe, Zeitschr. f. allg. Erdk. N. F. 1859, VII. p. 234. 

57) Abenteuer eines Kosaken unter den Kirgisen des Alatau, Ausland 1860 
nr. 45. 

57a) Sjögren's historisch-ethnographische Werke von W. Schott), Erman's 
Archiv für wiss. Kunde von Russland XXI (1861) p. 463 — 466- 

57 b) Die hunnisch-scythische Völkerfamilie (nach d. Ungar, von Ribäry), 
Erman's Archiv für wiss. Kunde von Russland XIX (1860) p. 71 — 76. 



Gosche, vnssenschaftl. Jahresbericht fil/r L859 bis 1861. 141 

tagh. Hierher hatte sich 1858 und 1859 der Russe Walichanow Hbl . c ) 
gewendet, dessen Bemühungen hoffentlich \ou glücklicherem Erfolge 
gekrönt sein werden, als die Adolf 8chlagintwe&& 68 ), der hier 

seinen Tod fand, ohne dass bis jetzt etwas von seinen voraussetz- 
lich wichtigen Papieren gerettet worden wäre. Besser ist es mit 
den westlichen Abhängen des beinahe in die mythische Geographie 
fallenden Höhenzuges und den weiteren Niederungen nach dem Kaspi- 
schen Meere hin bestellt, welches Gebiet uns die gleichmässig Bieg- 
reiche Gewalt der rassischen Wallen und Wissenschaften öffnet. Ve- 
liaminof- Zernof gibt Mittheilungen von Münzen aus Buchara und 
Khiva 59 ), aus weiteren osttürkischen Kreisen 60 ;, über Haidar von 
Buchara 61 ) und über einen Dolch von ebendort 62 ). An eine ältere 
am Ende des vorigen Jahrhunderts nach Khiwa gemachte Reise erin- 
nert Blankennagel 63 ) ; die neuesten Nachrichten hat das Jahr 1858 
gebracht 64 ), doch ohne erhebliche Bedeutung. Die westlichen Aus- 
läufer der colossalen aber unstäten turanischen Völkerfamilie verlie- 
ren sich bis in das europäische Kussland und könnten bei einer eigent- 
lich orientalischen Uebersicht füglich übergangen werden; aber wir 
finden nicht allein einzelne Stämme ziemlich gleichmässig in Nordost- 
Europa und in Nord-Asien sesshalK sondern es sind vor Allem beiden geo- 
graphischen Gebieten eine Zahl gleicher ethnographischer und linguisti- 
scher Probleme gestellt, dass Äklquistfs Mittheilungen über Wogulen 65 ), 



57 c) Vergl. Errnan's Archiv für wiss. Kunde von Russland XIX (1860) 
p. 578. 

58) Entdeckungen und Tod Adolph Schlagintweit's in Turkistan, Ausland 
1859 nr. 22. 

59) Veliaminof-Zernof, MotieTM 6yxapcKifl II XiißiiHCKia (Münzen 
von Buchara u. Khiva). St. Petersburg 1859, 4. (Auszug aus: Abhandl. der 
kais. archäol. Gesellschaft. Bd. 4.) 

60) M. Veliaminof-Zernof, Description de quelques monnaies de l'oulous 
de Djaghatai, de Khiva et de Khokand (Tire du Bulletin de l'Ac. de St.-Peters- 
bourg T. II. p. 207 f.), Melanges asiat. IV (1861) p. 137—152. 

61) V. Velzaminof- Zernof , L'Emir Haider de Boukhara et ses trois fils 
(Tire du Bulletin hist. -phil. de l'Ac. de St. - Petersbourg T. XVI nr. 18), Me- 
langes asiat. III (1859) p. 631—642. 

62) Veliamiiiof- Zcrnof, Notice sur an paigaard Boukhare (Tire du Bul- 
letin hist.-phil. de l'Ac. de St.-Petersbourg T. XVI nr. 12), Melanges asiat. III 
(1859) P . 576-583. 

63) Bemerkungen über eine in den J. 1793 u. 1794 ausgeführte Reise nach 
Cbiwa. Von Blanken/nagel, Erman's Archiv für wiss. Kunde von Russland 
XVIII (1859) p. 351—383. 

64) Ueber eine Reise nach Cliiwa im J. 1858, Erman's Archiv für wisa 
Kunde von Russland XXI (1862) p. 28—42. 

65) Aug. Ahlquist, Ethnographische Schilderung der Wogulen, Bulletin de 
la Cl. des sciences hist. de l'Ac. de St -Petersbourg XVI nr. 4 — 5, angez. in 
der Zeitschr. f. allg. Erdk. N. F. 1859, VI p. 222f. Vgl. dazu: Ueber Wohn- 
sitze und Lebensweise der Wogulen , nach dem finnischen Reiseberichte von 
AMgvist, Erman's Archiv f. wiss. Kunde von Russland XX (1860) p. 150 
— 166. 



142 Gosche, toissensehafU. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

Mordwinen 866 ), Tschuwaschen undTschcremissen 67 ), wie die ' s /' ; .'/" /<s 68 ) 
über die älteren Jatwägen, die Erdmanna 69 ) über die Tataren Kasans 
und Grahams 70 ) hierhergehören. In turanisches ÄJterthom weisen 

Lenormant 11 *) und /uchwald 71 ''). Von concentrierter geschichtlicher 
Bewegung ist sonst oatürlich wenig die Rede; was die thatkräftigster 
Stämme vollbracht haben, wird in der Regel nicht von ihnen Belbst, 
sondern durch die unterlegenen oder benachbarten Völker verzeichnet, 
so dass es sich verlohnt, chinesischen Zeugnissen Für Dschingis- 
khans Zeit nachzuspüren 71 ) und in AV/v'.v 7 -) schon erwähnter Schrift 
für Tamerlan und Schahrokh aus armenischen Quellen zu lernen; 
auch der von der Hackluyt - Society veröffentlichte Gtesandtsehafts- 
bericht des liuy Gonzalez de Glavijo 7:i bietet manches Charakte- 
ristische für Timur. Trotzdem bleibt manches aus diesem geschicht- 
lichen Kreise dunkel und geradezu zweifelhaft, wie die Olmützer -Mon- 
golenniederlage nach den Untersuchungen 8chwammels •■■ ' . Die alier- 
neuesten Fragen über die Weltherrschaft und mithin auch über die in 
Central-Asien haben die Aufmerksamkeit der Politiker auf diese Stelle ge- 
wendet; solchen Reflexionen wird Girard , s' !i ) Brochure dienen können. 



866) Die Mordwinen, ihre Sprache u. Sitten, nach einem finnischen Reise- 
berichte von Ahlquist, Erman's Archiv f. wiss. Kunde von Rassland XIX (1860) 

p. 556—566. 

67) Nachrichten über Tschuwaschen und Tscheremissen. Von Aug. Ahl- 
quist, Erman's Archiv für wiss. Kund.- von Russland XVIII lSiV.I) p. 39- 04 

68) A, Sjögren, lieber die Wohnsitze und die Verhältnisse der Jatwägen, 
ein Beitrag zur Gesch. Osteuropa'.- um die Mitte des 13. Jh., Memoires de l'Ac. 
Imper. des Sc. de St.-Petersbourg Vlieme serie Sc. pol. T. 9 (St.-Petersb. 1859, 
4) p. 162-359. 

69) Fr. v. Erdmann, Ueber die Tataren Kasans, Z. d. D. m. Ges. XIII 
(1859) P . 659—690. 

70) F. R. Grahavie, The archer and the steppe; or, the empires of Scythia; 
a history ofRussia and Tartary, from the earliest ages tili the fall of the Mogul 
power in Europe in the middle of the 16 th Century. London 1860, 480 S. 8. 

71) Die Tataren des Tsehmggis -Chan. Von einem chines. Zeitgenossen 
(nach dem „Meng Da bei lü" von Meng hung in Wassiljew's „Geschichte und 
Alterthümer des östl. Theiles Mittelasiens"), Erman"s Arcliiv f. wiss. Kunde von 
Kussland XX (1860) p. 185-191. 

71a) Les Grecs et les Scythes au Bosphore eimmerien. l'ar Ch. Li normont, 
Paris, Didot 1860, 21 S. 4. 

71b; Ueber Tschudische Ausgrabungen. Nach dem Russ. (O tschudskich kop 
jach) von E.J. Eichwald, Erman's Arch. f. w. Kunde von Russland XIX (1860) 
p. 55—70. 

72) Vgl. oben nr. 716. 

73) Narrative of the embassy of lluij Gonzalez de Clavijo lo the court 

of Timour, at Samarcand, A. D. 1403 — 6. Translated by Clement 

R, Markham. (Hakluyt Society nr. 26 , London, 1859, - 1 

73a) Ueber die angebliche Mongolen-Niederlage bei Olmütz (in der Nacht 
vom 24. auf d. 25. Juni 1241). Vom Prof. E. J. Sclurammel. (Aus den 
Sitzungsberichten der k. Ak. d. Wiss. zu Wien). Wien , Gerold's Sohn 1860, 
42 S. lex., 8. Vgl. Bericht für 1857—58 oben \U\. XIV p. 224 nr. 616. 

74 i Etüde sur Touranc et la Cochinchine. Par A. GirartL Paris, Cor- 
reard 1859, 32 S. 8. mit 2 Karten. (3 fr.) 



Gosche, Wissenschaft!. Jahresbericht ßlr 1859 bis 18(Jl. 143 

Unsre stillere Arbeil begrenzl sich lieber auf das Sprachen- 
leben dieses turanisclien Völkergewirrs, welches zu erforschen Auf- 
gabe und Verdienst vorzugsweise der russischen Wissenschaft i-t. 
Unter uns Deutschen hat fast nur Schott 75 ) dieses Feld ange- 
baut. Aus dem fernsten Nordosten gibt Romberg 75a ; Lexicalisches. 
Scharfsinnig erfasstes, neues Material fährt fort Schiefner zu bringen, 
handle er nun nach Maacka MittheiluDgen von Tungusischen Mund- 
arten^ 6 ), deren Kenntniss auch ein Glossar in russischer Sprache 
fördert 77 ), oder von der Sprache der Jukagiren 78 ). Das für das 
Verständniss der ganzen Sprachfamilie wichtige Yakutische stellt 
Chitroho 7:) ) dar, indessder Meister auch dieses Gebietes Böktlmgk 80 ) 
daran einige wichtige Bemerkungen knüpft. An des unvergesslichen 
Castren ostjakische Sprachlehre erinnert Schott* '). Ganz neue 
grammatische Behandlungen haben das Permische durch Iioyow bl ) 
und zugleich mit gründlicher Berücksichtigung des Lexikalischen und 
volksthümlich Litterarischen das Mokscha- Mordwinische durch den 
verdienten AMquist 81 a ) erfahren. Ein Bild des Wogulischen lie- 
fert an einer Sage Hunfalvy 81b ), welche uns Schott 81 c ) zugäng- 



75j W. Scott, Altajische Studien oder Untersuchungen auf dem Gebiete 
der Altai -sprachen, Abh. der K. Akad. d. Wiss. in Berlin. Aus d. .1. 1859. 
Berl. 1860, 4. Philol. u. bist. Abhh. p. 588- 623, desgl. aus d. J. 1861, ebend. 
]>. 177 — 222 (Heft. 1. 2. Zusammen 20 ngr.) 

75a) Ein Tschuktschiches Wörterverzeiehniss. Von Heinr. Romberg, Erman's 
Archiv für wiss. Kunde von Russland XIX (1860) p. 340—345. 

76) A. Schiefner , Beiträge zur Kenntniss der tungusischen Mundarten 
(Aus dem Bulletin hist.-philol. de l'Ac. de St. Petersbourg T. XVI nr. 36), Me- 
langes asiat. III (1859) p. 682—706. 

77) KpaTKl'ri TyHrycCKJH CAOBapb. Moskau. Synodal - Druckerei 

1859, 28 S. 8. 

78) A. Schief ner , Ueber die Sprache der Jukagiren. (Aus dem Bulletin 
hist.-phil. de l'Ac. de St.-Petersbourg T. XVI nr. 16) Melanges asiat. III (1859) 
p. 595—612. 

79) D. Chitrow, KpaTxan rpaMMaTiiKa «KyTcxaro flswKa. 
Moskau, Synod.-Druckerei 1S5S, III, 2 u. 137 S. 8. 

80) O. BöhtUnglc, Zur jakutischen Grammatik (Aus dem Bulletin hist.- 
philol. de l'Ac. de St.-Petersbourg T. XVI nr. 19), Melanges asiat. III (1859) 
p. 643—652. 

80a) Vgl. in Erman's Archiv für wiss. Kunde von Kussland XXI (1861) 
p. 467 f. Vergl. oben Bericht für 1857 58 in Md. XIV p. 226 nr. (521 

81) Nih. Rogow , Ouwrb rpaMMaTiiKii nepM.Hii.Karo H3WKa. 

(Versuch einer permischen Grammatik. St. Petersburg 1860, X u. 164 S. 8. 
(Leipzig, Brockhaus. 24 ngr.) 

81a) Forschungen auf dem Gebiete der Ural-Altaischen Sprachen von Aug. 
Ahlquist. 1. Theil. Auch m. d. T. Versuch einer Mokscha-mordwinisehen Gram- 
matik nebst Texten und Wörterverzeiehniss. St. Petersburg (Leipzig , Voss) 
1861, XI u. 214 S. gr. 8. (1 ^.) 

81b) Paul Hunfalvy , Egy Vogul Monda nyelvtani es szötari kiserlettel 
(Eine Wogulische Sage in grammatischer und lexieal. Begleitung), im Ertesitö 
(Bulletin der Pester Akad.) 1859 p. 285 -396. 

81c) Ueber wogulische Sprache und Sage (nach Paul Hunfalvy) von 
W . Schott, Erman's Archiv für wiss. Kunde von Russland XIX (1860) p. 288—297. 



144 Gosche, vrissenschaftl. Jahresbericht fibr 1859 bis 1S61. 

licher gemacht hat. Die Hauptmasse der Publikationen gehörl na- 
türlich hier dem eigentlich Tatarischen an. das ans praktischen 
Gründen mannigfache grammatische Behandlung erfährt 882 . Ein 
kurzes Lehrbuch gibt Nastrow 62 *), indess Ilminskt über die Laut- 
lehre 83 ) und insonderheit über den turkmanischen Dialekl han- 
delt H:i;i ). Als sehr verdicnstlicli wird Kull/jascheins**) Chresto- 
mathie gerühmt, der ein auch für türkische Dialektvergleichung 
nützliches Glossar beigegeben ist. Jielin 8 **) stellt in dankenswerthe- 
ster Weise Leben und literarische Thätigkeit des Mir 'All Shir 
oder, um seinen poetischen Namen zu brauchen, Newäl dar. .Alan 
kann zwar nicht sagen, dass in irgend einer seiner zahlreichen Dich- 
tungen ein neuer Weg eingeschlagen sei-, vielmehr sind Formen und 
Inhalt von persischen Vorbildern besonders im Epischen von Ni- 
zämi abhängig: auch gehört seine dschagataische Sprache schon dem 
L5. Jahrhundert an. Aber grade durch dieses ihr jüngeres Alter 
wird sie natürliches Parallelbild zu ihrer türkischen Schwester. Ta- 
tarische Erzählungen hat Ilminshi 85 ) gesammelt. Er vermittelt auch 
das Verständniss des Kirgisischen durch ein kurzgefasstes Elemen- 
tarbuch 85 *), wie er den Kirgisen ein russisches Lesebuch dar- 
bietet 85b )• Von höchster litteraturgeschichtlicher Bedeutung sind 
aus diesen naturwüchsigen Culturkreisen zwei Veröffentlichungen von 
Jülg S6 ) und von Schiefner* 1 ). Der erstere gibt eine anziehende 



882) Uebersicht der tatarischen Grammatiken, von*, ZdDmG. XIII | 
p. 501—503. 

82a) K. Nasiroio, ( c Abd el-Näcir Oghlu), KpaTKafl TaTapcKaH 
rpa MaTUKa. (Kurze tatarische Grammatik), Kasan 18(30, 8. 

83) Ilminslcy, Zur tatarischen Lautlehre. Aus einem Briefe an A. Schief- 
ner (Aus d. Bulletin bist. - philol. de l'Ac. de St. Petersbourg XVI nr. 3), Md- 
langes asiat. III (1859) p. 476—481. 

83a) M. li'miiifil.-i , l r eber die Sprache der Turkmenen (Aus dem Bul- 
letin de l'Ac. de St.-Petersbourg T. I p. 563 f.), Melanges asiat. IV (1860) p. 63—74. 

84) Salich Dschan KuMjaschew , TaxapcKan xpecTOMaTifl (ta- 
tarische Chrestomathie). Kasan 1859. 8. — Desselben: CAOßapfc Kb Ta- 
TapCKOH xpecTOMaTin (Wörterbuch zur tatar. Chrestomathie), ebenda-. 

i.s;»:i, 8. 

84a) Notice biographique et litteraire sur Mir Ali-Chir-NeVäi'i, suivie d'ex- 
traits tires des oeuvres du meine auteur, par Belin, Journ. As. 1861 , T. 17 
l». 175—256, 281—357. 

85) ijijj*-}* \j>z^.'5 (herausgeg. von Ibninsky). Kasan 1275 (1859). 8. 
85a) Nile. Ilminslä, MaTepiaAW xT> myno.uho Knprii3Cxaro 

Iiapt'liH. Kasan 1861 , 8. 

85b) Nile. Ilminski, CaMoy*niTeA& pyccKoil rpaMOTN 4ah 
Knpni30i;rj. Kasan 1861, 8. 

86) Die Märehen des Siddhi-KUr. Kalmükisch. X. Erzählung (als Probe 
einer Gesammtausgabe.) Festgruss aus Oesterreich an die XX. Versammlung 
Deutscher Philologen, Schulmänner und Orientalisten in Frankfurt a. M. ... von 
B. Jülg. Wien, aus der k. k. Staatsdruckerei 1861, 2 Bll. fol. 

87) A. Scliiefner, Ueber die üeldensagen der Minussinsehen Tataren (Aus 



Go.sc/tc, wissenscha/U, Jahresbericht für 1859 bis L861. 145 

Probe einer kalmükisehen Märchensammlung, welche geeignet ist, 
in der interessantesten Weise die Wege zu zeigen, welche die vom 
Buddhismus bedingte oder doch stark berührte indische Apologen- 
litteratur in diese unwirthbaren Kreise eingeschlagen hat: wir haben 
hier ein durch Benjamin Bergmann nur an vollkommen, wenn auch 
in einiger Vollständigkeit uns zugeführtes Literaturdenkmal vor uns, 
das dem indischen Vetälapancavincati entspricht und dies den Slaven 
und Germanen (wie Benfey schon scharfsinnig ausgeführt hatte) hat 
vermitteln helfen. Wenn eine vollständige Veröffentlichung der 
ganzen kalmükisehen Sammlung unsre Kenntniss der in den ver- 
schiedenen Völkern hin- und hergehenden Erzählungsstoffe wesentlich 
fördern würde, so hat tichiefners Bearbeitung der Heldensagen 
der minussinschen Tataren eine eminente Bedeutung für die Theo- 
rie des Epos, und man darf behaupten, dass diese Sammlung ohne 
Weiteres neben Ilias, Rolandslied, Nibelungenlied, Kalewala und die 
Wladimirlieder gestellt werden müsse. Denn ähnlich wie beim finni- 
schen Epos rückt hier das volksthümliche Werden der Dichtung 
in das volle Tageslicht; die Namengebung für die epischen Figuren, 
das episch Formelhafte bietet zu den fruchtbringendsten Vergleichungen 
Anlass. Es ist sicher zu erwarten, dass diesen von Castren herbei- 
geführten Entdeckungen noch weitere auf dem Gebiete der turani- 
schen Sage und Dichtung folgen werden; seltsam wäre es in der 
That, wenn die Kämpfe zwischen Iran und Türän, von denen die 
persischen Sagenkreise erfüllt sind, nicht auch einen nachhaltigen 
Einfluss auf die Ueberlieferungen der Aniränier ausgeübt hätten. 
Beobachtungen dieses nationalen Phantasielebens würden erquick- 
licher sein als die sorgfältigsten Studien über Lamaismus und sonstigen 
Buddhismus, welcher in diesen nördlichen Gebieten seine grossartige 
Mission nicht zu erfüllen scheint 87a ). 

Es bleibt die am westlichsten vorgeschobene, in ihrer anomalen 
Umgebung niemals heimisch gewordene Gruppe dieser turanischen 
Völkerfamilie zu betrachten : die T ü r k e i , von welcher Sandiessons 88 ) 
encyklopädischer Artikel ein orientierendes Bild entwirft. Obgleich 
die unmittelbaren thatsächlichen Berührungen mit ihr für einen Augen- 
blick in den Hintergrund getreten sind, so ist doch das politische, 
religiöse und allgemeine Culturinteresse für die türkische Frage 
immer gross, jum sorgfältige Beobachtungen der gegebenen Verhält- 
nisse und eingehendere Erwägungen zu veranlassen. Reiseberichte 



d. Bullet, hist.-phil. de l'Acad. de St. - Petersbourg XV nr. 23 — 24), Melanges 
asiat. III (1859) p. 373-425. — Die Heldensagen der minusshisehen Tataren, 
rhythmisch bearbeitet von A. Schiefner. St. Petersburg (Leipzig, Voss) 1859, 
XLYII u. 432 S. gr. 8. (2 ®i>.) 

87 a) Der Lainaismus im östlichen Sibirien (nach einem Artikel des Ote 
tsehestwennyja Sapiski), Erman's Archiv für wiss. Kunde von Kussland XX 
(1860) P . 51— 72. 

88) D. SandiesSOn, Turkey' in Encyclop. Britannica vol. 21. 
Jahresbericht 1SG9-18C1. 10 



).ji; (,',,.,-,,, wigsenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

geben die Franzosen J0au88^^ iV ) mit weiterer Alisdehnung auf l'<i- 
sien und Vorderasien, BouS 90 ) nach v. Halms Aufzeichnungen, Air 
lard 91 ) in kurzen Notizen-, ferner in französischer Sprache die 
Slaven NtGolaidy 92 ) und wenn auch kurz, doch besonders schürf 
charakterisierend von Tschthatschejf 93 )] unter den maller Reiselitte- 
ratur erscheinenden Engländern Sen.ior 94, \ Mason 9S ) und Thorn- 
bury 9Ü ), zum Thei] pach längerem Aufenthalt, wie besonders Masun, 
und mit viel realistischer Beobachtungsgabe; endlich von den nun 
auch mehr in den Weltverkehr eintretenden Deutschen der bereits 
oben cjlierte Wv/zcr'' 1 ) und Klinisch'' 1 *') mit seinen wallachisch- 
türkischen Skizzen. Die gesammten statistischen Verhältnisse fasst 
der in solchen Darstellungen mannigfach bewährte II< -usi-liliiiif ; ' 9 ) 
zu einem einheitlichen Bilde zusammen; das wichtigste ist hierbei 
nicht das fürchterliche Missverhültniss. in welchem hier Arbeit und 
Geldwesen zu allen modernen Principien stehen, sondern der weil 
gefährlichere, durch religiöse Momente gesteigerte Conrlict der Natio- 
nalitäten, deren Bedeutung uns durch L<>j<<ni\s- Hn) ) höchst dankens- 



Uaiixxtj, Extrail du voyage en Turquie et en Perse, executee pai 
ordre du go'uvernement francais pendant les annees 1846 — 4bS. par X. Hom- 
maire de 11,11 Partie geogr. Paris 1859, 168 8. m. 1 TU. 

( .il) .1. liom'\ Notier Mir lc voyage de M. de Bahn, Consul autrichien a 
Syra, k travers le centrede la Turquie, de Beigrade a Salonique, Bulletin de 
l:i Soc. de Geogr. IV. Serie lNfi'.l T. XVI] p. lStif. ; vergl. dazu Petennann's 

Geogr Mitth. L859 p. 117. 

91 Cum. Allard : Souvenirs d'Orient. La Dobroutcha. Paris 1859 
64 S. S. 

92) Les Tuns et la Turquie contemporaine. Itineraire et compte rendu de 
voyages dans les provinces ottomanes par //. Nicolauly. Vol. 1. 2. Paris, Sar- 
torius 1859, XXXVIII, 316 u. 367 S. 12. uebst Karten. Vgl. Journal des 
Sav. 186Ö Mai p. :V_ ; 7. 

1).")) /'. de Tchihalchef) Lettres sur la Turquie. Braxelles et Leipzig, 
Schnee 1869, 84 S. 8. (Aus d. ..Nord-' abgedruckt). Vgl. Petennann's Geogr. Mitth. 
1859 i». 81. 

!I4) A Journal kept in Turkey and Greece in the autumn of 1857 andbeginuing 
of [858. By Nassau II'. Senior. London, Longman 1859, 380 S. 8. (12 sh.). 
Vgl. Dublin Review 1860 T. 17 p. 77f. ; Edinburgh Review 1859, 110 p. 512— 
524; National Review 1859, 9 p. 316- 339. 

95) •/■ Masan, Three years in Turkey: the Journal of a medical mission 
to the Jews. London, Snotv 1860, 380 8. 8. (6*/a s1 ' ■) 

96 II . Thornbury, Turkish Life and Character. 2 vols. London, Smith 
and Eider 1860, 566 8. 8. (21 sh.) Vgl. Colburn's New Montlily Mag. 1860, 
])ee. and Westm.-Review 1861 T. 19 p. 256. 

97 Vgl oben no. 202. 

98) Bukarest und Starnbul Skizzen aus Ungarn, Kumenien und der Türkei. 
Von Eiehard Kunisch. Berlin, Nicolai 1861, IV a. 42(5 S. 8. (2 tft). Vgl. 
LH. Centralbl. 1861 i>. 777 f. 

99 -V Heuschling,, L'empire de Turquie. Territoire, population, goüverne- 
ment, finances, Industrie agricole, manufäcturiere <'t commerciale, voies de com- 
munieatioii, armee, culte etc. Biuxelles 1860, XV u. IT'» S. 8. 

900 Ethnographie dei Europäischen Türkei von (?. Lejean, mit franz. u. 
deutschem Text, Ergänzungsband zu Peterniann's Gco-rr. Mitth. 1860 — 61 nr. 4, 
38 S. 4. Vgl. Ausland lS;Ül nr. 18 und ein frühere).' Artikel ebend. nr. 8 — 11. 



Gosche, loieeenaohaftl. Jahresbericht fä/r 1859 bis 1^'il. 147 

werthe Darstellung and andere Mittheilungen '), wie durch Bonneau'a -) 
Betrachtangen nahe gerückt wird. In die buntbewegte Centralstelle 
dieses Treibens führt nun schon ein eigener Fremdenführer 3 ), 

welcher auch darch seine deutsche Fassang einen regen deutschen 
Verkehr in Constantinopel bezeugt; der unmittelbarsten Gegenwart 
dienen die zuverlässigen Correspondenzen des Aaslands 4 ), In eine 
ältere Kpoche führen Lßbarthe's * a ) byzantinische Forschungen zur 

nick, aus denen derjenige, welcher über die wichtigen archäolo- 
gischen und topographischen Resultate zu bestimmten Culturanschau- 

uugen fortschreiten will, sieb schon für das zehnte Jahrhundert ein 
christliches Hofleben vergegenwärtigen kann, das vollkommen ver- 
diente vom Islam todtgeschlagen zu werden, hi diesem ursprünglich 
schon verhängnissvollen Verhältniss des Byzantinismus zu den ihm 
an einer weltgeschichtlichen Stelle vergeblich gestellten Aufgaben 
ruht das erste und einfache Geheimniss der osmanischen Ge- 
schichte; weiteres hat dann die europäische Politik leichtsinnig 
oder mit diplomatischem Raffinement, jedenfalls aber gewissenlos 
hinzugethan. Alle diese Momente verleihen auch über das brennende 
Interesse der orientalischen Tagesfrage hinaus den Darstellungen 
der türkischen Geschichte einen bedeutend menschheitlichen Reiz, 
der freilich nicht in Hammer-PurgstaWs breit angelegtem Werke 
hervortritt, an welches Poufoulat 5 ) erinnert. Lediglich der durch 
Italiens Theiluahme am Krimkriege geweckten Nachfrage in weitem 
Kreisen will eine von den ältesten Zeiten bis zu dem bezeichneten 
Momente herabreichende Compilation dienen G ) ; das gewissenhafte 
und trotz des mangelnden Verhältnisses der türkischen Sprache 
kaum in einem nebensächlichen Punkte irreleitende Werk Zink- 
eisen's 7 ) führt schon bis in den Anfang unsres Jahrhunderts, lieber 



1) Xotices diverses sur les differentes populatians de l'Empire Ottoman. 
1. Les Zei'beks eu Anatolie (peuplades pillardes); 2. Les Gueutchebehs en 
Anatolie (Tribüs nomades), Bulletin de la Soc. de Geogr. IVe Ser. 1859, XVIII 
p. 201. 209. 

2) A. Bonneau, Les Turcs et les nationalites. Paris, Dentu 1860, 32 S. 
8. 1 fr. 

3) Fremdenführer für Constantinopel und Umgegend nebst einer kurzen 
geschichtlichen Einleitung. Constantinopel, Schimpft* & Co. 1860, VIII u. 232 S. 
kl. 8. (1\< 3 ^). 

4) Bilder aus Konstantinopel und Jerusalem, Ausland 1860 no. 35; zur 
Kunde von Konstantinopel, ebend. 1861 no. 4. 

4a) Le palais imperial de Constantinople et ses abords, Sainte-Sophie, le 
forum Augusteon et 1'Hippodrome, tols qu'ils existaient au Xe siecle. Fax Jules 
Lobarthe. Paris, Didron 1861, 240 S. 4. m. 3 TM. Vgl. Hase im Journ. des 
Bav. 1862 Juni p. 325—333. und Aoüt p. 463—475: Fr. W. Unger in Gott. 
gel. Anz. 1863 no. 46 p. 1835—40. 

5) M. de Hammer et son bistoire de l'empire ottoman, par Bapt. Poujoulut, 
Revue de l'Orient 1860, XI p. 397—402. 

6) Storia della Turchia. Vol. 1. 2. Milano, Pagnoni 1860, 469 u. 479 S. 
8. mit vielen Lith. 

7) J. W. Zinkeisen, Geschichte des osman. Reichs in Europa. Tb. 6. 

10* 



148 Gosche, loissenschaßl. Jahresbericht fär 1859 bis 1861. 

Einzelheiten der älteren Geschichte sind beachtenswerthe Ermittel- 
angen und Betrachtangen angestellt worden; v. ErdTnann* 01 *) weisl 
nach, dass Timm- im .1. d II. 904 den BäyazTd Uderim wirklich in 
einen eisernen Käfig Im) stecken lassen; der feinsinnige Geschicht- 
schreiber des Wiederaufbltthens der classischen Studien 7 b | charak- 
terisier! die culturgeschichtliche Bedentang der Eroberung Constan- 
tinopels; Pavel de Gourteitte 91 ) setz! uns in den stand, an einer 
trefflich bearbeiteten türkischen Quellenschrift die christlichen Be- 
richte aber Sulaimän's II. Sieg von Mohacz zu messen; auch ser- 
bische Quellen werden aufgethah: nacli ihnen wiid Muräd 1. ge- 
schildert 9 ), Mahmuds Ferman an den serbischen Patriarchen von 
1731 besprochen 10 )* und anderes aus Archiven geliefert 11 ). Der 
letzte Krieg ist natürlich mich Gegenstand authentischer 12 ) und 
populärer 120 ) Schriften; ergänzend treten dazu Briefe über die 
linkische Marine l:; ). Grössere Aufmerksamkeit und Sorge erregl 
die noch immer nicht gelöste, zu einem gordischen Knoten geschürzte 
und dalier am besten mit einem Alexanderschwerte zu durchhauende 
orientalische Frage, deren lehrreichegeschichtliche Genesis /f////.wVvt 14 ) 



Umschwung des innern Lebens des osmanischen Keiehes u. der Orient. Politik 
während der Revolutionszeit von den Frieden zu Kutschuk Kainardsche im 
J. 1771 bis zum Frieden mit Frankreich im J. 1802. Gotha, F. A. Perthes 
1859, XIX u. 950 S. gr. 8. (Subscr.-Pr. 3 ^. ). 

907:0 Ueber den ^«ßi desBäjazid uderim. Von Fr. r. Erdmann, Z. d. 
DmG. XIV (1860) i.. 712 721. 

7!>i Die Eroberung von Constantiriopel und das Abendland. Von Georg 
Voigt, v. Sybels Bistor. Zeitsphr. III (1860 p. l»i 41. 

8) Histoire de la campagne de Mohacz, publice avec la traduetion Cran- 
eaise et des notes. Par Pavet <le, CourteiUe. Paris, Impr. Imper. 1859, s. 
(6 fr.") Vgl. Barbier de Meynard im journ. As. 1860 T. 15 p. 438 f. 

!)) Mural I nach türk. Quellen, in »lern (serb.) Bulletin der serb. Literatur- 
gesellschaft, Jahrg. XI Belgrad 1859, 8. 

10 Ferman des Sultan Mahmud an d«n serb. Patriarchen Arscnhis 1731, 
indem (serb.) Bulletin der serb. Litteratargesellschaft, Jahrg. XI, Belgrad 185!'. S. 

111 Auszüge aus türk. Docuinenten des Karlstadter Archivs, in dem (serh.l 
Bulletin der serb. Litteraturgesellschaft. .Jahrg. XI, Belgrad L859, 8. 

12) Officieller Bericht über die Operationen in der Krim, von einem der 
in d. J. 1855 u. 56 auf den Kriegschauplatz in Kuropa gesendeten Offiziere. 
Von G. B. Mac Aellan Stuttgart, Aue IS;")!». 4.S S. S. 

12a) La guerre, histoire complete des Operations militaires cu Orient et 
dans la Baltique pendant les annees 1S53 ä 56. PrececU d'un aperou historique 
sur bs Kusses et les Turcs etc. Par Jules hatHrnvr et Houvre Arnoul. 9e 
cd. Vol. 1. 2. Paris. Lihrairie populaire 1859, 669 S. S. 

13) The Paslia Papers. Epistles of Mohammed Pashu, Bear-Admiral of the 
Turkish Navy, writterj firom New-York to Ins Friend, Abel ben Hassen. Trans- 
lated into Anglo-American Crom the Original manuscripts. To which are added 
sundry other Letters, criticaJ and explanatory, laudatory and objurgatory, from 
gratified or injured individuals in various parts of the planet. New-Vork, 
Scribner 1859, 312 S. 12. 

14) J. W. Zinkeisen, Das vierte Stadium oder das jüngste Jahrb. u. die 
Zukunft der oriental. Frage, in F. v. Haumer's histor. Taschenbuch. 3e Folge, 
Jahrg. 10 (1859). 



pasche, wissenachaftl. Jahresbericht für 1859 bi» 1861. 149 

sorgfältig verfolgt and für welche v. Jasmund ' ') Actenstücke 
gesammelt hat; gehl man den Betrachtungen Beyraria ") and 
Püz£pios ,xl ) wie dun socialen Charakteristiken von PovjaeL ' \> 
und (Julias lü ) nach, so schwindet alles Vertrauen zu irgend einer 
noch so wohlgemeinten und noch so gründlichen Beform. Anch 
von einer religiösen Regeneration, welche sich voraussichtlich inner- 
halb des eben herrschenden christlichen Bekenntnisses halten würde, 
dürfte man wenig erwarten. Der Einblich in die von Mi/closich 
und Joseph Maller 19a ) in trefflichster Weise veröffentlichten l'atriar- 
chatsacten des 14ten Jahrhunderts lehrt wenig von einer etwaigen 
Bildungsfähigkeit der byzantinischen Kirche ; kaum werden höheren 
Interessen türkisch-tatarisch-christliche Schriften, wie die Behand- 
lung der Apokalypse l9 '') entgegen kommen. Vielmehr wird (denn 
man hat guten Grund einer gelegentlichen Aeiisserung des trefflichen 
Missionars Schauffler zu glauben) hier eine wahrhaft protestantisehe 
Mission einen Boden und eine Zukunft haben. 

Einen weniger beunruhigenden, aber doch keinen befriedigenden 
Eindruck macht die Betrachtung türkischer Sprache und 
Litteratur. Massenhaft ist die letztere allerdings genug, wie 
man aus den schätzenswerthen Verzeichnissen Bianclus 20 ) sehen 
kann, denen sich bald von kundiger Hand eine ebenso eingehende 
Behandlung der zahlreichen kasaner Drucke anschliessen möge 20 •' ) ; 



15) Aktenstücke zur orientalischen Frage. Nebst chronologischer Ueber- 
sicht, zusammengestellt von J. v. Jasmund. Bd. 3. Berlin, F. Schneider 1859, 
XIV u. 250 S. 8. (1\' 3 fflp.) 

16) Reformes en Turquie, par Bcyrau, Revue de l'Orient 1859, IX p. 
310-315. 

17) J. G. Pitzipios, La question d'Orient en 1860 ou la grande crise de 
l'empire byzantin. Paris 1860, 192 S. 8. 

18) E. Pouja.de, Chretiens et Turcs, seenes et Souvenirs de la vie pöK- 
tique et militaire et religieuse en Orient. Paris, Didier 1860, 550 S. 8. (7 fr.), 
vgl. A. de Circourt in Nouv. Ann. des Voy. 1859, II p. 193. 

19) La Turquie en 1861. Par B. C. Callas. Paris, Franck 1861, VII 
u. 403 S. 8. 

19a) Acta et diplomata graeca medii aevi sacra et profana edd. Franc. 
Miclosich et Jos. Müller. Vol. I. II. (Acta patriarchatus Constantinöpolitani 
1315—1402 e codieibus mstis bibliothecae Palatinae Vindobonensis T. I. II.) 
Wien, Gerold 1860-62, X, 607 u. 608 S. 8. jeder Theil 6% #. ). Vgl. 
Lit. Centralbl. 1862 no. 16 p. 283 f. und Edinburgh Review 1865 April p. 
456-493. 

19b) ^ßßjS> ^; ij-j^- 11 ";} U?;-^ ^V ^h^ U"-^ 

.0 ^Av^ft^lx^ y^-*.A^JI ^li>-jj ,_i\*:s j****mjüU^I St. Petersburg 1861, 4. 

20) Bibliographie Ottomane ou Notice des ouvrages publies daus les im- 
primeries turques de Constantinople, et en partie dans celles de Boulac, en 
Egypte, depuis les derniers niois de 1*50 .jusqu ä ce moment, par Bianchi, 
Journ. As. 1859, 13 p. 519—555; 1861, 16 p. 323-316. 

20a) Diesem Wunsche genügt durch umfassende Darstellung, der bald eine 
speciellere der wichtigen Einzelheiten folgen möge, folgende mir während des 



1f)0 (insrlir. wissenschaftl Jahresbericht für 1 s r>* t bis 1861. 

aber wir beobachten keine neuen Ideen in ihr. Für das Studium 
der Sprache fahrt man fort, zum Theil vortrefflich zu Borgen; 
Redhouse's m ) höchst beachtenswerthes Wörterbuch liegt vor; Much- 
liii.sh-/' 2 -) und Beresin 8 *) baben Chrestomathien geliefert, der letz- 
tere auch das um seiner recht eigentlich volksthfimlichen Sprach- 
form willen schätzenswerthe Sprichwort berücksichtigt ***); der 
betriebsame Mattouf* 4 ') beschenkt uns mit einem Gesprächbnche. 
Was aus der s. g. schönen Litterat ur uns dargeboten wird, bewegt 
sich, wie eine Kasaner 24a ) Anthologie zeigen kann, in den her- 
gebrachten meist nur auf höhere Künstlichkeil bedachten Formen. 
So erscheint ein Gedicht von dem bekannten Krim-Chän, Shäh&n 
Girfii 25 ) in Etosenform nach der Weise schlechtester byzantinischer 
oder pegnitzschäferricher Poetcrei. Das grössere türkisch-tatarische 
Publicum mögen Dichtungen von Mollä Nazr ihn Ghäyib IIa 
ioatda* 6 *), von Hak im 'Am 2fib ), dessen Werk als 'Kitüb-i-Sulai- 
mäni' seit 1846 viermal gedruckt wurde, vielleicht interessieren und 



Druck$ durch die liebenswürdifie Güte des Herrn Verfassers zugehende Schrift: 
Chronologisches Verzeichniss der seit d. J . 1801 bis 1866 in Kasan gedruckten -u-ab., 
türk., tatar u. pers. Werke, als Katalcg der in dem asiat. Museum befindlichen 
Schriften der Art, von B. Dorn, Bulletin de l'Ac. Imper. de St. Petersbourg 
T. XI (1866)) p. 305—385 und Melangcs asiat. T. V p. 5o3 -649. 

921) A lexicon, English and Turkish ; showing in Turkish the literal, inci- 
dental, figurative, colloquial and technical significations of the English terms, 
indicating their pronunciation in a new and systematic manner, and preceded 
by a sketch of English etymology to facilitate Turkish students to the acquisi- 
tion of the English language. By J. W. Jfnl/iovse, London, Quanten 1861, 
830 S. 8. (24 sh ) 

22) A. Mvcfdiitski, Osmanskaja Chrestomatija .... Th. I. St. Petersburg 
1859. 8. Andere unserer Bibliothek iibermaehte Schriften desselben Vfs. s. Z. d. 
DmG. XIX, 369. 

23) Beresin , Turezkaja chrestomatija (Türkische Chrestomathie). Th. I. 
Kasan 1860. 8. A'gl. W. Schott in Erman's Archiv für wiss. Kunde von Russ- 
land XIX (1860) p. 364-374. 

23a) Sprüchwörter der Völker vom türkischen Stamme. Nach E. BcrcsDt, 
Erman's Archiv für wiss. Kunde von Russland XVIII (1859) 167 — 200. 

24) Nouveau guide de la conversation, ou Dialogues usuels et familiers en 
francais, grec moderne, anglais et turc, par N. MoMouf. 2e ed. Paris 1859, 
12. New guide to English and Turkish, by Mdllouf. Paris 1859, 8. Nouvean 
guide italien, grec moderne, turc, francais et anglais, par Mdllouf. Paris 1859. 
quer-8. 

24a) -jl/to^ ...U..O (-Anthologie aus des Ridä eddin und Anderer Di- 
wanen von Mollä Lutfallah Ihn Mollä Atäalluh und MahmataUah Um 
Emirchä/n el-Kialüt). Kasan, Muhammed Well Tahyäzäde 1860. 8. lithogr. 
Vgl. Dorn in Melangcs asiatiques T. V p. 620 no. 67. 

25) Journal of the Royal As. Soc. of great Britain XVIII X. 2 (1861). 
25a) ^ii JaJ x:>^3» ^l._x üLi.^ ;l Jw c>ji i— »liaÄ.««** *_Aä} 

V\X*}%1 ^flUl riU*> Jäi w-oU. Kasan 1860, 8.; wiederholt 1861, 64 
und 66, 8. 

25b) ^Ltf ,jUj3lj (von Hakim Ata). Kasan 1860, 8. wiederholt 1863, 8. 



(regehe, uxssenschaftl. Jahvesbericht für 1859 bis 1861. 151 

Feth-AU AJckunzädi -'■' ) in Tülis. der schon seit 1853 den Litte- 
ratarkundigeD in russischem Gewände aufgefallen war, mil Beinen 
Komödien vielleicht aufregen; die auf fromme Gegenstände gerich- 
tete dichterische Thätigkeit ilc> anonymen Verfassers eines nach 
dem Rehrain tijJtJ bjv.o benannten Gedichts a6d ) oder der seil 
1839 elfmal aufgelegten poetischen Geschichte Joseph? 8 a8e ) mag 
auf den ehrenwerthesten Motiven beruhen; es mögen leine und 
artige Motive in dein osmanischen Wesen liegen, wie sie mit reizen- 
der Anempfindung Julius Hammer* 6 ) zu erfassen verstanden bat: 
grosse Gedanken, wenn deren überhaupt noch die türkische Dich- 
tung fähig ist, wird nur ein grosses Schicksal in ihr erzeugen. 
Einstweilen dürfen wir die volkstümlichen und wissenschaftlichen 
Erscheinungen der türkischen Litteratur höher schätzen. Die Schwanke 
des Nagreddwi Khöjah, welche zum TJieil aus Dietericis Chresto- 
mathie ottomane 'bekannl sind, haben in MaUouf 2 " 1 ) einen französischen 
und danach einen neugriechischen Bearheiter gefunden- 8 ): dass 
auch diese Eulenspiegeleien ihre Stelle in der allgemeinen Volks- 
litteratur haben, zeigt uns aus dem reichen Vorrath seiner Kenntniss 
dieser Gegenstände li. Köhler 29 ). Die überreiche historische Litte- 
ratur ist nur durch einen trefflichen Autsatz NöMdces 90 ) über 
Neshri vertreten: zur Nationalökonomie hat TTe/Zs 31 ) eine mir 
sonst ganz unbekannt gebliebene Schrift geliefert; die wichtige 
Denkschrift Qqjabexfs* 1 *) an Muräd IV. hat der bewährte Behr- 
nauer 32 ) einer gründlichen Behandlung unterworfen. 

25c) Ss>iii^>l J-*-=^5 fjrrV ,.,'^J O^Ui^j (Auch m. russ. Titel: 

KoMe^iu ii IloBicTfc KauiiTana Mnp3bi <t>eTb-AAn AxyH^oßa). 
Tiflis 1277 1860,61) 8. 

25d) JtLxi *\«Aj (Gedicht . Kasan, Kokowin 1859, kl. 8. wiederholt 1861, 
1862, 1864^ 1865. kl. 8. m 

25e^| ^*-'\ i_Ä~-«..: fc^aä (auch m. d. T. .a***;*) Kasan, Kokowin 1859, 
8. wiederholt 1861 und 1863 (Kokowin.) ebenfalls 8. 

26) Unter dem Halbmond. Ein osmanisches Liederbuch von Jul. Hammer, 
Leipzig, Brockhaus 1860, XXXI u. 194 S. 16. .25 Jfy) Vgl. Literar. Cen- 
tralbl. 1860 no. 51 p. 825 f. 

27' Plaisanteries de Khodja Nasr-eddin-efendi, par Mollouf. 2 ed. Con- 
stantiue 1859, 12. 

28 Smynia 1*61, 8. 

29) Reinh. Köhler, Nasr-eddin's Schwanke, Orient und Occident von Tli. 
Benfey 1861 p. 431—448. 

30 Th. Nöldeke, Auszüge aus Nesri's Geschichte des osmanischen Hauses, 
Z. d. DmG. XIII (1859 p. 176 218; XV (1861) p. 333-380. Vgl, Nach- 
trägliche Berichtigungen. 'Von Fleischer, Z. 4 DmG. XV 1861) p 8'lf. 

31) lim tedbiri milk. The science of the administration of a State', or an 
essay on political ecouomy, in Turkish, being the tir-t ever written in that 
fangnage. By C. Wells. London 1860, VIII u. Ss S. - 

31a) t»Va ,^-^yi »JU«, s. O. 1277 (1861) 8. 

32) Kogabcg's Abh. über den Verfall des osmanischen Staatsgebäudes seit 



152 Gosche, wiea&nschafth Jahresbericht für 1859 bis L86I. 

.\ns der Türkei nehmen wir den natürlichen Weg durch das 
mit ihr in einer höchst unfruchtbaren Geschichte verbundene Klein- 
asien zurück, das uns die classische Philologie streitig machen 
könnte, wenn in ihm nicht eine bedeutende Zahl von Fragen der 
Linguistik, Ethnographie und auch Geschichte sich zuspitzten. Die 
Entdeckungen, welche hier an Inschriften und Kunstdenkmälern ge- 
macht worden, sind auch uns wichtig und wert in oll. Darum sehen 
wir der Veröffentlichung des grossen Keisewerks von (! iiilhunue und 
Perrot 033 ), welches ganz besondere Aufklärungen über das für das 
eränische Sprachen- und Völkergebiet wichtige Phrygien und Bitby- 
nien verspricht, mit grosser Spannung entgegen. //. l'xiifli's 3 ^), 
des Virtuosen im Reisen, Mittheilungen über Minen Besuch des 
nördlichen Kleinasiens, betreffen zum Theil auch Phrygisches, nämlich 
die Königsgräber von Amasia; ebenso erforscht von Constantinopel 
aus Mordtmann 3ö ) benachbarte Gebiete. Das Interesse an den 
Anfängen des Christenthums in Kleinasien hat Noroff'a 36 ), nun 
auch dem grösseren deutschen Publicum zubereitete Schrift veran- 
lasst, wie an dieser Stelle auch die kirchengeschichtlichen Unter- 
suchungen von Hteitz 3 ' 1 ) und Hilgenfeld 3 *) haften. Eine überaus 
wichtige Frage regt Kieperts Untersuchung über den Namen der 
Leleger an, in welchem eines .der wichtigen und doch unstäten, 
dabei - schwer zu lassenden Mittelglieder in der asiatisch-griechischen 
Völkerbewegung und zwar doch wol von nicht arischem Charakter 
zu suchen ist. Sicherere Resultate ergeben die archäologischen 
Funde. In Halikarnassos tritt uns durch die Bemühungen New- 
ton's* ) eine grossartige Bildnerei entgegen, deren zum Theil kolossale 



Sultan Suleiman dem Grossen. Nach Wiener und St. Petersburger Hss. von 
W. F. A. Behrnauer, Z. d. DmG. XV (1861) p. -72—332. 

933) Vgl. Bulletino dell' Instituto di corrisp. archeol. 1861 no. 9 September 
no. 11 Nov. 

34) Heinr. Barth, Heise von Trapezunt durch die nördl. Hälfte Klein- 
Asiens nach Skutari im Herbst 1858. Mit einer Karte von A. Petermar.n. 
(Ergänzungs-Heft zu den Geogr. Mittheilungen). Gotha, Perthes 1*60, 105 S. 4- 
(1 $$>.). Vgl. Literar. Centralbl. 1860 no. 46 p. 723 f. 

35) A. D. Mordtmann, über die Alterthümer der Stadt Kastamuni in 
Paphlagonien, in Bulletino dell' Inst, di corrisp. archeol. 1859, Oct. no. X ; 
derselbe, Gordium, Pessinus, Sivri Hissar, Sitzungsberichte der k. Bayr. Ak, 
der Wiss. 1860, II p. 169-201. 

36) A. S. Noroff, Die sieben Kirchen der Offenbarung St. Johannis. Reise- 
erinnerungen aus Kleinasien. Leipzig. Weber 1859, 8. 2 3 $j>. ^W'eber's Illustr. 
Reisebibl.). Vgl. Literar. Centralbl. 1860 no. 26 p. 405f. 

37) Steitz. Der Character der kleinasiatischen Kirche u. Festsitte um die 
Mitte des 2. Jahrb., Jahrbb. für deutsche Theol. von Liebner u. A. 1861. VI 
Heft 1. 

38) A. Hilgenfeld. Der Quartodecimanismus Kleinasiens und die kanon. 
Evangelien, Zeitschrift für wiss. Theol. 1861 Heft 3. 

39) Kiepert, Ueber den Volksnamen der Leleger, Monatsbericht der Berl. 
Ak. der Wiss. 1861 p. 113-132. 

40) Vgl. G. Hejizen Bulletino dell' Instit. archeol. 1860 no. 3 (März) u, 
no. 5 (Mai); jetzt des Entdeckers Reisebericht selbst: A history of discoveries 



Gosche, loissemschaftl, Jahresbericht fibr L859 bis 18(31. 153 

Reste gestatten, sich einigermassen das Mausoleum zu reconstruieren, 
wie denn nicht ohne Glück Westmacott mit künstlerischem Scharf- 
sinn die Kolossalstatue des Mausolos wiederherzustellen versucht 
hat. Die betriebsame Thätigkeit des preuss. Generalconsnls Spiegel- 
thal lieferte Herrn v. Olfers* 1 ) interessantes Material, über die lydi- 
schen Königsgräber zu berichten. Die Ruinen der grossen Stallte 
dieser Reiche bieten dem schon oben erwähnten Werke Tweed/CeB l3 J 
Gelegenheit zu geschichtlichen Betrachtungen, und jemehr der Ver- 
kehr im innern Kleinasien sich von der Unsicherheit des frivolsten 
Räuberwesens befreit sehen wird, wozu Eisenbahuanlagen einen guten 
Anfang machen 43 ), um so bedeutendere Entdeckungen werden folgen, 
welche die auf diesem Hoden untergegangenen Stammindividualitäten 
und bisweilen so eigentümlichen Staatenbildungen voraussetzen lassen. 
Die Karer, deren Charakter uud allgemeine Culturstellung Baron 
r. Eckstein u ) mehr phantastisch als geschichtlich zeichnet, schil- 
dert G. Schmidt 15 ) unter ihren Fürsten nach deren Münzen im 
vierten vorchristlichen Jahrhundert — ohne Zweifel ein semitischer 
Volksstamm, dessen Nationalität zur Erklärung der Litterae ephe- 
siacae' beitragen konnte, wenn Stick \ePs 45 "•) beachtenswerte Com- 
bination sich gegen Ewald's Einsprache halten Hesse. Auch in Bithy- 
nien wird das geordnete Künigthum, mit dessen Darstellung sich 
NoÜe i6 ) beschäftigt, nicht ganz denkmallos untergegangen sein. 
Die immer noch räthselhaften kappadokischen Sculpturen, welche 
Barth 4 " 1 ) sehr willkürlich gedeutet und auch Mordtmann * 7 *) unter- 

at Halicarnassus, Cnidus, and Branchidae, being the results of an expedition 
seilt to Asia Minor by H. M. Government in 185(3 by C. T. Newton. Assisted 
by jR. P. Pullan. Vol. I. II. Part. 1. London 1861— (32, 97 S. fol. u. 341 S. 
gr. 8. Vgl. E. Curtius in Gott. gel. Anz. 1862 no. 29 p. 1136—50. 

41) J. F. M. v. Olfers , Ueber die Lydischen Königsgräber bei Sardes 
und den Grabhügel des Alyattes nach dem Bericht des k. General-Consuls Spie 
gelthal zu Smyma. Aus d. Abb. d. k. Ak. d. Wiss. zu Berlin 1858. Mit 5 Tff. 
Berlin, Dümmler 1859, 20 8. gr. 4. (24 ngr.) Vergl. Literar. Centralbl. 1860 
nr. 35 p. 556. 

42) Vgl. oben Nr. 189. 

43) Die Eisenbahn von Smyma nach Aidin, YVjästnik der K. Russ. Geogr. 
Ges. 1859 Heft 3. 

44) Baron cPEckstem, Les Cares ou Cariens de l'antiquite. De la gyn€- 
coeratie des Cares, Revue areheol. XV, 1859 p. 445 u. p. 509. 

45 Zu der Gesch. der Karischen Fürsten des 4. Jh. v. Chr. und ihrer 
Münzen. Von Q. Schmidt. (Gymnasialprogr. Göttingen, Vandenhoeck und 
Ruprecht 1861, 15 S. 4. (6 ngr.) Vergl. Lit. Centralbl. 18(31 nr. 21 p. 335. 

45a) Commentatio de Ephesiis litt»i i^ linguae Semitarum vindicandis. 8er. 
J. H. Stichel. Jena 18(30, 18 S. 4. Dagegen kurz Ewald im Jahrb f. Bibl. 
Wiss. XI ^1860) p. 175. 

46) Ed. IS'olte, De rebus gestis reguin Bithynorum, Pars I. Münster, Wun- 
dermaun 1861, VIII u. 62 S. gr. 8. n. 10 ngr. 

47) H. Barth, Versuch einer eingehenden Erklärung der Pelssculpturen 
von Boghas koei im alten Kappadocien (mit 1 Tafel , Monatsbericht der Bcrl. 
Akad. der Wiss. 1859 p. 128- 157. Vergl. IVtermann's Geogr. Mitth. 1859 
p. 354 f. 

47a) Bogazköi und Üjük. Dritter Beitrag zur vergl Erdkunde von Klein- 



154 Gosche, toissensehaßl Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

sucht hat, werden wo] einen geschichtlichen Hintergrund haben; der 
letztgenannte Gelehrte hat auch einen Beitrag rar kappadokischen 
Ethnographie geliefert ' ,{> . ohne zu einem sichern Ergebniss zu ge- 
langen, da auf diesem Gebiete mehrere Nationalitäten, mindestens 
eine semitische und eine iranische auf einander gestossen sind. Für 
den für das Völkergeschiebe, zumal in seinem Zusammenhange mit 
dem Kaukasus, wichtiges Nordosten Kleinasiens ruht die Forschung 
augenblicklich; Handelsnachrichten aus Trapezunt sind das einzige, 
was hier augenblicklich registriert werden kann 48 *). Ein besseres 
Schicksal hat über dem Südosten gewaltet, wo die wichtigen Zu- 
sammenhänge mit der semitischen Welt zu suchen sind. Hier hat 
Kotschi/ 4S b ) eine Durchforschung des im Ganzen vernachlässigten 
Cilicien begonnen; im grösseren Umfange und mit reichlichen Ta- 
feln ausgestattet, liegen die Reiseberichte voa Länglois* 9 ) vor, nachdem 
er schon vorläufige Mittheilungen über die Ruinen von Seleucia 60 ) 
und Lampron 51 ) gegeben hatte. Freilich über die dem Orientalisten, 
insonderheit dem semitischen Philologen wichtige Frage über die 
Nationalität der Cilicier resultiert daraus nichts. Die geschichtlich 
sicher erkennbare Zeit der römischen Herrschaft, welche Preusa 51 a ) 
in einer beachtenswerthen Inauguraldissertation behandelt hat, bietet 
für uns weniger Interesse. Endlich, ehe wir die Nachbarschaft des Hel- 
lenischen verlassen, ist noch an das mit Vorderasien in so engem 
Culturzusammenhange stehende C y p e r n zu erinnern , für dessen 
Kunde nur das das Mittelalter betreffende Werk de Mas- Latries b2 ) 
zu erwähnen ist. 



asien von A. D. Mordtmann, Sitzungsber. der kgl. bay. Ak. d. Wiss. 1861, 
I p. 169-198. 

948) Die Troglodyten in Kappadokien. Vierter Beitrag zur vergl. Geogra- 
phie von Kleinasien von A. D. Mordtmann. Sitzungsber. der kgl. bay. Akad. 
der Wiss. 1861, II p. 1-28. 

4Ha) Handel von Trapezunt und Persien in den Jahren 1857 - 58, Preuss. 
Handelsarchiv 1859 nr. 33. 

48b) Theod. Kotselnjs neue Heise nach Klein - Asien 1859. I. Abschnitt: 
Einleitende Notiz. Ersteigung und Erforschung des Djebel Nur u. des Sein ch 
Meran (SchlaDgenkönigs), Petermann's G-eogr. Mitth. 1859 p. 342 — 344; II. Ab- 
schnitt: Vorläufige Nachrichten über die Reise vom Scheel) Meran nach dem 
Argaeus und zurück nach Mersina; Antritt der Reise nach dem Wan-See, 1. Mai 
bis 27. Juli 1859; ebend. p. 372-375. 

49) Voyage dans la Cilicie et dans les montagnes du Taurua execute. pen- 
d.int les annees 1852 — 53, par ordre de l'Empereur et sous les auspicea du 
lUinistre de l'instruction publ. et de TAc. des Iuscr. par \ictor honglöis. Paris 
1861, gr. 8. m. 1 Karte u. 30 Tff. (12 fr.) Vergl. Journal des Sav. 1861 
p. 124. 

50) V. Langlois, Les mines de Seleucie, dans la Cilicie Trachea, Revue 
archeol. 1858—59, XV p. 748. 

51 Les ruines de Lampron en Cilicie, par Victor Laiujlois , Revue de 
l'Orient 1860, XII p. 119—122. 

51a) De Cilicia Romanorum provineia. Dissertatio inaug. bist. Scr. Hud. 
PteUSS. Regimonti l'r. 1859, 32 S. 8. 

52) Histoire de l'ile de Chypre sous le regne des princes de la maison de 



Gösch i, loiaeentichafU Jahresbericht für 1859 bi» 1861. \;k> 

Die Welt des Semitism us wird immer sichrer in ihrer äusse- 
ren Abgränzung, und ihrer inneren Gliederung und Dach ihren be- 
wegenden Ideen erkannt und damit zugleich Grundprinzip, Umfang 
und System einer semitischen Philologie immer mehr befestigt. Bald 
wird man sieh rühmen dürfen, eine machtvolle Nationalität vom Zelt 
des Patriarchen Ins zn dem Comptoir des modernsten Bancmiers, 
vom assyrischen Königspalast bis zum Schlupfwinkel des Trödlers 
und ihre Sprache vom Lapidarstil Ninive's bis zur polnisch -jüdischen 
Handelssprache oder zum maltesischen Schifferdialekt verfolgen zu 
können. Welche Nationalitäten unter diesen weiten Kreis fallen, 
wird gegenüber einigen scharfsinnigen Zweifeln MiÜLees** sich durch 
das Merkmal der Sprache immer mit genügender Sicherheit bestim- 
men lassen; schwieriger aber ist das geschichtliche Princip des se- 
mitischen Volkslebens zu definieren. Renans 5i ) ist das grosse, von 
entgegengesetzten Parteien mit grossem Unrecht bestrittene Verdienst, 
zuerst ein solches Prinzip aufgestellt und durch neuere Ausführungen 
näher bestimmt zu haben. Weil es thüricht wäre zu fragen, warum 
die Vorsehung nicht die alt- und neutestamentliche Offenbarung habe 
unter Hottentotten oder Hellenen geschehen lassen: weil es unsinnig 
wäre zu behaupten, dass der Heiland ebensogut hätte unter den 
gelben Chinesen oder den rothen Indianern erscheinen können (denn 
er ist an einer andern Stelle erschienen): hat die Wissenschaft ein 
Recht zu untersuchen, warum die beiden Religionsformen, welche 
am unmittelbarsten und mächtigsten die ersten Culturvölker der Erde 
berührt haben, die biblische und die muhammedanische, grade von 
den Semiten ausgingen? wie die besondere Art des Semitismus einer 
solchen welthistorischen Aufgabe entsprach? worin die Prädestination 
desselben lag? in welcher Kraft und in welcher Idee'? Die mäch- 
tige 'tendance vers Turnte ' ist eine der geistvollsten Conceptionen 
Renans, an denen er so reich ist, und was indirect oder direct, 
oberflächlich oder gründlich, würdig oder unwürdig, spielend oder 
ernst Diestel 55 ), de Roiig emoiit 56 ). Scherer 51 ), Schöbe! 5 *) und an- 



Lusignan, d'apres un memoire couronne par l'Academie des Inscr. Par M. L. dt' 

Mas-Latrie. T. I. Paris 1861, XVI u. 532 S. 8. 

53 J. G. Müller, Wer sind denn die Semiten? Und mit welchem Rechte 
spricht man von semitischen Sprachen? Basel. Schweighauser'sche Univ.-Buchdr. 
1860, 84 S. 4. Vergi. Ewald in Jahrb. f. Bibl. Wiss. XI 1860) p. 181 f. 

54) E. Renan, Nouvelles Considerations sur le caractere general des peuples 
semitiques. et en particulier sur leur tendanee au monoth&sme , L'Institut Sc. 
bist. 1859 p. 33. 49; vollst, im Journ As. 1859, 13 p 214—282, 417—450 
u. daraus besonders Paris (Duprat) 1859, 105 S. 8. Vergl. Ewald Bibl. Jahrb. 
X (1860) p. 283 f. und dazu: Steinthal, Zur Charakteristik der semitischen 
Völker, Zeitschr. für Völkerpsychol. u. Sprachw. I (1860) p. 328—345. 

55) Der Monotheismus des ältesten Heidcnthums vorzüglich bei den Se- 
miten. Von Prof. Diestel, Jahrbb. f. Deutsche Theol. 1860 p. 66!»— 760. Vgl. 
Ewald im Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1861; p. 272. 

56) /'. de Ron gern o nt , Quelques reflexions sur le caractere de la rate 
semitique, Biblioth. univ. de Geneve Nouv. Periode 1860, VIII p. 242 f. 



15G Gosc/ii. loissemschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861 

ihre, nachdem bereits die ersten hitzigen Angriffe erfolgt waren. 
dagegen vorgebracht haben, trifft, soweit es überhaupt von wissen- 
schaftlicher Bedeutung, im Grunde nur die geheimnissvolle Frage aller 
Geschichte über die Abhängigkeit der Folge der Erscheinungen von 
einer ursprünglichen bestimmten Triebkraft, welche im Fortschritt 
der Entwicklung mehr oder weniger klar als bestimmende charakte- 
ristische Idee gewusst wird, und von der Rückwirkung der ganzen 
Summe des Geschehens auf diese Triebkraft oder Idee. Woher diese 
letztere komme, ist ebenso schwer für die Geschichtswissenschaft zu 
bestimmen, als für die Naturwissenschaft, wie der Herzschlag des 
werdenden Menschen beginnt. Aber für die pulsierende Idee des 
Semitismus hat Renan eine schöne Formel gefunden. Scheinbar wi- 
derspricht ihr neben dem nur durch grosse Energie der Gesetz- 
geber und Propheten rein gehaltenen Monotheismus das hier und 
da emporwuchernde polytheistische Element, wie es sich /.. I). in den 
von A. Müller 59 ) trefflich untersuchten und dargestellten Mythen 
und Culten der Astarte kundgibt. Hier haben wir entschieden fremde 
Einwirkungen vorauszusetzen, durch welche auch die Phönizier für 
den Verfasser der mosaischen Völkertafel zu Kuschiten wurden. 
Mit voller Reinheit und Macht wird sich das von Renan aufgestellte 
Princip je mehr und mehr in den semitischen Sprachbildungen, für 
deren Erkenntniss das Material sich so glücklich mehrt, beobachten lassen. 

TJeber Regriff und Umfang der semitischen Sprachengrappe ist 
neuerdings sehr einsichtig, wenn auch nur kurz, von Lettner* ) 
und Veth 60 *) gehandelt worden. Das immer noch nicht gelöste 
und nur durch eine gleichmässige geschichtliche Betrachtung der be- 
treffenden Sprachen zu lösende Problem der semitischen Wurzel- 
bildung berührt mit Rücksicht auf Leguests Schrift vom J. 1858 
Jjarges 61 ). Semitisch-Griechisches mit besonderer Berücksichtigung 
von Aristophanes Wolken v. 472 untersucht Fr. Maller '-). 

Die Keilsckriftforsckung, durch welche sich das älteste semi- 



957) Scherer, Le monotheisme semitique, Nouvelle Revue de theologie Vol. 
IV (1859) livr. 6 (Decenibre). 

58) Memoire sur le monotheisme primitif attribue par M. K. Renan ä la 
seule race semitique, par Charles Scliocbel. Paris. Cliallamel 18(30, 70 S. 8. 
Vergl. Ewald u. Gott. gel. Anz. 1862 nr. 2G p. 1022 f. 

59) Astarte. Ein Beitrag zur Mythologie des oriental. Alterthuins von 
Alois Müller, in den Sitzungsberichten der Kais. Akad. d. VYiss. zu Wien, 
Phil.-hist. Cl. 1861^ und auch besonders bei Gerold, 44 S. gr. S. m. 1 lithogr. 
Tri., (n. 8 ngr.) Vgl. Steinschneider Hebr. Bibliogr. IV (1861) p. 139 f. 

60) C. -Lottncr, On sisterfamilies of languages, especially those connected 
with the Semitic t'amily , Transactions of the Philologieal Society, 1860 — 61. 
Part 1 (Berlin 1861, 8.) p. 20-27, 112—132. 

60a) De geschiedenis van den Semietischcn taalstam . van P. J. Veth, 
in De Gids 1861 Nov. p. 659 f., Dec. p. 834 f. 

61) Les racines semitiques, par l'abbe Barrjes , Revue de l'Orient 1860, 
XII p. 108—118. Vgl. unten nr. 1537. 

62) Fr. Müller, Scinitica im Griechischen, Zeitschrift für vergl. Sprach- 
forschung von Kuhn X (1861) p. 269 f. 



Goschr. whsensehaftl. Jahresbericht fibr 1859 Ms 1861 lf>7 

tische Staatsleben in Assyrien und Babylon uns enthüllen soll, ge- 
winnt an Sicherheit. Die grosse französische Expedition in Meso- 
potamien, deren Leitung nach EVesnels Todein Opperts 6 *) Bände 
gefallen war, sieht nun auch durch Letzteren ihre Ergebnisse *er- 
öffentlicht. Der zunächst erschienene zweite Band gibt im Grunde 
das schwierigste vorauf, die Principien, Methode und Resultate der 
Keilschriftentzifferung und zwar in solchem Umfange and Zusam- 
menhange, wie bis jetzt Arbeiten in der schwierigsten assyrischen 
Schriftgattung noch nicht versucht worden waren, so dass mit Hin- 
zuziehung der Forschungen von l.'awlinson und besonders der ebenso 
sauberen als scharfsinnigen von Ilincks das ausreichendste Material 
für diese Studien und Mittel zu ihrer Controlc gegeben ist. lieber 
die in England zu weiterer selbstständiger Forschung zusammen- 
geführten assyrischen Alterthümer erfahren wir durch Talbot 6i ) and 
sonst ''■', ; natürlich macht das nähere geschichtliche Verhältniss As- 
swiens zum biblischen Alterthum diese wie die ägyptischen Studien 
in England besonders wichtig, wie auch unter uns Ewald 66 ) die 
biblischen Berichte über die assyrische Königsstadt untersucht und 
llreiteneicher 66 *) in einem weiterhin zu erwähnenden Werk über 
den Propheten Nahum die assyrischen Entdeckungen zur Erläute- 
rung herbeizieht. Die hervorragendste Publication indess auf die- 
sem Gebiete ist das von Kawlinson 61 ) mit Norris unternom- 
mene grosse Inschriftenwerk, dessen vorliegender erster Band eine 
zusammenhängende Reihe der epigraphisch und historisch wich- 
tigsten Keilschriften der alten Reiche des Euphrat- und Tigris- 
landes gibt. Aus diesen mit diplomatischer Treue wiedergegebenen 
Texten, welche fortab das Urkundenbuch jedes Keilschriftforschers 
bilden werden, kann jeder, selbst wenn ihm auch nicht Originale 
der Denkmäler zugänglich gewesen sind, sich ein festes Urtheil über 
die Keilgruppen und einzelnen Keilzeichen bilden und der Genesis 
der an und für sich immer verdächtigen Homophone schon in vie- 



63) Expedition scientifique en Mesopotamie, pur J. OpperP. T. II. eont. 
les priueipes de l'interpretation de l'ecrituru euneiforme assyrienne. Paris, Impr. 
Imper. 1859, 366 S. 4. Vgl. E. Renan im Journ. des Sav 1859 p. 165—186, 
244—260, 361- 368 und Ewald Gott. gel. An/.. 1860 St. 109 — 111 p.lOftlf. 
Eine Verteidigung gegen die erstgenannte Kritik versucht Jah'S Oppert , Re- 
ponse ä un article critique de M. Ernest Renan. Extrait nr. 11 de la Revue 
Orientale et americaine. Paris, Challamel 1859, 32 S. 8. 

64) On Assyrian antiquitis. By H. F. Talbot, Transaetions of the Royal 
Soc. ofLit. 2nd Series. Vol. VII. P. 1 (1861) p. 169—182. 

65) Assyrische Sculpturen im britischen Museum, Ausland 1861 nr. 36. 

66) Ewald, Ueber die Biblischen boschreibungen Nineve's, Bibl. jahrb. X 
(1860) p. 50—55. 

66a) Vgl. unten nr. 1286. 

67) A selection from the historieal inscriptions of Chaldaea , Assyria, 
and Babylonia. Prepared Cor publication, by Major -General Sir H. C. Raw- 
Imson , assisted by Edlem, Norris. (Mit dem Vortitel: The euneiform in- 
scriptions of Western Asia. Vol. I.). London: Lithographed by R. E. ßoioler, 



158 Gosche, wiusr/isrhaftl. Jahresbericht für 1859 bis 18G1. 

len Füllen auf die Spur kommen. Von grosser Wichtigkeit ist das 
historische Arrangement der zahlreichen Inschriften, welches sich, 
auch bei unvermeidliche]] Abweichungen von ßawlinsone immer geist- 
vollen Deutungen, nicht wesentlich modificieren wird. Eäraige assy- 
rische Stücke aus Babylon hat der fchätige Afenatnt 989 ) beschrieben 
und zu deuten versucht. Es war ein glücklicher Gedanke der eng- 
lischen Forscher, Wettübersetzungen eines bedeutenderen inschrift- 
lichen Textes zu veranstalten, nicht um diesen oder jenem Gelehrten 
einen etwa auch national bedeutsamen Vorrang zuzuerkennen , son- 
dern um den Mitforschern und den Zweiflern Bürgschaft für den 
methodischen Charakter dieser Untersuchungen und für die Sicher- 
heit der Resultate zu geben. Das war der Werth der von den drei 
englischen Forschern und von Oppert versuchten Uebersetzung einer 
Inschrift Tiglar Pilesers I , welche nach einem Separatdruck bereits 
in meinem vorhergehenden Bericht erwähnt wurde und nun durch 
das Journal der grossbritannischen asiatischen Gesellschaft auch wei- 
teren Kreisen zugänglich gemacht ist Gi ';. Auch andere Übersetzun- 
gen von Talbot 1 ^) und Mawlinson 11 ) bieten Gelegenheit zur Ver- 
gleichung verwandter Arbeiten-, besonders begegnet des Letzteren 
Uebersetzungder grossen Borsippa-Inschrift einer Arbeit Ogperto 78 ); 
ich zweifle nicht (um einen besonders charakteristischen Punkt her- 
vorzuheben), dass die für den Thurmbau vorzugsweise wichtige 
und grade fragliche Gruppe mit Oppert 'amar' als Zeitbezeichnung, 
nicht aber mit Kawlinson amat' als Längenmass zu deuten ist. 
Bedeutender als solche einzelne Differenzen sind Zweilei an der 
Sicherheit der Entzifferung und an ihren Prinzipien, wie sie Renan 
in beachtenswerther Weise angeregt hat , sodass Oppert 73 ) Gele- 

1861, 5 Bll. Text u. 70 lithogr. Tff. gr. foL Vgl. Oppert im Journ. As. 1862, 
XIX p. 97 f. 

968) Inscriptiona assyriennes des briques de Babylone. Essai de lecture 
et d'interpretation pax Joachim Menant. (Extrait du Bulletin de la Soc. des 
Beaux-Arts). Paris. Duprat 1859, 54 S. m. 2 lith. Tff. lex. 8. 

69) Comparative Translations , by W. H. Fox Talbot, Kev. E. Hincks, 
Oppert and Sir Henri/ C Rawlinson, of tbe Inscription of Tiglath Pileser I ; 
Journal of the Royal As. Soc. XVIII, (1860) p. 150 -219- Besonders gedruckt 
schon 1857 erschienen. Vgl. meinen Bericht für 1857 — 58 nr. 762 und jetzt: 
Ewald Gott. gel. Anz. 1860 St. 193—195 p. 1921 f. 

70) H. Fox Tedbot, Translation of some Assyrian Inscriptiona : 1. The 
Bits Ximrud inscription. II. The inscription of Michaux. III The Inscription 
of Bellino; Journal of the Royal As. Soc. of Great Britain XVIII, I (1860) 
p. 35- — 107; Nachträge in desselben Voluines Part 2. Assyrian Textes trans- 
lated by Talbot , Journal of the As. Soc. of Great Brit. Vol. XIX (London 
1H61 gr. 8.) p 124 133. 

71) On the Birs Nimrud, or the great temple of Borsippa. By Sir Henry 
C. Rawlinson, Journ. of the Royal As. Soc. of Great Britanin XVIII, I (lJ-60) 
p. 1-34. 

72) Vergl. Oppert's Brief im Journ. As. 1860 T. 15 p. 443. Vergl. auch 
meinen Berieht 1857—58 nr. 759. 

73) De l'interpretatimi des inscriptiona euneiformes assyriennes (Repouse 
a un article critique de M. Kniest Jtcnan de l'Institut , insere dans le Jour- 



Gosche, unwenachqfU. Jahresbericht für 1869 Jri» 1*61. 159 

genheil nehmen musste. seine Forschung dagegen zu vertheidigen 
und sie somit zu präcisieren, und fast war es wieder ein apologeti- 
sches Interesse, das nachher denselben Gelehrten bewog :i . den Zu- 
stand der KeilschriftentzifFerung tiberhanpt /u zeichnen, umsomehr als 
er in des geistreichen Grafen Gobinean Entziffcrungs\ ersuchen eine 
Verletzung der von ihm und seinen Mitforschern zur Anwendung 
gebrachten Gesetze rinden musste 7 **). Die Methode hat sich aller- 
dings consolidiert und kann nun, am wenigsten wegen Parrat'scher 
und ähnlicher Einfälle, nicht mehr im Allgemeinen verdächtigt. w<d 
aber im Detail schärfer bestimmt werden; wie die Keilschriftent- 
ziffernng überhaupt geworden ist, zeigt die sehr geschickte und lehr- 
reiche geschichtliche Darstellung M&ncmta 10 ), dem wir auch sonst 
beachtenswerthe Zusammenstellungen der Keilschriftalphabete 7r ') und 
Untersuchungen über die Principien der Interpretation 77 ), der Po- 
lyphonen 7& ) und der Eigennamen 7fl ) zu verdanken haben. Die 
Forschung konnte als soweit fortgeschritten gelten, dass Oppert*" ', 
mit scharfsinniger Combination unternehmen durfte ein höchst an- 
ziehendes Bild der assyrischen Sprache zu geben, an welchem wir 
nur die begründenden Belege vermissen müssen. So ist zwar im 
Allgemeinen der selbständig semitische Charakter des Assyrischen 
constatiert, aber eine Reihe von Zweifeln bleibt ohne Einsicht in die 
sprachlichen Zeugnisse selbst ungelöst: ob Waw wirklich keiner Ver- 
doppelung fähig sei; in wie weit die Casusunterscheidung durch 



nal des Savants, no. de lxiars 1859) par J. Oppert, Kevue Orientale et 
americaine 1859 , II p. 82 ff. Besonders : Reponse etc. ' Paris 1859 . Challamel 
32 S. gr.,8. 

74) Etat aetuel du dechiffrement des Inseriptions cuneiformes par J. Oppert. 
Extrait de la Kevue Orientale americaine. Paris, Challamel 18(51, 39 S. 8. 

74a) Xnnemmmmresusus roi de Babylone. Les Inseriptions cuneiformes de- 
ehiffrees une seconde fois. Lectures des Textes euneiforrnes , par M. le Comte 
A. de Gobiueau , Paris 1858. Par Jules Oppert. Extrait no. 4 de l'annee 
1859 de la Revue Orientale et americaine. Paris, Challamel 1859, 13 8. 8. 

75 ; Les ecritures cuneiformes. Expose des travaux qui ont prepare la lecture 
et l'interprctation des inseriptions de la Perse et de l'Assyrie par Joachim Aß- 
nant. Paris. B. Doprat, Mars 1860, 216 B. lex. 8. (15 fr.) Vergl. Th. Beut', y 
im Orient und Occident 1861 p. 569 f. 

76) Recueil d'alphabets pour servir ä la lecture et ä Pinterpretation 
des ecritures cuneiformes. Par Joach. Mrwiut. Paris. Duprat 1860 gr. 8. (2 1 / 2 {r.) 

77) Minamt, Principes elcmmtaires de la lecture des textes assyriens, Re- 
vue archeol. Nouv. ser. T. III, 1 (Paris 1861 gr. 8.) p. 467— 4*2 ; III. 2 
p. 31-46. 

78) Observations sur les polyphones assyriens, par Menant. (Autogr.) 
o. O. u. J. C. Lisieux 1861) 15 S. 8. 

79) I-.es noms propres assyriens , recherches sur la formation des expres- 
sions ideographiques. par ./ Mincmt. Paris 1861, 64 S. 8. 

80) •/. Oppert, Etudes assyriennes. Seeonde partie: Elements de la gram- 
maire assyrienne, Journ. As., 1860 T. 15 p, i»7- 130, 338 — 398. Auch beson- 
ders abgedruckt u. d. T. : Elements de la ^ranimaire assyrienne, par Jvles 
Oppert Extrait do. 1 de Vsami 1860 du Journal Asiatique). Paris, Impr. 
bnper. 1860, Ü5 S. gr. 8. Vergl. Ewald Gott. gel. Anz. 1860 St. 193—195 
p. 1921 f. 



]i;o Gosche, unssenschafU. Jahresbericht für 1859 bis 1861 

itw, &Vra, am sich gleichmässig beglaubigen lasse, wie das so natür- 
liche iiml als einfachere Verbalforrn nothwendig im Leben der Sprache 
vorauszusetzende Perfect vor dem Imperfect habe schwinden können. 
Wir dürfen von Opperts glücklichem Scharfsinn die Lösung dieser 
and anderer Fragen voraussichtlich hoffen. 

Für Babylon liegt weniger reichliches Material au Denk- 
mälern vor. Tsekirikoffi 9 * 1 ) nnd 8dby is ) gehen Beschreibungen der 
Ruinen, TyrwhttH* 3 ) stellt mit Zugrundelegung der ptolemaischen 
Chronologie und mit Vergleichung der assyrischen, Untersuchungen 
über die babylonischen an, welche erst durch vollständige KenntnisE 
der gewiss noch zum guten Theil aufzufindenden einheimischen Ueber- 
lieferung Sicherheit gewinnen kann. Von der Schwierigkeit dieser 
Untersuchungen grade hier empfängt man einen vollen Kindruck 
durch Ii'öscJis**) gründliche und anregende Abhandlung über Nabo- 
polasser, an welchem in sehr beachtenswerther Weise ein 'Skythen- 
thum' hervorgehoben wird. Das allgemeinste Interesse unter den 
babylonischen Fragen haben aber Chwolson's nabatäische For- 
schungen gefunden. Zwar liegt leider immer noch nicht Ihn Wah- 
shiyyah's 'Buch von der nabatäischen Landwirtschaft' gedruckt 
vor, das allein ein durchaus sicheres Urtheil ermöglichen und 
unter allen Umständen als ein sehr werthvolles Stück arabi- 
scher Prosa von grösster lexikalischer Mannichfaltigkeit aus dem 
dritten Jahrhundert d. H. gelten würde; aber ohne dem Ernst 
der Forschung und dem Scharfsinn der Combination irgend zn 
nahe zu treten, kann doch schon jetzt auf Grund der umfas- 
sendsten Mittheilungen Chwolson's 85 ) mit Bestimmtheit behauptet 
weiden, wie ich schon in meinem Bericht von 1857 — 58 misstrauisch 
vermuthete, dass hier nur ein apokryphisches Alterthum von sehr 
zweifelhaftem Herkommen vorliegt, Wer unter den zahlreichen kür- 
zeren oder längeren Besprechungen von Ewald 86 ), Renan* 1 ), Des- 



981) E. Tschirlkoff, Les ruines de Babylone et celles de Bagdad eu 1858, 
Nouv. Ann. des Voy. 1859, III p. 364. 

82) Memoir on tlie ruins of Babylon, by W. B. Selby. Bombay 1859, 
8. in. 2 Tff. 

83; Rev. R. K. Tyriohitt . Ptolemy's Chronology of Babylonian Reigns 
eonclusively vindicated; and tlio Date of the Fall of Nineveh ascertaincd; with 
Elucidations ot' connected points in Assyrian, Scythian , Median, Lydian, and 
Israelite history, Journal of tbe Royal As. Soe. XVIII 1 (1860) p. 106—149. 

84") Nabopolassar. Ein archäologischer Versuch von Gustav Mosch, ZdDmG. 
XV (1861) p. 502—540. 

85) D. Chv'olsohn, Ueber die Ueberreste der altbabylonischen Literatur in 
arabischen Uebersetzungen, Meinoires presentes k l'Ac. imper. des .sc. de St.-Pe- 
tersbonrg, T. VIII (St. Petersbourg L859, 4.) p. 297- 326. 

86) Vergl. Ewald Gott. gel. An/.. 1859 nr. 113 p. 1121 f. und besonders: 
Zur weiteren Würdigung der Nabatäischen Schriften, Nachrichten von d. Uni- 
vers, und der kgl. Gesellsch. der Wiss. zu Göttingen 1861 Mai nr. 8 p. 89 — 114. 

87) Memoire sur l'äge du livre intitule Agriculture Nabateenne pax M. E. 
Renan. (Extr. du T. XXIV, le partie des Mein, de l'Ac. des Inscr.l. Paris, 
Imprim. Imper. 1860, 52 S. 4.; ein populärer Artikel von demselben: Sur les 



Gosche, vjias&Mchaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. Jiil 

jardms**), v. Gutsckmid 8!) ) and Geiger 9 * , besonder der treff- 
lieben kritischen Ausfübrungen von Renan und von Gutscbmid un- 
befangen nachgeht, wird wenig geneigt sein, in diesen merkwür- 
digen nabatäischen Litteraturdenkmalen ooeh etwas achtes anzuer- 
kennen. Vor Allen bat v. Gutscbmid sehr scharfsinnig die Ten- 
denzschriftstellerei in diesem Apokryphum aufgespürt und es ist 
nicht anmöglich, dass die aafklärische Opposition gegen die Offen- 
barung, das Coquettieren mit alter Geschichte und Naturwissenschaft 
sieb zuletzt mit den 'lauteren Brüdern doch berührt. Auch von 
Chwolson's 91 ) Tammüz ist das, was von Beweismitteln aus der 
Ihn - Wahshiyyah -Litteratur entnommen wird, wieder in Abzug zu 
bringen ; doch bleibt immer noch manche scharfsinnig benutzte Notiz 
aus anderen Quellen zu Recht besteben. Vor Allem müssen wir 
immer noch den dringlichen Wunsch aussprechen, dass das grosse 
Werk vom nabatäischen Ackerbau bald zum Druck gelange; denn 
als Apokryphum ist es ein eulturhistorisches Phänomen, als Prosa- 
text eine reiche Quelle für die arabische Lexikographie. — Mit 
den wirklichen Nabatäern bangt dagegen das durch seine Lage nach 
dem persischen Meerbusen wichtige Reich Mesene und Characene 
zusammen, dem Beinaud 92 ) eine scharfsinnige Untersuchung ge- 
widmet hat; die mit grosser Sorgfalt gesammelten Daten mögen 
auch von den griechischen Philologen zur Altersbestimmung des 
Periplus beachtet werden, der hier auf geschichtlichen Grundlagen 
als um 246 — 247 n. Chr. verfasst erwiesen wird. 

Palästina mit seiner eigentümlichen wunderbaren Geschichte 
bildet den Mittel- und Zielpunkt zahlreicher Reisen, geographischer, 
geschichtlicher, archäologischer und im engeren Sinn philologischer 
Arbeiten, deren Zahl jedoch nicht dem inneren wissenschaftlichen 
Wertbe proportioniert zu sein pflegt und von anderen orientalischen 
Berichterstattern mit vollkommen gerechtfertigter Bequemlichkeit 
übergangen wird. Aber da unsre Absicht auf ein möglichst voll- 



debris de l'ancienne litterature babylonienue conserves dans des traduetions 
arabes, Revue germanique 1860 Avril. 

88) Du livre intitule PAgriculture nabateenne (Memoire lu ä l'Acad. par 
M. Renan), par E. Desjardins, Revue de l'Orient 1860, XI p. 235-240. 

89) Alfr. v. Gftttschmid, Die Nabatäische Landwirtschaft und ihre Ge- 
schwister, ZdDmG. XV (1861) p. 1—110. Vergl. Literar. Centralbl. 186 Lnr. 20. 
p. 325 f. 

90) ZdDmG. XV (1861) p. 4 13 f. 

91) D. A. Chwolson, Ueber Tammüz and die Menschenverehrung bei den 
alten Babyloniern. i Aus dem „ro^IiqublM TOpvhecTBeHHWllAKTl) bdUm- 
nepaTopcKOMb CaHKTiieTep6yprcKOMt yHiißepciiTeTt, 6bimuiM 

8-rO <t>eBpa.A.fl 1860 VO^a" besonders abgedmekt). St. Petersburg 1860, 
112 S. 8. (24 ngr.) Vergl. Ewald Gott. gel. Anz. 1860 St. 133— 135 p. 1321 f. 
und Steinschneiders Hebr. Bibliogr. 1862 nr. 29 p. 122. 

92) Memoire sur le eommencement et la fin du royaume de la Mesene et 
de la Kbaracene, d'apres les n'moignages grecs, latins, arabes, persans, indiens 
et cbinois, par Reinaud, Journ. As. 1861, XVIII p. 161 — 262. 

Jahresbericht 18äl»-ia6l. 11 



1(32 ( i chaftl. Jahresbericlt w L859 1861. 

ständiges Bild der den Orient betreffenden Litteratur ausgeht, so 
hui-- der streng wissenschaftliche Sinn unserer Deutschen morgen- 
ländischen Gesellschaft die Aufzahlung von Werken gestatten, deren 
Princip vielleicht nichts anderes als die Erbauung ist, sei es auf 
dem Grunde christlicher oder noch jüdischer Gottesanschauung. Wie 
reich diese letztere in der an das Alte Testament sich anlehnenden 
Litteratur vertreten sei, lehren die sorgfältigen, alte und nein Zeit 
gründlich berücksichtigenden bibliographischen Forschungen und Zu- 
sammenstellungen Sfrriisc/ineiders' J93 ) y dessen uns christlichen, von 
dem Leben der jüdischen Litteratur immer noch und nicht allein 
durch unsre ziemlich weitverbreitete Unkenntniss bedauerlich ab- 
getrennten Gelehrten besonders werthvolle Bibliographie in Blüthe 
zu Lall * 11 oder untergehen zu lassen künftighin auch als Merkmal 
des im Judenthum wirklich vorhandenen wissenschaftlichen Sinnes 
gelten kann. Neben Steinschneiders Druckverzeichnissen ist auf den 
Beitrag von Ben J<il;ob iy5 *) über Wilna zu achten. Eine grosse 
Gruppe bilden die Reisen nach Palästina, von denen Petzholilt'- x 
einige verzeichnet, eine Zahl englischer im Quarterly Review einer 
Ueberschau unterworfen wird 95 ). Je breiter sich hier der Dilettan- 
tismus nicht allein der Wissenschalt, sondern auch der Religiosität 
macht, sodass die massenhafte palästinensische Bibliothek in ihrem 
wesentlichen Inhalte sich auf wenige Bände reducieren lassen würde: 
um so wichtiger ist es, das Andenken an einige ältere, wenn auch 
nicht grade bahnbrechende, doch durch ihre naiven oder geschicht- 
liche Momente feststellenden Aufzeichnungen wichtige Reisende zu 
erneuern. Martinet 95 *) erinnert an Benjamin von Tudela, dessen 
Name in neuester Zeit nicht ohne Erfolg gemissbraucht worden ist, 
und dessen Nachfolger noch nicht aus dem Staube der Hand- 
schriftensammlungen hervorgezogen werden, trotzdem, dass grade 
durch jüdische Zeugnisse manche Lücke der mittelalterlichen Kennt- 
niss Palästina's ausgefüllt werden konnte. Bei den abendländischen 
christlichen Pilgern beeinträchtigt die Unkenntniss jeder orientali- 
schen Sprache und das zu mächtige Bedürfniss ganz individueller 
Erbauung den wissenschaftlichen Gewinn. Trotzdem ist es wichtig 
und dankenswert!], auch diese Reisegeschichten und Reiselitteraturen zu 



993) * , -""h Hein i'iiselic Bibliographie. Blattei' für neuere und ältere Li- 
teratur de:- .Jiuientlnuiis. Redigirt von M. Steinschneider. Bd. ll (No. 7—12 . 
111 No. 13—18), IV i.Nu. 19-24). Berlin, Asher 185t)— Gl. 3 Bll. II u. Hl' 
u. IG, VIII 120 und 8, IV u. 156 S. gr. 8. (ä n. I 1 a 

93a Hebräische Drücke zu "Wilna seit 1847. Mrtgetheilt von J. B&njaJcob, 
Steinsehneiders Hehr. Bibliogr. IV (1861) p. 50f. p. 126 f. 

94) Verzeichniss einer Sammlung von Reisen ins Heilige Land. Petzholdt's 
Neuer Anzeiger für Bibl. 1861 p. 273—292 u. 337—342. 

95) Quarterly Review L859 T. 106 p. 368—419. 

95a Reisetagebuch des Rabbi Benjamin von Tudela. Ein Beitrag zur 
Kenntniss der .luden in der Diaspora während des XII. Jahrh. von A, Ma/r- 
tinet. I Progr.) Bamberg 185H, 4. 



Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859- L861. lii;; 

untersuchen, wie Gewhewi 96h ) zusammenfassend die Hohenzollem 
behandelt hat. Besondere Verdienste erwirbt sich in dieser Be- 
ziehung Laurent, welcher den Brocardus de MonU Sion 96 ) 
und die noch wichtigere Reise des Wilbrand von Oldenburg 91 ) 
zum Gegenstand sorgfältiger Untersuchungen gemacht hat. Wilbrand, 
der als Gesandter Otto's IV. Uli— 12 den Orient besuchte, gibl 
auch einzelne beachtenswerte Notizen über Armenien. Einen frtth 
verbreiteten Ruhm geniesst Leopold von Suchern oder wie wir ihn 
fortab nach EveUs") Untersuchungen zu nennen haben, Leopold 
von Suthem; sein Reisebuch gibl in einer authentischen Textgestalt 
Kosegarten 96 *). Einen Freund des uns als orientalischer Pilger 
seit lange bekannten Rauwolff lernen wir jetzt durch Hassler ") uäher 
kennen, den braven Kaufmann Hans Ulrich Krafft, gleich charakte- 
ristisch für das reichsbürgerliche Kaufmannswesen wie für die ehrlich 
deutsche Auffassung des Islam im IG. Jahrhundert, Wir sehen hier 
einen aus altem ehrbaren Augsburger Geschlecht 1550 gebornen, 
dann in Lyon und Florenz gebildeten und von dem Ruf des Mor- 
genlandes angelockten jungen Kaufmann, der für die Firma Männ- 
lich in Augsburg in Syrien eine Commandite dirigiert, eines unver- 
schuldeten Bankrotts wegen ins Gefängniss geräth und 157 7 reich an 
Erfahrungen heimkehrt, um sich ein neues Glück zu gründen. Selten 
hat ein Zeitgenoss so vernünftig den Islam beobachtet und beur- 
theilt, und wenige Mittheilungen über Syrien sind durch ihre naive 
Treue so werthvoll und durch ihre frische Frömmigkeit und in sich 
festen Humor so anziehend wie diese. Aus den beiden folgenden 
Jahrhunderten eine Reisebeschreibung zu erneuern hat man keinen 
Grund gehabt; die Aufzeichnungen der Gegenwart sinken bei der 
Bequemlichkeit und verhältnissmässigen Wohlfeilheit und Sicherheit 
des Reisens immer mehr unter das achtbare Niveau herab, welches 



95b) Die Hohenzollern am Heiligen Grabe zu Jerusalem , insbes. die Pil- 
gerfahrt der Markgrafen Johann und Albrecht von Brandenburg im J. 1435. 
Aus den Quellen bearbeitet von F. Geisheim. Berlin , F. Duneker 1858, 
254 S. kl. 8. 

96) Burchardus de Monte Sion. Von J. C. M. Laurent, Naumanns Se- 
rapeum 1860 No. 1 p. 1 — 11. 

97) Wilbrands von Oldenburg Reise nach Palästina und Kleinasien, la- 
teinisch und deutsch mit erklärenden Anmerkungen und einer Bit graphie des 
Verf. herausgegeben von J. C.M.Laurent. Hamburg 1859, 77 S. 1 ;20 ngr.) 
Vgl. Heyd in Münch. Gel. Anz. 1860 No. 6; Lit. CentralbL 1860 No. 3 p.36f. 
v. Sybel's llist. Zeitschr. III (1860) p. 189 f. 

98) Vergl. Zeitschr. für Vaterl. Ge,sch. u. Alterthumskunde , neue Folge, 
Bd. 10 (Münster 1859 p. 9ff. 

98a) Luclolf v. Suchen, ßeisebuch ins heilige Land in niederdeutscher 
Mundart. Herausgeg. von J. G. L. Kosegarten. Greifswald, Koch 1861, 
88 S. 4. (1 fy) 

99) Reisen und Gefangenschaft Ulrich Kraffts. Aus d. Originalhs. 
herausgegeben von K. D. Hassler. (Bibliothek des Literar. Vereins in Stutt- 
gart. Bd. LXI.) Stuttg. 1861, 440 S. gr. 8. Vergl. Lit. CentralbL 1862 
nr. 1 p. 10 f. 

11* 



liij Gosche^ unssenschaftl. Jahresbericht für L859 1861. 

die älteren frommen Touristen durch die Ehrbarkeit der Absicht 
und durch den entsagenden Muth eines damaligen Reiseunterneh- 
mens noch einhielten. Eine ehrenwerthe Ausnahme machen Mis~ 
Ivn's bereits 1852 französisch veröffentlichte Reiseerinnerungen und 

Darstellungen aus dem heil. Lande, welche in deutschen 1000 ) und 
italienischen ') Bearbeitungen dargeboten werden. Während Bonsl 
in dieser Litteratur die Engländer als gute Touristen und sehr 
bibelgläubige Christen einen breiten Raum einnahmen, macht ihnen 
jetzt Deutschland eine freilich nicht sehr resultatreiche Concur- 
renz; es begegnen uns die Reiseberichte von Schi ferle 2 ), Schulz s ) 
(dieser zuerst 1851 erschienene in neuer Ausgabe), Lorenzen ') 
Meyer in ) und Scherer 5 ). Das erbauliche Interesse der gläubigen 
Gebildeten fährt fort, das beliebte Buch von F. A. Strauss 6 *) zu 
befriedigen, der sich mit seinem ebenfalls im Orient gereisten Bru- 
der Otto Strauss zu dem höchst empfehlenswerthen Pracht werke 
über das geographische und topographische Gebiet der älttestament- 
lichen Geschichte verbunden hat •' '' ) ; nicht allein den frommen Sinn, 
welcher in den 'Ländern und Stätten der h. Schriften' heimisch zu 
werden sich sehnt, werden die geschmackvoll ausgeführten Stiche 
und Holzschnitte erfreuen, sondern auch für die Wissenschaft wird 
die bildliche Darstellung der durch die christliche Ueberlieferung 
geheiligten Punkte nicht gleichgültig sein. Auf diese Ueberlieferung 



1000) Die heiligen Orte. Pilgerreise nach Jerusalem . . . von J. MisUn. 
Bd. 1-3.' Wien. Meldutaristenbuchh. 1860, LH u. 204(5 S. gr. 8. m. Karten. 
K) #.). 

1) Joe. Misl in, I luoghi Siiuti. Pellegrinaggio a Gerusalennne passando 
per l'Austria, l'Ungheria, la Schiavonia, le provincie Danubiane, Constantino- 
poli, I'Arcipelago, il Libano, la Siria, Alessandria, la Sicilia e Marsiglia. Prima 
traduz. ital. 2 vol. Milano, Battezatti 1858, 651 n. 728 S. 8.m. 2 Karten. (5*/ a ^? ) 

2) Zweite Pilgerreise nach Jerusalem und Koni in den Jahren 1856 u. 57 
unternommen und besehrieben von Joh. Schiferle. 8. (letzte) Lief. A 
bürg, Kollmann 1859, 12. Bd. II. XII u. v89— 468 S. ä V 4 ^ 

3) Reise in das Gelobte Land im J. 1851 von /'. \V. Schulz. 3. verb. 
u. verm. Aufl. Mühlheim, Bagel 1851». XXVIII u. 375 S. 8. ( 3 4 ^. ) 

4) Beschreibung meiner Reise nach dem II. Lande im .). 1S5S, von /'. 
V. Lorenzen. Mit einer Karte. Kiel, Schröder L859, Itil S. 8. (P/2 $\- ■ 

4a) Erinnerungen aus Jerusalem und Palästina. Von Philipp Mey< r 
Mimehen, Fleischmann 1859, 469 S. 8 (27 Jfy). Vgl. Blätter für litt. Untern. 
1858 no. 40 p 740 f. 

5) H. Scherer, Eine Oster-Reise in's H. Land in Briefen an Freunde. 
Frankfurt a. M., Brönner 1860, II u. 364 S. gr. 8. (1 fy). Vgl. Literar. Cen 
tralbl. 1860 no. 46 p. 724f. desgl. Lit. Centralbl. 1861 no. 35 p. 563 und 
Ewald in Gott. gel. Anz. 1862 no. 6 p. 237 f. 

5a) Sinai und Golgatha. Reise in das Morgenland von Friedrich Advlj'h 
Strauss. 7e verb. u. verm. Aufl. mit 6 Ansichten, einer Karte des Morgen- 
landes nehst Special-Karte des Sinai, u. einem Plane von Jerusalem. Berlin, 
Jonas 1859, X u. 458 S. 8. (gebunden m. Goldschn. n. 1 fy. 12 Jfy). 

5b) Die Länder und Stätten der II. Schrift. In ausgewählten Bildern 
mit erläut. Texte von F. A. Strauss und 0. Strauss. Mit 100 Bildern und 
Karten. Stuttgart u. München, Cotta 1861, Vlll u. 542 S. 4. fin 34 Liefer. 
ä 8 Jfa). 



Gosche, urissenschaftl. Jahresbericht för 1859 hü 1861. 1 1 ,. > 

der älteren Kirche i>t natürlich vorzugsweise Rticksichl genommen, 
so class von denselben Tafeln auch eine mir nicht zugegangi m 
Ausgabe mit katholischem Texl erschienen ist. Die in gleichem 
Geiste gehaltene Reisebeschreibung des aufopfernd thätigen Flved- 
ner 6e ) ist in das Bolländische übersetz! worden; die durch ihre 
israelitische "Weltanschauung ausgezeichnete /•V'/»/.7V') sehr glück- 
lich ins Hebräische. In einen ziemlich scharfen Gegensatz zu dieser 
Gruppe der Reiselitteratur stellt sich das geistreiche Werk von 
Busch '), einem kritisch beobachtenden und vielerfahreiien Manne, 
dem es nicht aut irgend welche Illusionen, sondern lediglich auf 
die einlache Erkenntniss der Wirklichkeit ankommt. Er führt uns 
in die anmittelbare Nähe der wissenschaftlich forschenden Reisenden, 
zu denen Deutschland in dem leider zu früh verstorbenen -/., J>. 
Roth ,s ) einen naturwissenschaftlich strengen Beobachter und in Tob- 
ler 9 ) mit einer dritten Reise einen wohlbewanderten und nüchtern 
sorgsamen Forscher als achtungswerthes Contingent gestellt hat. 
Aus Frankreich sind vorläufig (auf den hochverdienten de Vogue 
wird sogleich zurückzukommen sehn nur wenige erbauliche Reise- 
bücher zu nennen von Bourassi 10 ), in neuer Auflage von Bovet 10:| ), 
von Gerardy - Saintine 1 *) auf Grund dreijähriger Erfahrungen; 
ebenso nur wenige aus England von Buchanan 12 ), von Z)reK> 12a ), 



5c) Reizen in het Heilige land, naar Smyrna, Beiroet , Konstantinopel. 
Alexandrie en Kairo, in de jaren 1851, 1856 en 1857. Door T. Fliedner. 
Met platen etc. uit het Hooduitsch door T.M. Loomaiui. 1 — 10e AH. Amster- 
dam, Hoveker 1859—00, gr. 8. (ä ü. 1, 05 kr.). 

Nach Jerusalem. Rei.-e nach Griechenland . . . von L. A. Frauhl. 
In's Ebr. übersetzt von M. L. Stern. Wien, Knöpfelmacher 1800, 422 S. 
8. (1 ■#). 

7) Eine Wallfahrt nach Jerusalem. Bilder ohne Heiligenscheine. Von 
Mar. Busch. Bd. 1. 2. Leipzig, Grunow 1861, 205 u. 250 S. 8. (3 ^.). 
Vgl. Lit. Centralbl. 1802 no. 12 p. 203. 

8) J. Ji- Roths Reisen in Palästina. Vorletzter Bericht, Aufzeichnungen 
aus des Reisenden Tagebuch über seine letzte Reise, von Jerusalem nach dem 
Quellgebiet des Jordan, vom 9. Mai bis 13. Juni 1858. VI. Höhenmessungen 
im östl. u. nördl. Jordan-Gebiete. Berechnet von C Kuhn, Petermann's Geogr. 
Mitth. 1859 p. 282—294. 

9) TÜUS Tobler, Dritt«' Wanderung nach Palästina im J. 1857. Ritt 
durch Philistäa, Fussreisen im Gebirge Judäa's u. Nachlese in Jerusalem. Mit 
1 Karte. Gotha, J. Perthes 1859, VIII u. 514 S. gr. 8 (3 ^ ) vgl. Literar. 
Centralbl. 1859 no. 3 p. 37 f. ; Ewald Bibl. Jahrb. X (1800) p. 101 f. und 
Pli. Wulff in Z. d. DmG. XIV p. 321 f. 

10 ./. ./. BourassS, LaTerre saiute, voyage dans l' Arabie Petree, la Judee, 
la Samarie, la Galilee et la Syrie. Tours 1800, 512 S. 8. (m. 33 Tfl.) 

11 1 Trois ans en Judee par O. Gr&rardy-Saintine. Paris, Hachette 1800, 
370 S. 12. nebst Karte. Vgl. Journal des Sav. 1800 Nov. p. 719. 

12) Notes of a clerical furlough, spent chiefly in the Holy Land. Witli 
a sketoh of the voyage out in the Yacht ,,St. Ursula." By Rob. Buchanan. 
London, Blackic 1859, 445 S. 1l ; . l l ,' 2 sh.). Vgl. North American Review 
1859, 89 p. 555 f. 

12a) Scripture lands in connexion with their history ; with an appendix. 
and extracts from a Journal kept during an eastern tour in 1850 — 57. By G, 



\qq Gosche, mssenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

der zugleich die Betrachtung der geschichtlichen Verhältnisse mit 
der- der geographischen verbindet, and von der aal Verhältnisse 
des täglichen Lebens eingehenden Mary Eliza Roger 1018 ). Audi 
eine polnische Pilgerfahrt ist zu erwähnen 13 *). 

Diese ziemlich breite Reiselitteratur modificiert die wissen- 
schaftliche Darstellung Palästinas nur wenig. Aus dem geschickt 
zusammenfassenden encyclopädi scheu Artikel AriwlcPs li ) and aus 
der neuen Ausgabe von K. v. Rav/mer's 1B ) schönem Buche i-t 
das unschwer zu ersehen. Auch dienen die meisten dieser histo- 
risch-beschreibenden llamt- und Lehrbücher kirchlich -didaktischen 
und populären Zwecken und haben bei der grossen Menge von 
Fragezeichen in der Topographie Palästina^ gar keine Veranlassung, 
den wissenschaftlichen Zweifel an die Stelle der testen Tradition 
zu setzen. Daher die ganze Haltung des auch die h. Stinten be- 
sonders hervorhebenden Buchs von Kuttner 15 *) und des neuauf- 
gelegten einfacheren von Itäthyeber l6 ). Auch von den Engländern 
sind ähnliche, doch an concreten Mittheilungen reichere Schriften 
geliefert worden, weniger von dem mehr für das Politische interes- 
sierten Anonymus 16 *), als von dem mit Recht wieder aufgelegten 
Stanley 11 ), von Osbwn 18 ) und dem die physische Geographie 
handlich darstellenden, in der neuen Ausgabe sich berichtigenden 



S. Dreio. London, Smith & Ekler 1860, 460 S. 8. Vgl. Westm.-Review 1861 
T. 19 p. 531. 

1012b) Voyage en Terre-Sainte par /. Bovet, 2* ed. Avec cartes .et pl. 
Neufchätel 1861, 8. (6 fr) 

13) Domestic life in Palestine. By Moni Eliza Rogers. London 1861, 
420 S. 8. Vgl. Athenaeum 1862 Jan. no. 1784 p. 15. 

13a) F. Cliimh ■/.-. Wspomnienia /. pielgrzynki do ziemi swietej odbytej w 
1858 roku. (Erinnerungen an seine Pilgerfahrt in Palästina im J. 1858). 
Bochnia 1860, IV u. 242 S. 8. (1 . /, 10 Jfo). 

14) Arnold, Palaestina, Herzog's Real-Encyclopädie XI (1859) p. 1 — 46. 

15) Karl v. Räumer, Palaestina. Mit 1 Kare- von Palaestina. !<■ verm. 
u. verb. Aufl. Leipzig, Brockhaus 1860, XVI. u. 512 S. gr. 8. (2 &%). Vgl. 
Literar. Centralbl. 1861 no. 11 p. 171 

15a) Geografie von Palästina, nebst ausführlicher Beschreibung der heiligen 
Stätten, von A. Kuttner. Pesth, Lampel 1861, 43 S. 8. (6 Jfo) m. lllust. u. 1 K. 

16) Palästina, Land u. Volk von A, Rathgeber. 3. Aufl. Langensalza, 
Schulbuchh. 1859, 72 S. 8. m. 1 Karte u. 1 Holzschn. (18 Jfo) 

16a) Aualysis of the Geography of Palestine : or, a view of the history 
and politics of the year 1859. London, Rivingtons 1860, 8. (18 sh.) 

17) Arth. Penrhyn Stanley, Sinai and Palestine. in Gonnection with their 
history. With maps and plans. 5th ed. London, Murray 1859, 600 S. 8. 
(16 sb.) 

18) Palestine, Past and Present. With Biblical, Literary and Scientific 

Notices. By Rev. Henry S. Osborn With Original Illustration? and a 

new Map. London, Trübner 1858, 590 S. 8. (21 sh. und dann Philadelphia. 
Challen 185!», 5!'5 S. 8. (3'/ L , D.) Vgl. North American Review 1859, 8^ p. 
573 f. IVteruiann'.-. Oen-r. Mitth. 1859 p. 166 und V» rMinin-ier Review 1859 
T. 15 p. 592. 



Gosche, ircasiit.sc/iii/l/. Jti/ni . / 1 i ,'c/it für 1859 bii 1861. 167 

Kttto 16 *); Meen 18X> ) hat nur ein kindliches Publicum im Ange. 
In Holland haben ähnliche Schulbücher geliefert de Zwart 
und van Dale 1BA ) } in Schweden Oranlund l8 ' ). in Böhmen Soffr IW ). 
[llnstrierte Werke, welche in andern Fällen als Zerstreuungsmittel 
abgewiesen werden mögen, sind hier noch besonders werthvoll, zu- 
mal wenn sie auf photographischen oder sonsl treuen Aufnahmen 
beruhen; denn auch in den am meisten betretenen Theilen Palästi- 
nas ist die Physiognomik der Landschaft und der erhaltenen Kunst- 
denkmäler noch nicht so genau erkannt und so sicher vergegen- 
wärtigt als man voraussetzen könnte -- geschweige denn in den 
transjordanischen Gebieten. Daher verdienen die grossen Bilder- 
bücher oder Photographiesammlungen von Brt'dges 19 ),Miss Oubley 19 ' ) 
und besonders van de Velde 19h ) alle Beachtung; das ßtrausstsche 
Prachtwerk ist eben erwähnt worden : in welchen Beziehungen zu 
seinen bildlichen Darstellungen das auf 24 Lieferungen berechnete 
Werk Messmer's 19c ) stehe, vermag ich nicht anzugeben. Eine 
bedeutende Stellung nehmen in dieser Beziehung die Publicationen 
de Vogu&s* 9 ) ein-, die 33 Tafeln seines hierhergehörigen Pracht- 
werkes gelten ein treffliches Material zur Geschichte der Kirchen- 
architectur in Palästina. Das trocknere Gebiet der Chartographie 
Palästinas ist nur in Holland bebaut worden-, ausser der Ueber- 



18a) Physical geography of the Holy Land by J. Käta. New edition. 
London, Griffin 18(30, 18. (2 sh. 6 d.). 

18b) Historical and descriptive Gcography of Palestine with illustrations 
by Jos. A. Meen. (Sunday School Union). London 1861, 170 S 12. 
(1 sh. 6 d.). 

18c) Handleiding bij de aardrijkskunde van Palestina. Door A. (' de 
Zwart. Met een zeer naauwkeurig kaartje. Amsterdam, De Hoogh 1859. 8 
(fl. 0, 20). 

18d) Beknopte aardrijkskunde van Palestina, gevolgd door eene tijdtafel 
der bijbelsche geschiedenis. Door V. H. van Dale. 2de verm. Druk. Oost- 
burg, Bronswijk 1861, 32 S. 8. (fl. 0, 25). 

18e) Palaestina. Kort liistorisk - geograpbisk beskrifning, efter de 
källor utarbetad af V. G. Grönland. Stockholm, Eide 1860, 84 S. 12 
(50 öre). ^ 

lNf. Fr. So ffr. Palästina neb zeme swatä. Paelestina oder das h. 
Land. Handbuch zur bibl. Geschichte). Königgräz 1858, 118 S 

19 G. W. Bridges, Palestine as it is; in a series of Photographie views, 
illustrating the Bible. Parth the lt. London, Hogarth 1859. fol. 7 1 2 sh.) 

19a) The hüls and plains of Palestine with illustrations and descriptions 
by L. M. Mi*» Oubley. London, Day 1859, 4. (31 sh. 6 d.) 

n)b) Les pays d'Israel. Collect ion de. cent vues prises d'apres nature 
dans la Syrie et Palestine. Par C. W. M. ran de Velde. Pari- 1859, 4. 
nebst Atlas von 100 Tff. fol. 

19c) Das heilige Land und die h Stätten in aasgewählten Bildern mit 
erläut. Texte von Dr. ./. A. Messmer. Lief. 1 — 1. München. Vogel 1860 
64 S. gr. 4. mit 4 Stahlst, u. 8 Xylogr Tff. a 8 Jty). 

20) Les dglises de la Terre Sainte. Par le Comte Melchior de Vogue. 
Paris, Didron 186o, 4. Vgl. L. Vitel im Journal des Sav. 1860 Jan. p. 5f. 
und Edinburgh Review 1860, 112 p. 123 f. 



158 Gosche, wissenschaftl, Jahresbericht für L859 bis 1 8<51 - 

setzung einer Arbeit von Bruyn 1021 ; erhalten wir das sehr bedeu- 
tende Menioir van de Velde's 22 ) zu seiner Karte. 

\ Hu der Menge und Grösse der in der speciellen Topographie 
Palästinas noch waltenden Schwierigkeiten zeugen die Arbeiten über 
Jerusalem und die in ihnen dargelegten, weit divergierenden 
Ansichten. In der verdienstlichsten Weise hat Hosen 23 ) an Ort 
und Stelle eine Reihe von Untersuchungen angestellt, iudess Hup- 
feld zi ) seine umfassende Gelehrsamkeit und seinen ausspürenden 
Scharfsinn, doch ohne sicheren Abschluss, zur Entscheidung beson- 
ders der Akra-Frage aulbot. Isamberts 2 **) Besuch im Tempel 
und in der Moschee 'Omars liefert keinen wesentlichen Beitrag zur 
Lösung der topographischen Streitfragen, welche überhaupt auf eine 
französische oder russische Besitznahme des heiligen Gebiete ver- 
schoben zu sein scheint. Traditionelle Phantasien spielen hier mit den 
gegebenen localen Verhältnissen zu gern, an welche man willkürliche 
Voraussetzungen heranbringt ; so allem Anschein nach auch der Anglo- 
amerikaner JPaine 2 * b ). Wichtiger ist der schöne Tobler-Van de Vel- 
^schePlan 24c ). Das ganghare Material der Topographie gibt Unruh'-'-' . 
in kürzerer Fassung Alhnüller 2(i ). Eine geschichtliche Darstellung 
versucht Lew in 27 ) bis zum Untergang des jüdischen Staates neben 
der allgemeinen neuaufgelegten von Poujovlat 2 *). Sonst ist für 

1021) M. D. de Bruyn, Ueber Cartographie von Palestina. Aus d. Hol- 
land, beaib. von J. Müller. Berlin. Huber 1859, gr. 8. (V 2 ffi/>.\ 

22) Van de Velde's Memoir to accompany the map of the Holy Land, 
London 1859, 356 S. 8. (8*12 sh.). — Vgl. G. Rpy, Examen de quelques par- 
ties de la carte de la Palestine de M. Van de Velde, Bulletin de la Soc. de 
Geogr. IV ser. 1859, XVII p. 198. 

23) Topographisches aus Jerusalem. Von G. Rosen, Z. d. DmG. XIV 
(1860) p. 605—621 mit einer Terrainkarte. 

24) Herrn. Hupfeld, Die topogr. Sehriftfrage über Jerusalem, namentlich 
die IA-aoo. und den Lauf der zweiten Mauer des Josepbus, vom A. T. aus be- 
leuchtet, Z. d. DmG. XV (1861; p. 185—232. 

24a) Une visite au temple de Jerusalem et k la mosquee d'Omar. Par 
E. Isambert, Bulletin de la Soc. de Geogr. IVe serie, T. XIX (1860) p. 380f. 

24b) Salomon's temple; or the tabemacle; first temple, house of the 
king, etc. By B. O. Paine. With 24 plates of (i6 figures. Boston, Phinney 
1861. 99 S. 8. Vgl. North American Review 1862 April p. 566. 

24c) C. M. Vau de Velde, Plan of Jerusalem .... with a memoir of Dr. Tob- 
Ur. London, Williams and Norgate 1853, 26 S. 4. mit 7 Tff. fol. (IO'/j sh.) 

25) Das alte Jerusalem u. seine Bauwerke. Ein Beitrag zur bibl. Alter- 
thumskunde vou Gust. Unruh. Langensalza, Verlags- Compt. 1861, XIV u. 
334 S. 8. mit 8 Plänen u. 8 Lith. Tafl. (2 Sfy. ). 

26) H. W. Altmidier, Jerusalem nach seiner örtl. Lage u. bedeutungs- 
vollen Geschichte. Cassel, Fischer 1859, 12. (6 Jfr . 

27) Jerusalem: a sketch of the city and temple, from the earlist times 
to the siege by Titus. By Thomas Lewin. London 1861, 270 S. 8- (10 sh.) 
vgl. Westminster Review 1862 July p. 226. 

28) Geographische Analyse zu dem Versuch einer Construction der Karte 
von Galiläa mlst den Beikärtchen des Gebirges Gilboa, der Felsen Dschafat u. 
der Kreuzfabrer-Veste Accon. vornämlich herausgegeben nach den Forschungen 
des verst. Consuls Dr. E. A. Schulz. Von C. Zimmermann. Berlin, D. Rei- 
mer 1861, HI u. 91 S. 8. mit 1 Karte. (2 x / 3 «*?*). 



Gostl'f, wissenschafd. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 169 

einzelne Theile Palästinas noch Zimmermann' 8 %v ) Memoir zur 
Charte yon Galiläa hervorzuheben und die Werke von Urquhardt 90 ), 
Guys 90 *) and ^w^mve 31 ) über « l « ■ 1 1 Libanon, von denen der 
/weite oach einem längeren amtlichen Aufenthalte berichtet und 
frühe schon einzelne Mittheilungen über die christlichen und mo- 
hammedanischen Bewohner des Gebirges gemacht hatte. Auch sei 
hier sogleich noch der Sinai als ein integrierender Theil nicht 
des gelobten Landes, aber doch seiner Heilsgeschichte erwähnt. 
welchen Galton und SpottiswoocL untersuchen wollten 32 ) und Bea- 
mont Bia ) von Kairo aus besucht hat; von der auch hierher ge- 
lichteten v. Heuglin'schen Expedition erfahren wir nur durch 
Steudner 33 ) einiges Wenige über die Mosesquellen. 

Die Geschichte Palästinas und der Hebräer ist wieder 
mannigfacher untersucht und auch in einzelnen Abschnitten dar- 
gestellt worden. Noch ehe die Synchronismen der ägyptischen und 
assyrisch - babylonischen Geschichte , welche sich in den reichlich 
vorhandenen und immer deutlicher erkannten Inschriften je mehr 
und mehr zu erschliessen verspricht, sicher durchforscht sind, ver- 
sucht wieder ein Amerikaner Shimeall Si '■' ) eine umfassende biblische 
Chronologie. Denn nicht ist alles in der althebräischen Geschichte 
so plan und sicher, als es die in einer wohlverdienten englischen 
Bearbeitung erschienene Geschichte des Alten Bundes von Kurtz 33 b ) 
uns glauben machen könnte; jeder ernsten und umsichtigen For- 
schung bleiben noch wichtige Fragen genug. Zwei neuere Gesammt- 



29 Poujoulat, Histoire de Jerusalem. 4e ed., revue et corrigee. Partie 1. 
Depuis Moise jusq'ä Jesus-Christ iiiclusivement. P. 2. Depuis l'etablissemeut 
du ehristianisme jusq"ä qos jours. Paris, Vermot 1861, XII u. 796 S. 8. (4fr.) 

30) The Lebanon (Mount Souria): a history and a diary. By David Ur- 
guhardt. Vol. 1. 2. London, Xewby 1860, 860 S. 8. vgl. Westm.-Review 
1861 T. 19 p. 255. 

30a) Beyrout et le Liban. Relation d'un sejour de plusieurs annees daus 
ce pays par H. Guys. Deux vols. Paris 18G0, 8. (7 fr.). 

31) Ch. Auberive, Voyage au mont Liban. Paris, Sarlit 1861, 204 S. 12. 

32) Vgl. die kurze Notiz in Petennann's Geogr. Mitth. 1859 p. 207. 
32a) Cairo to Sinai and Sinai to Cairo. Being an account of a journey 

in tbe desert of Arabia, Nov. and Dec. 1860. By the Kev. W. J. Beumont. 
With map and plates. Cambridge, Deighton 1861, 8. i5 sh.). 

33 Die deutsche Expedition bei den Moses-Quellen im Peträischen Arabien, 
26—31. Mai 1861. Nach einem Briefe Dr. Steudner's vom 4. Juni 1861 
Peteimann's Geogr. Mitth. 1861 p. 427 f. 

33a) Our Bible chronology, historic and prophetie, eritically examined and 
demonstrated, and harmonized with the chronology of profane writers, embracing 
an exarnination and refutation of the theories of modern Egyptologists. Accom- 
panied with extensive chronological and genealogical tables, from the earliest 
records to the present time ; a map of the ancients, a chart of the course of 
empires; and various pictorial illustrations. By Kev. R. C. Shimeall. New 
York lSbU 231 S. kl. f..l. eloth. 12sb. 6 d. ., 

33b) History of the Old Covenant, fron» the German of J. IL hurt:. 
Translated by James Martin. Edinburgh, Clark 1859, 8. Vgl. Westm. -Review. 
1860 T. 17 p. 571 f. 



1 7 1 1 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861 

darstellungen, die sich in manchen Beziehungen ergänzen; können 
zeigen, welche Resultate von energisch eingenommenen Standpunkten . 
aus noch zu gewinnen sind, die grossen Werke von Ewald 1034 und 
Graetz 36 ). Ewald hat die zweite Ausgabe seiner Geschichte des 
Volkes Israel mit einem 7ten Bande abgeschlossen, welcher den Gang 
der palästinischen Dinge von den Trümmern des jüdischen Staats- 
wesens auf die grosse Bahn der apostolischen und uachapostolischen 
Kirche hinüber führt. Der Untergang des Judenthums als eines 
geschlossenen, in einer eigentümlichen irdischen Wohnstätte ein- 
heitlich heimischen Volksthums ist mit grossem sittlichen Ernst er- 
kannt und mit einer fast tragischen Kunst zur Darstellung gebracht. 
Welche Lebenskraft aber in dieser Naturalität liege, wie sie lange 
und an vielen Stellen erschüttert dennoch im passenden Moment 
mit eine]- beinahe organischen Gewalt wieder hervorspringt, zeigt 
die geistvolle Darstellung Qrätz&n's, der im Fortgange seines Werkes 
die ebenso räthselhafte als interressante zweite Hälfte des ers 
nachchristlichen Jahrtausends als die Culturgrundlage des mittel- 
alterlich-classischen Judenthums zu erkennen versucht hat .- ein so 
reich und anregend combinierender Geschichtschreiber hat ein An- 
recht darauf, dass man ihm diese oder jene Gewaltsamkeit gegen 
das Detail verzeihe. Der Engländer Allen 35 '') hat einen Ueber- 
blick bis auf Christus gegeben-, P. Cassel 3bh ) ergeht sich in einigen 
mehr phantastisch anregenden als wissenschaftlich orientierenden 
Vorträgen. Ausserdem ist noch eine Reihe von monographischen 
Versuchen zu erwähnen Durchaus vom Standpunkt israelitischer 
Anschauung aus hat Modlinger 3be ) die Urgeschichte behandelt. 

1034) H. Ewald, Geschiebte des Volkes Israel. 2e Ausg. 7r u. Letzter 
Band. Auch m. d. T. Geschichte der Ausgänge des Volkes Israel u. des nach- 
apost. Zeitalters. Mit den Registern von allen 7 Bänden u den Alterthümern. 
Göttingen. Dieterich 1859, XXIV u. 542 S. 8. (2% >.,- . Heber das ganze 
Werk vgl. Keil in Theol. Zeitschrift von Dieckhoff etc. 1861 Heft 1 p. 
156—170. 

35) H. Graetz, Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf 
die Gegenwart. Aus den Quellen neu bearbeitet. Bd. 5. Audi in. d. T. Ge- 
schichte der Juden vom Abschluss des Talmud (5<!0) bis zum Aufblühen der 
jüdisch-spanischen Cultur (1027). (Schriften herausg. vom Inst, zur Ford. isr. 
LH. 5es Jahr). Magdeburg 1861», X u. 566 S. 8.; desgl. Bd. 6: vom Auf- 
blühen der jüdisch-span. Cultur (1027) bis Mainionides Tod (1205). Ebend. 
1861, XII u. 469 S. 8. vgl. Steinschneiders Hebr. Bibliogr. III (1860) p. lOöf. 
und IV (1861) p. 84. 

35a) Hebrew men and times, from the patriarchs to the Messiah. By 
JokcjiIi Henry Allen. Boston, Walker; London, Manwaring 1861. 8. Vgl. 
Wcstm.-Keview 1861 T. 20 p. 235. 

35b) Weltgeschichtliche Vorträge von Prof. Ptwl Cassel. Erste Abthei- 
lung. (Einleitung. — Das Ringervolk. — Die Makkabäer. — Jerusalem und 
Korn. - Der Midraseli u. des Gesetzes Ende. — Akiba und der Sti riunsuhn). 
Berlin, Berendt 1860, 110 S. 8. 

u 35c) -nbr; bN-rara neta mbama^n naiNn miötna yy nwia 

3D "in h iy5:" , 51N72 (Simoth Ajin oder Blicke in die Urgeschichte des Israelit. 



Gosche, wissenschafü. Jahresbericht für 1859 bü lfc$L 171 

auf welche sich auch ein guter Theil der Pentateueh-Untersuchungen 
bezieht; nach den zum Theil Behr anziehenden Sagen« in welchen 
sich ahcr weder mit Sicherheil eine An von Chronologii feststellen 
noch irgend ein geschichtlicher Kern kenntlich ausscheiden lasst, 
stellt Beer* 6 ) gründlich and meist geschmackvoll Abraham <lar; 
Heidenheim 81 erinnerl an das Grabmal Joseph's. l>as mächtig 
geschichtliche Interesse knüpf! si<h sehr natürlich an Moses, aber 
welchen merkwürdiger Weise noch keine sicheren ägyptischen Zeug- 
nisse aufgefunden Bind; denn wenn auch vielleicht der Auszug der 
Israeliten für das mächtige Pharaonenreich kein sehr bedeutendes 
Ereigniss war, so konnte doch die streng polizeilich gegliederte 
Regierungsweise, unter welche das alte Aegypten geordnet sein musste, 
wenn es seine sehr complicierten Institutionen einigermassen cen- 
servieren wollte, von dem israelitischen Durchbruch der bestehenden 
Ordnung entschieden Notiz nehmen und ausserdem Moses' Verhält- 
niss zum ägyptischen Hof- und Culturleben in den gebildeten d. h. 
wie in China schriftstellernden Kreisen Beachtung linden. Solche 
Grundlagen sind bis jetzt für eine Geschichte Mose's noch nicht 
gewonnen; Smük's 38 ) Werk bleibt daher nur eben eiu wohlge- 
meinter Versuch und Diesters 38a ) Untersuchung vermag nicht ab- 
zuschliesseu. Mehr für die während der zweiten Hälfte des 18ten 
Jahrhunderts in Deutschland herrschenden Anschauungen als über 
Mose selbst unterrichtend ist die Besprechung der bekannten Schiller- 
schen Abhandlung durch Saalschütz 39 >. Mit dem nicht nur in 
geographischen Einzelheiten noch ziemlich dunklen Auszuge beschäf- 
tigen sich in zusammenfassenden Darstellungen Unruh 40 ) und 



Volkes von Samuel Modlinger). Lemberg 1861, 8. Vgl. Frankel's Monats- 
schrift 18G2, XI P . 232 f. — 

36) B. Beer, Lebensgemälde biblischer Personen nach Auffassung der 
jüdischen Sage. I. Auch m. d. T. : Leben Abraham's nach Auffassung der jüd. 
Sage, mit erläut. Anmerk. u. Xaehweisungen. (Schriften herausgeg. vom Insti- 
tute zur Ford, der Israelit. Lit. 4s Jahr.). Leipzig 1859, XVI u. 215 S. 8. 
(25 J§r). Vgl. Lit. Centralbl. 1859 no. 37 p. 581 f. und Ewald Bibl. Jahrb. 
X (1860) P . 257. 

37) M. Heidenheim, Die rabbinisehen Xachrichten über das Grabmal 
Joseph's und eine Xote über eine Stelle im PseudoJonathan, Deutsche Viertel- 
jahrsschrift für englisch -theol. Forschung II (Gotha, F. A. Perthes 1861, 8.) 
p. 248—250. 

38) Thornley Smith, The history of Moses, viewed in connection with 
E^vptian antiquities and the customs of the times in which he lived. Edin- 
burgh 1860, 300 S. 8. 

38a) Prof. C. Dustel in Bonn, Uebcr den Einfluss der altaegyptischeu 
Cultur auf Israel zur Zeit Mosis, Vorträge für das gebildete Publikum, herausgeg. 
von Berg, Diestel u. A. (Elberfeld 1861, gr. 8.) 1' 206—225. 

39) Saalschutz, Schiller's Sendung „Mosis", zugleich ein Wort für und 
an Israeliten, Frankers Monatsschrift für Gesch. u. AYiss. des Judenth. 1860 
(Febr.) p. 45—57. 

4i> <>'tr*t. Unruh, Der Zuy der Israeliten aus Aegypten nach Canaan. 
Ein Beitrag zur bibl. Länder- u. Völkerkunde. M. 1 Karte. Langensalza, 
Verlags-Comptoir 1860, MI u. 159 S. gr. 8. (24 Jfy) vgl. Literar. Centralbl. 



1 1 1' Go-i tu . ■■<>< ho/'il . Jahresbericht für 1859 bis L861. 

Bräm ioil )\ Schieiden 48 ) nimmt Gelegenheil für Beine Auffassung' 

der Sache noch einmal einzutreten. De Bertolt l;; ) bespricht das 
Grab Aaron's; in eine spätere Epoche führen /'. Cassefs***) ver- 
wirrt erbauliche Betrachtungen über Elisa, dessen die Schicksale 
seines Meisters parallelisierende Geschichte and nicht sein- energische 
politische Stellung eine- kritisch wissenschaftliche Untersuchung ver- 
diente, wie Ewald Ai ) etwa Wendungen der israelitischen Geschichte 
aufzufassen weiss. An die Reichstrennung knüpfen sieh ununter- 
brochen Fragen über den Verbleib der zehn Stämme, welche als in 
benachbarten Nationalitäten wie etwa Wenden in Norddeutschen 
aufgegangen anzusehen man sich immer noch nicht gewöhnen kann; 
die einen suchen sie unter den Angelsachsen, wie Kennedy * 4a ); 
andere wie George Moore*** gar unter den Buddhisten. Die 
interessante Zeit der makkabäischen Erhebung schildert Rossmann IS ) 
mit geistvoller Frische, von. welcher wir noch ähnliche Darstellungen 
holten möchten; farblos phantastisch dagegen sind /)i<fru/tam's* 6 ) 
Bilder aus Jerusalem zur Zeit Christi. Für die schicksalsvolle Epoche 
der Zerstörung Jerusalems sind selbst nicht hochgeschätzte Schrift- 
steller wie Sulpicius Severus, der in einer sinkenden Zeit klassi- 
sche und biblische Interessen zu verbinden weiss, herbeizuziehen, 
wenn sie in so eindringlicher Weise untersucht werden, wie dieser 
durch Bernays* 1 ). Die Gründe des Untergangs der Stadt und 



1861 no. 1 p. 1 f . ; Zeitschr. für Jutli. Theol. von Delitzsch u. Radelbach L863, 
III p. 527-531 ; Monatsschrift für Judenthum von Frankcl X (1861) p. 233». 
272 f.; Ewald in seinem Jahrb. f. bibl. Wiss. XI (1861) p. 250 f. 

1041) A. Bräm, Israel's Wanderung von Gosen bis zum Sinai. Mit einei 
Karte. Elberfeld, Bädeker 1859, XVI u. 484 S. 8. (l 2 / 8 ty.) vgl. Ewald Bibl. 
Jahrb. X (1860) p. 257 f. 

42) M. J. Schieiden, Ein Wort für Herrn Prof. Hitzig u. eins über 
Herrn Prof. Ewald, in Hilgenfeld's Zeitschr. für wiss. Theol. 1859 Heft 2. Vgl. 
Bericht für 1857—58 no. 1530. 

43) Le mont Hör, le tombeau d'Aaron , Cades. Etüde sur l'itineraire 
des Israelites dans le desert. Memoire lu ä l'Acadernie des Inscriptions et 
Belles-Lettres. Par Le Cte de Berton, Paris, B. Duprat 1860. XI u 118 S. 
lex. 8. m. 5 Tff. u. 1 Karte. 

43a) Der Prophet Elisa. Biblische Vorträge zur Lehre und Erbaung von 
Paulus Hassel. Perlin, Berendt 1860, XXIV u. 166 S. 8. 

44) Ewald, Ueber die wendung aller geschichte Israel's in ihrer hohen 
mitte, Bibl. Jahrb. X (1860) p. 29 46. 

44a) Vgl. oben 66a. — 44b) Vgl. oben no. 543. 

45) Die makkabäische Erhebung. Vortrag ... von Willi. Rossmann 
Leipzig. Veit & Co. 1861, V11I u. 47 S. 8. vgl. B. Beer in Monatsschrift für 
Judenthum von Frankel X (1861) p. 69f. 

46) J. A. Ingraham, The prince of the house of David; or, Three years 
in the Holy City: being a series of letters of Adina, a Jewess of Alexandria. 
>u]>posed to be sojouruing in Jerusalem in the days of Hei*od, adressed to her 
fathter, a wealthy Jew in Egypt etc. "New edition, revised and corrected. New- 
York 1859, 472 S. 8. Vgl. Bericht für 1857—58 no. 824. 

47) Jacob Bemays, Ueber die Chronik des Sulpicius Severus Ein Bei- 
trag zur Geschichte der klass. u. bibl. Studien. Berlin. W. Hertz 1861, 73 S. 
4. vgl. Lit. Centralbl. 1861 no. 12 p. 680 f. J. Perles in Monatsschrift für 



Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 17;; 

des Staats untersucht im Anscblusa an Beine Gesammtdarstellung 
Ewald iB ). [nteressanl isl es, das« ungeachtet aller politischen 
Wandlungen aus der Zeil des Alexander Severus, mithin ans der 
ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts von Herzog l9 ) jüdische Kata- 
komben nachgewiesen werden konnten, wie denn Rom eine der 
wenigen Culturstätten ist, an welchen sich das ältere Judenthnm mit 
sicherer Continuitäl in das Büttelalter hinüber leitete. 

Die einzelnen Seiten des althebräischen Volkslebens zu er- 
kennen und darzustellen, würde Aufgabe einer biblischen Phi- 
lologie sein oder wie unbestimmter gesagt wurden ist, einer 
biblischen Wissenschaft, für welche Ewald 50 ) fortfährt ein- 
schneidende Berichte zu liefern, wie er auch neuerdings über den 
Begriff derselben gehandelt hat 5 ?). Die Gliederung der einzelnen 
Disciplinen wird natürlich immer von der Auffassung der Funda- 
mentalwissenschaften, der Hermeneutik und Kritik abhängen, und 
in Beziehung auf diese Grundprineipien bietet die gegenwärtige alt- 
testamentliche Wissenschaft die interessantesten Phänomene dar. 
Unter uns muss ein durch die innigste Gläubigkeit hervorragender 
Gelehrter, Hupfeld^ 2 ), den energischen Versuch machen, Recht 
und Wesen seiner biblischen Exegese zu wahren; in England bricht 
ein von uns längst auf diesem Stadium überwundener Kampf um 
die 'Essays und Reviews' 53 ) aus. Auf uns macht dieser Lärmen einen 
etwas naiven Eindruck — es würde etwas Anachronistisches darin 



Judeuthum von Franhel X (1861) p. 152 f. und besonders A. v. Gutschmid in 
den Jahrbb. für Philol. 1863 Heft 10 p. 710—714. 

48 Ewald, Leber die Ursache der Zerstörung Jerusalems durch Titus, 
Nachrichten von der Univ. u. der kgl. Gesellsch. der Wiss. in Göttingen 1861 
no. 16 p. 252-260. 

-!!• E. Herzog, über die jüd. Katakomben in der Vigna Rondanini, Bulle- 
tino dell' Inst, archeol. 1861 no. 5. 

50) Jahrbücher der Biblischen Wissenschaft von //. Ewald. Zehntes 
Jahrbuch: 1859—60. Göttingen, Dieterich 1860, 296 S. gr. 8. Xles Jahr- 
buch: 1860-1861. ebeudas. 1861, 2 Bll. u. 303 S. 8. (a 1% 16 Jfy. . 

51 11. Ewald , Das Yerhältniss derj Bibl. Wissenschaft zu nnsrer zeit, 
ihren verirrungen u. ihren bedürfnissen, Bibl. Jahrb. XI (1861) p. 69 — 147. 

52) Die heutige theosophische oder mythologische Theologie und Schrift- 
erklärung. Ein Beitrag zur Kritik derselben von D. Hermann Hupfeld. 
(Verb. Abdruck aus der Deutscheu Zeitschrift für christl, ^Yi^s. 1861, Aug.). 
Berlin, Wiegandt u. Qrieben 1861, IV u. 24 S. gr. 8. (6 Myr). Eine engl. 
L'ebersetzung im Journal of Sacred Literatur, doch mit manchen Missverständ- 
nissen. 

53) Essays and Reviews. 1 — 9th edition. London, Longman, Green 1861, 
3 Bll. u. 434 S. gr. 8. (10 1 , sh. . Vgl. Ewald, Gott. gel. Anz. 1861 no. 30 
p. 1161 f. Die^tel iu Jahrb." für Deutsche Theol. von Liebner VI (1861) 
Heft 4 p. 6('3— 658. Quarterly Review 1861 T. 109 p. 248—305; Dublin 
Review 1861 T. 49 p. 458—502 und T. 50 p. 242—259. Westm.-Review 
1860 T. 18 p. 225 f.; besonders p. 293—332. und ebendaselbst 1861 T. 21 
p. 551 f. Edinburgh Review 1861, 113 p. 461 f. ; National Review 1861, 12 
p. 151 f., über die dadurch veranlasste Litteratur, vgl. Westm.-Review 1861 
T. 19 p. 537. 



174 Gosche, unssenchafü. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

liegen, wenn nicht die BochMrche ein sehr grosses Stück wissen- 
schaftlicher Arbeit noch zn thun hätte. Was in dieser HochMrche 

zu stolz oder zu feig ist, die Principien des wahren Protestantismus 
eines ernsten und arbeitsvollen Interesses zn würdigen, muss der 
wohlgegliederten Macht der katholischen Kirche anheimfallen. Daher 
sind die Streitschriften über die Principien der Auslegung und der 
Kritik hier schicksalsvolle Lebensfragen; daher der Eifer, mit wel- 
chem Jowetts 1054 ) Essay über Bibelauslegung discutiert wird: daher 
konnten Homers Schlitten, dessen alttestamentliche Kritik und Her- 
meneutik neu von Ayre hb ) herausgegeben worden ist, für David- 
son** 6 ) so verhängnissvoll werden. Sargent 61 ) formuliert die Grund- 
sätze der Kritik, G. Rawlinson 58 ) plaidiert von den zahlreichen 
neueren Entdeckungen aus für die Glaubwürdigkeit der Bibel; auch 
Garbett 59 ) nimmt einen solchen apologetischen Standpunkt ein. 
Ein Anonymus 60 ) verficht die Unfehlbarkeit der h. Schritt auch in 
den gleichgültigsten Kleinigkeiten; charakteristisch; dass aus Frank- 
reich nur die Schrift von Esteoule 61 ) über die Autorität des A. T. 
zu nennen ist. In Deutschland beschäftigt man sich weniger mit 
der Erörterung der Methode als mit der concreten Wissenschaft 
selbst. Die biblische Archäologie, welche Saalschutz 63 ) 

1054) On the Interpretation of Scripture. By Benjamin ■/(>"■<//. 1 
and Reviews, 5th ed. (1861) p. 330- 433. 

55) An introductioD tu the criticism of tlie Old Testament and to Biblical 
Interpretation ; ivitli an analysis of the books of the Old Testament and Apo- 
erypha. Originally written by the Rev. Thomas Hartwell Hörne . now 
revised and edited by the Rev. John Ayre. London 1860, 8. Vgl. Westm.- 
Review 1861 T. 19 p. 89 f. 

56) Facts, Statements, and explanations, connected with the pahlication of 
the lind vol. of the lOth ed of Horne's Introductioii to the study oi" the 
Holy Scriptares .... by Samuel Davidson, London 1857, 8. und dazu : Dr. 
Davidson's Removal from the professorship of Biblical Literature in the Lan- 
cashire Independent College, on acconnt of alleged error in doctrine; a State- 
ment of facts. with documents, together with remarks und criticisms. By Rev. 
Thomas Nicholas. London 180<>, 8. Vgl. Westm.-Review 1861 T. 19 p. 89f. 

57) A compendiuni of Biblical criticism on the canonical books of the Holy 
scriptures. By Frederich Sargcnt. London, Longmau 18<J . 8.: \ üb Westm.- 
Review 1860 T. 18 p. 232 f. 

58) The historical cvidence of the truth of the Scripture records. 

anew, with special reference to the doubts and discoveries of modern times 

By George Rawlinson. London 1859, 8. vgl. Westm.-Review L860 T. 18 
p. 33 f. 

59) The Bible and its Critics, an enquirv into the objective reality of 
revealed truth; being the Boyle lectures for 1861. By Ed. Garbett. London 
1861, 390 S. 8. (12 sh.). 

60) Bible inf'allibility — „Evangelical" defenders of the faith i mit Rück- 
sicht auf Hörne, Davidson und Th. Nicholas) Westminster Review 1861 T. 1!' 
p. 89—114. 

61) Essai sur l'autorite de l'Ancien Testament. Par /'. Estioute. Paris 
1861, XI u. 234 S. 8. 

r,-_' Sual.srliiit: . Einige Bemerkungen über InhaH u. Disposition einer 
Archäologie der Hebräer, Z. d. DmG, Xlll (1859) p. 261 267. 



Gosche, wissenscJiaßl. Jahresbericht för 1859 bis L861. 1 , 5 

disponiert; erfährt mannigfachen Ausbau; sein reichhaltiges Lehr- 
buch hat Keß 6s ) mit einem zweiten Bande weiter geführt. Es winde 
für die Wissenschaft ausserordentlich förderlich sein, wenn yom 
Standpunkt der gegenwärtigen Forschung Wvners zuletzt 1848 er- 
schienenes Biblisches Realwörterbuch entsprechend umgearbeitet werden 
könnte; wie die Wissenschaft materiell sich erweitert habe, siehl 
man leicht aus dm weit unter dem deutschen Werke bleibenden 
biblischen Wörterbüchern von Je Saute//*'' 4 und Smith 65 ), welche 
vor Wvnei- eine prächtige Ausstattung, zum Theil -ein' schöne Illu- 
strationen vorauf haben. 

Den springenden Punkt in allen den archäologisch-geschicht- 
lichen Forschungen über das hebräische Alterthum bildet natürlich 
das Gottesbewusstsein und seine Darstellung in Cultur und 
Leben. Längst schon begnügt man sich nicht mehr dabei , den 
Fortschritt der Offenbarung in den zwei Stufen des Alt- und Neu- 
testamentlichen oder etwa auch den drei des Althebräischen, des 
Nachexilischen und des Neutestamentlichen aufzufassen; man darf 
wagen mehr zu detaillieren. Die Nachrichten des Pentateuch über 
die ältesten Culte gestatten der kritischen Forschung Ewalds 6 *), 
die Pätriarchenzeit als ein besonderes zu fassen-, Nicolas 67 ) scheidet 
den mosaischen Jehovismus ab, F. Schütz 68 ) sucht den 'Geist Mo- 
se's näher zu bestimmen; Orih 69 ) schildert die Centralisation des 
Jehovadienstes. Auch einzelne Punkte der alttestamentlichen Dog= 
matik sind erörtert worden; durch Bartholomaei" 10 ) der bisweilen 



63) Handbuch der biblischen Archäologie von C. F. Keil. 2e Hälfte 
Die bürgerlieh-socialen Verhh. der Israeliten. Prankf. a. M., Heyder u. Zimmer 
1859, VII u. 306 S. 8. (IVa ^ > vgl. Ewald Bibl. Jahrb. X (1860 p. 277f. 
vgl. Bericht für 1857—58 no. 878. 

64) Li. de Saulcy, Dictionnaire des antiquites bibliques, traitant de l'ar- 
eheologie sacree, des monuments hebraiques de toutes les epoques, de toutes 
les localites celebries mentionnees dans les livres saints, de l'identification des 
noras modernes avec les noms antiques. cites dans la Bible, de la description 
des terres bibliques et en particulier du hassin de la mer Morte et du Jourdain. 
Paris 1859, 816 s. 8. 

65) Dictionarj of the Bible, comprising its antiquites, biography, geogra- 
phy and natural history, edited by 11'. Smith. Vol I. London, Morray 1861, 
VIII u. 1176 S. 8. vgl. J. Mohl im Journ. As. 1861, XVIII p. 439t'."; Edin- 
burgh Review ISliO. 112 p. 423t'.; Ewald in seinem Jahrb. f. Bibl. wiss. 

XI (1860) p. 285 f. 

66) Fkcald . Neue Untersuchungen über den Gott der Erzväter, Bibl. 
Jahrb. X (1860) p. 1—26. 

67 j Nicolas, Le jehovisme mosaiqne, Nouvelle revue de thdologie L861 
vol. VII Livr. 4. 

68) rlUJTa nf"l L'Esprit de Moi'se, par Ferd. Schütz, Memoirs de l'Acad 
de Stanislass T. II (Nancy 1860) p. 301-388. 

69 ./. Ort/t, La centralisation du culte de Jehovah, Nouvelle revue de 
theologie vol. IV (1859) livr. 6 (Decembre). 

70) Bartholomaei, Vom Zorn Gottes. Eine biblisch-dogmatische Studie, 
Jahrbb. für deutsche Theologie von Liebner u. A. 1861, VI Heft 2. 



17tJ Gosche, wUsenachaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

grob realistisch hervortretende Zorn Gottes; durch Ehvald 1011 ) das 
räthselhafte Schauen des Unsichtbaren; durch einen angenannten 
Engländer 73 ) die Lelire von den Engeln und verwandten Wesen, 
deren Reden zum Theil Stier 7S ) auslegt Sehr geistreich bespricht 
KU inert 71 ) die im A. T. Doch uicht principiell entwickelte aber 
thatsächlich gesetzte Erbsünde, und Diestel 75 ) mit besonderer Rück- 
sicht auf den prophetischen Sprachgebrauch den Begriff der Ge- 
rechtigkeit. Zur Förderung der Erkenntniss der in religiöser Be- 
ziehung ausserordentlich wichtigen Anthropologie halten wir die 
tiefsinnige biblische Psychologie von Delitzsch'*') in einer neuen 
Ausgabe erhalten, ein Werk, in welchem sich tiefreligiöse Anschau- 
ung, gründliche Kenntniss auch des nachbiblischen Sprachgebrauchs 
und innige Vertrautheit mit der Philosophie des mittelalterlichen 
Orients glücklich verbinden. Eine bedeutsame Specialität der Seelen- 
lehre haben Schultz 77 ) um] Rmk 7s J behandelt. In die spätesten, 
theils durch ihre Auflösung, theils durch ihre Zuspitzung lehrreich 
charakteristischen Epochen der israelitischen Religionsgeschichte führt 
uns Müller 79 ) mit seiner Untersuchung der beiden wichtigsten 
Sekten und besonders vom Standpunkt der Strassburger Schule aus 
Nicolas 1 **) mit seiner Geschichte des Judenthums in der Epoche 
vor Christus ; von demselben möge zugleich eine Studie über den 
Gnosticismus erwähnt sein 80 ) , neben welcher die leider in der 



1071) H. Ewald, lieber das schauen und sehen des Unsichtbaren nach 
der Bibel, Bibl. Jahrb. XI (1861) p. 31—48. 

72) Angels, Cherubim, and gods; or, an enquiry into the signification of 
these and kindred expressions used in Holy scripture. London 1861, 8. 

73) Die Reden der Engel in heiliger Schrift. Ausgelegt u. betrachtet von 
Jtud. Stier. Bannen, Langewiesche 1861, IV u. 320 S. 8. (P/s Sfy)- 

74) P. Kleinert, Das Dogma von der Erbsünde im A. T., Theol. Ktiul. 
u. Kritik. 1860 p. 127—135. 

75) Die Idee der Gerechtigkeit vorzüglich im A. T. Von Prof. Diestel, 
Jahrbb. f. Deutsche Theol. 186U p. 173—253. Vgl. Ewald im Jahrb. f. Bibl. 
wiss. XI (1861) p. 272 f. 

76) System der bibl. Psychologie von Franz Delitzsch. 2e durchaus 
umgcarb. u. erweit. Aufl. Leipzig, Dörffling u. Franke 1861. XVI u. 500 S. 
8. (2 2 / 8 fy ). 

77) Veteris' Testamenti de hominis immortalitate sententia illnstrata Scr. 
/•; ./. H. H. Schultz. Göttingen, Vandenhoech u. Ruprecht 1860, 66 S. 8. 
Vgl. Ewald im Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1861 p. 281 f. 

78) Vom Zustande nach dem Tode. Biblische riitersuchungen mit Be- 
rücksichtigung der einschlägigen alten u. neuen Literatur. Von //. W. Jiinrh . 
Lndwigsbnrg, Riehm 1861, XVI u. 327 S 8. (1 3fa\ 

79) A. Müller. Pharisäer u. Sadducäer oder Judaismus u. Mosaismus. 
Eine historisch -phil. Unters, als Beitrag zur Religionsgesch. Vorderasiens, 
Sitzungsberichte der K. Ak. der Wiss. Philos.-hist.Cl. XX.MI1 Wien 1860, 8.) 
p. 96 165. 

79a) Mich. Nicolas, Des doctrines religieuses des Juifs pendant les deux 
siecles anterieurs a l'ere chretienne. Paris 1860, VIII u. 408 S. 8. \ gl. schon 
Nouvelle revue de theol. 1859, Janv. 

80) Nicole-. Des origines du gnosticisme, Nouvelle revue de theologie 
Vol. II 1861) Livr. 1 -2. 



Goecke, wi8aenachqfä. Jahresbericht fQ/r 1859 bie 1861. 177 

Massenhaftigkeit der Ersch- und Grubt /'sehen allgemeinen Emyelo- 
pädie versteckte schöne Ausführung von Lopstus 80 *) mit grosser 
Auszeichnung hervui gehoben werden mit.-s. Audi der Cultus, seine 
Träger und seine [formen sind oäher untersucht worden. (hfh H1 ) 
bespricht den Stamm Levi; .mit etwas phantastischer Breite Neu- 
mann 81 *) die Stiftshtttte; Bannüter 82 ) Tempel und Heiligthümer ; 
Newton 83 *) das Brandopfer al- Typus auf Christus; mit frucht- 
barem Realismus und scharfsinniger Comhinatiou />'<>/•/.• 83 ) die litur- 
gischen Gewänder. Gegen das öffentliche Glaubens- und Cultus- 
leben treten die übrigen Culturverhältnisse wie in der Ueberlieferung, 
so auch in der wissenschaftlichen Forschung etwas zurück. Die 
politische Verfassung wird nur von Saalschutz 8 *) mit einem Vor- 
trage berührt; Fassel 85 ), dem wir schon vor mehreren Jahren eine 
eingehende Darstellung des talmudischen (iviirechts und der talmu- 
dischen Tugend- und Rechtslehre zu verdanken hatten, behandelt 
jetzt das Rechtsverfahren, Mielziner 86 ) das Sklavenwesen. Der ver- 
diente Director der jüdischen Academie (denn so zu nennen ist 
man vollkommen berechtigt) in Breslau 87 ) hat das mosaisch-talmu- 



80a) Der Gnosticismus, sein Wesen , Ursprang und Entwicklungsgang, 
von R. A. Lipsius. (Separatabdruck aus Ersch und Grubers Encycl. I. Bd. 
71.) Leipzig, Brockhaus 1860, 88 S. 4. Vgl. Lit. Centralbl. 1862 no. 30 
p. 619 f. 

81) La tribu de Levi et la loi. Par J. Ortlt, Revue de theol. 1859, I 
p. 384—400, vgl. Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 259. 

81a) Die Stiftshütte in Bild u. Wort. Von Willi. Neumann. Gotha, F. 
A. Perthes 1861, 8, VI u. 173 S. gr. 8. Mit 79 Abbildd. u. 5 Tff. (6 Sfy. ). 
Vgl. Frankel's Monatsscbrift 1862, XI p. 238 f. 

82) The Temple of the Hebrews, their sanetuaries, furniture, and festivals : 
an t-pitome of lhe laws, literature, religion and sacred antiquities of the Jewish 
nation. By J. F. Barmister. London, Longman 1861, 420 S. 8. (lO 1 ^ sh.). 

82a) Das Brandopfer (Lev. 1) als Typus auf Christus biblisch erörtert von 
Benj. Will. Newton. Halle, Fricke 1861, 78 S. 8. (5 ngr.) Vgl. Zeitschr. 
für Luth. Theol. von Delitzsch u. Guericke 1863, III p. 525 f. 

83) Ausführliche Beschreibung der „Indumenta legalia" des Mosaischen 
Opfercultus als Prototypen für die liturgischen Gewänder der Kirche , in : Ge- 
schichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters . . . von Dr. Fr. Bock 
Bd. I (Bonn, Henry & Cohen 1859 gr. 8. m. 48 zum grössten Theil chromato- 
lithogr. Tff.) p. 323—453. 

84) Saalschutz. Die höchsten Gewalten im biblischen Staate, Monatsschrift 
für Judenthum von Frankel X. (1861) p. 81 —93. 

85) Hirtsch B. Fassel, 122 "072 mtt53> Das mosaisch - rabbinische Gerichts- 
verfahren in civilrechtlichen Sachen, bearbeitet nach Anordnung und Eintei- 
lung der Gerichtsordnungen der Neuzeit, und erläutert mit Angabe der Quellen. 
Mit Unterstützung der K. Ak. der Wiss. Gross - Kanizsa (Wien, Gerold) 1859, 
X u. 295 S. 8. (2V 8 Wh 

86) Ueber die Verhältnisse der Sklaven bei den Hebräern, nach bibl. u. 
talmud. Quellen dargestellt. Ein Beitrag zur hebr.-jüd. Altertbumskuude von 
M. Mielziner. Kopenhagen, Philipsen u. Leipzig, Hinrichs 1859, 68 S. 8. 
Vergl. Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 275. Liter. Centralbl. 1859 nr. 52 
p. 832; Ewald Gott. gel. Anz. 1860 St. 84 p. 835 f. 

87) Z Frankel, Grundlinien des mosaisch talmudischen Eherechts. Bres- 

Jahresboricht 1859—1861. 12 



■j7£ chafü. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

dische Eberecht in seinem ganzen Umfange untersucht, wie er denn 
schon froher in ahnlichen Rechtsfragen als sorgfältiger Forscher Bich 
gezeigt hatte; Geiger 1081 *) hat Beinen eminenten Scharfsinn der 

Betrachtung der Leviratsehe zugewendet. Die Lehre vom gesunden 
and kranken Menschen berührt Wuntlcf/Ku's**) Arzneikunde. An 
dieser Stelle möge noch genannt sein Perles'* 8 *) schöne Abhandln ag 
über jüdische Leichenfeierlichkeiten und der verräthcrische Titel eines 
Bierozoicons von P. Cassel Hbh ), bei dem man aber um Himmels 
willen nicht an Bocharts grossartige Erudition denken möge, indem 
man nur allerlei Phantasien über die Schwanensage und eine Masse 
wunderlich ausgedehnter Gelehrsamkeit dazu empfängt. 

Mit der Bibel an sich als einem Buche und zwar einem nach 
seinem irdischen Theile auch irdischen Schicksalen unterworfenen 
Buche beschäftigt sich zunächst O'Callaghan 89 ), welcher eine voll- 
ständige Uebersicht der amerikanischen Ausgaben gibt. Prime 90 ), 
anknüpfend an das Leben des amerikanischen Missionärs Rightver, 
berichtet von ihren Schicksalen und ihrer Verbreitung im Morgen- 
lande. Zur Erklärung derselben gibt Hoelemann 91 ) bunt durch 
einander gewürfelte, nur durch einen conservativen und zwar auf 
hohe Kosten der wissenschaftlichen Methode conservativen Geist zu- 



lau, Schletter, 1860, 48 S. 4. i', # Vergl. Lit. Centralbl. 1861 nr. 31 
p. 501 f. und des Verf. Selbstanzeige in seiner Monatsschr. für Gesch. u. Wiss. 
des Judenth. 1860 (Febr.) p. 75—78. 

1087a) Die Levirats-Ehe, ihre Entstehung und Entwickelung, Geiger in sei- 
ner Zeitschr. f. Wiss. u. Leben 1861, 1 p. 19— 39. 

88) J. Wunderbar, Biblisch-talmudische Medicin, oder pragmatische Dar- 
stellung der Arzneikunde der alten Israeliten , sowohl in theoretischer als 
praktischer Hinsicht. Von Abraham bis zum Absehl. des babyl. Talmuds, d. i. 
von 2000 \ Chr. bis 500 n. Chr. Neue Folge Bd. 2. Abthl. 2: Staatsarznei- 
kuude u. gerichtliche Medicin der alten Israeliten. 2. Abschn. Riga (Leipzig 
Pritzsche) 1859, 48 S. 8. (15 ngr.) Abth. 3 u. 4: (Gerichtl. Med. u. med. Po- 
lizei der alten Israeliten.) 1860, 41 u. 39, 8 S. 8. (1^2 ngr.) Vergl. Be- 
richl für 1857—58 nr. 115. 

88a) J. Perles , Die Leichenfeierlichkeiten im nachbibl. Judenthume , Mo- 
natsschrift für Judenthum von Frankel X (1861) p. 345— 355, 376— 394 : und 
besonders abgedruckt: Breslau, Schletter 1861, 32 S. 8. (\ ; 4 fy. ) Vergl. Lit. 
Centralbl. 1862 nr. 2 p. 35. 

88b) Hierozoicon. Die Tbierwelt in h. Schrift, Legende u. Sage, Von 
Paulus Cassel. I. Auch m. d. T. Der Schwan in Sage u. Leben. Eine Ab- 
handlung. Berlin, Rauh 1861, XIII. u. 114 S. 8. (n. »/ 2 fy ) 

89) A list of editions of the Holy Scriptures and parts thereof, printed in 
America previous to 1860: with introduetion and bibliographical notes. By 
E. B. O'CaUaghan. Alhany, Munsell 1861, LX u. 415 S. 4. mit 4 Facs. 

90) The Bible in the Levant; or. the Life and Letters of the Rev. C. N. 
Righter. Agent of the American Bible Society in the Levant. By Samuel Ire- 
naeus Prime. New -York . Sheldon 1859, 336 S. 12. Vgl. North American 
Review 1859, 89 p. 272 f. 

91) II. Gust. Hoelemann, Bibelstudien. Abth. 1. 2. Leipzig, Havnel 
1859—60. IX. 182 ,,. iv. 191 S. 8. (a V/ 2 fy) Vergl. Ewald Bibl. Jahrb. 
X (1860) p. 290 f. u. XI (1861) p. 288 f. Zeitschr. für die gesaminte luth. 
Theol. XX11 (1861) p. 301 f. und Heidelb. Jahrbb. 1861 nr. 49 p. 773 f. 



Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 179 

sammengehaltcne Beiträge, in denen theils Fundamentalbegriffe wie 
Anbetung, Mantik, Wahrheit, theils Bpecielle Momente, wie die Aus- 
sprache von Jahveh, einzelnes in Hiob u. s. w. erörtert werden. 
Delitzsch 92 ) setzt aus seiner reichen auch au>serbiblischen Kenntniss 
des Hebräischen seine, diesmal u. A. das Deuteronomium berühren- 
den Talmudstudien fort; Griitz^) hebt das für die Textgeschichte 
und Textkritik wichtige Moment der Buchstabentranspositionen her- 
vor-, eine Reihe geistreich bewegter, aber undisciplinierter Betrach- 
tungen gibt der russische Israelit Mandelstamm 94 ) •, eine wahre Fülle 
zum Theil durchaus quellenmässiger Beiträge bringt Heidenheims ' 94a ) 
höchst verdienstvolle Zeitschrift, deren einzelne Abhandlungen wich- 
tig genug sind, weiterhin an den einzelnen Stellen angeführt zu werden; 
eine ganz besondere Anerkennung verdient aber schon hier die Be- 
rücksichtigung auch der samaritanischen liturgischen Litteratur und 
Geschichte. Die schon oben im Allgemeinen berührte Theorie der 
Schriftauslegung und Schriftauflässung spitzt sich für den Exegeten 
immer schärfer zu. Das grossartige Werk v. Hofmann's*' ), des 
bedeutendsten in energischer Zusammenfassung unter denen, welche 
sich für Lutheraner halten, ist in zweiter Auflage erschienen und 
wird fortfahren, den Sinn für ein lediglich biblisches Christenthum 
und dessen geschichtliche Auflassung zu stärken, was den Einwen- 
dungen Klitfottis 96 ) wie den mystischen Ansätzen Redslob'' s 97 ) 
gegenüber gleich nothwendig ist. Sogleich bei der Einleitungs- 
wissenschaft tritt die principielle Bedeutung einer allgemeinen 
Anschauung in aller Schärfe hervor. Name derselben und Unbe- 
stimmtheit ihres Inhalts lassen keine durchaus nothwendige Gliede- 
rung zu, so lange man sie nicht entweder im weiteren Sinne als eine 



92) Fr. Delitzsch, Talmudische Studien. XI. Das Deuteronomium, Zeitschr. 
f. luther. Theol. von Rudelbach etc. 1860 p. 220—222; XII. Die zwiefache 
Genealogie des Messias , ebend. p. 460 — 465 ; XIII. Rechtfertigung von Hebr. 
7, 27, ebend. p. 593—596. 

93) H. Grütz, Zur hebr. Sprachkunde und Bibelexegese, Monatsschr. für 
Judenthum von Frankel X (1861) p. 20—28. 

94) Alttestamentliche Studien (von L. J. MandelstammX Heft 1 — 5. 
Berlin, Druck von Friedländer (in Comm. von Asher & Co.) 1859 — 61. gr. 8. 
Vgl. Steinschneiders Hebr. Bibliogr II (1859) p. 106; IV (1861) p. 41, 139. 

94a) Deutsche Vierteljahrschrift für englisch -theologische Forschung und 
Kritik. Herausgegeben von M. Heidenheim. No. I — IV. (Bd. 1.) Gotha, 
F. A. Perthes 1861 — 62. gr. 8. (ä l>/ 8 fy) Vgl. Ewald in Gott. gel. Anz. 
1868 St. 16 p. 630 f. 

95) J. Gh. K. v. Hofmann, Der Schriftbeweis. Ein theolog. Versuch. 
2. durchg. veräud. Aufl. 2. Hälfte. 2. Abth. Nördlingen, Beck 1860, VII u. 
731 S. 8. (3 fy U ugr.) 

96) T. KUefoth, Der Schriftbeweis des J. C. K. v. Hofmann [Abdr. aus 
d. kirchl. Zeitschr] Schwerin, Stiller lb60, 560 S. 8. (2 1 lS ty.) 

97) G. M. liedslob, A^okalypsis. Blätter für pneumatisches Christenthum 
u. mystische Schrifterklärung. Bd. 1. Hamburg, Jowien 1859, XXVIH und 
166 S. 8. Vergl. Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 137 f. und Steinschneiders 
Hehr. Bibliogr. IV (1861; p. 93. 

12* 



1SI) Cfosche, wissenschaftl. Jahresbericht fibr 1859 bis L861. 

Ertcyclopädie der biblischem Philologie oder praktischer im engeren 
als eine : * 1 1 - oder neutestamentliche Ldtteraturgeschichte (wie die 
letztere seil lange glücklich von E. Reuse dargestellt worden ist) 
auffasst. Daher sind, trotz aller wohlmeinenden und gründlichen 
Auseinandersetzungen hier immer noch Differenzen zwischen Holte- 
uKiim 1 "' JS ), //nj,fr/(/ '■''■*) und Diestel 1100 ) möglich. Doch hindert das 
nicht, dass unabhängig von der Prinzipienfrage in der Praxis ein- 
zelnes Bedeutende geleistet wird. So ist hier vor allem das aus Vor- 
lesungen redigierte Werk des verstorbenen Bleek x ) zu erwähnen, 
in welchem die ganze Redlichkeit und gewissenhafte Zuverlässigkeit 
dieses braven alttestamentlichen Forschers hervortritt, wenngleich 
die beklagenswerte Art fast aller Universitätsvorlesungen mit ihrer 
breiten Ausführlichkeit zu Anfang und ihrer kürzenden Hast zu 
Ende des Semesters auch die Gleichmässigkeit dieses Werks arg 
gestört hat, das in dieser Form unmöglich für den Druck berechnet 
sein konnte. Gleichwohl wird es verdienten Beifall finden; das 
Masshalten in der Kritik wird auch von seinen Gegnern, die sorg- 
fältige Behandlung des Sprach- und Textgeschichtlichen überall an- 
erkannt werden. Man kann nur wünschen, dass der treffliche Mit- 
herausgeber Kamphausen nach und nach dies tüchtige Buch zu ei- 
nem gleichmässigen System der alttestamentlichen Einleitung umge- 
stalte. Das bekannte Buch von Keil 2 ) hat eine zweite Auflage 
erfahren. Dasselbe wird weit übertroffen durch das vom strengsten 
Standpunkt des Katholicismus aus geschriebene, durch seine guten 
litterarischen Nachweisungen auch Andersgläubigen nützliche Buch 
von Mensch. J j, das eine sehr wesentliche Lücke der Litterätur seiner 
Kirche ausfüllt. Indess grade sein Glaubenssystem in der Auffas- 
sung der Frage vom Kanon freier zu sein erlaubt, dagegen in po- 
sitiven Einzelheiten mehr einschränkt, ist der Kanon eine Lebens- 



1098) EToltzmann, lieber Begriff u. Inhalt der Bibl. Einleitung, Theol. Stud. 
u. Krit, 1800 i>. 410-419. Vgl. Ewald Bibl, Jahrb. X (1860) p. 255. 

99) II- Hupfeld, Noch ein Wort über den Begriff der sogen. Bibl. Ein- 
leitung, Theol. Stud. u. Krit. 1861 p. 3—28. Vgl. Ewald im Bibl. jahrb. XI 
(1861) i). 153. 

1100) Diestel, lieber den gegenwärtigen Stand der Einleitung in das A. T., 
Deutsehe Zeitschr. für ehristl. Wissenschaft von Hollenberg. N. F. 1861, Mai. 

1) Einleitung in die H. Schrift von Friedrich Bleek. Th. I.: Einleitung 
in das A. T., herausgegeben von Jolt. Fr. Bleek und Ad. Kamphcvusen 
mit Vorwort von C. J. Nitzsch. Berlin, G. Reimer 1 Still, XX u. S33 S. 8. 
(3 1 2 ty. ). Vgl. Ewald Bibl. Jahrb. XI (1861) p. 148. Vgl. Westminster-Re- 
view 1861 T. 20 p. 543 u. Keil in Theol. Zeitschr. von Dieckhoff etc. 1861 
Heft 3 p. 159—470. 

2) K. Fr. Keil, Lehrbuch der historisch-kritischen Einleitung in die ka- 
noh. u. apokryph. Schriften des A. T. Zweite venu. u. verb, Aufl. Frank- 
furt a. M. und Erlangen, Heyder 1859, XVI u. 74* > S. 8. Vgl. J. Bachmann 
in Theol. Zeitschr. von Dieckhoff etc. 186Ü Heft IV. j>. Ollf. 

3) Lehrbuch der Einleitung in das A. T. von Fr. 11. Keusch. Freiburg, 
Herder 1859, VU1 u. 213 S. 8. ( 2 / 3 jfc) 



Gosche. wlasenachafU. Jahresbericht für L8J59 bis 1861. ] -] 

frage der evangelischen Einleitungswissenschaft. In dem Geiste der 
universell gebildeten; edelprotestantischen Leydener Schule nimmt 
Kuenen 4 ) die Frage über Ursprung und Sammlung der alttesta- 
ment liehen Bücher auf, abweichend natürlich von einer Erlanger 
Darstellung 5 ); das berühmte Bfuratori'sche Fragment, welches Noke 6 
auch griechisch wiederherzustellen versucht, betrifft in seiner gegen- 
wärtigen Gestall leider nur das neue Testament Die Quellen zur 
Geschichte des A. '1'.. wie sie in alten (Jebersetzungen und sonsti- 
gen Erläuterungsschriften vorliegen, mehren sich oder fliessen lauterer: 
namentlich durch Tischendorfs 7 ) Verdienst. Swiomdes' 7 1 ) un- 
seligen Andenkens, will Papyrusfragmente aus der Genesis, die zehn 
Gebote, ungerechnet die Beißen des Karthagers Hanno und Anderer 
besitzen, die nächstens erscheinen sollen. Die Hauptarbeiten wer- 
den sieli hier immer um die Septuaginta concentrieren, von denen 
Tischendorf*) seine dritte Ausgabe vorlegt und in denen Heine- 
fetter 9 ) den wahren Text des A. T. finden will. Aber noch ist die 
Kritik dieses griechischen Textes längst nicht vollzogen. Der Codex 
Yatieanus liegt nicht einmal in einer zuverlässigen Ausgabe vor. 
Verceüone 10 ) hat bei aller Schonung bedenkliehe Randglossen zu 
Augelo Mai zu machen. Es ist ein besonderes Glück für die Kri- 
tik dieser wichtigsten alttestamentlichen Uebersetzung, dass Ti- 



4) A. Kuenen, Historisch-kritisch onderzoek naar het ontstaan eu de ver- 
zarneling van de boeken des Ouden Verbunds. Deel I: Het ontstaan van de 
lii.-t. boeken des ouden Verbunds. Leiden, Brill 18G1 , VIII u. 379 S. 8. 

5) Zur Entstehungsgeschichte der heil. Schrift, Zeitschr. für Protestautismus 
und Kirche von J. Chr. K. v. Hofmann u. A. 1860 Bd. 39 Heft. 2. 

6) Nolte . Ueber das sogenannte Muratorische Fragment kanonischer and 
nichtkanonischer Bücher, (Kathol.) Theol. Quartalschrift von Kuhn u. A. 1860 
Heft 2. 

7) Anecdota sacra et profana ex Oriente et Occidente allata sive notitia co- 
dicum Graecoruni , Arabicoram, Syriacorum, Copticorum, Hebraicorum, Aethio- 
picorum, Latinorum, cum excerptis nmltis maximam partem Graecis et triginta 
quiuque scripturarum antiquissimarum exemplis, edidit Ach. C. Fr. Tischen- 
dorf. Editio repetita , emendata, aueta. Lipsiae, Fries 1861, XVI u. 244 S. 
gr. 4. nebst 4 Tff. (6 Sfy). Vergl. Lit. Centralbl. 1862 nr. 10 p. 171 f. 

7a) Vergl. Literary Gazette 1860, L8. Aug. nr. 112 p. 118. 

8 Vetus Testamentum graece juxta I.XX interpretes. Textum Yaticamnn 
romanum emendatius edidit, argumenta el locos Ni Ti parallelos notavit, omnem 
lectionis varietatem codicum vetustissimorum Alexandrini, Ephraemi Syri, Pri- 
derico-Augustani subjunxit . prolegomenis eJ epilegomenis instruxit Const. Ti- 
schender/. Editio III, ratione etiam habita thesauri Sinaitici nuper inventi 
et editionis Marianne codicis Vaticani. T. I. IL Lipsiae, Brockhaus 1860, CVJ 
u. 1300 S. 8. (4 ft) 

9) The true Text of the Holy Scriptures. By //. Heinefetter. 2. edi- 
tion. London, Heylin and Bumpus 1861, 8. 

10) Dell' antichissimo Codice Vaticano della Bibbia Greca. Dissertazione 
letta alla Pontificia Accademia di Archeologda il 14 Luglio 1859. Dal P. D 
Carlo Vcrcellonc Barnabita con Appendice del Cay. G. B. de llossi. 
Roma, Tipogr. Apostplica 1860, 21 S. 4. m. 1 Tf. Fase. 



182 Gosche, icissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

schendorf, wie wir aus einer lateinischen 1111 ) und deutschen 12 ) 
Benachrichtigung erfahren, aus dem Sinai -Kloster eine zweite sehr 
alte, nicht über das 4. Jahrhundert zurück, aber auch nicht über das 
7. hinabgehende schöne Pergamenthandschrift der Wissenschaft zugäng- 
lich macht; sein Verdienst wird nicht dadurch geschmälert, wenn 
nach Muratts vi *) Nachweise bereits der ausgezeichnete Archiman 
drit Porphyrius den wichtigen Codex an Ort und Stelle gesehen hat. 
Eine sehr beachtenswerthe Untersuchung über die ältere Chrono- 
logie hat Preuss 13 ) den LXX gewidmet; Churton li ) würdigt sie 
in ihrer Bedeutung für die Verbreitung des Christenthums. In der 
Fortsetzung seiner prächtigen 'Monumenta sacra' bringt uns Tischen- 
dorf lb ) Stücke zur Würdigung des Octateuchs des Origenes; Ce- 
riayii 16 ) theilt aus den schönen Mailänder Sammlungen auch Syri- 



1111) Notitia editionis codicis Bibliorum Sinaitiei auspieiis Irnperatoris Ale- 
xandri II. suseeptae. Accedit Catalogus codicum nuper ex Oriente Petropolin 
peilatorum. Item Origenis scholia in Proverbia Salomonis partim nunc primum 
partim seeundum atque emendatius edita. Cum duabus tabulis lapidi incisis. 
Edidit Aeuoth. Fr. Const. Tischendorf. Lipsiae , Brockhaus 1860. 124 S. 
4. (3 1 8 3$. ) Vgl. Ewald Gott. gel. Anz. 1860 St. 177 p. 1761f., und im Bibl. 
jahrb XI (1861) p. 165 f. Literar. Centralbl. 1861 nr. 16 p. 253 f. 

12) Nachricht von der im Auftrage Sr. Kais. Maj. Alexander II. unternom- 
menen Herausgabe der Sinaitischen Bibelhs. Nebst Auszügen aus dem Catalog 
der vom Herausgeber im Allerhöchsten Auftrage nach St. Petersburg gebrachten 
Hss., sowie aus den anderweitigen Mittheilungen über Hss. des Orients. Von 
Prof. Dr. Constantin Tischendorf. Aus der Schrift Notitia Editionis Co- 
dicis Bibl. Sinait. übertragen und in wenig Expl. als Ms. gedruckt. Leipzig, 
Giesecke u. Devrient 1860, 33 S. gr. 8. — C. Tischendorf, Die Entdeckung 
und Herausgabe der Sinaitischen Bibelhs. , Protestant. Monatsbll. von Geizer 
1861, XV1I Heft 5. 

12a) Remarques sur le ms. grec de la Bible, apporte du inont Sinai'. Par 
E. Muralt, (Russ.) St. Petersburger Zeitung 1860 nr. 25 und daraus beson- 
ders abgedruckt 13 S. 12. — Und derselbe: Die Sinait isehe Bibelhs., in Bezug 
besonders auf das Neue Testament, den vatican. Codex u. Origenes, Theolog. 
Stud. u. Kritiken 1860 p. 730—738. 

13) Ed. Preuss, Die Zeitrechnung der Septuaginta vor dem 1. Jahre Sa- 
lomon's. Berlin, Oehmigke 1859, 2 Bll. u. 83 S. 8. (20 ngr.) Vgl. Literar. 
Centralbl 1861 nr. 14 p. 223 f. und Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 260. 

14) The hifluencc of the Septuagint version of the Old Testament upon the 
progress of Christianity. By W. Ralph Churton. London 1861, 140 S. 8. 

15) Monumenta Sacra. Nova Collectio. Vol. III. Auch m. d. T. : Frag- 
menta Origenianae Octateucbi editionis cum fragmentis evangeliorum graecis 
palimpsestis. Ex codice Leiden« folioque quarti vel quinti, Guelferbytano codice 
quinti , Sangallensi oetavi fere saeculi eruit atque edidit Aenoth. F. Const. 
Tischendorf. Leipzig, Hinrichs 1860, XL u. 3<X) S. 4. m. 1 lith. Tf. (16 &j>.) 
Vergl. Ewald im Bibl. Jahrb. XI (1861) p. 155 f. 

16) Monumenta sacra et profana ex codieibus praesertim Bibliothecae Am- 
brosianac opera collegii Doctorum eiusdem. T. I. Fase. 1. Fragmenta latina 
Evangelii S. Lucae, Parvae Genesis et Assumptionis Mosis. Haruch, Threni et 
Ep. Jeremiae versionis Syriacae, Pauli Telensis cum notis et initio Prolegomenon 
in integrem eiusdem versionis editionem. Edidit Sac. Obl. Ant. Maria Ce- 
riani , Dr. Coli. Biblioth. Ainbrosianae. Mediolani (Berlin, Asher in Comm.) 
1861, XVI, 64, VIII u. 72 S. 4. nebst 2 lith. Tff. Facs. (5V 3 ^) Vergl. 



Gosche, loissenschaßL Jahresbn-irhi für 1859 bis 1861. 1^3 

sches mit. Der alten lateinischen Uebcrsetzung bat lianke 11 ) seine 
Sorgfalt bewahrt und VerceUone l8 ) die Beinige fruchtbringend den 

Varianten der Vulgata zugewendet. Auch isl die palästinensische 
Textgeschichte nicht vernachlässigt worden. Die überaus wichtigen 
Targums haben zwar noch immer nicht ihren kritischen Bearbeiter 
gefunden; Im/'s 19 j Bemerkungen stellen die Wichtigkeit der Sache 

nur noch mehr ins Licht. Ueber Hillel handelt Ewald* ) , über 
welchen er schon in seiner Geschichte des Volkes Israel 7. S. 50 
einige treffende Andeutungen gibt ; über Onkelos macht F ranket 21 ), 
über Synnnachus Geiger 22 ) einige Anmerkungen. Heidenheim 23 j 
macht Mittheilungen zur syrischen Hexapla der Psalmen; Rahmer 24 ), 
wieder ein tüchtiger Schüler des Breslauer Seminars , stellt über 
Ilieronymus in seinem Verhältuiss zur hebräischen Ueberlieferung 
ebenso gründliche als scharfsinnige Untersuchungen an. 

Die hebräische Sprachkunde hat mannichläch förder- 
liche Pflege erfahren. Den Bestand der hierhergehörigen gramma- 
tischen und lexikalischen Litteratur verzeichnet in alphabetischer 
Folge der Verfasser bis zum Jahre 1850 mit einer fast eifersüchtigen 
Genauigkeit Steinschneider 25 ) ; wer diese Genauigkeit seiner Arbeiten 



Lithogr. Centralbl. 1861 nr. 29 p. 461 f. und Ewald in Gott. gel. Anz. 1862 
nr. 1 p. lf. 

17) Fragmenta versionis Sacrarum Seripturarum latinae antehieronymianae 
e codice mserpto eruit atque adnotationibus criticis instruxit Em. Ranche. 
Fase. I. II. Acc. duae Tabulae. Marburgi, Koch 1860, IV, 52 u. 126 S. 4. 

(l.Vi #)• 

18) Variae lectiones Vulgatae Latinae Bibliorum editionis quas Carolus 
VerceUone sodalis Barnabites digessit. T. I compl. Pentateuchum. Romae, 
Spithoever 1860, CXII u. 592 S. gr. 8. mit 1 Tf. Vergl. Ewald Gott. gel. 
Anz. 1860 nr. 113 p. 1121 f. und im Bibl. Jahrb. XI (1861) p. 157. 

19) Beiträge zur Revision des Thargumim. Von Rabbiner Dr. J. LiCvy, 
ZdDniG. XIV p. 269-277. 

20) Ewald, Ueber Hilhil und seine Rabbinenschule, Bibl. Jahrb. X (1860) 

56—83. 

21) Frankel, Zu Onkelos, Monatsschrift für Judenthum, X (1861) p. 77 f. 

22) Ueber Symmachus. Von Geiger, in yhnlt 1860 p. 26 f. und: Syni- 
machus, der Uebersetzer der Bibel, derselbe in seiner Jüd. Zeitschr. für Wiss. 
und Leben 1861, I p. 39 64. 

23) M. Heide iiltrhit. Mittheilungen aus der syrischen Bfexapla-Hs. der 
Psalmen im Brit. Museum, Deutsche Vierteljahrschrift für engl.-theol. Forschung 
II (Gotha, F. A. Perthes 1861, 8.) p. 275-278. 

24; Moritz Rahmer, Die hebr. Traditionen in den Werken des Hierony- 
mus. Durch eine Vergleichung mit den jüdischen Quellen kritisch beleuchtet. 
H. 1: Die Quaestiones in Genesin. Breslau, Schletter, 1861, 73 S. 8. (15 ngr.). 
Vergl. Liter. Centralbl. 1861 nr. 11 p. 169 f.; Steinschneiders Hebr. Bibliogr. 
IV (1861) p. 12; Zeitschr. f. lutli. Theol. 1863, I p. 179—181. 

25) Mor. Steinachneider, Bibliographisches Handbuch über die theoret. 
u. prakt. Literatur für hebr. Sprachkunde. Ein selbständiger Anhang zu Gese- 
nius' Geschichte der hebr. 8pr. u. Le-Long-Mash's Biblioth. Sacra. (Auch in. 
d. T. Manuale bibliographicum etc.). Leipzig, Vogel 1859, XXXVI u. 160 S 
gr. 8. (P/s Sfy)- Vgl. Literar. Centralbl. 1860 no. 15 p. 233 f. und Gilde- 
meister in ZdDmG. XIV p. 297—308. 



184 Gosche, trisxciixcliaftl. Jahresbericht fin- 1*59 bis 1861. 

und die Vertrautheit desselben mit den wichtigsten Bücher- und 
Handschriften-Sammlungen kennt , wird hier ein bibliographisches 
Fundamentalwerk mit Recht erwarten und finden. Genauigkeit in 
solchen gewöhnlich mit Unrecht unterschätzten Arbeiten ist aber nur 
die Tugend sehr weniger, und je mehr der Verfasser in dem Be- 
wusstsein seiner Virtuosität an andern zu rügen fand, um so ent- 
schiedener musste er sich selbst zu wahren suchen "'-"'). In die Ge- 
schichte der hebräischen Nationalgrammatik greift Zedner 27 ) zurück, 
indem er an Ihn Yahyä aus dem IT). Jahrh. erinnert. Als eine 
reife Frucht langjähriger sorgfältigster und umfassender Forschungen 
brachte das letzte Jahr Olshausens a8 ) hebräische Formen- und 
Wortbildungslehre, in welcher mit aller Consequenz einer sicher 
erkannten und sicher gehandhabten sprachvergleichenden Methode 
insonderheit aus dem Arabischen eine analoge Gestalt des älteren 
Hebräisch wieder hergestellt und deren Fmbildung im Fortgange 
der geschichtlichen Entwicklung aachgewiesen wird. Von der anvi- 
sierenden Gewaltsamkeit der älteren holländischen Schule ist hier 
natürlich keine Rede, wenngleich ein treuer Anhänger des Ewald- 
schen System für manche Spracherscheinung im Hebräischen einen 
höheren Grad von Selbständigkeit oder Alterthümlichkeit fordern 
sollte; dem Arabischen ist innerhalb des Semitismus seine Sanskrit- 
Stellung ein für allemal erwiesen. Wenn dies Werk den höchsten 
Zwecken der Wissenschaft nachgeht, so wollen Reinke 29 ) und llollen- 
berg***) elementaren Schulbedürfnissen entgegenkommen, der letz- 
tere besonders glücklich mit seinem früher nur als Ms. unter die 
Schüler vertheilten, jetzt aber als zweite Ausgabe in das grössere 
Publicum gelangten Schulbuche. In England lieferte Green 30 ) ein 
Lehrbuch; aus Italien ist die Weiterführung der bereits 1853 be- 
gonnenen, schon 1836 durch die werthvollen 'Prolegomeni ad una 
grammatica ragionata della lingua ebraica angekündigten Grammatik 



1126) M. Steinschneider, Zur Bibliographie dnr hebräischen Sprachkunde, 
Z. d. DmG. XV (1861) p. 161—172, und Hebr. Bibliogr. IV (1860) p. 53 f.. 
96 f. 

27) Jachjä's Hebräische Grammatik. Von Joseplt Zedner, Steinschnei- 
ders Hebr. Bibliogr. II (1859) p. 110 f. 

28) Lehrbuch der hebräischen Sprache von Jtistus Olshausen. Buch I. 
Laut- u. Schrifflehre. Buch II. Formenlehre. Braunschweig, Vieweg 1861, 
XVII u. 676 S. 8. (2% fflp.). Vgl. Ewald in Gott. gel. Anz. 1861 no. 46; 
Delitzsch in Zeitschr. für luth. Theol 1863, I p. 206-212; Lit. Centralbl. 
1863 no. 25 p. 592—596; Meygcr in Neuen Jahrbb. für Piniol. XCII (1865) 
p. 118 f.; Nöldeke in Orient und Occident I, 4 (1862) p. 755—764. 

29) Lasur. Reinke, Rudimenta linguae hebraicae. Accedunt loci selecti 
cum indice vocabulorum. In usum scholarum. Münster, Thoissing 1861, 63 S. 
4. (16 J§r). Vgl. Lit. Centralbl. 1861 no. 37 p. 601. 

29a) Hebräisches Schulbuch von W. Hollcnbcn/. 2e Aufl. Berlin, Stein- 
tlial 1861, IV u. 96 S. 8. (Die erste Ausg. war als Ms. für die Schüler des 
Vfs. gedruckt worden). 

30) A grammar of the Hebrew language. By Wm. H. Green, New- 
York and London, Trübner 1861, 332 S. 8. (14 sh.) 



Gosrhr, tois86nschqftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. [85 

S. D. Lu-zzatto's 31 ) leider nur bis zu einer vierten Lieferung zu 
melden. Von Einzelheiten hat Leyrer 8 * in einem geschickt ori- 
entierenden encyclopädischen Artikel die Schritt behandelt; David- 
son 33 ) die Accente-, Ewald 34 ') einzelnes Syntaktische und Lexi- 
kalische; Nöldeke 86 ) mit lehrreicher Vergleichung des Arabischen 
das Zahlwort 'zehn'; eine Engländerin hat eine alphabetische Zu- 
sammenstellung und Erklärung der alttestamentlichen Eigennamen 
gegeben 36 ), ohne das alte Greleis der Deutung zu verlassen, indess 
Nöldeke 31 ) durch einfache und sinnreiche Vergleichung der ara- 
bischen Bildung den rechten Weg zeigt. — Für die Geschichte der 
Lexikographie als nationaler Wissenschaft haben wir mich weitere 
Forschungen von Neubauer 3S ) zu erwarten, der gründlich zu forschen 
und sauber darzustellen versteht. Von Isajah Berliris' 6<i ) oder 
ViL's Zusätzen zu Nathan Ben Jechiels Wörterbuch 'Aructi er- 
halten wir endlich durch den mit anderen jüdischen Gelehrten ver- 
bundenen Rosenkranz den zweiten Theil. nachdem der erste bereits 



31) Grammatica della lingua ebraica ... di S. D. Luzzatto. Disp. 1 — 4. 
Padova 1853—) 1857, 324 S. gr. 8. Vgl. Ewald Jahrb. F. BibL Wiss. X 

(1860) p. 149 f. Die berühmten 'Prolegomeni ad una grammatica rsgioi 
della lingua ebraica' waren bereits 1836 (ebenfalls; in Padua) erschienen. 

32 Leyrer, Schriftzeichen und Schreibekunst bei den Hebräern, Herzog's 
Real-Encyclopaedie XIH (1861) p. 1—20. 

33) Outlines of Hebrew accentuation prose and poetical. By A. B. David- 
son. Edinburg 1861, 184 S. 8- (77* sh -) 

34) E. Ewald, Neue beitrage zur Hebräischen Sprachforschung (1 über 

den bau der Wortverhältnisse, 2 über die bedeutung des liednameus IJY'SÜj 
3 über das Wort "p-72, 4 zur erläuterung der Hebräischen Wortverbindung 
PC" TpT für: den bogen spannen), Bibl. Jahrb. XI (1861) p. 1 — 16. No. 4 
vom Generalsup. Er. Köster in Stade. 

35) Th. Nöldeke, Das Zahlwort für Zehn im Arabischen und Hebräischen, 
Orient und Occident von Th. Benfey 1861 p. 567 f. 

36) (Miss Wagner), The proper names of the Old Testament arranged 
alphabetically from the original text witli historical and geogr. illustrations 
for the use of Hebrew students etc. With au appendix of the Hebrew and 
Aramaic names in the New Testament. London, Williams and Norgate (Leip- 
zig, Hartmami) 1859, XII u. 227 S. gr. 8. (2\' 2 fy). Vgl. Literar. Centralbl. 
1860 no. 15 p. 235 f. 

37) Bemerkungen über Hebräische und Arabische Eigennamen. Von Th. 

Nöldeke, z. d. DmG. XV (1861) p. 806—810. 

38) Notice sur la lexicographie hebrai'que, avec des remarques sur quelques 
grammairiens posterieurs k Ibn-Djanä'h, par Ad. Neubauer, Jouru. As. 1861, 
XY11I p. 441—476. 

39) T'Diri'C: nsbDln tiVDl Nip; ^T^^n "VttfCl u. s. w. Auch m. d. T. 
Additamenta zu Natan ben Jechiel'a Lexicon ,,Aruclr\ Von B. Jesaja Berlin. 
Nach d. Autograf des Verfas., nebst Zusätzen von Prof. S. D. Luzzato und 
S. Hurwis, und einem Vorworte von Dr. Ad. Jtlliuek. Herausgegeben von 
L. Rosenkranz. Buchstaben 5 — n. Wien. A. della Torre 1859, 2, 3*9 u. T 
Bll. 8. Der erste die Buchstaben N — - enthaltende Theil war bereits 1830 zu 
Breslau von Raph. S. Ginsberg herausgegeben worden. Vgl. über Th. II 
Geiger in Z. d. DmG. XIV. 319 f. 



L86 Gosche, wissenschafil. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

1830 vorangegangen war. Die bequeme BuxtorfaäM Ooncordanz, 
deren Grundstoff, das MeTr Nethlb des Isaak Nathan in der letzten 
Bearbeitung bei Fürst durch allerlei überflüssiges linguistisches Bei- 
werk ganz verdunkelt war, ist von Baer 11 * ) mit Recht zu einer 
neuen bequemen, correcten und dabei sehr billigen Ausgabe ge- 
bracht. In praktischer, durch die äussere Ausstattung sehr an- 
sprechender Weise hat Fürst* 1 ) ein neues hebräisches Wörterbuch 
mit meist selbständig gewählten Belegstellen, aber einer leider durch 
eine bei einem solchen Specialwerh am wenigsten zu billigende Ver- 
bindung semitischen und indogermanischen Etymologisierens oft ver- 
schobenen Entwicklung der Bedeutungen geliefert. Es ist zu wün- 
schen, dass das wahrscheinlich bald zu einer zweiten Auflage ge- 
langende Werk sich nach dieser Seite hin durchaus im Kreise des 
Semitismus halte, denn die Geschichte der Bedeutungen empfängt 
ihre Gesetze durchaus von der Völkerpsychologie. Vorzugsweise 
auf deutschen Quellen beruht das hebräisch-holländische Wörterbuch 
von Watennan 4 - 2 ), der sich schon früher durch mehrere geschickte 
Elementarbücher um den praktischen Unterricht im Hebräischen ver- 
dient gemacht hatte; wenig KenntnisB der deutschen Arbeiten zeigt das 
französisch-hebräische Wörterbuch von Stander- Trend 4S ). Von lexi- 
kalischen Einzelheiten ist ausser den eben angeführten Erörterungen 
Ewalds noch zu erwähnen Ilolmboe mit seiner Besprechung des 
dunklen 'qgsitati 4Sa ) und des Namens der Seraphim 43b ). Einen 
willkürlich neuen Weg in der Auffassung der hebräischen Phraseo- 



1140} lölpft iTOb *W*m "lSlM u. s. w. Auch m. d. T. Jo. Buxtorfii 

Concordantiae Bibliorum hebraeorum et chald. In nova editioue in Ms rebus 
emendata: 1, Ordo voeum mutatus, 2, Sensus atque versio emendata, 3, Voces 
seeundum masor. lect. distinetae. Adjecta sunt: 1, Omnes particulae neglectae, 
2, vocum versio Germanica. 3, Tabula vocabulorum hebr. et germ. Editore 
Beruh. Baer. Fase. I— III N — \ Stettin.'Saunier 1861, XXVn u. 1120 S. 4. 
(8 fy.). Vgl. Steinschneiders Hebr. Bibliogr. IV (1861) p. 138 und Lit. 
Centralbl. 1862 no. 30 p. 617 f. 

41) Hebräisches und Chaldäisches Handwörterbuch über das alte Testa- 
ment. Mit einem Anhange eine kurze Geschichte der hebr. Lexicographie ent- 
haltend. Von Dr. Julius Fürst. Th. 1. 2. Leipzig, B. Tauchnitz 1857—61, 
VI, 806 u. 564 S. lex. 8. (4V 2 ty- )• Vgl. Nöldeke in Gott. gel. Anz. 1862 
no. 14 p. 541 f. 

42) J. Waterman, Beredeneerd Hebreeuwsch- en Chaldeeuwsch-Neder- 
deutsch woordenboek , bewerkt naar de grammaticale en lexicale werken van 
Fürst, Gesenius, Vater, Landau en anderen. Afl. 1—6 (N~) Rotterdam, Nijgh> 
1859-61, VIII u. 1-384 (ä 1 fl). 

43) Dictionaire hebreu- francais , par N. Pli. Sander et J. Trend. 
Public par la Societe Israelite des livres religicux et moraux. Paris 1861. 8. 
vgl. Journ. As. 1861, XVIII p. 436 f. 

43a) C. A. Hulmboc, Forsvar for den Maade, hvorpaa de gamle Oversaet- 
telser gjengive Ordet rTttllöj?. (Aftr. af Forhandl. i Videnskabsselskabet. Christia- 
nia 1859), 8. 

43b) C. A. Hohnboe, Om Betydningen of Ordet „Saraph'- i det gamle 
Testament. (Aftr. af Videnskabsselskabets Forhaudl. Christiania 1859), 8. 



Gosclu . wisaevucha/tl. J<thn»b< ■rieht für 1859 hin 1861. 187 

logie schlägt Saumares* 4 ) mit einer unsicheren Anwendung der 
ägyptischen Symbolik ein. Wichtiger wäre, das Hebräische in seinen 
geschichtlich gegebenen Wechselbeziehungen zum Aramäischen und 
damit die Genesis des Talmudischen und Neuhebräischen ^härter 
zu erkennen; dankbarer würden wir daher des Engländers Long- 
field ih ) chaldäisches Hilfsbuch entgegen nehmen, wenn wir nicht 
ein entschiedenes Weitergehen über Winers Grundlegung erwarten 
müssten. Von der grossen Wichtigkeit solcher Forschungen auch 
für das N. T. wird jeder hellenistische Philolog überzeugt sein, auch 
wenn nicht ausdrücklich Roberts**) mit seiner Beweisführung, dass 
das Evangelium des Matthäus ursprünglich in einer jüdischen Vul- 
gärsprache geschrieben sei, ferner Gandeü's 57 ) neue Ausgabe der 
Lightfoot'schen 'Horae hebraicae et talmudicae' und Tb. Robin- 
sons 48 ) Erläuterungen der Evangelien aus der Mischna und jüdischen 
Traditionen ausdrücklich daran erinnerten. Es ist charakteristisch 
für den gegenwärtigen Stand der biblischen Wissenschaft in Eng- 
land, dass man mit solchen Arbeiten an den alten gelehrten Vice- 
kanzler von Cambridge anknüpft ; aber es handelt sich hier nicht, 
wie noch vielfach angenommen wird, um die mechanische Wirkung 
einer Sprache auf die andere, sondern um einen inneren psycho- 
logischen Process, wie ihn auch Q. v. Zeschioitz 4 - 9 ) feinsinnig an- 
deutet und an einigen Momenten ausführt. Durch das Bedürfniss einer 
auch psychologischen Auseinandersetzung der religiösen und wissen- 
schaftlichen Gegenwart mit einem geschichtlich Gegebenen ist auch 
das grossartige Bibelwerk Bunse?is 50 ), dessen hervorragende Be- 



44) An introductory key to the bieroglyphic phraseology of tbe Old Tes- 
tament; with numerous emendations, illustrated by an Interpretation of the 
first ebapter of Genesis through the medium of Egyptian Symbols etc. By 
Admiral Saumarez. Batb, »Lewis 1860, 8. Vgl. We'stm.-Review 1860 T. 18 
p. 240. 

4fr G. Longfield, An introduetion to tbe Study of the Chaldee language ; 
comprising a grammar (based upon Winer's) and an analysis of the text of 
tbe Chaldee portion of the Book of Daniel. London 1859, 198 S. 8. 

46) Inquiry into the original language of St. Matthews Gospel, with rela- 
tive discussions on the language of Palestine in the time of Christ, and on the 
Origin of the Gospels. I?v the Rev. Alexander Roberts. London, Bagster 
1859, 160 S. 8. Vgl. Westm. -Review 1859 T. 16 p. 254 f. 

47) J. Lightfoot, Horae hebraicae et talmudicae : Hebrew and Talmudical 
exercitations upon the Gospels, the Acts, sonie chapters of St. Paul's Epistlo 
to the Romans and the nrst Epistle to the Corinthians. A new ed. by Hob. 
Gandell. Vol. 1—4. London 1859, 8. 

48) Th. Robinson, The Evangelists and the Mishua; or, Illustrations of 
the Four Gospels drawn from Jewish Traditions. London 1859, 336 S. 8. 

49) Gerb. v. Zezsch/ritz, Profangräcität und biblischer Sprachgeist. Eine 
Vorlesung über die bibl. Umbildung hellenischer Begriffe, bes. der psychologi- 
schen. Mit Anmerkk. Leipzig, Hinrichs 1859. 76 S. 8. (*/a $&)■ Vgl. Lit. 
Centralbl. 1859 no. 15 p. 228. 

5(1") Chrn. C. Jos. Bimsen, Vollständiges Bibelwerk für die Gemeinde. 
10er Halbband p. 311—642. (2. Abth. Bibelurkunden. Geschichte der Bücher 



188 Gosche uässenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis L861. 

deutung Bährvng xxht ) den Deutschen and WiUtams 6 *) den Eng- 
ländern nahe /n rücken suchen, zunächst veranlasst gewesen: denn 
keine glaubende oder wissende Gemeinde venu;;« ihren Gegenstand 
durchaas zu erfassen und alles Glauben und Wissen bleibt immer 
nur eine Asymptote der Wahrheit. Darum war es gross -'dacht 
von Bimsen, die ganze Fülle der Wissenschaft an das Verständniss 
der h. Schrift setzen und damit einer Gemeinde dienen zu «rollen, 
und zwar mit einer ernsten und universellen Wissenschaft, wie sie 
sich in seinen 'Bibelurkunden documentiert : Alles soll sicher im 
Weltplane und in der Weltgeschichte erscheinen. 

Die specielle alttestamentliche Exegese wendet aus natür- 
lichen Gründen anter Israeliten und Christen dem Pentateuch 
eine besondere Aufmerksamkeit zu. Der Engländer Thompson 53 j 
sucht dessen Offenbarung auf dem gegebenen geographischen Boden 
zu begreifen. Seine einzelnen Bücher hat Yw //''>) in einem bibli- 
schen' d. h. alles auf die neutestamentliche Offenbarung beziehenden 
Commentar zu erläutern begonnen, von welchem der eiste Genesis 
und Exodus umfassende Band vorliegt. Je weniger das heftig er- 
regte apologetische Interesse eine kaltblütige Würdigung der Kritik 
zulässt, um so dankbarer muss man für vieles sachliche Material 
sein, welches zur Erläuterung geschichtlicher Verhältnisse beige- 
bracht wird. Ueber die kritischen Fragen orientiert im allgemeinen 
die encyclopädische Uebersicht Vaihingens 55 ), der auch manches 
beachtenswerthe Eigene zu der von Ewald entnommenen Fundamen- 
talanschauung hinzuthut. Eine italiänische Uebersetzung des Pen- 
tateuch samt den Haftaroth gibt Luzzulto 56 ), eine neue französische 



u Herstellung der urkundl. Bibeltextc. lr Theil. Das Gesetz u. die altern 
Propheten). Leipzig, Brockhaus 1860 gr. 8. (1 ^. ). 

1151) Bunsen's Bibelwerk nach seiner Bedeutung für die Gegenwart be- 
leuchtet von Beruh. Buch rinn. Leipzig, Brockhaus 1861, VII u. 104 S. 8. 
(12 Jfy). 

52) Bunsen's Biblical Researches. By Rowland Wffliam8, Essays and 
Reviews, 5th ed. (1861) p. 50—93. 

53) The Land and the Book ; or, Biblical Illustrations drawn from the 
Manners and Customs, the Scenes and Scenery of the Holy Land By W. M. 
Thompson. (Mit Karten u. Kupfern). Vol. 1. 2. New- York, Barper 1859, 
560 u. 614 S. 12. (3V 2 *>•) Vgl. North American Review 1*59, 88 p. 574 
und Petermann's Geegr. Mitth. 1859 p. 166. 

54) Biblischer Commentar über das A. T. Herausgegeben von C Fr. 
Keil und Frm<: Delitzsch. Th. I: Die Bücher Mose's. Bd. I: Genesis u. 
Exodus. Auch m. d. T. Biblischer Commentar über die Bücher Mose's von 
C. Fr. Keil. Bd. I. Leipzig, Dörffling u. Franke 1861, XXVI u. 566 S. 
gr. 8. (2 fy 24 Jfy). Vgl. Ewald in Gott. gel. Anz. 1862 no. 1 p. 17 f. 

55) J. G. Vaihingcr, Pentateuch, Herzog's Real-Encyclopaedie XI (1859) 
p. 292-370. 

56) niTOCnn Ü5> tl'mn ^"in nu:*:n. Il Pentateuco colle Haftarot 
volgarizzatto ad uso degli Israelila da Sam. Dar. Luzzatto. (Th. 1 Genesi). 
T. II— V. Trieste 1858—61. 



GoscJie, wissenschafü Jahresbericht für 1859 bis 18»; 1. is'.i 

begann Wogue 61 ). In England sucht Macdonald 581 ) in einer Ein- 
leitungsschrift zu orientieren; ein Anonymus 69 ) gibt mit einem Ab- 
schnitt über die Schöpfung and die Patriarchen eine Probe einer 
neuen, aber bei Seit«' zu Lassenden Auslegungsweise. Von dem 
fruchtbaren und geschätzten EUa Wüaia* Q ) ist der Pentateuch- 
Cominentar in neuer Ausgabe erschienen; ebenso einzelne Wort- 
erklärungen von Mose Ben Jacob Ahron 60a ) und allerlei Mis- 
cellen von Ahron Levi 60h ). Von aligemeineren den Pentateuch 
berührenden Sachen ist noch Simpel 61 ) über die messianischen 
Weissagungen und Hitzig* 2 ) mit seinen Bachmanns und Schleidens 
pentateuchische Studien über Cultus und Exodus betreffendes An? 
merkungen zu erwähnen. Von der Genesis ist, abgesehen von 
Keil's eben angeführtem Commentare, aus England eine s. g. kritische 
Ausgabe des Textes hervorzuheben 63 ), zu welcher vier Handschriften 
des Trinity College zu Dublin und der Bodleiana verglichen worden 
sind, ohne dass wir jedoch mehr Zuversicht zu wesentlichen Resul- 
taten der Handschriftenvergleichung zu gewinnen vermöchten. Die 
Kritik hat hier mit ganz andern Mitteln zu operieren als mit späten 
und gewiss last ausnahmlos uniformierten Hss. ; unter denen viel- 



57) Le Pentateuque, ou les cinq Livres de Moise. Traduction nouvelle 

avec le texte liebreu ponetue d'apres les rneilleures editions aecompagne de 

notes explicatives, scientifiques, grammaticales et litterales; de la division liturgi- 
qne en sedarim et paraschot etc. etc. par L. Wogtee. T. I Paris 1S60, LX 
u. 558 S. 8. 

58) Introduction to the Pentateuch. Au inquiry , critical and doctrinal 
into the genuiness , authority and design of the Mosaic writing. By Donald 
Macdonald. Vol. 1. 2. Edinburg 1861. 960 S. gr. 8. (21 sh.) vgl. Wesfin.- 
Kevirw 1861 T. 19 p. 529. 

59) A history of the creation and the patriarchs : or, Pentateuchism ana- 
lytically treated. Vol. I. The book of Genesis. London, Manwaring 1860. 8. 
Vgl. Westin.-Review 1860 T. 18 p. 232 f. 

60) "fiTOS DTlN u. s. w. (Adderet Elijahu, Commentar über den Penta- 
teuch von Elia Wilma.) Halberstadt. Fischl (1859—60) 128 Bll. 8. 

60a) tT£J72 *pN u. s. w. (Eben Mosehe , Erläuterungen zum Pentateuch 
u. einigen bibl. Büchern u. halachische Erörterungen von J\fose Ben Jaqoh 
Ahron, herausgeg. von seinem Sohne Elieser). Warschau, Bombcrg 1859, 
110 u. 10 Bll. 4. 

60b) "'"hfi .m!3" u. s. w. (Abodat ha-Levi, Chassidisehes über den Pen- 
tateuch , u. Th. II. Liqqutim, Miscellen von Ahron Lt vi), Lemberg, Flecker 
1861, 94. 76, 56 u. 106 Bll. 4. 

61) Simpel, Die messianischen Weissagungen im Pentateuch, Theol. 
Quartalschrift 1859 p. 195—256; 1860 p. 41-116. Vgl. Ewald Bibl. Jahrb. 
x L860) p. 286. 

62 Die beiden neuesten Schriften in Beziehung auf die mosaische Ge- 
schichte von Bachmann und Schieiden, beurtheilt von F. Hitzig, Hilgenfeld's 
Zeitschrift 1859, II p. 120—132. — Dazu Schieiden ebend. p. 272-275. 

63) The book of Genesis in Hebrew, with a critically revised text, vaiious 
readings and grammatical and critical notes, by Charles H. H. Wright. 
London, Williams nnd Norgate 1859. XXXII, 153 u. 114 S. 8. (2% tft) 
vgl. Literar. Ceutralbl. 1860 no. 16 p. 251 f. 



190 SrOBche, wissensehafll. Jahresbericht fü/r 1859 bis 1861. 

leicht karäische eine beachtenswerthe Ausnahme bilden werden. 
Hier kommt es auf sorgfältige kritische Untersuchungen der alten 
Uebersetzungen und sichere Erkennt niss ihrer Filiation, dann auf 
innere Kritik an Vom Standpunkt der letzteren, welche fast durch- 
aus im Ilupfeld'sehen Sinne gefasst war. hat Bochnwr 11,;| eine höchst 
beachtenswerthe Textausgabe der Genesis versucht, aber nicht ohne 
gelegentliche, allerdings sinnige Sonderbarkeiten. Gegenüber den 
Resultaten der modernen zersetzenden Kritik suchte der Engländer 
Hbare 6iH ) die Authentie vom Standpunkte der Inspirationslehre 
zu wahren-, aber wie ausserordentlich schwierig das sei, lehrt die 
dritte Ausgabe des Genesis • Commentars von Delitzsch G5 ), einem 
Theologen, dem Niemand Ernst und Ehrlichkeit des Glaubens und 
Ernst und Ehrlichkeit der Forschung absprechen darf, und der 
gleichwol mit der Redaction in das nachmosaische Zeitalter hinab- 
steigt. An seinen Commentar knüpft Schott 6,j ) einige Beiträge. 
Auch von KnoheVs ü7 ) Genesiscommentar, der in der freiesten Weise 
den Forderungen der Kritik Rechnung trägt, ist eine neue Ausgabe 
erschienen. Von den Specialschriften über einzelne Abschnitte 
der Genesis betreffen viele naturgeschichtliche und urgeschichtliche 
Probleme. Als ob das Offenbarungsbuch Laplace, Leopold v. Buch, 
Charles Lyell u. A. hätte antieipieren wollen, schreibt Keil 6 *) über 
biblische Schöpfung und Geologie, bei welchen Ausgleichungsver- 
suchen entweder der ehrliche Bibeltext oder die nüchterne Wissen- 
schaft maltraitiert zu werden pflegt oder gewöhnlich beide; gleich- 
wohl hat ein solches falsch apologetisches Interesse in Deutschland 
Keerl G '->) und Wolf" 10 ) und in England, dem freier umblickenden 

1164) Liber Genesis pentateuchicus ex recognitione Ed. Boehmer. Halle, 
Buehh. des Waisenh. 1860, IV u. 107 S. 8. (V 2 ty- ) Vgl. Ewald im' Jahrb. 
für Bibl. Wiss. XI (1860) p. 199. 

64a) W. H. Hoare, The veracity of the book of Genesis : with life and 
character of the inspired historian. London 18ü0, 320 S. 8. 

65) F. Delitzsch, Commentar über die Genesis. 3e durchaus umgearb. 
Ausg. Leipzig, Dörffling und Franke 1860, VIII u. 648 S. 8. (3\ 3 Sty. ) Vgl. 
J. Bachmann in Theol. Zeitschr. von Dieckhoff etc. 1860 Heft 4 p. 618 f. 

66) Theöd. Schott, Exegetische Beiträge zur Genesis, Zeitschr. f. Luth. 
Theol. u. Kirche 1859 p. 209— 251. Vgl. Ewald in Bibl. jahrb. X (1860) 

P . 182 f. 

67) Die Genesis. Erklärt von Aug. Knobel. 2e verb. Auti. (Kurzgefasstes 
exeget. Handbuch zum A. T. Lief. 11.) Leipzig, Hirzel 1860, XXVI u. 382 S. 
gr. 8 (1 Sfy. 21 J^n) vgl. Literar. Centralbl. 1860 no. 16 p. 241 f. und J. 
Baclimann in Tlieol. Zeitschr. von Dieckhoff etc. 1860 Heft 4 p. 618 f. 

68) Die biblische Schöpfungsgeschichte und die geologischen Erdbildungs- 
theorien, von C, Keil, Theol. Zeitschrift von Dieckhoff etc. 1860 Heft 4 
p. 479—524. Vgl. Ewald im Jahrb. f. Bibl. Wiss. XI (1861J p. 274. 

69) Die Schöpfungsgeschichte und die Lehre vom Paradies, Ein urgeschicht- 
licher Versuch von Phil. Fr. Keerl. Basel 1861, 804 S. 8. Vgl. Keil in 
Theol. Zeitschr. von Dieckhoff etc. ISlil Heft 1 p. 170—181; Zeitschr. f. luth. 
Theol. von Rudelbacfa u. Gueiicke 1863, 1 p. 172-176; Ewald im Jahrb. f. 
Bibl. wiss. XI 1861) p. 273 f. 

70) Die Urgeschichte oder 1 Mos. 1 — 6, 8, ein apologet. Versuch von 



Gosche, usiaeenachaftL Jahresbericht für 1859 bis 1861. 1 '. i] 

Goodwin 11 ) gegenüber, 22auwo» 78 ), J'ratl ri ) und C/iallis 1 *) be- 
stimmt, denen ]Yilli<iius :: ' mit seiner Exegese Becundiert. Von den 
Cherubim handelt Engelhardt 1 ^ über das nerte Capitel Kamp- 

htmsen 11 ) und Umbrevt 78 ), letzterer ziemlich gewaltsam gegen den 
hockst schwierigen, durch die Ueberliefernng sicher zertrümmerten 
Vers. In höchst geistvoller, aber verderblich ungezügelter Weise 
bespricht Braun ''■') die drei für die Anthropologie wichtigsten Sagen 
der Genesis, von denen die über die Sitttfmt bedächtiger durch Deiche 8 ^) 
und de Jouvencel 80 *), die von der Sprachverwirrung mit grosser 
conservativer Gelehrsamkeit durch Kaulen 81 ) bebandelt werden: 
sehr scharfsinnig fasst Kiepert 82 ) die Völkertafel als eine altphöni- 
zischc Urkunde. Noch müssen Geigers Bemerkungen über die 



M. Wolf. Homberg, Frauenholz 1860, 60 S. 8. Vgl. Ewald Bibl. jahrb. X 
(1860) p. 250. 

71) On the Mosaic 0>Miiog<my. By C. W. Goodwin, Essays and Re- 
views, 5th ed. (1861) p. 207—253. 

72 Arehaia ; or, Studios of the cosinogonv and natural history of the 
Bebrew Scriptares. By ./. W. Dawson. Montreal, Dawson ; London. Samp- 
son Low 1860, 8. vgl. Westminst.-Review lt60 T. 17 p. 573 f. 

7;! The genealogy of the ereation , newly translated from the unpointed 
Hebrew text of the book of Genesis; showing the general scientific aecuraey 
of the Cosmogony of Moses and the Philosophy of Creation. By Henry £\ 
A. Pratt. London, Chuschill 1861, 8. vgl. Westm.-Review 1861 T. 2U p. 553. 

74) Creation in plan and in progress ; being an essay on the first chapter 
of Genesis. By the Rev. James Challis. Cambridge and London, Macmillan 
1861, 8. vgl. Westm.-Review 1861 T. 20 p. 547. 

75) The beginning of the Book of Genesis ; with notes and refleetions. 
By Is. Williams. London 1861, 455 S. 12. 

76) Ed. Engelhardt, Ein Beitrag zur Frage über die Cherubim, Zeit- 
schrift für die gesammte luth. Theol. XXII (1861) p. 209—226. 

77) Adolph H. H. Kamphausen, Bemerkungen über einige Stellen des 
4ten Cap. der Genesis. Theol. Stud. u. Krit. 1860, 34 p. 113—122. 

78) Umbreit, Ueber 1 Mos. 4, 1. Theol. Studien u. Kritiken 1860 Heft 1. 

79) J. Braun, Ueber die ältesten biblischen Sagen: 1. Die Fluthsage; 
2. der babylonische Thurm ; 3. vom Paradies, Ausland 1861 no. 22 23, 25 — 
26, 43 f. 

80) Ueber die Sündfluth. Oeffentlicher Vortrag von J. C. Deiche. St. 
Gallen, Seheitlin u. Zollikofer 1861, 16 S. 8. (3 Jfo). 

80a) Genese selon la scienee. Les deluges. Par Paid de Jouvencel. 
Ire partie: Geologie. Paris. Garnier 1861, 432 S. gr. 12. ,37 2 fr.). 

81) Die Sprachverwirrung zu Babel. Linguistisch-theologische Untersuchung 
über Gen. XI, 1 — 9. von Franz Kaulen. Mainz, Kirchheim 1861, VII u. 
248 S. gr. 8. (P/a -*?0 v g J - Zeitschr. f. luth. Theol. 1863, I p. 176—179 
und Ewald in Gott. gel. Anz. 1863 St. 50 p. 1961 — 75 (wo zugleich Pott's 
Anti-Kaulen von 1863 beurtheilt wird . 

82) H. Kiepert, Ueber die geographische Stellung der nördl. Länder in 
der Phoenikisch - Hebräischen Erdkunde, Monatsbericht der Bert. Ak. d. Wiss. 
1859 Febr. p. 191 ff., vgl. Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 167 f. 

82a) Die Lebensjahre der zwei ältesten Geschlechtsreihen. Nach den drei 
verschiedenen Textes -Recensionen. Geiqer in seiner Zeitschrift für Wiss. u. 
Leben 1861, 2 p. 98—121, 3 p. 175-185. 



192 Gosche, utiaseruahaßl. Jahresbericht für t&59 bis 1861. 

Lebensdauer der ältesten Patriarcheilreichen hervorgehoben werden. 
Aus dem Ende der Genesis hat das durchaus verdunkelte und einer 
aufrichtigen Exegese nicht mehr erklärbare Schilo Ketßs 1183 ) ge- 
lehrten Scharfsinn herausgefordert, wie auch Luzzatf.o bl ) Bich über 
diesen letzten Abschnitt verbreitet. Für das der christlichen For- 
schung im Allgemeinen ferner liegende dritte Buch hat FWe» 88 ) 
einige Anmerkungen zu dem bereits früher erwähnten Aufsatze 
Kamphausen's über die Stiftshütte geliefert und Geiger* 6 ) die durch 
das spätjüdische Ritualgesetz \ erdunkelte Lehre von der Darbrin- 
gung der Erstlinge (23, 11. 15) erörtert. L>ie beiden letzten Bücher 
einschliesslich des von der modernen Kritik herbeigezogenen Buches 
Josua hat Knobel 81 ) erläutert und damit seinen Commentar des 
Pentatench abgeschlossen. Höchst dankenswert!) ist es, abgesehen 
von solcher Berücksichtigung der meistens etwas vernachlässigten 
Bücher, am Schluss des Ganzen eine sehr geschickte Qebersicht der 
kritischen Forschungen und eines auf die Annahme einer Grund- 
schrift, eines Rechtsbuches, eines Kriegsbuches und des .leinnisten 
neben dem Deuteronomiker gegründeten kritischen Systems zu er- 
halten. Den für die Geschichte des Offenbarungswesens überhaupt 
ebenso interessanten als in sich schwierigen Abschnitt über Bileam 
haben in Holland Oordt 8s ) und insonderheit Land 8 **) behandelt, 
einen einzelnen Vers daraus erläutert Ewald 89 ). Endlich das fünfte 
Buch ist, ausser in dem Gesammtcommentare von Knobel, in einem 
besonderen ausführlichen Werke von Schätze 90 ) behandelt worden, 

1183) K. Fr. Keil, Ueber Schilo. Ein Beitrag zur Erklärung der Stelle 
Gen. 49, 10, Zeitschr. für die gesammte luth. Theol. XXII (1861) p. 30-59. 

S-i L'(-.:.attu's Commentar über den letzten Abschnitt der Genesis, in 
Jeechuron von J. Kobak III (Breslau 5619 — Chr. 1859). 

85) W. Fries, Zu A. Kamphausens „Bemerkungen über die Stiftshütte", 
Theol. Stud. u. Krit. 1859 1 p. 103—110. Nachträgliche Bemerkungen über 
die Stiftshütte. Von A. Kamphausen, ebend. p. 110 — 120. Vgl. meinen Be- 
richt für 1857—58 in Bd. XVII p. 117 no 884 a. 

86) Abraham Geiger über röttJin mn7372 3 Mos. 23, 11 u. 15 und 
Aben Esra's Erklärung dieser Worte. Eine Bemerkung zu Hrn. S. Deutsch's : 
„über die Zeit der Darbringung der Erstlingsgaben; Rudelbach it. Guericke's 
Zeitschr. f. Luther. Theol. 1859 p. 251—252. 

87) Die Bücher Numeri, Deuteronomium und Josua, erklärt von A. Knobel. 
Nebst einer Kritik des Pentateuch u. Josua. (Kurzgef. Ezeget. Handbuch zum 
A. T. Lief. 12). Leipzig, Hirzel 1861, XVI u. 606 S. gr. 8. (2V 2 ^ ) Vgl. 
Lit. Ceutralbl. 1861 no. 44 p. 701 f. und Ewald in Gott. gel. Anz. 1862 no. 1 
p. 17 f. 

88) Disputatio de pericope Num. XXII, 2 — XXIV historiam Bileami con- 
tinente. Scr. Henr. Oordt. Leiden, Engels 1860, 135 S. 8. Vgl. Ewald in 
Jahrb. f. Bibl. wiss. X (1860) p. 200 f. 

88a) Over het verhaal van Bileam, von J. P. N. Land, Godgeleerde 
Bijdragen voor 1861 Heft 10 p. 881 f. 

89) Etnald, Ueber die redensart " 1 C'ü ^?rj Num. 23, 3 (als Nachtrag zu 
St. XLIII Bd. VIU , Bibl. Jahrb. X (1860) p. 46—49. 

90) Das Deuteronomium erklärt von Fr. W. Schultz. Berlin, Schlawite 
1859, X u. 717 S. gr. 8. (3 fy) vgl. Ewald im Bibl. Jahrb. X INtiU. ». 



Gosche, vnsscnschafd. Jahresbericht für 1859 bis 18G1. 193 

welches in Ansammlung von concrctcm Material vielleicht bcachtens- 
werth, in kritischer Beziehung durch die unbegründete Auffassung 
einer wissenschaftlichen Untersuchung als eines pietätvollen d. h. 
durch nicht wissenschaftliche Motive bestimmten Actes ganz werth- 
los erscheint. Von den beiden wichtigen poetischen Stücken in 
Cap. 32 und 33 hat das erste Volck 91 \ das andere mit Berück- 
sichtigung aller möglichen alten Uebersetzungen Bodenheimer 92 ) 
behandelt, 

Gegen den Pentateuch treten die eigentlich historischen 
Bücher in der exegetischen und kritischen Behandlung bedeutend 
zurück. Das Buch Josua war, wie eben bemerkt, als ein wesent- 
licher Bestandteil der älteren Grundschriften des Pentateuchs, von 
Knobel seinem Commentar einverleibt worden; die Bücher der Richter 
und Ruth gibt in trefflicher Weise Rordam ' Jä ) nach der syrisch- 
hexaplarischen Uebersetzung ; mit dem Verfasser des Richterbuchs 
beschäftigt sich Wahl 94 ), mit der Abfassungszeit ein Engländer 95 ) ; 
in apologetischem Interesse weist Bachnann 9C ) seine Bedeutung 
in der christlichen Kirche nach. Das herrliche Deboralied hat 
Meier 97 ) mit viel poetischer Nachcmpfindiing, mit geringerem phi- 

183 f. und J. Bachinann in Theol. Zeitschrift von Dieckhoff etc. 1860 Heft 5 
P . 772 f. 

91) Guid. Volch, Mosis canticum cygneum (Deuteron, c. XXXII). Nörd- 
lingen, Beck 1861, 46 S. 8. (10 ngr.). Vergl. Literar. Centralbl. 1861 no. 28 
p. 448 f. und Ewald in Gott. gel. Anz. 1861 no. 28 p. 188 f. 

92) L. Bodenheimcr, MD'Hlfl nNTI Der Segen Mosis. Eine wissensch. 
Vergleichung der auf diesen Pentateuch-Abschnitt in der Walton'schen Polyglotte 
enthaltenen Uebertragungen unter Berücks. der griech. u. arab. Varianten u. 
der neuern Erzeugnisse auf diesem philol. Gebiete mit Bezugnahme auf einige 
neuere Uebersetzungen. Crefeld, Kühler 1860, 84 S. 8. Vgl. Rahmer in Mo- 
natsschrift für Judenthum von Frankel X (1861) p. 149 f. und Literar. Centralbl. 
1860 no. 16 p. 251. 

93) Libri Judicum et Ruth seeundum versionem Syriaco - hexaplarem ex 
codice Musei Britannici nunc primum editi graece translati notisque illustrati. 
Fasciculus prior continens Lib. Jud. cap. I — V. Specimen philologicum, quod 
cum dissertatione praemissa De regulis Grammaticis, quas secutus est Paullua 
Tellensis in Veteri Testamente ex Graeco Syriace vertendo, ad summos in philos. 
honores rite capessendos defendere conabitur Thomas Skat Rordam. Havniae : 
0. Schwartz 1859, VIII u. 93 S. 4. vgl. Geiger in Z. d. DmG. XV (1861) 
p. 146-149; Literar. Centralbl. 1860 no. 25 p. 385 f. und Geiger in Z. d. DmG. 
XVI (1862) p. 297 f. 

94) Wahl, Ueber den Vf. des Buches der Richter (Gymn.-Progr.) Ellwangen 
(Tübingen, Fues) 1859, 18 S. gr. 4. (7 J$n) vgl. Literar. Centralbl. 1860 
no. 25 p. 386 f. und J. Bachmaun u. Theol. Zeitschrift von Dieckhoff etc. 1860 
Heft 5 p. 778 f. 

95) On the time when the Book of Judges was written, Journal of Sacred 
Literature and Biblical Record by Burgess, no. XXVH (1861, oct.) p. 78 f. 

96) Joh. Bachmann, Das Buch der Richter in der christl. Kirche, Theol. 
Zeitschr. von Dieckhoff etc. 1861 Heft 3 p. 383—458. (Schluss folgt). 

97) E. Meier, Uebersetzung u. Erklärung des Debora- Liedes. Tübingen, 
Fues 1859, 59 S. gr. 4. (16 Jfa) vgl. Literar. Centralbl. 1860 no. 52 p. 843 f. 
und schärfer Ewald in Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1860) p. 203 f. 

Jahresbericht 1S59— 1801. 13 



194 Gosche. wisse nschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

lologischem Geschick behandelt ; Jephtas fürchterliches Gelübde unter- 
wirft Gerlach 119 *) einer neuen Untersuchung und nur einer unwissen- 
schaftlichen Sentimentalität mag es vor der allein zulässigen An- 
nahme eines Menschenopfers grauen. Die charakteristisch - schönen 
Sagen von Simson rückt Itoskoff") unter Zustimmung von Stein,' 
thal, welcher hier einen Herakles wiederfindet, geradezu in das 
Mythische. Den kritisch bedenklichen Schluss des Buches sucht 
Auberlen 120 °) zu sichern, wobei ausdrücklich anzuerkennen ist, 
dass die Berichte in den letzten fünf Oapiteln sich durch ausser- 
ordentliche Anschaulichkeit auszeichnen. Das ein bedeutendes künst- 
lerisches Bewusstsein seines Verfassers verrathende Buch Ruth hat 
Beuss 1 ) mit offnem kritischem Blicke, Zimpel' 2 ) als Buch für Neu- 
vermählte behandelt ; die Bücher Samuelis haben keinen Kritiker 
angelockt •, die Bücher der Könige hat General v. Schlüsser 3 ) unita- 
risch betrachtet. Für die späteren Bücher sind nur die Unter- 
suchungen und Bemerkungen von Geiger 3:, ) ; Graf*) mit der Ent- 
gegnung von Gerlach 5 ), von Levy 6 ), Davidson 7 ) und Langen 8 ) 
zu erwähnen. 



1198) E. Gerlach, Ueber Jephta's Gelübde. (Richter 11, 30—40), Rudel- 
bach u. Guericke's Zeitschr. f. Luther. Theol. 1859 p. 417-438. 

99) Gust. Roshoff, Die Simsonssage nach ihrer Entstehung, Form u. Be- 
deutung, und der Heraclesmythus. Leipzig, Bredt 1860, IV u. 120 S. 8. (16 Jffi-) 
vgl. Literar. Centralbl. 1861 no. 14 p. 205 f. Ewald im Jahrb. f. Bibl. wiss. 
XI (1861) p. 251 f. und dazu Steinthal in Zeitschr. fürVölkerpsychol. u. Spraehw. 
II (1861) p. 110 — 120, und dessen aus dem früheren Aufsatze (wiss. Beil. der 
Leipz. Zeitung 1857 no. 50 — 55) erweiterte Abhandlung: ,,Die Sage Ton Sim- 
son" p. 129—178. 

1200) Die drei Anhänge des Buches der Richter in ihrer Bedeutung und 
Zusammengehörigkeit. Von Auberlen, Theol. Stud. u. Krit. 1860 Heft 4. 

1) Ed. Reuss, Ruth, Nouvelle revue de theologie vol. VII (1861) Livr. 1. 

2) Chas. F. Zimpel , Erschaffungsgrund der Menschen oder Das Buch 
Ruth in seinem geistigen Sinne. Ein Festbüchlein für Neuvermählte. Schaff- 
hausen, Brodtmann 1861, 148 S. kl. 8. vgl. Ewald in Gott. gel. Auz. no. 28 
p. 1091 f. 

3) Einleitung in die Bücher der Könige (von Ad. v. Schlüsser). Halle. 
Mühlmann 1861, VIII u. 254 S. 8. vgl. Ewald Gott. gel. Anz. 1861 no. 39 
p. 1521 f. und Lit. Centralbl. 1862 no. 7 p. 109 f. 

3a) Chronik und Koheleth, Geiger in seiner Jüd. Zeitschr. f. Wiss. u. 
Leben 1861, 2 p. 146—160. 

4) K. H. Graf (in Meissen), Die Gefangenschaft und Bekehrung Manas- 
se's, 2 Chr. 33. Ein Beitrag zur Kritik der Chronik, Theol. Stud. u. Krit. 
1859, 2 p. 467—494. vgl. Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 260. 

5) Die Gefangenschaft und Bekehrung Manasse's. Eine Entgegnung von 
Cand. B. Gerlach in Berlin, Theol. Stud. u. Krit. 1860, 34 p. 5ü3— 524. 

6) Jac. Levy, Ueber das Buch Esther, in Ozar Nechmad III 1860 p. 168 f. 

7) Alex. D. Davidson, Lectures, expository and practical on the Book 
of Esther. Edinburgh 1859, 320 S. 8. 

8) Die beiden Griechischen Texte des Buches Esther. Von Jos. Langen, 
Theol. Quartalschrift 1860 p. 244—272. vgl. Ewald im Jahrb. f. Bibl. wiss. 
XI (1860) P . 221 f. 



Gosche, wlssenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 195 

Ein höheres Interesse als diese später meist kahle und sprach- 
lich heruntergekommene Prosa bietet schon um ihrer Form willen 
die Poesie. Der Geist derselben (welcher Terminus bei uns 
Deutschen seit Herder einen tiefem, selten von dessen Nachtretern 
oder gar Tadlern begriffenen Sinn hat) versucht in England Taylor 9 j 
zu fassen-, Donalilsoris 10 ) bekannte sinnreiche Keconstrnction des 
nationalen Heldenliederbuehs erschien in einer neuen Aullage ; ein 
Bild der ganzen althebräischen Poesie gibt in einer dem Original 
sich auch formell anschmiegenden Uebersetzung Bob. Weber xx ) 'nach 
dem jetzigen Stand der historisch-exegetischen Wissenschaft' d. h. 
von dem Standpunkte seiner früheren Lehrer Hitzig, Baur und 
Vischer. Einzelne literarhistorische und kritische Punkte erörtern 
Thrupp 12 ) und Stäheli?i 13 ) in ihren Einleitungsschriften; energische 
Emendationsversuche macht bei aller Anerkennung Delitzschs, in 
welchem er das Muster eines Psalmenauslegers bewundert, v. Orten- 
berg u ), gegen den Thrupp 15 ) mit seinen englischen Textverbes- 
serungen charakteristisch absticht. Die messianischen Psalmen be- 
handelt in einer etwas rhetorischen, die philologischen Mängel nur 
für das grössere Publicum verdeckenden Manier der bamberger Dom- 
capitular Mayer 16 ). Auf eine meininger Hs. des sehr frühe ge- 
druckten Psalmencommentars von David Kimchi, in welchem 
Ps. 114 und 115 wie in einer karäischen Hs. bei Pinner und in 
den LXX wie in den altorientalischen Uebersetzungen als einer ge- 



9) The spirit of Hebrew poetry. By Is. Taylor. London 1861, 366 S. 
8. (20 sh.) 

10) Jashar, Fragnienta archetypa carminum hebraicorum in masorethico 
veteris testamenti textu passim tessellata collegit, ordinavit, restituit, in unum 
corpus redegit, latine exhibuit, commentariis instruxit J. G. Donaldson. Editio 
II. aueta atque emeudata. London, Williams and Norgate 1860, XXVIII u. 
392 S. 8. Tgl. Westminster-Review 1860 T. 18 p. 525. 

11) Die Poetischen Bücher des A. T. Neu aus der Grundsprache des 
Hebr. verdeutscht u. nach dem jetzigen Stande der historisch-exeget. Wissen- 
schaft in Einleitung u. fortlaufenden erklärenden Anmerkungen ausgelegt von 
Bob. Weber, ev. ref. Pfarrer in Zürich. Stuttgart, Schaff hausen 1853—60. 
VIII u. 474 S. gr.8. vgl. Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 209,f. und Zeitschrift 
für die gesammte luth. Theol. XXII (1861) p. 502 f. 

12) An introduetion to the study and use of the Psalms by Jos. Fr. Thrupp. 
Vol. 1. 2. Cambridge and London 1860, Macmillan and Co. 720 S. 8. vgl. 
Heidenheim's Deutsche Vierteljahrsschrift für englisch-theol. Forschung II (Gotha, 
F. A. Perthes 1861, 8.) p. 329-337. 

13) Zur Einleitung in die Psalmen. Von Dr. J. J. SUihelin. Basel, 
Sehweighauser 1859, 21 S. 4. 

14) Zur Textkritik der Psalmen von C. Fr. Jul. v. Ortenberg. Halle, 
Mühlmann 1861, IX u. 30 S. 8. vgl. Ewald Gott. gel. Anz. 1861 no. 37 p. 
1441 f. ; ausserdem im Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1861) p. 308, und Zeitschr. 
für luth. Theol. von Rudelbach u. Guericke 1863, I p. 182—186. 

15) Emendations on the Psalms. By J. F. Tlirupp, Journal of class. 
and sacred philology 1860 p. 254—262. 

16) G. K. Mayer, Die patriarchalischen Verheissungen u. die messian. 
Psalmen. Nördlingen, Beck 1859, III u. 233 S. 8. (1 ^ ) vgl. Ewald im 
Jahrb. f. Bibl. wiss. X (1860) p. 286. 

13* 



19G Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

rechnet wird, macht Delitzsch lilT ) aufmerksam: indem er mit Recht 
genauere Rücksicht auch auf die äusserliche Seite der Psalmenüber- 
üefernng nimmt, darf er die schöne masorethisch genaue Textaus- 
gabe von Baer 18 ) befürworten, an welcher die auf breitere Erbau- 
lichkeit in der Psalmenexegese bedachten Theologen Gewissenhaftig- 
keit lernen können. Von Erläuterungsschriften erhalten wir den 
kabbalistischen Commentar AsüläVs 1 '') in neuer Ausgabe; ausser- 
dem ein ähnliches Werk von Israel in Kostnitz l9a ). Immer mit 
grossem Vortheil wird man auf den auch in der Psalmenexegese 
hervorragenden Calvin 20 ) zurückgehn , von dessen Commentar die 
französische Uebersctzung vorliegt, Jatho 2l ) fährt fort, nach einem 
sehr dehnbaren Authentiebegriffe die ältesten Lieder Davids zu be- 
trachten-, von Ifupfeld's 22 ) Psalmencommentar, der die ganze Summe 
eines reichen wissenschaftlichen und sittlichen Lebens darlegt und 
mit seinen sprachlichen und biblisch-theologischen Ausführungen ein 
Fundamentalwerk bleiben wird, ist der dritte Band erschienen ; in 
erbaulicher Beziehung überholt durch den tiefsinnigen Commentar 
von Delitzsch 23 ), an welchen sich P. Gassei 2 *) mit seiner Bespre- 
chung des achten Psalms anlehnen konnte. Auch zwei metrische 



1217) Fr. Delitzsch, Ueber eine Hs. des liebr. Psalmen-Commentai> von 
David Kimchi in der herzogl. Bibl. zu Meiningen, Naumanu's Serapcum 185!) 
no. 24 p. 369—372. 

18) Liber Psalmorum hebraeum textum masoret. aecuratius quam adlmc 
factum est expressit, brevem de accentibus metricis institutionem praemisit, notas 
eritieas adjocit S. Baer. Praefatus est Fr. Delitzsch. Lipsiae, DörfFling et 
Francke 1861, XIV u. 134 S. 8. (12 Jfa). 

19) C'hajim Jos. Dav. Asulai, Sefer tehillim cum comment. cabbalistieis 
Jos. Tehillot. (Hebr.). Ed. 2a Vindobonae (Berlin, Adolf u. Co.) 1859, 264 S. 
8. (1 fy 5 Jfn). 

19a) b&nÜ^ mb^n u. s. w. (Tehillot Israel. Kabbalistiscber Commentar 
über die Psalmen von Israel in Kostnitz, Rabbiner), o. 0. 1861, 25 Bll. 12. 

20) Commentaires de Jehau Calvin sur le Livre des Pseaumes avec table 
fort ample des prineipaux points traitez es commentaires. Vol. 1.2. Paiis 1860, 
LV u. 1157 S. 8. 

21) G. Fr. Jatho, Die ältesten Davidisclien Lieder. Art. III (Ps. 25, 
86, 143, 31, 69, 38, 6, 39). Zeitschr. f. luth. Theol. von Rudelbach etc., 1859 
p. 609-645; Art. IV (Ps. 56, 34) ebend. 1860 p. 426-436. 

22) Die Psalmen. Uebersetzt u. ausgelegt von Herrn. Hupfeld. Bd. 3. 
Gotha, F. A. Perthes 1860, 484 S. (2 ty.) vgl. J. Bachmann in Theol. Zeit- 
schrift von Dieckhoff etc. 1860 Heft 5 p. 779 f. über alle drei Bände. 

23) Fr. Delitzsch, Commentar über den Psalter. Th. I. Uebers. u. Aus- 
legung von Ps. 1 — 89. Leipzig, Dörfifling u. Franke 1859, XX n. 675 S. 8. 
(3 3fy. H Jfo) Th. II: Ps. 90 — 150. nebst der Einl. in den Psalter u. vielen 
Beigaben etc. 1860, 530 S. 8. (2 fflj>. 26 Jfy) vgl. Zeitschr. f. luth. Theol. 
von Rudelbach etc. 1860 p. 481 f.; Ewald Bibl. jahrbb. X (1SI30) p. 194f. 
XI (1861) p. 210f.; Diestel in Jahrbb. f. deutsche Theol. VIII (1863) p. 759 f.; 
J. Bachmann in Theol. Zeitschr. von Dieckhoff etc. 1860 Heft 5 p. 779 f. und 
Holzhausen Gott. gel. Anz. 1859 no. 188 p. 1875 f. 

24) P. Cassel, Der 8e Psalm. Eine exeget. Betrachtung (mit bes. Rück- 
sicht auf Delitzsch), Zeitschr. f. luth. Theol. von Rudelbach etc. 1860 p. 437 
-460. 



Gosche, imssenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 18<51. 197 

Bearbeitungen sind in Deutschland versucht worden : eine katholische 
von Stemeder 25 ) nach der Vulgata, und eine protestantische mit 
freier Benutzung der neuesten Forschungen von Julius Jlnmmer 26 ), 
dessen Nachdichtungen als eine wesentliche Bereicherung unserer 
Erbauungsliteratur anzusehen sind. England hat vier Commentare 
geliefert; der von Neale 2 "'), von welchem nur der erste Theil vor- 
liegt, ruht auf den liturgischen Quellen des Orients und Occidents; 
Wilson 28 ) deutet typisch ; wenig unbefangener De Burgh 20 ) ; M' Mi- 
chael* ) hat sich auf die Pilgerlieder beschränkt. Hierzu kommt 
noch die metrische Bearbeitung von Cayley 31 ). Auf Grund des 
hebräischen Textes haben in Frankreich Grelier 32 ) und mit einem 
zweiten Bande fortfahrend Rendu 33 ) den Psalter übersetzt und 
commentiert; ein interessantes Zeugniss für die Geschichte des Psal- 
ters im Mittelalter gibt die von Michel^) herausgegebene norman- 
nisch-französische Version, welche sicher noch dem 12. Jahrhundert 
angehört. Auch aus dem orientalischen Mittelalter erhalten wir ein 
Denkmal der Psalmcniibersetzungen an der karaitisch-arabischen Be- 
arbeitung des Yefet Ben Heli aus Bacra durch Barges 35 ), der uns 
schon 1846 mit dessen Commentar bekannt gemacht hatte. 



25) Die h. Psalmen nach der Vulgata in metrischer Form mit erklärenden 
Anmerkungen von F. Stemeder. Linz, Ebenhöch 1859, XII u. 552 S. 16. 

(i 2 / 3 m- , . . „ 

26) Die Psalmen der H. Schrift. In Dichtungen. Nebst Einleitung u. Er- 
läuterungen von Jul. Hammer. Leipzig, Brockhaus 1861, LXXII u. 477 S. 
gr. 12. (2 fy ). 

27) J. M. Neale, A commentary on the Psalms, from primitive and me- 
diaeval writers and from the various office books and hymns of the Roman, 
Mozarabic, Ambrosian, Gallican, Greek, Coptic, Armenian , and Syriac Rites. 
Psalm I— XXXVIII. London 1860, 560 S. 8. 

28) The book of Psalms, with an exposition, evangelical, typical, and pro- 
phetical, of the Christian dispensation, by W. Wilson. London 1860, 720 S. 
8. 2 vols. 

29) De Burgh, Commentary on the book of Psalms, critical, devotioual, 
and prophetical. With the text of the authorised Version. Vol. 1. 2. Dublin 
1860, 8. 

30) R. M'31ichael, The pilgrim psalms; an exposition of the song of 
degrees. Psalms CXX— CXXXIV. Edinburgh 1860, 370 S. 12. 

31) The Psalms in metre. By C. B. Cayley. London, Longmans 1860, 
12. vgl. Westm.-Review 1860 T. 16 p. 536. 

32) Les Pseaumes, traduits litteralement sur le texte Hebreu, avec un com- 
mentaire, par l'Abbe H. J. Crelier. Tome I. Paris, Duprat 1859, VII u. 
492 S. 8. 

33) Ambr. Rendu, Nouvelle traduetion des pseaumes, sur le texte hebreu, 
avec notes et commentaires. T. II. Paris 1859, 554 S. 8. vgl. oben Bd. XVII 
p. 133 no. 1033. 

34) Libri Psalmorum versio antica gallica. E codice ms. in biblioth. 
Bodleiana asservato. Una cum versione metrica aliisque monumentis per- 
vetustis. Nunc primum descripsit et edidit Fr. Michel. London 1860, 8. 

35) Liber Psalmorum Davidis, versio a R. Yapheth Ben Hcli Bassorensi 
Karaita, auetore deeimi seculi arabice concinnata, edidit Barges, Paris 1861, 
8. (15 fr.) 



198 Gosche, wi88en.8ch.aftl. Jahreshericht für 1859 bis 1861. 

Unter den übrigen poetischen Büchern tritt am meisten der 
II i o b berrvor, welcher bei seinem tiefsinnigen Inhalte nur wegen 
des grösseren liturgischen Werthes der Psalmen in der Behandlung 
hinter diesen zurücksteht. Daher hat Schneider 1 -''') über mancherlei 
Studien zu demselben zu berichten. Neue deutsche Uebersetzungen, 
zum Theil mit Erklärungen verbunden, haben Derbholz 31 ) und 
Trentepohl 38 ) geliefert ; grosses Aufsehn hat die in sprachlicher 
und philosophischer Beziehung gleich wcrthvollc französische von 
llenan 39 ) gemacht, gegen welche u. A. Crelier V) ') hat geglaubt 
auftreten zu müssen und neben der Gic/uet i0 ) den Hiob mit Ande- 
rem aus den LXX übertragen hat. Unter Renan 's Anregung ist 
die Studie Leon de Ros?iy's A1 ) über Hiob als Denkmal des semi- 
tischen Scepticismus entstanden. Auch in England sind zwei Ueber- 
setzungen erschienen von Winchilsea 42 ) und Kenrick, die letztere 
nach der Vulgata. Das grosse Gedicht lässt für die nähere Bestim- 
mung seines Grundgedankens, über sein Zeitalter und die Treue 
seiner Tcxtüberlieferung mannigfache Zweifel übrig ; Fries 44 ) unter- 
sucht daher den grundlegenden Charakter vonCap. 1 — 5; Räbtger***) 
vermisst mit Recht den Auferstehungsglauben; Simson 45 ) gibt kri- 



1236) Schneider, Die neuesten Studien über das Buch Ijob, Deutsche Zeit- 
schrift f. christl. Wiss. v. Hollenberg 1859 p. 21 3 f. 

37) Das Buch Hiob. Ein Versuch von C. A. Berkholz. Riga, Götschel 
1859, XX u. 66 S. 8. (15 Jfa) vgl. Literar. Centralbl. 1861 no. 11 p. 171; 
J. Bachmann in Theol. Zeitschrift von Dieckhoff etc. 1860 Heft 5 p. 802; 
günstiger Zeitschr. für die gesaminte luth. Theol. XXII (1861) p. 298 f. 

38) Das Buch Hiob, übersetzt u. metrisch bearbeitet von K. Irentepohl. 
Vechta, Fauvel 1860, IV u. 88 S. 8. (n. 15 Jfy) vgl. Gersdorfs Rep. 1860, I 
p. 121. 

39) Le Livre de Job traduit de l'Hebreu par Erncst Renan. Etüde sur 
Tage et le caractere du poeme. Paris, Levy 1859, XLII u. 200 S. 8. 2e edi- 
tion. ebend. 1860, CXII u. 200 S. 8. vgl. Ewald Bibl. jahrb. X (1860) p. 
203 f.; Revue de theol. 1859 p. 104 f.; Lit. Centralbl. 1859 no. 22 p. 342 f. 
und Westm.- Review 1859 T. 16 p. 567 f.; National Review 1862 July p. 

27-47. 

39a) Le livre de Job venge des interpretations fausses et impies de M. 
Ernest Renan par l'abbe Crelier. Paris 1860, 8. 

40) Le livre de Job, precede des livres de- Ruth, Tobie, Judith et Esther. 
Traduits du grec des Septante, par P. Giguet. Paris 1859, 300 S. 18. 

41) Le poeme de Job et le seepticisme semitique, par Leon de Rosny. 
Paris 1860, 8. 

42) The poem of the book of Job done into english verse by the Earl 
Winchilsea. London 1860, 190 S. 8. 

43) The book of Job, and the prophets. Translated from the Vulgate and 
diligently compared with the original text, being a revised edition of the Douay 
version. With notes, critical and explanatory bv Fr. Patrick Kenrick. Balti- 
more 1859, 814 S. 8. 

44) Fries, Ueber den grundlegenden Theil (C. 1—5) des Buches Hiob, 
Jahrbb. f. Deutsche Theologie 1859, IV p. 790-80^. 

44a) De libri Jobi sententia primaria. Scr. J. F. Räbigcr. Breslau, 
Gross 1860, 32 S. 4. vgl. Ewald im Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1860) p. 218. 

45) Zur Kritik des Buches Hiob. Von A. Simson. (Aus d. Pogr. des k. 



Gosche, viascmchaftl. Jahresbericht für 1859 6m 1861. 199 

tische Beiträge und Morris 16 ) handelt vom Standpunkte der katho- 
lischen Kirche ans ober das Zeitalter. — Die wahrscheinlich gleich- 
zeitige elegische Lyrik des nicht wenig skeptischen Propheten Jeremia 
betrachtet Beck/t i: ). Das anders geartete Doch dem frischen Volks- 
leben angehörende Hohelied hat in der feinen Uebersetzung Re- 
naris**) auch auf die blasierteste Lesewelt einen grossen Eindruck 
gemacht; man kann an der schönen Arbeit, in deren Einleitung 
mit grösster Wahrscheinlichkeit die Abfassungszeit in die kurze 
Epoche gesetzt wird, da Jerusalem und Thirza als blühende Städte 
und wahrscheinlich Residenzstädte neben einander genannt werden 
konnten, nur vielleicht die eine Ausstellung machen, dass eine dra- 
matische Gliederung über das Maass des einfach Gebenen hinaus 
versucht wird. Von den Sprüchen, welche, wenngleich sie an 
den Namen Salomos geknüpft sind, dennoch die althebräische Volks- 
litteratur am reinsten repräsentieren, gibt der uns schon seit 1857 
als Bearbeiter des Koheleth bekannte Janin* 9 ) eine französische 
Uebersetzung ; das Midrasch dazu erhalten wir in einer neuen Aus- 
gabe 49,1 ), ebenso den Commentar des italienischen Israeliten Isaah 
Ben 'Aräma b0 ) aus dem 16. Jahrhundert. Bezüglich der zweifel- 
haften Composition des ganzen Spruchbuchs wendet sich Ewald hl ) 
gegen Hitzig' s Theorie. Grössere Aufmerksamkeit hat der 'Prediger 
mit seinem merkwürdigen Skepticismus erfahren. P. de Jo?ig 51 *) 
hat ihn trefflich ins Holländische übersetzt, Ginsburg 51b ) ins Eng- 



Friedricbs-Coll.) Königsberg in Preussen 1861, 36 S. 4. vgl. Lit. Centralbl. 
1862 no. 17 p. 305. 

46) An Essay upon tbe Date of the Book of Job. By Very Rev. Canon 
Morris, Atlantis .1859 July (IV) p. 378-434. vgl. Ewald Jahrb. f. Bibl. wiss. 
X (1860) p. 206. 

47) Die Thra'nenlieder des Propheten Jeremias. Eine biblische Studie von 
Heinrich Beckh, Zeitschrift für Protest, und Kirche N. F. Bd. 49 (1861) p. 
165-210. 

48) Le Cantique des cantiques, traduit de l'Hebreu avec une etude sur le 
plan, l'äge et le caratere du poeme par E. Renan. Paris, Levy 1860, XIV 
u. 216 S. 8. vgl. AVestm.-Keview 1860 T. 18 p. 524; Ewald in Gott. gel. 
Anz. 1860 no. 152 p. 1513 f. und im Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1860) p. 220 f. 
im Allg. den Artikel der Revue Germanique 1859 Dee. p. 593—601. 

49) Les Proverbes, traduits de nouveau d'aprös le texte sacre ou hebreu, 
par A. Janin. Geneve 1860, 8. 

49a) TQI " , b'yiJ73 \Ü"1*173 u. s. w. (Midrasch mischle mit kurzem Com- 
mentar [von Isaaq Kohen] nach der Amsterdamer Ausgabe) Stettin, Schrentzel 
1861, 30 Bll. 8. 

50) ülb'(252N "P von Isaak Ben ' Arama. Neu herausg. von E. Frei- 
mann. (Hebr). Leipzig, Fritzsche 1859, III u. 223 S. 8. (25 Dgr.) 

51) ff. Ewald, lieber die Zusammensetzung des B. der Salomonischen 
Sprüche, Bibl. Jahrb. XI (1861) p. 16—28. 

51a) De Prediker vertaald en verklaard door P. de Jong. Leiden 1861, 
4 u. 151 S. 8. (2 fl.) vgl. Kuenen in Goodgeleerde Bijdragen voor 1862 Heft 4 
p. 328. 

51b) Coheleth. commonly called tke Book of Ecclesiastes. Translated from 
the Original Hebrew, with a commentary, historical and critical, by Christian 



200 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

lisebe. Etwas wunderlich gelangt bei diesem beinahe blasiert reflec- 
tierenden Buche Hahn 1252 ) zu einer messianischen Tendenz; J/eng- 
stenberg's 52 *) weniger befangener Vortrag ist sebon früher erwähnt 
worden-, wichtiger ist Luzzattö's 53 ) Einleitungsschrift vom Stand- 
punkte streng jüdischer Wissenschaft. Reusch •'' findet in Salomo 
den Verfasser des Buchs, wie auch Boehl hi:x ) die Bedeutung der 
Aramaismen zu entkräften sucht. Jlölemann 65 ) denkt in sehr 
kühner Combination beim Koheleth an das Evangelium Johannis •, 
Hitzig 5 *) nüchterner bei dem 'Fahren des Brodes über das Wasser' 
an verwandte muhammedanische Sprüche, worin ihm schon Fr. v. Diez 
(Denkwürdigkeiten von Asien 1, 106) ein Stückchen Weges voran- 
gegangen war. 

Die Prophetie, diese wunderbarste Erscheinungsform des 
semitischen und überhaupt menschlichen Geisteslebens, hat endlich, 
nachdem Knobels etwas nüchterne Darstellung bei der fortgeschrittenen 
Erkenntniss des A. T. und der Mantik anderer Völker für veraltet 
gelten musste, wenigstens den Anfang einer zusammenfassenden Dar- 
stellung durch G. Baur 51 ) gefunden und sehen wir der Weiter- 
führung des lebensvollen, von tiefem sittlichem Ernste und grossem 
wissenschaftlichem Studium getragenen Werkes mit vieler Spannung 
entgegen. Es trifft sich glücklich, dass zu gleicher Zeit Oehler 5& ) 
und Köhler 50 ), ersterer mit eindringlicher Combination, die Mantik 



D. Ginsburg. London, Longmans 1861, 8. vgl. den resümierenden Artikel 
im National Review 1862, XIV p. 150—176. 

1252) H. A. Hahn, Commentar über das Predigerbuch Salomo's. Leipzig, 
Dörffling u. Franke 1860, VIII u. 205 S. 8. (1 ^ 2 J^r) vgl. H. Schultz 
Gott. gel. Anz. 1861 no. 2 p. 56 f. 

52a) Ueber den bereits im Bericht für 1857 — 58 unter no. 1061 er- 
wähnten Commentar Hengstenbergs zum Prediger vgl. man noch Ewald im 
Bibl. Jahrb. X (1860) p. 207 ff. 

53) Luzzatto Einleitung in das Buch Koheleth, in Ozar Nechmad III, 
1860 p. 15 f. 

54) Zur Frage über den Verfasser des Koheleth. Von Prof. Reusch, 
Theol. Quartalschrift 1860 p. 430—469. 

54a) De aramaismis libri Koheleth. Dissertatio historica et philologica 
qua librum Salomoni vindicare conatur Ed. Boehl , Erlangen, Blaesing 1860, 
45 S. 8. (6 ngr.) vgl. Ewald in Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1860) p. 219 f. 

55) Die Epiloge des Predigers Saloinonis und des Evangeliums Johannis, 
Hölemann's Bibelstudien Heft 2 (Leipzig 1860) Abb. 2. 

56) Miscelle zur Wortkritik. Von Prof. Hitzig, Z. d. DmG. XIV (1860) 
p. 562—564. 

57) Geschichte der alttestamentlichen Weissagung. Von Gust. Baur. 
Tb. 1. Vorgeschichte. Giessen, Ricker 1861, X u. 420 S. gr. 8. (2 1 /» ^p) 
vgl. Ewald Gott. gel. Anz. 1861 no. 36 p. 1407 f. 

58) Ueber das Verhältniss der alttestamentl. Prophetie zur heidnischen 
Mantik, von Gust. Fr. Oehler. Tübingen 1861, 24 S. 4. vgl. H. Schultz in 
Gott. gel. Anz. 1862 no. 6 p. 221 f. 

59) Der Prophetismus der Hebräer und die Mantik der Griechen in ihrem 
egens. Verhältnisse. Eine theol. -hist. Studie von Köhler, Allg. K.-Zeituug von 



Gosche, loisscnschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 201 

des Hcidenthums untersuchen; von den Prophetenschulen , Reiche 
unter allen Umstünden die Uebung einer gewissen Technik im edel- 
sten Sinne des Wortes voraussetzen lassen müssen, handelt Kranich- 
feld rj0ii ); der Holländer Mattfies 60 ) bespricht das sehr delicate 
Thema des Psendoprophetismna unter den Hebräern selbst, Th<>- 
luck Gl ) macht die Prophetie zum Gegenstande apologetischer Be- 
trachtung; Ckristiani 6 *) beginnt ihre Theologie zu erörtern. Der 
ganze Vorrath der Weissagungen liegt neben der Hauptmasse der 
eigentlichen Propheten in den historischen und poetischen Büchern 
zerstreut: Mayer's 63 ) Behandlung der Psalmen nach dieser Seite 
hin ist bereits erwähnt; L. Iieinke 6i ) hat im Anschluss an seine 
Erläuterung der messianischen Psalmen von 1857 — 58 eine sehr 
ausführliche Behandlung der messianischen Weissagungen der Pro- 
pheten mit einem ersten Theile über Jesaias begonnen, indem er 
mit grosser Sorgfalt der Geschichte der Exegese nachgeht und nach 
Kräften sprachlichen Anforderungen gerecht zu werden versucht. 
Ein mehr politisches Moment hebt Bertheau 65 ) hervor. Zur Ge- 
schichte der handschriftlichen Ueberlieferung der prophetischen 
Schriften gibt Heidenheini 66 ) einen Beitrag, indem er zugleich durch 
ein Facsimile die als Kennicot No. 126 bekannte, zwischen das 6. 
und 8. Jahrhundert fallende Hs. der Propheten im British Museum 
(No. 4708 Sloane) charakterisiert. Die merkwürdige zwischen Poesie 
und Prosa bewegte prophetische Stilform schildert nach ihrer dra- 



Strack 1860 no. 27—28, 35—36, 42-43. 45—48; auch besonders at 
Dannstadt, Zemin 1860, 98 S. 8. (8 ngr.). 

59a) De eis quae in testamento vetere commemorantur prophetarnm socie- 
tatibus auetore Gull. Rud, Kranichfeld. Berlin, Schlawitz 1861, 59 S. 8- 
vgl. Zeitschr. für luth. Theol. 1862, IV p. 714—718. 

60) Dissertatio hist.-critica de Pseudoprophetismo Hebraeorum ed. Janus 
C. Matthes. Leydcn, Vandenhoek 1859, 151 S. 8. vgl. Ewald Bibl. jahrb. 
X (1860) p. 281 f. 

61) Die Propheten und ihre Weissagungen. Eine apologetisch-hermeueu- 
tische Studie von A. Tholuch: Gotha, Perthes 1860, VIII u. 206 S. 8. 
(1 fy 6 J4fc) vgl. Ewald im Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1861) p. 266 f. 

62) A. Ckristiani , Kritische Beiträge zur prophet. Theologie, Art. 1. 
Dorpater Zeitschr. für Theol. u. Kirche 1859, I Heft 4. 

63) Vgl. oben no. 1216. 

64) Laur. ReinJce, Die messianischen Weissagungen bei den grossen u. 
kleinen Propheten des A. T. Einleitung , Grundtext u. Uebersetzung nebst 
einem philologisch-krit. u. bist. Commentar. Bd. I, den Comment. über die 
messian. Weiss, im 1. Theile des Proph. Jesaia enthaltend. Giessen, Ferbcr 
1859, VIII u. 431 S. 8. (2 fy). 

65) Bertheau, Die alttestamentl. Weissagung von Israel's Reichsherrlich- 
keit in seinem Lande, Jahrbb. für Deutsche Theologie 1859, IV p. 314 — 375, 
597—684 und 1860 V p. 183 ff. 

66) M. Heidenheim, Beschreibung eines (hebr.) Codex der Propheten im 
Britischen Museum, geschrieben zwischen dem 6. u. 8. Jahrb., Deutsche Viertel- 
jahrsschrift für englisch-theol. Forschung II (Gotha, F. A. Perthes 1861, 8.) 
P . 259—274. 



202 Gosche, wissfinschaftl. Jahresbericht für 1859 lis 1861. 

matischen Färbung besonders am Habakuk Ewald 1261 ). Wegen der 
nahen Berührung mit den Dichtern, mit denen Mattet de Gküly**) 
auch nach dem Originaltext übersetzte prophetische Stücke ver- 
bunden gibt, waren Savary* 9 ) und C/tabert 69 * ) berechtigt, den 
Eauptpropheten Jesaia in französische Verse zu übertragen, üass 
Knobel 10 ) mit seiner Auslegung dieses letzteren einem wirklichen 
Bcdürfniss begegnet sei, zeigt die nöthig gewordene dritfre Ausgabe 
seines Commentars. Diederich 11 ) beabsichtigt nur bessere populäre 
Belehrung und Erbauung. Zu der im ersten Theile seiner 'Messi- 
anischen Weissagungen' von Reinlee begonnenen Erklärung des Jesaias, 
welche vorhin erwähnt wurde, stellt sich eine zweite katholische 
von dem ebenfalls schon angeführten Mayer 12 ), welche der der mes- 
sianischen Psalmen ganz verwandt ist. Einen älteren mystischen, 
dem Abt Joachim von Floris (f 1202) zugeschriebenen Commentar 
über Jesaias und Jeremias bespricht Friderieh 73 ). Von Einzel- 
heiten hat Schultz 74 ) die von der Jungfrau handelnden Verse des 
7ten Capitels typisch erklärt; der Engländer Selwyn u *) verbreitet 
sich ausführlich über das messianische neunte Capitel in einer be- 
reits 1848 bis zu S. 137 erschienenen Schrift; Bohl 15 ) plaidiert 
für die Aechtheit der schwierigen Cap. 24 — 27; eingehend erörtert 



1267) H.Ewald, lieber das Dramatische bei den Propheten, und Mikha c. 
6ff., Bibl. Jahrb. XI (1861) p. 29-31. 

68) Les prophötes ou les poetes hebreux. Traduetion d'apres l'IIebreu 
par Maltet de Chühj. Paris 1861, 779 S. 8. 

69) Propheties d'Isaie. Traduetion complete, en vers, faite sur le texte 
bebreu ; par A. Savary. La Rochelle 1859, XII u. 395 S. 8. 

69a) Les visions d'Isaie, fils d' Arnos, traduites en vers francais, par l'abbc 
C. Chabert. Lyon,g Scheuring 1860, VIII u. 409 S. 8. vgl. Journal des Sav. 
1860 Juill. p. 45 1 1 . 

70) Der Prophet Jesaia. Erklärt von Aug. Knobel. 3e verb. Aufl. 
(kurzgef.'exeget. Handb. zum A. T. 5eLief.). Leipzig, Hirzel 1861, XXIV u. 471 S. 
gr. 8. (1 ^ 27ugr.) vgl. Literar. Centralbl. 1861 no. 21 p. 333. 

71) Der Prophet Jesaias erklärt für heilsbegierige, aufmerksame Bibelleser 
von J. Diederich. Leipzig, Dörflling u. Franke 1859, 143 S. 8. (*/ 2 «% ) 
Vgl. Zeitschrift für die gesammte luth. Theol. XXI (1861) p. 297 f. 

72) G. K. Mayer, Die messianischen Prophezieen des Jesaias. Wien, 
Braumüller 1860, VI u. 505 S. 8. (2 2 / 3 ty. ). 

73) K. Friderich's kritische Untersuchung der dem Abt Joachim von 
Flnris zugeschriebenen Commentare zu JesajaS und Jeremias, mitgetheilt von 
Baur, Hilgenfeld's Zeitschrift 1859, II p. 349-363 u. 444—514. 

74) üeher Immanuel Jes. 7, 14 ff. von Prof. Schultz in Breslau, Theol. 
Stud. u. Krit. 1860, 34 p. 713—746. 

74a) Horae hebraicae. Critical and exegetical observations on the pro- 
phecy of Messiah in Isaiah, chapter LX; and on other passages of Sacred Bcrip 
ture. By William Sehoyn. Cambridge, Deighton 1860, 187 S. gr. 4. Vgl. 
Ewald im Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1861) p. 287 f. 

75) Vaticinium Jesaiae c. 24: — 27. Commentario illustravit Ed. Bohl. 
Lipsiae, Hinrichs 1861, 53 S. 8. (10 ngr.) vgl. Ewald Gott, gel. Anz. 1861 
no. 37 p. 1441 f. 



Gosche, ivisscnschaftl. Jahresbericht für 1859 bü 1861. 203 

Ortloph 76 ) den Begriff der Gerechtigkeit besonders im zweiten 
Theil des Jesaias; endlich Bleek 16 *) mit seiner treuen und nüch- 
ternen Gewissenhaftigkeit nahm noch einmal die schwierigen Satze 
vom stellvertretenden Leiden im Cap. 52 und 53 auf. lieber Jere- 
mias hat Beck/t ~ 7 ), über das Capitel [von dem glücklichen Leben 
der lloerde unter dem neuen Hirten im Ezechiel Jastroio 78 ) gehan- 
delt. Mehr Arbeit hat die durch eine ungeschichtliche Exegese nur 
noch mehr verdichtete Dunkelheit Daniels veranlasst. Zü/ndd 19 ) 
hat das Verdienst, nach Auberlen wieder auf die Herbeiziehung 
durchaus zeitgeschichtlicher Verhältnisse gedrungen, Bleek so ) das, 
die Willkür in der Annahme messianischer Beziehungen beschränkt 
zu haben. Die 70 Jahrwochen untersucht wieder Fries %i ), v. Gut- 
schvrid^*) betrachtet mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit eines 
Historikers den schwierigen Vers von den Hörnern. Unter den 
kleinen Propheten, von denen Diederich 82 ) mehrere, die ganze 
Sammlung Sc/dier 82 *) populär, in einer den s. g. Protestantismus 
der englischen Hochkirche aufregenden Weise Pusey 83 ) erläutert, 
steht Hosea nicht allein durch seine traditionelle Stellung, sondern 
auch durch die gleichmässige Grossartigkeit und vornehme Dunkel- 



76) Ueber den Begriff von p'T'St und den verwandten Wörtern im 2ten 
Theile des Proph. Jesaia. Von Aug.' Ortlopli, Zeitsehr. f. luther. Theol. 1860, 
p. 401—426, vgl. Ewald im Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1861) p. 273. 

76a) Erklärung von Jesaja 52, 13—53, 13 von dem sei. D. Blech, Theol, 
Stud. u. Krit. 1860, 34 p. 177—218. 

77) //. Bcchli, Biblische Studie über Jeremia , Deutsche Zeitsehr. für 
christl. Wiss. v. Hollenberg 1859 p. 145 f. 

78) M. Jastroc:, Erklärung des 34sten Kapitels im Jecheskeel, Monats- 
schrift für Judenthum von Frankel X (1861) p. 111—117. 

79) David Zündel, Kritische Untersuchungen über die Abfassungszeit des 
Buches Daniel. Basel, Bahnmaier 1861, XVI u. 271 S. 8. vgl. Ewald in 
Gott. gel. Anz. 1861 no. 28 p. 1092 f. und Westin. -Review 1861 T. 20 
p. 544. 

80) Blech, Die messianischen Weissagungen im Buche Daniel, mit beson- 
derer Beziehung auf Auberlen's Schrift, Jahrbb. für Deutsche Theologie heraus- 
gegeben von Liebner u. A. Bd. V (1860) Heft 1. 

81) Fries, Versuch über die Weissagung von den 70 Jahrwochen, Jahrbb. 
für Deutsche Theologie 1859, IV p. 254—270. 

81a) Der zehnte Griechenkönig im B. Daniel. Von AI fr. v. Gutschmid, 
Rhein. Mus. f. Piniol. 1860 p. 316-318. Dagegen Ewald im Jahrb. f. Bibl. 
wiss. XI (1860) p. 222 f. 

82) J. Diederich, Die Propheten Daniel, Hosea, Joel, Arnos kurz erklärt. 
Leipzig, Dörffling 1860, 137 S. 8. (»', fy. ). 

82a) Die zwölf kleinen Propheten. Ein Wegweiser zum Verständnisse des 
Prophetenwortes für die Gemeinde. Von Jos. Schlier. Stuttgart, Steinkopf 
1860, VII u. 248 S. 8. 

83) The Minor Prophets with a eommentary explanatory and practical, 
and introduetions to the several books, by the Rev. E. B. Pusey. Oxford, 
Cambridge and London, Parker 1860, VI u. 100 S. gr. 4. vgl. Ewald in Gott, 
gel. Anz. 1862 no. 9 p. 323—338 und no. 43 p. 1681—92; auch Deutsche 
Vierteljahrsschrift für engl.-theol. Forschung von Heidenheim No. VII (Gotha 
1864) p. 362 f. 



204 Gosche, wisscnsclutftl. Jahresbericht für 1859 bis 861. 

heit seines an Umfang nur von Sacharjah erreichten Weissagungs- 
buebes vorauf; er ist so dunkel, dass in den ersten drei Capiteln 
Kurte 128i ) in sehr bedenklicher Weise gegen Hengstenberg eine 
auch äusserliche Verbindung des Propheten mit einem zweideutigen 
Weibe statuieren darf. Von älteren Commentaren wird der des 
französischen Israeliten Joseph Qara 8b ) aus dem 12ten Jahrhundert 
(nicht zu verwechseln mit dem vier Jahrhunderte später viel- 
schreibenden Joseph Coro) gebracht ; einzelne Stellen erläutert Ltn- 
den 8h3 -). Die seit F. A. Strauss* Schrift vermehrten oder doch 
sicherer ausgenutzten ninivitischen Entdeckungen verwendet Breiten- 
eicher 86 ) zur Erklärung Nahums und seiner Zeit; den Habakuk 
legt mit besonderer Rücksichtnahme auf die lyrische Kunstform 
v. Gumpach 81 ) aus; eine umfassendere Arbeit widmet Köhler den 
nachexelischen Propheten, mit dem ziemlich stillosen Haggai 88 ) be- 
ginnend, den schwierigen Sacharjah 89 ) in seiner ersten Hälfte er- 
läuternd, trotz alles besseren Scheines in sprachlichen Dingen nicht 
ganz exaet, aber für die Authentie entschieden auftretend. Durch 
Nüchternheit der Behandlung zeichnet sich dieser Sacharjah-Com- 
mentar von den phantastischeren W. Neumanns 00 ) aus ; wünschens- 
werth wäre aber nach den kritischen Untersuchungen des auch hier 



1284) J. H. Kurtz, Die Ehe des Propheten Hosea, nach Hos. C. 1 — 3, 
Dorpater Zeitschr. f. Theol. u. Kirche 1859 p. 45 f. vgl. Ewald Bibl. Jahrb. 
X (1860) p. 189f. — Auch besonders abgedruckt: Dorpat (Gläser) 1859, 84 S. 

8. (v, m- 

85) Nlp t]ÖT '"b 5>unn lülTS Josephi Kara Rabbini Saeculi XII in 
Hosearn commentarius, e codice msto, qui in bibliotheca Seminarii theologici 
Judaici asservatur, primum editus. Breslau, Schletter 1861, 8 Doppels, gr. 4. 
(10 ugr.) vgl. Geiger in Z. d. DmG. XVI (1862) p. 299 f. 

85a) Bemerkungen über einige Stellen im Propheten Hosea. Von Pfarrer 
R. Linden, Theol. Stud. u. Krit. 1860 p. 739—749. 

86) Ninive und Kalium. Mit Beiziehung der Resultate der neuesten Ent- 
deckungen historisch-exegetisch bearbeitet von Mich. BreUencicJicr. München, 
Lentner 1861, IV u. 120 S. mit 1 lith. Taf. (25 ngr.) vgl. Lit. Handweiser 
1865 no. 37 p. 300. 

87) Der Prophet Habakuk. Nach dem grtindlich revidirten, zum ersten- 
male in seiner ursprüngl. Verbindung wiederhergestellten hebr. Text aufs Neue 
übersetzt, eingeleitet u. erklärt von Joh. v. Gumpach. München, Palm 1860, 
VIII u. 260 S. 8. (iy 2 fy) vgl. Westm.-Review 1861 T. 19 p. 528 und 
Ewald im Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1860) p. 209 f. 

88) Aug. Köhler, Die nachexilischen Propheten. Abth. 1. Die Weis- 
sagungen Haggai's. Erlangen, Deichert 1860, VIII u. 118 S. 8. (16 ngr.) vgl. 
Ewald im Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1860) p. 208. 

89) Die nachexilischen Propheten. Zweite Abtheilung. Der Weissagungen 
Sacharia's erste Hälfte, C. 1—8 erklärt von Lic. Dr. Aug. Köhler. Erlangen, 
Deichert 1861, VIII u. 250 S. 8. vgl. Ewald Gott. gel. Anz. 1861 no. 37 p. 
1441 f. und Zimmermann's Theol. Lit.-Bl. 1865 no. 37 p. 2.19 f. 

90) Die Weissagungen des Sakharjah, ausgelegt von W. Neumann. Stutt- 
gart, Steinkopf 1860, IV u. 498 S. gr. 8. (2 ^. 8 Jfr) vgl. Literar. Centralbl. 
1860 no. 47 p. 737 f.; ferner Ewald in Gott. gel. Auz. 1861 p. 121 f. u. im 
Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1860) p. 207 f. 



Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1801. 205 

mit voller Wissenschaftlichkeit und zugleich religiöser Ehrerbietung 
auftretenden v. Ortenberg 91 ) , von ihm einen Commentar über 
diesen Propheten zu erhalten. 

Für die ausserordentlich wichtige Gruppe der s. g. Apokry- 
phen, welchen die katholische Kirche mit richtigem geschichtlichem 
Takte ihre Anerkennung nicht versagt und welche als Mittelglieder 
zwischen dem Alten und dem N. T. zu einer zusammenfassenden 
Darstellung einladen müssten, fehlt es immer noch an einer solchen, 
wie überhaupt, so scheint es, an ernstem Sinne für ihre Würdigung": 
an den evangelischen Universitäten Deutschlands erklärt man sie 
nicht einmal als gute Hilfsmittel zur Kenntuiss der semitisicrenden 
Gräcität des N. T., geschweige von dogmengeschichtlichem Standpunkte 
aus. Die speeifisch kritische Schule der Theologie hat sich noch 
am meisten mit ihnen beschäftigt. So hat besonders Volkmar 92 ) 
eine Einleitung in die Apokryphen begonnen, deren erster Band 
das 'Buch Judith' betrifft und in kühnem Skepticismus dessen In- 
halt in Trajan's jüdischem Krieg wiederfindet, nicht ohne einige 
frappante Analogie. Die kritischen Bemerkungen Hitzigs 93 ) zu 
Judith, Tobit und Baruch finden in manchen Punkten einen Gegner 
an Hügenfeld^). Ein sehr wichtiges Hilfsmittel zur Textkritik 
und zugleich ein höchst schätzenswerthes Denkmal der syrischen 
Sprache bietet Lagarde 95 ) in seiner Ausgabe der syrischen Ueber- 
setzung der Apokryphen dar, mit der ihm eigenen nachahmungs- 
werthen und dabei so vielthätigen Sorgfalt. Die dankenswertheste 
Förderung gewährte aber diesen Studien das exegetische Handbuch 
von Fritzsche und Grimm 96 ), von welchem wir eben die wichtig- 
sten Partien, das Buch Sirach und das Buch der Weisheit erhalten 



91) Die Bestandtheile des Buches Sacharja, kritisch untersucht u. chrono- 
logisch bestimmt von E. Fr. J. v. Ortenberg. Gotha, F. A. Perthes 1859, 
VIII u. 87 S. 8. (16 ngr.) vgl. Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 191 f. 

92) Gust. Volkmar, Handbuch der Einleitung in die Apokryphen, Th. 1. 
Judith u die Propheten Esra u. Henoch. Abth. 1 : Judith. Tübingen, Fues 
1860 Xn u. 272 S. gr. 8. (1 fy 9 Jfy) vgl. Lit. Centralbl. 1861 no. 38 p. 
605 f. (eingehend von Lipsius) und Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 265; auch 
Ewald Gott. gel. Anz. 1861 no. 18 p. 693 f. und Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1861) 
p. 226 f. 

93) Zur Kritik der apokryphisehen Bücher des A. T. Von F. Hitzig. 
Hilgenfeld's Zeitschrift 1860 III p. 240—273. 

94) Die Bücher Judith, Tobit und Baruch und die neue Ansicht von 
Hitzig und Volkmar über die Apokryphen des A. T., von Ji. Hilgenfeld. in 
seiner Zeitschrift 1861, IV p. 335—385 u. 1862, V p. 181—203. 

95) Libri veteris Testamenti apoeryphi syriace e recognitione P. de La- 
garde. Leipzig, Brockhaus 1861, 273 u. 39 S. gr. 8. (n. 6% fy) vgl. Ewald 
Gott. gel. Anz. 1861 no. 33 p. 1281 f. 

96) Kurzgefasstes exegetisches Handbuch zu den Apokryphen d. A. T., 
von O. Fr. Fritzsche u. C. L. W. Grimm. Lief. 5. Die Weisheit Jesus- 
Sirach's. Erklärt u. übersetzt von O. Fr. Fritzsche. Lief. 6. Das Buch der 
Weisheit. Erklärt von C. L. W. Grimm. Leipzig, Hirzel 1859, XL, 415 
u. IV, u. 300 S. gr. 8. (4 fy) vgl. Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 214f. 



20G Gosche, v:i$scnschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

haben, die beiden Bücber, in welchen sich hohe dogmatische und 
ethische Anschauungen des A. und N. T. zündend berühren. Der 
durch VoUemar neu angeregten Judithfrage tritt in deren Fassung 
Lip8vu8 1297 ), noch mehr aber durch Behauptung vollständig ge- 
schichtlichen Charakters 0. Wolf 98 ) entgegen; das auf der Grenze 
geschichtlicher Motive und didaktischer Toesie sich bewegende Buch 
Tobit erläutert Sengebnann 99 ) \ fast überflüssig nach dem grösseren 
und dem kurzgefassten Werke Grtmiris das Buch der Weisheit in 
Uebersetzung und Erklärung J. A. Schmidt 99 *) 5 mit Bezugnahme 
auf seine Ausgabe des Buchs in griechischer und lateinischer Fas- 
sung (1857) gibt der mit dieser apokryphischen Litteratur wohl 
vertraute Reusch 9dh ) eine Reihe kritischer Bemerkungen, welche 
durch Nachweis der Hss. und der Citate aus dem Buche werthvoll 
sind. Wie wenig die Grundanschauungen über den Verfasser des 
Werkes befestigt sind, ergibt sich u. A. daraus, dass Ewald" c ) 
noch Gelegenheit nehmen musste, Noack's Annahme eines christ- 
lichen Ursprungs zurückzuweisen. — Aber nicht allein eine erzäh- 
lende und eine poetisch - didaktische Richtung zeigt diese apokry- 
phische Litteratur, sondern auch eine phantastisch -prophetische, in 
ihrer Art durch das Buch Daniel vorbereitet. Auch um sie hat 
sich die kritische Theologie besonders verdient gemacht. Hilgen- 
feld 1300 ) führt seine zwar kühnen, aber auch durch ihren Reiz 
zum Widerspruch und stoffliche Mittheilungen werthvollen Betrach- 
tungen über jüdische Apokalyptik weiter ; Volhmar x ) berücksichtigt 
besonders die beiden wohl schon in die christliche Aera hinein- 



1297) Das Buch Judith und sein neuester Dollmetscher. Von R. A. 
IApsius, Hilgenfeld's Zeitschrift 1859, II p. 39—121. 

98) Das Buch Judith als geschichtliche Urkunde vertkeidigt u. erklärt, 
nebst eingehenden Untersuchungen über Dauer u. Ausdehnung der assyr. Ob- 
macht in Asien u. Aegypten, über die Hyksos, über die Ursitze der Chalda'er 
u. deren Zusammenhang mit den Skythen, über Phut, Lud, Elam u. s. w. 
Von O. Wolff. Leipzig, Dörffling u. Franke 1861, VIII u. 196 S. 8. (24 ngr.) 
vgl. Ewald Gott. gel. Anz. 1861 no. 39 p. 1521 f. Zeitschr. für Luth. Theol. 
von Delitzsch u. Guericke 1863, III p. 512—519. 

99) Das Buch Tobit erklärt von H. Sengelmann. Hamburg, Perthes, 
Besser u. Maucke 1859, IV u. 122 S. 8. (20 ngr.) vgl. Lit. Centralbl. 1862 
no. 7 p. 110. 

99a) Ueber das schon 1857—58 no. 1089 (ZDmG.XVII p. 138) erwähnte 
Buch vgl. Reusch in Tübinger Quartalschr. 1861 p. 522 f. und Ewald im Jahrb. 
f. Bibl. wiss. XI (1860) p. 223. 

99b) Observationes critieae in librum Sapientiae. Scr. Franc. Henr. 
Reusch. Freiburg im Br., Herder 1861, 36 S. gr. 4. (n. 10 ngr.) vgl. Theol. 
Quartalschr. XLIV (Tübingen 1862) p. 359 f. 

99c) Vgl. Psyche HI, 2 p. 65—102; dagegen Ewald im Jahrb. f. Bibl. 
wiss. XI (1860) p. 223 f. 

1300) Die jüdische Apokalyptik und die neuesten Forschungen von A. 
Hilgenfeld, in seiner Zeitschrift 1860, HI p. 301—362. 

1) Einige Bemerkungen über Apokalyptik, über Esra IV und Henocb im 
Besonderen, von G. Volhmar, Hilgenfeld's Zeitschrift 1861, IV p. 83—92 u. 
111—136. 



Gosche, vmseaschaftl. Jdhretberichi för 1*5!» bis 186L 207 

ragenden Bücher Esra IV. and Henoch, in denen er (im Gegensatz 
zu Hügenfeld) geradezu Nachbildungen des christlichen Messias- 
ideals finden will; mit sehr Bcharfsinniger Combination setzt v. Gut- 
schmid 2 ) das Jahr 31 v. Chr. als Abfassungszeit des IV. Buches 
Esra an, also den vorchristlichen Charakter desselben, wie ihn 
Eilgenfeid setzt, bestätigend. Sonst sind über diese Litteratur 
noch ein zusammenfassender englischer Artikel 3 ) und über die alt- 
testamentlichen Pseudepigraphen überhaupt ein trefflicher encyklo- 
pädischer von DiUmann 4 ) zu bemerken. — Unter den übrigen 
jüdischen Schriftstellern bis zum Untergang des Staates steht Philon 
vorauf, dessen Weltanschauung Noack 6 ) charakterisiert. Zu dem 
immer noch nicht genügend kritisch festgestellten und erklärten 
Josephus gibt Tuch 6 ) einige eminente Untersuchungen; an die he- 
bräische sehr angemessene Uebersetzung des jüdischen Kriegs von 
Schulmann 6 a ) sei im Anschluss an die bereits früher erwähnte 
Bearbeitung der anderen Bücher von dem mit ihm nicht zu ver- 
wechselnden Samuel Schidia ra erinnert. Reuss ~'j charakterisiert 
scharf den ganzen Schriftsteller; die Ausgabe des hier ebenfalls zu 
nennenden Hegesippus hat Weber 8 ) fortgesetzt. 

Für unsre immer mehr erleichterte Kenntuissnahme der eigentlich 
jüdischen oder neuhebräischen Litteratur dienen eine 
Reihe mehr populärer oder strenger wissenschaftlicher Zeitschriften ; 
Kolin •') hat eine neue begonnen ; ihre natürliche Fortsetzung haben 
(trotz alles Nationalsinnes auch hier nicht ohne Mühen) gefunden 

2) Die Apokalypse des Esra und ihre späteren Bearbeitungen. Von Alfr. 
V. Gutschrmd, Hilgenfeld's Zeitschrift 1860, III p. 1—80. vgl. Ewald Bibl. 
Jahrb. X (1860) p. 222 f. 

3) The Apoealypse (mit Rücksicht auf .ältere und neuere Litteratur der 
sibvllinischen Orakel, der Apokalypsen u. s. w.) Westminster Review 1861 T. 
20 P . 448-487. 

4) A. DiUmann, Pseudepigraphen des A. T., Herzog's Real-Encyclopaedie 
XII (1860) P . 300-311. 

5) Der Jude Philon von Alexandricu und seine Weltansicht, eine Prospec- 
tive in die Psychologie der Weltgeschichte, in der Zeitschrift Psyche von AortCÄ" 
II (1861) Heft 6. 

6) Quaestiones de Flavii Josephi libris historicis. Scr. Fr. Tuch. Lipsiae 
1859, 31 S. 4. Quaestiones de Flavii Josephi loco B. J. IV, 8, 3. Scr. Dr. Fr. 
Tuch. Lips. 1860, 17 S. 4. 

6a) Enir"!"!"! P'^ri""- etc. (Milchamoth ha-Jehudim. |Der jüd. Krieg von 
Fla rät s Josephus zum ersten Male hehr, übers, u. mit Eiul. u. Anmerk. von 
K. Schulmann). Heft 1. Wilna, Romin 1861, 84 S. 8. 

7) Reuss, Flavius Josephus, Xouvelle revue de theologie Vol. IV (1859) 
livr. 5 (Xovembre). 

8) Herjcs'ippus qui dicitur sive Egesippus, de bello Judaico, ope codicis 
Cassellani recognitus. Edidit D. F. Weber. Fase. 34. Marburg, Elwert 1859 — 60 
p. 129—168, 169—220. 4. (ä V 2 Sfc) vgl. Bericht für 1857—58 no. 1104. 

9) Ti'ZZT, -£"N Schatzkammer der hebr. Litteratur. Zeitschrift für Ge- 
schichte, Kritik. Sprachkunde und Belletristik. Redigirt u. herausgeg. von Jo* 
seph Kohn. Jahrg. 1. Heft 1. Lemberg 1859 (auf d. Umschl. 1860). 122 u. 
Anhang vou 10 S. 8. vgl. Geiger in Z. d. DmG. XV (1861) p. 416. 



208 Gosche, vnssenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 18G1. 

die von Blumenfeld 1310 ), Koback u ), der ChalSe 12 ), die von Stern 13 ), 
Liebermann u ) und Frankel 15 ). Auch vermischte Notizen, theils 
anonyme hebräische 16 ), theils von Geiger 11 ) zur nachbiblischen 
Litteratur unter Christen, oder von anderen zum spanisch-portugie- 
sischen Judenthum 18 ) oder von Zedner 19 ) zur Pseudolittcratur, er- 
weitern oder berichtigen unsre Kcnntniss. Besonders letztere Notiz 
Zedners und die von Geiger 20 ) über das Vorkommen des Schrift- 
stellernamens Assaf zeigen, was hier noch der kritischen Forschung 
vorbehalten ist. Umsomehr ist bei den Gefahren, welche auf jüdi- 
schem wie auf allen Litteraturgebieten auch der wohlmeinendste 
Dilettantismus anrichten kann, anzuerkennen, dass, wenn auch noch 
nicht streng philologische Methode, doch ein lebendiger geschicht- 
licher Sinn um sich greift. Wiener 21 ) hat sehr scharfsinnig die 
Bedeutung des Quellenstudiums für die jüdische Geschichte hervor- 



1310) ^2t"i2 "litlN herausgeg. von Jgnaz Blumenfeld. 3er Jahrg. Wien, 
Knöpflmacher 1860, 188 S. 8. vgl. Geiger in Z. d. DmG. XIV (1860) 
p. 741 f. 

11) "|V"lti5^ Jeschurun. Zeitschrift für die Wiss. des Judenthums Gesam- 
melt u. herausgeg. von Joseph Kobalc. 3er Jahrg. Leipzig, Hunger 5619 
(1859), 4,88 u. 3 S. 8. vgl. Geiger in Z. d. DmG. XIV (1860) p. 584 f. 

12) yi2n!"i Wissenschaftliche Abhandlungen über jüdische Geschichte, Li- 
teratur u. Alterthumskunde. (Herausgeg. von Scliorr.) 4er Jahrgang. Breslau 
1859, 94 S. 8. vgl. Geiger in Z. d. DmG. XIII (1859) p. 713 f. desgleichen 
5er Jahrgang. Breslau 1860, 92 S. 8. vgl. Geiger in Z. d. DmG. XV (1861) 
p 4KJ — 4iy ; desgleichen 6er Jahrg. Breslau 1861, 94 S. 8. vgl. Geiger in 
Z. d. DmG. XVI (1862) p. 287—295. 

13) pnif 1 "^"D Koclibe Jizchak .... herausgegeben von M. E. Stern. 
Heft 25. Wien 1860, 124 S. 8. vgl. Geiger in Z. d. DmG. XIV (1860) p. 
584 f.; desgleichen Heft 26. Wien 1861, 96 S. 8. vgl. Geiger in Z. d. DmG. 
XV (1861) p. 813—819 (mit bes. Rücksicht auf Moses Dar'i). 

14") Jahrbuch. Mit literarischen Beiträgen Herausgegeben von //. 

Liehermann. Jahrg. 5. 6. 1857/58—1858/59). Brieg (1858-59) 136 u. 112 S. 
kl. 8. 

15) Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. Unter 
Mitwirkung mehrerer Gelehrter, herausgegeben von Z. Frankel. 8 — lOter Jahrg. 
Breslau, Schletter 1859—61, 8. 

16) Ö^SIlt niffl. Sdeh Zophim (Feld der Schauenden). Vier Abhh. über 
bibl. u. rabbin. Literatur. Lemberg 1860, 100 S. 8. vgl. Literar. Centralbl. 
1860 no. 48 p. 753 f. 

17) Das Studium der nachbibl. Literatur unter den Christen, von Geiger, 
Steinschneiders Hebr. Bibliogr. III (1860) p. 37 f., 77 f., IV (1861) p. 81 f., 
129 f. 

18) Analekten zur Literatur der spanisch-portugiesischen Juden , Frankel's 
Monatsschrift für Gesch. u. Wiss. des Judenth. 1859 p. 386f.; 1860 p. 29— 34 ; 
Moses Gidron Abudiente etc. ebendas. p. 69 — 71. 

19) Notizen von Rabbiner Dr. Geiger, Z. d. DmG. XIV p. 277—279. 

20) Zur Pseudoliteratur. Arab. Megillen v. Maimonides. Von J. Zedner, 
Steinschneiders Hebr. Bibliogr. IV (1861) p. 49. 

21) Ueber das bisher vernachlässigte Quellenstudium der jüdischen Ge- 
schichto. Von M. Wiener, Hebr. Bibliogr. IV (1861) p. lf. 



Gosche, mssenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 209 

gehoben, welche nicht allein an der Peripherie der "Wissenschaft ver- 
kannt za werden pflegt. I'as kann von dem 'Jahrbuch für jüdische 
Geschichte' -'-') gelten, welches vom israelitischen Institut heraus- 
gegeben wird, [n der jüdischen Geschichte, sobald sie nämlich diesen 
Namen verdient, erschwer! das Nebeneinander der vielseitigsten be- 
triebsam gesuchten Weltcontacte und der eigensinnigsten stolzesten 
Isolierung eine sichere (iesaniintautlassung. Was eröffnet Kiessel- 
bach 8S ) in seiner anlegenden Weise i'nv eine Perspective de- jüdi- 
schen Bandeis und was lassen die von Heyd<* Sh ) sehr gut unter- 
suchten italiänischen Eandelscolonien in Palästina nicht für Zu- 
sammenhänge zwischen diesem Theile des Orients und dein Occident 
voraussetzen ! Wer aus Jnsfs 24 ) nun bis zum achten J5uchc der 
dritten Abtheilung vorgerückten Geschichte des Judentimms und 
seiner Sekten sich ein Geschichtbild construieren wollte, dem würde 
wohl die Massenhaftigkeit der Gutachtenlitteratur klar werden, nicht 
aber die culturgeschichtliche Macht, welche die Juden zumal im 
Mittelalter noch ausgeübt haben. Hier haben wir bei Forschern 
wie Amador de los llios 26 ) anzufragen, dessen schönes Werk 
Mn</nabal den Franzosen zugänglich gemacht hat, und an welchem 
sich unsers Kayserimg 26 ) verwandte tüchtige Forschungen, deren 
Objectivität immerhin einmal durch eine pikante Studie 27 ) unter- 
brochen werden darf, würdig anreihen. Das ganze romanische 
Judenthum fasst JBcdam'de 26 ) zusammen-, das deutsche hat eine 
Reihe fruchtbringender monographischer Untersuchungen erfahren, 
die um so wichtiger sind, als sie im Osten den Zusammen- 
hang mit dem polnischen, im Westen und Südwesten mit dem 



22) Jahrbuch für die Geschichte der Juden u. des Judeiithums. Bd. 1. 
(Schriften herausgeg. vom Inst, zur Ford, der isr. Lit. 5es Jahr.) Leipzig 1860, 
VIII u. 287 S. 8. 

23) Willi. Kiesselbach, Der Welthandel der Juden am Ausgange des Alter- 
thums. Bremer Sonntagshl. 1859 no. 30. 

23a) Ueber die italienischen Handelscolonien in Palästina, Syrien u. Klein- 
armenien. Von Heyd (Prof. in Stuttgart). Stuttgart 1861, 8. 

24) J. M. Jost, Geschichte des Judenthums u. seiner Sekten. 3e Abth. 
Buch 6 — 8. (Schriften herausgeg. vom Institute zur Ford, der Israel. Lit. 
4s Jahr). Leipzig 1859, XVI n. 422 ,S. 8. 

25) Jose Amador <lc los Rios, Etudes historiques, polit. et litteraires sur. 
les Juifs d'Espagne; traduites pour la premiere fois en francais, par J. G. 
Magnabal. Paris 1860, XV u. 608 S. 8. 

26) M. Kayserling, Geschichte der Juden in Spanien u. Portugal. Th. 1: 
Die Juden in Navarra, den Baskenländem u. auf den Balearen. Berlin, Springer 
1861, XII u. 221 S. 8. (l 1 /., tf<) vgl. Ewald Gott. gel. Anz. 1861 no. 20 
p. 766f. und Steinsehneider's Hebr. Bibliogr. IV (1861) p. 11, 64f., 112f. 

27) J\f. Kayserling, Ein Feiertag in .Madrid. Zur Ueschichte der spanisch- 
portugies. Juden. Berlin, Springer 1859, X u. 49 S. 8. (12 ngr.) 

28) Les Juifs en France, en Italicet en Espagne. Kechcrches surleur etat depuis 
leur dispersion jusqu' a nos jours, sous le rapport de la legislation, de la litte- 
rature et du commerce. Par J. Be'darride. 2e ed. revue et corrigee. Paris, 
Levy 1860, VIII u. 616 S. 8. vgl. Ewald Gott, gel. Anz. 1861 no. 20 p. 
7 66 f. 

Jahresbericht l.S;">U— 18U1. 14 



210 Gosche, wiaaenackaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

französischen Judenthum erklären können. Für Oesterreich, dessen 
Judenthum von Werthheimer mehr Beinen allgemeinen Fragen aach 
berücksichtigt war, hringt Q-, Wolf 19 * 9 ) aach sorgfältiger Durchfor- 
schung der Ministerial-Archive eine Schilderung der israelitischen 
Verhältnisse aus der Zeil Ferdinand's II . der eher zehn Juden als 
einen Protestanten in seinem durch ihn ruinierten Reiche gelassen 
hätte; feiner eine Darstellung der neuen Geschichte der Juden in 
Wien 30 ). In eine ältere Epoche führt Gabriel Ben Naftah'si 31 ) 
Sammlung von Lemberger jüdischen Grabschriften, von welcher Arl 
Denkmäler man möglichsi sorgfältige and zahlreiche Ausgaben wün- 
schen niiiss, da sie in der l.'einl den einzigen opigraphischen Schatz 
bilden, welchen besitzen zu dürfen den .luden vergönn! war. Auch 
für die Geschichte der Wormser 88 ) und Burgauer 83 ) .luden hat 
O. Wolf werthvolle Studien geliefert, [hm schliesst sieh ebenbürtig 
Wiener's 34 ) schöne Arbeil aber die Israeliten in Bannover an. der 
sieh als sorgfältigen Herausgeber am 'Shevet Jehuda und als ernsten 
historischen Kritiker schon sonst bezeugl hatte. Für Danzig hat 
A. Stein 3n ), für Polen überhaupt Sternberg 3ß ) in dieser Beziehung 
-(•arbeitet. Aus dem Südosten ist noch eine höchst interessante 
Monographie von dem verdienten Levy 37 ) zu nennen, der an dem 
Herzog von Naxos, Don Joseph Nasi, ein Bild der jüdischen Yer- 



1329) Gf. Wolf, Ferdinand II und die Juden. Nach Aktenstücken in den 
Archiven der k. k. Ministerien des Ennern n. Aenssern, Wien, Braumüller 1859, 
VI u. 63 S. gr. S. vgl. Literar. Centralbl. 1859 no. 46 p. 727. 

30) Vom ersten l>is zum zweiten Tempel, Geschichte der israelitischen 
Cultusgemeinde in Wien (1820 — 1860). Von Gr. Wolf. Wien, Braumüller 
1861, VIII u. 208 S. 8. (1 fy). 

31) 1ö*lj? n53£73u. s.w. ^Mazebel Kodescb, Grabschriften des Gottesackers 
zu Lemberg, gesammelt von Gabriel b. Naftali Suksdorf. Heft 1. Lemberg, 
Schrenzel 1860, 18 Bl. 8. vgl. Steinschneiders Hebr, Bibliogr. V L862) p. 6f. 

32) G. Wolf, Zur Geschichte der .luden in Worms und des deutschen 
Städtewesens, Monatsschrift für Judenthum von Franke! X 1861 p. 321 333, 
361—370. 

33) G. Wolf. Abgaben, welche die Juden in Burgau zu bezahlen hatten. 
Monatsschrift für Judenthum von Frankel X L861 p. 22-1 f. 

34) M. Wiener, Geschichte der Juden in der Residenzstadt Hannover, 
vorzugsweise während des 10. Jahrh., Monatsschrift für Judenthum von Frankel 
X (1861) p. 121—136. 101—17.".. 241 258, 281—297. 

35) A. Stein. Die Cie>ehielite der .luden zu Danzip. Seit ihrem Auftreten 
in dieser Stadt bis auf die neueste Zeit. Zum ersten Male aus handschrift- 
lichen Quellen zusammengestellt. Danzig, Devrient 1860, 64 S. s . 20 Qgr.) 

36) Herrn. Sternberg, Versuch einer Geschichte der .luden in Polen seit 
deren Einwanderung in dieses Land um das IX. Jh.) bis zum J, 1848. Th. 1. 
Polen unter der Regierung der Piasten. Wien. Lechner 1860, XIII u. 117 8 
8. (28 ngr.) 

37) Don Joseph Nasi, Herzog von Naxos, seine Familie und zwei jüdische 
Diplomaten seiner Zeit. Eine Biographie nach neueren Quellen dargestellt von 
Dr. .1/. vi. Levy. Breslau, Schletter 1859, IV u. 57 S. 8. (12 ngr.) vgL 
Steinsehneiders Hebr. Bibliogr. II (1859) p. 00 u. 83 f. und Literar. Centralbl. 
1860 no. 14 p. 213 f. 



Gosche, wissenschaflL Jahresbericht für 1859 bis L861. 211 

i 

hältnisse in der Türkei j,'ibt. Und leider, wenn wir es aufrichtig 
gestehn wollen, ein für das gleichzeitige christliche lluropa schmach- 
vollesBild; der Chrisl wusste nur den Geldbeutel, der fifuhammedaner 

aber das Talent der .luden zu benutzen. Ueberhaupl i-t in diesen 
jüdischen Geschichten^ wenn sie und ihre Leser ehrlich sein wollen. 
von unserni Ruhm wenig zu linden. 

Unter den Veröffentlichungen von jüdischen Litterattur- 
werken steht der immer mehr und vollständiger auf den offnen 
.Markt, also auch dem hier etwa- widerwilligen christlichen Studium 
näher gebrachte Talmud in erster Linie. Von dem Babylonischen 
Talmud hat der betriebsame Goldberg 38 ) eine Stereotypausgabe be- 
gonnen -. eine Warschauer (freilich wie ich höre mit manchen die 
practische Religiosität nicht fördernden und der Wissenschaft scha- 
denden Censurlücken) schreite! rasch vor 88a ); auch von einer Wiener 
ist ein Band erschienen S8b ). Der erste Tractat der Mischna ist 
mit verschiedenen Commentaren herausgegeben worden 89 ). Sehr 
verdienstlich hat man die zum Tbeil culturge-ehichtlich interessanten 
Censurlücken der Talmudausgaben u. s. w. in Königsberg zusammen- 
gestellt 89 *). Die Zusätze zum Tractat Qiddushin von dem bedeu- 
tenden älteren Isaiah <l> Trani* 9x >) im 13. Jahrb., die Boraitha 
des Samuel und anderes Verwandtes zur Mischna 39 ') sind neu ge- 
druckt. Grosses, fasst völkerpsychologisch interessantes Aufsehen 
hat besonders unter seinen Glaubensgenossen Frankel iQ ) mit seiner 

38 Talmud Babylonicum. Textusexeditionibus üitegrioribusrestitutnsadjectis 
commentariis notisque criticis atque locorum indieibus hactenus editis. Cura et 
impensis N. A. Goldberg. Berolini, stereot. J. Sittenfcld (Vendunt A. Asber et 
Co.) 1861, 147 u. 20 Bl. fol. vgl. Steinschneiders Hebr. Bibliogr. IV' (1861) 
p. 132. 

38a) niBDirü . . . NEynKböa üipa zz~>: tiöns . . . nD'nn röö» 

u. s. i,v. (Der Babylonische Talmud). T. 1 — 7. Warschau, Druck von Orgel, 
brand 1859 61, IV u. 570, vni u. 312, vni n. 500, 568, 544, 684, 510 S- 

fol. (der Band mit je einem Tractat n. n. 2 ffip. 10 "gr.). 

38b "T^Z --:bn "p 2 ^3573 » s. w. (Der Babylonische Talmud). T. 1. 
Wien, Ezped. des Talmud 1860, 446 S. fol. in. 2 ty. 10 ngr.). 

39 Mischna ordo I. de seminibus cum commentariis Bertinoro, Jomtob 
Heller et recentiorum in liis Akiba Etiger. Denuo edidit Ben/. Wulf E/gcr 
et N. A. Goldberg. (Hebr.) Vol. I. II. Stettin (Berlin, Adolf u. C.i 1860, 
380, X u. :;48 S. 4. (ii 4 fy). 

39a) D 'C~ P"i;*"lO!"i n*N^";3 ö'lUSIp u. S. vr. (Chesronot ha-Schas. 
Censurlücken des babylon. Talmud u. der Commentare desselben. — Königs- 
berg 1860) 10S u. 36 S. 8. 

39b) l"i*\ mDOin i^nan (Tosafot des K. Jesaia de Tram). Lemberg, 
Flecker 1861, 70 Bll. fol. 

39c) *l2~1T! ~X"";w~ Nr"""3 u. s. w. (Baraita des Samuel nebst Ma- 
sechet Gan Eden und Masechet Gehinnom, Horat we-Ledat David, Maase Ma- 
schiach, herausgeg. von Nathan Amrani). Salonichi 1861, 32 S. 12. vgl. 
Steinschneiders Hebr. Bibliogr. 1862 QO. 26 p. 25 f. 

40) Hodegetica in Mischnam librosque cum ea conjunetös Tosefta, Me- 
chilta, Sifra, Sifri. Auetore Z> Frankel. Pars I: Introductio in Mischnam. 

u* 



2J2 <■',/:■,/,,. wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 6t« 1861. 

Einleitung in die Mischnao gemacht. Nicht allein wegen dieses Auf- 
sehens, sondern damit auch in christlich-theologischen Kreisen mehr 

Einsicht in dergleichen Dinge verbreitet wurde, wäre eine palende 
deutsche Umarbeitung der gründlichen Arbeit sehr zu wünschen. 
Denn es ist von formaler Seite ausserordentlich interessant, auch 
nach Geigers trefflichen Arbeiten in der Mischnah das Ringen einer 
bcvvussten auf Reinheit ausgehenden Handhabung der untergegangenen 
Sprache mit der unhewussten Unterordnung unter das lebendige Ara- 
maisierende zu beobachten; aber auch in materieller, die anschiessende 
Bildung des jüdischen Glaubenssystems von einem Einfacheren aus 
zu erkennen. Diese Forschungen werden ihren Biegreichen Weg 
machen und der Lärmen, welchen Frankeis noch mehr auf gewisse 
praktische Momente gerichteten Arbeiten erregt haben, wird seinen 
verdienten Namen bei einer anerkennenden Zukunft nicht übertönen. 
Auch erhalten wir sonst einige Beiträge zur Einleitung in den Tal- 
mud von ihm 1 ' iil ). In den Kreis derselben Litterat ur gehört von 
den neueren Publicätionen besonders das grossartige aus dem Ende 
des Uten Jahrhunderts stammende Tälmud-Compendium des treff- 
lichen Alfasi* 1 *), das zwar schon oft genug gedruckt ist, dessen 
neue auf 15 Bände berechnete, auf den Amsterdamer Text von 1643 
gegründete und mit Commentar versehene Ausgabe gleichwol will- 
kommen geheissen werden muss. Von des auf der Gränze des 
13ten und 14ten Jahrhunderts stehenden Salomon Ibn Äderet**) 
Novellen liegen die zum Tractat Manachot vor. Ein bereits 1858 
gedruckter Talmudindex von Pkoebus Fränhd^) ist erst jetzt in 
den Handel gekommen. Dubs**) gibt einige Erklärungen, Beer ! - 
einige für Philosophiegeschichte nicht uninteressante talmudische No- 
tizen über altgriechische Weisen. Ein lebhafteres Interesse kommt 
natürlich den praktischen Talmud-Stoffen und -Fragen entgegen, so 



(Hebr.), Lipsiae, Hunger 1859, 342 S. 8. (2 fy.) vgl. B. Beer in Z. <1. DmG. 
XIV p. 323-333. 

1341) Frankel, Beiträge zu einer Einleitung in den Talmud, Monatsschrift 
für Judentimm X (1861) p. 186-194, 205—212. 258 272. 

41a) DD5N !2"1 Raw Alfas i. e. R. Isaaci Älfasi Compendium Talmudis 
babylonici (mbPT"! etc.) adjeetis commentariis etc. ad modam edit. Amstelod. 
editum. Vol. 1. Berlin, Adolf u. Co. 1860, 248 S. 8. (1 jfc ). 

42) N ^'£^.1 "Clin n. s. w. (Chidusche Haraschbo, Novellen zu dem 
Tractat Manachot, von Salomon Aderet.) Warschau, Bomberg 1861, 66 Bll. 4. 
vgl. Steinsehneiders Hebr. Bibliogr. 1862 no. 27 p. WW. 

43) Plioebus Fränkel, tö~nb "jM£ Llber Xijun li-Dorasch seu Index 
rerum et sententiarum talmudicarum. Krotoschin (Berlin, Adolf u. Co.) 1860, 
III u. 296 S. 8. (2V 3 fy). 

41] J>n/'S, Beitrage zur Real- u. Worterklärung des Thalmuds, in ;-;-| ; £ 
D^EHS (Lemberg 1860) p. 57- 71. 

45) B. Beer, Ansichten altgriechischer Weisen im Talmud, Monatsschrift 
für Judenthum von Franke! N (1861) p. L45 L48. 



Goxeke, wit enschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 213 

besonders der Darstellung von Joües "■). I>ie Allegorien dieser 
Litteraturmasse unternimmt mit Recht Dessauer* 8 *) systematisch 
zu erläutern; Klein 1 '') regl dogmengescbichtliche Betrachtungen an ; 

Landsberger 4S ) ritualgorliirlitliclie; Deutsch ,;i erinnert an die 
talmudische Auffassung der Gelehrsamkeit. Allerlei Halachischi 
und Haggadisches findet sich hei David Alexander Ben Noachl* 
und bei Ckqjfim* 9 *), das culturgeschichtlich verweilet werden kann. 
Mit grosserer Tlieilnahnie als diese mit schärfster Verständig- 
keit und einem fasl mysteriösen Nationalitätssinne formulierte Litte- 
ratur werden wir ausserhalb dieses Culturkreises Stehenden immer 
die, wenn auch mit dem Cultusleben verflochtene, so doch aus dem 
Herzen des jüdischen Volkes und seiner innersten Geschichte ent- 
sprungene synagogale Poesie aufnehmen und betrachten. Der 
grosse Altmeister aller dieser Forschungen, Zunz 50 ), hat nach mehr 
als zwanzigjährigen Untersuchungen über dieSelichot und nachdem er 
1855 in dem eine tiefe dichterische Anempfindung, wenn auch nicht 
überall gleiche Sprachgewandtheit zeigenden, nicht selten tragischen 
Werke über die synagogale Poesie des Mittelalters das Bild eines 
poetischen Reichthums dargelegt, wie wir es bis jetzt noch von 
keiner anderen orientalischen Sprache besitzen, durch weitere hand- 
schriftliche Forschungen besonders in London und Oxford gerüstet, 
als eine wesentliche Ergänzung oder vielmehr Weiterführung eine 



46) Jak. Zebi Jolles, D^yi^in N3M Meto ha-roim de ritibus talmudicis 
et interpretatione talmudica opus tripartitum. Halberstadt (Berlin, Adolf u. C.) 
1859, X u. 559 S. 4. (4 2 / 3 #. ). 

46a) V'm ri72in bK^Kft u. s. w. Auch mit deutschem T. : Ariel 
Gottes Gebäude, ein Leuchtthurm zur Beleuchtung und Erläuterung Talmudi- 
scher Allegorien von Gabriel Dessauer. Pest, gedruckt bei Wodianer 1859, 
58 hebr. u. 40 deutsche S. 8. 

47) S. Klein, Le Juda'isme, ou la verite sur le Talmud. Paris 1859, 
117 S. 8. 

48) Landsberger, Die zur Zeit der Talmudentwickelung üblichen gottes- 
dienstlichen Vorträge der Juden an einer These des Talmuds nachgewiesen, II. 
tiiebermann's Jahrb. 6 p. 60 — 74. 

49) D. Deutsch, Die Bestimmungen der Kabbinen über die Nichtgelehrtcn, 
in II. Liebermann's Jahrb. 5 p. 6 — 31 und: Die Bestimmungen der Rabbinen 
über die Ehrfurcht gegen die Gesetzlehrer etc. ebend. 6 p. 1 — 32. Gegen 
Nethivot Olam oder der wahre Israelit von A. 5t. Caul, nach d. Engl, von 
Ayerst. Frankf. a. M. 1839. 

49a) IDin M1T73 u. s. w. (Misbeach Chadäsch, Halachisches von Dacitl 
Alexander Ben Noach). Breslau. Salzbach 1857, 105 Bll. 4. (Die Censur 
von 1859). 

49b) D^n! - ! flu u. s. w. (Erez ha-Chajjirn. Th. 1: Halachisches u. 
Haggadisches zum Tr. Berachot. Th. 2: Collectaneen u. s. w. vom Kabb. 
Chajjim in Czernowitz). Czernowitz, J. Eckhardt 1861, 79 u. 30 Bll. 4. 

50) Die synagogale Poesie des Büttelalters. Von Dr. Zunz. 2e Abth. 
Auch m. d. T. Die Ritus des synagpgalen Grottesdienstes, geschichtlich entwickelt. 
Berlin, Springer 1859, 249 S. 8. 2 •''/. vgl. Steinschneiders Hebr. Bibl. II 
(1859) p. 27, 48 und 69 f. und Lit. Centralbl. 1859 no. 16 p. 250 f. 



21 | riiriftl. Jahresbericht för 1859 bis 1861. 

Darstellung des Ritus des synagogalen Gottesdienstes gegeben, so 
dass zunächst noch die eigentlich litterarhistorischen Parthien übrig 
bleiben ; auf der andern Seite unser sehnliches Verlangen nach Er- 
neuerung des längst aus dem Buchhandel geschwundenen Buches 
über die gottesdienstlichen Vorträge um so lebendiger wird. Aesthe- 
tisch verwöhnte Leser mögen nicht selten an dem Lakonismus dieser 
lediglich auf die sicher ermittelten Thatsachen ausgehenden Darstellung 
Anstoss nehmen; mit Unrecht würde man aber Kleinlichkeit der 
Anschauungen oder Beschränktheit der Gesichtspunkte tadeln: viel- 
mehr erscheint überall das für eine flüchtigere Beobachtung scharf 
abgegrenzte Leben des synagogalen Cultus in Zusammenhang gesetzt 
mit den Bewegungen der Culturgeschichtc und gegenüber der tradi- 
tionellen Gebundenheit die schöne Freiheit der individuellen Bewe- 
gung in den Selichoth. Die verwandten christlichen Forschungen 
über die Cultusformen der mittelalterlichen Kirche kommen selbst 
innerhalb der hierin sonst so bedeutsamen kat Indischen Wissenschaft 
dem entsagenden gründlichen Ernste der Israeliten nicht ganz gleich. 
Umsomehr ist es im Interesse der Wissenschaft zu bedauern, dass 
ein so hervorragender, doch in einem anderen Sinne als Zunz mo- 
derner Geist wie Grätz 13bi ) sich last im Gegensatz zu dem einsam 
grossen Forscher fühlen muss, wenn er voll Bitterkeit in einer Ab- 
handlung über die Anfänge der neuhebräischen Poesie gegen die 
von jenem aufgestellten Erklärungen der Pesiqtha u. A. polemisiert 
und mit der ihm eigenen Combinationsgabe noch zweifelhafte Daten 
zu blendenden geschichtlichen Constructionen verwendet, um dafür 
die schärfste Büge von dem scharfsinnigen Geige)- 53 ) zu empfangen. 
Wäre Ernst und Sicherheit der Methode für die jüdische Wissen- 
schaft schon in weiteren Kreisen befestigt, so könnten dergleichen 
Discussionen nicht entschieden genug geführt werden; aber trügt 
die Beobachtung nicht ganz, so ist hier noch ein sehr breiter Di- 
lettantismus vorhanden, der von einer rücksichtlosen Bekämpfung 
der soliden Autorität noch Nahrung empfangen wird, da er dieser 
an entsagender Beharrlichkeit des Forschens nicht gleich zu kommen 
vermag. Der letzteren aber bedarf es, wenn nicht so hastige Ver- 
muthungen, wie die neulichen von Goldenthal bi ), aufgestellt weiden 
sollen. Unter den christlichen Gelehrten hat sich nur Ewald 5 *) 



1351) Die Anfänge der neuhebräischen Poesie. Von Dr. Graet-, Frankel's 
Monatscbr. für Gesch. u. Wiss. des Judenth. 1859 (Nov.) p. 401 — 413, 1860 
(Jan.) p. 19-29, (Febr.) p. 57—69. 

53) Berichtigung einiger neuen Behauptungen. Von Geige)', Steinschnei- 
der 's Hebr. Bibliogr. III (1860) p. lf. 

54) Ueber einige Benennungen synagogalcr Gesänge des Mittelalters, wie 
über die Namen der Accente im Hebräischen. Von ./. Goldenthal. (Aus d. 
Junihefte des .1. 1859 der Sitzungsberichte der philos.-hist. Cl. der K. Ak. <1. 
Wiss. Bd. 31 p. 399 41!». Wien, Gerold 1859, 22 S. gr. 8. (8 ngr.) vergl. 
Steinschneider^ Hebr. Bibliogr. III (1860) p. R6f. 

55) Ueber ein bruchstüch Hebräischer handschrift in Wolfenbüttel. Von 
H. Eicald, Gott. gel. Anz. 1860, Nachr. No. 21 p. 20'.)— 223. 



Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 215 

an diesem Forschungsgebiet mit der Untersuchung eines Wolfen- 
büttler Machsor-Fragments betheiligl und den Wunsch rege gemacht, 

dass dergleichen ehrwürdige Litteraturbruchstücke, welche in unseren 
Bibliotheken versteckt sind, liberall ans Licht gezogen werden möchten. 
Die übrigen litterarischen Erscheinungen der Art beziehen Bich mehr 
auf Praktisches, so die zugleich polnisch gegebenen Gebete auf Neu- 
jahr 66 ) und auf den Versöhnungstag 56 ' . woran sich einiges zum 
Purimfest 66b ) und allerlei Erbauliches von Sacharja Plungian 66 ' ) 
reiht; die Lebensverhältnisse des letzteren und .-eine litterarischi 
Thätigkeil weiter zu ermitteln möge den israelitischen Literarhisto- 
rikern empfohlen sein. Das Rituale und der damit verbundene 
(Jenieindegesang wird vom modernen Geiste berührt, wodurch Gerson- 
Levy's 51 ) Betrachtungen und Rapoports 6 *) metrische Nachbildung 
hebräischer Gesänge veranlasst sind. 

Auch für die weltliche Dichtung ist mancherlei geschehen . 
Rayserling 59 ) , der mit rühmenswertester Thätigkeit der Cultur- 
geschichte der Juden nachgeht, hat die Theilnahme der spanischen 
.luden an romanischer Poesie betrachtet und eine Art von Gegen- 
stück zu Kaempfs Sammlung jüdischer Poesien des Uten bis 13ten 
Jahrhunderts aus Spanien geliefert. Aber trotz aller Gründlichkeit 
der Forschung und alles geschichtlichen Uniblicks ist sein Vorgänger 
ihm durch die Grösse seines Stoffes überlegen, denn die jüdischen 
Dichter haben ihre ganze poetische Kraft nur in ihrer National- 
sprache offenbart. Immerhin füllt jedoch Kayserling's Buch eine 
Lücke der allgemeinen Litteraturgeschichte aus. Das interessante 



56 rTHC in^m u. s. w. (Tefilin jeschara. Gebet für Neujahr .... von 
Ch, J. U. Asulai. Hebr. u. polnisch-deutsch). Königsberg, Gruber u. Long- 
rie« 1861, 15 Bll. 8. 

56a) !"!!3T !l5Dn etc. (Tefilla sakka. Gebet für den Versöhnungstag .... 
von Abr. Danzig. Hebr. u. polnisch-deutsch). Königsberg, Gruber u. Long- 
rien 1861, 18 Bll. 8. 

56b) riTU; "pN ~ " Ittbffi u. s. w. (Schulchan Aruch Ebn Schetijja. 
Parodierende Regeln für Purim). Lemberg, gedr. von S. Back 1861, 8 Bll. 8. 
// 

56e) STVIDT u. s. w. (Buch Sechira : Sympathetisches, Gebete und 
Andachtsübungen. Von Secharja Plungiaii. Th. 1. 2.) Lemberg, M. Schreiber 
1860—61, 20 u. 28 Bll. 8. 

57) Orgue et Pioutim, par Gerson-Livy. Nouvelle edition. Paris 
1859, 8. 

58) Hebräische Gesänge. Metrisch nachgebildet von j\l. Rapopovt. Leipzig. 
Fiitzsche 1860, VIII u. 112 S. 8. (18 ngr.). 

59) Sephardim. Romanische Poesien der Juden in Spanien. Ein Beitrag 
zur Literatur und Geschichte der spanisch-portugies. Juden von M. Keyser- 
ling. Leipzig, Mendelssohn 185!». XII u. ,'i7l S. gr. 8. (2 ^ ). Vgl. Literar 
Centralbl. 1859 nr. 15 p. 238 und nr. 21 p. §34f.; Ewald Gott. gel. Anz 
1861 nr. 20 p. 766f. und Steinschneider'* Hebr. Bibliogr H ;1859) p Sil'. 

III (1860) p. 67 f. 87; iv (1861) p. 37 f., 90f. 



21 G Gosche, wissensehafä. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

Denkmal der spanisch -jüdischen Dichtung des I3ten Jahrhunderts 
'Prinz und Derwisch' von Abraham Bar Ghasdai 1 * 59 *) hat in 

Meiseis Bearbeitung so viel Anklang gefunden, dass eine zweite 
Ausgabe nötbig geworden ist; sie wird auch in den nicht jüdischen 
Kreisen das Interesse nicht allein für spanisch-jüdische Poesie über- 
haupt beleben, sondern auch die Kcnntniss der Weltlitteraturstoffe 
um so bestimmter fördern, als hier der aus dem Buddhismus ge- 
kommene Stoff von Barlaam und Josaphat durch eine arabische 
Durchgangstute dem Judenthum zugeführt wird. In einer andern 
litterargeschichtlichen Berührung zeigt sich die jüdische Dichtung 
bei der Behandlung der Alexandersage, für welche auch die von 
Stern 59b ) aus jüdisch -arabischen Quellen gemachten interessanten 
Mitteilungen merkwürdiger Weise keine selbständige Entwicklung 
bei den Juden zu erweisen vermögen, sondern immer nur Entleh- 
nungen voraussetzen lassen. Von demselben lebendigen Geiste des 
Culturverkehrs ist trotz aller nationalgläubiger Tendenz das uns in 
neuer Ausgabe vorgelegte 'Buch Kusari' des Jehuda ha-Levt 60 ) be- 
rührt, der Theologie und Philosophie so epochemachend zn ver- 
binden gewusst hat; eine Spannung aber setzt voraus der apologe- 
tische Tractat des Moses Ben NacJnnan 61 ) aus der Mitte des 
13ten Jahrhunderts, dessen Ausgabe wir Steinschneider zu ver- 
danken haben. Solche apologetische Stellung einzunehmen haben 
auch die Culturverhältnisse der Gegenwart wieder Veranlassung ge- 
geben, wie man an Skreinka 62 ) und noch mehr an Bloch 63 ) 
sehen kann. 

Einen Glanzpunkt der ganzen jüdischen Litteratur bezeichnen 
ihre ethischen Werke, in welchen das besondere Talent der Na- 
tionalität für den Spruch, sei dieser nun unmittelbar phantasievoll 



1359a) Prinz und Derwisch oder die Makamen Ibn Chisdai'a von IT. A. 
Meisel. 2e durchaus umgearb. Aufl. mit .... Illustr. Pest. Geihel 1860, 311 
S. gr. 8. (D'a Sfy) vgl. Frankel's Monatsschrift 1862, XI p. 277 ff. 

59t>) Zur Alexander-Sage. Von M. E. Stent. Wien, Herzfeld u. Bauer 
1861, VI u. 35 S. gr. 8. (n. 10 ngr.) 

60) Jehuda ha-Levy ^TTIlDin D'Liber Cusari seu de fidei judaicae veritate 
disputatio. Ex Arabico vertit in hebraicum sermonem Jehuda beu Tibbon, 
commentarium adjeeit Isr. Samoscz. (Hebr.) Berlin, Adolf u. C. 1860, XH 
u. 434 S.^8. (3V 8 fy)- 

61) ") 3"ö")fl mD'1 u. s. w. Nachmcmides Disputatio pro fide judaica 
e codd. mss. recognita , addita ejusdem Expositiene in Jes. LIII. Edidit M. 
Steinschneider. Berlin, A. Asher et Co. (1860) 26 S. 8. (8 ngr.) vgl. Stein- 
schneiders Hebr. Bibliogr. III (1860) p. 44. 

62) Beiträge zur Entwiekelungsgeschichte der jüdischen Dogmen u. des 
jüdischen Cultus. Von h. Skreinka. Wien Leipzig, Leiner) 1861, V u. 198 S. 
gr. 8. (l'/s fy) vgl. Lit. Ccntralbl. 1862 no. 14 p. 231 f. vgl. Kahmer in 
Frankel's Monatsschrift 1862, XI p. 77 f., 1 14 f. 

63) S. Bloch, La foi d'Isracl, ses dogmes, son eulte, ses ceremouies et 
pratiques religieuses, sa loi morale et sociale, sa mission et son avenir. Paris 
1859, XVI u. 444 S. 8. 



Gosche, wiesenschaßl. Jahresbericht /fir 1859 M» 1861. 217 

empfangen oder mit verständiger Schärfe zugespitzt oder in tiefem 
Denken verarbeitet, zu seinem Rechte gelangen kann. Bier ist auch 
vor allen der Riese des Denkens und der religiösen Empfindung 
Ibn Oebirol zu nennen, von dessen ursprünglich arabisch anter 
(1. T. Mukhtär-al-jawähir zusammengestellten bunten Sprüchen nach 
Ibn Tabon's hebräischer Bearbeitung Ascher**) Mittheilung macht. 
Verdienstlich ist es, dass Dul.-es 66 ) diesen Dichter-Philosophen von 
Seiten seiner ethischen Schriftstellerei zu betrachten begonnen hat. 
Ein ethisch-psychologisches Werk desselben, in Qaragoca 1045 ver- 
i'asst, gibt Sübermann Cü ) heraus. Aach von seinem Zeitgenossen 
Ibn Gai/ät [ '"') erhalten wir Ethisches, desgleichen von dem nur 
wenig späteren Abraham Ben Ckäyya 68 ). Da-- 12te und 13te 
Jahrhundert sind in dieser Beziehung gar nicht vertreten ; für das 
14te erhalten wir Einiges aus dem 'Eben bockan des Kalonymos 09 ) ; 
aus der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts, aber von dem Geiste 
des Zeitalters nicht im Geringsten berührt, nur stark mit poetisch- 
kabbalistischen Elementen versetzt, von Neuem das schon öfter ge- 
druckte Werk tles Moses Chayyim Luzzatto 70 ) : ausserdem Ethisch- 



64) A choiee of pearls: embracing a collection of the most genuine ethical 
sentences, maxims and salutary reflections, originally coinpiled froin the Arabic 
by the fatlnr of poets and renowned philosopher Rabbi Salomon Ibn Ga- 
berol, and translated into Hebrew by R. Jehuda Ibn Tibbon ; the Hebrew text 
carefully revised and corrected by the aid of live mss. ; aecompanied by a 
faithful translation into Engfish, with notes and illustrative parallels selected 
from ancient , mediaeval , and modern authors by B. W. Ascher. London 
1859, 200 S. 12. 

65) Leop. Dukes, Salomo ben Gabirol aus Malaga u. die ethischen Werke 
desselben. Mit einer Uebersicht der meisten ethischen Werke der Araber. Ein 
Beitrag zur Literaturgesch. der Araber u. Juden des Mittelalters. Heft 1. Han- 
nover. Helwig 1860, XII u. 124 S. gr. 8. (20 ngr.j vgl. Literar. Uentralbl. 
L860 no. 46 P . 732 f. 

66) UJBiri m~72 11pP, p5i "jTlJl u. s. w. Goren Nachon seu Tikkun 
Middot ha-Nefesch de morum integritate celeberrimi poetae opus denuo ed. K. 
L. Silbermann. Berlin. Adolf u. Co. 1860 VII u. 35 S. 8. (10 ngr.). 

67) mFI^C ^^ly'w,* u. s. w. (Schaare Simcha Th. I der Halachot des Isaak 

Ibn ( rajjat u. d. T. D*"i""C nt??3 Mea Schearim mit Commentar von 

Isaak Dob Bamberger u. s w.) Fürth, Sommer 1861, 2 Bll. u. 117 S. 4. 
vgl. Steinschneiders Ilelir. Bibliogr. 1\' lSl'il p. 60 f. 

(i,^) "££:,"i "jV^ri u. s. w. (Hegjon lia-nefesch oder Sitteubuch von Abra- 
ham ben Chijja ha-Nasi. Dabei eine Abb. über das Buch u. den Vf. von 
IS. J. L. Rappoport. Herausgegeben .... von K. Freimann). Leipzig, Druck 
von Vollrath 1860. LX1II u. 84 S. 8. (n. 24 ngr.) vgl. Steinschneiders Hebr. 
Bibliogr. IV (1861) p. 108 f. 

69) Proben aus dem Prüfstein (~Tj2 *3N) des Kalonymos ben KaUmy- 
mo8, einem satyrisch-kritischen Sittengemälde des L4ten Jahrh. von Wolf Aloys 
Meisel, in H. Liebermann's Jahrb. 6 p. 85 — 105 (,Cap. 33, 34 u. 41, 42). 

70) Moses Chqjjim Luzzatto, Z'^'C rrC?0 Messilat Jescharim (via pro- 
borum) de morum integritate. Königsberg 1858 (Berlin , Adolf u. C. 186l • 
96 S. 12. (12 ngr.) 



218 Gosche, wiesenchaftl Jcüiresbericht für 1859 hin 1861. 

^scetisches von Elieser Papo 1311 ), Chassidisches vod Zebi EU- 
melech 11 *) und allerlei Gesammeltes der Art 711 '). 

Auf der Gränze des praktischen ethisch oder traditiouell auf- 
zufassenden Lebens und der Theorie .steht die an und für sich für 
aus nicht eben interessante, aber durch ihre reichen geschichtlichen, 
Im onders culturgeschichtlichen Bezüge interessante Gutaehten- 
Litteratur, welche die neuesten Publicationen nebsl der ver- 
wandten theoretischen Litteratur vom L2ten bis zum 19ten Jahr- 
hundert zu verfolgen erlauben. Wir erhalten Gutachten von Mai 
monides 12 ) und seinem Sohne 73 ); die Litteratur, welche sich um 
Joseph Qaro's 'Schulchan 'Aruch' seit dem lotm Jahrhundert grup- 
piert, wie die erschienenen Commentare von Asulai u ) und J.Aucr- 
back 15 ), weist bei der praktischen Bedeutung dieses Werkes auch 
Gutachten von Kvhen Rapop&rt' 1 **) auf und gelegentliche Aus zi 



1371) Y$V N-C u.s.w. (Pete Joez. Ethik und Ascetik nach Stichwör- 
tern alphabetisch von Elieeer Ben Tsaak Famo. 2e Aufl. T. L. 2.) (Bucuresci) 
1860, 171, 351 u. 2 Bll. 8. 

71a) KpiE" N^-"N u. s. w. (Agra de Pirka. Allerlei Chassidisches von 
Zebi EÜmelech.) Zolkicv, gedruckt bei S. Pineas Stiller 1861, 70 Bll. 8. 

7lb) Q' 1b ")C' , *0"n u.s.w. (Darke JescharTm ('h;i>sidi-che Untersuchungen, 
gesammelt von R. Mendel aus Przemisla , w . Lemberg, gedruckt 1 > * - i G-alinsky 
u. Flecker 1860, 10 Bll. 8. — Zugleich mit nttN "pl Ö3> plSt "Oll u.s.w. 
(Darke Zedeq. Chassidische Unterweisungen, angeblich von Secharja Mendel 
in Jaroslaw, und: Derech Kniet von Meschullam Phoebus Heller). 12 Bll.: 
ferner: 5 72") ^UIpS u.s.w. (Liqqütc Remal. Cha>sidische Collectiouen des Moni' 
Jelmda Loeb über Pentateuch etc.) 11 Bll ; und: mJlrtJfn u/'m ORTIÄ 
m'^C■ , u. s. w. (Zawaat Ribesch. Testament des Israel Beseht und Hanhagot 
jescharot des Dob Bär in Meseritsch.) 11 Bll. 8. 

72) D ÜÖ^lin mS'Nöri u. s. w. (Tcschuboth ha-Bambam we iggerotaw, 
Gutachten und Briefe des Moses Maimonides in drei Theilen herausgeg. von 
Abraham Lichtenberg.) Leipzig, Schnauss 1859, XII u. 132 S., 90 u. 2 S., 

X u. 48 S. 4. vgl. Steinschneider^ Hebr. Bibliogr. III (1800) p. 65 f., 105 f., 

IV (1861) p. 85. 

73) Abraham ben Mosis Maimonidis DrTQN rOH2 Bircat Abraham 
Responsa ad quaesita Daniel ha-Babli. E msto Biblioth. Paris, eruit D. B. 
Goldberg, ed. Elieser Silbermann. Lyck Berol., Adolf u. Co.) 1859, XN 111 
u. 67 S. 4. (n. IVü fy). 

74) rp"P "0*121 u. s. w. (Birke Josef Über die 4 Theile des Josef Koro 
nebst den Nachträgen Schijjure Beracha von 67t. ]). Asulai.) Th. 1 — 4. Wien. 
della Torre 1859, 130, 74, 29 u. 74 Bll. fol. (Berlin, Adolf u. Co. ä Bd. 
2 fy ). 

75) Is. Auerbach, tPTi "''"Q" u. s. w. Dibre Chajim seu commentarii 

in eodicem Schulchan Aruch. Hebr.) Berlin, Adolf u. Co. 1860, IV u. 559 S. 
fol. (4 3ty. ) Scheint einfache Wiederholung einer wahrscheinlich in Breslau 1852 
gedruckten Ausgabe. 

75a) m3 1125m nibKIÖ u. s. w. (Scheeloth u Theecbuboth, Cutachten des 
Chajjim /><n Simchah Kohen Rapopört, Rabb. zu Lemberg, über die vier 
Theile des Schukhan Aruch . Lemberg, Back u. Menkes 1861, 112 Bll. fol. 



Gosche, icissenschqftl. Jahresbericht für 1859—1861. 21! I 

aus dem grosseo rituell -rechtswissenschaftlichen Werke 78b ); Beines 
Verfassers hochangesebene Gutachten 76 ) sind oeu gedruckl und mit 
dem auszüglichen Werke Abraham Daneig's 11 ) wie mit dessen 
Gutachten 78 ) zu verbinden; die beiden letzteren Stücke sind auch 
zusammen erschienen 78 *). Von den übrigen derartigen Sammlungen 
sind die voll Gerson Aschkenasi' 16 ^) aus dein 17ten ; von Jeches 
kiel Landau 186 ) aus dem I8ten und von Israel von Brunn 79 ), 
Salomon David Eibeschütz 79 *), Dobbärusch Aschkenasi' 19 *) zu 
erwähnen. Auch die neue Ausgabe der Schlachtregeln von Abra- 
ham Sussmann Ben Joseph"* 96 ) mag hier eine Stelle haben. 

Zur Geschichte der theologischen Wissenschaften, natürlich be- 
sonders in ihrer praktischen Bedeutung, doch auch nach ihren reli- 
gionsphilosophischen Neigungen, ist die wichtige Teschubah des Gaon 
Scher&ra 80 ), der von 967 997 im Amte war und die Gaons vom 
7ten Jahrhundert ab verzeichnet, zu nennen: sie verdiente in vollem 



75b) Ü^CJI rQ"in u. s. w. (Chobat Nasehim . ein Auszug aus Sulchan 
Anu'li I — III, in polnisch-jüdisch-deutscher Sprache [von .J. S. TM i t Punktation].) 
Königsberg, gedr. bei Gruber u. Longrien 186 1, 36 u. 47 Bll. 12. 

76) Jos. Caro, rnUTtöm mbNtü u. s. w. Gutachtensammlung. Neu 
herausgeg. von J. Fischl. Leipzig Berlin, Ashcr u. Co.) 1859, 416 S. 4. 

(3% m 

77) Abr. Datizig DTN P5-«n u. s. w. Liber Chochmath Adam seu com- 
pendium libri Jore Dea. Permultis cum adnotatiunibus, quas priores editiones 
non continent. (Hebr.) Berlin. Adolf u. Co. 1860, 480 S. 8. {l% 5Rf>. ). 

78) Abr. D<mzigp*MH n;' 1 3 u. s. w. Liber Binath Adam seu Deeisiones 
variae talmudicae Permultis cum adnotationibus, quas priores editiones uon 
continent. (Libri Chochmath Adam P. II). [Hebr.] Berlin, Adolf u. Co. 1860, 
168 S. 8. (25 ngr.). 

78a i 3~N n^2, DIN TKOr\ u. s . w . (Chochmath Adam, Binath Adam, 
von Abraham Dansag). Stettin. Sehrentzel 1861, 464 u. 154 S. 8. 

78b) i^fljta,};-, i-m^y mbNlü u. s. w. (Abodath ha-Gerschuni, Gutachten 
des Geron Aschkenasi). Lemberg, Lewin 1861, 80 Bll. 8. 

78c) !Tnt"Pa 3*115 u. s. w. (Noda Bihuda. Gutachten des Jeclieskiel 
Landau. Th. 1. 2. und: Neue Folge Th. 1. 2. 76, 7; 123 und 116, 118 Bll.) 
Stettin, Sehrentzel 1861 fol. 

79) Israel Brunensis, maiTöm mbNlU etc. Responsa. Ex editione ra- 
rissima Thessalonic. Denuo edita. Stettin (Berlin, Asher) 1860, IV u. 248 S. 

4- (l'/s W\ 

79a) NU31 mN3 u. s. w. (Neot Desche. Gutachten von David Salomon 
Eh/beschütz, nebst zwei Gutachten des Sal. Kluger. Lemberg, Necheles 1861, 
128 u. 6 Bll. fol. 

79b) D^iyUJD 3**113 u. s. w. (Noda ba-Sche arim , Gutachten, halachische 
u. exeget. Erörterungen von Dobbärusch Aschkenasi). Warschau, Orgelbrand 
1859, 126 Bll. fol. 

79c"! DITlDiO TOT u. s. w. ( Sechor le-Abraham. Sehlachtregeln u. s. w. 
Von Abraham Sussmann Bin Josef, mit Zusätzen des Sohnes Baruch 
Loeb). Lemberg, gedr. bei Sehrentzel 1860, 80 S. 8. 

80) Scherirae epistola, qua series traditur magistrorum Judaeorum, qui in 
Babylonia inde saeculo septimo usque ad deeimum floruerunt. Auetore Josue 
Wallerstein. Vratislaviae, Schletter 1861, 8. (20 Jfo). 



220 Gosche, toteeenschafU Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

Maasse nach B. Goldberg eine neue Behandlung. Für dae spirituellere 
Gebiet der Philosophie ist nicht sein- Zahlreiches aber Bedeu- 
tenderes geliefert worden, für deren Werthschätzung innerhalb deß 
mittelalterlichen Judenthums wir immer noch hinlänglicheu sinn \rv- 
breitet sehen. Schon der Zusammenhang dieser Speculation mit 
der Entwicklung des Gottesbegriffs, 'Ich 8ckmiedl 1M1 zu betrachten 
fortfährt, könnte anaiehn; wer die stütze einer Autorität bedarf, 
kann sie aus Leibnizens Beschäftigung mit jüdischer Philosophie, 
von welcher Foucher de Gareel* 2 ) handelt, entnehmen. Ihre An- 
fänge liegen weit zurück; sie beginnen auch hier mit dem Gefühl 
eines eingetretenen Missverhältnisses zwischen Glaubensform und 
Cultur und mit dem Zweifel. Daher ist der kabbalistische Zug 
des Buches Sohar, über dessen Verfasser Simon Ben Jochai Jod %z ) 
wie er zu thun pHegt, mit Kenntniss und Umsicht handelt, nur ein 
Nothbehelf für das speculative Verlangen der Zeit; ebenso anziehend 
ist es, dergleichen Ansätze an der bereits während des 16ten Jahr- 
hunderts in Constantinopel gedruckten Dogmatik Saadia's* 4 ) in 
einer neuen Ausgabe zu beobachten. Einen Gipfelpunkt aller dieser 
Bestrebungen nicht etwa wegen seiner durchaus schöpferischen Be- 
gabung sondern wegen seines Ungeheuern Einflusses bezeichnet Mai- 
monides S5 ), dessen weitgreif'enden 'Moreh nebochiiü' in seiner ur- 
sprünglichen arabischen Fassung der in solchen Forschungen unver- 
gleichliche S. MunJc herauszugeben fortfährt. Diese mit dem reichsten 
Commentar ausgestattete Bearbeitung wird nebst den schon früher 
erwähnten 'Melauges desselben Verfassers 86 ) eine der wichtigsten 
Grundlagen für alle Forschung in der jüdisch-arabischen Philosophie 



1381; Der philosophische Gottesbegriff in den arabisch -jüdischen Schulen 
Von Dr. A. Schmiedl, zweiter Art.. Frankel's Monatsschrift! für Gesch. und 
Wissi des Jodönth. 1859 (Nov.) p. 419—431. 

82) Leibniz, la philosophic juive et la cabale. Trois lectures ä l'aead. des 
sciences morales et polit. avec les mss. inedit. de Leibniz. Par A. Foucher 
de Careil. Paris, Durand 1861, 75 u. 54 S. gr. 8. vgl. Lit. Centralbl. 1862 
no. 17 p. 307; M. Joel in Frankel's Monatsschrift 1862, XI p. 228 f. und 
Heidelb. Jahrbb. 1862 Apr. p. 263 f. 

83) M. Joel, Kabbi Simon ben Jochai. Ein Lebensbild, aus Z. Frankel's 
Monatsschrift 1856 wieder abgedr. in H. Liebermann's Jahrb. 5 p. 72- 90. 

84) rnJim mDIMRSn u. s. w. (Emunot we-üeot oder Glaubenslehre und 
Philosophie von ISaadia al-Fajjumi. Von Neuem herausgegeben auf Kosten 
von .1. Fisch] in Halberstadt). Leipzig, Druck von L. Schnauss 1859, 202 S. 
8. (l 2 / 3 $k) vgl. Steinschneiders Hebr. Bibliogr. II (1859) p. 75. 

85) Le Guide des Egares .... par ... Madmonide . . publ. par S. Mwnk. 
T. II. Paris, Frank 1861, XVI. 382 S. u. np Bll. arabischer Text in Hebr. 
Schrift, gr. 8- (20 fr.) Vgl. Journ. des Sav. L863 FeVr. p. 113-121, Avril p. 
228—238; M. Joel in Frankel's Monatsschrift 1862, XI p. 31-37, und mit 
Bezugnahme auf des Maimünl philosophie- geschieht!. Stellung überhaupt A. 
Franck im Journ. des Sav. 1862 Fevr. p. 111 — 126, Mars p, 147 — 163. 

86) Vgl. Geiger Z. d. DmG. XIV (1860) p. 738 f. — Die erste Lief, er- 
schien 1857, vgl. meinen Berieht für 1857 — 58 no. 1364. 



Gosche, wissensehafÜ. Jahresbericht für 1859 bü 1861. -J'-\ 

bleiben. Audi hier machl sieb Jbel* 1 ) wieder verdienl durch Unter- 
suchung der religionsphilosophischen Anschauungen Maimünl's: eine 
psychologische Abhandlung des letzteren ist von Neuem ins Bol- 
ländische ilbersetzl worden 87 *). Aus dem I3ten Jahrhundert heb! 
Geiger**) nach dieser Seite Mose Ben Nachman hervor^ in ihren 
Letzten Ausgängen während der eisten Hälfte des l Heu Jahrhun- 
derts weist Joel >;| ) Doch die Religionsphilosophie an dem Proven- 
zalen Levi Ben Gerson auf. 

Für die Geschichte der wissenschaftlichen Berührungen zwischen 
Juden und Europäern ist die kleine Mittheilung v<»n Kirchheim 90 ) 
nicht unwichtig, dw über den am binde des I3ten Jahrhunderts in 
Rom tbätigen und mancherlei aus dem Arabischen übersetzenden 
Serachja Ben fsaak berichtet. Nach derselben Seite bin sind die 
jüdischen Aerzte wichtig, welche Kayserimg 91 ) bespricht, lbm 
verdankt man mannigfache sorgfältig gesammelte Notizen über Mi- 
guel de Barrios 9 -). Von sonstiger Litteratur könnte hier als Bei- 
spiel hebräischen Touristenstils das von Gordon ins Hebräische 
übersetzte Reisewerk Benjamins II !,:; ) angeführt werden, das unge- 
achtet seines zweifelhaften Inhalts auch in dieser Fassung bei den 
allgemeinen Reisewerken hätte genannt werden müssen. Zu Kapo- 
ports encyclopädischen 'Erech Milin gibt Kirchheim ' H j einige Wort- 
erklärungen. Allerlei in Prosa und Versen liegt von Abramo- 



87 Die Religionsphilosophie des Mose ben Maimon (Maimonides . Von 
M . Joel. (Jahresbericht des jüd. Seminars). Breslau 1859, 49 S. 4. vgl. Geiger 
Z. d. DmG. XIII (1859) p. 542 — 547 und Literar. Centralbl. 1861 no. Lp. 
2 f. — Vgl. über Schwabs Darstellung die Revue Orientale et americaine T. VI 
(1861)^p. 132 f. 

87a) Moses Maimonides, Zielkundige verbandeling op nieiuv uit het He- 
breeuwsch vertaald en met aanteekeningen voorzien en vermeederd door M. M. 
Cohen. Assen 1860, VIII u. 92 S. 8. 

88) Lieber Moses ben Nachman. Von Geiger, Steinschneider Hehr. Bibliogr. 
III (1860) p 74 f. Mir Bezug auf Perles in FrankeTs Monatsschr. 1860 p. 
1 75 f. 

89) M. Joel, Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph, Mo- 
natsschrift für Judenthüm von Franke! X (1861) p. 41—60, 83—111, 137— 
145, 297—312, 333-314. 

90) Serachja b. Isak. Eine Notiz von lt. Kirchheim . Steinschneiders 
Hebr. Bibliogr. IV (1861) p 125f. 

91) M. Kayserling , Zur Geschichte der jüdischen Aerzte, Monatsschrift 
für Judenthüm von Franke] X (1861) p. 38 f. 

92) De Opuscula van Daniel Levi (Miguel) de Barrios. Overgedrukt 
uit de Navörscher, N. Reeks I. Amsterdam, Mutier 1861, 17 S. 8. 

93) Israel Leu Joseph Benjamin, ti\~'C^ ^Z'Z'Z etc. Massey Jisrael Iti- 
nearium; hebraice versum opera Dar. Gordon. Accedunf Notae auetorum cele- 
bratorum. Lyk (Berlin, Adolf u. Co.) 1859 XVI u. 134 S. 8. (25 ngr.) Das 
Original ist im Jahresbericht für 1S.">7 58 no. öl Z. d. DmG. XIV p. 150) 
erwähnt. 

94) R. Kirchheim , Bemerkung zu einigen Worterklärungen im Krech 
Milin von Rapoporl, Z. .1. DmG. XIII (1859) p. 281—284, 



222 '■■ " • wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis L861. 

witsch 199 **) vor; sehr charakteristisch und darum verdienstvoll 
i-t die SprichwÖrtersammlur.g von Teu<llaii 9b ), welche «lamm von 
den Literarhistorikern und Vülkerpsyclndogen mein- boriic ksnhtigl 
werden möge als desselben Verfassers interessante, auf älteren jü- 
dischen Quellen beruhende, wahrscheinlich wegen ihres eigentüm- 
lichen Titels von den Gelehrten übersehene Reihe von Märchen 
und Geschichten 'Fellmeiers Abende' von 1856. Von den übrigen 
Richtungen des jüdischen Culturlebens ist die Kunsl nur mit einigen 
Bemerkungen Josis** zu Geigers scheinbar abschliessendem Auf- 
satz über die bekannte Medaille des Binjamin Ben Elijahu Beer 
vom J. 1503 berührt. 

Das karäische Culturleben , abseits in selbständige]' Ge- 
schlossenheit sicli entwickelnd, scheinl uns in wichtigen litterarischen 
Denkmälern näher treten zu wollen. PinsJcer's 97 höchst wichtige 
Auszüge aus den Handschriften lassen die vollständigen Texte nur 
um so dringender wünschen: es erscheinen hier u. A. folgende 
Schriftsteller: David Ben Abraham, 'Ali Ben Sulaiman, Nissi Bon 
Noach, Salomon Ben Jerochim, Jefet Ben 'Ali, Menachem Ghizni, 
Mose Kohani, Jehuda Ibn Qoraish, Jeschua Ben Jehuda, Levi Ben 
Jefet, Tobijja Ben Mose u. s. w. Die Darstellung Pinsker's selbst, 
soweit von einer solchen unter den zahlreichen Excerpten die Rede 
sein kann, bewegt sich in manchen kühnen Behauptungen und bis- 
weilen Widersprüchen; Schviiedl 96 ) bringt einige Bemerkungen; 
geschichtliche und kritische Untersuchungen werden weiter durch 
Pinsker angeregt und gefördert werden. Zusammenhang zwischen 
der spanischen Cultur und den Karäern wird bezeugt durch die von 
Geiyer ") hervorgehobene Benutzung des Mose Gikatilja, eines an- 
erkannten Grammatikers des 1 Iten Jahrhunderts durch die Karäer. 
Noch Bedeutenderes scheint von Firkowitsch 140 °) erwartet werden 



1394a) ölbffl ttEflöE u. s. w. (Mischpat Schalom, Sammlung von Allerlei 
in Prosa und Versen. Von Schalom Jacob Ahramowitsch.) Wilna , Romm 
1860, 148 S. 8. 

95) Sprichwörter und Redensarten deutsch-jüdischer Vorzeit. Als Beitrag 
zur Volks-, Sprach- und Sprichwörter-Kunde. Aufgezeichnet aus dem Munde 
des Volkes u. nach Wort u. Sinn erklärt von Air. Tcndlau. Frankfurt a. M.. 
Keller 1860, XII u. 426 S. 8. (1% fy ). 

96) J. M. Jost, Zu dem Aufsatze des Herrn Dr. Geiger: Eine mittel- 
alterliche jüdische Medaille, Z. d. DmG. XIII (1859) p. 272—274, nebst Be- 
merkungen von R. Kirchheim. Vgl. XII (1858) p. 680f. und Geiger XIII 
p. 492. 

97) nTSlMlp "'OTpb u. s. w. (Lickute kadmoniot. Zur Gesch. des Ka- 
raismus und der kar. Literatur. Nach handschriftl. Quellen bearbeitet von <S. 
Pinsker . Wien, della Torre 1860, X, 234 u. 228 S 8. vgl. Steinschneiders 
Hebr. Bibliogr. IV (1861) p. 86f. 

98) A. Schmiedl, Randbemerkungen zu Pinsker's Likkute Kadmoniot. Mo- 
natsschrift für .Judentimm von Franke! X (1861) p- 176 — 186. 

!)'.)) Moses Koben ( f^ikn tilin; hei den Karäern. Von Geiger, Steinschnei- 
ders Ibl.r. Bibliogr. IV (1861) p. 43f. 

1400,) n"1 S^Ti u. s. w. (Tetih Daat. Polemisches von dem Karäer 



(rOSchr. t/HSSCn rhnfll ./,,/, ,-<,/„ ruh, für 1859 M« L861. •>'>'.'> 

zu dürfen, der im-: bereits einiges Polemische ans der Krim 
sendet. 

Die Forschungen über das dem Bebräerthnm nächste Gebiet, 
Phönizien, sind leider der Natnr der Quellen nach t;i~t ans- 
schliesslich epigraphische, aber in dieser Begränzung theils dnrcb 
energischere Theilnahme immer zahlreicher werdender Mitarbeiter, 
theils dnrcb Funde im <'">-rli«lnn Mutterlande wir im westlichen 
Colonjalgebiete gefördert. Von Renans Aufenthalt in Phönicien seit 
Anfang November 1860 darf man Erhebliches erwarten; in Cypern 
sind kürzlich zwei Bildsäulen mit phönizischen Inschriften gefunden 
worden, von denen die eine ganz durch Wasser zerfressen war. die 
andere nach dem Louvre kommen sollte. In der besondern Art 
der Ueberlieferung dieser Denkmäler welche nur dnrcb geringe 
lebendige Sprachzeugnisse unterstützt ist (und die Textgestall des 
runischen im Plautus ist ungeachtet Movers' Bemühungen immer 
noch nicht als endgültig festgestellt zu betrachten) liegt es, dass 
Ansichten und Resultate der Entziffrer bisweilen noch sehr weit 
auseinander gelien. Diese Differenz hezeugt besonders Ewalds M 
Darlegung des Standes der phönizischen Forschungen, indess Des- 
jardins -) die Arbeiten Munks und Renans charakterisiert. Die 
grösste Schwierigkeit liegt schon darin, dass für die Inschriften, 
sobald ihr Umfang den gangbaren Inhalt überschreitet, die geschicht- 
lichen Grundlagen fast niemals mit Sicherheit erkannt werden kön- 
nen, und wenn z. 1». Tullack 3 ) die Geschichte Maltas bis zu den 
Engländern hinab skizziert, so nimmt die phönizische Epoche in 
dieser Darstellung zwar die erste aber leider auch die unsicherste 
Stellung ein. Zumal die Schicksale und Verhältnisse der Inselwelt 
des mittelländischen Meers, welche Herrschaft oder doch Handels- 
verkehr der Phönizier bisweilen so nachhaltig berührte, sind vor- 
zugsweise dunkel : daher die mannigfachen Räthsel in dieser Parthie 
der Inschriften, welche Meier 4 ) so bequem zusammengestellt hat. 
Die punischen Inschriften , deren geschichtliche Grundlagen bei 
der Bedeutung Karthagos erkennbarer scheinen möchten, bieten 
doch nach dieser Seite die mannigfachsten Schwierigkeiten: glück- 



Mordechai Sultanski). Eupatoria, Firkowicz lSf>S. 130 S. 8. (Auch mit 
russ. Titel . 

1) H. v.Ewald, [Jeher den heutigen stand der Phönikischen forschüngen. 
z. d. DmG. .XIII (1859) p. 343 358. 

2] La Phenicie Orientale, et occidentale M. Mnnk. M. E. llenan, AI. Beule ; 
par Knust Desjardins, Revue de l'Orient 1860, XII p. 389—394. 

:>i Malta under the Phoenicians, Knights, and Knglish. By W. Tullack. 
London 1861, 330 S. 8. 

4) Ernst Meier, Erklärung phönikischer Sprachdenkmale, die man auf 
Cypern, Malta u Sicilien gefunden in Verz. der Doctoren, welche die philo*. 
Fac. der .... l'niv. zu Tübingen im Decanatj. 1859- 60 ernannt hat). Tü- 
bingen, Pues 1860, 53 S. 4. mit 4 lith. Tri. (20 ngr.) vgl. Literar. Centralbl. 
1861 no. 6 p. 95 f. und Ewald im Jahrb. f. BibL wi*s. XI (J861) p. 306. 



22 \ Gosche, wiesensehaßl. Jahresbericht für L859 -1861. 

lieher Weise mehrt sich ihr Vorrath fast, von Tag zu Tag: so kann 
Heidenheim 1 * 06 ) über die Erwerbungen des British Museum be- 
richten, welche durch J)a\is' Ausgrabungen in Karthago und Tunis 
erwuchsen; Judas'' handelt von neunzehn neuen punischeu ln- 
Bchriften aus Constantine und Levy 7 ) wendet solchen Stücken 
sein glückliches Talent zu. Ungern vermissen wir Blatte 8 ) ent- 
schiedenere diesmal nur auf zwei, allerdings sehr wichtige Inschriften 
aus Cypern und Malta gerichtete, immer vorwärtsbewegende Theil- 
nahine an diesen Studien; die Beschäftigung Turners 9 ) mit der 
grossen Inschrift von Sidon kann uns nicht entschädigen. Judas 
und nach ihm Leoy i0 ) haben ein Gewicht mit punischer Inschrift 
behandelt; A. Müller 11 ) stellt mit der ihm eigenen Sorgfalt die 
sidonischen Münzen aus der römischen Kaiserzeit zusammen; Mordt- 
iiiann '-) weist, charakteristisch für Berührungen semitischer und 
cra nischer Culturkreise, eine Gemme mit persischem Ferver und 
phönizischer Legende nach, wenn diese letztere nicht den Gebrauch 
pbönizischer Schrift für Persien bezeugt. Unter den fragmentarisch 
erhaltenen Resten der eigentlichen Litteratur der Phönizier hat der 
dunkle und zweifelhafte Sanchuniathon gerade um dieser beiden Eigen- 
schaften willen den Baron Eckstein 13 ) zu einer Untersuchung der 
Quellen desselben angelockt; seine Leser werden auch hier einige 
geistreiche Phantasien wiederfinden. Auf die Schiffahrt der Phöni- 



1405) AT. Heidenheim, Ueber die phönizischen Inschriften des Britischen 
Museums. I. Mit Abb., in dessen Deutscher Vierteljahrsschrift für englisch- 
feheol. Forschung I (Gotha, F. A. Perthes 1861, 8.) p. 67 — 77; II p. 251 
—258. 

G) Memoire sur dix-neuf inscriptions numidico-puniques inedites, trouvees 
h. Constantine en Algerie , et sur plusieurs autres inscriptions dans la meme 
langue anterieurement publikes. Par .!. C. Judas. (Extrait de l'Annuarie de 
la Soc. archeol. de la Province de Constantine 1860 — 81). Paris, Chaflamel 
1861,' 102 S. 8. na. 11 Tif. (5 fr.) vgl. Literar. Central«. 1862 no. 13 p. 
224 f. 

7) M. A. Levy, Erklärung einer neuen neuphönizischen Inschrift .ins 
Constantine, Z. d. DmG. XIII (1859) p. 651—658. 

8) Phönikiscbe Analecten. Von Otto Blau. (I. Die Tempelinschrift der 
Gauliter zu Malta, mit Tf. ; II. Die Grabschrift des letzten Königs von Citium), 
Z. d. DmG. XIV 0860) p. 649-662. 

9) Tarner, Remarks on the Phoenician inscription of Sidon, Journal of 
the Am. Or. Soc. VII (New Haven 1861 gr. 8.) p. 48—59. 

10) Judas, Sur un monuinent punique, Kevuc archeol. XVI i 1S59 \>.\i>'t 
— 169: M .1. Levy, Ein ehernes Gewicht mit einer phönizischen Inschrift 
aus Nord-Afrika, Z. d. DmG. XIV (1860) p. 710—712. 

11) Alois Midier, Vier sidonische Münzen aus der Wim. Kaiserzeit. Eine 
numismatisch-phönizisehe Studie als Beitrag zur phüniz. Gesell., Sitzungsberichte 
der K. Ak. der Wiss. Philos.-hist. Cl. XXXV (Wien lNUO. 8.) p. 34—51. 

12) Gemme mit Ferver u. der phoeniz. Legende 'jrHfl niitgctheilt von 
Mordtmann, z. d. DmG. XIV (1860) p. 556. 

13) Sur les sources de la cosmogonie de Sanchoniathon, par le baron 
d 'Eckstein, Journ. As. 1859, XIV p. 167—23*, 362- 432, 501—533; 1860, 
XV p. 67—92, 210 263, 399- 414. 



Gosche, wisscnschujtl Jahresbericht für 1859 bis 1861. 225 

zier, in welcher ihre Culturmission allein wurzelt, weist Berghaus 14 ) 
hin 5 auf ein Ergehniss derselben winde schon oben aufmerksam 
gemacht, auf den Völkerkatalog der Genesis, an welchem nach Kie- 
perts scharfsinniger Vermuthung die auf Reisen und Seefahrten 
ruhende geographische Anschauung der Phönizier sein - wahrschein- 
lich grösseren Antheil haben mag als die ethnographische Erfahrung 
des hebräischen Binnenvolkes. 

Für die S am ar itaner scheint die wissenschaftliche Aufmerk- 
samkeit sich in dem Grade zu steigern als das Volk in Wirklich- 
keit seinem Untergange entgegen geht. Der gründlichste Kenner 
ihrer Geschichte, Sprache und Litteratur, //. IMermunn u '), dessen 
unter dem Volke selbst mit grösster Umsicht und Theilnahme ge- 
machte Aufzeichnungen wir leider immer noch nicht als veröffent- 
licht anerkennen dürfen, hat glücklicher Weise wenigstens in einer 
sehr empfehlenswerthen Abhandlung seine Anschauungen und die 
Hauptergebnisse seiner Forschungen dargelegt. Neben ihm macht 
sich, unter freier Benutzung der schönen englischen Sammlungen, 
besonders derer des British Museum, Heidenheim 16 ) zunächst durch 
einen orientierenden Artikel über das Volk verdient, das unser 
Rosen u ) mit frischer Anschaulichkeit in seiner gegenwärtigen Lage 
schildert, wie er auch sorgfältige Nachrichten über Nablus gibt l8 ). 
Aus Jerusalem sendet uns der letztere vier Blätter Facsimile eines 
samaritanischen Pentateuchs 19 ); Blau 20 ) bespricht eine den Dekalog 
enthaltende samaritanische Inschrift vom Berge Garizim, dessen 
Arbeit die gleichzeitigen, manches Locale in ein helleres Licht stel- 
lenden Mitteilungen Rosens 21 ) zugleich über andere samaritanische 
Inschriften glücklich ergänzen. Tiefer in das eigentliche Sprach- 
und Litteraturleben führen Heidenheims sehr verdienstliche For- 
schungen. Einmal verdanken wir ihm eine allgemeinere auf Benutzung 
von neunzehn Handschriften des British Museum beruhende Ueber- 



14) A. Berghaus, Die Schiffahrt der Phönizier, Art. 1. Die Natur her- 
ausgegeben von Ule u. K. Müller 1852 no. 42. 

15") H. Petermann, Samaria und die Samariter, Herzog's Real-Encyclo- 
pädie XII (1860) p. 359—391. 

16) M. Heidenkeim, Untersuchungen über die Samaritauer I., Deutsche 
Vierteljahrsschrift für englisch -theol. Forschung von M. Heidenheim I (Gotha, 
F. A. Perthes 1861, 8.) p. 9—43. 

17) G. Rosen, Nablus u. die Samariter, Grenzboten 1860 no. 16—20. 

18) Ueber Nablus und Umgegend. Von G. Hosen (m. Plan), Z. d. DmG. 
XIV (1860) p. 634—639. 

19) Vier Bll. lithogr. Facsimile des samarit. Pentateuchs. Jerusalem 1859 
—60 fol. vgl. Z. d. DmG. XV (1861) p. 432 no. 2359. 

20) O. Blau, Der Dekalog in einer samaritanischen Inschrift aus dem 
Tempel des Garizim (mit einer Abbildung), Z. d. DmG. XIII (1859) p. 275 

—281. 

21) Ueber samaritanische Inschriften. Von G. Rosen (m. Tff.j, ZdDmG. 
XIV (1860) p. 622—631. Dazu: Schlussbemerkung von E. Rödiger, ebend. 
p. 632—634; vgl. Ewald in Jahrb. f. Bibl. wiss. XI (1860) p. 170 f. 

Jahresbericht 1853—1801. ^ 



226 Gosche, toisscnschaftl. Jahresbericht für 1859 bit 1861. 

sieht 1422 ), in welcher natürlich fast alles liturgischen Charakters ist ; 

sodann gibt er speciellere Nachrichten über die Hvmnenlitteratur 23 J, 
in welcher wir interessanten Anklängen an rXaraitischeE and an 
den I9ten und I45sten Psalm begegnen, desgleichen das Schreiben 
Meschalmahs an die Samaritaner 24 ). Eine Grammatik erhalten wir 
aus England von NtchoHs 96 ), in der jedoch der Uhlemann'sche 
Standpunkt nicht überschritten ist, indessen der anziehende Wider- 
streit des Aramäischen und des Hebräischen in phonetischen Dingen, 
in Flexion, besonders in Suffixen, und im Wortschatz, der sich 
ungefähr dem Ringen des Alt- und des Neugriechischen in einzelnen 
Epochen vergleichen lässt, noch als ein grammatisches, durch 
sorgfältige Erkenntnis^- dialektischer Spuren zu lösendes Problem 
bleibt, 

Aus <len kleineren versprengten semitischen Culturkreisen führt 
Levi/ 2H ) drei palmy renische Inschriften vor, bei deren glück- 
licher Behandlung man von Neuem Veranlassung nehmen mag, die 
Trägheit der Reisenden zu tadeln, welche auch in Palmyra nur die 
grosse Häuptstrasse zu gehen sich gewöhnt haben, um, statt neue 
unzweifelhaft noch in grosser Zahl umherliegende Inschriften aufzu- 
suchen, immer nur dieselben Stücke wiederzubringen. Eine bilingue 
Inschrift gibt M. A. Land 27 ). Das Leben eines eigenthümlichen 
Stammes, in welchem ganz nach der Weise dieser mittelsemi- 
tischen Volksmischungen Arabisches und Aramäisches sich begegnen 
mochte, stellt sich in den sinai tischen Inschriften dar ; gleichsam 
als Kehrseite zu englischen Ansichten von dem Exodus-Ursprünge 
dieser Denkmäler hat Lenormant 2 *) versucht, eine christliche Her 
kunft zu erweisen, und daran eine grosse sonst vielleicht nützliche 
Gelehrsamkeit gesetzt. Aber wer der fast gleichzeitig erschienenen 



1422) M. Heidenheim, Die Literatur der Samaritaner, Deutsche Vierteljahrs- 
schrift für englisch - theol. Forschung 11 (Gotha, P. A. Perthes 1861, 8.) p. 
279-289. 

23) M. Heidenheim, Eine samaritanische Hymne, Deutsche Vierteljahrs- 
schrift für englisch - theol. Forschung 11 (Gotha, F. A. Perthes 1861, .8.) p. 
290—306. 

24) Schreiben Meschalmah ben Ab Sechuah's an die Samaritaner. Ein- 
geleitet, übersetzt und erklärt von M. Heidenheim, in dessen Deutscher Viertel- 
jahrsschrift für englisch -theol. Forschung I Gotha, F. A. Perthes 1861, 8.) 
p. 78—128. 

25) G. F. Nic.'iolls, A graminar of the Samaritan language, with extracts 
and vocabulary. London 1859, 142 S. 12. 

26) Zur semitischen Paläographie. Von M. A. Levy (I. Drei palmy reu. 
Inschriften, 11. Beiträge zur aram. Münzkunde Kleinasiens) Z. d. DmG. XV 
(1861) p. 615—628. 

27) Bulletino dell' Instit. archeol. 1860 no. 3 (März). 

2S) Sur l'origine chretienne des inscriptions sinai tiques, par Franeois 
Lmormant, Journal As. 1859, 13 p. 3 — 58, 194 — 214; auch besonders in 
einem Heft 77 S. 8- Vgl. : Die neueste Untersuchung über die sinaitischen In- 
schriften, Ausland lS.">!i im. 22. 



Gosche, wis86n8cha/tl Jahresbericht für 1859 bis 1861. 227 

umfassenden Untersuchung Lei- t/'s 29 ) , der alle Denkmäler dieser 
Gattung und auch die Münzlegenden herbeizieht, nachgeht, wird 
trotz ewaiger Zweifel an der Behandlung des Arabischen bei diesem 
ausgezeichneten Paläographen dem französischen Gelehrten durchaus 
keine Concession über die wirklich christlichen Legenden einer 
späten Pilgerepoche hinaus machen und den von ihm erhobenen 
Einwendungen 89a ) keine Geltung beilegen können. Zu guter Stunde 
erschien, um den Kreis der geschichtlichen 1 taten dieses Volks- 
thums und seiner Cultur zu vervollständigen , das schöne Werk 
Langlois' 30 ) über die nabatäischen Münzen, für deren Erforschung 
Lenormant selbst und der Herzog de Luynes epochemachend Bahn 
gebrochen hatten. Zunächst aber bleibt in der Beurtheilung der 
Sprache aller dieser Denkmäler der Gegensatz zwischen Tuch und 
Levy stehn, zwischen einer durchaus arabischen und einer durchaus 
aramäischen Fassung derselben : die Lösung wird zuletzt in der 
Annahme einer Mischung liegen. Eine noch eigentümlichere se- 
mitische Welt, zwar noch nicht aus sicher verstandenen nationalen 
Inschriften erkennbar, doch zugleich mehr durch nun in eine neue 
Auffassung rückende arabische Historiker und besonders auch durch 
Kunstdenkmäler bezeugt, eröffnet sich weiter östlich im Hauran, 
dessen eigentliche Entdeckung mehr oder weniger Wetzstcin's 31 ) 
Verdienst ist. Sein Reisebericht thut uns eine ganz neue Welt auf; 
die Lücke zwischen dem Untergange der altasiatischen Weltreiche 
und dem Aufkommen des Islam scheint sich mehr und mehr auch 
für diese semitisch-nationalen Kreise auszufüllen ; hier und da tritt 



29) Ueber die nabathäischen Inschriften von Petra, Hauran, vornehmlich 
der Sinai-Halbinsel und über die Münzlegenden nabathäischer Könige. Von M. 
A. Levy, Z. d. DinG. XIV (1860) p. 363—484 (m. Tff.) u. p. 594. 

29a) Deux mots sur les inscriptions du Sinai', par Frangois Lenormant, 
Journ. As. 1861, XVIII p. 263—270. 

30) Numismatique des Arabes avant l'Islamisme par Victor Langlois. 
Paris, Rollin et Durand 1859, X u. 158 S. 4. ra. 5 Taff. vgl. Ewald öött. 
gel. Anz. 1861 no. 10 p. 361 f. und Literar. Centralbl. 1860 no. 39 p. 607 f. 

31) J. G. Wetzstein, Reise in den beiden Trachonen u. um das Haurän- 
Gebirge, Zeitschr. f. allg. Erdk. N. F. 1859, VII p. 109 ; Mittheilungen über 
Hauran u. die Trachonen, ebend. p. 265. — Vgl. H. Kiepert, Note über die 
Construction der Karte zu Gonsul Wetzstein's Reise, ebend. p. 204. Vollstän- 
dig gedruckt u. d. T. : Reisebericht über Hauran u. die Trachonen nebst 
einem Anhange über die hebräischen Denkmäler in Ostsyrien. Mit Karte , In- 
schriftentafel u. Holzschn. Berlin, D. Reimer 1860, VI u. 150 S. gr. 8. (1 Sty. ) 
vergl. Literar. Centralbl. 1861 no. 9 p. 149 f. ; Ph. Wolff in Z. d. DmG. XV 
(1861) p. 159 f.; Petermann's geogr. Mitth. 1860 p. 82; Ewald in Jahrb. f. 
Bibl. YViss. XI (1860) p. 177 f.; Gott. gel. Anz. 1860 St. 101 p. 1001 f. und 
Steintlial in Zeitschr. für Völkerpsyehol. u. Sprachw. II (1862) p. 487 f. - 
Die ersten Berichte wurden ins Englische übersetzt : The report of Prof. Carl 
Ritter on two journeys in the desert east of the Jordan , by Consul Wetz- 
stein , of Prussia , and Cyrill Graham , of Cambridge. Translated by E. R. 
Straznicky, from the Berlin 'Zeitschr. f. allg. Erdk.', New- York Observer 1859, 
5 May. 

15* 



228 (lösche, u-iwiixchtif'tl. .fuhreahr rieht für 1859 Ms 1861. 

auch ein für die christliche Kirchengeschichte interessanter Zug 
hervor, so alles was sich in der Nuqrah an lliobs Namen knüpft, 
nach welchem ein inschriftlieh noch für die zweite Hallte des 
sechsten .Jahrhunderts bezeugtes Kloster benannt war. Die jetzt 
verödete Gegend der Traclionen war der Schonplatz eines reich 
bewegten unter Berührung mit Hellenismus und Christenthnm ste- 
llenden semitischen Lebens, welches sich durch die Entzifferung 
der eigenthümlichen an das ilimjarische erinnernden, hoffentlich noch 
recht zahlreich und ohne Zweifel auch wirklich zweisprachig zu 
findenden Inschriften näher herausstellen und in einem Zusammen- 
stöSS südarabischer und syrischarabischer Kiemente seine Erklärung 
finden wird. Um so dankbarer sind wir für die fast gleichzeitigen 
Mittheilungen von dem Engländer Cyritt Graham WM ) und von dem 
splendider auftretenden Franzosen AV// 3:! ) welche jedoch an wissen- 
schaftlicher Bestimmtheit die Ergebnisse Wetzsteins nicht erreichen. 
Auch Beke 33 *) hat eiue Reise östlich von Damaskus nach Harran 
unternommen: er will sogar den ächten Kebekkabrunnen bei dieser 
Gelegenheit gefunden haben. Förderlich für die hieran sich knüpfen- 
den Forschungen war es, dass Blau ' 3i ) seinen epigraphischen und 
paläographischen Scharfblick auf die von diesem Boden stammenden 
griechischen und leider nur erst in geringer Anzahl zugänglichen 
nationalen Inschriften wandte: der speeifisch arabische Charakter 
der hier geredeten Sprache ist durchaus gesichert. — Von verein- 
zelten Zeugnissen semitischen Lebens waren, die Richtigkeit der 
Entzifferung bei beiden Stücken vorausgesetzt, die schon oben er- 
wähnten von 8tickd ib ) entzifferten ephesischen Formeln und das 
Elxai-Gebct , das Hitzig 36 ) mit seinem kühnen Scharfsinn unter- 
sucht, zu nennen. 



1432; Cyrill C Graham, Explorations in the desert east of tlie Hauran, 
and in the ancient land of Bashan, Journal of the Roy. Geogr. Soc. 1858, 
VIII p. 226 f. und von demselben: On the Inscriptions found in the region of 
El Harrah in the great Desert south-east and east of the Hauran , Journ. of 
the Royal As. Soc. of Great Britain XVIII, 2 (1860) p. 286-297 m. 4 Tff. 

33) Voyages dans le Hauran et aux bords de la Mer Morte, executes pen- 
dant les annees 1857 et 1858, par Gudlaume Rey. Paris, A. Bertlirand 
1860, XX u. 306 S. gr. 8. Nebst einem Atlas. Vgl. Journal des Sav. 1860 
Aout p. 518; Ewald in Jahrhrb. f. Bibl. Wissensch. XI (1860) p. 177 f. und 
Gott. gel. An/.. 1861 no. 7 p. 241 f.; J. B. BertOU in Bulletin du Biblio- 
phile, Serie XIV (1860) p. 1409—1418; und schon: E. G. Hey, Une 
visite aux ruines de Kennnouat, dans le Haouran, Nouv. Ann. des voy. 1859, 
II p. 151. 

34) Zur haitianischen Alterthumskundc. Von O. Blau, Z. d. DmG. XV 
(1861) p. 437—456 (m. 1 Schriftta&l). 

35) J. G. Sticket, Commcntatio de Ephesiis literis linguae Semit, vindi- 
candis. Jena 1860, 18 S. 4. Vgl. Ewald Bibl. Jahrb. X (1860) p. 175. 

36) F. Hitzig, Noch einmal das Gebet Elxai, in Hilgenfeld's Zeitschrift 
für wiss. Theol. 1859 lieft II p. 143—146. 



Gosr/>r } wissenschaftt. Jahresbericht für 1859 bU 1861. 229 

Ausser dem eben besprochenen Sanräa ist das eigentliche Ge- 
biet von Syrien nur wenig antersuchl worden: Bourqueitoud^ 

berichtet kurz über die Ruinen Seleacias. Einiges ist dagegen für 
Sprache, bedeutendea für Litterator geschehen. Auf Grandlage des 

nun veralteten Werkes von Iloffrnann. das anter uns leider noch 
keinen dem gegenwärtigen Bestände der Wissenschaft entsprechenden 
Ersatz gefunden hat (denn von (JhlemanB darf man kaum solches 
rahmen), hat ÖEwoper 37 ") ein praktisches Compendram geliefert; 
aus Rom geht uns die nur am einiger -ehr vereinzelten Merkwür- 
digkeiten willen beachtenswerthe , trotz ihres chaldüischen Titels 
syrische Grammatik des unierten Nestorianers Gurirl ■' r m. Eine 
höchst sehätzenswerthe Zahl von Texten haben wir erhalten. Die 
saubere Aasgabe der sowohl wegen ihrer kritischen Bedeutung wie 
als syrisches Sprachdenkmal wichtigen syrischen Version der alt- 
testamentlichen Apokryphen durch Lagarde hat schon oben Er- 
wähnung gefunden; desgleichen ist auch der sehr merkwürdigen 
syrischen Evangelienübersetzung Owretorts 38 ) schon früher gedacht 
worden, an welche Güdemcister 3i) ) die wohl nicht mit Recht von 
Ekoald 1 *) angezweifelte Bemerkung knüpft, das in dem Titel des 
Matthäusevangeliums ' M'fcerasK in dem Sinne des arabischen 
muetaffi also als 'auset wählt' zu fassen sei. Der ehrwürdigen Pe- 
schitho sind endlich einmal wieder eingehendere Untersuchungen ge- 
widmet worden, und zwar von Perles**), dessen Aufstellungen von 
den gangbaren Anschauungen besonders christlicher Gelehrten ab- 
weichen. Dass diese Uebersetzung aus verschiedenen Zeiten und 
nicht von einer Hand herrühre, wird allgemein zugestanden werden j 
wenn der Pentateuch, was sehr wahrscheinlich gemacht wird, bereits 
im ersten christlichen Jahrhundert übersetzt wurde (von welchem 
frühen Ursprünge der Uebersetzung auch die im übrigen sinnlose 
Legende noch eine Erinnerung mag bewahrt haben, indem sie die- 
selbe durch den Apostel Thaddäus oder Addai und durch den edes- 



37) Memoire SM les ruines de Seleueie de Pierie on Seleucie de Syrie par 
Alex. Bou/rquenoud, de la Comp, de Jesus. Paris, Lecoffre 1860, 56 S. 8. 
m. Plan. Vgl. Joum. des Sav. 1861 p. 120 f. 

37a) The Principlea of Syriac grammar. Tran&lated from the work of Hoft- 
mami by B. II. Cowper. London 1858, XVI u. 184 S. 8. (Leipzig. Brock- 
haus 2 1 2 i^. ) 

37b) Elementa linguae Chaldaicae quibus aecedit series Patriarcharum Chal- 
daeorum a Josepho Gruriel ezarata. Romae, typis S. Congreg. de prop. fide 
1860, 256 S. 8. vgl. Lit. Centralbl. 1867 No. 19 p. 522 f. 

38) Vgl. meinen früheren Bericht für 1857—58 no. 1252 (Z. DniG. XVII 
p. 158). 

39) H. Gildemeistcr , Ueber den Titel des Matthaeus in Cureton's syr. 
Evangelien, Z. d. DmG. XIII (1859) p. 472—475. 

40) Bibl. jahrb. X (1860) p. 145 f. 

41) Jos. Berles EJungarus, Mcletemata Peschitthoniana. Dissertatio inaugu- 
ralis. Breslau, Sehletter 1859, VI u. 56 S. 8. (10^) Vgl. Literar. Cen- 
tralblatt 1859 no. 46 p. 725 f. 



230 Gosche, wisse nsch aftl Jahresbericht für L859 bis 1861. 

sanischen König Abgar veranlasst werden lässt), so ist auch die 
Behauptung nicht haltlos, dass diese syrische Uebcrsetzung von 
Juden ausgegangen sei, worin schon im Allgemeinen Riehard Simon, 
bestimmter Rapoport und Grätz vorangegangen waren. Die An- 
nahme eines christlichen Ursprungs, welche an und i'ür sich ganz 
natürlich wäre, würde die augenscheinliche Benutzung des Targums 
des Jonathan ganz unerklärt lassen. Die Verdienste , welche Ce- 
riani VU2 ) in der Ambrosiana sich um die heilige Uebersetzungs- 
litteratur erwirbt, sind schon hervorgehoben worden. Allerlei älteres 
Syrisch gibt in Anlehnung an seine 'Analecta Nicaena' Gowper 4:< ) 
aus der Geschichte der ersten Concilien ; dem Kreise derselben 
kirchlichen Bestrebungen gehörte die syrische Ignatiuslitteratur an, 
welche, nachdem ihre Bearbeitung den ersten praktischen Anstoss 
in England empfangen hatte, nun in Deutschland noch von Lipsius**) 
und Merx* 5 ) mit grossem Scharfsinn untersucht wird. Der erstere 
hat in Anschluss besonders an Ritschi den überlieferten syrischen 
Text als den originalen zu erweisen und in den drei von Cureton 
syrisch herausgegebenen Briefen auch wiederherzustellen versucht ; 
an Merx' entgegenstehender Ausführung ist jedenfalls das zuzuge- 
stehen, dass jene drei Briefe als nicht eigentlich ursprünglich an- 
zusehen sind. Eine bedeutsame Publication, von der grössten Wich- 
tigkeit für die zu mannigfacher Anerkennung gelangten kirchlichen 
Pseudepigraphen, ist Lagarde'a* 6 ) schöne Ausgabe der syrischen 
Uebersetzung der Clementinischen Recognitionen , welche zugleich 
einen bisher von den Litterarhistorikern leichtsinnig vernachlässigten 
Werth für die Geschichte der Sage uud der Romandichtung haben. 



1442) Auf Ceriani's Arbeiten machte bereits Reinaud im Journ. As. 1860 
T. 16 p. 269 f. aufmerksam; den Titel des ersten bis jetzt erschienenen Heftes 
s. oben uo. 1116. 

43) Syriac Miscellanies ; or Extracts relating to the first and second gencral 
Councils, and various quotations, theological, historical, and classical. Translated 
from Syriac mss. in the British Museum , and Imperial Library at Paris, witfc 
notes by B. H. Cowper. London 1861, 120 S. 8. Vgl. Heidenbeim in seiner 
Deutschen Vierteljahrsschrift für englisch-theol. Forschung III (1862) p. 465 f. 
und den Artikel Syriac manuscripts' im Quarterly Review 1865 (Jan.) no. 233 
p. 150 — 179, wo zugleich über Cureton's Ausgabe des Johann von Ephesus, 
dessen englische Uebersetzung von J. Payne-Smith und Lagarde's Analecta Sy- 
riaca gehandelt wird. 

44) Ueber das Verhältniss der drei syrischen Briefe des Ignatios zu den 
übrigen Recensionen der ignatianischen Literatur, von R, A. Lipsius. Leipzig, 
Brockhaus 1859 , 203 S. 8. (D/2 ^. ) (Abhandlungen für die Kunde des 
Morgenlandes Bd. I. no. 5.) Vgl. Literar. Centralbl. 1859 no. 47 p. 742 f. und 
Ewald Bibl. jahrb X (1860) p. 253 f. 

45) Meletemata Ignatiana. Critica de epistolarum Ignatianarum versione 
syriaca commentatio quam scripsit D. Ada Ib. Mcr.c. TIalis Sax., Anton 1861 
S. 8. Vgl. Ewald in Gott. gel. Anz. 1862 no. 18 p. 714 f. 

46) Clcmentis Romani Recognitioncs syriace. P. A. de Lagarde edidit. 
Lipsiae, Brockhaus 1861, VIII u. 167 S. gr. 8. (n. 6 8 / 3 ^ ) Vgl. Ewald 
Gott. gel. Anz. 1861 no. 33 p. 1281 f. 



Gosche, wisaenschafil. Jahresbericht für 1859 6m 1861. 231 

An ilmcn zeigt sich grade der hohe Weitli der syrischen Ueber- 
licfcrung, welche uns auch für die von öureton AT ) herausgegebene 
eusebianischc Geschichte der Märtyrer in einer Handßchrifl vom J. 
411 das älteste kritische Zeugniss darbietet. Die wichtige Kirchen- 
geschichte des Johann von Ephcsus, deren dritten Theil Cureton 
1853 herausgegeben und Land zur Grundlage einer tüchtigen Mono- 
graphie über die Anfänge der Kirchengeschichtschreibung anter den 
Syriern gemacht hatte, bearbeitet nun auch Paym Smith iS ). Reich 
an kirchen- und culturgeschichtlichen Daten ist die Schrift des 
Titus von Bostra gegen die Manichäer, deren syrische Ausgabe wil- 
der unermüdlichen Sorgfalt Lagarde's 49 ) verdanken, welcher auch 
eine griechische Textrccensiondicrstellt 5 "). Wichtiger von Seiten der 
Sprache, aber dabei ein wichtiges Glied der westöstlichen Cultur- 
geschichte , sind die syrischen Geoponica Lagarde's 51 ): sie er- 
weitern unsere fast kirchlich eingeschränkte Kenntniss des Sprach- 
schatzes um ein gutes weltliches Theil. Endlich stellt auch die 
katholische Kirche, welche den fast werthvollsten Litteraturschatz 
für das Studium des Syrischen in der Vaticana besitzt und vor 
Allem die Assemani' s aufzuweisen hatte, zu den regsamen protestan- 
tischen syrischen Forschern neben dem bewährten Zingerle einen 
neuen vielverheissenden Mitarbeiter in Pohlmann 52 ), der über die 
bereits aus Assemani (l,40i) bekannte und vielleicht dem Jakob 
von Edessa zuzuweisende Schrift „an alle Völker" sehr geschickt 
handelt. Zingerle 53 ) selbst gibt Proben des Barhebraeus und 

47) History of the Martyrs in Palestine, by Eusebius, Bishop of Caesarea, 
discovered in a Syriac ms. of the year of our Lord 411 ; edited in Syriac and 
translated by William Cureton. London 1861, XI, 86 u. 53 S. gr. 8. Vgl. 
Geiger in Z. d. DmG. XVI (1862) p. 295 f. 

48) The third part of the ecclesiastical history of John, bishop of Ephesus. 
Now tirst translated from the Original Syriac by li. Payne Smith. Oxford 
18(30. 8. Vgl. den Artikel Syriac manuscripts' im Quarterly Review 1865 
no. 233 (Jan.) p. 150 — 179. wo zugleich über Cureton's Ausgabe derselben, 
Cowper's Syriac miseellanies und Lagarde's Analecta Syriaca gehandelt wird. 

49) Tili Bostreni contra Manichaeos libri quatuor syriace. Paulus An- 
tonius de Lagarde edidit. Berolini 1859, II u. 186 S. Lex. -8. (in 160 Expll.) 

50) Titi Bostreni quae ex opere contra Manichaeos edito in codice Harn 
burgensi servata sunt graece e recogniiäone Pauli Antonii de Lagarde. Acce 
duut Julii Komani Epistolae et Gregorii Thaumatargi tcaia fisQOS niaxtz. Be- 
rolini, Besser (Hertz) 1859, VIII u. 128 S. gr. 8. (l^k) Vergl. besonders 
auch über das Syrische Lit. Centralbl. 1859 no. 30 p. 469 f. und Ewald Gott. 
gel. Anz. 1859 no. 176 p. 1757 f. 

51) Geoponicon in sermoneni Syriacum versorum quae supersunt P. La- 
gardius edidit. Lipsiae, Teubner 1860, VI u. 120 S. 8. (4^?, ) Vgl. Ewald 
Gott. gel. Anz. 1860 St. 180 p. 1798 f. 

52) lieber die syrische Schrift : Liber generalis ad omnes geutes in einer 
Hs. der Bibliothek der Propaganda in Rom. Von A. Pohlmann, Z. d. DmG. 
XV (1861) p. 648-663. 

53) Proben aus d. syr. Chronik des Gregorius Barhebraeus oder Abul- 
pharag, von P. Pius Zingerle (Progr. des k. k. Gyinu. zu Meran f. d. Schulj. 
1858.) Innsbruck 1858. 4. 



232 Goschr, irissenschaftl. Jahresbericht für 1859 hin 1861. 

poetische Stücke von Jaqub von Samg 1454 ), welche letztere, ähn- 
lich der armenischen Culturentwicklung, auch für die Syrer die 
Energie religiös gehobener Sittlichkeit, aber dabei einen grossen 
Mangel poetischer Kraft beweisen. Ein sehr anziehendes Denkmal 
ziemlich alter, an das Griechische angelehnter Schriftsteller sind 
die von Landsberger^) trefflich herausgegebener 'Fabeln des 
Aesopos' oder wie er, der Verstümmlung der Uebersetzung folgend 
den Urheber nennt, des Sophos. Dem Wcrthe dieser Ausgabe thut 
es keinen Eintrag, dass die allgemeine Einleitung wenig Haltbares 
bietet, die Annahme dieser Textgestalt als des dem Griechischen 
zu Grunde liegenden Originals sogar ohne Weiteres zu verwerfen 
ist-, abgesehn von der Sprache hat das Werk auch hohe littcratur- 
geschichtliche Bedeutung, wie denn ein Meister solcher Forschung 
bereits an dasselbe angeknüpft hat 5G ). 

Die reiche Litteratur der Syrer, von welcher die europäische 
Forschung ein Stück nach dem andern rettet, ist langsamen Todes 
vor dem Islam gestorben und mühsam, jetzt glücklich durch die 
Energie amerikanischer Missionare gehütet und gepflegt, erhält sich 
mit zäher Treue hier und da modernisiert die nationale Sprache. 
Die Mischung christlicher Bevölkerung mit mohammedanischer Recht- 
gläubigkeit und Sectiererei an gefährlichen Stellen wie besonders 
in Damaskus hat die Aufmerksamkeit des christlichen Europa auf 
die Zustände Syriens gelenkt. Darumgibt Wortabet 57 ) ein freilich 
ungenügendes Bild der verschiedenartigen religiösen Verhältnisse 
der Landschaft. Das grossartige Leben der syrischen Kirche be- 
kundet sich schon in der Massenhaftigkeit der durch sie hervor- 
gebrachten, eben in einzelnen Denkmälern charakterisirten Litteratur 58 ) ; 
ihre dogmatischen Neigungen in dem von Lamxj 59 ) behandelten, 



1454) Pius Zingerle, Proben syrischer Poesie aus Jacob von Sarug, Z. d. 
DmG. XIII (1859) P . 44—58, XIV (1860) P . 679—691, XV (1861) p. 629 
—647. 

55) Die Fabeln des Sophos. Syrisches Original der griech. Fabeln des 
Syntipas in berichtigtem vocalisirtem Texte zum ersten Male vollst, mit einem 
Glossar herausgeg., nebst literar. Vorbemerkungen u. einer einleitenden Unter- 
suchung über d. Vaterland d. Fabel von Jul. Landsherger. Posen, Merzbach 
1859. CXLIV u. 186 S. 8. (2 fy. ) vgl. Steinschneiders Hebr. Bibliogr. II 1859 
p. 105 f.; Geiger in Z. d. DmG XIV (1860) p. 5S6 f. ; J. P(erles) und B. Beer 
in Frankel's Monatsschrift für Gesch. u. Wiss. des Judenth. 1860 (Febr.) p. 
71—75. K. L. Roth in Ileidelb. Jahrbb. 1860 no. 4 p. 49—58. vgl. Literar. 
Centralbl. 1859 no. 46 p. 731 f. 

56) TJi. Benfey, Zum Ursprung der Fabel : Landsberger , die Fabeln dos 
Sophos, Orient und Occidont 1861 p. 354—365. 

57) J- Wortabet, Religion in the Fast ; or Sketches — bistorical and doctrinal 
— of all the religious denominations of Syria , drawn from original sources. 
London 1860, 430 S. p 8. 

58) F. Neve, L'Eglise d'Orient et son histoire d'apres les monuments sy- 
riaques. Notice litteraire. Paris 1860, 60 S. 8. 

59) Dissertatio de Syrorum fide et disaiplina in re eucharistica. Accedunt 
veteris ecclesiac syriacae monumenta duo : uuum Joannis Tellensis Resolutiones 



Gosrhr, wisBerachafA. Jahresbericht für L859 bis (861. 233 

aber einer mehr philologischen Hand bedürftigen Thema: wie einzelne 

der von letzterem mitgeteilten Stücke zn behandeln waren, kann 
die Yergleichnng der Arbeiten Lagarde's zeigen. Nicht uninteressant 
ist Volck's 60 ) Bearbeitung des syrischen Calcndarinms bei QazwTnT 
(ed. Wüstenfeld I p. 75 — 79). In der vordersten Reihe de* mo- 
dernen Cultur- und Religionskämpfe Syriens stellen die Drusen, 
welche uns Guys 61 ) und besonders in ebenso gründlicher als an- 
schaulicher Weise, de Sacy's Darstellung sehr wesentlich ergänzend, 
Petermann ' 2 ) in seinen anspruchlosen Reisen schildert; neben ihm 
darf unter den Augenzeugen nur noch der ältere Churchill, auf 
welchen Carnarvon's 63 ) Bemerkungen zurückzugehen scheinen, ge- 
nannt werden. Die Nuyairier, welche der christlichen Kirchen- 
geschichte als islamischer Gnosticismus zur Parallelisierung interres- 
sant sein können, hat Lyde 6b ) besprochen. Zu diesen Sectenele- 
menten und den mannigfach gespaltenen Christengemeinden kommt 
nun der hochmüthigste Islam, wie er sich grade in und um Damas- 
chs im vollsten Contrast zu aller eigentlichen Civilisation heraus- 
bilden und festsetzen kann. Daher war es nicht zn verwundern, 
dass der blutlechzendo Fanatismus, nachdem er vor Jahren sich 
gelegentlich an Judenblut gesättigt, sich in den schrecklichen Tagen 
vom 9. bis 16. Juli 1860 einen reicheren Genuss an Christen be- 
reitet. Der Engländer Farley 66 ) und der Franzose Lenormant 67 ) 
machten auf die entsetzlichen Greuel aufmerksam; arabische flie- 
gende Blätter in Syrien 6S ), ehrenwerthe Blätter in Deutschland 69 ), 

canonicae. syriace nunc primum editae ac latine redditae, alterum Jacob). Edes- 
seni Resolutiones Canonicae, syriace cum versione latina nunc primum elahoratae 
Scripsit Th. S. Lamy. Lovanii (Bonn, Marcus in Comm.) 1859, XVI u. 273 S. 
8. vgl. Roediger in Z. d. DmG~. XIV p. 336. 

60) Qaztüinius Calendarium syriacum. Arabice latineque edidit et notis 
instruxit Gull. Volcl: Lipsiae, Bredt 1859, VIII u. 38 S. gr. 8. (15 JQn) 
vgl. Literar. Centralbl. 1860 no. 14 p. 218 f. 

61) La nation Druse, son histoire, sa religion et ses moeurs. Par Henri 
Guys. Marseille, M. Olive 1860, 8. vgl. Journal des Sav. 1860 (Oct.) p. 651. 

62) Petermann in seinem unter no. 184 angeführten Rcisewerke giebt 
authentische Mittheilungen über die Drusen: vgl. auch: Die 7'rusen nach Be- 
richten eines Drusen, Grenzboten 1861 no. 4. 5. 

63) Recollections of the Druses of the Libanon, and Notice on their religion. 
By the Earl of Carnarvon. London, Mutray 1860. 130 S. 8. vgl. Westm.- 
Review 1861 T. 19 p. 257. 

64) Vgl. oben no. 1030. 

65) Sam. Lyde, The Asian Mystery ilhutrated in the history, religion. and 
present State of the Ansaireeh or Nusaires in Syria. London 1860, 310 S. 8. 

66) The massacres in Syria. By J. Lewis Farley. London , Bradbury 
and Evans 1861, 190 S. 8. (5 sh.) vgl. Westm.-Äeview 1861 T. 20 p. 569. 

67) Fr. Lenormant, Histoire des massacres de Syrie en 1860. Paris, 
Hachette 1861, XXIV u. 136 S. 8. 

68) Fliegende Blätter in Bezug auf die Christenverfolgungen in Syrien. 
arabisch. Beirut 1860-61. 4. vgl. Z. d. DmG. XV (1861) p. 430 no. 21. 

69) Eine Wanderung über den Schauplatz der Christenverfolgungen in 
Syrien, Protestantische Monatsbl. von Geizer 1861, XVII Heft 4. 



234 Gusche, wiss&necTiaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

anderer zu gescMweigen, schrien — wenn auch nicht um Hache, 
90 doch wenigstens um Hilfe; Fäim Hlüdiäq 1470 J sprach die maro- 
aitischen Anschauungen aus, Losana 11 ) plaidierte italienisch für die 
Christen ; das civilisatorische Frankreich hatte zur Ablösung der 
europäischen eine syrische Frage erhalten, deren thatsächliche Grund- 
lagen von de Salverte 72 ) und Poiijade 13 ) dargelegt wurden; es 
kam sogar im August 1860 zu einer französischen Expedition, zu 
einem neuen 'Partant pour la Syric, zu vielen Wahrheiten, die 
gesagt werden wollten und von Poiijoidat li ) und de Monlylave 1 ' ) 
doch nicht gesagt werden konnten; die französische Expedition ist 
im Juni 1861 abgezogen; aber noch bleibt die syrische oder wie 
David 7C ) sie nennt, die Libanonfrage, hoffentlich als eine auf die 
Herzen der europäischen Machthaber brennende. 

Die Betrachtung der treibenden Mächte in diesen ausartenden 
Metzeleien, welche nicht einmal mehr durch die Pflicht des Jihäd 
zu rechtfertigen, ja bei der langjährigen Berührung mit der euro- 
päischen Civilisation kaum zu erklären wären (wenn diese letztere 
nicht selbst auch noch spanische Ketzergerichte und gelegentliche 
Judentaufen hätte), führt uns in das Quelland des Islam, in das 
letzte grosse semitische Culturgebiet, welches unserer Uebersehau 
noch vorliegt, nach Arabien. Bei seiner Bedeutung als Heimatort 
einer Offenbarung; an deren Uebcrwindung sich die christliche Mis- 
sion vergeblich abmüht, als Gebiet einer Sprache, deren unfassbaren 
Reichthum wohl nur ein einziger europäischer Scheich forschend 
zu bewältigen gewusst hat, als Ausgangspunkt einer geschichtlichen 
Bewegung, deren letzten Wellenschlag die westlichste Küste Euro- 
pas und die östlichste Insel des malayischen Archipels empfunden 
haben, musste dieses Land der Boden einer mannigfaltigen und 
wohlgegliederten Wissenschaft werden. Gleichwohl ist dieser Boden 
in seinem einfachen erdkundlichen Thcile immer noch nicht sicher 
erkannt. Die Ergebnisse der kühnen Reisen von Burton und Speke 
liegen jetzt in einer sehr bequemen Bearbeitung von Andree 77 ) vor, 



1470) Quelques mots d'un Maronite sur les evenemeuts de Syric, par JPhavm 
Chidiak, Revue de l'Orient 18G0, XII p. 80 -84. 

71) Un voto ed una speranza a favore dei Cristiani della Siria di Cr. G. 
Losana. Biella, Amosso 1859. 8. 

72) G. de Salvertc, La Syrie avant 1860. Paris, Brunet 1861, 209 
S. 18. 

73) Ewj. Poujade, Le Liban et la Syrie, 1845—60. Paris 1860, III u. 
319 S. 8. 

74) Hupt. Poujoulat, La verite sur la Syrie et l'expedition francaise. 
Paris, Gaume 1861, XXIV u. 540 S. 8. 

75) Expedition de Syrie, par Eug, de Monglave, Kevue de l'Orient 1860, 
XII p. 375 384, 446-448. 

76) La question du Liban, consideree au point de vue du droit, par Henry 
David. Paris 1861. 8. fiy 2 fr.) 

77) Forschungsreisen in Arabien und Ost-Afrika nach den Entdeckungen von 
Burton, Speke, Krapf, Rebmann, Erhardt u. A. von K. Andree. Bd. 1. (Bur- 



Gosche, irixsriisrliaftl. Jahresbericht für 1859 bia 1861. 235 

vor deren populärem Charakter der ängstliche Zunftsinn nicht zu- 
rückbeben möge, da diese Arbeit mit vorzüglicher Genauigkeit ge- 
macht ist. Von wissenschaftlichem Werth ist sonst nur die auf 
ein enges Gebiet beschränkte mineralogische Reise Houghtoris von 
Cairo nach dem peträischen Arabien 5 der Besuch der Mrs. Harvey 19 ) 
in Damaskus und im Libanon ist schon oben erwähnt worden, wie 
denn überhaupt für das nördliche Arabien fast alle die allgemeinen 
Levante-Fahrten, die Reisen nach Palästina, Syrien und Aegypten 
zu vergleichen sind. Ausserhalb des ernsten Kreises der Wissen- 
schaft steht aber das vielbesprochene Buch von Du Cow-et 80 ), der 
Geheimnisse der Wüste schrieb, die er als Hajji 'Abd el Hamid Bey 
in Afrika und Vorderasien besucht hatte, nachdem die Geheimnis - 
litteratur in Europa begonnen aus der Mode zu kommen. Lieb- 
haher französischer Leetüre werden diesen 1812 in Hüningen ge- 
borenen Colonel, der sich als Exlieutenant der Emire von Mekka 
und Yemen und des Königs von Persien bezeichnet, als Verfasser 
einer sechsbändigen Pilgerfahrt nach Mekka und eines zweibändigen 
Werks über das glückliche Arabien, wie einer Schrift über die ge- 
schwänzten Nyam-Nyams kennen. In dieselbe Kategorie scheinen 
Richards 81 ) Geheimnisse des arabischen Volkes zu gehören. 

Unter den Forschern über arabische Geschichte tritt 
uns der anerkannte Weil 82 ) mit einer Weiterführung seiner Khä- 
lifengeschichte in einem vierten, die 'Abbasiden in Aegypten be- 
handelnden Bande entgegen. Es genügt, das gründliche, im vollen 



ton's Reisen nach Medina u. Mekka u. in das Soinaliland nach Harrar in Ost- 
Afrika ). Bd. 2. (Die Expeditionen Burton's u. Speke's von Zanzibar bis zum 
Tanganyika- und Nyanza-See; Rebinann's Wanderung nach Dschagga u. Krapf s 
Reisen im aequatorialen Ostafrika u. Abessinien.) Leipzig, Costenoble 1861, XIX. 
398 u. XXIV, 518 S. gr. 8. mit je 4 Bildern in Tondruck u. s. w. 6 #. ) 
vgl. Heidelb. Jahrbb. 1860 no. 45 p. 698 f. 

78) Notes of a minerological excursion from Cairo into Arabia Petraea *, 
read before the Royal Dublin Society by Prof. Haughtou, in dem Natural Hi- 
story Review 1859, Vol. VI no. 1 mit 3 Tff. 

79) Vergl. oben no. 179. 

80) Les mysteres du desert. Souvenirs de voyages en Ajio et en Afrique 
par Hadji-Abd'el-Hamid-Bey (Col^ L. du Couret), Voyageur en Afrique et en 
Asie, Ex-lieutenant des Emirs de la Mecque, de 1' Yemen et du roi de Perse 
etc. Preeedes d'une preface par M. Stau, de Lapeyrouse. T. 1. 2. Paris, 
Dentu (1859), XXXV, 492 u. 484 S. gr. 8. mit 2 Karten. (7 fr.) 

81) C. Richard, Les mysteres du peuple arabc. Paris 1860 , XXIII u. 
240 S. 8. 

82) Gust. Weil, Geschichte der Chalifcii. Nach handschriftlichen, grössten- 
theils noch unbenutzten Quellen bearbeitet. Bd. 4. (Geschiclite des Abbasiden- 
chalifats in Aegypten. In 2 Bdn. Bd. 1. Das Chalifat unter den Bahritischen 
Mamlukensultanen von Aegypten 656—792 d. H. 1258—1390 n. Chr.) Stutt- 
gart, Metzler 1860, XXIV u. 576 S. 8. (4 fy 16.^) XXIV u. 576 S. 8. 
vgl. Weil in Heidelb. Jahrbb. 1859 no. 59 p. 937 f. ; und Westm.-Review 1860 
T. 17 p. 610, Literar. Centralbl. 1860 no. 15 p. 225 und v. Sybels Histor. 
Zeitschr. V (1861) p. 189f. 



230 Gosche, wiasenschafÜ. Jahresbericht für 1859—1861. 

Lichte quellenmäßiger Geschichte sich bewegende Werk genannt zu 
haben. Aach für die älteste Geschichte der Araber beleben sich 
die Quellen und die Forschungen. Aus Aden gelangten 26 himja- 
rische Inschriften auf Kupferplatten durch den britischen Brigadier 
Coghlan an Rawlinson und wurden lithographiert; weiter dreissig 
Kupfertafeln mit himjarischen Inschriften Photographien u83 ). Bei der 
voraussichtlich sehr baldigen und bedeutenden Vermehrung unserer 
Inschriftenvorräthc , deren lexicaliseh immer noch sein- bedeutende 
Schwierigkeiten dann auch durch umfassende Kenntniss des Sprach- 
gebrauchs sich würden heben lassen, scheint Play faires 63 *) Geschichte 
Yemens etwas verfrüht. Eine musterhafte Untersuchung zur alt- 
arabischen Kirchengeschichte erhalten wir in den Acta Sanctorum 
vom 10. October (T. 24 p. 661 — 721), leider nur in wenigen 
Separatabzügen verbreitet, durch den trefflichen Jesuiten Carpen- 
tter Si ) über den heiligen Arethas, Ruma u. s. w. ; der sagenhafte 
oder doch geschichtlich verwirrte Stoff ist mit grossem Scharfsinn 
und vollständiger Freiheit des Geistes behandelt. Solche Unter- 
suchungen sind um so wichtiger, weil sie allein die Genesis und 
weitere Geschichte des Islam begreifen lehren. In die Ursprünge 
dieser Lehre dringt unter einer Verkettung glücklicher Umstände, 
insonderheit unter fast gleichzeitiger Benutzung verschiedener Quel- 
len von verschiedenen Standpunkten aus, die Forschung immer 
tiefer ein. Indess Muir 85 ) sein zwar in engerer kirchlicher An- 
schauung coneipiertes aber aus grossem Quellenstudium hervorge- 
gangenes und insonderheit für die innere Chronologie des Qoräus 
bedeutsames Leben Muhammeds mit einem vierten Bande abschliesst 
und Arnold 86 ) einen Ueberblick gibt, beginnt Sprenger 87 ) das 



1483) Vgl. Annual. Report of the Royal As. Soc. May 1859 p. IX. und Journ. 
As. 1860 T. 15 p. 544. 

83a) A history of Arabia felix or Yemen fiom the commencement of the 
Christian era to the present time. By E. L. Playfair. Bombay 1859. 4. 

84) Acta Sanctorum Arethae et Rumae , et sociorum martyriim .... in 
Arabia felice, illustrata ab E. Carpentier, Soc. Jcs. presb. Brüssel 1861, fol. 

85) William Muir, the life of Mahomet. Witli introduetory chapters on 
the original sources for the biography of Mahomet , and on the pre-islainite 
history of Arabia. Vol. III & IV. London, Smith, Eider & Co. 1861, XII. 
313 u. XII, 356 S. gr. 8. mit je 1 Tf. {£ 1. 1 sh.) vgl. Westm.-Review 1861 
T. 20 p. 590. Journ. des Sav. 1861 p. 588, und besonders zugleich über 
Sprenger: Barth. St. Hilaire Journal des Savants 1863 p. 503—522. 571—590, 
639—655, 767—782 und 1864 p. 47—62 ; ferner National-Rcvicw 1861, XIII 
p. 309—339. 

8G) J. M. Arnoich Ishmael ; or, a natural history of islamism , and its 
relation to christianity. London 1859, 530 S. 8. 

87) Das Leben u. die Lehre des Mohammad nach bisher grösstenteils 
unbenutzten Quellen bearbeitet von A. Sprencjer. Bd. 1. Berlin , Nicolai 
(Parthey) 1861, XXVI u. 583 S. gr. 8. vgl. Nö'ldeke in Gott. gel. Anz. 1862 
no. 19 p. 750f. Lit. Centralhl. 1862 no. 23 p. 451 f. und Weil zugleich über 
Muir, Nöldeke und Sprenger in Heidelb. Jahrbb. 1862 (Jan.) p. 1 — 16. 



Gosche, wissensrlmfd. Jubresbi ,■/<■/,/ für 1859 bis 1801. 

seinige mit jener Snperiorität, welche ein vieljähriges seiner Aut- 
gaben bewusstes Leben innerhalb eines mannigfach gegliederten 
Islam verleihen kann, mit jener Sicherheit, welche nur die ener- 
gische Benutzung eines ausserordentlichen Quellenmaterials hervor- 
bringt, aber auch mit einer Art medicinischer Verachtung, welche 
für ausserordentliche Geisteszustände nur einen pathologischen Blick 
und für die Prophetie Muhammeds die Diagnose einer Geschlechts- 
krankheit übrig hat. Aber auch da, wo der ebenso kühne als 
scharfsinnige Forscher unhaltbare Thesen aufstellt, wird die ihm 
nachgehende Forschung dankbar anerkennen, von ihm die mäch- 
tigsten Anregungen empfangen zu haben. Angenehm liest sich 
BeinauiVs^) mehr gewissenhaft elegante als wirklich weiterführende 
Skizze; aber alle diese auch in weiteren Kreisen wirkenden Schrif- 
ten machen den Propheten so populär, dass sich die Romandichtung 89 ) 
von Neuem an ihm versucht. Auch die orientalischen Pressen 
geben Einzelnes und zwar Muhammedanisches zur Kunde des Pro- 
pheten ; so wieder das grosse türkische schon durch die constan- 
tinopolitanischc Ausgabe von 1841 bekannte Gedicht 89a j, zu wel- 
chem man das des Kätib Celebi s< * h ) halten kann; ferner wegen 
einiger nicht unwesentlicher legendarischer Züge das in Kasan 
schon 1851 und 1855 gedruckte und nun neu aufgelegte türkische 
Gedicht von Tqj-eddhi Efen<& 896 )\ auch die Schemäil des Pro- 
pheten, unter Anderen in Kasan 1851, 53, 57 und 58 gedruckt, 
haben eine neue arabisch-türkische Ausgabe erfahren 89 ' 1 ); die Ge- 
schichte seiner Wunder, über welche ein türkisches Gedicht vor- 
liegt 89 ' ), führen natürlich ganz von aller Geschichte und der Mög- 
lichkeit geschichtlicher Kritik ab. Was über den Islam selbst 



88) Notice sur Mahomet par M. Reinaud. Extrait de la Nouvelle Bio- 
graphie generale publiee par MM. Finnin Didot avec quelques additions. Paris, 
Didot 1860, 92 S. 8. 

89) Das Mädchen von Chaibar. Koman aus dem Leben Muhammed's von 
Orientalis. Stuttgart, Metzler 1859, 5-17 S. 16. (2 fy. ) 

89 a) .jLxLsL -iOji^lA .\\i\ ^IaCj ^Li ,_ö.a J.aä/0 c^Ä> j\*n SJU«. 

nJIe sUI £;". i^ä»- J— a-eU-w! O^a^ijs* Kasan 1861, 8. Vgl. H. Kh. 
VI p. 605. 

c 

89h) ,_c4^- wO'U" ^ cX*^ (jo,l*Ji ^.Ls &wu&JU &}\\±^ adl*«, 

Kasan 1859. fol. 

c 

89c) t«i.Ä'l wft^j.^ ^yy* V'- < — J-*" s-j'^ Kasan. Kokowin 1859, 8.; 
wiederholt 1861, 4. lithogr. 

89 d) ,5>äJ! JJU^i Kasan 1859, ein Blatt wiederholt 1861 und 1863. 
89 e) *c y^V*^ oij^« ^Li 3 *JO& IÄS> Kasan 1859, 8. 



238 Gosche, a-issenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

geschrieben wurde, findet weiterhin seine Stelle. Ein Ereigniss 
für die unmittelbare Quellenkritik ist eine Erwerbung der Schatz- 
kammer des Sultans 149 °), nämlich die Erwerbung des Originalbriefs 
Muhammcds an den ägyptischen VicekÖnig Maqauqas, welches Docu- 
uicnt als ein Glaubenskleinod bei den anderen Reliquien seine Stelle 
gefunden hat. Obgleich die Aechtheit nicht gegen alle Zweifel ge- 
sichert ist, so hat sie doch einen sehr hohen Grad von Wahr- 
scheinlichkeit; nur steht zu befürchten, dass das nicht geringe Ge- 
schick der Araber und Perser, welches ich bei mancher Handschrift 
und andere bei Arsaciden- und Pehlewi-, vielleicht auch kufischen 
Münzen haben bewundern können , sich nicht auf Herstellung von 
dergleichen Apokryphen werfen lerne. Aus der ersten Geschichte 
des Islam nennt uns ein dem grossen Publicum bestimmtes tür- 
kisches Blatt die Kampfgenossen von Bedr 90a ); aus einer etwas 
späteren ähnlich entscheidenden Epoche behandelt mit mustergiltiger 
Quellenkritik W. Roth 91 ) die Geschichte des Eroberers von Nord- 
afrika 'Oqbah. Für das achte Jahrhundert der H. bezeugt eine 
von Dieterici 02 ) umsichtig erklärte arabische Inschrift vom J. 751 
aus Canton die weite Verbreitung des Islam nach dem Südosten; 
ebenso eine aus dem J. 870 d. H. von einer Moschee unweit Mir- 
zagunga durch Reily und Lees 93 ) mitgetheilte seine Consolidierung 
in Indien. Die Specialgeschichte und Topographie Arabiens fördert 
unablässig der alle Mitforscher in Editorenthätigkeit überholende 
Wiistenfeld 94 ), indem er nach Samhudi die Geschichte von Medina, 
dessen Abbild eine traditionelle in Kasan 94 ) lithographierte Zeich- 
nung gibt, darstellt; ebenso berichtet er nach dem von ihm so ver- 
dienstlich herausgegebenen Texten zum Heil der Nichtarabisten die Ge- 
schichte von Mekka 95 ), von welchem ebenfalls die Kasaner Pressen 



1490) Vgl. Journ. As. 1854 T. 4 p. 482 f. und 1860 T. 16 p. 271. 
90a) ; ^J S-»l~$^ Kasan 1860, 8. ein Bogen; wiederholt 1861 u. 1864. 

91) W. Roth. 'Oqba Ibn Nafi el-Fihri , der Eroberer Nordafrica's. Ein 
Beitrag zur Geschichte der arab. Historiographie. Inauguraldissertation. Göt- 
tingen, Dietrich 1859, VI u. 70 S. 8. (12^) vgl. Ewald Gott. gel. An/.. L860 
no. 32 p. 310 f. Weil in Heidelb. Jahrbb. 1860 no. 13 p. 199—205 und Liter. 
Centralbl. 1860 no. 14 p. 213. 

92) Dieterici, Arabisches aus Kanton, Z. d. DmG. XIII (1859) p. 475 
-477. 

93) Vgl. Journ. of the As. Soc. of Bengal XXIX (1860) p. 406 f. 

94) F. Wüstenfeld, Geschichte der Stadt Medina. Im Auszuge aus d. 
Arab. dos Samhudi. (Aus d. Abhdl. der k. Ges. derWiss. zu Göttingen. Bd. IX. 
Mit einem Register vermehrt). Göttingen, Dietrich 1860, 162 S. 4. (P/ 3 >%) 
vgl. Nachrichten v. d. l'nivers. u. der kgl. Gesellschaft der Wiss. zu Göt- 
tingen 1860 no. 15 p. 157 f. 

94a) iUxäÜ ^?. i* J.L*i gJU! 13^3 Sj^Cl S^J^tf Kasan 1861. 
litli. 1 Bogen. 

95) Geschichte der Stadt Mekka nach den arab. Chroniken bearbeitet von 
Ferd. Wüstenfeld. Mit 1 Plan der Stadt u. 1 Stammtai. der Scherife von 



Gosche, unssenscha/Ü. Jahresbericht /•>;,• isf,;» /,;$ 1801. 23! i 

lithographierte Abbildungen 053 ), speeiell mit einem schon is.".:{. 56, 
1857 und 58 gedruckten türkischen Texte auch v<m der Kaaba 96b ) 
zu geben wissen. Von einzelnen Dynastien hat der als Numis- 
matiker geschätzte Tiesenhausen 96 die 'Oqailiden behandelt. Am 
meisten Berücksichtigung haben die spanisch-arabischen Dynastien 
erfahren. Die Vollendung der Sammlung al-ltaqqarla wird sogleich 
in den Bemerkungen über Litteratur zu erwähnen Bein; nach einer 
Reihe von Textausgaben und der gründlichsten Durchforschung zahl- 
reicher, vielleicht kann man sagen aller hierher gehöriger und ir- 
gend erreichbarer Bandschriften unternimmt es jetzt Dozv 91 ) die 
Geschichte dieser merkwürdigen Zeit und Völkermischung zu schrei- 
ben. Die beiden ersten Bände seiner Erzählung, welche bis etwa 
auf 920 n. Chr. hinabreichen, zeigen ganz und gar den glänzenden 
Esprit ihres Verfassers, wie er kaum je an geschichtliche Darstel- 
lungen aus dem orientalischen Völkerleben gesetzt worden ist, der 
aber mit der aus sorgfältigster Forschung sicher gewonnenen Er- 
kenntniss operiert, dass das Orientalische nicht 'una pasta' sei, 
sondern vollkommen individualisiert, dass insonderheit hier im ara- 
bischen Spanien alle Schattierungen der europäischen socialen und 
politischen Kämpfe erscheinen. Darum heimelt diese Darstellung 
den im romanischer, fast möchte man bestimmter sagen, französischer 
Geschichte bewanderten Leser sofort an. Von den vorangegangenen 
Detailuntersuchungen haben begreiflich die über den Cid die grösste 
Aufmerksamkeit in weiteren Kreisen erregt: von ihnen hat Dozy 98 ) 
eine neue Ausgabe besorgen können. Indess er bei seiner zusammen- 
fassenden Darstellung grade die ältere Epoche ins Auge fasst, unter- 
nimmt Smionet 9 **) die bald tragisch düstre, bald genialheitre 



Mekka. (Auch in. d. T. : Die Chroniken der Stadt Mekka. Bd. 4.) Leipzig, 
Brockhaus 1861, XIV. u. 344 S. gr. 8. (2 fy ) vgl. Lit. Centralbl. 1862 no. 
22 p. 426 f. 

95 a) «UaSJI J.J.J Ji ,1,1*2 *-JLJI Ipj« SAj£t\ &£$ Kasan 1861. 1 Bl. 
95b) ^ÄJj-^ ***3 Kasan 1859, ein Bogen; wiederholt 1861 ein Bogen lithogr. 

96) W. liesenhausen, Geschichte der Oqailiden-Dynastie, Memoires pre- 
sentes ä l'Ac. imper. des sc. de St.-Petersbourg T. VIII (St. Petersb. 1859, 4.) 
p. 128—172, nebst Anmerk. XVIII S. 

97) R. Dozy, Histoire des Musulrnans d'Espagne jusqu' ä la conquete de 
l'Andalousie par les Almoravides (711 — 1110). T. 1. 2. Leyde . Brill 1861, 
VIII, 392 u. 356 S. 8. 

98) R. Doxy, Recherches sur l'hist. et la litt, de l'Espagne pendant le 
moyen äge. 2 edition, auginentee et entierement refondue. Vol. 1. 2. Leyde, 
Brill 1860, XVI, 360, LXXVII u. IV, 390. XC1X S. 8. Daraus wegen des 
allgemeineren Interesses besonders abgedruckt : Le Cid, d'apres de nouveaux do- 
cuments, par R. Dozy. (Extr. des Recherches etc.) Leyde 1860, 8. (8V2 fr -) 

98a) Descripcion del reino de Granada bajo la duminacion de los Naseri- 
tas, sacada de los autores ärabes , y seguida del texto inedito de Mohammed 
ebn Aljathib, por Don Francisco Javier Simonet. Madrid, Imprenta national 
1861, 214 S. 8. vgl. die treffliche Anzeige Dozy's in Z. d. DmG. XVI (1862) 
p. 580—600. 



240 Gosche, wissensohaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

nacridische Zeit Granada.» darzustellen, für welche wir uns auch 
Dozy's kritisches Messer und Pinsel wünschen. Die zahlreichen 
arabischen Inschriften Granadas hat Lafuente Alcantara u ") unter 
der unmittelbaren Anschauung der Originale sammeln und bearbeiten 
können; eine bei ihm fehlende, erst in neuerer Zeit zum Vorschein 
gekommenen Inschrift vom J. 768 d. II. in der Mezquita der Al- 
liainhia hat I<'l<i<jel x5o °) sorgfältig entziffert und erläutert. Merk- 
würdiger Weise gehören die Münzen dieser letzten Nacriden-Dy- 
nastie zu den grössten numismatischen Seltenheiten, vielleicht weil 
die erste Eifersucht der neuen christlichen Machthaber Granadas 
deren viele hat einschmelzen lassen: um so werthvoller ist die 
Notiz, welche VeUaminof-Zemof von zwei Exemplaren gibt 1 ). 
Ueber eine andere wichtige Stelle Europas, wo arabische Macht 
sich festgesetzt und ebenfalls eine culturgeschichtliche Wirkung zu 
üben begonnen hatte, über Sicilien und Unteritalicn ist wenig zu 
sagen. Zu des Hauptforschers auf diesem Gebiet, Aman" 2 ), Text- 
sammlungist die in Verbindung mit ihm von Dufour gezeichnete treu- 
liche historische Karte von Sicilien während des 1 2 ten Jahrhunderts er- 
schienen-, Mortillaro 2 *) berichtet über arabisch- sicilische Münzen; 
Martini*) über die Araber auf Sardinien. Jetzt tritt Arabien in 
neue, aber höchst wahrscheinlich gefährliche Beziehungen zur euro- 
päischen Cultur, denn wenn Simonin*) über die Engländer in Aden 
spricht, so handelt es sich nicht nur um eine temporäre Schiffer- 
siation, und in dem Kreise des nordarabischen Lebens wird die 
schönste Feuilletonblüte des 'Gartens der Nachrichten', über welche 
IJeyruter Zeitschrift als ein Culturphänomen Fleischer G ) höchst an- 
ziehende Kunde gibt, über die Noth wendigkeit principieller Umkehr 
nicht zu täuschen vermögen. 



1499) Inscripciones arabes de Granada, precedidas de una resena historica 
y de la genealogia detallada de los reyes Alahmares , por Emilio Lafuente 
Alcantara. Madrid 1860, 244 S. 4. 

1500) G. Flügel, Eine arabische Inschrift in Granada, Z. d. DmG. XI Y. 
(1860) p. 353-362 m. Tff. 

i) V. V&Äaminof-Zernof, Description de deux rnonnaies inedites, apparte- 
nant h la dynastie des Nasrides d'Espagne (Tire du Bulletin de l'Ac. de St. 
Petersbourg T. I. p. 473 f.), Melanges asiat. IV (1860) p. 15—21. 

2) Carte comparee de la Sicile moderne avec laSicile au XII e siecle d'apres 
Edrisi et d'autres geographes arabes, par A. H. Dufour et Amari. Notice 
par Amari. Paris 1859, 51 S. 4. u. Karte in fol. 

2a) II medagliero arabo siculo della biblioteca comrnuuale di Palermo. Dal 
barone Vinc. Mortillaro. Palermo 1861, 4. 

3) Storia delle invasioni degli Arabi e delle piraterie dei Barbareschi in 
Sardegna per Pietro Martini. Cagliari, Tipografia di A. Tiuion 1861, 271 S. 
gr. 8. (Berlin, Asher 1 fy 12 J&) 

4) La presim'ile dAden et la politique anglaise dans les mers arabiques. 
Par L. Simonin, Revue des deux mondes 1861 Dec. 15, und auch besonders 
gedruckt Paris, Claye 32 S. gr. 8. 

6) Fleischer, Ueber die Culturbestrebungen in Beirut u. die dortige ara- 
bische Zeitung, Hadikat el achbar, Berichte über die Verhaudl. der k. Sachs. 



Gosche, wisaen8chqftl. Jahresbericht für 1859 bi» 1861. ^41 

Denn dem scharfkantigen, straffmuskulösen Wesen des Araber- 

iliiniis wird nicht mit modischen Reformen and Beinern Main oichl 
mit Berausnahme einiger störenden Bestimmungen, seien es Dogmen 
oder Sittengesetze, geholfen sein, /war die Polygamie, über welche 
BerbruggerG I aus der Beobachtung eines anders gearteten mu- 
hanunedanischen Culturkreises Klage zu erheben hat, ist ein fürchter- 
liches Hinderniss, dem weiblichen Geschlechte und damit wirklich 
der Familie, ohne deren Grundprincip als gleichsam seinen Herz- 
punki kein wahrer Staat sein kann, sein ganzes Recht zu schaffen: 
aber alle Lebens- und Bildungsrichtungen, in welchen sich das 
arabische oder irgend ein muhammedanisches Volk bewegt oder in 
welchen es doch gelangen ist, sind ihm mit eiserner Gewall ge- 
schichtlich durch den Islam aufgezwungen. Wer die werthvollen 
Untersuchungen Behrnauer's 7 ) über die Polizeieinrichtungen der 
Araber, Perser und Türken, oder BeUiCs*) sorgfältige Darstellung 
des Grundbesitzes besonders nach hanefitischem Recht genau liest, 
empfängt den Eindruck, dass der Islam auch in religiös scheinbar 
gleichgültigen Dingen bestimmende Macht ist. Wir würden dies 
in dem ganzen mohammedanischen Staat enthum noch schärfer er- 
kennen, wenn Enger 9 ) seine Mäverdistudien zu einer Darstellung 
des muhammedanischen Staatsrechts hätte erweitern wollen; sein 
jetzt vorliegender Versuch über das Wesirat, die beste derartige 
Arbeit neben Joseph Müller's staatsrechtlicher Abhandlung, lässt 
das ausserordentlich bedauern. Was wir augenblicklich über das 
Rechtsleben des Islam erhalten, dient zu sehr unmittelbaren prak- 
tischen Zwecken; so behandelt Sloan 9 *) das Recht des Islam in 
seiner indischen Gestaltung; die ähnlichen Werke von Charloo und 
Macnagkten 9 *) haben nach dieser Seite schon oben ihre Erwüh- 



Ges. der Wiss. zu Leipzig. Philol.-histor. CL 1859, I. II. p. 1 — 24, und: Zweiter 
Bericht über die Culturbestrebungen in Beirut , Berichte über die Verhdl. der 
k. Sachs. Ges. der Wiss. Philol.-hist. Cl. 1859, III. IV. p. 153 — 175 

6a) Revue Afrieaine 1859 (Apr.) no. 16. 

7 Memoire sur les institutions de police chez les Axahes, les Persans et 
les Turcs, par Walter Behrnauer, Journ. As. 1860 T. XV p. 461—508; T. 
XVI p. 114 -190, 347—392; 1861 T. XVII p. 5-76. - 

8) Etüde sur la propriete fonciere en pays musulmans, et specialement en 
Turquie (rite hanefite) , par Beim, Journ. As. 1861, Will p. 390—431, 477 
- 517. (Forts, folgt.) 

9) Max Enger, üeber das Vezirat, /. d. DmG. XIII (1859) p. 239- 248; 
vgl. dazu die Bemerkung von G. Flügel ebend. p. 70"i f. 

9a) Digest of principles of Mahomedan law deeided by the Privy Council 
and the Supreme and Sudder Courts of Madras, Calcutta, Bombay, and the 
North Western Provinces, fron) the year 1793 f.. 1859. Selected from the latest 
Reports by William Sinn,,. .Madras ISliO. XII u. 174 S. 8. (London 
Trübner 15 Sh.) 

9b) Vgl. oben no. 546 n. 546a. 
Jahresbericht 1859—1861. 16 



242 Gosche, toissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bü 1861. 

nung gefunden. An dieser Stelle sei auch der Druck von Handels- 
gesetzen U,U) ) in Beyrut erwähnt. 

Ein charakteristisches Merkmal der ganzen arabischen Cultur 
ist ein gewisser Sinn für das Berechenbare trotz aller in ihr wal- 
tender Phantasie, beziehe sich dies Berechnen nun auf Raum, Zeit 
oder Gewicht, besonders auf Münzwesen. In Beziehung auf Ranm- 
maasse würde eine noch nicht unternommene Untersuchung die 
merkwürdig rasche Aneignung persischer Vorbilder durch das eben 
in die Kulturgeschichte eingetretene Volk der Araber nachweisen 
können-, in Beziehung auf Zeiteintheilung kann Sprenger 10 *) den 
Kalender vor Muhammed in seiner grossartig quellenmässigen Weise 
behandeln, ein Gegenstand, den schon früher einmal Mahmud 
Efendi u>h ) im Journal asiatique ergriffen und nun erneut. Den 
darin liegenden praktischen Zug bezeugen die Araber auch sonBl 
an allerlei nützlichen Dingen, die sie vielleicht nicht erfunden aber 
doch eigentlich in Curs gesetzt haben, wie Mas von Berghaus n j 
besprochene Papier, Pulver u. s. w. Das Münzwesen, welches auf 
der einen Seite in einer eigenthümlichen griechisch-persischen Ab- 
hängigkeit steht, auf der andern aber mit dem Islam sich herr- 
schend verbreitet, hat seit Frähn's Tode noch nicht wieder einen 
ihm so ganz gehörenden Forscher gefunden ; doch vergisst St. Pe- 
tersburg nicht, in seinem Geiste die herrlichen die russische Kaiser- 
stadt auszeichnenden Sammlungen zu erweitern und zu öffentlicher 
Kenntniss zu bringen. Der neuen Erwerbungen des asiatischen 
Museums an muhammedanischen Münzen, welche uns Dorn 12 ) be- 
schreibt, ist schon oben gedacht worden ; Geitlin 13 ) berichtet über 
kufische, im Norden als Zeugnisse des grossartigsten Handelsverkehrs 
gefundenen Goldmünzen. 

Sonst sind, ehe wir zu der Betrachtung des für Sprache und 
Litteratur geleisteten übergehen, von zerstreuten Einzelheiten zu er- 
wähnen die lehrreiche Beschreibung einer arabischen Helminschrift 



1510) ?S> ; 1.5^UJ( ^i\y&l\ (Handelsvorschriften). Beirut 1859, 8. 

10a) A. Sprenger, Ueber den Kalender der Araber vor Muhammad, Z. d. 
DmG. XIII (1859) p. 134-175. 

10b) Memoire sur le Calendrier arabe avant rislamisme et sur la naissance 
et läge du prophete Mohammed. Par Mahmoud Effendi, Memoires eouronnes 
et memoires des savants etr. publ. par l'Ac. Roy. de Belgique T. XXX (Biuxel- 
les 1861, 4.) vgl. schon oben im Bericht für 1857-58 no. 1270 (Z. DmG. 
XVII. p. 101.) 

11) A. Berghaus, Die Ansprüche der Araber auf Verbreitung der Erfindung 

des Papiers, des Kompasses u. des Schiesspulvers, Ule's u. Müllers Natur 1859 
no. 20—25. 

12) Vgl. oben no. 48. 

13) Gahr. Geitlin , Om ett gamalt kufisk guldiuvnt, Acta Soc. Scient. 
Fenn. T. VI, Helsingfors L861, 1. p. 500 565. 



Gosche, Wissenschaft},. Jahresbericht für W.;t bis 1861. 243 

aus Damaskus durch Fleischer 14 ) und Nuldeke's lf> ) Notiz über eiu 
Moment des arabischen Volksglaubens, die zu weiterer Sammlung 
der spärlichen und meist so versteckten Trümmer der arabischen 
Volksmythologie anregen möge. 

Eine Reihe vermischter Bemerkungen von Fleischt',- W) bringt 
unter so bescheidenem Titel die wichtigsten Mittheilungen, von denen 
die für arabische Handsehriftenknnde besonders werthvollen Nach- 
richten über christliche Schriftstücke aus dem J. 272 und 2 79 d. 
II. hervorzuheben sind. Solche wenn auch kurzgefasste Unter- 
suchungen orientieren weit sicherer in der arabischen Sprach-. 
Schrift- und Literaturgeschichte als jene ziemlich dürftige, kaum 
nach irgend einer seltenen Quelle ausgreifende, ungern aus ihrer 
unkritischen Bequemlichkeit sich empor hebende Collectaneensamm- 
lung, mit der als einer 'Einleitung' uns Freytay 17 j hat beschenkeu 
mögen. Petrus Bustünt l8 ) gibt einige Bemerkungen über arabische 
Litteratur, deren Kenntuiss FliigePs 19 ) Mittheilungen über einige dem 
englischen Consul Ch. Murray in Dresden gehörige rnnhammedanische 
Handschriften und Rödü/ei-'s 20 ) Beschreibung der jetzt in München 
befindlichen Quatremere'schen Sammlung erheblich erweitern ; inter- 
essant ist durch seine Schriftgestalt, weniger wegen seines Inhaltes 
(weil auf Qorän und Verwandtes beschränkt), was Berbruyger 20 ' ,l ) 
mittheilt. Das hier hervortretende, für die Spanier mehrfach prak- 
tisch wichtig gewesene Problem der Transscription ist neuerdings 
unter uns mit erfolgreichem Eifer aufgenommen worden und würde 
gewiss thatsächlich rascher gelöst und in seiner Lösung anerkannt 
werden, wenn nicht grade die Eigentümlichkeit der arabischen 
Schrift manchem Herausgeber erlaubte drucken zu lassen, was er 
selbst nicht ganz versteht. Wer arabische Texte transscribieren will, 
muss aber alles verstanden haben und darum, nicht weil mehr 
Druckpapier erfordert würde, werden die besten Vorschläge nicht 

14) Prof. Fleischer, Arabische Inschriften (eines Helms aus Damaskus, 

von der aegypt. Insel Dahlak) , Z. d. Dniü. XIII (18511) p. 207- 272 ; vgl. 
über den Helui noch den Nachtrag p. 727. 

15) Die Schlange nach arabischem Volksglauben, von Tlieod. Nöldeke, 
Zeitschr. für Völkerpsychol. u. Sprachw. I (1860) p. 412—410. 

16) Vermischtes. Von Fleischer, Z d. DmG. XV (1801) p. 381—397. 

17) C. W. Freytag, Einleitung in das Studium der Arabischen Sprachen 
bis Muhammed und zum Theil später. Bonn, Marcus 1801, XII u. 511 S. 
gr. 8. (3V s i?0 vgl. Lit. Centralbl. 1862 no. 22 p. 439f. 

18) (Arabische) Abhandlung über die Litteratur der Araber von Betrus 
al-Bustüiü. Beirut 1859, 8. 

19) Einige bisher wenig oder gar nicht bekannte arabische u. türkische 
Handschriften. Von G. Flügel, Z. d. DmG. XIV 1860) p. 527—516. 

20) Roediger, Mittheilungen zur Handschriftenkunde: 2. über ein Koran- 
Pragni. in hebr. Schrift; 3. die arab. Anthologie *M*»»2) 5j^»..> Cod. Lugd. 
2->7, Z. d. DmG. XIV (1860) p. 485-501. vgl. oben no. 39. 

2Ua) Manuscrits espagnols en caracteres arabes, par Berbrugger , Revue 
Africaine 1860 (Mai) no. 22. 

10* 



244 Gosche, urissi nachaftl Jahresbericht för 1859 bis 1861. 

Behr bald, gewiss nicht allgemein befolgt werden. Solche Vorschläge 
macht Barb tö21 ) mehr vom praktischen Standpunkte aus, Brücke 23 ) 
sehr scharfsinnig vom physiologischen, Lepsius - 3 ) mit geistvoller 
Verbindung physiologischer und linguistisch-historischer Daten: aus 
der letzten Untersuchung ist besonders die Auffassung des empha- 
tischen ja als eines D-Lautes hervorzuheben. Auch von Seiten 
des Drucks haben Ferrette 2i ) und an ihn anknüpfend Pikan 26 
Erlcichterungsvorschläge gemacht. In den Umschreibungen bieten 
die zierlichen Marotten der Ilamza-Doctrin, welche Barb 26 ) syste- 
matisch aufzuhellen versucht hat, auch noch Lepsius' Scharfsinn 
wunderliche Hindernisse. 

Für die Grammatik ist in Broch's 27 ) tüchtiger Ausgabe des 
Mufaccal von al- Zamakhsharl ein treffliches Förderungsmittel ge- 
wonnen worden. Die universelle Bildung, welche der treffliche 
QoränausLager in anthologischen, sprachwissenschaftlichen, dichte- 
rischen und anderen Werken darlegt, kommt dem alles in muster- 
hafter Schärfe fassenden Syntaktiker überall zu statten, der hier 
zwar ausführlicher als in den kürzeren darum weiter verbreiteten 
Anmudhag unterweist, aber dennoch bei dem streng wissenschaft- 
lichen Lakonismus des Compendiums im Unterricht die Notwen- 
digkeit erkannte, selbst erklärende, wohl nicht mehr vorhandene 
Glossen zu verfassen und damit den Reigen nützlicher Commcntare 
zu eröffnen, deren Bearbeitung Brock künftig einmal mit einer 
Uebersetzung der Muface_al verbinden wolle. Daneben kommt kaum 
in Betracht, dass zum Besten des modernen muhammedanischen 
Studiums Jbn Hüjib's 21 *) Käfiyah nebst den andern landläufigen 



1521) DieTranscnption des Arabischen Alphabetes. Von //. A.JBarb. Wien, 
Gerold 1860, 89 S. 8. (1 ^. ) 

22) Brücke, Beiträge zur Lautlehre der arabischen Sprache, Sitzungs- 
berichte der k. Ak. der Wiss. Philos.-hist. Gl. XXXIV (Wien 18(50, 8.) p. 308 
-357. 

23) Rieh. Lepsius, Ueber die arabischen Sprachlaute u. deren Umschrift 
nebst einigen Erläuterungen über den harten i Vocal in den tatarischen , sla- 
vischen u. der rumänischen Sprache. Aus d. Abhdl. der kgl. Ak. der Wiss. 
in Berlin 1861. Berlin, Dümmler 1861, S. 95—152. 4. vgl. Lit. Centralbl. 
1862 no. 24 p. 487. 

24) Methode simplifiee pour imprimer l'Arabe avec les points voyelles, par 
le Rev. Jules Ferrette, Journ. As. 1859, XIV p. 298—327. 

25) A. P. nitan, Note sur la nouvelle methode du Reverend Jules Fer- 
rette concernant la typographie arabe, Journ. As. 1860 T. XV, 456 f. 

26) //. .1. I Uirb, Das System der Hamze-Orthographie u. der arabischen 
Schrift. Wien, Helf 1860, 37 S. 8. (20 Jfa) 

27) Almufassal. Opus de re grammatica Arabum, auetore Abu'l-käsim Mah- 
mud bin 'Omar Z(ima\\sario , ad fidem codd. mstorum ed. J. P. Bruch. 
Christiania 1859, 229 S^ gr. 8. vgl. A. F. Mehren im Journ. As. 1860 T. XV 
p. 445-554; Lit. Centralbl. 1861 no. 44 p. 713 f. ; Ewald Gott. gel. Anz. 
186Ü St. 112 p. 116 f. 

27 a) 'Jj**tfj J,«.*Jbj JwL*J| J. ^Ul/M '-aä^ rji^ M-==-H 
' Vw»L*J| Constautinopel 1276 4860) 70 S. kl. 4. 



Gosche, wissmschaßl. Jahresbericht für 1*59 bis 1861. 24") 

grammatischen Traotaten in Katastantinope] neö atfgelegl worden 
ist; wichtiger sind uns die ebenfalls dort gedruckten Glossen zu 
,/<unt\s- lh Commentar dazu, wie des 'Othmän al+-Aqahehri 
Erläuterungen der darin enthaltenen Verae; vollkommen werthlos 
Lsl der türkische Commentar zu dem bekannten Tractal Iühm- 7 ' 1 ). 
Wie sehr ein neueres kurzgefasstes Lehrbuch des Arabischen Be- 
dtirfniss war, zeigt die verhältnissmässig rasch nöthig gewordene 
zweite Ausgabe von CaspearCs 28 ) Grammatik, welche diesmal in 
bequemerem deutschem Gewände aber sonst doch oichl eben gegen 
die lateinische Fassung verbesserter Gestalt auftritt. Was aber daran 
Bonsl noch bei einer recht strengen Nacharbeit umgestaltet werden 
könnte, zeigt die musterhafte englische Uebersetzung, welche Wrixjht* 9 ) 
nicht verschmäht hat zu unternehmen; ein Hauptvorzug dieser den 
Deutschen ganz besonders zu empfehlenden mit einer das Original 
beschämenden Eleganz ausgestatteten englischen Ausgabe besteht 
darin, dass der Uebersetzcr nicht versäumt hat überall die ara- 
bische Nationalgrammatik zu Rathe zu. ziehen, welche zu verachten 
leider zu dem wissenschaftlichen Aberglauben mancher Arabisten 
gehört. Auch von Beamont's 30 ) kurzer Grammatik ist eine neue 
Ausgabe erschienen. Eine neue Methode stellt Benzeltn 31 ) dar, 
die Principien der Grammatik Glaire 32 )] ganz praktischen Zwecken, 
unter gleichzeitiger Berücksichtigung des Persischen und Türkischen, 
will Mir Salih Bektsclturin 3a ) den Muhammedanern Russlands 



27 b) y^\ & \AJbCi! J.c (j^lll _ .£, J.c c^-^V^ Xjw&L=s» Zwei 
Bände. Constantinopel 1277 (1860) 632 u. 605 S. 4. 

21c) i^rg-^^S ..l+£c ^y J.*J ff^LSj äUilXJi oLo! -r,^ Constan- 
tinopel 1278 (1861) 49 S. 4. 

27 d) w\y*J.J ^ij^XJi J, *LäJI _ J& y2* i^ySX^ A^^vl cUaJJ „ ,Xi 

^c^AjCJI Js.**> -'^ a ? ^\+?> Constantinopel 1275 (1858) 71 S. kl. 4. 

28) C. P- Caspari, Grammatik der arabischen Sprache für akadem. Vor- 
lesungen. Nebst einigen aus Hss. entnommenen und durch ein Glossar erläu- 
terten Lesestücken. 2te, deutsche, vielf. verb. Aufl. Leipzig, Fritzsche 1859, 

xxv u. 442 S. 8. (2 2 / 3 fy) 

29) A grammar of the Arabic language : translated from the German of 
Cnspari and edited, with numerous additions and corrections, by W. Wright. 
Vol. 1. London, Williams and Norgate 1859, 270 S. 8. 

30) A concise grammar of the arabic language, by W. J. Beamont. Re- 
vised by Sheikh Ali Nady El Barramy. London, Bell 1861. 12. (7 sh.) 

31) Neographisme oriental. Nouvelle methode pour faciliter la premiere 
etude de lArabe. pär Benzelin. Paris. Belin 1860, 192 S. 8. vgl. Journal 
des Sav. 1861 p. 323. 

32) Principes de grammaire arabe, suivis d'un traite de la langue arabe 
consideree selon le Systeme der grammairiens arabes . avec des exercices d'ana- 
lyse grammaticale , par J. B. Glaire. Paris, Duprat 1861, X u. 256 S. 8. 
(10 fr.) 

33) Mir Salich Bektschurm, HayaAbnoe pyKOBOACTTTBO üb nay- 
qeniio Apa6cKaro iiepciißCKaro a mamapcKaro H3MkobB ( Ele - 



246 Gosche, wisRcnschnftl. Jahresbericht für 1859 bis 18*31. 

dienen. Für das Vulgärabische ist nun auch von Deutschland aus 
ein achtungswerthes Lehrbuch durch Wahrmund * 834 ) geliefert wor- 
den. Abgesehn von einer grossen Zahl Textstücke, bei denen auch 
Handschriften der Kais. Bibliothek in Wien benutzt worden sind, 
wird das Buch trotz seiner für das praktische Lernen getroffenen 
Einrichtung wegen seiner im Ganzen sorgfältigen Vergleichung des 
zugleich ziemlich genau transscribierten syrischen Dialekts mit den 
älteren Formen des Schriftarabischen bei dem Studium des letzteren 
willkommen sein. Eine von dem Verfasser in Aussicht gestellte 
Untersuchung des spanisch-arabischen Dialekts um das Ende des 
15. Jahrh. hoffen wir bald zu erhalten. Den Dialekt von Algier 
hat Bellermann 35 ) von Neuem dargestellt und Cherbonneau 3G ) 
recht aus dem Vollen einige Beiträge über denselben gegeben. Auch 
einzelne Punkte der arabischen Grammatik sind näher besprochen 
worden. Leguest 31 ) macht den Versuch, der Urbedeutung der 
arabischen Wurzeln auf die Spur zu kommen, ohne dass die beiden 
ersten Voruntersuchungen endgültig geführt, nämlich einmal durch 
sorgfältige Vergleichung sämmtlicher semitischerSprachen die wirklichen 
Urformen der Wurzeln gewonnen und zweitens aus einer geschichtlichen 
Beobachtung des Sprachgebrauchs die ältesten Bedeutungen ermittelt 
worden wären. Aus der Beobachtung eines etwas ähnlichen peri- 
phrastischen Gebrauchs nimmt Mahmud Efendt 3 *) Veranlassung 
das arabische käna und das französische avoir zusammenzustellen. 
In seiner scharfsinnig anregenden Weise bespricht Nöldehe S9 ) aima 
und Verwandtes. 

Auch die arabische Lexikographie ist etwas gepflegt worden, 
wenngleich es immer noch an Versuchen selbständiger Darstellung 
des aus den Schriftstellern selbst mit europäischem kritischem Sinne 
erkannten Sprachschatzes fehlt, wozu eine neue Ausgabe des Willmet 



mentare Anleitung zur Erlernung der arab. , pers. u. tatar. Sprache). Kasan 
1859, 8. 

1534) Praktisches Handbuch der neu-arabischen Sprache von Ad. Wahr- 
mund. Drei Thle. Giessen, Ricker 1861, XXXIII u. 410 S. gr. 8. (4 fy. ) 
vgl. Lit. Centralbl. 1861 no. 42 p. 679. 

35) Bellermann, Grammaire arabe, idiome d'Algerie, äl'usage de l'armee 
et des employes civils de l'Algerie. 4. edition. Paris 1860, VII u. 210 S. 8. 

36) Nouvellcs observations sur le dialecte Arabe de l'Algerie, par Cher- 
bonneau, Journ. As. 1861, XVIII p. 357—389. 

37) Legitest, Moyen de rechercher la signification primitive des racines ara- 
bes, et par suite des racines semitiques. Paris 186Ö, XII u. 148 S. 8. vgl. 
Journal des Sav. 1860 Juill. p. 449. 

38) Identitc du role de l'auxiliaire ,, avoir" et du verbe ,,o lie avec un 
autre verbe, par Mahmoud Efendi, Journ. As. 1859, XIII. p. 293—309; 

XIV p. 287-298. 

39) Th. Nöldehe, q^< , t ii , ...j Orient und Occident von Th. Benfcy 
J861 p. 568 f. 



Gösch' . wissenschaßl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 247 

oder Wetterführung der von Dozy so erfolgreich begonnenen Special- 
lexikographie sehr einfach führen müsste and ohne die es nie ein 
der Wissenschaft genügendes arabisches Wörterbuch geben wird. 
Das arabische Lexikon, welches in Teheran* 9 *) gedruckt worden 
ist, mag durch seine Beigaben schiitischer Traditionen und das be- 
kannte Nicäb al-cubyän S9 5.) für die Charakteristik der rauhammc- 
danischen Elementarbildung interessant sein : für unsere Philologie in 
höherem Sinn sind dies gleichgültige Sachen. Bei den angeheuren 
Schwierigkeiten der Aufgabe, welche in stiller aber riesenhafter 
Forschung Laue durch Beherrschung des von den arabischen Na- 
tionalwörterbüchern gebrachten Materials vorbereitend und grund- 
legend zu bewältigen sucht, werden auch sorgfältige Darstellungen 
des bisher Ermittelten und überlieferten, selbst nur^ für praktische 
Zwecke, anzuerkennen sein. In diesem Sinn wird Kazintirski's 39c ) 
Wörterbuch der arabischen und französischen Sprache gerühmt. 
Nicht uninteressant ist ein französisch-arabisches Vocabular für Me- 
diän und Naturwissenschaften 10 ). Den Dialekt von Algier hat 
Pavhiu'cr n ) verzeichnet; für die Leetüre wissenschaftlicher Werke 
wäre die Vollendung des bekannten in der 'ßibliotheca indica nur 
langsam fortschreitenden Wörterbuchs der technischen Ausdrücke 
zu wünschen. Von lexikalischen Einzelheiten ist Cherbonneaiis 43 ) 
Darstellung des Unterschiedes von „adab" und ,,'ilm" hervorzu- 



(Tehran) 1276 (1859) fol. lithogr. 

39 b) <r^Li j^ai ^ *ylh.Ä* UJj*-" ^*J <3 cj^-A**"' w»L*oJ Teheran 
1275 (1858) 4. lithogr. 

39c) Dictionnaire arabe-francais, contenant toutes les racines de la langue 
arabe, leurs derivc's, taut dans l'idiome vulgaire que dans l'idiome litteral, ainsi 
que les dialectes d'Alger et de Maroc, par Kazimirski de Biberstein. Vol. 1. 
2. Paris (1846—1860), 1638 S. 8. (Leipzig, Broekhaus 30 J^. ) 

40) Vocabulaire francais-arabe k l'usage des medecins, veterinaires, sages- 
femmes, pharmaeiens, herboristes etc. par Florian- Pharaon et E. L. Berthe- 
rand. Paris 1859, VII u. 204 S. 12. 

41) Dictionnaire francais-arabe (idiome parle en Algerie) par A. Paidmier, 
Paris 1860, XX u 911 S. 8. — Bereits in demselben Jahre eine zweite Auf- 
lage ohne Aenderungen. 

42) Dictionary of technical terms used in the sciences of the Musulmans, 
edited by Moulawies Abd-el-Haqq and Giiolam Kadir. ander the supervision 
of Captain W. N. Lies, Part II fasc. 12—16, Biblioth. Ind. no. 156, 158, 
159, 162, 165- Cakutta 1860, 4. - Die Fortsetzung des stecken gebliebenen 
Werkes ist beschlossen, vgl. Joum. of the As Soc. of Bengal XXVIII (1859) 
p. 300 f. 

ü c 

43) A. Cherbonneau, Lettre ä M. C. Defremery sur les mots ^c et -'- 1. 
Jonm. As 1859, 11 p. 263—265. 



248 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht ßlr 1859 bis 1861. 

heben, welche im Islam ebensowenig zusammenfallen als leider in 
der europäischen Cultnr. AbcoH 15 * 4 ") nimmt die dnnkle Bezeichnung 
Bnu : l-a< ;I:h- wieder auf, um sie nichl sprachlich sondern vielmehr 
durch eine graphische Entstellung aus jüdisch-arabischer Tradition 
zu erklären. I>;is wichtige „nämfls", welches in der Entstehungs- 
geschichte des Islam eine bemerkenswerthe Rolle spielt und wahr- 
scheinlich nach Analogie anderer Bildungen (wozu u. A. „diu" ge- 
hören mag) ein semitisches und ein fremdsprachliches Element ver- 
einigt hat , wird von Sprenger 15 j sehr gelehrt gegen Fleischer 
gleichwohl lediglich auf eine griechische Grundlage zurückgeführt 
Unter den Dialecten bietet lexikalisch die meisten Schwierigkeiten 
der himyarische dar und je weiter die Entzifferung der betreffenden 
Inschriften in grammatischer Beziehung vorrücken mag, so wird sie 
dennoch in ihrem letzten Fortsehritt durch diesen weder durch Er- 
kenntniss des modernen EhfciR noch durch die bisherigen Samm- 
lungen himyarischer Glossen aus den Lexikographen gehobenen 
Uebelstand aufgehalten, wie man durch Oslander**), den deutschen 
Meister dieser Forschungen, sich überzeugen lassen kann. Ein 
culturgeschichtliches Phänomen sind die in europäische Cultur- 
kreise hinein verbreiteten arabischen Wörter, in deren Deutung 
früher, abgesehen von einigen Erklärungsversuchen von Diez, Dozy, 
Aug. Fuchs und Mahn (dessen Etymologien in 'der zwölften) Ausgabe 
des Heyse'schcn Fremdwörterbuchs die volle Aufmerksamkeit der 
Specialforscher verdienen), früher meist mit ungeschichtlicher Un- 
wissenschaftlichkeit verfahren zu werden pflegte. Die sehr fühlbare 
Lücke einer gleichmässigcn Untersuchung ist für das in dieser Be- 
ziehung wichtigste Gebiet des Romanischen, für das Spanisch-Por- 
tugiesische in ausgezeichneter Weise von Knydmann*- 1 ) ausgefüllt 
worden; es genügt zu sagen, dass in dieser lexikalischen Arbeit die 
grossen Anregungen und Forschungen Dozys überall würdig weiter 
wirkend erscheinen. In Deutschland hat denselben Gegenstand Jos. 
MiiUer 4 ^) aus der Fülle spanisch-arabischer Studien mit grossem 
Scharfsinn behandelt und dürfen durch diese beiden sich ergänzenden 
Arbeiten die hier einschlagenden lexikalischen Fragen als im Wesent- 
lichen erledigt gelten. Damit sind fast durchweg auch die arabischen 



1544) G. J. Ascoli, Ueber r suoH\ jZi Z. d. DmG. XV (1860) p. 143 f. 

45) A. Sprenger, Ueber den Ursprung und die Bedeutung des arabischen 
Wortes Nämus, Z. 'd. DmG. XIII (1859) p. 690—701. 

46) Ueber einige dem jamanisehen (himjarischen) Uialect ungehörige Wör- 
ter. Von Ernst Oslander, X d. DmG. XIV (lKtfO) p. 557 — 561 (mit Bezug 
auf Bargfes Artikel im Journ. As. 1849. (Öct.) p. 327f ) 

47) Glossaire des mots espagnols et portugais derives de l'Arabe, par W. 
11. Engelmann, Leyde, Brill 1861, XXX u. 107 S. gr. 8. vgl. Defreinery im 
Journ. As. 1862, xi\ p. 82 96. 

48) M. J. Mi'illi r. CJeber die aus dem Arabischen in das Spanische über- 
gegangenen Wörter, Sitzungsber. der kg], Bay. Ak. der Wiss. 1861, II p. 83 — 115. 



Gosche, Wissenschaft!. Jahresbericht für 1859 bis 18G1. 249 

Entlehnungen des Italienischen, von welchen zuletzt Narducci 4,9 ) 
gehandelt hat, erklärt, da in Spanien and Italien dieselbe Natio- 
nalität, wenn auch nicht auf eine gleich lange Zeit, so doch unter 
ziemlich gleichartigen Cultnrmomenten Fuss zu fassen versnehl hatte. 
Wahrscheinlich, weil in orientalischer Architectnr die Mosaik eine 
so grosse Rolle spielt, hat /icdslob 60 ) eine semitische Ableitung 
des Namens vom hebräischen rpsibw versucht; aber so interessant 
auch diese Combination ist, das verglichene Wort der Pentatencb- 
sprache bleibt zu zweifelhaft . am darauf eine hebräisch-phönizische 
schon im höchsten Altertham za gründen. Die bekannte Ableitung 
des Wortes aus griechischem Ursprünge mag um so mehr zu Hecht 
bestehen bleiben, als die Araber sogar, wie in einem kurzen stoff- 
lich sehr lehrreichen Artikel von Sjyrenger 51 ) hervorgehoben wird, 
sogar ihren Kunstausdruck aus dem griechischen ipijyog gebildet 
haben Natürlich wird man nicht ohne Weiteres aus solchen Ent- 
lehnungen, die, wie z. B. in der Sprache der von dem thätigen 
MkI/iiJ'-'-) zusammengestellten Dialoge, je später um so massen- 
hafter aus dem internationalen Verkehr eindringen, culturgeschicht- 
liche Schlüsse ziehen dürfen : auch hier muss iu erster Linie die 
geschichtliche Beobachtung des Sprachgebrauchs stebn. 

Aus der reichen Litteratur der Araber, welche den Ein- 
tretenden sehr leicht so weit verwirren kann, dass er vielleicht zu- 
nächst nach dem Unbedeutenden, weil massenhafter zu Tage liegenden 
greift, sind höchst beachtenswerthe Stücke veröffentlicht oder näher 
untersucht worden. Eine nicht sehr umfangreiche, aber um so 
wichtigere Sammelschrift von Wright 53 ) möge zuerst genannt sein; 
sie bringt verschiedenes alterthümliches lexikalisches und gramma- 
tisches Material zur Aufhellung der alten Poesie, so besonders einen 
Tractat Ihn Duraids über Sattel und Zügel ; einen andern über 
liegen und Wolken ; einen metrischen über den Pieim u. s. w., sämmt- 
lich Zeugnisse dafür, dass die Araber schon in der frühesten Epoche 
ihre Litteratur sorgfältig zu beobachten versuchten , aber natürlich 



49) Saggio di voci italiani derivate dall' Arabo di Enr. Narducci. Koma 

1858, 8. vgl. dazu : Intorno a due publicazioni del Sig. Narducci , rapporto di 
B. Boncompagni. Koma 1858, 8. 

50) Ueber den Ausdruck ,, Mosaik-'. Von G. 31. Rethlob , Z. d. DmG. 
XIV (1860) P . 663—678. 

51) A. Sprenger, Die Mosaik bei den Arabern, Z. d. DmG. XV (1861) 
p. 409—411. 

52) iu.5j.Jt« OLLÜ^ (Dialoge von Malhif.) Beirut 1859, 8. 

53) (— uUaJI \2jS\j_j ^^Jaüs. äj j£>- Opuscula arabica. collccted and edited 
from Mss. of tbe Univ. Library of Leyden by William Wright. Leyden, Brfll 

1859, XVIII u. 132 S. 8. vgl. Nöldeke Gott. gel. Auz. 1860 im. 70—71 p. 
691 f. 



250 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

ohne allen Sinn für das, was wir Richtungen nennen und dessen 
Erkenntniss das Wesen aller geschichtlichen Wissenschaft ausmacht. 
Diesem ausserordentlichen Sinne für das Einzelne, der sich in diesen 
arabischen Abhandlungen kundgibt, entspricht denn auch die be- 
kannte eminente Sorgfalt des Herausgebers. Möge ein gleichgüns- 
tiger Stern über der in Spanien beabsichtigten umfassenderen 
Sammlung spanisch-arabischer Autoren walten, welche Fernando 
Gonzalez 1053 ;i ) neben Dozys Arbeiten den Mut hat zu unternehmen! 
— Für die Geschichte der arabischen Dichtung gibt sehr beach- 
tenswertb.es aus guten Quellen geschöpftes Detail das alphabetisch 
angeordnete Werk von Iskender Ayha Abkarius b3h ), so dass er 
für die Zeit des Heidenthums und Muhammeds geradezu als leine 
litterargeschichtliche Autorität gelten darf. In das eigentliche Poesielcben 
der alten Araber führt eine höchst gründliche Untersuchung über 
eine Qacide des Khalef el-Ahmar von Ahlwardl 54 ), der hiermit 
eine unvergleichliche Kenntniss des betreffenden arabischen Liitc- 
raturgebiets bekundet. Man würde mit noch unbefangenerem Ver- 
gnügen den scharfsinnigen kritischen und umfassenden sprachlichen 
Untersuchungen des Verfassers folgen, wenn nicht eine durchaus 
berechtigte Polemik gegen Hammer-Purgstall uns gelegentlich, nicht 
selten wider Willen aufhielte; ein glänzendes Zeugniss aber für den 
Scharfsinn des ausgzeichneten Conjecturalkritikers, dass er, auch 
ohne Benutzung der einzig vorhandenen Leydeuer Handschrift den 
Text so glücklich zu säubern gewusst hat, denn das Gedicht des 
von Ibn Qutaibah auch als geschichtkundiger hochgerühmten Khalef 
liegt nun in einer ziemlich reinlichen Gestalt vor. ISäbigha's aus 
de Sacy's Chrestomathie bekanntes Gedicht bietet Wolf}' bb ) in einer 
möglichst treuen und doch zugleich lesbaren Uebersetzung dar. 
Das für die arabische Poesie als Uebergangsperiode sehr wichtige, 
doch noch von den alten Motiven bewegte zweite Jahrhundert der 
Hidschra stellt sich in Abu Nowäs' schönen und ausserordentlich 



53a) Fr. Femandes Gonzalez, Plan de una biblioteca de autores äxabes 
espanoles, 6 estudios biogräticos y bibliogräficos para servir ä la historia de la 
litteratura aräbiga en Espana. Madrid 1861, 74 S. 4. 

53b) Li! ,JU£~.| OuJlö S-yJi *fj*& V^*-^ & ^Si] s*2}j wl« 

^J.bol Beyrut 1858, 288 S. 8. 

54) Clialef elahmar's Qasside. Berichtigter arabischer Text, Uebersetzung 
u. Commentar, mit Benutzung vieler handschriftlicher Quellen. Nebst Würdi- 
gung Jos. v. Harnmer's als Arabisten. Von W. Ahlt'-ardt. Greifswald, Koch 
1859, VIII u. 456 S. gr. 8. (2 2 / 3 fy ). Vgl. Ewald Gott. gel. Anz. 1861 no. 
21 p. 823 f.; Boediger in Z. d. DmG. XIV p. 337 — 343; üeidelb. Jahrbb. 
185!) no. 59 p. 929 f.; A. F. Mehren im Journ. As. 1861 T. XVII p. 276— 
280 und Literar, Centralbl. 1860 no. 13 p. 199 f. 

bbj Ein Gedicht Ndbiga's. (Aus Sacy's Chrest II p. 143 f.) Uebersetzt 
von Ph. Wolff, ZdDmG. XIII (1859) p. 701—704. 



Gosche, wissnisclwßl. Jahresbericht für lK r >9 bis 1861. 251 

lebenavoUen Gedichten dar, deren Herausgabe und Uebersetznng 
AMwardt 66 ) 'glücklich begonnen hal and mit dem Besitz seiner 
trefflichen Mittel bald vollenden möge. In diesem ausserordent- 
lichen Talente, das den schon gangbaren Ilallast der Gelehrsamkeil 
gern von sich geworfen zu haben scheint, pulsiert eine noch von 
der Gewalt des Islam fast nnbezwungene Naturkraft. Eine mehr 
gestörte Gestalt der Dichtung stellt natürlich in der ersten Hälfte 
des vierten Jahrhunderts Mutanabbl dar, dessen Herausgabe nun 
vollendet zu haben ein anerkennenswerthes Verdienst Dieterici'i 
ist. Der beigegebene an mannigfachen Daten reiche Commentar 
des Wähidi (und in der von diesem festgesetzten Textgestalt, niebl 
aber in der möglichst ursprünglichen erscheinen selbstverständlich 
hier auch MutanabbTs Dichtungen) gibt die Ueberlieferung der Aus- 
legung, wie sie sich in dem verhältnissmässig kurzen Zeitraum 
zwischen dem Original und seinem Commentator festgesetzt hatte, 
allem Anschein nach mit grosser Sicherheit, welche vielleicht nur 
hier und da durch die theologischen Anschauungen des auch mit 
Qoränexegese beschäftigten Erklärers beinträchtigt sein mag, und 
dadurch wird diese Publication bei allen Schwankungen, welchen 
das Urteil über den Dichter selbst unterliegen kann, und bei allen 
Umgestaltungen, welche eiue fortschreitende Kritik sowol an der 
ganzen Sammlung wie an einzelnen Theilen der Dichtungen Muta- 
nabbTs notwendiger Weise wird vornehmen müssen, ihren dauern- 
den Werth behalten. Von einem uns leider zu frühe entrisseuen 
das Grösste verheissenden Arabisten Ralfs 57a ) ist das bekannte die 
Gesunkeuheit des 7ten Jahrhunderts d. H. trotz seines guten Willens 
kennzeichnende Gedicht al-BucTrTs trefflich bearbeitet worden und 
nach seinem Tode mit zwei die Beliebtheit dieses Lobgedichts auf 



56) Diwan des AbulNowas, nach der Wiener u. Berliner Hs., mit Be- 
nutzung anderer Hss. herausgeg. von W. Alilwardt. I. Die Weinlieder, Greifs- 
wald, Koch 1861, 83 S. kl. 4. (Vl 3 3fy.). Vgl. Nöldeke im Orient und Occi- 
dent von Th. Benfey 1861 p. 365 f.; Weil in Heidelb. Jahrbb. 1861 uo. 4 p. 
61 f. und Ewald Gott. gel. Anz, 1861 no. 21 p. 823 f. 

57) Mutanabbii Carmina cum commentario Wähidii. Ex libris manu 
scriptis qui Vindobonae, Gothae, Lugduni Batavorum atque Bcrolini asservantuv 
edidit Fr. Dieterici. Bcrolini. Mittler 1861, XIII u. *v1 S. 4. (vollständig : 
n. lb-'/s fflfi) vgl. Krehl in Gott. gel. Anz. 1859 no. 114. 115 p. 1142 f.; 
Nöldeke Gott. gel. Anz. 1861 no. 27 p. 1077 f. und — r im Liter. Centralbl. 
1859 p. 61 f. 

57a) Die Burda ein Lobgedicht auf Muhammad von Al-Busiri neu her- 
ausgegeben im arabischen Text mit metrischer persischer u. türkischer Ueber- 
setzung, ins Deutsche übertragen u. mit Anmerkungen versehen von ('. .1 
Ralfs, bevorwortet von Dr. Walter Behmatuer. Wien, Hof- u. Staatsdiuckerei 
1860, 26 u. M S. 4. (20 J@n). Diese Publication, eiu opus posthumum, lässt 
den frühen Tod des hochbegabten holsteinischen Gelehrten von Neuem be- 
klagen. R. war am 31. Januar 1832 zu Heidberg bei Rendsburg geboren, nahm 
1852 — 57 in Leipzig unter den Schülern unsers deutschen Sliaikliul-Slutyükh 
eine hervorragende Stelle ein, starb aber bald nach seiner Heimkehr, 6. Jan. 1859. 



252 Gosche, visscnsehaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

Mohammed bezeugenden mohammedanischen Uebersetzungen erschie- 
nen. In das interessante Grenzgebiet des spanisch-christlichen and 
arabischen Poesielebens führen uns Jos. Maller s ihb *) anziehende 

Mut Heilungen über Moriscogediehte, mit denen der arabische Fittc- 
rarhistoriker die verwandten Texte in Ticknors bekanntem Werke, 
besonders in seiner spanischen Bearbeitung, vergleichen möge. Ueber 
afrikanisch - arabische Poesie gibt der auf diesem Fehle verdiente 
Ckerbonneau 6S ) neue Notizen. Auch aus dem zweifelhaften Reich- 
thuin der neuarabischen Poesie, die, selbst wo sie von christlich- 
europäischen Cultureiementen berührt wird, dennoch in d^n traditio- 
nellen Formen befangen bleibt, erfahren wir mancherlei. Proben 
von Chronogrammen aus dem Divan des Shaikh Näclf o£- Yäzy i 80 ) 
liegen vor; anderes theilt Hosen 61 ) mit; von dem Anklänge, welchen 
diese Art von Poeterei gleichwol findet, zeugt die nothwendig ge- 
wordene zweite Ausgabe der 'Ruinen Syriens von KhalU al-Khüri ''-'). 
In dieselbe Kategorie scheinen die Dichtungen des Shaikh Roshaid 
Dahdak 63 ) zu gehören. Weit interessanter wird die Poesie, wo 
nationale oder auch nur beschränkt religiöse Interessen sie beleben, 
wie dies in dem halbprophetischen Kriegsgesang, der „Qacldath aF 
'askariyyah" von dem Shaikh Sulaimän geschieht, welchen Cata- 
fa<jo Gi ) nach einem drusischen Ms. des British Museum bespricht. 
Das Interesse für das Rhetorische unterdrückt hier wie allerwärts 
die unmittelbare poetische Empfindung; wie sehr aber jenes sich 
hier überall in den Vordergrund dränge, kann ausser der Praxis 
selbst schon der Umstand beweisen, dass die mohammedanischen 
Pressen sehr häufig Compendien der Rhetorik bringen, wie dies 
ähnlich in Europa zur Zeit der Herrschaft des französischen Classi- 
cismus geschah. So erhalten wir jetzt auch die an al-Teftäzän! 
sich anlehnende Abhandlung des Ismail Ben Muctafä al-Kelenbewi 



- 1558) Müller, Morisco-Gedichte, Sitzungsberichte der K. Bayer. Ak. der 
Wiss. 1860, II p. 201—253. 

59) A. Cherbütineau, Lettre ä M. J. Derenbourg, sur les puesies arabee 
de rAfrique. Journ. As. 1860 T. 15 p. 418—429. 

60) ,££iäji -ä--IaJ! yJUWolj ^«y^ji <>tjfeO Cp \S.^JÄ.SA — sJ.l^J 3wVo 
> > 

fci* *e Beirut 1859, 8. 

61) G. Rosen, Proben neuerer gelehrter Dichtkunst der Araber. ZdDmG. 
XIII (1859) p. 249—255, XIV (1860) p. 692—705. 

62) ü^ M ol$^> (von Khalil Efendi el-C'huri) Beirut 1860, 8. 

63) Lettre ä M. Reinaud, par Joseph Catafwjo, Journ. As. 1860 T. XVI 
p. 546—548. 

64) Tarab-el-mossameh (Delices des oreilles). Texte arabe. Poesies re- 
marquables pouvant servir de proverbes. Recueillies et publ. par le CheTkh 
Rocha'id Dahdah. Paris, impr. Challamel 1861, 146 S, 8. (Leipzig, Brock- 
haus 3 fy.). 



Gosche, urissenschq/Ü. Jahresbericht fibr 1859 bis 1861. li.'i.', 

mit dem Commcntar des Hasam Pashdzadeh 6 **) und andere der- 
artige kleinere Abhandlangen aus Constairtmopel 6 * b ). Die rheto- 
rische Kunst, welche ihre rechte Stelle im höchsten Pathos oder 
im Spiel des Witzes haben kann, tritt uns ästhetisch befriedigend 
in IlarirT's Maqämendichtnng entgegen, deren Charakteristik von 
Hrnans**) feiner Feder wir gern wieder von Neuem lesen. Eine 
andere Seite der rhetorischen, aber durchaus falsch geistreiches 
Weise stellt uns sorgfältig Bekrnauer 66 ) dar an ihn Zaidün's 
Sendschreiben an Ibn Jahwar. Anmuthiger ergeht sich der Leser 
indess immer wieder in den mehr volkstümlichen Litteratorrich- 
tungen, unter denen die. „'lausend und eine Nacht'' ungeachtet 
aller schiefen Interpolationen und aller Unsicherheit der Textüber- 
lielerung so lange die erste Stelle einnehmen werden als wir den 
Antarah nicht in irgend einer altertümlichen Textgestalt (eine 
einigermassen authentische wird sich natürlich nie gewinnen lassen) 
vor uns haben. Das grösste Hilfsmittel zum Studium jener Samm- 
lung, die seit einiger Zeit aus dem Handel verschwundene englische 
Uebersetzung La7ies (il ), haben wir in einer wenig veränderten 
aber billigeren zweiten Ausgabe erhalten, neben welcher jedoch die 
erste der darin zuerst abgedruckten sehr schönen zum Theil wissen- 
schaftlich instruetiven Holzschnitte wegen einen hohen; Preis be- 
halten wird. Die letzten zwölf Nächte haben Thierry und Cher- 
bonneau 68 ) gegeben ; Florian ° 9 ) eine algierische Novelle , wozu 

64a) £ <->l£yi rfsXi ji ^xJbÜ v-jIJ^I xjLw, J.c «OJjLäL^ q»*^ 

_.m1J|j ^^.AÄiXJ! icknMM ,..j J-aX*.**! i^-y^ n^fi V'*-^ üJL*. ***£< 

Lnpj svA.=*j rV^' a j^*' <3j (OIjLäLs . T *»j5=U ».eiAji J^+z> i-XaavsU Con- 
stautinopel 1274 (1858) 109 S. 4. 

c ,4l ^ Constantinopel 1276 (1859), 14 u. 7 S. 8. 

65) Essais de Morale et de critique par Kniest Renan Membre de l'In- 
stitut. Paris. M. Levy freres 1859, XIX u. 457 S. gr. 8. (7 1 /,, fr.) p. 287— 
302 Les seances de Hariri. 

66) W. F. A. Behrnauer, Ibn Zaidün's Sendschreiben an Ibn Gabwar 
von Cordova. Ein Vortrag, ZdDmG. XIII ,1859) p. 477—480. 

67) The Tliousand and one Nights, Commonly ealled in England the Arabian 
Nights Entertainments : a new translation from the Arabie with copious notes. By 
Ed. W.ZidTlß. Ülustrated by W. Harre//, New edition from a eopy annotated by 

the author. Edited by liis nephew Ed. Stanley J'oole. Vol. 1 — 3. London, 
Murray 1859, gr. 8. {£ 2. 2 sh.) vgl. National Review 1859, IX p. 44—71. 

68) Les mille et une nuits inedites. Aventures de Maarouf l'Audaeieux, 
par Ed. Thtepry et Aug. Cherbonneau, Revue de l'Orient 1859, IX p. 231 — 
242, -170— 388; X p. 432—443, 521-535. 

69) Nouvelle algerienne. L'histoire d'uu ealetier, par / /. Florian^ Revue 
de l'Orient 1859, IX p. 316— 329. 



254 Gosche, wlssenschafd. Jahresbericht für 1859 bis 1801. 

noch die Geschichte des As' ad al-Shidiyäq 15? ") und durch Cata- 
fago 1 *) aus dem eben erwähnten Ms. eine drusische Anekdote 
kommt. Oh in das Gebiet der schönen Prosa oder überhaupt in 

die arabische Litteratur die Epistel an Nacreddin von Danntte 72 ) 
gehören, ist mir unbekannt. 

Der Qorän bildet den natürlichen litterarischen Mittelpunkt 
der mannigfaltigsten muhainmedanischen und europäischen Studien, 
ohne dass er bis jetzt, was bei den christlichen Offenbarungsschriften 
wenigstens für die Wissenschaft als unabweisbare Forderung gilt, 
in der nachweislich ältesten Textgestalt dargestellt worden wäre; 
auch die schöne Flügel'sche Ausgabe hat sich in einer durch das 
Leben des Islam durchaus berechtigten ^Weise nur die Aufgabe 
einer correcten Wiedergabe des Textus reeeptus, des gewisserraassen 
kanonischen Wortgefüges gestellt. Von dieser praktischen Forde- 
rung können am allerwenigsten die muhainmedanischen Ausgaben 
abweichen, mit denen z. B. seit 1803 in einer bisweilen trefflichen 
Weise die Pressen Kasans bis in die neueste Zeit hinein die Mus- 
lims zunächst Russlands theils in vollständigen Texten 72 '), theils 
seit 1844 in Zusammenstellung ausgewählter Suren 721 '), theils 
durch Abdrücke einzelner wichtiger Capitel 72 ') versorgen. Die 
bekannte Uebersetzung von Kasimirski lii ) hat eine neue Ausgabe 
erfahren-, auf Grund derselben wie mit Benutzung der schlechten 
deutschen von Ulimann wie anderer ist die holländische von Tol- 
lens 1 *) entstanden, die an Selbständigkeit wohl durch die von 
Keyzer 1 **) übertroffen wird. Die beste Uebersetzung geliefert zu 
haben gebührt hier wieder den Engländern: auf den seiner Zeit 



1570) ^vlpA^Ji Jot~i '»J^'i Beirut 1860, 8. 

71) J. ( atafayo, Anecdote druze. Extrait du ms. arabe du British Mu- 
seum, no. 22,486, Journ. As. 1861 T. XVil p. 269—275. 

72) Epitre ä. Nasser eddin, roi des rois, par (rillet Damitte. Paris 
1859, 8. 

72 a) . ,.i jäJi Kasan 1859 fol. in mehrere Ausgg. bei Kokowin ; in 4. in der 
Univ. Dr.; wiederholt 1861, 62, 64 und 06 (fol.) in verschiedenen Ausgg. und 
Formaten. 

72 b) ^j&\ CT )}»< Kasan 1859 kl. 8; wiederholt jedes Jahr 1860—66. 

72 e) zum Beispiel: (j^J *)t M Kasan 1859, ein Bogen. 

73) Le Koran. Traduction nouvelle faite sur le texte arabe par M. Kasi- 
tairski. Nouv. ed., entierement revue et corrigee, augm. de notes, commentaires 
et d'un index. Paris 1859, XXXVIII u. 533 S. 18. 

74) MahometVs Koran, gevolgd naar de Fransehe vcrtaling van Kasimir- 
ski, de Engelsche van Säle, de Hoogduitsche van Ullmann en de Latijnsche 
van Maracci, met byvoeging van aantpekeningen en ophelderingen der voor- 
naamste uitleggers, en voorafgegaan van eene levensschets van Malmnied ; door 
L. J. A. ToUens. Batavia 1859, LXI u. 666, v S. 8. 

74a) De Koran voorafgegaan door het leven van Mahoniet van S. Keyzer- 
Hartem 1860. 8. 



Gosche, imssensehaßl, Jahresbericht fifr 1859 bis 1861. 255 

bedeuteuden Säle, welcher die Grundlage alles Besseren in den 
Uebersetzungen während mehr als eines Jahrhunderts gewesen ist, 
folgt nun vom Standpunkte der modernen Wissenschaft abersetzend 
RodiDeH 76 )', seine zugleich auf die innere Chronologie der Suren 
Rücksicht nehmende Uebersetznng ist als die bis jetzt aribedingl 
beste zu rühmen und wird voraussichtlich nur von der ersehnten 
strengwissenschaftlichen Fleischers oder der künstlerischen Rückerts 
übertroffen werden. Das Gelingen der Rodwell'schen Uebersetzung 
war durch den frischen Geist begünstigt, der gegenwärtig die Qo- 
ränstudien ergriffen hat und als dessen Signatur die von der Pariser 
Akademie vor einiger Zeit gestellte und überaus glücklich anregende 
Preisaufgabe gelten mag. Als ein nachher wol wesentlich umgestal- 
tetes Ergebniss der glücklichen Preisbewerbung liegt der erste Band 
der bereits erwähnten und hier auch wegen ihrer philologischen 
Bedeutung von Neuem hervorzuhebenden Darstellung Muhammeds 
von Sprenger vor; bereits vollendet ist das knapper gefasste Werk 
Nöldeke's 76 ), der erste vollkommen genügende und die wichtigsten 
Resultate ergebende Versuch, den Qorän einer streng philologischen, 
zusammenhängenden methodischen Forschung im Sinne der euro- 
päischen Wissenschaft zu unterwerfen. Mit meisterhafter Sicherheit 
ist eine Fülle kleiner, bisweilen höchst mühselig aus dem Wüste 
muhammedanischer meist handschriftlicher, von dem Verfasser beson- 
ders in den handschriftlichen Schätzen von Leyden, Wien, Gotha und 
Berlin erforschter Ueberlieferung gewonnener Daten unter grosse 
Gesichtspunkte gebracht und so mit einem Male eine entscheidende 
Erkenntniss errungen, welche auf einem analogen textgeschichtlicheu 
Gebiet die neutestamentliche Kritik seit Jahrhunderten vergeblich 
anstrebt. Sobald hierzu Aman s, des dritten Preisbewerbers, haupt- 
sächlich auf pariser Handschriften beruhende Arbeit gekommen sein 
wird, wird es vielleicht noch eines russischen Forschers bedürfen, 
um etwaige Ergebnisse aus den nur in Russland vorhandenen für 
die Geschichte des Qoräns erheblichen Handschriften zu ermitteln; 
dann wäre durch ein glückliches Zusammentreffen, was die Unter- 
suchung ostindischer und europäisch - festländischer Sammlungen zu 
bieten vermag, für den Qorän der Hauptsache nach ausgenutzt und 
seine Textgestalt der Ursprünglichkeit möglichst nahe geführt. Für 
das exegetische Studium haben wir aus Russlaud ein neben Flü- 
gel's Arbeit nicht überflüssiges, weil durch volle Stellencitate rasch 



75) The Koran: translated from the Arabic, the Suras arranged in chro- 

nological order ; with uutos and index. By the Rev. J. J\f. Rodteell. London, 
Williams and Norgate 1861, XXVIII u. 659 S. 8. Cl. (3V 2 fy )• 

76) Theod. Nbldcke, Geschichte des Qoräns. Preisschrift. Göttingen. 
Dieterich 1860, XXXII u. 359 S. 8. (2 thlr.). Vergl. Ewald Gott. gel. 
Anz. 1860 St. 145 p. 1441 f. und Steinschneiders Hehr. Bibliogr, IV (1861 ^ 
p. 67 f. 



25(5 Gosche, wissenschafä. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

orientierendes Hilfsmittel in Kasembecfs 1577 ) Coneordanz erhalten, 
und neben al-Baidhäwi stellt sieh nun sehr glücklich der in sechs 
Heften rühmlich von Lees"' 1 *) zu Ende geführte Commentar der 
treulichen Zamakhsharl. 

Die religiöse Bedeutung des Buches weckt sehr einfach reli- 
giöse oft durch blinde Polemik getrübte Interessen für dasselbe, 
bei deren Erörterung das Mass des Wohlwollens oder der Unge- 
rechtigkeit leicht überläuft. Eine geschichtliche und daher gerech- 
tere Würdigung wird durch die schon erwähnten Werke von Muir. 
Nöldeke, Reinand und Sprenger, soweit sie auch in der prineipi- 
ellen Auffassung des Gegenstandes auseinandergehen mögen, sicher 
herbeigeführt werden, und den wissenschaftlich geschärften Blick die 
finsteren Greuel der in Syrien beobachteten Wirkungen eines lediglich 
fanatischen Islam nicht beirren : auch hier i»t die Intoleranz nur 
das Wetterzeichen der Entfernung einer Religionsform von dem 
Sittengesetz. Den religiösen Inhalt des Qoräns sucht Bedan~'^\ 
durzustellen; allgemeinerer Art ist des Holländers Niemann 79 ) Ein- 
leitung. Für die praktische Darlegung und Vermittelung der qorä- 
nischen Religionslehre, zumal in erbaulicher Richtung sind die Ka- 
saner Druckereien in einer uns näher kenntlichen Weise thätig -, 
so ist das 'Prophetensiegef in einfacher Fassung arabisch seit 1850, 
besonders aber mehrfach seit 1859 gedruckt 79 ' 1 ); desgleichen ara- 
bisch-türkisch vorher 1850, 1851 und 1857, in neuerer Zeit mehr- 
fach wiederholt™ 1 '); besonders häutig und geradezu massenhaft ist 



1577) \\jf. A öLäaJUoS er* im'j^I \y^ — 1*»<* i.jUaÄAuw« ^ji'jS 'ka^X.äa 
y5o (JoÜ . St-Petersburg 1859, XI u. (TP S. fol. lithogr. 

77a) The Qoran ; with the commentary of the Imäm Aboo cd - Qasim 
Muliinood bin Omar al-Zamalhshari, entitlet The Kashshäf 'an haqaäq al- 
tanzil Ediuted by William Nassau Lees\ and Mawlawis Khadim ETosain 
a.nd' Abdal-Hayi. Vol. I— IV. Calcutta 1856— 61, 1—560 u.561 — 1146 S. gr.4. 

77 b) Qi A*^" oläJli' ^ £fj.il fcJUi p$S j+^äi £ J,L*aJi «->**> 
(jtoAÖjlj ^äUi_j ^^^A^J j.cJ4I ye&üj* Teheran 1275 (1858) 521 Bll. 
fol. Lithogr. 

77 c) J,l*wLÜ ^j».^- (•***-'* ^Lo öl&JlS q-» \jok3äj\ ^*m.s>I i-jUi 

w*«^> '»\j-~- ^■»■i yS>* . Teheran 1^78 (1861) 4. lithogr. 

78 j liedau, Die Religionslehre des Koran. In wortgetreuein Auszuge u. 
systemat. Ordnung kurz dargestellt, Deutsche Zeitschrift für christl. Wiss. von 
Hollenberg 1860 no. 34 und 51. 

79) Inleiding tot de kennis van den Islam, ook inet betrekkiug tot den 
Indischen Archipel. Door G. K Niemann. Rotterdam 1861, VIII u. 484 S. 
8. (Leipzig, Brockhaus 3% 3$. ). 

79a) w ÄJ J& j$<* Kasan Kokowin 1859, 8. wiederholt jedes Jahr 1860 — 63 
und 1866. 

79 b) .'}*^;? l_5 ; ^*V: - : ^' >— ÄJ..& j{-^ Kasan 1859 nach Dorn in zwei Auf- 
lagen in eiuevn Monat zu je 4800 Kux. 



Crosci - nschaftl. Jahvestenehi für L859 bis 1861. 257 

seil L803 das 'Heftiyek' aufgelegl worden, zumal im einfachen ara- 
bischen Text 70 c ), aber auch mit kürzeren Commentar 79 d ) oder mil 
dem ausführlicheren 121 1 d.U. verfassten des Täj-eddin' 190 ) oder 
dem ebenfalls türkischen von Behädur 8Äö£ 79f ). Ein kurzer 
türkischer Abriss der muhammedanischen Dogmatik war in Kasan 
seit 1802 bis 1859 schon fünfundzwanzig Mal gedruckl worden 1 
ein etwas ausführlicheres Werk der Art m ) zuerst 1849; eine 
kurze vorher 1846 und L 85 6 erschienene türkische Dogmatik in Versen 
isl ebenfalls neu aufgelegt ; ferner! gleichen oder ähnlichen Inhalts das 
türkische Nür-nämeh 79k ) (vorher 1851, 57 und 58), das türkische 
Kitäh el-lajwld 7;l1 ), das ebenfalls türkische Tohfct el-ewläd in 
Versen 79m ) und Anderes der Art 79 "). Eine mehr mystische An- 
führung des Lehrstoffs gibt das als meghärib el-zemän bezeichnete 
und auf Traditionen beruhende Werk des Sheikh Muhammed Ben 
Cälih, der unter dem Namen Ihn al- Kütib~' lJn ) bekannter und 



79c) v_a.^ i^A^äP Kasan 1859 — Gl und 18GG bei Sai'tOW, Kokowin 

u. s. w. 8. u. 12. jedes Jahr mehrere Ausgaben in sehr starken Auflagen. 
Seit 1803 massenhaft gedruckt. 

79 d) ^ßj\M*.fi'i ti^AAÄ^) Kasan 1859 , 8. -wiederholt 1862 bei Kokowin 

u. d. T. -j -3 . c,A.Aw.äj ^AÄiP (-Jl^lJ-ü 8. 

79 e~) ,. t i_\Ji — L'j ^Äaäa^j , <t,a.w.Rj (j^AÄftP Kasan 1859, 8. wiederholt 
1863, 8. 

79t) (^»Lx^i •slX* ,>-^-£J oiaÄoj ^ß.*.M*.&'j tiNAAÄ> Kasan 1859, 8- M-ie- 
derholt 1860, 8. 

79g) qU.:"!! Jj.pjj^i (oder ..U.a"2ll Jj.X^ oder blos ^L^pj). Kasan 
1859 — 66 kl. 8. jedes Jahr, bisweilen in mehreren Ausgaben. 

79h) ,J> sAAjLo (_5;^^5>^3 (Cj^vi^J./ a^5 f^i> .-**L*.x.« ,.j'-*ii Kasan 
1859, 8. 

c 

79 i) ^.*jli^ »Axär. Kasan 1860, 4. lithogr. 

«vXj{ ■•JuO ..-J.lÄA/o'.i>_5 jpj-ta'i X?. Kasan 1859, 8.; wiederholt 1862 und 66 
in mehreren Aufil. 

791) J.i.,1 C -L=> ; aX>! sJUi x*=>, .iL*' cXpj^o j.j ' Aa^vxJl UjiXf \Ä? 

8AA*w^*ÜiäIäaJ ti^AJ u';;^"^ Kasan Yahyin 1860, 4. lithor. 

79m) Si.}\ Hfl^ÄJ ? ***{i l\J4.^vj ujL* Kasan. SaVtow 1860 , 8. 
Auch lithogr. 4. in dems. J. 

79 n) \\Xi i'y-*) r-^ Kasan, Kokowin 18G0 kl. 8.; eine zweite Ausg 
in dems. Jahre in der l'niv.-Dr. : wiederh. 1862 bei dems. 

79 o) Jj-LSjaJI kX*^? c ,: ^.sj A«.^ 5 oU-OÜ) j\ {J-Ü'A\ Q^>i u^JL^* 
Teheran 1275 (1858) 4. lithogr. 

Jahresbericht 1850 -186] * ' 



258 Gosche, toissenscTiafÜ. Jahresbericht für 1859 bis 18G1. 

dessen Werk schon durch die konstantinopolitanische Ausgabe von 
12G1 zugänglicher geworden war. In diesen Kreis gehören auch 
die Schriften über die Vorzüge von Monaten und Tagen u. s. w., 
wie eine solche bereits 1854, 56, 57 und 58 gedruckt in türki- 
scher Sprache neu vorliegt 157 ^;. Mehr ethische Färbung hat das 
türkische Werk des Allah Yär 80 ) aus Buchara, 'die Kraft der 
Schwachen', Lobpreis Gottes mit moralischen Erzählungen, seit 1802 
bis vor 1859 in Kasan allein 14 Mal gedruckt. Neben fuiischem 79 ") 
fehlt es unter diesen Kasaner Drucken auch nicht an Gebeten: sie 
lieferten vollständigere arabisch-türkische Sammlungen 80 *), mehrere 
Stücke auf einem einzelnen Bogen 80b ); auch einzelne Gebete, so 
besonders über den bedeutsamen Thronvers in arabischer und tür- 
kischer Bearbeitung 80 * 5 ) und über gangbare oder temporär wichtige 
Thema wie gegen die Cholera 80 ' 1 ). Von einzelnen Pflichten des 



Tflp) t%$<*Ji AjLüä etc. Kasan, Kokowin 1859, (8.; wiederholt 1860, 
61, 63 u. 66. 

1579q) OtelüXei J, J^^ ^i ,3b -Ujs? ot&JlS er o'^*'! ^^ V^ 

&a*\Ji **£f*& JoUJIj JütA^Ji Teheran 1278 (1861) 4. lithogr. ^Ütf 
..L>\,o «A*s>! J-fj' LS^j^- ^-^Ä^' ^aä^LäJS ^j.i\ Kasan 1861, 8. 

80) ^ij^lxJ! oLaj Kasan 1860, 8.; wiederholt 1864 und 65 bei Ko- 
kowin, 8. 

80 a) oLeO p$> ^jas: (j»J SJL^ Kasan 1860, 8.; wiederholt 1862 bei 

Kokowin kl 8. und 1866 kl. 8. und: föjftj öJjäXJ! Ä*5^ Kasan 1859, 8. 
Die erstere arabisch-türkische Sammlung war schon 1846, 1851 und l w 57 
gedruckt. 

80b) .-5 ZtfLeJ ...jL* .,4.Ji-.! ^.cLj \*iL: Kasan 1860, ein Blatt in 
vielen Abzügen wiederholt 1861, 1865 und 1866 (arabisch-türkisch), vorher 
dreimal gedruckt (1853, 56 u. 58); auch kurzweg: (JjLvO Kasan 1859, ein 
Bogen; wiederholt 1862 und 63. (türkisch). 

80c) t c>»^\ *y Kasan 1860 lithogr.; zwei Aufl. zu je 4000 Exx. 
-AWj^sJj £jl Nl*--i2i Kasan, Yahyin 1860, ein Bogen grünes Papier; zwei Aufl. 

zu je 4000 Exx. (türkisch.) ^pj «£v6 Kasan, Kokowin 1859, ein B gen. tiirk. 

80d) JLcO *Jl?..™ \fi.wLj j*?. »licl p*»\ tlcJ) Kasan, Kokowin 1859, 
wiederholt 1860,|18Gl', 1862, 1864 und 1866 kl. 8. arabisch-türkisch), j Vorher 

schon 1851, 55, 57 u. 5S gedruckt; ...Iaa*^! -i *leO Kasan 1860 und 1862 
kl. 8. (türk.~; ^viLlaJi si3j *LjJ| KJj *Uo Kasan 1861 lithogr. (arab.) ; 
(jii.tJf ^.^ Kasan, Kokowin 1860, vi. 8. (türk.) ; i-,'L^V**w*« elcO Kasan, 
Kokowin 1860 kl. 8. (türk/ ; ujLsvä/m.-« b.Lei3 KU^r ^Uj J, \l . ; Kasan 



Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bia 1861. 259 

Islam ist von wissenschaftlicher Bedeutung allein die der Pilger- 
fahrt geworden, an die sich die Itinerarien und damit die geogra- 
phischen Compendien angelehnt haben; die Grossartigkeit der Pilger- 
strassen deutet Braun an. Endlich sei hier Doch die Pflicht 
und die Ceremonie der Todtenbestattnng hervorgehoben, über welche 
in Kasan ein türkischer Tractat erschienen ist s,n ). Im i nächsten Zu- 
sammenhang mit allen diesen Dingen steht die sie meistens autori- 
sierende Traditionswissenschaft, welche neuerdings Salis- 
bury 80 *) charakterisiert hat, welche aber erst durch nähere Er- 
kenntniss oder vielleicht kritische Ausgabe der Hauptwerke in ihrem 
innern Znsammenhange wird überschaut werden können. Die prak- 
tische Bedeutung dieser "Wissenschaft bat den mehrfältigen Druck 
der gangbaren ..Vierzig Traditionen" in Kasan veranlasst 80h ). Von 
Nutzen für diese Studien wird die im Erscheinen begriffene Nukhbet 
el-Fikr von lim Hafr 81 ) werden; denn obgleich der Verfasser 
der ersten Hälfte des neunten Jahrb. d. II. also einer relativ sehr 
spiiten Zeit angehört, so will er doch grade durch diese seine 
Darstellung der Traditionsterminologie die Kenntniss dieser acht 
muhammedanischen Wissenschaft fördern. Weniger Kenntniss und 
Einsicht zeigen die hierhergehörigen persischen Arbeiten 81a- °). 

Die Eeligionslehre steht durch das geistig wie praktisch ge- 
gebene ßedürfniss, den Zweifel zu überwinden, in dem nächsten 
Zusammenhange mit der Philosophie, deren mittelalterlich oder 



1859 kl. 8. arab.-türk.) und ^wUo Lj Kasan 1861, 1 Bogen fol. lith- 
(fibj.J! «3J etc. türkisch). 

80 f) jjLit J, nJLw, Kasan 1859, 8., desgl. 1860. 

80g) Salisbtiry, The science of Muslim tradition, Journal of the Am. Or. 
Soc, Vit (New Huven 1861 gr. 8.) p. 60—142. 

80h) ^iU'i c^P.A> yji.i Kasan 1859, 8; wiederholt 18G0 kl. 8. 
81) Vgl. Journ. of the As. Soc. of Bengal 1861 p. 161. 

81 a) £jaäWj *&i\ er £*j U*S *■*"* O"^ 0>X&\\ j\y'Si\ j^\i 

< a*JL *LS>JI fc^ialj ^Ai' A **A ,£l*Jf jd&\\ Teheran 1275—78 
(1858—61) 4. lithogr. 

^1*41 ^Ji.q&a A,o3i ^Oß f*=>J\ Tebriz 1275 (1859) 496 S. 4. lithogr. 
e) wJiJU t.a5. lX^S^ ^:! ^äüLjJ v^äa.'Ij K.J^*ÄÜ j, LXJi ^'-*e 
jU.JovLe lej^j'j vL^ct^U (joJl^Ä^ Teheran 1276 (1859 4. lithogr. 

UCw-« t^JJ^j ^M (j^jryt (Teheran) 1727 (1860) 4. lithogr. 

17 



-jiiu G ■ haßt. Jahresbericht för 1859 bis 1 61. 

vielmehr scholastisch typische Wandlungen wie Ursprünge immer 
klarer erkannt werden. Ein glückliches Zusammentreffen bal 
gefügt, dass während insonderheit Munk (dessen epochemachende 
Arbeiten schon oben bei der Betrachtung der philosophischen 
Bestrebungen im mittelalterlichen Judenthum Erwähnung gefunden 
haben) unter den Orientalisten die Geschichte der Speculation 
untersucht, lediglich vom Standpunkte umfassender abendländischer 
Studien aus JPrantl 82 ) mit seiner Geschichte der Logik bis zu den 
Arabern vorgerückt ist. Es wird natürlich über manchen Punkt 
seiner Auffassung und Darstellung gestritten werden können; aber 
wir können die arabische Philosophie hier in einem sehr lehr- 
reichen Eteflexbilde des mittelalterlichen Abendlandes schauen. Die 
arabische Philologie hat leider noch nicht energisch genug auf 
die erhaltenen ältesten Denkmäler in dieser Richtung zurückgegriffen; 
das anziehende durch encyclopädische Vielwisserei glänzende Surrogat 
der altarabischen Philosophie, welches in den „Abhandlungen der 
lauteren Brüder" vorliegt, kann keinen Ersatz geben. Einen sehr 
unterhaltenden Abschnitt daraus, den Tendenzapolog vom 'Streit 
zwischen Thier und Mensch', haben wir wieder in einer Ilindustani- 
Bearbeitung erhalten. Eine treffliche, in seiner gründlichen Weise 
durchaus überall zuverlässig orientierende Darstellung der Verbin- 
dung und Thätigkeit dieser lauteren Brüder nebst den einschlagen- 
den litterarhistorischen Fragen hat Flügel**) gegeben; Dieterici * 6 ), 
dem wir eine bereits im vorigen Bericht erwähnte, nun auch das 
weitere Publicum interessierende frische Uebersetzung des eben ber- 



e) ,.\lji u-äjJl'J IvX^-il i^" M J CXt' as> f^ *3J*J' \£ *^ 0^ A 
JkX**? (jali^i (jr-^jäJ) ^cjüi^Ji (JC-iolJi c r^--= ; ^j Teheran L277 
(186") 4. Lithogr. Diese und andere seltene persische Sachen, welche natür- 
lich nie an Provinzialuniversitäten sich verirren, wenigstens von ferne noch 
während des Druckes kennen gelernt zu haben, verdanke ich wieder dem treff- 
lichen Staatsrath von Doi-n, vgl. dessen^'Catalogue des ouvrages arabes, persans 
et turcs, publies ä Constantinople, en Egypte et en Perse, qui se trouvent au 
Musee asiatiqne de l'Acadevnie' Bulletin X p. 168—213 und Alelanges Asiat V 
p. 465—528. 

82) Geschichte der Logik im Abendlande. Von Carl Praull. Bd. II. 
Leipzig, Hirzel 1861, XII u. 309 S. gr. 8. (2V 3 # ). 

83) Ikhwänu-S-Safi. Translated from the Arabic into HindüstanT, by Maw- 
lar'i Ihrcum Wll. Ä new edition, revised and corrected by Dune an Forbes 
and Cli . Weil. London 1861, gr. 8. 

84) G. Flügel, Leber Inhalt und Verfasser der arabischen Encyclopädie 

1*>»J! ..^t;>. l&aJt ..J*.~>\ JoLw. d. i. die Abhandlungen der aufrichtigen 
Brüder u. treuen Freunde. Nebst Andeutungen über die Einrichtungen des 
Bund«- der Verbrüderten, ZdDmG. XIII (1859) p. 1—43. Vgl. dazu Geigcr's 
Brief ebend. p. 490 f. 

85) Die philosophischen Bestrebungen der lauteren Brüder. Von F. II. 
Dieterici, ZdDmGh XV (1861) p. 577-614. 



Gosche, wissenschaftl Jahresbericht für L859 hü L861. 2G1 

vorgehobenen Apologs verdanken 86 ) fährl fort, durch weitere 
theilungen über die gesammelten Schriften der Aufklärer von Bi 

sich verdient zu machen, und stellt besonders den philosophischen 
Charakter ihrer Bestrebungen in den Vordergrund. Noch bestimmter 
als früher muss ich, seitdem ich diese Schriften in der mir so 
freundlich durch Herrn Oberbibliothekar Halm anvertrauten Mtin- 
chener Handschrift habe näher kennen lernen, ihre philosophische 
Bedeutung herabsetzen, wogegen grade bei ihrem encyclopädischen 
Verfahren ihr eulturhistorischer Werth um so höher anzu 
ist. Es wird sich im Fortschritt der Forschung zeigen lassen, d 
sie kein einziges Princip selbständig aufgestellt haben, und in einer 
glücklich - compilatorischen Abhängigkeit stehn. Was Dieterici in 
dankenswertester Weise über ihre Naturanschauung und Natur- 
philosophie 87 ) wie über ihre geographischen Anschauungen 88 ) mit- 
theilt ist als Zeugniss für den Bildungsstand des Zeitalters immerhin 
wichtig und ein sehr beachtenswertes Glied in der Geschichte der 
Wissenschaften. Einen späteren Wendepunkt in der arabischen 
Philosophie habe ich selbst 89 ) an Ghazzali, zunächst nur durch 
eine mehr literarhistorische Würdigung seiner grossartigen schrift- 
stellerischen Thätigkeit zu charakterisieren versucht. Hier haben wir es 
mit einem wirklichen Philosophen zu thun, soweit der Islam einen solchen 
überhaupt zulässt ; er weiss mit Philosophen philosophisch zu streiten und 
wenn ihm mehr als einCitataus den Abhandlungen der lauteren Brüder 
nachgewiesen werden könnte, so wäre damit noch keine principielle 
Abhängigkeit erhärtet, welche hier allein gültig und auf der andern 
Seite wieder unmöglich wäre. Das Yerzeichniss der Werke GhazzJill's, 
welches unter Benutzung vieler Handschriftensammlungen redigiert 
worden ist, wird hoffentlich Veranlassung geben, manches noch Ver- 
steckte, Verlorengeglaubte- oder Unbekannte von ihm ans Licht zu 
ziehen. Schon jetzt habe ich die Freude, den Fachgenossen und 



86) Vgl. Bericht für 1857 — 58 no.1367 und dazu jetzt: Lud. Krehl, Zur 
Geschichte der mohammedanischen Religion u. Philosophie, Prutz Deutsches Mu- 
seum 1861 no. 11; Steinschneiders Hehr. Bibliogr. II (1859) p. 91 f. Bruch- 
stücke aus dem arab. Märchen: Der Streit zwischen Mensch u. Tliier, Ham- 
burger literar. u. krit. Blätter 1859 no. 1253, vgl. Blätter f. literar. Unterh. 
1859 no. 9. 

87) Die Naturanschauung u. Naturphilosophie der Araber im X. Jahrh. 
aus den Schriften der lautern Brüder übersetzt von Fr. Dirtcrici. Berlin, Ni- 
colai 1861, XVI u. 216 S. 8. (l 1 /, «^-) vgl. J. Mohl im Journ. As. 1861 T. 
XVIII p. 103; i Steinschneiders Hebr. Bibliogr. IV lSiil p. 14 und Journal 
des Sav. 1861 i». ol-i. 

88) Die arabische Anschauung der Welt und der Erde im 10. Jahrh. un 
Zeitrechnung. Voe Fr. Dieteriei, Zeitschrift für allg. Erdk. Neue Folge Bd. XI 
(1861) Heft 1 p.. 40— 57, m. 1 Karte. 

89) Uebet Ghazzä'.i's Leben und Werke. Von R. Gosche. Aus d. Abhh. 
der kgl. Ak. d. Wiss. zu Berlin 1858. Berlin. Dümmler 1859, 1 Bl. u. 239 — 
311 S. 1. (24 Sgr.) vgl. Lit. Centralbl. L859 v.o. 27 i>. 433 f. und Steins, 

ers Hebr. Bibliogr. II (1859) p. 86 f. 



202 '■ haftl, Jahresbericht fwr 1859 hü 18G1. 

insonderheit den Philosophiehistorikern mittheilen zu können, dasS 
von dein so gut als verlorenen weil in der strengen Vaticana auf- 
bewahrten so ausserordentlich wichtigen 'Tehäfut el-Feläsifat' mir 
nicht allein eine Abschritt dieser Handschrift zugehen wird, son- 
dern dass meine Freunde Wilhelm Pertsch und Behrnauer die Güte 
gehabt haben, mir leichter erreichbare Manuscriptc desselben nach- 
zuweisen: der erstcre in Gotha ein zwar neues und flüchtig ge- 
schriebenes, aber nicht eben schlechtes Exemplar, dessen Vcrglei- 
chung auch das Vorhandensein des 'Tehäfut' in Ms. Eseurial G28,i 
ergiebt; der andere in Wien, ebenfalls neuerer Abschrift von dem 
Shaikh der Moschee Nusra zu Constantinopcl, Mälikzädeh Muham- 
med 'All al-lIamdT aus Trapezunt besorgt. Sogar aus den im 
Wesentlichen doch praktischen Bedürfnissen dienenden Kasaner 
Pressen taucht einzelnes weniger bekannte von GhazzälT auf; so 
in linkischer Bearbeitung die beiden bei Häjji Khallfat fehlenden 
Schriften Bedäyet el-hidäyeh l580a ) und Jinän el-janän 89 b ) ; ausser- 
dem ist dort ein türkischer Auszug des wichtigen Ihyä el-'olum 89c ) 
erschienen. Welche Theilnahme den philosophiegeschicbtlichen Stu- 
dien auch in weiteren Kreisen entgegen komme, sobald sie sich 
nur mit dem Ganzen der Wissenschaft in lebendigen Zusammenhang 
zu setzen wissen, zeigt die nöthig gewordene sehr erweiterte zweite 
Ausgabe des schönen Buches von Renan 90 ) über Averroes, mit 
dem das Erscheinen dreier von Jos. Müller 01 ) trefflich aus einer Es- 
curialhandschril't herausgegebenen Abhandlungen zur Ausgleichung 
der Theologie und Philosophie glücklich zusammentrifft. Das zur 
Einleitung in das Studium der arabischen Philosophie überhaupt 
sehr empfehlenswerthe fast lakonische Compendium der Logik von 
Qazwinz 91 *), das vor einigen Jahren die Bibliothcca indica in der 
trefflichen Sprenger'scken Bearbeitung gebracht hatte, ist in einer 
neuen Ausgabe erschienen, wie auch Qofieddins 91h ) Ergänzungen 



1589a) jLiJ! pU^U EüfJ^Ji RpL\: n*:>0' Kasan 1860, 8. 
80 b) Ji;*Ji fUXf Uj U> &*=0' Kasan 18G0, 8. 

89 c) ^A^-i\ *+4* i— >Uy Kasan 1860, 8; wiederholt 1862 u. 66. 

90) Enicst Renan, Averroes et l'Avcrroi'smc essai historique. 2ii'mc ed., 
rovue et augmentee. Paris, M. Levy 1861, XVI u. 486 S. gr. 8. 

'.'1) Philosophie u. Theologie von Averroes. Herausgeg. von .V. Jos. 
Müller. (Monumenta saecularia, Herausgeg. von der kgl. Bayer. Ak. derWiss. 
zur Feier ihres hundert], Bestehens am 28. März 1959, Cl. 1 no. 3). München, 
Franz 1859, VIII u. 131 S. gr. 4. (4 ty. ). 

91a) ^.j'Lxilj ^J*.x.[\ ^-r'.j^Ä.'t J.£ ^i r *c ^jJi f^>^ na^^..;'; 
Constantinopel 1271 (1858) 4. • 

{JVjn 0*.+^ ^j dj*.^ ^jjvNJi ^L'5 (Teheran) 1276 (1859; 4. lithogr. 



Gosche, iL'issenschdßl. Jahresbericht für 1859 — 1861. 263 

und Erklärungen dazu. Für die Philosopbiegeschichte nicht be- 
deutungslos sind die frühzeitig eintretenden apokryphischeo Litte- 
raturwerke, mit deren einem, den 'abkam ai-'atlqat uns Sangui- 
netli 02 ) näher bekannt macht; ebenso die bedeutenderen, die 
Schranke des muhainmcdanischen Dogmatismus durchbrechenden 
e.ufischeii Werke, über deren in den Bibliotheken des Sid Ham- 
muda und des Al-Hajj Ahmed al-Mobärek in Consantin vorhan- 
dene Littcratur wir einige Nachrichten erhalten 93 ). 

Die arabische Jurisprudenz ist nur durch wenige Werke 
vertreten. Des Abu Shoja schafiitiscb.es Compendium gibt Key- 
ser 91 ) ; für die arabische Literaturgeschichte von grösstcr Wichtig- 
keit sind FlügePs 95 ) Zusammenstellungen über die hanefitischen 
Rechtsgelehrten nach authentischen Quellen; praktischen Zwecken 
wollen unmittelbar die durch muhammedanische Pressen neuerdings 
veröffentlichten Rechtsbücher von Behä - eddin Muhammed el- 
' Amili*~ a *) und dem im J. 1205 d. H. verstorbenen Abülqüsim 
al-Qümmi 95h ) } letzteres in persischer Sprache, dienen. 

Umfassenderes ist für arabische Historiographie geschehen. 
Eines der ältesten nicht grade grossartig geschichtlich zusammen- 
fassenden aber biographisch höchst wichtigen Werke ist von dem 
unermüdlich thätigen Wüstenfeld 96 ) mit sorgfältigster Benutzung 
eines bedeutenden Materials herausgegeben worden, das von Ihn 
Ishäq verfasste Leben Muhammeds in der Redaction Ibn Hishäms. 
Dieses Werk ist nicht allein stofflich; als eine frühzeitig zusammen- 

92) &SaÄäj| *l£>i ou les Preceptes de l'Ancien Testament, texte arabc, 
public et traduit par B. R. Sanguinetti. Journ. As. 1859, XIV p. 449 — 500; 
1860, XV p. 3—66; auch besonders abgedruckt: Ahcäm alatifcah ou les pre- 
ceptes de l'Ancien Testament. Texte arabc, publie et traduit par Sanguin-Jt . 
Paris. Impr. Imper. (Duprat) 1860, 8. (5 fr.). 

93) Lettre de M. Cherbonnean ä Bf. Renan im Journ. As. 1860 T. XV 
p. 435f. 

94) Precis de jurisprüdence musulmane selon le rite Chafeite par Abou 
Chodja', Publication tu texte arabe, avec traduetion et annotations par S. Ket- 
zer. Leyde 1859, XXXII u. 165 S. 8- 

95) Flügel, Die Classen der hanefitischen Reehtsgelehrten, Abhh. der Kgl. 
Sachs. Gesellschaft der V\'i->. I5d. 8 (Pbilos.-histor. Cl. Bd. 3), Leipzig 1861 
4. p. 359-448. 

95a) yäJJi «-L^J i^Ä*jL*aj er ^jA^I AjL** j ^y^e £«L> <*jltf 
^JUUJI Jv*jS^ Teheran 1277 (1860) 4. litbogr. 

95b) ^-w-H ^1 ♦«Ul'I ^\ !j.a.* wäJb ■Ju.o'tfi j SUXäH ü^J'^i 

^läJI &£*& Teherau 1275 (185S) 1. litbogr. 

'.Mi Das Leben Muhammed's nach Muhammed Ibn Ishak überliefert von 
\hd el-Malik Ibn Hischdm. Aus den JIss. zu Berlin, Leipzig, Gotha u. 
Leyden herausgeg. von Ferd. Wüstenfeld. Abth. 3. 4. Göttingen, Dieterich, 
MTX. 80—1030 arab. S. u. p. 185—266 Erläuterungen gr. S 3 thlr.) vgl. 
Literar. Centralbl. 1860 no. 13 p. 96 f, und Wüsteufeld Gott. gel. An/. L859 
no. 189 p. 1881 f. 



264 Gosche, wisaenchafiL Jahresbericht für 1859 WS 

gestellte Biographie des Propheten von grosser Wichtigkeit, wenn 
auch Ibn Ishäq, wie Wüstenfeld seihst aus Ihn Sayyid an-Näs allerlei 
Verdächtigendes beibringt und Sprenger 1597 ) schon aus einer Stelle 
des viel älteren und aus einer grösseren Litteraturkenntniss urthei- 
lenden Verfassers des Fihrist zu erhärten sucht, nicht ein durchaus 
zuverlässiger sondern vielmehr tendenziös entstellender Erzähler 
sein mag, den indess zu controlieren uns nicht das Material fehlt, 
sondern dies Werk ist auch für die Erkenntniss der Entwicklung 
der arabischen Historiographie hochbedeutsam, als deren ältesto 
grosses Denkmal es zu schätzen ist. Da Ihn Ishäq bald nach der 
Mitte des zweiten Jahrb.. d. H. und sein Redactor Ihn Hishäm im 
ersten Viertel des dritten starb, so bilden ihre Aufzeichnungen 
neben STbawaihi's 'KitäV und vielleicht Muhammed al-Shaibänl's 
hanefitischer Sammlung das grösste Prosadenkmal des zweiten Jahr- 
hunderts. Zugleich ist es eine der wichtigsten kritischen Grund- 
lagen für einen ziemlich merkwürdigen in den Anfängen des Islam 
stehenden Dichter, des Hasan Ben Thäbit. Nur die Litteratur der 
futüh würde um ihrer, leider durch die litterarische Ueberlieferung 
wohl ausnahmlos getrübten Alterthümlichkeit willen hier noch her- 
vorzuheben sein ; aber die Kritik über das , was unter Wäqidf 8 
Manien vorliegt, kann ohne eine genauere Uebersicht der hand- 
schriftlichen Zeugen nicht abgeschlossen werden. Seine futüh el- 
Shäm sind von A. v. Kremer [>b ) bis zum 7ten Hefte geführt worden; 
Sprenger ! ' ; ') hat die Absicht, die von demselben begonnenen Ma- 
ghäzi nach dem Ms. des British Museum zu Ende zu führen. Einen 
kritischen Anhalt wird das grössere der Mitte des dritten Jahr- 
hunderts angehörende Werk al-Belädhorl's über die futüh geben 
können, wenigstens insofern es sich um die Würdigung des That- 
sächlichen handelt; andere sehr beachtenswerte Gesichtspunkte hat 
Haneberg 1C0Ü ) aufgestellt. Mit Bezug auf die neuerdings discu- 
tierten Bnfl-l-a§far hat Kosegarten 1 ) eine Stelle in seinem TabarT 
verbessert, den er lieber hätte fortsetzen mögen. Von der wich- 
tigen Universalgeschichte al-MasTidVs' 2 ) ist unter der Förderung 



1597) Dm Ishäq ist kein redlicher Geschichtselireiber. Von A. Sprenger, 
ZdDmG. XIV p. 288—290. 

98) Tlie Conquest of Syria, commouly aseribed to Aboo Abd Allali Mn- 
hämmad. by Omar al-Waqidi, edited by Captain ]V. N. Lecs, Fase. 7. Bi- 
blioth. Ind. no. 164 Calcutta 18G0, 8. 

( .i!ti Vgl. Journ. ofthe As. Soc. of Bengal XXIX 1860) p. 308 f. 

1600) D. B. Haneberg, Erörterungen über Pseudo-Wakidi's Geschichte der 
Eroberung Syriens, Abhh. der philos.-pbilol. Cl. der K. Bayer. Ak. der Wi>s. 
Bd. IX, 1 i München 1860, 4.) p. 12(5—1*55. 

1) Berichtigung einer Stelle im dritten Bande der Annalen aus Tabari, von 
Kobegarten, ZdDmG. XIV p. 290f. 

2) Collection d'ouvrages orientaux publice parle Societe asiaiique. Magoudi, 
Les prairies d'or. Text et traduetion pur C. Barbier de Meynard et Parti 
de Courteille. T. I. Paris 1861, 408 S. 8. (7'/ 2 fl O vgl. Nöldeke in Gott, 
gel. Anz. 18G2 no, 21 p. 808 f. 



Gosche, wissenschafU, Jahresbericht filr 1859 /; 1-''! 265 

der Socio- 1»'- asiatique in Paris nach Dercnbourgs Vorbereitungen 
von Barbier de Meynard andPavel deCourteille eine Ausgabe mit fran- 
zösischer Uebersetzung und nieist kritischen Anmerkungen begonnen 
worden und es sind bei der Erklärung der Titel trotz Gildemeisters 
vor langen Jahren erhobenem Protest die 'goldenen Wiesen' fest- 
gehalten winden, was auch die wenig künstlerische Phantasterei 
solcher Bezeichnungen zulässt. Welche Bedeutung für die arabische 
Philologie diese Publication haben werde, ist Dach den immer wieder- 
holten Versuchen zur Ausbeutung des reichen Inhaltes des grossen 
noch einer guten Zeit angehörenden Werke- (dorn in der ersten 
Hälfte des vierten Jahrhunderts hatte man noch Fleiss und Gewissen 
genug zu ausführlichen begründenden Darstellungen) hier nicht 
weiter ausdrücklich hervorzuheben. Das ausgehende siebente Jahr- 
hundert , welches auf bequeme Compendien ausging, repräsentiert 
eine sehr lcsenswerthe, durch eine sogleich im Anfang der de Sa- 
cy'schen Chrestomathie stehende Probe längst bekannte, mit eigen- 
thümlicher Anmut geschriebene Khalifengeschichte, deren Verfasser 
erst durch den energischen Scharfsinn ihres Herausgebers Ald- 
icardt 3 ) ermittelt worden ist,' das Fakhrl von Ibn al-Tiqtaqä, dessen 
Werk alles Lob und alle Sorgfalt verdient, welche Ahlwardt ihm 
hat zu Theil werden lassen. In eine ganz späte Epoche, in den 
Anfang des neunten Jahrhunderts d. H. führt Juynbolls 4 ) Ahulma- 
hasin, von dessen eine eben klägliche Zeit darstellenden Annalen 
der vierte Band vorliegt. Durch vieles bisher unbekanntes Detail 
zeichnet sich die Fortsetzung der von TT üstenfeld 5 ) höchst ver- 
dienstlich unternommenen Sammlung der^Chroniken von Mekka aus, 
deren zweiter Band nach den im ersten und dritten gebrachten 
grösseren Darstellungen von al-Azraql und Qutb-eddln in Auszügen 
das Wichtigste aus drei andern nicht vollständig zu druckenden 
Schriftstellern nachholt. Für die Geschichte des westlichen Araber- 
thums sind zu bemerken Notizen von Guckin de Slane 6 ) über 



3) Elfaehri. Geschichte der islamischen Reiche vom Anfang bis zum Ende 
des Chalifates von Ibn etthiqthaqa. Arabisch. Herausgeg. nach der Pariser 
Hs. von W. Ahlwardt. Gotha, Perthes 1860, LXVi u. 390 S. gr. 8. (n. 5 thlr.) 
Vgl. Literar. Centralbl. 1860 qo. 21 p. 323 f. 

4) 'Ahü'l- Mahäsin 'Ibn Tagri Bqrdii Annales, quibus titulus est 
8j£LäJL ,*aA u5 *K* £ Bj^ljJI »»JAäJI e codd. mss. nunc primnm arabice 
editi. Tonii II i partem posteriorem, complectentem annotationis supplementa et 
indices, ed. T. G. J. Juynboll. Lngduni B.. Brill 1861, 103 — 179 S. 8. 
(1 thlr. 17 ngr.). 

5) Die Chroniken der Stadi Mekka gesammelt U. auf Kosten der Deutschen 
morgenl. Ges. herausgeg. von Ferd. Wüstenfeld. Bd. 2. (Auch m. d. T. 
Auszüge aus den Geschichtsbüchern der Stadt Mekka von Muhammed el- 
Fak'ili. Muhammed el-F&si u. Muh. Ibn Dhuheira). Leipzig, Brockhaas 
1859, XXIII u. 391 S. gr. 8. (4 thlr.) Vgl. Literar. Centralbl. 1860 no. 13 
p. 197 und Wüstenfeld Gott. gel. Ana. 1859 no. 181 p. 1806f. 

(3) Mac Guckin de Slane, Note sur les historiens arabes - espagnols Ibn 
llaiyan et Ibn Bessam, Journ. As. 1861 T. XVII p. 259—268. 



260 Gfosche, unssensehaftl. Jahresbericht fB/r 1859 bis 1861. 

zwei spanisch - arabische Historiker, Beaumiera 1607 ) Uebersetzung 
des für Marokko wichtigen Rand el-Qartäs, besonders aber die mit 
Prolegomenen und Index abgeschlossene grossartige Ausgabe al- 
Maqqaris S J. Die von Dugat ausgearbeitete Einleitung wird vor- 
läufig; ehe Dozy oder seine Schüler eine authentische Gesammtdar- 
stellung der spanisch-arabischen Cultur geliefert haben, den Nicht- 
arabisten als eine gut orientierende Uebersicht des reichen von 
al-Maqqarl angesammelten Materials dienen können, von welchem 
auch das sorgfältig gearbeitete Register ein grossartiges Bild ge- 
währt. Für alle Studien auf diesem Gebiete ist somit durch Dozys 
Anregung und leitende Arbeit eine sichere Grundlage für alle Zeit 
gewonnen worden und die arabische Philologie ihm dauernd ver- 
pflichtet; vielleicht, dass dies Beispiel der erfolgreichsten Association 
auch anderen Aufgaben der orientalischen "Wissenschaft nützt, unter 
die z. B. eine Gesammtausgabe des TabarT, soweit er noch im Ori- 
ginal vorhanden ist, oder auch des Mirkkond zu rechnen wäre. 
Aus dem mächtigen Reichthum der Araber an biographischer Litte- 
ratur ist wenig geschöpft worden; über einen ganz späten Schrift- 
steller dieser Richtung, den im J. 1009 d. H. verstorbenen al-Qaräfi, 
macht Cherbonneau 9 ) Mittheilungen. 

Gute Aussichten eröffnen sich für die Studien über die geo- 
graphische Litteratur. Meinaud 10 ), dem wir in dieser Bezie- 
hung durch die schöne Einleitung zu seiner leider immer noch 
nicht weiter geführten Uebersetzung des Abulfedä die bedeutendste 
Orientierung verdanken, hat Gelegenheit genommen, über die geo- 
graphischen Wörterbücher zu sprechen, in denen die Araber allen 
ihren Zeitgenossen vorangingen. Die Uebersetzung der wichtigen 
Beschreibung Kordafrikas von al-Bekii hat Guckin de Slane 11 ) 
in seiner trefflichen Weise vollendet; der an culturgeschichtlichen 
Daten merkwürdig reiche Maqdasi wird von Sprenger 12 j heraus- 



7) Roudb el-Kartas. Histoire des souverains du Magbreb (Espagnc et Ma- 
roc) et annales de la ville de Fes. Traduit de l'arabe par A. Beaumier. 
Paris 1860, XI u 580 S. 8. (10 fr.) vgl. Journ. des Sav. 1861 p. 122. 

8) Anflectes sur l'bistoire et la litterature des Arabes d'Espngne, par n'- 
Makkari. T. II, 2e partie, publice par M. Dugat. Leyde, E. J. Brill 1861, 
LXIII u. 1iV S. Dazu Prolegomene CXLVI S. (par Dugat) und Index (par 
L. Krebl) und damit das ganze Werk in zwei Quartbänden vollendet. Vgl. 
Dozy in Gott. gel. Anz 1861 no. 36 p. 1427 f. 

9) A. Cherbonneau. Note bibliographique sur el-Karafi, auteur du Zil ed- 
dibädj, Journ. As. 1859, 13 p. 94f. 

10) Reinaud, Notice sur les dictionnaires geograpbiques arabes, Journ. 
As. 1800 T. IG p. 65 — 106, und etwas erweitert besonders gedruckt : Reinaud, 
Notircs sur les dictionnaires geograpbiques arabes et sur le Systeme primitif de 
la numeration ebez les peuples de race berbere. Paris L861, 51 S. 8. vgl. 
Journ. des Sav. 1861 p. 123. 

11) Description de l'Afrique septentrionale . par El-Bekri trad. par 
de Slane (Suite et fin), Journ. As. L859, XIII p. 58— 80,| 97 — 191, 310- 
416 469—519; K1V p. 117—152. 

• 12) Vgl. Journ. of tbe As. Soc. of Bengal XXIX (1860) p. 307. 



Gosche, wiesenachaftl. Jahresbericht für 1859 bü 1861. 2G7 

gegeben und damit zugleich ein wichtiges geschichtliches Quellen- 
werk gewonnen werden. Weniger [umfassend aber durch sein 
höheres Aller bedeutungsvoll ist das im J. 278 d. II. geschriebene 
Länderbuch von Ahmed Ihn Abi Ya'qüb, auf welches de GoeJe 13 j 
durch seine Vorarbeiten zu einer Ausgabe des Ihn EJauqal geführt 
wurde und von welchem er, durch den St. Petersburger Professor 
Muehlinski in anerkennenswerthester Weise durch die Ueberscndung 
einer Handschrift dazu in den Stand gesetzt, zunächst die Beschrei- 
bung des Maghrib in trefflicher Bearbeitung mittheilte; bald darauf 
gab der jüngere Juynboll l4 ) die übrigen Theile des leider nicht 
vollständig erhaltenen Werkes in einem sorgfältig constituierten 
Texte heraus. Von dem grossartigen Wörterbuche Yäqüts hat 
Barbier de Meynard 15 ) eine bereits oben erwähnte, die Artikel 
über Persien geschieht zusammenlassende Probe gegeben, welche 
zu ähnlicher Bearbeitung anderer geographischer Gebiete führen 
möge, da eine Uebersetzung, welche ganz der Anordnung des Origi- 
nals folgte, unpraktisch sein würde. Den becpiemen Auszug, dessen 
Ausgabe wir Juynboll d. ä. 16 ) verdanken, hat derselbe nun mit 
einem ausserordentlichen Fleisse zu erläutern begonnen; mit grossem 
IS'utzen wird man zu diesem wenn auch kurzgefassten so doch sehr 
reichhaltigem Lexicon den Index vergleichen , durch welchen die 
Societe asiatique ihre schöne Ausgabe des Ibn Batüta nun erst 
recht zugänglich und brauchbar gemacht hat. Ein Beispiel des 
ganz modern - arabischen geographischen oder vielmehr Reisestils 
erhalten wir in Selim Bister is u *-) Beschreibung seiner Reise nach 
Europa. 

Die Keuntniss der arabischen Mathematik, welche eine 
culturgeschichtlich hervorragende Stellung zwischen Indien und dem 
Occidcnt einnimmt, wird fast allein durch Woepches ganz einzige 
Art der Forschung gefördert. Er nimmt die vielventilierte Frage 



13) M. J. de Goejc, Specimen e literis orientalibus, exhibens descriptio- 
nem al-Magribi, sumtam e libro regionum al-Jaqubii. Lugd.-Bat. 1860, XV u. 
200 S. 8. vgl. Nöldeke Gott. gel. Anz. 1801 no. 32 p. 1241 f. 

14) Specimen e litteris orientalibus, exhibens Kitäbo'l-boldän, sive Libruin 
regionum, auetore Ahmed Ibn Abi Jaqüb, noto nomine Al-Jaqubli quem.... 
nunc primum arubice edidit Abr. Willi. Theod. Juynboll. Lugduni Bat. Brill 
1861, 3 Bll. u. ]e>f S. arab. Text. 8. Vgl. Nöldeke Gott. gel. Anz. 1861 no. 
32 p. 1211 f. und zugleich über de Goeje's Schrift Lit. Centralbl. 1862 no. 42 
p. 680. 

15) Vgl. oben no. 706. 

16) T. G. J. Juynboll, Lexicon geographicum cte. Fase. Onus coutinens 
introduetionem in hunc librum et annotationem ad duos priores fasciculos, Lug- 
duni Bat., Brill 1859, 6, C'VIll u. 588 S. gr. 8. (8 rl. 80 c). 

17) Voyages d'Ibn BatoutaK, Texte arabe, aecompague d'une Traduction 
par C. Defrimery et Sanguinetti. Index alphabetique. Paris 185'J, 91 S. 8, 

(1% fr.). 

17 a) Iw-JLJi &Jb>JJ £ S-a^-ÄJI nPjU Beyrut 1859, 8. 



■_>\\< Gosche, wi88enschaßl. Jahn Bericht für 1859—1861. 

über die Einführung der arabischen Ziffern von neuem auf 1618 ) 
sie in ihrem gegenwärtigen Bestände auf die Vermittlung durch 
Plan'udes und Leonhard von Pisa zurückführend, wozu Manch 19 ) 

einige ergänzende occidcntalisehc Bemerkungen macht-, ferner gibt 
er aus dem von ihm recht eigentlich nach dieser Seite hin ge- 
prüften schönen Pariser Sammlungen Beiträge zur Lehre von den 
Dreiecken 20 ), vom Kreise 21 ), von den Zahlen 22 ). Seine sorgfältige 
Beschreibung eines in der Königl. Bibliothek zu Berlin befindlichen 
arabischen Astrolabiums vom J. 420 d. H., deren in dem Bericht 
für 1857 und 1858 gedacht wurde, erhält jetzt eine Art Ergänzung 
durch die viel splendider ausgestattete Beschreibung eines viel spä- 
teren arabischen Quadranten vom J. 735 d. II. von Moriey 231 ). 
Von einem der tüchtigeren und universellsten arabischen Astro- 
nomen, von al-Birüni wird nun die Herausgabe seines bekannten 
l'iu' die Erkenntniss der indischen Cultur im Uten Jahrb. speciell 
wichtigen Werkes, durch welches er für den Islam der ErÖffner 
Indiens in wissenschaftlicher Beziehung wurde wie es sein fürst- 
licher Gönner Mahmud von Ghaznah in militärisch-politischer war, 
um so ernstlicher in Paris erwogen, da Schefer eine recht gute, 
wie es scheint, manche aus der Unzulänglichkeit des arabischen 
Schriftsystems für das Sanskrit entstandene Schwierigkeiten habende 
Hs. aus Constantinopel gebracht hat - i ). Zur Geschichte der Mathe- 
matik im löten Jahrhundert gibt Cherbonneau 25 ) mit seiner Kotiz 
über Qalagädl einen Beitrag. Aus den übrigen zum Theil wunder- 
lichen Gruppen der arabischen Litteratur ist noch zu erwähnen, 



1G18) Surl'introduction de l'arithmdtique indienne en Occident, et sur dem 
documents impovtants publies par M. le Tiince B. Buoncompagni, par F. 
Woepcke. Rome 1859, 72 S. 4. 

19) Ueber den Gebrauch Arabischer Ziffern und die Veränderungen der- 
selben. Von Manch, Anz. für Kunde der Deutsehen Vorzeit X. F. VIII (1861 

no. 2-7 

20) F. Wocpckc, Recherches sur l'histoire des sciences mathematiques cliez 
les örientaux, d'apres des traites inedits arabes et persans, 3e artiele: sur une 
mesure de la cireonferenee du cercle, due aux astronomes arabes, et fondee sur 
un calcul d'Abofil Wafä, Journal As. 1860 T. XV p. 281-320. 

21) Sopra la teorica dei numeri congrui. Nota di E. Wocpckc. Roma 
1860, 12 S. 4. 

22) Recherches sur plusieurs ouvräges de Leonard de Pise, decouverts ei 
publies par M. le Prince B. Bouncompagni, et sur les rapports qui existent 
entre ees ouvräges et les travaux mathematiques des Arabes, par F. Woepcke. 
Premiere partie. Extrait et traduetions douvrages arabes. III. Traduction d'un 
fragment anonyme sur la formation des triangles en nombre entiers et d'un 
i i-;i i t ■• sur [e meme sujet, par Abou Djafer Mohammed ben AlhocAin. Ruine 
L861, t-| s. 4. 

23) W. II. Morley, Description of an Arabian quadrant, Journ. of the 
Royal As. Soc. of Great Britain XVIII, 2 (1860) p. 322—330 m. 1 Tff. 

" 24) Vgl. Journ. As. 1SGG T. XVI p. 151 f. und p. 453 f., L861 Will 
p. 1 1 f. 

W J5) Notice bibliographique sur Kalacädi, mathematicien arabe du XVI 
siecle, par A. Cherbonneau, Journ, As. 1859, 14 p. 437 — 448. 



Goßd 'ifd. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

dass Cl&nent-MvUet 26 ) eine [Jehersetzung des wichtigen Landbau- 
buches von lim al-Awwäm unternommen hat, was nach Banqueris 
etwas selten gewordener, ausserdem auch nicht ganz vollständiger 
nocli den gegenwärtigen Ansprüchen genügender Arbeil durchaus 
nicht überflüssig ist; Perron 27 ) hat einen Tractat über Pferdeheil- 
kunde übersetzt; und als ein das Sittenlehen der Muhammedaner 
sehr charakteristisch kennzeichnendes Moment Flügel 28 ) in sehr 
eingehender Weise die Loosbücher behandelt. 

Als eine Zusammenfassung der mannigfachen wissenschaftlichen 
und litterarischen Richtungen sei noch die Encyklopädistik er- 
wähnt, welche in dem arabischen Geistesleben einen breiten, durch 
die Lernbegierde des frisch in die Geschichte eintretenden Volkes 
unmittelbar ergriffenen, sehr wahrscheinlich aber schon durch den 
etwa in spätgriechischer und syrischer Litteratur vorbereiteten Raum 
einnimmt. Hammer- Purgstall 29 ) , der seine orientalische Schrift- 
stellerei mit einer vorzugsweise auf Häjji Kballfat beruhenden en- 
cyklopädischen Darstellung der mohammedanischen Wissenschaften 
begann, hat noch zuletzt nur um weniges genauer allerlei Auszüge 
aus encyklopädischen Werken gegeben. Weit darüber stehen na- 
türlich die schönen Mittheilungen, welche Flügel 30 ) über den be- 
deutenden 'Fihrist el-'olüm' macht und welche immer von Xeuem 
wünschen lassen, dass der grade im Gebiete der muhammedanischen 
Literaturgeschichte so ausgezeichnete Gelehrte uns nicht länger den 
Text dieses Fundamentalwerks vorenthalten, sondern bald geeignete 
Mittel und Wege zu seiner Veröffentlichung finden möge. Denn 
nur von seinen grade diese reiche Litteraturquelle seit lange pflegen- 
den Händen dürfen wir eine die ungeheuren Schwierigkeiten mög- 
lichst überwindende Ausgabe erwarten; durch dieses Werk wird aber 
dann nnsre ganze Anschauung von der arabischen Litteraturbewe- 
gung bis zur Mitte des vierten Jahrhunderts, welche mächtige Zeit 
in unsern Handschriftsammlungen und wohl überhaupt nur noch 
durch verhältnissmässig wenige Denkmäler vertreten ist, erst be- 
festigt und individualisiert werden ; diese Erwartung wird mit Recht 



26) Vgl. ileu Prospect im Journ. As. 1860 T. XV p. 449 f. 

27) Le Naceri. La perfection des deux arts, cm traite complel d'hippo- 
logie et d'hippiatrie arabes. Ouvrage public par ordre et sous les auspiees du 
ministre de I'agriculture , da commerce et des travaux publics. Traduit de 
l'arabe d'ALou Belcr ihn Bedr : par Perron, le et 2e partie, le et 2e divi- 
sion. Hippologie. I II III Paris 1859 60, 504, 512 u. 530 S. 8. (vollst.). 

28) Flügel, Ueber die Loosbüciicr der Muhammedaner, Berichte der Kgl. 
Sachs. Gesellschaft der Wiss., Phil.-hist. C'l. Bd. 13 (Leipzig 1S61 gr. 8.) 
Heft 1 p. 24—74. 

29) ECammer-Pttrgstall, Fortsetzung der Auszüge aus encyclopaed* Werken 
der Araber, Perser u. Türken, Denkschrr. der Kais. Ak. d. V\'iss. Philos.-hist. 
Cl. IX (Wien 1859, 4.) p. 1—44. 

30) Cr. Flügel, Ueber Muhammad bin Ishak's Firist al-'ulüm, Z. d. DmG. 
XIII (1859) p. 559—650. 



270 Gosche, wlssenschafä. Jahresbericht fä/r 1859 bis 1861. 

sich jeder belehrte dankbare Leser schon aus dem vorläufigen Ab- 
riss dieses 'Registers der Wissenschaften gebildet haben. Indess 
dieses Werk weniger auf die Substanz der einzelnen Wissenschaften, 
sondern in grosser Ausführlichkeit auf deren litterarische Bearbei- 
tung einschliesslich der schönen Redekünste ausgeht, versacht der 
fast vier Jahrhunderte/ spätere Mohammed Ren IbrähTm al-Sakhäwi 
in seinem encyklopädischen Irshäd al-qäcid besonders systematische 
Anordnung, Methodik und Begriffsbestimmung. Nach dem in deren 
21sten Hefte der Bibliothaca indica hat HaarbrücJeer 16S1 ), dessen 
Sorgfalt in der Wiedergabe speculativer Terminologien wir vom 
Shahrastäni her kennen, diese kürzere Encyklopädie bearbeitet. 

Dass das Christenthum in der arabischen Litteratur einen 
Wendepunkt herbeiführen werde, muss vor der Hand bezweifelt 
verden; was die beyrutcr Pressen bringen, erweckt keine besonderen 
Erwartungen. Islam und Arabisch sind nahezu zusammenfallende 
Begriffe und so lange die Berührungen des Christlichen und des 
Muhammedanischen noch so fürchterliche Wetterschläge wie die 
syrischen Gräuel entladen können 31a ), kann von ideellen Befruch- 
tungen nicht die Rede sein. Auch kommt es den Missionsdruckereien 
leider oft mehr auf die Attaque als auf die allein segensreiche und 
fruchtbringende internationale Toleranz an. Dieser Vorwurf trifft 
natürlich nicht das grossartige Unternehmen der in der That schö- 
nen arabischen Bibelübersetzung in Beyrut, von welcher das Neue 
Testament vorliegt 32 ) und das alte in gutem Fortschritt begriffen 
ist; ebensowenig den bescheidenen arabischen Katechismus, den 
man in Moskau gedruckt hat 32a ); sondern mehr Streitschriften, 
wie die des MikJia von Mosul 32b ) gegen die römische Lehre von 
der Transsubstantiation und Aehnliches : Schriften, welche näher zu 
verzeichnen ebenso ermüdend als unerquicklich ist, welche sicher 
nicht geeignet sein werden, den Islam mit seinen grossen Sieges- 
erinnerungen, seiner wohlgegliederten Tradition, seiner abrahamischen 
Einfachheit und seiner Angemessenheit wie es scheint für ein be- 
stimmtes geographisches Gebiet zu überwinden. 



1631) MvJiammad Ihn Ibrahim al-Anssär?8 arabische Encyclopädie der 
Wissenschafton, vornehmlich in pädagogischer Beziehung. Von Dr. Haarbrücher. 
(Jahresbericht über die Louisenstädtische Real-Schule). Berlin 1859, 26 S. 4. 

31a) Christenthum und Islam. Im Hinblick auf die Zustände in Syrien, 
Protestant. Monatsbll. von Geizer 1861 Bd. 17 Heft 2. 

32) Lii A=> *:> 3 Oö rfw**4i e y^i LUaJLs^j La J L\a«>Jl Ai*ji uAtf' 

^jLj^Ji XxAJi ^j-i (Das neue Testament; arabisch aus d. Grieeh neu über- 
setzt). Beirut 1860, 8. 

32 a) .aw.xa.-o „ps/.Aw.-a *a.I*'j ^ß\ ***wajö ujwXi^ Moskau 1859, 8. 

32 b) sJIäÄam^J £.$:> (ji JUiLsjJj &mjj£S\ J.c oLtol^Äcf -_'Ui . 
Beyrut 1859, 12. 



Gosche, wissenschaftl. Jdhretlcr'« ht ßr 1859 bis 1861. 271 

Der sprachgenealogische Zusammenhang kann fordern, dass an 
dieser Stella zugleich das angeführt werde, was für äthiopische 
Sprache und Litteratur geleistel worden ist, zumal da das diesem 

naheliegende l.Iimyarischc bereits oben seine Erwähnung gefunden 
hat; aber es empfiehlt Bich, das aethiopische in seiner gegenwär- 
tigen geographischen Heimat aufzusuchen S8 c ) ; so verlassen wir den 
eigentlichen urheimatlichen Boden des von der morgenländischen 
Wissenschaft zu beobachtenden Lebens und gehen nach Afrika, 
dem eolossalen Boden der wunderbarsten Contraste des noch ganz 
ungeschichtlichen und des alterthümlichstcn geschichtlichen Lebens 
über, welches die Kühnheit der Reisenden mit immer erneuten 
Opfern zu crschliessen versucht. Indess liobiou '•'•■'•) an die Um- 
schulungen des Alterthums erinnert, entrollt Williams 84 ) ein Bild 
auch der neueren Reisen, das Barth S4a ), der siegreicheren Ent- 
decker auf diesem Continent einer, für die unmittelbarste Gegenwart 
kritisch zu detaillieren sucht und Ule' iih ) geschickt allgemeineren 
Kreisen deutet. 

unter den zahlreichen Nationalitäten, welche in ihrer bunten 
Mannigfaltigkeit Macbrair' ib ) populär charakterisiert, die Wissen- 
schaft jedoch bei dem Ausbleiben der seit einiger Zeit zu erwar- 
tenden sich voraussichtlich ergänzenden afrikanischen Untersuchungen 
Blocks und Steinthals ungeachtet einzelner schöner Beobachtungen 
von Kölle und Krapff immer noch nicht mit annähernder Sicherheit 
classificieren darf, nehmen die Aegypter nicht allein durch ihre 
unmittelbare Nachbarschaft und Beziehung zu Asien, sondern vor 
Allem durch ihre früh, vielseitig und sicher entwickelte Cultur, 
welche fast bei allen Fragen des orientalischen Alterthums, der 
Mythologie und Linguistik interessiert ist, unsere Aufmerksamkeit 
zunächst in Anspruch. Wenn die Massenhaftigkeit der um ein 
Objcct sich gruppierenden Litteratur ein sehr einfacher und natür- 
licher Gradmesser seiner Bedeutung ist, so ist der Umstand beach- 



32c) Vgl. weiterhin no. 1714—1725. 

33) Robwu, Periples d'Afrique dans lantiquite, Kevue areheol. Nouv. ser. 
T. 31 (Paris 18G1 gr. 8) p. 191—215. 

31) Ch. Williams , Narratives and adventuves of travellers in Afriea. 
New edition. London, Ward & Lock 1859, 340 S. 12. (5 sh.). 

34a) Kurze Andeutung einiger der neuesten Fortschritte auf afrikanischem 
Boden, von H. Barth, Zeitsehr. f. allg. Erdk. 1861 Dec. p. 472— 470. 

34b) Die neuesten Entdeckungen in Afrika, Australien u. der arktischen 
Polarwelt mit besonderer Rücksicht auf die Natur- u. Culturvcrhältnisse der 
entdeckten Länder von Otto Ulc. Mit Titelvignette u. 39 Holzschn. u. Karten. 
Halle, Schwetschke 1861, VI u. 394 S. gr. 8. (2 fy.\ Vgl. Lit. Centralbl. 
1862 no. 25 p. 507. 

35) R. M. Macbruir, The Africans at liome: being a populär description 
of Afriea and the Africans, Condensed from the African Travellers from the 
time of Mungo Park to the present day. London, Longman 1861, 400 S. 8. 
(77* sh.) 



272 Gosche, wissen chaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

tenswerth; dass Jolowicz 1636 ) seiner 1858 herausgegebenen 'ßi- 
bliotheca aegyptiaea bereits ein erstes Supplementheft hat folgen 
lassen können. In Aegypten selbst, wo immerhin gewaltsam civili- 
satorische Motive wenigstens in offiziellen Kreisen wirksam sein 
mögen, hat sich zu Alexandrien ein Institut Egyptien gebildet, 
welches ein hoffentlich bald an der unmittelbaren Anschauung der 
grossartigen monumentalen Welt sich bereicherndes Bulletin heraus- 
gibt 87 ). Von den gewöhnlichen Levante- und Palästina-Reisen be- 
rührt fast jede auch Aegypten, am nur im seltensten Falle irgend 
ein werthvolles Datum heimzubringen ; neben jenen Werken sind 
besonders FranMs 38 ) Schilderungen, die schon im vorigen Bericht 
einmal erwähnten jetzt vollendeten schönen Zeichnungen von Liboy™) 
und wegen ihrer lebendigen Wiedergabe der Landschaft und der Ar- 
chitectur die hundert Stereoscopen von Frith 39 *) hervorzuheben; 
Heils 40 ) Aufzeichnungen haben neben ihrer medicinischen Tendenz 
auch in culturgeschichtlicher Beziehung viel Interessantes. Ent- 
schieden wissenschaftlichen Werth empfangen die Tagebuchblätter 
der Beisenden immer erst durch ihre auf Probleme des altägyptischen 
Lebens gerichtete Absicht. So erhalten wir von Brugsch'^ 1 ) einen 
zwar nur vorläufigen, aber durch manche wichtige Daten fesselnden 
Bericht einer zweiten Heise nach Aegypten. Doch stehen natürlich 
die Kesultatc solcher selbst mit den bedeutendsten wissenschaftlichen 
Mitteln unternommenen Leisen selbstverständlich gegen die Fülle 
von Entdeckungen zurück, welche ein in Aegypten nicht allein 
vorübergehenden, sondern längeren ja fast bleibenden Aufenthalt neh- 
mender Forscher das Glück haben wird zu machen. Das ist Ma- 
riettes Fall, über dessen Ausgrabungen Desjardins 42 ) berichtet. 



36) Bibliotlicca aegyptiaea. Repertorium über <lie bis zum Jalive 1861 in 
Bezug auf Aegypten ... erschienenen Schriften u. s. w. Von H. Jolotoicz. Nebst 
einem aiphab. Register. Supplement I. Leipzig, Engelmann 1861, IV u. 75 S. 
8. (!/ 3 fy.) vgl. Petzholdt's Neuen Anz. f. Bibl. 1861 p. 258 f. 

37) Bulletin de l'Institut egyptien 1859. Alexandrien 1860. 2 Hefte 8. 

38) Aus Egypten. Von Ludw. Aug. Froull. AVien, typogr.-artist. An- 
stalt 1860, 355 S. gr. 8. (V/ 3 ty.) vgl. Bahr in Heidelb. Jahrbb. 1860 no.32 
p. 510 f. 

39) Egypte. Scenes de voyage en Orient. Dessinees d'apres nature par 
L. Zdboy. Texte explieatif par Alfr. de Kremer. Livr, 1. Wien, Gerold 
1850, 5 Bll. fol. (8 fy. 12 J&).\ 

39a) Egypt., Nubia and Ethiopia. lllustrated by 100 stereoseopic photo- 
graphs, taken by Fr. Früh. Witb deseriptive letter-press by Joseph Bonomi 
and Sa»). Tharpc. London Smith & Etehler 1861, 4. {£ 3. 3 sb.). 

40) W. ReÜ, Aegypten als Winteraufenthalt für Kranke. Zugleich ein 
Führer für Cairo u. Umgegend. Braunschweig, Westermann 1859. 8. (l 2 / s ^. ) 
Derselbe, Die Pyramiden- u. Todtenfclder Aegyptens, Westermann's lllustr. 
Monatsh. 1859 no. 28—30. 

41) Vorläufiger Bericht über meine zweite wissenschaftliche Reise nach 
Ägypten im Winter 1857—58. Xon II. Brugsch, ZdDmG. XIV. p. 1-14. 

42) Bulletino dell' instituto di corrispond. archeol. 1859 no. XI Nov. und 
1860 no. VI Juni). 



Go8t ' tberickt für 1859 bis L861. 273 

Vorbereitet durch das Studium der Sammlungen des Louvre, dann 
durch die besonders durch Auffindung der Apisgräber in Memphis 
belohnten Forschungen in Aegypten selbsl von 1850 bi 
während seines darauf folgendes Aufenthalts in Europa wieder die 
Sammlungen I auch in Berlin untersuchend, hat Mariette 

seil 1858 seinen bleibenden Aufenthall in Aegypten genommen und 
wird durch seine offiziell angeordneten glücklichen, auf Central- 
punktc des altätryptischon Lebens gerichteten Ausgrabungen da- in 
Bulaq beabsichtigte ägyptische Museum des Vicekönigs von Aegypten 
wahrscheinlich als da> erste der Welt ausführen. Eine sehr wich- 
tige Stelle nehmen darunter die Ausgrabungen in San, dem alten 
Tanis ein 43 ); daneben sind die von Abydos wichtig; in der Nähe 
der zweiten Pyramide ist ein Sphinxtempel mit einer Statue des 
Königs Cephris gefunden, welche vielleicht als das älteste ägyptische 
Sculpturwerk gelten kann; ebenso hat er dort den Granitpalast des 
Königs Chefren und sieben Statuen des Fürsten entdeckt, und An- 
deres, was er theils kurz in einein Sendschreiben an Vicomte de 
Rouge bespricht 43 . theils authentisch in dem mir in seinen Fort- 
setzungen seit 185 T nicht zu Gesicht gekommenen 'Serapeum' publi- 
ciert. Solche monumentale Funde werden natürlich sehr glücklich 
durch die Bekanntmachung des in europäischen Sammlungen bereits 
Vorhandenen ergänzt, in welcher Beziehung nach Lepsius' das Ber- 
liner Museum zugleich vertretendem reichem Prachtwerke besonders 
die bis zu einer zwanzigsten Lieferung vorgerückte Sammlung der 
ägyptischen Denkmäler iu Leyden zu nennen ist 44 ). Die Eng- 
länder haben diesmal weder zu der monumentalbeschreibenden, noch 
zu der eigentlichen Reiselitteratur etwas besonders Bemerkens- 
werthes geliefert ; nur der Vollständigkeit dieser bibliographischen 
Aufzählungen wegen seien die Reisebilder aus Aegypten und Syrien 
von Emily Beaufort^' ) genannt. 

Die zu grösserer Sicherheit und zugleich Vielseitigkeit vor- 
schreitende Hieroglyphenforschung bietet in geographischer wie ge- 
schichtlicher Beziehung durch die jetzt erst recht eigentlich fruchtbar 
werdende Verbindung mit der classischen Philologie, wenigstens für 



43) Mariette, Sur les fouilles de Tanis. Revue ai'chioL Nouv. ser. T. ."). 1 
.Paris 1861 gr. S.i p. 97 111. 

L3a Lettre . : i Mr. de Rouge* sur les resultata des fouilles entreprises par 
ordre du Viee-roi d'Egypte par Aiaj. Ed. Mariette. Paris 1860, 8. 

44) Aegyptische Monumenten van het Nederlandsch Museum van oudheden 
te Leijden , uitgegeven <>p last der Hooge Regeriag door C. Leemans i: 

20e Atl. (Ile afd. 12 en 13 afl.) Leijden, Brill 1859—1861 gr. fol. •_':'., fl.) 
(= Taf. 139-184). 

4. r >) Egyptian sepulchres and Syrian shrines, including some stay in the 
Lebanon at P.ilinyra and in Western Turkey, with illustrations in chromolitho- 
graphy and on wood, from Sketches by the author, and a map. By Emily A. 
ßeaufort. Vol. 1. 2. London L861, 886 S. 8. 

Jahresbericht 1S5U— lbul. l ° 



27-J Gosche, loüsenschaftl. Jahresbericht fto 1859 bis 186] 

die Zeiten der Berührung der antiken and der ägyptischen Cultur, 

i.i'ilciitcndere Resultate dar. Kin überall interessantes geschichtliches 
Phänomen ist die einfache Bezeichnung des Landes oder des Volkes 
in der eigenen oder den fremden Sprachen, und durch dieses In- 
teresse /leben die beiden Abhandlungen von Beinisch an, der den 
Namen Aegyptens bei den Nachbarn " ;) " und in der alten Sprache 
des Landes* 7 ) selbsl untersucht. Charakteristisch ist in ersterei 
Beziehung der mit ziemlicher Sicherheit nachgewiesene locale Aus- 
gang des im Semitischen und Altpersischen erscheinenden Namens 
Micraim u. s. w. von der nordöstlichen Grenzprovinz des Reichs, 
Ramessu: selbstverständlich suchen die ein/einen fremden Sprachen 
durch grössere oder geringere Umgestaltungen den herübergenom- 
menen Namen dem eigenen Wortvorrath zu assimilieren, so dass 
im Hebräischen Mäcör und Micraim einem verloren gegangenen, dem 
Aramäischen mecar „Grenze" entsprechenden Worte ähnlich klangen 
und den alten Perser in seinem reineren Glauben Mudräya viel- 
leicht an ein dem ostpersischen müthra „Schmutz" entsprechendes Wort 
erinnerte. Die lautlichen Schwierigkeiten, welche sich der Combi- 
nation des semitischen Namens mit dem ägyptischen entgegenstellen, 
werden von Reinisch nicht durch eine zufällige Umstellung oder 
Aenderung der Laute, sondern in gewissenhaft philologischer Weise 
gehoben. Unter den einheimischen Namen bietet der sehr alte 'Kam' 
wegen seiner unleugbaren Beziehung' zu dem genealogischen Re- 
präsentanten der dunkelfarbigen Südvölker in der althebräischen 
Auffassung das grösste Interesse; im officiellen Sprachgebrauch 
musste natürlich eine dreitausendjährige Geschichte manche Um- 
wandlungen hervorbringen. Für die Geographie des Landes, die 
in einer langen Inschriftenreihe sehr glücklich wenn auch natürlich 
an wichtigen Stellen bei dem gegenwärtigen Stande unserer For- 
schung und archäologischen Funde noch nicht durchaus sicher ver- 
ständlich bezeugt wird, hat Brugsch* 8 ) eine sehr bedeutende In- 



164<J S. Reinisch, Geber die Namen Aegyptens bei den Semiten u. Griechen. 
Eine historisch-etymol. Untersuchung. Aus d. Märzhefte d. J 185!' der Sitzungs- 
berichte der pkiloL-hist. Cl. der K. Ak. der Wiss. abgedr.) Wien, Gerold L859, 
37 s. 8. 5 ngr.) Vgl. A. v. <;. in Literar. Centralbl. 1859 no. 45 p. 710f. 
und Dhlemann Gott. gel. An/.. 1859 no. 206- 207 p. 2060f. 

47) £>. L. Reinisch, Ueber die Namen Aegyptens in der Pharaonenzeit u. 
die chronolog. Bestimmung der Aera des Königs Neilos. Aus d. Sitzungs- 
berichten der ph.-hist. Cl. dos K. Ak. d. W.) Wien. Gerold 1861, 40 S. 8. 
i. ngr. . Vgl. Lit. Centralbl. 1861 no. 29 p. 4=63 f. 5 Bahr in Heidelb. Jahrbb. 
1861 no. 28 p. -ll.'Si'. und Ublemann Gott. gel. Anz. 186] no. 36 p. L418f. 

1 Geo raphische Inschriften altaegyptischer Denkmäler gesammelt wäh- 
rend der auf Bi fehl Sr. Maj. des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preussen 
unternommenen Wissenschaft!, Reise in Aeg. erläutert u. herausgeg. von //. 
Brugsch. Bd. .*). Audi m. d. T. I >io (ii'd^iapliic der Aogypter nach den Denk- 
mälern :iu- den Zeiten der Ptolemäer u. Römer nebst einem Nachtrage zur 
Geogr. d< 1 alten Aegyptei nach 1 Denkmälern. Mit !7Tff,u. 1 Karte 



Gosche, wisaenschafil. Jahresbericht für lbü'J bi» 1861. i J 70 

Schriftensammlung an ernommen, welche nun mit einem dritten Bande 
in die durch Mitwirku ig griechisch-römischer Zeugnisse erkennbarere 
Zeit der Ptolemäer und der Römer hinabgeführt ist. Ein noch 
späteres Denkmal hat Parihey* 9 ) in der Auffassung Aegyptens 
des Geographen von Ravenna besprochen, in dessen Aufzeichnungen 
es sehr schwer ist, die Grenze des Betruges und der Unwissenheit 
zu ziehen. 

Weil unsicherer steht es mit der ägyptischen Chronologie 
trotz alles Materials und besonders trotz aller synchronistischen 
Berührungspunkte. Vor allem laden die Gleichzeitigkeiten der h. 

Schrift ein zu einer combinierenden Betrachtung, welche aber weit 
williger von der Schwierigkeit des Verständnisses altägyptischer 
Denkmäler als von der Unzulänglichkeit althebräischer Aufzeich- 
nungen zu leiden hat. Trotzdem liegt bereits wieder in England 
ein derartiger Versuch von Palmer 50 i vor. Die Hauptquelle für 
alle chronologische Fragen, Manethös, ist selbst nicht einmal sicher 
in seinem eigentlichen Princip erkannt. Es liegt sehr nahe, mannig- 
fachen Verdacht gegen diesen wichtigen Schriftsteller zu hegen. 
Er gehörte entschieden zur positiven Fortschrittspartei während 
des grossen Umschwungs, der sich unter den beiden ersten Ptole- 
mäern vollzog; obgleich Priester, suchte er deunoch den ererbten 
Cultus mit der neuen Zeit besonders durch den Serapis auszu- 
söhnen, und ihm lag es vorzugsweise nahe, die Ueberlieferungen 
der einheimischen Urkunden mit dem Griechenthum auszugleichen, 
lndess konnte dies Alles sein chronologisches System nur in sehr 
geringem Maasse treffen ; nur die wichtige Frage bleibt , ob er 
wirklich ein ihn in dem Materiellen der geschichtlichen Auffas- 
sung bestimmendes System habe, cyklisch oder durchaus geschicht- 
lich sei, eine folgenreiche Frage, deren Lösung durch den frag- 
mentarischen Charakter der uns erhaltenen Manethonischen Auf- 
zeichnungen ausserordentlich erschwert wird. Auf diesen Punkt 
gehen zuletzt die Untersuchungen von Kellner 51 ), Hincks 52 ), 



(u. vollst. Keg. zum ganzen Werke). Leipzig, Hinrichs 1860, XIII u. 125 S. 
4. (8* , # ; das ganze Werk 42 Sfy. ). 

49) Parthey, Aegypten beim Geographen von Ravenna, Abhh. der Kgl. 
Ak. der Wiss. zu Berlin aus d. J. 1858 (Berlin 1859, 4.) Philol.-hist. Cl. 
p. 115—148. 

50) William Palmer, Egyptian Chronicles, with a harmony of Sacred and 
Egyptian Chronology, and an Appendix of Babylonia-n and Assyriau Antiquitiet. 
Vol. 1. 2. London, Longman 1861, 1090 S. 8. (36 sta.j Vgl. Westm.-Eeview 
1861 T. 19 p. 567. 

51") De fragmentis Manethonianis , quae apud Josephum contra Apioneui 
I, 14 et I, 26 sunt. Dissert. inaug. scr. Willi. Kellner. Marburgi Cattorum 
1859, 63 S. 8. 

52) Journal of tlie As. ;Soc. ot Great Britaiu XV111. 2 (1861). 

18* 



276 ( ''" \aftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

r. Gfutschnrid 185s ), Junker bi ) und ReiniscJi 65 zurück. Der letztere 
suchl auf das bestimmteste die Annahme eines cyklischen Charak- 
ters der manethonischen Chronologie zu widerlegen, indem er die 
Umfangssumme von 3555 Jahren der ägyptischen Dynastieen bei 
Syncellus als eine acht manethonische zu erweisen sucht. Wenn 
man aber an Lepsius 56 ) überaus scharfsinnigen Darlegungen (iber 
die Begegnungen der ägyptischen u\u\ griechisch-römischen Chrono- 
logie die erheblichsten Schwierigkeiten in geschichtlich heller Zeil 
gewahrt, so werden unsere Hoffnungen auf eine sichere Wieder- 
herstellung des Geschichtsskelettes (denn das ist die Chronologie), 
sehr herabgestimmt. 

Doch wurde das noch ein durch das concreto Fleisch des 
geschichtlichen Organismus; insoweit er sich lebensvoll dein betrach- 
tenden Auge darstellt, einigermassen ersetzter Nachtheil sein ; aber 
die ägyptische Geschichte ermangelt jetzt noch für unsere Er- 
kenntniss dieses substantiellen Lebens. Wenn man jetzt den dritten 
und vierten Band der englischen Ausgabe von Bunseits 57 ) Aegyp- 
ten, deren beide ersten Bände bereits 1854 erschienen waren und 
die sicher von der fortschreitenden Aegyptologie begünstigt wurden, 
überblickt: so ist man erstaunt über den Mangel an concretem 
Leben im ägyptischen Alterthum. Dieser Mangel tritt nicht allein 
in der sehr praktischen Uebersicht von Skarpe 58 ), welche wir in 
erneuter deutscher Ausgabe erhalten, hervor, sondern auch in dem 
in monumentaler Rücksicht tiefer eindringenden Werke von Brugsch 59 ), 



1653) Ist Manethos Zeitrechnung cyklisch oder rein historisch? VonA.vön 
Grutschmid, Rhein. Mus. f. Piniol. 1859, XIV Heft 2 p. 235—260. (Nachtr. 
zu XIII. p. 491.) 

54) P. J. Junker, Untersuchungen über die ägyptischen Sotbisperioden, 
chronologische Tafeln derselben in Verbindung mit den Jahren der gebräuch- 
lichsten Acren u. aegyptisch -julianischer Kalender verschiedener Zeiten der 
Sothisperiode II. Leipzig, Dyk 1859, IV u. 44 S. 8. (16 J§k) 

55) S. Leo ReiniscJi, Zur Chronologie der alten Aegypter, Z. d. DmG. 
XV (1861) p. 251—271. 

56) R. Lepsius, lieber einige Berührungen der ägypt. , griech. und röm. 
Chronologie, Abhh. d. K. Ak. der Wiss. zu Berlin. A. d. J. 1859. (Berlin 
1860, 4.) Piniol, u. bist. Abhh. p. 1 - 83. 

57) Egypts place in universal history. An historical investigatiou in live 
books. By C'/irn. C. J. Bimsen. Translated from the German by Charles 
IL Cottrell. Vol. III— IV. London 1859— 60. 8. Vergl. Edinburgh Review 
1862 Jury p. 80f. Quarterly Review 1859 T. 105 p.382 421 und Dublin Re- 

18G0 T. 47 p. 501 f. 

58) Sam. Sharpe, The history of-Egypt from tlie earliest times tili the 
conquest by the Arabs A. 1). 640. 4th edition. Vol. 1. 2. London 1860. 8. 

59) H. Brugsch, Histoire d'Egypte f des Les premiers temps de son eastence 
jusqu'ä nos jours. Pn-micrc partie. L'Egypte sous les rois indigenes. Leipzig, 
Hinrichs 1859, 293 8. 1. m. 14 Taff. (8^.) vgl. A. v. G. in Literar. Centralbl. 
1861 "". 4 p. 51 f.: Bumüller in Tübinger theolog. Quartalschrift 1862 p. 487 
— 524 und das Ausland 1860 no. 16 — 18. 



Gosche, i-i enschaftl. Jahn ■'•'/• 1859 bü L861. 277 

in dessen bis jetzt erschienenem, die eigentlich nationale Pharaonen- 
zeit umfassendem Bande der Verfasser theila aas besonderer Nei- 
gung für seinen Gegenstand, theila bei seiner Beherrschung des 
Quellenmaterials nicht versäuml haben würde, die individuelle Grösse 
in den geschichtlichen Phasen des ägyptischen Lebens hervorzu- 
heben, wenn er sie hätte linden können. Indessen lassen die all- 
gemeinem anerkannten Berührungen mit den Nachbarvölkern eine 
solche dennoch erkennen oder wenigstens voraussetzen, und wenn 
Trottet^ und Foulkes Jones 61 ) von religiös-biblischen, bedeu- 
tender RawUnson ''•-) aus den Keilschritten von vorderasiatischen 
Zusammenhängen zu reden haben: so werden sich voraussichtlich 
nach und nach diese allgemeinen und vereinzelten Momente mehren 
und substantieren. Höchst auffallend ist die Vergessenheit , welche 
den Nachruf des ägyptischen Reichs umfangen hat, und kaum ist 
durch die Kopten irgend ein Moment achter Ueberlieferung in die 
christlichen oder muhammedanischen Darstellungen übergegangen, 
wie man für die Araber aus 1 1 ustenfi Ms G3 ) Mittbeilungen lernen kann. 
Eine Reibe einzelner Punkte der ägyptischen Gescbicbte ist 
meist glücklich untersucht worden. Knötel 6i ) macht seine Dar- 
stellung des Cheops zur Grundlage einer neuen aber wieder unhalt- 
baren Chronologie ; von höherer Bedeutung soll Taylors eb ) Unter- 
suchung über den Erbauer der grossen Pyramide sein; fein- und 
scharfsinnig, wie immer, bandelt Vicomte de Botige G(i ) über das 
brichst bedeutsame Denkmal Tutmcs III., dem auch Birck 66 *) eine 
kürzere Betrachtung gewidmet hat. Wir treten damit in die grosse 
Epoche, welcher das für Aegypten nach der Dürftigkeit der monu- 



60) Los anciens Egyptiens. L'Egypte sous lc rapporf religieux. Par Trot- 
tet, Nouvelle revue de theologie. Vol. VIII (1861) Livr. 2—3. 

61) Egypt in its bililic.nl relations and moral aspect. By J. Foulkes 
Jones. London, Smith & Kider 1860. 8. vgl. Westm.-Review 1861 T. 19 
p. 530. 

62) IUustrations of Egyptian History and Chronology, from the euneiform 
inscriptions. By H. ('. RawUnson, Transactions of the Royal Soc. of Lit. 
2nd series. Vol. VII. Part. 1 (1861) p. 137—168. 

63) Ferd. Wüstenfeld, Die älteste Aegyptische Geschichte nach den 
Zauber- und Wundererzählungen der Araber, Orient und Occident von Th. Ben- 
i'ey 1861 p. 326—310. 

64) A. Knötel, Cheops der Pyramidenbauer u. seine Nachfolger. Noch- 
malige, gründliche u. allseitige Erörterung der Fragen: was es mit dem Ein- 
falle der Hirten in Aegypten, dem Pyramidenbau, der Glaubwürdigkeit Mane- 
tho's u. s. w. für eine Bewandniss habe. Leipzig, Dyk 1861, X. u. 130 S. 
8. (27 Jfy) vgl. Ewald in Jahrb. f. Bibl. Wiss. Xi 1860; p. 188. 

65) ./. Taylor, The great pyramid : why was it built and who built it ? 
London 1859, 8. 

66) de Rong<'\ Etüde sur divers monuments du regne de Toutmes III de- 
couveTts k Thebes par M. Mariette, Revue archeol. Nouv. ser. T. 111, 2 Paris 
1861 gr. 8.) p. 196 -222 und 311 372. 

66a On a Historical Table! on the Reign of Thothmes III, recenfly disco- 
vered at Thebes. By Sam. Birch, Archaeologia published by the Soc. of An- 
tiquaries of London, Vol. XXXVIII (London 1860, 4.) p. 373-388, mit 1 
lithogr. Taf. 



278 Gosche, ioissenscTuj,ftl. Jahresbericht für L859 bis 1861. 

mentalen Zeugnisse zu artheilen ziemlich irrelevante, für die Be- 
festigung der israelitischen Nationalität und ihrer Weltstellung 
folgenreiche Ereigniss des Exodus angehört. Die hier einschlagende 
Hyksos-r Frage, deren Dunkelheit bei ihrer Wichtigkeit um so 
schmerzlicher zu beklagen ist, hat Aussiclit durch Erweiterung und 
Sicherung der monumentalen Kenntniss gelöst zu werden, in welcher 
Beziehung Deoiria 1667 ) höchst dankenswerthe Beiträge liefert. Es 
ist nicht unwahrscheinlich , dass aus Inschriften von Privatleuten, 
wie Votivinschriften, noch manches Datum werde gewonnen werden. 
Auf Grund der bisher aufgefundenen Zeugnisse glaubt Schein hzer 68 ) 
den zweiten Einfall der Hyksos unter Amenophis, den letzten König 
der 18ten Dynastie, setzen zu können. Das emsigste Suchen nach 
Spuren von israelitischen Namen ist nicht von entsprechendem Er- 
folg begleitet gewesen ; um so beachtenswerter ist Hmcks' 6n ) 
Nachweis der Wahrscheinlichkeit, dass der Name Issakhar auf 
ägyptischen Denkmälern vorkomme; ebenfalls nur wahrscheinlich 
ist BircKs 70 ) ungefähre Datierung des interessanten Denkmals aus 
Beni Hassau bei Lepsius Abth. II. Bl. 122, das aus Josephs Zeit 
herrühren kann. Sicherer wird die Forschung für Shishaq's Zeit, 
dessen Zug gegen Juda Blau 11 ) scharfsinnig erläutert, An die erste 
durch das Eindringen griechischer Volkselemente charakterisierte Wen- 
dung rles Aegyptischen gemahnt Psemetek's I., des gewöhnlich Psam- 
metich genannten Königs Name, dessen für ägyptische Kunst und 
Cnltur bedeutsame Regierung schon um der merkwürdigen altgrie- 
chischen Inschrift von Abusimbel willen eine gesonderte Darstellung 
verdiente. Ottema 11 *) hat nur seine Grabsehrift behandelt um 
darauf nicht ganz begründete Folgerungen für biblische Chronologie 
zu bauen. Die Blütezeit des eigentlichen Pharaonenreichs hat in einem 
Roman Lhlemann 72 dargestellt, vielleicht weil Jas von ihm befolgte 



1667) Deveria, Sur quelques monuments relatifs aux Hyqsos, Revue archeol. 
Nuuv. ser. T. III, 2 (Pari:, 1861 gr. 8.) p. 249—261. 

68) Ueber die Zeit des zweiten Einfalls der Hyksos in Aegvpten. Von 
Aug. Sche.uchzer, Z. d. DmG. XIV (1860) p. 640-648. 

69) On the grounds for supposing that the name of the tribe of Issachar 
oecurs in Egyptian iuscriptions. By the Rev, Edw. Hincks (read before Ibe 
Royal Irish Academy, on Monday, June. 27, 1859; and extracted froni the Na- 
tural History Review and Quarterly Journal of Science for Oct. 1859.) 8. 

70) Sam. Birch, Ueber eine merkwürdige Hieroglypheninschrift vermuth- 
lich aus der Zeit Josephs, Deutsche Vierteljahrsschrift für englisch-theol. For- 
schung von M Heidenheim IL (Gotha, F. A. Perthes 1861, 8.) p. 227- 247. 
Zu Grunde liegt die im Bericht für 1857—58 no. 15dl (Z. DmG. XVII p. 
189) erwähnte englische Abhandlung. 

71 ) O. Blau, Sisaqs Zug gegen Juda aus dem Denkmal bei Karnak er- 
läutert (nebst einem Operationsplan), Z. d. DmG. XV (1861) p. 233—250. 

7!a) Opschrift der Grafzuil van Psamtik, in hei Museum te Plorenca. Bij- 
drage tot de Chronologie der babylonische Ballingschap. Door Dr. J. Gr. Ott&ma. 
Leeuwarden. Suringar J *:">!>, '2'.l S. S. 

72) M. Uhlemann . Der letzte der Ramessiden . oder vor drei Jahrtau- 
senden. Ein eulturhistor. Roman. Leipzig, 0. Wigaud L860, IV. u. .124 S 
8. (l l / 8 ^. ) Vergl. Westm.-Review 1861 T. 19 p. 3C2. 



Gosche, wigsenschafH 59 bis L861. 279 

System keine Aussicht auf wissenschaftliche Verwendung zu bieten 
schien; doch sollte fuglich grade dieso vielfach angezweifelte ägyptische 
Wissenschafi solch Vermischen der Forschung und «I<t Poeterei 
vermeiden. Auch bedarf die wissenschaftliche Darstellung ähnlichen 
Schmucks gar nicht, wie Parthey's ■•'• schöne Abhandlung über Ptole- 
maeus Lagi zeigt, die in ihrer knappen Eleganz seltsam von der 
langweiligen Unnahbarkeit, womil sich deutsche akademische Ab- 
handlungen nicht selten zieren, auch zum Vortheil wissenschaftlicher 
Klarheit absticht. 

I>a^> diese geschichtlichen Forschungen immer methodischer 
werden und in ihren Ergebnissen an Sicherheit gewinnen, hat seinen 
natürlichen Grund in der Consolidierung der ägyptischen Philo- 
logie im engeren Sinne. Die hieroglyphische Wissenschaft 
hört allmählich auf. ein Gegenstand des Spottes für die classischen 
Philologen zu sein und fordert vielmehr ihre Bewunderung heraus, 
Bei es für den siegreichen Fortschritt ihrer Entzifferungen, sei es 
für die Eigenthümljchkeit ihrer Resultate. Nachdem demgemäss 
/iierst in Berlin ein Lehrstuhl für Aegyptologie gegründet worden 
war, dessen hoffentlich glänzende Geschichte durch Lepsius' Namen 
inauguriert i-t, hat Frankreich nun auch in Vicomte de UougS 
der nach einer für die Lehrinstitute anderer Länder sehr empfehlens- 
werthen Sitte dem besonderen Gegenstande seines Cursus durch 
einen im Druck veröffentlichten Einleitungsvortrag die entsprechende 
stelle im System und in der Entwicklung der Wissenschaften über- 
haupt anweist, einen besonderen Vertreter dieses Faches als eines 
officiell anerkannten am College de France gewonnen, und es wird 
nicht fehlen, dass eine solche Beglaubigung des wesentlich Cham- 
pollion'schen Systems an zwei Bauptstellen der europäischen Wissen- 
schaft die nöthige Einheit der Methode herbeiführen und den immer 
noch ziemlich zahlreichen unwissenschaftlichen Einfällen wehren 
wird. Auf demselben allein gültigen Standpunkte steht auch Skarpe 7 *), 
und es kann nur die Bedeutung einer geschichtlichen Rückerinnerung 
haben, wenn /.< Pagi Eenouf 15 ) über Seyffarth's und Uhlemann's 
unsystematisches System handelt. Der Fleiss, den der letztere an 
die Lehre von der Bildung der ägyptischen Eigennamen setzt T,i ), 
lässt die Befangenheit derselben in einer principielleu Vcrirrung 



T.'ii G Parthey, Ptolemaeus Lagi, der Gründer der 32. ägypt. Dynastie. 
Au« d. Abbh. der kgl. Ak. d. Wiss. in Berlin. Berlin, Dümmler 1860, 18 S. 
4 8 A, 

73a Moniteur 1860, 'J Mai. 

T-l > Egyptian Hieroglyphics ; bei empt to ezplain rlieir nature, ori- 

gin, and meaning. With a vocabulary. By Samuel Bharpe. London. Moxon 
and Co., 1861, X n. ;il s. und 36 lithogr. Taff. 8. I0\' a sh. 

75) Seyffarth and Uhleman on Egyptian Hieroglyphics By P. Le Page 
Renouf, Atlantis 1859 Jan. l. p. 71 -97. 

76 Max Uhlemann, Deber die Bildung der altägyptischer Eigennamen, 
Ans dem Maihefte des J. 1850 der Sitzungsberichte der ph.-hist. Cl. der K. 
Ak. der Wiss.). Wien. Gerold 1859, 20 S. 8. Vgl. Uhlemann Gott. gel. Anz. 
1*60 no 24 p. 235 f. 



<;, ch - enschaßl. Jahresbericht für L859 bis 1861. 

zwiefach bedauern. Eine graphisch-lexikalische Sperialität behandelt 
Ckaba8 ielT ) ; die Auslegung wird de Rougia 7S Ausgabe desTodten- 
buch'es, welche in fünl Lieferungen vollendet sein soll, grade neben 
Lepsius' Publication fördern and macht den Wunsch nach einer 
Variantensammlung rege, welche auf diesem Gebiete eine höhere. 
Bedeutung hat als in allen anderen Philologien. Glücklich be- 
gleitel de Rouge 1679 ) seine Ausgabe mit Studien; auch Lc Pogt 
Renouf* ) übersetzt daraus ein Capitel, vielleicht dasselbe wie dae 
in der Atlantis behandelte 803 ). Zur Orientierung in der hiera- 
tis chenGruppe der altägyptisGhen Wissenschaft dient trefflich der 
schöne Aufsatz von Goodwin* 1 ), welcher die ihm zu Theil ge- 
wordene französische Uebersetzung vollkommen verdienl hat. Den 
wichtigen Papyrus-Harris hat Ckabos Si mit gewohntem Scharfsinn 
behandelt. Der Inhalt aller dieser Denkmäler erscheint nur für 
die engen Kreise des nationalen, bisweilen sogar nur Ihr die noch 
engeren des Kasten- und Familienlebens bedeutend und interessant; 
daher vermag auch Carriere's 83 ) Versuch, die nicht einmal genügend 
beglaubigte Poesie der alten Aegypter in den allgemeinen Ent- 
wicklungsgang der Menschheit einzureihen, nicht im Entferntes 
zu befriedigen. Das allgemeine ideale Interess 3 tritt vor dem sjm- 
citiscb sachlichen hier überall in den Hintergrund, uud daher sind 
Untersuchungen, wie die von Brugsch**) über Astronomisches, von 
Jtt(/as s6 ) über den gradezu als berüchtigt zu bezeichnenden Thier- 



1677) Chabas, Le cedre dans les hieroglyphes, Revue archeol. Vouv. ><t. 
T. III, 2 (Paris 1861 gr. X. p. .17—51. 

78) Rituel funeraire Urs anciens Egyptiens, texte omplei en Scriture l.i>'- 
ratique, publie d'apres les papyrus du Musee du Louvre .'t precede d'une intro- 
duetion, par lc. Vicointe Emmanuel de Ttougi. Livr. ! — 2. Paris 1861, 
gr. fol. (ä. 25 fr.) Vgl. Zündel in Beidelb. Jahrbb. Jahrg. 59 Heft '.1 (1866 

Sept. p. n 1 1 r, 17. 

1679) Emm. de Mougi, Etudessurle rituel funeraire des anciens Egyptiens. 
Paris 1860, 83 S. 8. (m. 3 Tff.) 

80) Traduction d'un chapitre du rituel funeraire es anciens Egyptiens. 
Lettre address^e ä Mr. lc professeur Merkel. Par 1'. Le Page Renouf. (lith.) 
Aschaffenbourg 1860, 8. m. 2 Taff. m. Hiei 

80a) Hieföglyphic studies ik.. I. By P. Le P. Renouf , Atlantis L859 July 
(IV.) P . 333-378. 

81) Goodwin, Sur les papyrus hieratiques, Revu« Arch£ol. Nouv, ser. 'I'. 
III, 2. (Paris L861 gr. 8) p. L19 — 137. vgl. Bericht ür 1857 58 no. 1500 

Le papyrus magique Harris. Traduction anal;, ique et comment^e d'un 
ms. egyptien comprenant le texte hieratique publik pour la premiere fois, un 
tableau phonetique ei un glossaire. Par J . Chabas. Chälons-sur-Sa6ne 1860, 
VI u. 250 S. fol. 40 fr.) vgl. Bündel in Heidelb. Jahrbb. 1862 Mai p. 365f 
und Journ. des Sav. 1861 p. 122. 

83) Die Poesie der alten Aegypter, von M. Carriere, Deutsches Museum 
von Pnitz 1861 no. 40-41. 

84) Ueber ein neu entdecktes astronomisches Denkmal aus der thebanischen 
Nekropolis. Von //. Brugsch, '/.. d. 1 >ui<J . XIV p. 15 28. 

85) Memoire sur le Zodiaque de Dendera ei sur 1' mne" • egyptienne : expli- 
cation d'une partie de la mythologie grecque et latine par les allegories astro- 
graphiques des Egyptiens. Par A.-C. Judas. Paris, Fr. Klincksieck 1859, 2<>S 
8. 8. m. 1 Tf. (6 fr.) 



•. wisaenschaftl. Jähret Bericht für l s f>'.i bis 1861. 281 

kreis von Dendera and das ägyptische Jahr, von Birck 88 ) Qher 
die statistische Tafel von Karnah and von Ohabas 81 ) über das 
ägyptische Gewichl immer Bachgemässer and willkommener. 

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Untersuchungen der 
Aegyptologen sich fast ausschliesslich der alten nationalen Zeit des 
Pharaonenreichs auch in sprachlicher and epigraphischer Beziehung 
zuwenden; gleichwohl ist es ebenso anziehend als lehrreich, den 
Uebergang in die neuen Epochen zu erkennen. Hier isl aber eine 
empfindliche Lücke der Forschung zu bezeichnen: der Verfall in 
der Etömerzeit, die Genesis der koptischen Sprachstufe ist noch 
nicht vollkommen ermittelt. Wenn Ewald 88 ) das koptische Ver- 
bum zum Gegenstande einer combinationsreichen Untersuchung macht, 
so nimmt er, entsprechend dem weiten Horizonte seines sprachlichen 
Wissens und seiner universellen Culturanschauung , seinen Stand- 
punkt in der Linguistik, nicht aber, was wir im Interesse der be- 
sonderen Wissenschaft herbeiwünschen, in der Aegyptologie. Speziel- 
leren Interessen kommt Busck's 89 ) beachtenswerthe Abhandlung 
über koptische Präpositionen und Partikeln entgegen. Für die kop- 
tische Litteratur dagegen ist gar nichts geschehen, was um so mehr 
zu beklagen ist, als vorausgesetzt werden kann, dass in den Le- 
genden der ägyptischen Kirche analog den oeeidentälischen Cultur- 
erscheinungen zahlreiche Momente heidnisch-volksthümlicher Ueber- 
lieferung erhalten sein werden. 

Das neue Aegypten ist von einem etw r as selbständig gearteten 
Islam ergriffen, in welchem nicht allein die eigentümlichen cha- 
mitischen Elemente des Landes, sondern auch die des besonderen 
christlichen Kirchenthums und geschichtliche Zufälligkeiten zu ihrem 
Rechte gekommen sein könnten. Diesen Islam in den Erscheinungen 
des öffentlichen und Privatlebens mit grösster Sorgfalt dargestellt 
zu haben, ist Laues '- anerkanntes Verdienst, und wir freuen uns, 
dass -ein grundlegendes Werk in einer neuen höchst geschmackvollen 
Ausgabe wieder allgemeiner zugänglich geworden ist. Au der Zer- 
störung dieses Islams aber wird anaufhaltsam der grosse inter- 



■ 86) Observations on the newly-discovered Fragments of the Statistical fablet 
of Karnak. Bv Samuel Birch, Transactions of the Royal Soc. of Lit. 2nd 
Series. Vol. VII. Part. 1 (1860 p. 50- 70. 

v -7 Chdbas, Sur im poids 6gyptien, Revue archeol. Nouv. ser. T. 3, 1 
Paris L861 gr. 8. p. 1 l? — 17. 

88 //. Etoald, Ueber den bau dt r tbatwörter im koptischen , Abhh. der 
kgl. Gesellsch. der Miss, zu Göttingen Bd '.* L860). Auch bes. gedruckt m. 
il T .- Sprachwissenschaftliche Abhandlungen I. Göttingen, Dietrich 1861. gr. 4: 
(20 Jßii) vgl. Steinthal in Zeitschr. für Völkerpsychol. u. Sprach«-. II (1861) 
p. 378- 391. 

89) (7. .1. Busch, Specimen doctrinae de Copticae linguae praepositionibus 
ae particulis. Dissert. inaug. Berolini, A. W. Schade 1 > f>'. • . 28 S. 8. 

90j l'.dn-, William Lame, An aecount of the manners and customs of 
the modern Egyptians. :"'tli ed. with numerous additions etc. Edited by bis 
nephew Ed. Stanley Poole, London, Murray L861, G3<> S. 8. (18 sh.; anti- 
quarisch by Quaritsch 7 1 2 sh.) 



2^2 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht fm L859 Ms L861. 

nationale Verkehr mitarbeiten, unter dessen Stationen Suez eini 
bedeutende Stelle wiedereinzunehmen begonnen hat, so dassin commer- 

cieller Beziehung die grossartigsten Epochen des mnhammedanischen 
.Mittelalters zurückzukehren scheinen. Die Eisenbahn, welche Beü 
Ende des Jahres 1858 diesen Nordhafen des Rothen Meeres mil 

Qähirah verbindet und die langwierige Poststrasse der Wüste über- 
tiüssig macht, wird in einigen Jahren vielleicht wieder durch den 
grossen Suez-Kanal paralysiert sein und diese Aussicht auf grosse 
Erfolge mag Mellets l691 ) und Szarvardy's 92 ) Darstellungen erklären. 
Wie mächtig sich die alte Handelsstadt gehoben hat. kann Daeat/'s") 
Skizze zeigen, und in der Culturgeschichte des modernen Aegyptens, 
welche Delatre iJi ) bis zum J. 1*58 zu schildern fortfährt, wird 
dieser Welthandelsplatz eine ausserordentliche, deren gegenwärtig 
herrschendem Religio nsprincip sehr wahrscheinlich gefährliche Stelle 
einnehmen. 

Wir steigen hinauf zu den oberen Nill ä n d e r n , deren cultur- 
geschiehtlich bedeutsamer Hauptstrom gegenwärtig, nachdem das 
geographische Gewissen der letzten Jahrhunderte sich sehr bequem 
beruhigt hatte, eines der am heftigsten discutierten und am an- 
dauerndsten erforschten Probleme der Erdkunde überhaupt ge- 
worden ist. Der unermüdliche Beke 9b ) hat eine neue Erörterung 
der Nilquellenfrage augestellt, zu welcher er, da eine Entscheidung 
ohne genaue Einsicht in das ganze hydrographische und orographische 
System eines mächtigen Ländergebiets nicht möglich ist. eine Ab- 
handlung über die Gebirge an der Ostseite des Bassins hinzugefügt 
hat 95a ). Mit dem ihm eigenen Geschick formuliert Viwen de 
Saint-Marfni nG ) für die nach den Nilquellen Suchenden eine Reihe 
von Momenten und auch Jbmard 97 ) ertheilt die sachkundigsten 
Rathschläge. Bei aller Anerkennung der Bedeutung der grossen 



1691) Etüde dos Isthmes de Suez et de Panama, ßeduetion au qaart du 
temps et des depenses de leur ouverture. Par F. N. Mellet. Trois parties. 
Paris, Libr. notiv. 1859, XII u. 152 S 8. Cd fr.) 

92) F. Szarvady , l>or Suezkanal. Mit 2 Karten. Leipzig, Brockhaus 
1859, XI u. 200 S. s. (16 J§r.) vgl. Petermann's Geogr. Mitth. L859 p. 83. 

93) Gr. F. Dassy . Notes on Smis and its trade with the ports et' the 
Kead Sea. 'With tahles et' exports and imports . . . for the firsf six months of 
1859. Constantinople 1859, 8. 

94) L'Egypte en 1858, par Louis Delatrc, Revue de l'Orient 1859, LX 
P . 9—25. 

95. The Sources of the Nile: being A General Survey of the basin of 
that river. and of its head-streams ; with the history of Nilotic discovery. By 
Charles '/'. Beke. London, Madden 1860, XIX n. 155 S. gr. 8. m. 1 Karte. 
vgl. Edinburgh Review 1860, 112 ]». 295 f. 

95a" 1 On the mountains forming the eastern side et' the hasin of the Nile. 
By CH. '/' Beke, Edinburgh New Philos. .Journal 1861 (Oct.) p. 240—254. 

'.tlil Vivien de Saint-Martim, La recherc! e des sources du Nil. Bulletin 
de la Soe. de Geogr. IVe Ser. 1859, XVII. p. 245. 

;t7'> Joinard. Sur la neuvelle directum ä donner a la recherche des sources 
du XU [Extrait d'une lettre , Bulletin de la Soe. de Geogr. IVe Ser. L859, 

xvii p. 296. 



Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 18<ol . 283 

Seen, welch«' genauere Kenner des Ptolemäus und der arabischen 
(icDüTaplicn, wie des Ki Inardo Lopez and des Pigafetta schon längst 
in Wirklichkeil hätten aufsuchen können, bebalten der blaue und 
der weisse Nil immer noch als wichtige Mittelglieder eine ausser- 
ordentliche Bedeutung; um so beachtenswerter sind Kotschy , 8 9i ) 
und besonders Petkerick's") Mittheilungen über den weissen Nil 
Auf ganz sicherem Boden bewegt sich die Nilforschung in Aethi- 
opien oder Abessinien. Ein durch nur sehr massige Erfolge 
belohntes Missionsinteresse fuhrt englische Reisende häufiger hierher: 
so erhallen wir ein Journal von dem Missionar Flad 1 " 100 ) und von 
Hutchinson l ) die Zusammenstellung zehnjähriger Ueobachtnngen. 
Unter den Franzosen ragen Tremaux 2 ) und dPAbbadie 3 ) hervor; 
erstem* setzt seine Sudanreise fort; der andere handelt über die 
Negerrace des Landes, wie er denn auch 4 ) eine Geodäsie desselben 
begonnen hat, Sapeto 5 ) linden wir bei den Mensa, Bogos und Ha- 
bab, welche den Zusammenhang zugleich auch Nubiens mit der 
Küstenwelt bezeichnen ; insbesondere macht Munzinger 5a J eultur- 
geschichtliche Mittheilungen über die Bogos. Ausserdem haben 
inbcn den katholischen Missionsstationen am obernNil 6 ) v. Beur- 



98 Theod. Kotschy, Umrisse aus den Uferländern des Weissen Nil, mit 
1 Karte. Mitth. der k. k. Geogr. Gesellsch. Jahrg. II, Heft 1. 

W) John Petherick's Reisen am weissen Nil. 1. Die Hassanjeh-Araber ; 
2. Kordofan ; 3. Elfenbeinhandel am weissen Nil. Ausland 1861 no. 22 — 24. 
vgl. weiterhin no. 1782. 

1700) Notes from the Journal of F. M. Find, one of Bishop Gobat's pil- 
griin missionaries in Abyssinia. Bdited, with a brief sketch of the Abyssinian 
Church, by the Kev. W. Douglas Veitch. London. Nisbet & C. 186Ö, IV u. 
88 8. gr. 12. m. 1 Titelk. (cloth 2 1 2 sh.) 

1) Ten years' wandrings among the Ethiopians; with Sketches of the man- 
ners and customs of the eivilised and uneivilised tiibes from Senegal to Ga- 
boon. 15y Th. Hutchinson. London 1861, 350 S. 8. (16 sh.) 

"_' Voyages an Soudan oriental, dans l'Afrique septentrionale et dans l'Asie 
mineure, executes de 1847 — 54 ete. Par P. Trimaux. Livr. 21 — 3L Paris, 
Borvani et Droz 1858—61. fol. (die Lief. 10 fr.) 

3) A. d'Ahhadie, Notes sur les negres de l'Ethiopie, Bulletin de la Soe. 
de Geogr. IVe Ser. 1859, XVII p. 170. 

4) Geodesie d'une partie de la Haute Ethiopie, par Antoine d'Ahhadie \ 
revue et redigee par R. Radau. Fase. 1. 2. Paris L860 1 — 360 S. gr. 4. 

5 Viaggio e missione cattolica fra i MensS i Bogos e gli Habab , con im 
cenno geografieo e storico dell' Abissinia; di Griuseppe Sapeto. Borna, tipi 
della 8. Congreg. di prop. fide 1857, XXXIX u 528 S. 8, vgl. Ewald in Gott, 
gel. Anz."1862 no. 13 p. 4SI f. und: Giu8eppe Sapeto' S Reisen in den Län- 
dern der Mensa. Bogos und Habab, Petermann's geogr. Mitth. 1861 p. 299 f. 

5a) Ueber die Sitten und das Recht der Bogos. Von W. Munzinger. 
(Mittheilungen schweizerischer Reisender. Heft 1. Winterthur , Wurster & Co. 
1859. gr. 8. (herabges. Preis 24 J/yn) 

6) Physikalisch-geographische Beobachtungen am Oberen Nil. Petermann's 
geogr. Mitth. 1859 p. 3U5 f. 



234 '■ ■'■ toissenschaftl Jahresbericht für 1859 bis 1861 

wann* 707 ), v. Harnier s ), ffartmann 9 ) and Kaufmann 10 unsere 
Kenntniss Nuhiens, des oberen Nil bis Chartum and der Anwohner 
des weissen Flusses erheblich theils in geographischem, theils in 
ethnographischem Sinne erweitert. L/le 11 ) schildert Behr lebendig 
nach den Ergebnissen der jüngsten Reisen Nubien und Abessinien; 
Löwenherz 12 ) greift zurück in die alte Kunstgeschichte, in welcher 
die Aethiopen bei der Vieldeutigkeit dieses Namens eine unbestimm- 
bare Geltung haben; indess der mit seiner fürstlichen Gewalt co- 
guettierende und zu europäischen Parallelen einladende König Theo- 
dorus das Interesse der Missionen in schmerzlichster Weise erregt l8 ). 
Bei solcher Steigerung des geographisch-ethnographischen In- 
teresses tili- die Nilquellländer blieb die Beschäftigung mit äthio- 
pischer Sprache und Litt erat ur nicht zurück. Unter den 
Anregungen Ewalds, aus dessen Schule der classische Träger der 
äthiopischen Philologie in der Gegenwart hervorgegangen i-t . ent- 
stand Schrader's n ) tüchtige Preisschrift über die Verwandtschaft 
des Aethiopischen zu den andern semitischen Dialekten, welch..' 
Schrift um so schätzbarer ist, als sie eine sichere Grundlage zur 
Herbeiführung eines Urtheils über das Prioritätsverhältniss ara- 
bischer und äthiopischer Formenbildungen zu einander kann herbei- 
führen helfen und als der zweite detaillierende Thcil von Kenan's 
'Histoire generale des langues semitiques' leider vor epochemachen- 
deren Arbeiten des Verfassers noch zurückstehen muss. Einen 
tieferen Einblick in die äthiopische Litteratur gestattet A. ä*Ab- 
badie's 15 ) Verzeichniss seiner schönen Handschriftensammlung; 



7) v. Beurmanris Reisen in Nubien u. im aegyptisehen Sudan. Vorläu- 
figer Bericht. Petermaim's geogr. Mitth. 186t p. 369 f. 

8) Willi, r. ffarnier's Reise am Nil, von Assuan bis Chartum u. !;■■-. i- 
res. Notizen gesammelt auf einer neunmonatlichen Wanderung im J. 1859, 
Petermann's geogr. Mitth. 18G1 p. 129 f. 

9) Die katholischen Missionen und der Menschenhandel am weissen Flusse. 
Von R. ffartmann, Zeitschr. f. allg. Erdk. N. F. 1861, XI Heft 6. 

10) Das Gebiet des Weissen Flusses and dessen Bewohner. Von A.Kauf- 
mann. Mit 1 Karte. Brixen (Innsbruck, Bauch 1861, 208 S. 12. (15 

vgl. Lit. Centralbl. 1862 no. 14 p. 212 f. 

11) O. Ule, Nubien und Abbessinien: 1. Chartum I. II.; 2. dieBewohner 
Nubiens I. II. III; 3. der Nil dir Alten I. IL; 4. das Mondgebirge der Alten ; 
5. das abessinische Hochland I. IL; die Natur, herausgeg. v. Ule u. K, Müller 
18(31 no. 15, 17—19. 21—23, 37—38. 

12) Die Aethiopen der altclassischen Kunst. Von 11 Löwenherz. Göt- 
tingen L861, 68 S. gr. 8. (10 Jfy) vgl. Lit. Centralbl. 1862 im. 9 p . 1 f> 7 . 

13) Kaiser Theodor von Abyssinien. Eine afrikanisch - europ. Parallele. 
Protestant. Monatsbll. von Geizer 1861 Bd. 17 Heft 2. 

14) De linguae Aethiopicae cum cognatis unguis comparatae indole universa 
scripsil Eberh. Schröder, Brunovic. Gottingae 1860, 104 S. 4. (l 1 «,^) vgl. 
Dillmann in Z. d. DmG. XV (iSlJl p. 145 f. 

l.'n Catalogue raisonne de manuscrits Äthiopiens appartenant a Antoine 
dAbbadie. Paris, Dupral 1859. XV n. 236 S. 4. (6 fr.) vgL Dillmann Gott. 
gel. Anz. 1859 no. 190—192 p. I889f. und Steinschneiders Hebr. Bibliogr. IV 
L861) p. 17 f. 



Gosche, wissenachoftl. Jahresbericht /iir 1P59 bia 1861. 2 . 

Neve 1{i ) resümiert die neueren Forschungen über das Cb.ristentb.um 
Aethiopiens, in welchem seine ganze Litteratur wurzelt. l)a^ Fun- 
damentalwerk derselben, die Bibelfibersetzung, hat Dtttmann 17 ; bi> 
zu einem zweiten Bande des A. T. herausgegeben; den Hirten des 
Hermas, über welchen Anger 1 *] zu reden Gelegenheit hatte, gibl 
uns cPAbbadie ''•') sehr willkommen in einem äthiopischen Texte, 
dem Dillmann -'") verschiedene Bemerkungen widmet, wie auch 
Hagemann - 1 ). Das vielbesprochene Henochbucb, an dessen Erklä- 
rung Volhmar i% ) sich versucht, wird von HUgenfeld 23 ) kurz vor 
98 v. Chr. gesetzt, wozu man die weiteren Bemerkungen von Voüc- 
mar 2 *) und Dillmann -'-') vergleiche. 

Die Fülle der Völker und Stämme des übrigen Afrika, von 
welcher eine englische Schrift ein populäres Bild entwirft 26 ), be- 
ginnen wir füglich im Anschluss au die Nilländer in Ostafrika 
zu betrachten. Hier sind besonders die Aufzeichnungen des erfah- 



16) Des reeherches recemment mises au concouis sur la litterature chretienne 
de l'Ethiopie, par Felix Nhve (Extr. de la Revue eatholique). Louvain 1860, 8. 

17) Biblia Veteris Testamenti Aethiopica, in quinque tomos distributa . ad 
librorum mss. fidem edidit et apparatu critico instruxit A. Dillmann. Tomus 
11. sive Libri Regum, Paralipoinenon. Esdrae, Esther. Pars 1. Lipsiae, Brock- 
haus 1861, VII u. 155 S. 4. (2 2, 3 ^.) vgl. Ewald Gott, gel. Anz. 1861 no. 
19 p. 750 f. 

18) Anger, Eine aethiop. Uebersetzung des Hermas , Z. d. Dm6. XIII 
(1859) P . 284 f. 

19) Hermae Pastor. Aetbiopice primum edidit et Aethiopica Latine vertit 
Antonius cV Abbadie. (Abhh. für die Kunde des Morgld., berausgeg. von der 
DmG. II no. 1) Lipsiae, Brockhaus 1860, VII. u. 183 S. 8. vgl. Ewald Gott. 
gel. Anz. 1860 St. 141 p. 1401 f. 

20) A. Dillmann, Bemerkungen zu dem äthiopischen Pastor Herinae, Z. 
d. DmG. XV (1861) p. 111—125. 

21) Hagemann , Der Hirt des Hermas , (Kathol.) theologische Quartal- 
schrift von Kulm u. A. 1860 Heft 1. 

22) Beitrage zur Erklärung des Buches Henoch nach dem aethiop. Text. 
Von G. Voll 'mar, Z. d. DmG. XIV p. 87—134. vgl. Hilgenfeld in Liter. 
Centralbl. 1860 no. 38 p. 591 f. 

23) Die Entstehungszeit des ursprünglichen Buchs Henoch, von ,,4. Hilgen- 
feld, in seiner Zeitschrift 1861, IV p. 212—222. Vgl. auch oben no. 1301. 

24) Ueber die katholischen Briefe und Henoch, von G. VolLmar, Hilgen- 
feld's Zeitschrift 1861, IV p. 422—436 u. 1862, V p. 46-75. 

25) A. Dillmann. Noch einige Bemerkungen zum Buche Henoch, Z. d. 
DmG. XV (1861) p. 126—131. 

26) C^f^(f\/i_. '. *ft"4»/V> ! s * ve Liuer Jubilaeorum qui idem a 
Graecis H AEHTB. rENESIS inscribitur versione Graeca deperdita nunc 
nonuisi in Geez lingua conservatus nuper ex Abyssinia in Europam allatus. 
Aetbiopice ad duorum librorum mstorom fidem primum edidit Aug. Dillmann. 
Kiel, vonMaack; London, Williams and Norgate 1859, X u. 167 S. 4. (6 yfa ) 
vgl. Ewald in Gott. gel. Anz. 1860 St. 41—42 p. 401—410 und Jahrb. f. 
Bibl. Wiss. XI (1860) p. 235. 

26a) Sketches of the African kingdoms and peoples. Society for promoting 
Christian Knowledge. London 1860, 8. vgl. Quarteily Review 1861 T. 109 

p. 496 f. 



2SG Gosche, wiasenscha/U. Jahresbericht für löf>y bis 1861. 

n ausreichen Kropf 11 * 1 ), welche auch englisch 28 ) vorliegen, als eine 
Ilauptquelle hervorzuheben. Da an diesen Stellen der Versuch in 
Centralafrika einzudringen sehr natürlich gegeben war, so ist Graf 
Thürkeirn* 9 ) von Massaua nach Kassala vom 13. Juli bis zum 
31. October 1857 gegangen; hier hat, worüber Ule 30 ) orientierend 
berichtet, die v. Heuglin'sche Expedition sich bewegt 31 ), ohne den 
erregten Erwartungen irgend zu entsprechen ; ebenso wenig ergab 
AfLeod's 32 ) Reise bemerkenswerthe Resultate. Doch sind einige 
Specialberichte hervorzuheben: so der von Des Acanches 36 ) über 
das Gallaland, zu dessen Schilderung Beke's Schritt vom J. 1848 
immer noch eine nützliche ethnographische Ergänzung bildet. Eine 
treffliche Uebersicht des ostafrikanischen Gebiets von Chartum ab 
liefern Petermann und Hassenstein 3 *) \ zu den Schoho und ßeduan 
führen uns Hunzinger' s 35 ) werthvolle ethnographische Notizen ; von 
dem linguistisch auch für den semitischen Philologen interessanten 
Suaheli-Gebiet handelt Eigby 36 ). Mit diesen Völkern beginnt im 
Allgemeinen schon die culturgeschichtliche Interesselosigkeit, welche 
das Volksthum des afrikanischen Continents uns fast grauenhaft 
macht ; die wesentlichste Erscheinungsform menschheitlicher Kraft ist 
hier nur die Sprache. Leider fehlen fast alle Arbeiten, welche die 



1727> J. L. Kropf, Reisen in Ost-Afrika ausgeführt in den Jahren 1.S37 — 55. 
Zur Beförderung der Ostafrikan. Erd- und Missionskunde. Th. 1. 2. Kornthal 
Tübingen, Fues) 1858, XIV u. 1028 S. 8. mit 1 Karte. (3 2 ; s 3fy ) 

28) Travels , researches, and missionary labours during an eighten years' 
residence in eastern Africa ; together witb journeys to Jagga , üsambara, Ukam- 
bani, Shoa, Abessinia, and Khartum , and a coasting voyage from Mombaz to 
Cape Delgado. By J. Lewis Kropf. With an Appendix respeeting the snow- 
capped of eastern Africa etc. by E. (jf. Ravenstein. London, Trübner 1860, 
1500 S. 8. (21 sh.) vgl. Edinburgh Review 1860, 112 p. 295 f.; Quarterly 
Review 1861, 109 p. 496 f. und Westminster Review 1860, 18 p. 254. 

29) Major Graf Ludwig Thürheini's Reise in Afrika. Aus dem Tagebuche 
des Reisenden von Th. v. Heuglin. Petermann's geogr. Mitth. 1859 p. 363 f. 

30) O. Ule , Nachrichten von der Heugliu'schen Expedition nach Inner- 
Afrika. 1. II., Die Natur, herausgeg. von Ule u. K. Müller 1861 no. 16, 25, 
45; Augsb. Allg. Zeitung 1861 no. 53 Beilage; Haym's Preuss. Jahrbb. 1861, 
VIII Heft 3. 

31) Die Heuglin'sche Espedition, Die Zeit (Frankf. a. M.j 1861 no. 263 
Beilage. 

32) Travels in Eastern Africa, with the narrative of a residence in Mo- 
zanibique. By Lyon AT Leod. Vol. 1. 2. London, Hurst & Blackett 1860, 
650 S. 8. (21 sh.) vgl. British Quarterly Review 18(i0 no. 62. 

33) L6on des Avanches, Esquisse geographique des pays Oromo ou 
Galla, des pays Soomali et de la cöte Orientale d'Afrique. Extrait d'une lettre 
a M. A. d'Abbadie. Bulletin de la Soc. de Geogr. IVe ser. 1859, XVII p. 153. 

34) Ost-Afrika zwischen Chartum. Sauakin und Massaua, Petermann u. 
Ilasso iistein, Ergänzungsband zu den geogr. Mitth. 1860 — 61 no. 5, 16 S. 4. 
mit einer trefflichen Karte. 

35) W. M ' ini-.iiKjcr . Die Schoho's u. die Beduan bei Massua , Zeitschrift 
f. allg. Erdk. N. F. 1859, VI p. 89. 

36 Das (iebiet von Zanzibar. Bericht vom Oberst-Lieut. C. P- Riyby, 
Petermann's geogr. Mitth. 1861 p. 249 f. 



Gusche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis L8>Ü. 287 

sprachlichen Bindeglieder zwischen Abessinien and Ost- wie Inner- 
afrika zum Vorwurf hätten and anter denen wir vor Allem eine 
neue and eingehendere Dhtersachungides Suaheli vermissen; dafür ent- 
schädig! eine zwar kleine doch nach seiner Weise sorgfältig ge- 
machte Mittheilnng Friedrich Müüer's* 1 ) aber die Sprache dej 
Bari, eines sehr intelligenten aber noch durch keine Culturberüh- 
rung von seiner aaturwttchsigen Gebundenheit befreiten Volkes am 
weissen Nil. Leider sind die beiden kleinen Texte nicht volks- 
tümlicher Art. Mindern Oebersetznngen des 'Vater Unser 1 und des 
Ave Maria', in denen also den sehr kindlichen Sprachen Ausdrücke 
für sehr weit vorgeschrittene religiöse Begriffe zugemuthet werden: 
indess haben wir von den dort sehr thätägen hochverdienten katho- 
lischen Missionaren sicher weiteres und besseres Material zu er- 
warten. 

Die oberen Nilländer und das mittlere Ostafrika sind haupt- 
sächlich als Zugänge des verschlossenen Innerafrika häutiger aufge- 
sucht worden-, der eigentliche Schlüssel dazu scheint jedoch Süd- 
afrika zu sein oder werden zu sollen. Es ist eine lange Reihe 
allein deutscher Versuche, den Continent von dieser Seite her für 
die Wissenschaft zu erobern, welche Vielen de Samt-Martin 36 ) 
seil den derben tüchtigen Schilderungen unsers Lichtenstein in sau- 
berem Bilde darstellt : dem Anonymus des Quarterly Review 39 ) tritt 
bei seinen englischen Interessen selbstverständlich in seinem Ueberblich 
mehr das Cap- und Kafferngebiet in den Vordergrund. Das Haupt- 
interesse sammelt sich natürlich augenblicklich um Livingstone 1 "). 
Seine bereits in das Dänische 41 ) übersetzten Reiseberichte sind unter 
uns in einer guten Uebersetzung von Kieseioetter i2 ) verbreitet, indess 
Dinome**) die Hauptresultate formuliert. Livingstone befuhr den 
untern Zambesi 44 ); das Schirethai hatte sich als durch Baumwollen- 



37) Bari-Text mit Anmerkungen, von Fr. Midier, Zeitsohr. für Völker- 
psychol. u. Spraelnv. II (1861) p. 254 — 256. 

38 Virir n de Saint-Martin, Le röle de l'Alleinagne dans les modernes 
explorations du Globe. 4e artiele : L'Afrique austräte Lichtenstein , Peters, 
Bleek, Krapi, Rebmann), Revue Germanique 1859, Fevr. 

39) Quarterly Review 1860 T. L08 p. 120—162. 

40) Vgl. Quarterly Review 1861 T. 109 p. 496 f. 

41) LivmgstOne's Reise i Syd-Afrika. Overs. efter d. eugelske Original 
ved M. Th. Woldike. Heft 13—23. Kjobenhavn 1859, 8. (ä 24 ss.) 

42 Livingstone , dn- Missionar. Erforsehungsreiseu im Innern Aftika's. 
In Schilderungen der bekanntesten älteren u. neueren Reisen insbesondere der 
grossen Entdeckungen im südl. Afrika während der Jahre 1840 — 56 durch 
D. Livingstone. (Bearb. von Frz. Kiesewetter). 2e verm. Aufl. (Auch m. d. T. 
Malerische Feierstanden. Serie I. Abth. 2. Das Buch der Reisen von H. Wagner. 
Afrika I.) M. Abbildd. Leipzig, Spamer 1859, VI u. 318 S. 16. (1\, Sfy.) 
vgl. Literar. Centralbl. 1860 no. 37 p. 58< '. 

43) Dinouii'. Renseignements fournis au docteur Livingstone sur L'interieur 
de Afrique australe, Noav. Ann. <les Voy. 1859, 1 p. 138. 

44 Vgl. Petermann's geogr. fifitth. 1859 i». 353 f. — Vgl. noch: David 
Livingstone, Beil. zur Augsb. Allg. Ztg. 1859 no. 270—281. 



288 '" chaftL Jahresbericht für L859 bis 1861. 

cultur ausgezeichnet und darum für England besonders werthvoll 
erwiesen. Audi Shaw 11 * 5 ) berichtet über das südöstliche Afrika, 
iudess wir den Schweden Andersen 46 ) am Cuneneflusse linden und 
von ihm den ausführlichen Bericht über das Gebiet des Okavango 

erhalten 17 ). Als Schwiegersohn des Königs von Lilie war Ladis- 
las Magyar vorzugsweise in seinen Reiseunternehmungen begünstigt, 
über welche //iinf<(/r// iii ) und die deutsche Bearbeitung des ersten 
Theils 49 ) näher berichten; hier und da ist man geneigt, Magyar 
grössere Genauigkeit beizulegen als selbst dem heldenmütigen 1! ei- 
senden Livingstone 50 ). Unbedeutend erscheinen dem gegenüber die 
Iteisebilder von Schrumpf 51 ). Hall 52 ) entwirft eine Geographie 
Südafrika's, welche für die Engländer von praktischem Interesse ist; 
A?idree 53 ) fasst die politisch nah liegenden Interessen Madagascars 
mit der Betrachtung Südafrikas zusammen. 

Politisch und social am wichtigsten erscheint hier das Cap- 
land mit dem angrenzenden Kafferngebiete. Die offizielle 
Statistik des Caplandes vom Jahre 1858 eröffnet merkwürdige Per- 
spectiven bi ) ; von dem regen Leben das hier herrscht , zeugt der 
Umstand, dass im Jahre 1860 nicht weniger als 29 südafrikanische 
Zeitblätter und Zeitungen erschienen 55 ) ; in London selbst konnte 
eine eigne Monatsschrift für Cap und Natal erscheinen. Das sta- 
tistische Material war so reichhaltig und mannigfaltig, dass in 



1745) The Story of my mission in South-eastern Africa. By Witt. Shaw. 
London 1860, 8. 

46) Vgl. Petermann's geogr. Mitth. 1859 p. 354. 

47) The Okavango River: a narrative of travel, exploration, and adventure 
by C J. Ander sson. With numerous illustrations. London 1861, 370 S. 8. 
(24 sh.) vgl. Petermann's geogr. Mitth. 1861 p. 366. 

48) Hunfalry Jdnos, Magyar Laszlo Delafrikai Utazäsai 1849 — 57 evekben 
(Reisen in Südafrika von Ladislaus Magyar in den J. 1849 — 57.) Bd. 1. Mit 
einer Karte u. 8 lithogr. Taff. Pesth , Eggenberger 1859, vgl. Petermann's 
geogr. Mitth. 1859 p. 277. 

49) Reisen in Südafrika in den Jahren 1849 bis 1857 von Ladislaus 
Magyar. Aus d. Ungar, von doli. Hiinfalvy, Bd. I mit einer Landkarte u. 
8 Lithogr. in Tondruck. Pesth, Lauffer u. Stolp 1859, 8. (3 $fc) 

50) Vgl. Petermann's geogr. Mitth. 1859 p. 353. 

51) Südafrikanische Reisebilder von Chrn. Schrumpf. Strasburg 1859, 8. 

52) Manual of South African Geography. By Henry Hall. Cape Town 
1859, 8. vgl. Quarterly Review 1860 T. 108 p. 120 f. 

53) Südafrika und Madagascar geschildert durch die neuesten Entdecki 
reisenden. Herausgeg. von K. Andree. Abth. I. Leipzig-, Lorck 1859, -XI u. 
224 S. 8. m. 1 Karte. (D/s^O vgl. Lit. Centralbl. 1859 no. 16 p. 2 3f. 

54) Statistics of the Cape of Good Hope for tln- year 1858. Published by 
the Local Parliament. vgl. Quarterly Review 1860 T. 108 p. 120 f. 

55) Petzholdt, Neuer Anz. für Bibl. 1861 p. 268f. 

56) The Cape and Natal News: a monthly record of the progress o£ the 
s utli African Colonies. London 1860, 4. vgl. Quarterly Review lsiii) T. L08 
p. 120 f. 



Gosche, wisscnsrhaftl. Jahresbericht für 1859 bi» 1861. 289 

Deutschland M&dmger 6 ') und in England Mann™) Specialdar- 
stellungen versuchen konnten. Die ruhige und Bichere Entwicklung 
dieser zukunftsreichen Colonien wird jedoch dauernd durch die 
Nachbarschaft des Barbarenthums der Kaffern gestört Zwar konnte 
eine offizielle Publication von Verträgen zwischen England und den 
Kaffernstämmen publicirt werden und eine Bevölkerungsstatistik der- 
selben für 1857 erscheinen 9°) ; aber aus der offiziell veröffentlichten 
Darstellung der Bräuche, Sitten und Gesetze dieses Volkes 61 ), wie 
aus Drayson's 62 ) Schilderungen und aus der Fortsetzung der Briefe 
Oppermann's 63 ) kann man ersehen, dass die schönen bis zur Selbst- 
vernichtung kriegerischen Männer und die arbeitsvollen Frauen wohl 
Objecte statistischer Zählungen, weniger liebevollen Culturinteresses 
sein können. Trotzdem wirken hier unverzagt mancherlei Missionen 
und ihrem Eifer haben wir manche wissenschaftlich wichtige Sprach- 
studien zu verdanken. So giebt Gront 6i ) eine vollständige Zulu- 
Grammatik und in der Einleitung dazu allerlei geschichtliche No- 
tizen ; besonders thätig aber zeigt sich Colenso, der ein Elementar- 
buch ,;| ' ), ein Lexikon (;ih ) und ein Lesebuch 64t ) liefert, zu welchen 
man allerlei Texte <U( ' ) und Berichte der Eingebornen 64fi ) über 

57) Die südafrikanischen Colonien Englands und die Freistaaten der holländ. 
Boeren in ihren neuesten Zuständen. Von Hcinr. Meidinger. Mit Statist. 
Beilagen u. 1 Karte. Frankf. a. M. , Sauerländer 1861, XII u. 216 S. 8. 
(24 Jfy) vgl. Lit. Gentralbl. 1862 no. 13 p. 218. 

58 ) l'Iie colony of Natal. By Robert James Mann , Superintendent of 
education in Natal. London 1860, 8. vgl. Edinburgh Review 1860, 1 12 p. 295 f. 

59) Treaties between the British government and the Kaffir Tribes. Pu- 
blisbed by order of the Legislative Assembly. Cape of Good Hope 1859, 8. vgl. 
Quarterly Review 1860 T. 108 p. 120 f. 

60) Die Bevölkerung von Britisch-Kaffraria 1857, Petermann's geogr. Mitth. 
1859 p. 79. 

61) A compendium of Katfir Laws and Customs: compiled by direction of 
Colonel Maclean, chief commissioner in British KatFraria. Printed for the Go- 
vernment of Brit. Kaffraria. Mouut Coke 1858, 8. vgl. Quarterly Review 1860 
T. 108 p. 120 f. 

62) A. W. Drayson , Sporting scenes amonget the Kaffirs of South 
Africa. Illustrated by Harriso n Weis, from designs by the author. New ed. 
London, Routledge 1859, 240 S. 8. (7 1 /, sh.) 

63) H. Oppermann, Briefe aus dem Kafternlande (Forts. ) , Westcrrnann'a 
Illustr. Monatsh. 185!) no. 28, 30, 32. 

64) The Isizuln. A grammar of the Zulu language ; aecompanied with 
a historieal introduetion, also an appendix. By L. Gront. Natal 1859, LH u. 
432 S. 8. (Leipzig, Brockhaus : 8 ifc ) 

64a) First steps in Zulu-Kafir: an abridgenient of the elemcntary grammar 
of the Zulu-Kafir language; By the Bishop of Natal (J. W. Colenso). Ekuka- 
nyeni 1859, 84 8. 8. (Leipzig, Broekhaus Sort. 2'/ 5 «^ ) 

64b) Zulu-English dictionary. By the ßight Bev. John W. Colenso. 
Pietermaritzburg 1861, VIII u. 552 S. 8. (London, Trübner. 15 sh.) 

64c) Fourth Zulu-Kafir reading book, by the Right Rev. John W. Colenso. 
Natal 1859, 160 S. 8. cloth. (London, Trübner 7 sh.) 

64d) Kafir Essays, and other Pieces. With an English translation. Gra- 
hamstown 1861, 12. (Leipzig, Brockhaus: 1 9$. ) 

64e) Three native aecounts of the visit of the Bishop of Natal in Sept. 
Jahresbericht 1S59— 1861« 19 



290 Gosche, tvissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

einen Besuch des Bischofs von Natal halten mag; auch fehlt es 
uicht an Hymnen und Gebeten 65 ). 

Indess hier englisches Wesen sich neben dem verwilderten hollän- 
dischen festsetzt, sucht die herrliche Insel Madagascar Frankreich 
sich anzueignen. Im Gegensatz zu der grausamen Christenfeindin 
Kanavalo, welche seit 1828 der christlichen Mission die Taufe und 
zwar in Märtyrerblut zurückgab, und in Anlehnung au deren edlen 
Gatten Radama I. versuchte der zweite madegassische König dieses 
Namens, seinem Reiche die Segnungen des Christentums und der 
europäischen Civilisation zuzuführen, freilich in französischer Fär- 
bung. So ereignete es sich denn ganz natürlich , dass Barbier du 
Bocaye 11Gii ) die Insel als schon seit 1642 zu Frankreich gehörig nach- 
zuweisen versuchte. Dergleichen Ansprüche werden ohne Zweifel zu Con- 
flicten der maritimen Mächte und auch der confessionell geschiedenen 
Missionen führen, jedenfalls das Interesse weiterer Kreise erregen, denen 
'das Ausland' ,J7 j mit seinen zuverlässigen Mittheilungen entgegenkommt. 

Der natürliche Herz- und Zielpunkt aller afrikanischen Ent- 
deckungsreisen istCentralafrika. Die geschichtliche Zusammen- 
stellung Schauenburg s G8 ) über die verschiedenen Reisen hat gradezu 
romanhaftes Interesse ; schweizerische (i9 ) und englische 70 ) Blätter 
erzählen spannend oder orientierend davon ihren Leserkreisen; eine 
wissenschaftliche Uebersicht gibt Lejean 71 ). Die Aufzeichnungen 
unsers energischen, Deutschlands Ruhm in der Geschichte afrika- 
nischer Expeditionen glänzend fixierenden Barth 12 ) sind in ihrer 
englischen Fassung auch in Nordamerika gedruckt worden. Das 
dunkle Schicksal VogeFs rückt uns seinen kühnen Reisen, deren 



and Oct, 1859, to Umpande, king of thc Zulus; with explanatory notes and 
a literal translation, and a glossary of all the Zulu words employed in tbe sauie : 
designed l'or the use of students of the Zulu huiguage. By the Right Rev. John 
W. C'olensO. Natal, Marltzburg 1860, 160 S. 16. (London, Trübner, 4 sh. 6d.) 

1765) Lipesaleme le lifela tsa Sioue ka Sesutö. Strasburg 1861, 161 S. 12. 

66) Madagascar possession francaise depuis 1612. Par V. A. Barbier 
du Bocage. Ouvrage accompagne d'une grande carte dressee par V. A. Matie- 
Brun. Paris, Artbus Bertrand (1859) XXVII u. 367 S. gr. 8. vgl. Biernatzky 
in Gott. gel. Anz. 1862 no. 21 p. 824 f.; Heidelb. Jahrbb. 1862 (Mai) p. 376 f. 

07) Madagaskar und die Malagasen, Ausland nu. 5 — 6. 

68) Dr. Lid. Schauenburg, Die Reisen in Central-Afrika von Mungo-Park 
bis auf Dr. Bartb und Dr. Vogel. Lief. 5 — 8. Mit einer Uebersicbtskarte von 
Nord- und Mittel-Afrika und zwei Portraits. Lahr, Schauenburg 1859, 8. vgl. 
Petermann's geogr. Mitth. 1859 p. 276. 

69) Ueber die neuesten Entdeckungen in Inner-Afrika, Zürcherische Neu- 
jahrsbll. auf d. J. 1859, 35 S. 4. m. 1 Karte. 

70) Edinburgh Review 1860, 112 p. 295—331 und Quarterly Review 
1861 T. 109 p. 496—530. 

71) Guill. Lejean, Les recents voyages aux grands lacs de l'Afrique äqua- 
toriale, Revue Europeenne 1859 vom 1. Harz. 

72) Travels and Discoveries in North and Central-Africa. Beiug a Jour- 
nal By Henry Barth. Vol. I. II. III. New- York, Harpers 1859, 8. 

(ä 2 Doli.) Ausland 1859 no. 9. 10. 17. Frankf. Museum 1859 uo. 8—17. 



Gosche, icissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 291 

Berichte in Baoenstein's 73 )und Wagners 74 ) Bearbeitungen vorliegen, 
fast persönlich nahe ; dasselbe gilt von dem , was wir von Rö- 
scher s 75 j Reisen und seinem durch die Anwohner des Ruvume, in 
welches Gebiet er vom Westen her eingedrungen war, am 19. März 
1860 gewaltsam herbeigeführten Tode erfahren. Ueber das traurige 
Ende Beider lassen die letzten Nachrichten 77 ) keinen Zweifel mehr. 
Vereine bilden sich, um den frühen Tod dieser Märtyrer nicht durch 
Gewaltmittel, wohl aber durch energische wissenschaftliche Erobe- 
rungen zu sühnen , und erleuchtete Fürsten , wie der König von 
Bayern und der Herzog Ernst von Coburg-Gotha, nehmen theils 
durch Bewilligung von Geldmitteln, theils als Protectoren der be- 
absichtigten Unternehmungen den lebhaftesten Antheil. Für den 
Zusammenhang dieses Centralgebietes mit Ostafrika sind Werne' s 1 *) 
ethnographische Aufzeichnungen wichtig; willkommen werden Ule's 73 ) 
Zusammenstellungen sein, wenngleich sie zunächst im Interesse des 
nach seiner Trennung von Munzinger von Osten her eindringenden 
v. Heuglin 80 ) gemacht sind. Noch immer nicht ist die seit den 
Kartenskizzen der Missionare Erhardt und Rebmann in die lebhafteste 
geographische Discussion getretene Seenfrage der östlichen centralen 
Einsenkung an sich und ebenso wenig nach ihrem Zusammenhange 
mit dem Nilsystem entschieden. Sicher darf man nicht mit einem 
ausgezeichneten Geographen den langgewundenen Nyassi der See- 
schlange der Schiffersagen vergleichen. Auf Grund der Missionar- 
berichte war daher voller Zuversicht Burton 81 ), nachdem er sich 
durch seine Reisen in Arabien wie im Somalilande als einen treff- 



73) Travels and scientific explorations in Central-Africa , during the years 
1853 to 1857. By Dr. Echoard Vogel. With a brief memoir of bis life to 
bis reputed deatb by order of the Sultan of Wadai , and a sketch of the geo- 
graphy of Central-Africa. By E. G. Ravenstein. London 1860. gr. 8- vgl. 
Edinburgh Review 1860, 112 p. 295 f. 

74) Herrn. Wagner, Eduard Vogel, der Afrika-Reisende. Schilderung der 
Reisen etc. Nebst einem Lebensabriss u. s. w. Mit Abbildd. (Auch m. d. T. 
Malerische Feierstunden. 1. Serie. 2. Abth. Buch der Reisen und Entdeckungen. 
Afrika II.) Leipzig, Spamer 1859, VI u. 321 S. 16. (l'/s^t) vgl. Literar. 
Centralbl. 1860 no. 36 p. 563. 

75) Nachrichten von Dr. Röscher u. über den Stand der Entdeckungen in 
Afrika, Ausland 1859 no. 38. 

76) Beilage zur Augsb. Allg. Zeitung 1860 no. 309. 

77) Das Neueste über Ed. Vogel und Alb. Röscher, Wissensch. Beil. der 
Leipz. Zeitung 1860 no. 99. 

78) Beitrag zur Kunde des Innern von Afrika von Fcrd. Werne. Di« 
Völker Ost-Sudans und der Feldzug der Türken von Sennaar nach Saka, Basa 
und Beni-Amer. Stuttg. 1860, 8. 

79) Sahara und Sudan. Ein Beitrag für die erste deutsche Expedition 
nach Inuerafrika , mit einem Vorwort über den Ursprung des Unternehmens. 
Von Otto llle. Halle, Schwetschke 1861, XVI u. 31 S. 8. (6 Jfr.) vgl. Lit. 
Centralbl. 1862 no. 6 p. 95. 

80) Th. von Heuglin's Expedition nach Inner-Afrika , zahlreiche Einzel- 
berichte bei Petermann, Geogr. Mitth. 1860—61. — Die Heuglin'sche Expedition 
nach Innerafrika, Haym's Preussische Jahrbb. 1861, VIII Heft 3. 

81) The Lake Regions of Central Africa a picture of exploration by Ät- 

19* 



292 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

liehen Länder- und Völkerdurchforscher erwiesen, mit Speke durch 
das gehirgige Uhambala vorgedrungen, um zu den Seen zu ge- 
langen; leider wurde er an der gleichmässigen Durchführung der 
beabsichtigten . Expedition durch Krankheit verhindert, welche ihn 
bereits 1858 zwang über Zanzibar heimzukehren. Glücklicher 
Weise hat ihn ein Besuch Nordamerikas und besonders der Mor- 
monen nicht dauernd zu fesseln vermocht; schon 1861 finden wir 
ihn als britischen Consul in Fernando-Po, von wo seinen Forschungs- 
trieb das gegenüberliegende Camerungebirge hoffentlich nicht ver- 
geblich auf sein specielles Problem hinweisen wird. Zu seinen 
Aufzeichnungen über das Binnenseegebiet haben wir immer noch 
die Spekes 1782 ) zu erwarten. Sehr wesentliche Ergänzungen dazu 
bilden die Bemühungen Petlicrictis 83 ) , des grossen Kenners der 
Nilländer, der sich die Aufgabe stellte, von Chartum aus das räthsel- 
hafte Seegebiet zu erreichen; ihm wollten von Süden her, wo sie 
von Zanzibar aus am 1. October 1860 eindrangen, Speke und Grrant 
begegnen. Von höherem Werth würden des berühmten Gorilla- 
Jägers und Natur- wie Thierwelt pikant charakterisierenden Du 
Ckaillu Bi ) Erzählungen sein, wenn das wirklich Authentische von 
den durch den Geist der Jagdgeschichte bedenklich afficierten Par- 
tien einigermassen zu scheiden wäre; aber Barth's 85 ) und anderer 
Ausstellungen erscheinen so berechtigt, dass wir leider das merk- 
würdige Ergebuiss seiner vierjährigen Reisen , den Centralafrika 
parallel dem Ae<iuator von Osten nach Westen durchstreichenden, 

chard F. Burton. Vol. I. II. London, Longman 1860, XVII, 412 u. VII, 

468 S. gr. 8. (£1. HV 2 sh.) jeder Theil mit 6 Tafeln u. eine Karte in Vol. II. 
vgl. Petermann's Geogr. Mitth. 1861 ]). 124 f. 306; Quarterly Review 1861 T. 109 
p. 496 f. und Edinburgh Review 1860, 182 p. 295 f. 

1782) Capitain Burton's Ausflug au den Pangani und nach Fuga, Ausland 
1859 no. 1. — Burton's Expedition, Petermann's Geogr. Mitth. 1859, p. 79, 123. 

— L'exploration des capitaines Burton et Speke dans l'Afrique Orientale. Le 
lac d'Ujiji, Nouv. Ann. des Voy. 1859, I p. 218. — Die Engl. Expedition unter 
Burton und Speke nach Inner- Afrika, A. Petermann's Geogr.' Mitth. 1859 p. 375 — 93. 
Speke's Brief Journ. of the As. Soc. of Bengal XXVIII (1859) p. 255 f. — 

— Die Entdeckung der grossen Binneu-Seen Ost-Afrika's. Ausland 1859 no. 
41 f. — Der grosse Inner-Afrikanische See u. die Quelle des Nils. Resultate 
der Engl. Expedition unter Burton u. Speke. Nachrichten von Röscher, 
Petermann's Geogr. Mitth. 1859 p. 347—349. 

83) Egypt , the Soudan, and Central-Africa ; with Explorations from Khar- 
toum on the white Nile to the regions of the Equator; being Sketches from 
sixteen years' travel. By J. Petherich. London 1861, 482 S. 8. (18sh.) vgl. 
Westm.-Review 1861 T. 20 p. 137 f. ; Quarterly Review 1861 T. 109 p. 496 f. ; 
Petermann's geogr. Mitth. 1861 p. 243. 

84) Explorations and adventures in Equatorial Africa: with aecounts of 
the manners and customs of the people and of the chace of the Gorilla, Croco- 
dile, Leopard, Elephant, Hippopotamus , and other animals. By P. B. Du 
Chailla. With maps and illustrations. London 1861, 490 S. 8. vgl. Westm. 
Review 1861 T. 20 p. 137 f.; Quarterly Review 1861 T. 109 p. 496 f. ; Du 
Chaillu's Wanderungen im aequatorialen Africa, 1 — 4, Ausland 1861 no. 41 — 44. 

85) Analyse der Reisebeschreibung Du Chaillu's und genauere Betrachtung 
des in derselben enthaltenen geograph. Materials, von Dr. H. Barth, Zeitschr. 
allg. Erdk. 1861, (^Juui) p. 430 — 67. Dagegen Petermann's geogr. Mitth. 1861 p. 367. 



Gosche, toissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 293 

an und für sich nicht unwahrscheinlichen Höhenzug nicht in die 
Karte aulnehmen können. Das Äquatoriale Afrika vom westlichen 
Gabun-Flusse bis zum östlichen Kilima Ndjaro bleibt daher für 
unser geographisches Wissen noch ein grosses Räthsel B6 ). Dasselbe 
von Norden her durch die von Panet 81 ) bereiste grosse Wüste zu 
lösen wird kaum möglich sein; denn die Hauptpforte, das Reich 
Wadai, ist ein wahres Todesthor. Trotzdem sind die Berichte über 
die Zwischengebiete dankbar anzunehmen, besonders von dem die 
Ausdehnung der französischen Macht nach dem Süden zeichnenden 
Dnveyrier 88 )) zweifelhafter sind Escayrac de Lauture'& 6s ) Mit- 
theilungen über Där-För, das von Kordulan aus nicht mehr schwer 
zu erreichen ist, im Westen aber durch Wadai abgesperrt wird. 
Ein fast culturgeschichtliches Interesse bietet der von Redhouse 90 ) 
übersetzte arabische Bericht über die Expedition des Sultans von 
Bornu nach Kauern, in welchem die von Barth im zweiten Bande 
seines grossen Reisewerks näher geschilderte politische Bedeutung 
des mächtigen muhammedanischen Negerreichs wieder zu Tage tritt: 
überhaupt möchten die von Barth gelegentlich erwähnten muham- 
medanischen Culturbewegungen innerhalb der eigentlichen schwarzen 
Rasse, von denen in den von unserem leider zu früh verstorbenen 
Ralfs ebenfalls aus dem Arabischen übersetzten Berichten über das 
Reich Sofiray bereits sehr Merkwürdiges erzählt wurde, mit Be- 
nutzung weiterer afrikanisch-arabischer Quellen einmal in einem ein- 
heitlichen Bilde dargestellt werden : es würde für die eigentliche 
Culturmission des Islam in Afrika tröstlichere Belege abgeben , als 
vielleicht die Geschichte von Fez und Marokko. 

Das südlich und westlich von Bornu liegende Gebiet der Y o r u b a 
und H aus sa ist nicht sowohl geo- und ethnograpisch als linguistisch 
berücksichtigt worden, in welcher letzteren Beziehung von der zu- 
mal in der bedeutenden Yoruba-Hauptstadt Abbeokuta erfreulichst 
gedeihenden Mission die grössten Förderungen zu erwarten sind. 
Zur Kenntniss der Yoruba- Sprache liegt jetzt in Boicen's 01 ), Mis- 



86) Equatorial Africa and its inhabitants (mit Rücksicht auf Du Chaillu 
und Petherick), Westniinster Review 1861 T. 20 p. 137—187. 

87) Leopold Panet's Reise durch die grosse Wüste von Afrika im J. 1850, 
Petermann's Geogr. Mitth. 1859, p. 101—112 (mit Karte). 

88) Henri Duveyrier's Reise nach Inner-Afrika, 1859. I. Abschnitt: Reise 
durch d. Franz. Nord-Afrika bis zum äussersten Französ. Posten im Süden, 
Petermann's Geogr. Mitth. 1859 p. 345 317. vgl. unten no. 1859. 

89) Escayrac de Lauture, Notice sur le Darfour et sur le voyage de 
M. le Dr. Cuny dans cette contree, Bulletin de la Soc. de Geogr. IVe ser. 
1859, XVII p. 281. — Nouvelles du Dr. Cuny, voyageur francais au Där- 
Four, Nouv. Ann. des Voy. 1859, I p. 371. 

90) Redhouse, Translation from the original Arabic of a history or Journal 
of the events which oecurred during seven expeditions in the land ofKanim, by 
the Sultan of Burnu , Journal of the Roy. As. Soc. of Great Brit. Vol. XIX 
(London 1861 gr. 8) p. 48—123. 

91) Smithsonian Contributions to Knowledge. Grammar and dictionary of 
the Yoruba language. With an introduetory description of the country and 



294 Gosche, xcissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

sionars der Southern Baptist Convention, Grammatik und Wörter- 
buch in der erwünschten Vollständigkeit und Zuverlässigkeit vor ; 
in beiden Beziehungen hatte allerdings der Uebersetzer neutesta- 
mentliche Stücke ins Yoruba, Samuel Crowther, bereits 1853 vor- 
gearbeitet. Für die schöne Haussa- Sprache haben wir von dem 
um dieselbe hochverdienten Schoen 1792 ) nur eine Uebersetzung des 
zweiten Buches Mose erhalten. Für diese Litteraturübungen wird 
mehr und mehr geschehen, je nachdem das Christenthum sich be- 
festigt und, im schärfsten Gegensatze zur mohammedanischen Mis- 
sion, auch die Darstellung volkstümlicher Elemente unbelangen in 
ihren Kreis zieht ; von der Zukunft der christlichen Mission ist bei 
Gelegenheit der Nigerexpedition 93 ) um so mehr zu hoffen, je fester 
die Stütze ist, welche sie bereits in Yoruba gefunden hat. 

Wir stehen hiermit an der Westküste Afrikas, welche theils 
wegen französischer Einwirkungen in Senegambien, theils wegen des 
Versuchs einer selbständigen Entwicklung des Negerthums in nord- 
amerikanisch-gearteter Freiheit, theils wegen wüster Extravaganzen 
einer beinahe systematischen Negerbestialität in Dahomey das all- 
gemeinste Culturinteresse hat 95 ). Da dieser Theil des hartnäckig 
unfreundlichen Continents nächst der Nordküste der europäischen 
Schiffahrt, wenn diese einmal das Grauen vor einem Ueberschreiten 
der Säulen des Herkules überwunden hatte, am zugänglichsten war: 
so hat jetzt die Geschichtschreibung der Geographie über sehr früh? 
Versuche der Kenntnissnahme derselben zu berichten. Judos 96 ) 
untersucht den leider in seiner Originalgestalt nicht mehr vorhan- 
denen Periplus des Hanno, der wohl nur bis zum Cap Bojador, nicht 
bis zum Cap Verde vorgedrungen sein wird, da ihn über das letztere 
die zahlreichen Küstenflüsse des Djolof-, Mandingo- und Susu-Ge- 
bietes gewiss hinaus gelockt haben würden, während das öde Gestade 
der westlich auslaufenden Sahara zwischen Cap Bojador und Cap 
Branco ihn sicher zurückgeschreckt hätte, zumal seine nächsten Ab- 

people of Yoruba. By the Rev. T. J. Bowen. Washington, published by the 
Smithsonian Institution 1858, 4. 

1 792) Letafin Musa Nabin. The second book of Moses, called Exodus. Trans- 
]ated from the original into Hausa, by the Rev. James Fred. Schön. London 
1859, 8. 

93) The Gospel on the banks of the Niger: Journals and notices of the 
native missionaries accompanying the Niger Expedition of 1857 — 59. By Sm/i. 
Crowther and J. C. Taylor, (m. Karten). London 1859, 450 S. 8. 

94) Abbeokuta oder Sonnenaufgang zwischen den Wendekreisen. Eine 
Schilderung der Mission im Lande Joruba. Aus d. Englischen. Bis auf die 
Gegenwart fortgesetzt u. wesentlich erweitert durch die Einleitung : Die Morgeu- 
röthe des trop. Afrika, von Dr. W. Hof manu. M. 1 Karte von Joruba u. 
den angrenz. Landern. Berlin, Wiegandt u. Grieben 1859, VIII u. 318 S. 
gr. 8. (28 Jfy) Vgl. Literar. Centralbl. 1860 no. 12 p. 181 f. und Gersdorfs 
Repert. 1859, 65 p. 280 f. 

95) Die Westküste von Afrika, Ausland 1859 no. 38—39. 

96) Etüde philologique sur lc periple ou la navigation d'Hannon . amiral 
carthaginois, le long de la eöte occidentale dAfrique, par le Dr. Judas, Revue 
de I'Orient 1860, XII p. 206-222, 250—271. 



Gosche, vrisscnschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 295 

sichten nur auf Colonisation an der Küste des jetzigen Marokko 
ausgingen. Kunstmann 91 ), dem wir bereits manchen wichtigen 
Beitrag zur Geschichte der Reisen verdanken, hat die Beschreibung 
Valentin Ferdinands behandelt ohne erhebliche Resultate für die 
Kenntniss des nun besser durchforschten Küstengebiets vom Sene- 
gal bis zur Gränze der jetzigen Republik Liberia. Die neuen 
politischen und wissenschaftlichen Interessen sind mit grösserem 
Erfolge hierher gerichtet gewesen. Ein Reisender mit grosser psycho- 
logischer und sprachlicher Bildung, Bastian 98 ), gibt anziehende 
Nachrichten aus Congo, das uns die Portugiesen nicht so nahe ge- 
rückt hatten ; aus dem südlicheren Gebiete der Herero u. s. w. 
haben wir noch weiteres von Hahn und Math ") zu erwarten, was 
um so wichtiger werden kann, als die oro- und hydrographischen 
Fragen des Südost- und Südwest-Afrika trennenden Betschuanen- 
gebiets ungeachtet aller Bemühungen Andersons um den Ngami 
noch nicht endgültig beantwortet sind. Ausserdem liefern die gros- 
sen hier interessierten seefahrenden Nationen manche mehr oder 
weniger vorurtheilslose Aufzeichnungen: in englischer Sprache liegen 
vor die von Nevitte 1800 ) und die auf einen sechsjährigen Aufent- 
halt gegründeten von Valdez x ) ; holländisch die von Gramberg 2 ) ; 
am zahlreichsten französische, wie von Simon 3 ), Faidherbe 4 ) und 
Le Grain 5 ), von denen der erste und der dritte das Naturwissen- 
schaftliche und Medicinische, letztere auch das Topographische, Faid- 

97) F. Kunstmann , Valentin Ferdinand's Beschreibung der Westküste 
Afrika's vom Senegal bis zur Serra Leoa im Auszuge dargestellt , Abhh. der 
hist. Cl. der k. Bayr. Ak. der Wiss. VIII, 3 (München 1860, 4.) p. 782—825. 

98) Ein Besuch in San Salvador , der Hauptstadt des Königreichs Congo. 
Ein Beitrag zur Mythologie und Psychologie von A. Bastian. (Auch m. d. T. 
Afrikanische Reisen). Bremen, Strack 1859, XVII u. 367 S. 8. (2^i) vgl. 
Lit. Centralbl. 1859 no. 22 p. 347. ferner Ausland 1859 no. 17; Petermann's 
Geogr. Mitth. 1859 p. 167; Ewald Gott. gel. Anz. 1860 St. 40 p. 396 f. Ausser- 
dem: Afrikanische Reisen von A. Bastian, Bremer Sonntagsbl. 1859 no. 12. 

99) Reise der Herren Hugo Hahn und Rath im südwestl. Afrika , Mai 
bis September 1857, Petermann's Geogr. Mitth. 1859 p. 295— 3' '3 (mit 1 Karte). 

1800; W. L. Neville, Journal of a voyage from Plymouth to Sierra 
Leone; with Notices of Madeira, Teneriffa. Bathurst etc. Edited by H.CasweU. 
London, Bell & Daldy 1^59, 33 S. 8. (*/, sh.) 

1) Six years of a traveller's life in Western Africa. By Fr. Travassos 
Valdez. Vol. 1. 2. London, Hurst and Blackett 1861 , 740 S. 8. (30 sh.) 
vgl. Petermann's Geogr. Mitth. 1861 p. 167. 

2) Schetsen van Afrika's westkust, Door J. S. G. Gramberg. Amster- 
dam 1861, IV u. 380 S. 8. mit 8 lith. Tff. 

3) Etudes sur la cöte occidentale d'Afrique. La Cazamance. Geographie, 
ethnographie , botanique , par Kita. Simon, Revue de l'Orient 1859, X p. 561 
—574, 641-656, 749-766; 1860, XI P . 60-67. 

4) L. Faidherbe, Notice sur la colonie du Senegal et sur les pays qui 
sont en relation avec eile. Paris 1859, 8. vgl. Nouv. Ann. des Voy. 1859, 

I p. 5. 

5) Le Grain, Apercu topographique et medical sur les comptoirs de Grand- 
Bassam et d'Assinee (cote oeeid. d'Afrique), Nouv. Ann. de la Marine 1859, 
Febr. u. März. 



296 Gosche, tcissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

herbe das Administrative und Politische in den Vordergrund stellt. 
Von der Mission auf dem weiten Gebiete Ober- und Nieder- 
(iuinea's hat nur Anna Scott 1 * 06 ) gehandelt, wenngleich die tüch- 
tigen Missionare Hahn 7 ) und Schön 8 ) auch durch ihre sprach- 
lichen Bemühungen Ausserordentliches vorbereiten. Dir erste lÄSSt 
eine biblische Geschichte in dem von ihm so trefflich bearbeiteten 
Hererö drucken-, Schön gibt ein Elementarlehrbuch des bis dahin 
nur dürftig bekannten Ibo im Nigerdelta. Von dem wichtigsten 
Volke der Goldküste, den Aschantis, sind nur einige Bemerkungen 
über deren Fetische gegeben worden u ). 

Von der äquatorialen und südwestlichen Völker- und Sprachen- 
grappe Afrikas trennt die grosse Wüste d e r S a h a r a die festre Cultur- 
gestaltung der Nordländer. Sowohl als Brücke, wie als natur- und 
erdgeschichtliches Phänomen ist die Sahara nach vielen Seiten hin 
untersucht und besprochen worden. Tristram l0 ) schildert sie 
vom Atlas-Gebirge ab, de Golomh 1 1 ) den zu Oran gehörigen Theil, 
Buvry 12 ) den östlichen von Algier. Allgemeine Culturbilder von 
den Bewohnern entwirft Valette 13 ); Laurent 11 ) nimmt die zu- 
letzt von Mac Carthy aufgeworfene Frage der artesischen Brunnen 
wieder auf, deren Herstellung eine schöne Reihe von Oasen und 
dauernden Bevölkerungsstätten zu schaffen vermöchte. Es ist na- 
türlich Frankreich, das sich hauptsächlich für die Sahara- Angelegen- 
heiten interessiert, indem es, wenu es von seinen nordafrikanischen 
Besitzungen aus südlich vordringt , verhältnissmässig tief in die 
Wüste hinein römische Ruinen als Zeugnisse eines vordem möglich 



1806) AnnaM. Scott, Day Dawn in Africa ; or , Progress of the Protestant 
episcopal mission at Cape Palmas, West-Africa. New- York 1858, 314 S 12. 

7) Vergl. Petzholdt's Anz. für Bibliogr. 1861 p. 266 f. C. H. Hohn, 
Omahungi nomambo omatororoa nomambo oa nmkuru netestamente ekuru nepe 
puna oviprente ovingi na katekismus katiti ka Mart. Luther nomaimbariro 
tyiva. Gütersloh, Bertelsmann 1861, V u. 506 S. 8. mit 30 Taff. in Holzschn. 

(2 2 / 3 m 

8) Oku Ibo. Grammatical elements of the Ibo language. By J. F. Schön , 

London 1861, 86 S. 12. (3 sh.) 

9) Einiges über die Fetische des Akwapem-Volkes (Aschanti) , Ausland 
1859 no. 15. 

10) The Great Sahara. Wanderings Sonth of the Atlas Mountains by 
H. B. Tristram. With plates and maps. London, Murray 1861, 440 S. 8. 
(15 sh.) Vgl. Petermann's Geogr. Mitth. 1861 p. 243 und Westm. -Review 
1861 T. 19 p. 554. 

11) Exploration des Ksours et du Sahara de la province d'Oran ; ouvrage 
aecompagne d'une carte de l'itineraire suivi par L. de Colomb, dans sa fcournee 
d'exploration du sud, levee et dessinee par M. de la Ferronai/. Alger 1859, 
63 S. 8. 

12) Voyage dans le Sahara oriental Algerien. Description , archeologie , bi- 
stoire naturelle, nature du sol, position , limites , hydrographie. Par Liop. 
Buvry, Revue de l'Oiient 1859, X p. 479—501, 610—621, 678 -695. 

13) La region Saharienne. Population , moeurs, habitudes et croyance,S. 
Far Valette, Revue de l'Orient 1860, XII p. 50-61. 

14) Ch. Laurent , Memoire sur le Sahara oriental, au point de voe de 
l'etablissenient des puits artesiens dans l'Oued-Souf, dans l'Ouod-U'ir et les Zi- 
bans. Paris, Bourdier 1859, VI u. 93 S. 8. m. 3 Karten. (6 fr.) 



Gosche, tc-isscnschaftl . Jahresbericht für 1859 bis 1861. 207 

gewesenen und vielleicht glücklich zu erneuernden Culturlebens 
antrifft. 

Der ganze Nord r and von Alexandrien wenigstens bis Ceuta 
gehört, dem Masse des Interesses nach, nicht mehr zu dem ver- 
schlossenen Afrika, sondern als Küstenland des Mittelmeers in den 
Kreis europäischer Beobachtung und zum grossen Theil europäischen 
Schicksals: zwar nicht mehr an Spanien, an dessen moham- 
medanische Zeiten ein während des 7. Jahrhunderts der Hidschrah 
in Nordafrika reisender, von Cherbonneau 1 **) besprochener al- 
'AbdarT erinnert, sondern an Frankreich angelehnt. Daher gehören 
die zeit- und culturgeschichtliehen Aufzeichnungen über Nordafrika 
hauptsächlich Franzosen oder auch etwas eifersüchtigen Engländern 
an, wenn nicht die beinahe europäisch-bequemen oder doch leicht 
in die Wüstenromantik hineinführenden Reiseeinrichtungen auch 
irgend einen deutschen Touristen anlocken. Duieyrier lh ), den wir 
soeben von Norden aus in Innerafrika, wenn auch nicht tief, ein- 
dringen sahen, gibt allerlei Notizen, Thierry-Mieg l6 ) ein voll- 
ständiges Reisebild. Auch der Englander Ditson 11 ) hat dieses 
Gebiet bereist ; Wachenhusen 18 ) stellt für sein Publicum Jagd- 
bilder zusammen. Eine geographisch-geschichtliche Schilderung ver- 
sucht Gerard 19 ) 5 höher stellt vom Standpunkt der vergleichenden 
Erdkunde aus Palacky 20 ) seine Aufgabe. Aber an allen Punkten 
fehlt es noch an gleichmässig zuverlässigen Daten. Nach vielen 
Richtungen hat Barth's grosses Reisewerk gesorgt, dessen ethno- 
graphische Ermittelungen gelegentlich 21 ) zusammengestellt worden sind. 
Nach und nach werden locale oder provincielle Vereine und Zeit- 
schriften das Ihrige thun, unter denen bereits das leider nicht 



14a) Notice et extraits du voyage d'El-Abdery ä travers l'Afrique sep- 
tentrionale, au VHe siede de l'hegire. Par Cherbonneau , Revue algerienne 
et coloniale 1860, April. 

15) Henry Durcyrier's Reisen und Forschungen im Grenzgebiet von 
Algier, Tunis und Tripolis 1860, Petermann's Geogr. Mitth. 1861 p. 389 f. vgl. 
oben No. 1788. 

16) Six semaines en Afrique. Souvenirs de voyage par C. Thierry-Mieg. 
Paris 1861, 417 S. 8. (3 fr.) 

17) Gr. L. Ditson , Adventures and observations on the North Coast of 
Africa ; or, the Crescent and the French Crusaders. New-York 1860, 371 S. 8. 

18) Hans Wachenhusen, Die Wüstenjäger. Bilder aus dem Kriegerleben 
der Saharastämme. Th. 1. 2. Berlin. Wagner 1860, VI u. 543 S. 8. (2 2 / 3 ^ ) 

19) Vgl. unten 110. 1919a. 

20) Wissenschaftliche Geographie von J. Palacky, besonderer Theil. Bd. I. 
Heft 2. DieBerberei. Prag, Bellmann 1859. 1 1—288 S.) gr. 8. (1 3fy. ) Heft 3. 
Auch 111. d. T. Das nordafrikanisehe Wüstenland. (Egypten, Sahara. Nubien, 
Tripolitanien). ebend. V u. 289—422 S. gr. 8. (1 ^ ) Auch böhmisch. Vgl. 
Lit. Centralbl. 1860 no. 11 p. 162. 

21) H. Barth über die Ethnographie Nordafrika's , Ausland 1861 no. 18. 



298 Gotche, vnssentchaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

regelmässig hierhergelangende 'Annuaire de Constantine' l822 ) eine sehr 
hervorragende und für unsere Forschung bedeutsame Stelle einnimmt. 
Es ist besonders die alte Geschichte Nordafrikas, deren 
Kenntniss durch dieses Annuaire gefördert wird. Die letzten Num- 
mern desselben brachten vorzugsweise archäologische Mittheilungen 
und meist lateinische Inschriften ; daneben aber auch Kunde von 
achtzehn numidischen Stelen, von denen acht vollständige In- 
schriften trugen. Halten wir hierzu noch die schöne numismatische 
Publication von Falbe, Lindberg und L. Müller 2i ) , so kann die 
Forschung desAlterthums auf diesem Gebiete sich Glück wünschen. Auch 
an der für die ältesten Epochen entscheidendsten Stelle im westlichen 
Nordafrika, in Karthago, werden durch erfolgreiche Ausgrabungen 24 ) 
neue Hilfsmittel dargeboten, zunächst für Topographie und Archäo- 
logie. Davis' 25 ) vollständiger Bericht über seine auch durch epi- 
graphische Funde ausgezeichneten Ausgrabungen liegt nun vollständig 
vor ; einige Hauptpunkte derselben hat Franks 26 ) besprochen. In 
einigen topographischen Fragen hat ihn der würdige Fortsetzer 
der Falbe'schen Untersuchungen, Beule 2,1 ) überholt, von dessen Ar- 
beiten Desjardins 28 ) berichtet ; besonders ist die nun gegen alle 
Zweifel gesicherte Auffindung der altpunischen Byrsa von grosser 



1822) Annuaire de la Societe archeologique de la provinee de Constantine 
(T. IV): 1858—59. Constantine, Bastide; Paris, Leleux 1860, VI u. 224 S. 
8. Vgl. Ewald Gott. gel. Anz. 1860 St. 137 p. 1361 f. und auch über die drei 
früheren Hefte M. A. Levy in Z. d. DmG. XIV (1860) p. 747 f. 

23) Numisinatique de l'ancienne Afrique. Ouvrage prepare et commenee 
par C. T. Falbe et J. Chr. Lindberg, refait, acheve et publie par L. Müller. 
Vol. I. Les monnaies de la Cyrenai'que. Leipzig, Lorek 1860, XII u. 182 S. 
4. m. Holzsehn. (4^.) Vgl. Lit. Centralbl. 1861 no. 5 p. 68., die treffliche 
Eec. Lit. Centralbl. 1862 no. 10 p. 175 f. und C. G. Schmidt Gott. gel. Anz. 
1861 no. 33 p. 1292 f. 

24) Vgl. im Allgemeinen Edinburgh Review 1861, 114 p. 65 — 98. 

25) Carthage and her remains. By N. Davis. London, Bentley 1861, 
gr. 8. m. Tff. vgl. Athenaeum 1861 no. 1733, Westm.-Review 1861 T. 19 p. 
569; Dublin Review 1861 T. 49 p. 383 f. Edinburgh Review 1861, 114 
p. 65 f. und Blackwood's Magazin 1861 (Febr.). Vgl. meinen Bericht für 1857 
— 1858 no. 1824. 

26) On Recent Excavations at Carthage , and the Antiquities discovered 
there by the Rev. Nathan Davis. By Aug. Wollaston Franks , Archaeo- 
logia published by the Soc. of Antiquaries of London, Vol. XXXVHI (London 
1860, 4.) p. 202—236. Mit trefflichen Abbildungen der Mosaiken; vgl. Edin- 
burgh Review 1861, 114 p. 65 f. 

27) Fouilles ä Carthage aux frais et sous la direction de M. Beule. Paris, 
Impr. Imper. MDCCCLX1. 143 S. 4. m. 6 Tff. vgl. E. Curtius in Gott. gel. 
Anz. 1861 no. 6 p. 224 f. und schon Beule Revue archeol. 1859 p. 170 f., 
Journ. des Sav. 1859 Aoi'it, und Edinburgh Review 1861, 114 p. 65 f. 

28) E. Desjardins Bericht über die Ausgrabungen Beule's in Carthago, 
Bulletino dell' Inst, di corrisp. archeol. 1860 no. 1 — 2 (Jan. u. Febr.), vgl. 
1859 Juli p. 142. 



Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 299 

Wichtigkeit 29 ) r und ausser andern Legalitäten ist Hafen und Nekro- 
pole Karthagos durchaus festgestellt 30 ), was bei den Veränderungen, 
welche das Meer im Laufe der Jahrhunderte nothwendig an der 
Küste mit sich bringen musste, manchen Schwierigkeiten unterworfen 
war. Für die Charakteristik des ost- und west-phünizischen Bau- 
stils ist es interessant, dass an den bei dieser Gelegenheit bios- 
gelegten Umgürtungsmauern die Tufsteingefüge an die alte Bau- 
weise von Jerusalem erinnern. Auch Blakesley 31 ) stattete bei 
seiner Reise in Algier der alten Punierstadt einen Besuch ab. Die 
karthagische Geschichte gewinnt damit an sicherem Boden und 
Anschaulichkeit, wenngleich die im Wesentlichen durch den ein- 
seitigen Charakter der römischen Berichterstattung hervorgebrachte 
Unsicherheit kaum je etwa durch neue Inschriftenfunde gehoben 
werden wird. Sogleich die ersten Berührungen der grossen Gegner 
sind bis zur Dunkelheit zweifelhaft. Im Wesentlichen Mommsen's 
Zweifel gegen Polybios' Datierungen zur Voraussetzung nehmend 
untersucht A. Schäfer 32 ) scharfsinnig und sauber die ersten Bünd- 
nisse, welche Roeckerath 33 ) in ihrem ganzen Zusammenhange be- 
handelt hat ; auch Aschbach. 34 ) steht in der Hauptsache auf Momm- 
sens Standpunkt, indess E. Müller 34a ) ihn bestreitet. AuchHannibals 
tragische Zeit steht nicht im klaren Licht der Geschichte; Bu- 
jack' ih ) hat von einem verlorenen Geschichtsschreiber desselben zu reden 
und wo die Natur in den Alpen den Weg des den grossen Ideen 
der Geschichte unterliegenden Heldec bestimmt gezeichnet zu haben 



29) Les fouilles de Byrsa par Beule, im Joum. des Sav. 1859 p. 498 
—515, 561—579, 674—694. 

30) Les ports de Carthage, par Beule, Journal des Sav. 1860 Mai p. 299 
— 309, Juin p. 352 — 370. — La necropole de Carthage , von dems. , ebend. 
(Sept.) p. 554-572. 

31) Four Months in Algeria, with a visit to Carthage. By the Rev. Joseph 
Williams Blakesley. With maps and illustrations after photographs. Cam- 
bridge, Macmillau 1859, 440 S. 8. (Leipzig, Brockhaus 5 3 5 ^. ). Vgl. Petermann's 
Geogr. Mitth. 1859 p. 167. Ferner darüber nebst verwandter Litteratur seit 
1854 Dublin Review 1860 T. 47 p. 273 f. und Westm.-Review 1859 T. 15 
p. 590. 

32) Tyros im karthagisch-römischen Bündniss. Von A. Schäfer. Rhein. 
Museum für Philologie XV ( 1860) p. 396 f., 488; das erste römisch-karthagische 
Bündniss, von dems., ebend. XVI (1861) p. 288 f. 

33) Foedera Romanorum et Carthaginiensium controversa critica ratione 
illustravit P. J. Roeckerath. Münster, Theissing 1860, 74 S. gr. 8. (12 Jfy) 
Vgl. Lit. Centralbl. 1860 no. 41 p. 646. 

34) Ueber die Zeit des Abschlusses der zwischen Rom und Karthago er- 
richteten Freundschaftsbündnisse. Von Prof. Aschbach. (Aus d. Sitzungsber. 
der kais. Ak. d. Wiss.) Wien, Gerold's Sohn in Comm. 1859, 29 S. 8. 

34a) Ueber das älteste römisch-karthagische Bündniss. Von Emil Müller, 
Verhandlungen der Philologen- Versammlung zu Frankfurt a. M. (1861 pag. 
79-92. 

35) De Sileno scriptore Hannibalis. Dissert. iuaug. hist. scr. Geo. Bu- 
jack. Regimonti Pr. 1859, 38 S. 8. 



300 Gosche, wissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

scheint, eröffnet Chappuis 183G ) neue Streitfragen, in denen Kaueben- 
steins Annahme des Mont-Gcnevre als Uebergangspunktes vielleicht 
zuletzt besteben wird. Einzelheiten der sonstigen punisch-mauri- 
tanischen Geschichte haben Berbrugger 37 ), Cherbonneau 38 ) und 
Creuly 39 ) behandelt ; zu bemerken ist über den ersteren, dass die 
dort angegebenen Inschriften zur Geschichte der letzten man Ti- 
tanischen Dynastien besser bei Kenier stehen, und dass die Res- 
publica Saddaritanorum Chcrbonncaus an dem heutigen 'Ain-el-Bey 
zu suchen ist. Zur Würdigung des ganzen römischen Wissens von 
Nordafrika ist die, wenn auch auf Libyen sich beschränkende Unter- 
suchung Michons 40 ) von Interesse. Römische Alterthümer sind in 
dem heutigen Algier massenhaft nicht sowohl an und für sich vor- 
handen, wohl aber bereits ermittelt und untersucht. Der verdiente 
Renier ix ) hat hier seine Specialdomäne; das Museum von Algier, 
welches Berbrugger iZ ) beschreibt, enthält meist römische Denk- 
mäler und zwar mit Inschriften. Vieles dahin gehörige Detail ist 
untersucht worden von demselben 43 ), von Ferraud**), Fey ib ), 
Hanoteau 46 ) und Poulle 41 )-, ganz besonders mit sicheren Ideutiti- 



1836) Kapport adresse a M. le Ministre de l'instr. publ. sur le passage 
d'Annibal dans les Alpes, par C. Clurppuis. (Extr. de la Revue des Societes sa- 
vantes). Paris 1860 , 48 S. gr. 8. vgl. H. Weil in Jahns Jahrbb. f. Philol. 
1865 Abth. 1 Heft 8 p. 567 f. 

37) Derniere dynastie Mauritanienne, par Berbrugger, Revue Africaine 
1861 März no. 26, Juli no. 28 u. Sept. no. 29- 

38) Notice archeologique sur Ai'n el-Bey (respublica Saddaritanorum) par 
A. Cherbonneau, Revue Africaine 1862 Mai no. 33. Vgl. Zell in Heidelb. 
Jahrbb. 1863 Febr. p. 115f. 

39) Creuly, Les Quinquegentiens et les Barbares, anciens peuples d'Afrique, 
Revue archeol. Nouv. ser. T. 3, 1 (Paris 1861 gr. 8.) p. 51 — 58. vgl. Unc 
Observation d'archeologie algerienne par //. Aucapitaine , Nouv. Annales des 
voy. 1862, I p. 224 f. 

40) Quid Libycae geographiae auetore Plinio Romani contulerint, scr. L. 
A. Joseph Michon. Paris, Durand 1859, 63 S. 8. m. 1 Karte. 

41) Autiquites romaines de l'Algerie. Rapport Adresse k S. A. I. le Princo 
charge du ministere de l'Algerie , par Leon Renier, Revue de l'Orient 1859, 
IX p. 1—8. 

42) Livret de la bibliotheque et du musee d' Alger. Par A. Berbrugger, 
Revue Africaine 1859 Dec. No. 20, 1860 März No. 21, Aug. No. 23. October 
No. 24. 

43) Une expedition romaine inedite, par A. Berbrugger, Revue Africaine 
1860 Oct. no. 24. (vgl. Zell in Heidelb. Jahrbb. 1863 Febr. p. 107 f.) und 
derselbe : La colonie de Rusgunia (Matifou), par A. Berbrugger, ebend. 1859 
Oct. no. 19. (vgl. Zell in Heidelb. Jahrbb. 1^63 Febr. p. 103 f.) 

44) Entre Setif et Biskara. Par L. Ferraud, Revue africaine 1860 März 
No. 21. Vgl. Zell in Heidelb. Jahrbb. 1863 Febr. p. 105 f. 

45) Epigrapbie de Lella Mar'nia, par Leon Fey , Revue Africaine 1859 
Febr. no. 15; 'vgl. Zell in Heidelb. Jabrbb. 1863 Febr. p. 100. 

46) Archeologie du territoire des Beni Raten, par A. Hanotcau , Revue 
Africaine 1861 Mai No. 27. Vgl. Zell in Heidelb. Jahrbb. 1863 Febr. p. 109 f. 

47) Ruines de Bechilga, par Poulle, Revue Africaine 1861 Mai no. 27. 



Gosche, Wissenschaft!. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 301 

cierungcn in Tripolis 411 ) und Tunis 1 ' 1 ); in Julia Caesarea 5 % dem 
heutigen Scherschcl, wo schöne Marmorstücke römischer Kunst ge- 
funden worden sind und, da der Ort die Hauptstadt des Königs 
Juba war, wohl muh mehr zu erwarten ist; in lladrumetum 61 ), 
dem jetzigen Susa; in Icosium •'•-;, jetzt Algier; in Lambaessa 53 .), 
das seinen Namen erneut hat; in Missua, heut Sidi Däwüd en- 
NebT; in llapidi 55 ), jetzt Sur Juab; in dem etwas unsiclicrn Rnbrae 66 ) 
und der dem gegenwartigen 'Ain Temuschent entsprechenden Timici 
Colonia 57 ). Obgleich mit dem muhammedanischen Mittelalter die 
Zahl der geschichtlichen Darstellungen, wenn auch nicht der Inhalt 
der Geschichte sich mehrt, so sind doch für die Gesammtvcrhalt- 
nisse Nordafrikas im Wesentlichen für diese Epoche christliche 
Notizen anzumerken. Einmal ein Sendschreiben Gregorys 11. 58 ) 
an Winfried, also den Zustand der nordafrikanischen Kirche in der 
eisten Hälfte des achten Jahrhunderts betreffend und dann Einiges 
über die Missionen in Marokko 5<J ). Zur Würdigung des unge- 
heuren Widerstandes, welchen das Christenthum an dem gegenwärtig 
herrschenden Glaubenssystem findet, und des geschichtlichen Werthes 
dieses Glaubenssystems können die Bemerkungen von Le Flock ü0 ) 



48) Domination romaine dans le Sud de l'Afrique septentrionale (Tripoli- 
taine) par Berbrugger d'aprös M. le Dr. Barth, Revue Africaiue 1859 Juni 
no. 17. 

49) Archeologie Tuuisienne, par Tissot, Revue Africaiue 1861 Juli uo. 28. 

50) Colounes Militaires des envirous de Cherchel, par A. Berbrugcjer, 
Revue Africaiue 1859 Oct. no. 19. Vgl. Zell in Heidelb. Jahrbb. 1863 Febr. 
p. 103 f. 

51) Soussa (Hadrumetum) par Espina, Revue Africaiue 1859 Juni no. 17. 
Vgl. Zell in Heidelb. Jahrbb. 1863 Febr. p. 100 f. 

52) Archeologie des envirous d'Icosium (Alger) par A. Berbrugger, Revue 
Africaiue 1861 März no. 26. 

53) Notice militaire et historique sur l'ancienne ville de Lambesc (pro- 
vince de Constantine) ; par A. C. Paris 1860, 107 S. 8. mit 12 Taff. 

54) Missua civitas ( Sidi Daoud en-Ncbi ) par A. Berbrugger , Revue 
Africaiue 1862 Mai no. 33. 

55) Rapidi (Sour Djouab), par A. Berbrugger, Revue Africaine 1859 Oct. 
no. 19, Dec. no. 20. vgl. Zell in Heidelb. Jahrbb. 1863 Febr. p. 104. 

56) Rubrae, par Bataille, Revue Africaine 1859 Avr. no. 16 ; verglichen 
auch : Les inscriptions de Rubrae, par Mac Carthy, ebend. 1860 Mai uo. 22. 

57) Timici Colonia (Ain-Temoucbeut de l'Ouest) par It. Leon Fey, Revue 
Africaine 1859 Aug. no. 18. vgl. Zell in Heidelb. Jahrbb. 1863 Februar p. 
102 f. 

58) Observations critiques sur quelques points de l'histoire du christianisme 
en Afrique, par Leon Goclard, Revue Africaine 1861 Jan. no. 25. 

59) Die mittelalterl. Missionen in Afrika: Die Missionen in Marokko im 
13. u. 14. Jahrb., Historisch-polit. Bll. für das kath. Deutschland 1860 Bd. 
45 Heft 3. 

60) L.LeFloch, Mahomet, Allvoran, Algerie. — Etudes historiques, philo- 
sophiques et critiques. Paris 1860, 288 S. 8. 



302 Gosche, tvissenschaftl. Jahresbericht für 1859 bis 1861. 

dienen. Der Islam ist daran Schuld, dass der Anbruch der neuen 
Zeiten an diesen einst von mächtiger Cultur bewegten Ländergebieten 
wirkungslos vorübergegangen ist. Es war gleichgültig, dass Xime- 
nez im Jahre 1509 Oran eroberte, worüber jetzt Godard 1 *" 1 ) ge- 
handelt hat; die türkische Herrschaft, deren Festsetzung besonders 
in Kabylien der in diesen Gebieten heimische Aucap itaine 6 *) be- 
spricht, dient nur zur Consolidierung des Maurisch-Muhammeda- 
nischen. Die Engländer in Tanger von 1663 — 1683, von denen 
Berbrugger 63 ) erzählt, erscheinen nur als eintiusslose Fremdlinge ; 
die arabisch-türkische Krieg- und Friedensordnung von 1748 bei 
Devoulx 6i ) zeugt für die schlimme Kraft des Islam und Gorguos 65 ) 
kann sehr charakteristisch nach arabischen Quellen über ein Lob- 
gedicht auf Bey Muhammed berichten, der 1791 die Spanier be- 
siegt hatte. 

Das Recht des Christenthums wird , wenngleich getrübt durch 
die Nebenabsichten einer nationalen Sonderpolitik, erst während 
des 19. Jahrhunderts zur Geltung durch die Franzosen gebracht, 
deren Geschichte daher der Engländer Cave 66 ) mit besonderem 
Interesse verfolgt, während Ladimtr 67 ) eine einfache Kriegs- 
geschichte von 1830 — 1858 gibt. Welche Erwartungen man be- 
rechtigt sei daran zu knüpfen, wird sieb sogleich bei der nähern 
Betrachtung Algiers zeigen. 

Die Culturfrage Nordafrikas würde verhältnissmässig einfach 
und aussichtsreich sein, wenn man es nicht meistens mit Völker- 
mischungen , welche hier statt der schönen Vortheile von Völker- 
kreuzungen die bösen Nachtheile der Zerstörung geschlossener Stamm - 
eigenthümlichkeiten zeigen, sondern mit einer reinen Volksindivi- 
dualität zu thun hätte. Aber der prächtige und selbst in seiner 
Verwilderung noch beachtenswerthe Stamm der Berbern ist immer 
weiter von den geordneten Mächten des Islam oder des Europäer- 



1861) Souvenirs de l'expedition de Xiuienes en Afrique par Leon Godard, 
Revue Africaine 1861 Jan. no. 25. 

62) Etudes militaires sur la domination turque en Kabylie, par Baron H. 
Aucapitaine, Revue de l'Orient 1859, IX p. 389 — 395. 

63) Oecupation anglaise de Tanger (de 1663-1683), par Berbrugger, 
Revue Africaine 1861 Juli no. 28. 

64) Ahad Aman ou reglement politique et militaire , texte turc , traduit en 
Arabe par Si-Moharnrned et reproduit en francais par Devoidx fils, Revue Afri- 
caine no. 21. (1860 März). 

65) Bou Ras, historien inedit de 1' Afrique septentrionale , par Gorguos, 
Revue Africaine no. 26 (Jan. 1861). 

66) The Freuch in Africa. By Laurenec Trent Cave. London , Skeet 
1859, 250 S. 8. (10V 2 sh.) 

67) J. Ladimir, Les guerres d'A